Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Protokollierung 4
2.1 Strukturprotokoll der Sendung 4
2.2 Feinprotokoll des Beitrags 5
2.3 Sequenzprotokoll des Beitrags 10
3. Bildsprache 12
3.1 Einstellungsgrößen 12
3.2 Kameraperspektiven 13
3.3 Beachtung der Wahrnehmungsfolge 14
3.4 Schrift im Bild 14
4. Filmsprache 15
4.1 Einstellungslängen 15
4.2 Montagekonjunktion 16
4.3 Kameratechnik 17
5. Sprache und Musik 18
5.1 Sprache und Verständlichkeit 18
5.2 Musik 19
6. Bild-Text-Verhältnis 20
7. Inhaltsanalyse 21
7.1 Inhaltlicher Aufbau / journalistische Botschaft 21
7.2 Inhaltliche Probleme 22
8. Fazit 23
9. Literaturverzeichnis 25
10. Anhang 26
2
1. Einleitung
In der folgenden Hausarbeit wird ein Magazinbeitrag einer qualitativen und quantitativen Analyse unterzogen. Es handelt sich dabei um den Beitrag „Cybercars - Elektrotaxis ohne Fahrer“ von Thomas Azade, der am 19.08.05 in der Sendung „nano“ auf 3Sat ausgestrahlt wurde. Dargestellt wird, neben bisherigen technischen Entwicklungen auf dem Gebiet der fahrerlosen Autos, die innovative Zukunftsvision eines französischen Institutes - die des Cybercars. Bereits beim ersten
Anschauen des Beitrags wurde deutlich, dass Langeweile und Irritation beim Zuschauer aufkamen. 1 Obwohl das Thema gesellschaftlich relevant erscheint 2 , von einer technischen Innovation die Rede ist und der Beitrag mit vier Minuten sehr kurz ist, stellte sich Ermüdung ein. Als Hauptkritikpunkt stellte sich die fehlende Erläuterung der angeblichen Innovation des Cybercars dar, da die Unterschiede zu älteren vorgestellten Modellen nicht ersichtlich waren. Obwohl es im Beitrag eine ausführliche Techniksequenz gibt, bleibt unklar wie das Fahrzeug angetrieben wird und wie schnell es einmal fahren soll. Auch Probleme oder Nachteile des Cybercars werden nicht benannt. Insgesamt wirkte der Beitrag inhaltlich unvollständig und oberflächlich. Irritation stellte sich auch deshalb ein, weil der Beitrag teilweise „zusammengewürfelt“ wirkte; dieser Eindruck kam vor allem in der Einleitung und am Schluss auf.
Die aus dem ersten Eindruck entwickelten Fragestellungen lauten wie folgt: Worin liegen die Ursachen für die aufkommende Langeweile bzw. warum wirkt der Beitrag ermüdend, teilweise anstrengend? Inwieweit ergänzen sich Bild und Ton bzw. gibt es häufig Bild-Ton-Scheren? Warum empfindet der Zuschauer den Beitrag als „zusammengewürfelt“, wie sind demzufolge die Einstellungen bzw. Sequenzen zu beurteilen?
Um diesen Fragen nachzugehen werde ich im Folgenden zunächst Struktur-, Fein- und Sequenzprotokoll erstellen, die einen Überblick über Ablauf, Struktur und Inhalt des Beitrags geben sollen. Es folgt eine Untersuchung der Bildsprache, die sich jedoch auf die verwendeten Einstellungsgrößen, eventuelle Besonderheiten bzgl. der Kameraperspektive und die Beachtung der Wahrnehmungsfolge beschränken soll. In einem nächsten Schritt wird die Filmsprache untersucht, insbesondere sollen Einstellungslängen, Schnittfrequenz und Kameratechnik im Mittelpunkt stehen. Anschließend soll der Fokus auf die Sprache bzw. die Verständlichkeit des Kommentartextes gelegt
1 Neben der Autorin sahen fünf weitere Personen, unabhängig voneinander, den Beitrag. Diese wurden, jeweils direkt
im Anschluss, gebeten das Thema und die Struktur des Beitrags (Nennung von Unterthemen) wiederzugeben, sowie
darzustellen was ihnen positiv oder negativ aufgefallen war. Obwohl sich die befragten Personen soziodemographisch
stark voneinander unterschieden (s. Anhang), deckten sich ihre Aussagen in diesem ersten Eindruck stark. Zusammen
mit der Einschätzung der Autorin bildeten sie die Grundlage für die entwickelten Fragestellungen.
