Inhaltsverzeichnis
Fundraising - Was ist das? 3
Grundz üge des amerikanischen
Wahlkampfs 2008/09 4
Die erfolgreiche Strategie Barack Obamas 5
Aussichten 7
Bibliographie 8
Fundraising - Was ist das?
2007 begann in den Vereinigten Staaten der bislang pompöseste Wahlkampf, der bis dato geführt worden war. Sowohl die Kandidaten der zwei großen Parteienlager der Demokraten und der Republikaner untereinander als auch die Parteien selbst versuchten mit unübertroffenem Aufwand, den jeweiligen Gegner in den Schatten zu stellen und die Wählerschaft von sich als dem geeignetsten Kandidaten zu überzeugen. So manch einer fragte sich zu dieser Zeit wohl, wer diesen riesigen Aufwand denn bezahlen soll - in Deutschland wären solche Wahlkämpfe gar nicht möglich, da unsere Politiker an Partei-Budgets gebunden sind. Nicht so in Nordamerika - hier kann der wahltreibende Politiker zwar Staatshilfe für seinen Wahlkampf beantragen und ist dann auch an strenge Auflagen gebunden; er kann aber genauso gut seinen Wahlkampf selbst finanzieren - so auch schon zu früheren Zeiten geschehen, beispielsweise bei Kaliforniens Senator Arnold Schwarzenegger und zahllosen anderen Politikern. Diese Selbstfinanzierung wiederum muss auch nicht auf das eigene Privatvermögen beschränkt sein, sie kann auch als Grundstock für gewaltige Fundraising-Kampagnen dienen. Auch dies ist nichts Neues im Amerikanischen Wahlkampf, das Ausmaß der Kampagnen war jedoch niemals größer (in monetärem und personellem Aufwand gemessen) als im Wahlkampfjahr 2008/09, als alle Kandidaten bis zum Ende des Wahlkampfs die stolze Gesamtsumme von über 1 Mrd. US-$ einsammeln konnten. 1 Doch was ist dieses Fundraising, das Instrument, das Obama letztendlich zum Wahlsieg verhalf und mehr und mehr auf der ganzen Welt eingesetzt wird, um mehr oder minder hehre Ziele zu finanzieren und zu unterstützen?
Zu Beginn müssen zuerst einige Begriffe wie “Spende” oder “sponsoring” geklärt werden, die in der öffentlichen Diskussion gerne synonym verwendet werden, dies aber im wirtschaftlichen Sinne nicht sind. Dr. Nicole Fabisch, Professorin am Euro Business College in Hamburg, differenziert klar sponsoring von fundraising. Beim sponsoring geht es
“also um Leistung und Gegenleistung. Der Sponsor erwartet für seinen Mitteleinsatz
eine Gegenleistung. Er möchte vom guten Ruf, den guten Taten und den Erfolgen der
Gesponserten prof itieren und sein Engagement publik machen.” 2
Im Gegensatz dazu erwartet die Spende
“keine Gegenleistung, von der öffentlichen Schecküberreichung, eventuellen
Steuervorteilen oder immateriellem Nutzen mal abgesehen.” 3
Der Begriff fundraising vervollständigt das Trio letztendlich:
“ Fundraising ist die strategisch geplante Beschaffung sowohl von f inanziellen
Ressourcen als auch von Sachwerten, Zeit (ehrenamtliche Mitarbeit) und
Know-How zur Verwirklichung von am Gemeinwohl orientierten Zwecken
unter Verwendung von Marketingprinzipien.” 4
Im Vergleich zu Nordamerika steht Deutschland relativ bieder da; hier wird Fundraising
vgl. Bob Kemper, 2008 Presidential Race Tops $1B, 1
3 Fabisch, 6.
4 Fabisch, 7.
-3-
lediglich nicht-kommerziellen Non-Profit-Organisationen (NPOs, beispielsweise Vereine) zugestanden, wobei Parteien nicht tätig werden dürfen. In Nordamerika hingegen ist Fundraising schon seit Jahrzehnten Teil der politischen Finanzbeschaffung - allerdings anders, als Barack Obama, der demokratische Kandidat um die amerikanische Präsidentschaft im US-Wahlkampf 2008/09 diese neu definierte, welcher von sowohl Mitstreitern als auch politischen Gegnern einhellig bewundert wird. 5
Grundzüge des US-amerikanischen Wahlkampfs 2008/09
In den USA bestand bis zum letztjährigen Wahlkampf der Brauch, zu Beginn der Wahlkampagne die mit den jeweiligen politischen Lagern sympathisierenden wohlhabenden Schichten der Bevölkerung zu kontaktieren und somit ein relativ enges Feld an Financiers zu bedienen. Auch ist Obama einer der Ersten, der es wagte, sich vom System der öffentlichen Zuschüsse zu distanzieren und seine Finanzierung ausschließlich privat zu bestreiten. Das System der öffentliche Zuschüsse wurde 1972 nach dem Watergate-Skandal eingeführt und band die Politiker, die sich diese Zuschüsse zuteilen ließen, an eine Höchstgrenze von etwas mehr als 84 Mio. US-$ (welche dann vom Steuerzahler an die Kandidaten flossen, aber privates Spendensammeln unterband). Alternativ dazu gab es zwar schon damals die Möglichkeit, sich anderweitig zu finanzieren, die meisten Kandidaten aber konnten und wollten nicht auf die nicht zu verachtende Summe verzichten. 6 Zu Beginn des Wahlkampfs beschloss auch Obama zuerst, gemeinsam mit seinem Rivalen John McCain die Zuschüsse zu beanspruchen, nutzte dann aber doch die Möglichkeit eines Opt Out (eines Austritts aus dem Zuschuss-System), um auf privatem Wege Finanzmittel zu beschaffen - er begründete diesen Ausstieg damit, sich vom “zerrütteten System” befreien zu wollen. Diese Argumentation wurde auch der Beginn seiner Fundraising-Kampagne, in der er unter anderem Sympathisanten dazu aufrief, ihm beim Kampf gegen ebendieses “zerrüttete System” finanziell zu unterstützen - mit 25 US-$ oder mehr. 7 Ein grundlegender Unterschied zwischen US-Amerikanischem und Deutschem Wahlsystem kann durchaus darin gesehen werden, dass in Deutschland auch sogenannte Underdogs ohne große finanzielle Möglichkeiten (siehe das Beispiel der Piratenpartei im letzten Bundeswahlkampf ) Chancen haben können, beachtliche Erfolge zu erzielen. In den USA hingegen war Underdog Barack Obama schon vor seiner Kandidatur klar, dass er sowohl seine politischen Gegner (Mitt Romney und John McCain) als auch seine demokratischen Mitbewerber (vor allem die bis dato unangreifbare Hillary Clinton) finanziell in den Schatten stellen musste. Nicht umsonst gilt das geflügelte Wort unter Kritikern des demokratischen Systems der USA, dass Amerika die beste Demokratie habe, die man für Geld kaufen könne. Darüber hinaus wurde in den USA 2002 der sogenannte McCain-Feingoldt-Act verabschiedet, welcher die Einflussnahme von Großspendern unterbinden will und deshalb die Höchstgrenze von Einzelspenden auf 2300 US-$ determinierte. 8
vgl. Joshua Green,
The Amazing Money Machine,
vgl. Christian Wernicke,
Der Preis der Unabhängigkeit,
7 vgl. Wernicke
vgl. Roman Deininger,
Die Geldmaschine des Barack Obama,
-4-
Arbeit zitieren:
Tobias Steiner, 2010, Fundraising? Yes we can!, München, GRIN Verlag GmbH
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