Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Was ist ein Feindbild? 4
3. Einige Grundüberzeugungen der sozialistischen Persönlichkeit 4
4. Zentralismus und Zuständigkeiten im SED-Machtapparat 6
5. Feindbilderziehung und vormilitärische Ausbildung in ausgewählten
Bildungseinrichtungen 8
5.1 Einheit von wissenschaftlicher Bildung und ideologischer Erziehung 8
5.2 Feindbilderziehung und vormilitärische Ausbildung im Kindergarten 9
5.3 Feindbilderziehung und vormilitärische Ausbildung in der Schule (POS) 10
6. Fazit 12
7. Literaturverzeichnis und Internetquellen 14
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1. Einleitung
Neben der Vermittlung grundständigen Wissens und fachlicher Ausbildung war das Hauptziel der SED-Führung, bezogen auf die Bildungs- und Erziehungspolitik, die Formung sozialistischer Persönlichkeiten. Bildung und Erziehung waren in der DDR ein gesellschaftlicher Auftrag, der gleichermaßen von Eltern, Erziehern und Lehrern der Bildungseinrichtungen sowie von Funktionären und Mitgliedern der Jugend- und
Massenorganisationen (wie FDJ 1 ) auszuführen war, um den neuen sozialistischen Menschen heranzubilden, der den Machtanspruch und die Ideologie der SED zu keinem Zeitpunkt in
Frage stellen sollte. 2 Die Fixierung und Durchsetzung dieses Bildungszieles stellte für o.g. Akteure eine Pflicht dar und musste sich einengenden Vorgaben unterwerfen. Ein Aspekt der staatlichen Erziehung war die Vermittlung des Feindbildes, die den Kindern das Gegenteil des „guten Sozialismus“, nämlich den Imperialismus, vor Augen führen bzw. sie zum Hass gegenüber allen Sozialistenfeinden erziehen sollte. Des Weiteren sollte neben der Liebe zum Vaterland (und damit zum Sozialismus) auch die Bereitschaft dieses zu verteidigen ein essentieller Bestandteil der durch das Bildungssystem zu vermittelnden Einstellungen darstellen. Was machte nach Auffassung der SED eine sozialistische Persönlichkeit aus? Wie wurde das Feindbild den Kindern in der DDR vermittelt? Wie sah die vormilitärische Erziehung in Kindergärten und Schulen aus?
Im Folgenden soll an erster Stelle die Definition des Feindbildes stehen. Anschließend möchte ich das propagierte Ideal des jungen sozialistischen Menschen aufgreifen und dabei einige der „gewünschten“ (wenn nicht geforderten) Grundüberzeugungen erläutern. Ihr schließt sich eine kurze Darstellung der Zuständigkeiten innerhalb des Machtapparates der SED in bildungspolitischen Fragen, sowie des zentralistischen Charakters des Erziehungssystems an. Im Hauptteil der Arbeit soll es um die tatsächliche Durchsetzung der Erziehung zum Feindbild und vormilitärische Ausbildung in vorschulischen und schulischen Institutionen gehen. 3
1 “Die politischen Kinder- und Jugendorganisationen der Jungen Pioniere und der Freien Deutschen Jugend (FDJ) mit ihren Erziehern, den Pionierleitern und den FDJ-Sekretären, nahmen im Bildungs- und Erziehungssystem einen wichtigen Platz ein.“ (Barck, S. 51) Dazu auch Schroeder: „Für das Konzept der politischen Erziehung spielten auch die Pionierorganisationen, der nahezu alle Kinder bis zur 7. Klasse angehörten, bzw. die FDJ, die ab der 8. Klasse die Schüler ´organisierte´, eine wichtige Rolle.“ (Schroeder, S. 564)
2 „Das Erziehungsziel der SED war die ´sozialistische Persönlichkeit´, die die ihr von der Partei aufgetragenen Arbeiten ordnungsgemäß und sachgerecht erfüllen sollte.“ (Schroeder, S.618)
3 Die Autorin verzichtet aus Platzgründen auf die Bildungsinstitutionen Kinderkrippe sowie die Erweiterte Oberschule (EOS). Außerdem werden in dieser Arbeit keine kirchlichen oder privaten Institutionen behandelt, die sich nicht hundertprozentig der Indoktrinierung der SED-Erziehung unterwerfen mussten.
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Aus Platzgründen kann keine chronologische Darstellung, der sich im Laufe der Jahre verändernden Parteivorgaben und damit verbundenen Umstrukturierungen der Bildungsinstitutionen erfolgen. Die Autorin versucht über vorhandene Literatur zum Thema einen Überblick über die wichtigsten Inhalte der Erziehung, bezogen auf das Feindbild und die vormilitärische Ausbildung, und deren Umsetzung zu liefern.
2. Was ist ein Feindbild?
Bevor eine Darstellung der Indoktrinierung des Feindbildes in Kindergarten und Schule erfolgt, erscheint es unumgänglich dieses zu definieren.