2 In der Anmoderation (s. Anhang) wurde das Cybercar als ein fahrerloses, umweltfreundliches Elektrotaxi
angekündigt. Aufgrund steigender Benzinpreise, der nach wie vor starken Luftverschmutzung in Innenstädten und
vielerorts beschriebenen unfreundlichen Taxifahrer, kann das Thema, nach Ansicht der Autorin, als gesellschaftlich
relevant betrachtet werden.
3
werden. Es folgt eine Analyse des Bild-Ton-Verhältnisses, sowie der journalistischen Botschaft, um
inhaltliche Fehler aufzudecken bzw. die Struktur des Beitrags herauszuarbeiten. In einem
abschlie ßenden Fazit sollen die wichtigsten Ergebnisse der Arbeit bezogen auf die Fragestellungen
herausgearbeitet werden.
2. Protokollierung
2.1 Strukturprotokoll der Sendung
Sendung : „nano“ am 19.08.2005 (3Sat)
L änge: 28´18
1 0´00 Vorspann
2 0´15 Themenübersicht
Moderation : Begrüßung Einleitung zum 1. Filmbeitrag (Cybercars -
3 0´39
Elektrotaxis ohne Fahrer)
4 1´12 1. Filmbeitrag: Cybercars - Elektrotaxis ohne Fahrer
Abmoderation : Anmerkung zum 1. Filmbeitrag (langsame Elektrotaxis
5 5´13
k önnen Zahl der Verkehrstoten verringern)
6 5´36 Vorspann „news“
7 5´41 2. Filmbeitrag: geheilte Verbrennungen („news“)
8 6´37 3. Filmbeitrag: ausbleibender Monsun in Indien („news“)
9 7´21 4. Filmbeitrag: alte Tuberkuloseerreger („news“)
10 8´03 Moderation: Menschen werden immer älter
5. Filmbeitrag: Warum werden wir immer älter und welche Konsequenzen
11 8´38
ergeben sich daraus?
Moderation : Reaktionen auf das Umkippen der Alterspyramide
12 13´23
(Überleitung zum 6. Filmbeitrag)
6. Filmbeitrag: Bielefeld berücksichtigt Geburtenrückgang und
13 14´10
Überalterung bei der Stadtplanung
14 18´57 Moderation: Zitat von George Bernard Shaw (Vorteile des Alters)
15 19´20 Vorspann „tipps“
16 19´25 7. Filmbeitrag: Buchvorstellung „Reptilien“ („tipps“)
17 20´34 Moderation: Stevia - Zucker ohne Kalorien
18 21´01 8. Filmbeitrag: Stevia - die unscheinbare Wunderpflanze aus Südamerika
19 26´04 Moderation: EU bewilligt Probeanbau von Stevia
20 26´12 Vorspann „rätsel“
4
21 26´16 Moderation: Vorstellung der Preise / Gewinne 22 26´48 9. Filmbeitrag: Rätsel 23 27´38 Moderation: Bekanntgabe von Adresse und Einsendeschluss; Abschied 24 28´01 Vorschau nächste Sendung; Abspann (parallel)
2.2 Feinprotokoll des Beitrags Sendung: „nano“ am 19.08.2005 (3Sat) Beitrag: Cybercars - Elektrotaxis ohne Fahrer Länge: 4´01
1 0´00 HT: Mann steigt in einen umgebauten Musik: elektronisch-synthetisch, „leicht“ Van (unbewegt) und spielerisch 2 0´03 D: am Autodach rechts befestigte Musik: elektronisch-synthetisch, „leicht“ Kamera (unbewegt) und spielerisch 3 0´04 D: am Autodach links befestigte Kommentar: Mit schweren Kameras, um Kamera (unbewegt) nicht vom Weg abzukommen, und einer 4 0´05 D: abgefilmter Bildschirm des Autos ganzen Wagenladung Technik begann (Kamerabild der Straße) die Reise in eine fahrerlose Autozukunft. 5 0´08 T: Van fährt sehr langsam auf einer Landstraße auf Kamera zu (Kamerafahrt) 6 0´10 D: Lenkrad (unbewegt) 7 0´12 T: weiße Limousine fährt auf Musik: elektronisch-synthetisch, „leicht“ Autobahn auf Kamera zu (unbewegt) und spielerisch (leichte Obersicht - keine Intention) Kommentar: Deutlich kompakter und 8 0´13 HT: Auto fährt an Zuschauern (und flotter waren Mitte der 90er Kamera) vorbei (von rechts nach amerikanische Autos für die Autobahn links), Insasse winkt vom Fahrersitz der Zukunft - geleitet von (Schwenk) (leichte Obersicht - keine Magnetsensoren im Asphalt. Intention)
9 0´16 D: abgefilmter Bildschirm des Autos (Kamerabild der Autobahn) 10 0´19 N: Magnetsensor wird in den Asphalt gesetzt (unbewegt); Kamera auf Bodenhöhe
11 0´21 T: schwarzes Auto auf Autobahn auf Musik: elektronisch-synthetisch, „leicht“
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Kamera zukommend (unbewegt) und spielerisch
12 0´24 D - T: führerloses Lenkrad (bewegt Kommentar: Weiterentwicklungen, wie sich); Schwenk nach rechts = Blick ein Modell gebaut in China, waren aber durch Windschutzscheibe (Automitte), immer für neu gebaute Autobahnen mit Straße gut sichtbar passendem Leitsystem konzipiert. 13 0´28 T: silbernes Cabrio auf Landstraße (frontal), biegt ab (Schwenk) Musik: elektronisch-synthetisch, „leicht“ 14 0´31 HN: (Obersicht - keine weitere und spielerisch Intention, nur für den Überblick) Kommentar: Die neueste Variante der Vordersitze / Innenraum und Straße sichtbar (unbewegt) Selbstfahrer kurvt seit vergangenem Jahr 15 0´34 T: Cabrio seitlich sichtbar (Ende des recht sportlich auf spanischen Abbiegevorganges) (Schwenk) Landstraßen.
16 0´38 G: Hände halten / bedienen ein Handy (Musik verklingt) (unbewegt) Kommentar: Völlig anders die neue 17 0´42 N: Kleinwagen (leer) rollt heran und Zukunftsvision aus Frankreich. an Kamera vorbei; Schwenk (Cybercar Was hier noch recht gemächlich anrollt, erst leicht frontal, dann seitlich soll nicht für Schnellstraßen sondern den sichtbar) Großstadtverkehr tauglich sein. Geleitet durch ein Kabel im Asphalt zieht es am 18 0´45 T: Hand mit Handy verschwindet aus Versuchsgelände des französischen dem Bild, im Hintergrund Cybercar sichtbar; (Schärfenverlagerung) Institutes für Informatik und Automation Cybercar fährt an parkenden Autos seine Runden. vorbei auf Kamera zu (unbewegt) 19 0´52 HT: Cybercar frontal auf Kamera zukommend (gleiche Strecke) (unbewegt)
20 1´01 HT - N - T: Cybercar frontal (am Kommentar: Cybercar heißt das Projekt Ende der Strecke) auf Kamera an dem Universitäten aus ganz Europa zukommend, biegt ab (Schwenk), und Industriepartner beteiligt sind. Es soll sich bald in unseren Städten frei Cybercar von hinten (wegfahrend) bewegen können. Und dazu ist mehr 21 1´16 HN (A): Werkstatt: Mann mit Technik erforderlich als für eine Computer (Hintergund: Cybercars) kommt ins Bild, geht nah an Kamera automatisierte Fahrt auf einer Autobahn. vorbei (wendet dieser kurz Rücken O-Ton Gespräch: (französisch)
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21 1´16 zu), setzt Computer ab, geht um Übersetzung: „Es gibt drei Cybercar herum - Kamera verfolgt Computereinheiten in diesem Fahrzeug. seine Bewegungen (bewegte Zwei, in der Front, sind alleine für die Handkamera); am unteren Bildrand in Steuerung und Sensoren zuständig.“ blauem Balken: Michel Parent Forschungsleiter, Cybercar 22 1´30 D: Festplatte / Platinen, links davon Pedal (unbewegt) Übersetzung: „Die dritte im Heck 23 1´31 HN (A): Michel Parent bewegt sich von Fahrzeugfront ans -heck (Kamera kontrolliert den Antrieb. geht mit auf der anderen Die Verarbeitung der Kamerabilder oder Fahrzeugseite), zeigt auf etwas der Laser-Abstandsmessung ist am (bewegte Handkamera - Obersicht) aufwendigsten.