„Als Feindbild bezeichnen die Gesellschaftswissenschaften eine mit negativen Konnotationen behaftete soziale Vorstellung einer bestimmten Fremdgruppe (Out-group) bzw. deren Angehörigen.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Feindbild) Nach Schirrmeister sind die Quellen von Feindbildern sowohl in Schule und Politik, als auch in der Familie zu finden. Feindbilder entstehen unter anderem durch Repression, dem Zwang sich anzupassen und unterzuordnen, bei gleichzeitig fehlenden Möglichkeiten den „inneren Druck“ bzw. die Anspannung zu lösen. Sie dienen daher als ein Ventil für Aggressionen, der Feind wird für sämtliche negative Erfahrungen, Schicksalsschläge und Ängste verantwortlich gemacht. (Vgl. Schirrmeister, S. 12 f.) Durch Propaganda können Feindbilder bewusst und gezielt aufgebaut werden, wie es die Erziehungspolitik der DDR anschaulich bewies. Häufig, und auch dies war der Fall in der DDR, sollen sie von den realen Ursachen der empfundenen Benachteiligung ablenken und Wut und Frustration auf klar definierte Ziele richten. (Vgl.
http://de.wikipedia.org/wiki/Feindbild)
Die Aufgabe des Feindbildes ist also Polarisierung und Solidarisierung. In totalitärer Manier werden dabei komplexe gesellschaftliche Probleme auf eine simple Freund-Feind-Beziehung reduziert. (Vgl. Schirrmeister, S. 13)
3. Einige Grundüberzeugungen der sozialistischen Persönlichkeit
Die herrschende Ideologie auf dem Gebiet der Kultur und Wissenschaft war in der DDR der Marxismus-Leninismus. Das Bildungssystem orientierte sich stark an dem der Sowjetunion (bzw. stand absolut unter dem Einfluss der dogmatischen sowjetischen Pädagogik) und übernahm das Grundziel der marxistisch-leninistischen Pädagogik, nämlich die Ausbildung allseitig gebildeter sozialistischer Persönlichkeiten mit einem festen
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Klassenstandpunkt. (Vgl. Schirrmeister, S. 19 f.) Dieses Leitbild gründete auf der Idealvorstellung der marxistischen Gesellschaftstheorie „(...) nach der es mit der Beseitigung kapitalistischer Ausbeutungsverhältnisse möglich sein könne, eine gerechte und freie Menschengesellschaft zu schaffen sowie jedem Menschen maximale Bedingungen zur Entfaltung seiner geistigen, kulturellen, körperlichen Fähigkeiten und zur Wahrnehmung seiner geistigen und materiellen Bedürfnisse zu bieten.“ (Barck, S. 49) Diese maximalen Bedingungen zur Entfaltung geistiger und kultureller Fähigkeiten sucht man in der Geschichte der DDR jedoch vergeblich. Der restriktive Lehrplan, die Pflicht zur Kollektivbildung und die berufliche Ausbildung nach Bedarf des Staates bzw. der Wirtschaft sind Zeugnisse für die Nichteinhaltung dieser Maxime. Sozialistische Grundüberzeugungen, die den Charakter bzw. die Weltanschauung des Schülers, also die der sozialistischen Persönlichkeit, entscheidend
bestimmen sollten, waren nach Meinung der SED unter anderem die folgenden 4 : „ (...) - die Überzeugung von der historischen Mission der Arbeiterklasse unter der Führung der marxistisch-leninistischen Partei und ihrer führenden Rolle und wachsenden Verantwortung im revolutionären Kampf bei der Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft; (Es wird also die unanfechtbare Führungsposition der SED sowie der unumgängliche Weg des Sozialismus propagiert. Das Wort „Kampf“ verdeutlicht die Möglichkeit, dass Gewalt bei der Durchsetzung des Sozialismus nicht auszuschließen ist.)
- die Überzeugung von der Gewißheit, daß die Zukunft der ganzen Menschheit der Sozialismus ist, daß wir in der Deutschen Demokratischen Republik zu den Siegern der Geschichte gehören und daß der Sozialismus auch in der BRD siegen wird; (Der Sozialismus ist also der einzige “richtige“ Weg für das Zusammenleben von Menschen und somit gibt es auch keinen Grund „nach Westen“ zu schauen, zumal die Bundesrepublik diesen Weg auch noch einschlagen wird.)
- die Überzeugung von der Verantwortung der Jugend bei der Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft, bei der Meisterung der wissenschaftlichtechnischen Revolution und bei der Verteidigung der DDR und der sozialistischen Staatengemeinschaft; (Die Jugend der DDR wird angehalten der Partei zu folgen, fleißig zu lernen und voller Bereitschaft zur Waffe zu greifen, wenn es darum geht den Sozialismus zu verteidigen.)
- die Überzeugung von der entscheidenden Rolle der ruhmreichen Sowjetunion und der sozialistischen Staatengemeinschaft in der weltweiten Auseinandersetzung zwischen Sozialismus und Imperialismus, von der Integration der DDR in die sozialistische
4 In den Klammern finden sich jeweils Anmerkungen / Erläuterungen der Autorin zur jeweiligen Grundüberzeugung.
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Arbeit zitieren:
Maiken Kroll, 2005, Feindbilderziehung und Militär in ausgewählten Bildungseinrichtungen der DDR, München, GRIN Verlag GmbH
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