“ 24 1´37 D: (Obersicht - für Überblick) Kabel, Computertechnik (unbewegt) 25 1´39 N: (Obersicht - für Überblick) Heck - Computer, Hand, Innenleben des Cybercars (bewegte Handkamera) 26 1´44 D: Kamera des Cybercars (unbewegt) Kommentar: Ein kompliziertes System 27 1´46 G: Computer und Kabel des Cybercars - Schärfenverlagerung (Hintergrund aus Sensoren, Mess- und Steuertechnik, wird scharf, Vordergrund unscharf) das ähnlich gut reagieren können muss 28 1´51 HN: Elektronik des Cybercars -wie ein Mensch im Straßenverkehr und Schwenk (Obersicht): „Abfilmen“ des dabei in ein erstaunlich kompaktes Fahrzeugs Fahrzeug passt.
29 1´58 HT: Blick aus dem Cybercar heraus Musik: elektronisch-synthetisch, etwas (durch Windschutzscheibe), fährt auf schneller („flotter“) als in den gegenüberstehenden Twingo zu Anfangseinstellungen (erinnert an ältere (unbewegt) Computerspiele) Kommentar: Die Kleinfahrzeuge aus 30 2´01 T: (Kamera hinter Twingo) Cybercar dem französischen Forschungszentrum schert aus und fährt an Twingo vorbei (Schwenk) beherrschen schon recht viel. 31 2´06 HT: Blick aus dem Cybercar heraus Wann kann ein Hindernis umfahren (während der Umfahrung des werden, wann muss das Fahrzeug halten
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31 2´06 Twingos), rechts erscheint ein Mann um es nicht umzufahren? (unbewegt) Ein feiner aber sehr entscheidender 32 2´08 T: Mann überquert Strasse (jedoch Unterschied. von links nach rechts - Achsensprung, ... (Pause)
Cybercar fährt auf ihn zu; Mann lässt Und noch etwas kann das Cybercar Schlüssel fallen, bückt sich, Cybercar geradezu perfekt: Einparken. hält an bzw. weicht aus; Mann geht aus dem Bild; Cybercar fährt auf Kamera zu (die mitschwenkt), bleibt etwas seitlich vor ihr stehen 33 2´24 T: Obersicht / Vogelperspektive (vom Musik: elektronisch-synthetisch, etwas Dach oder mit Kran) - um schneller („flotter“) als in den Einparkvorgang übersichtlich zu Anfangseinstellungen (erinnert an ältere zeigen (keine Intention) Computerspiele) Frau überquert Straße, Cybercar stoppt Kommentar: Selbstverständlich sucht das kurz, parkt dann ein (Kamera Robotergefährt dabei nutzbaren schwenkt mit) Zeitraffer Parkraum auch automatisch. 34 2´32 N: Mikael Kais (sitzend, leicht rechts (Musik verklingt) O-Ton Gespräch: (französisch) im Bild); am unteren Bildrand in blauem Balken: Übersetzung: Das Cybercar ist nicht nur Mikael Kais mit Sicherheitselektronik ausgestattet, es Elektroingenieur, inria ist völlig automatisiert. (unbewegt) Mit allem was die Technik derzeit
35 2´56 D: magnetische Positionshilfe im Asphalt (unbewegt) Kommentar: Derzeit tüfteln die 36 2´57 Kamera am Boden, rückwärts bewegend (Start: unter dem Cybercar, Ingenieure noch am optimalen dann vom Fahrzeug weg) Leitsystem für ihre Fahrzeuge, hier mit (Kamerafahrt) magnetischen Positionshilfen im
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Maiken Kroll, 2005, TV-Analyse eines Magazinbeitrages von "nano": Cybercars - Elektrotaxis ohne Fahrer, München, GRIN Verlag GmbH
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