Health Literacy and Prevention Culture. Indicators of Health and
Success within Organisations: a model of action
• Health Literacy • Prevention Culture • Employability • Model development • „Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutsstrategie” (GDA)
Based on the changed requirements of a transformed world
of work, in which the measure aimed at a specifi c person is increasingly playing a more important role alongside workplace enhancement approaches, an integrated model for action is developed for healthy and successful work against the background of the Joint German Occupational Safety and Health Strategy.
On the basis of current concepts and research results concerning the processes of accident and work-related illness, an integration of the concepts of health literacy and prevention culture into future prevention strategies is advocated. The incorporation of the concepts into the Joint German Occupational Safety and Health Strategy (GDA) serves as an example. The GDA is the work safety strategy supported jointly by national and regional government and accident insurance companies. This has the objective of maintaining, improving and promoting the safety and health of employees with coordinated and systematic work safety, complemented by measures for the promotion of health in the workplace. Evidence is provided for the increasing importance of the subject of health on the basis of current research fi ndings. From these approaches, the requirement is derived that - in addition to preventive measures for the promotion of health
- the personality of the employee and personal responsibility should be taken more into account. The concept of health literacy is not restricted by the authors to the factor of the acquisition of knowledge; instead, current fi ndings and concepts concerning employability are also incorporated in the observations. For example, the model of health literacy that is presented (Kriegesmann et. al., 2005) takes into account theories of motivation and theories of personality with its differentiation between capacity to act, knowledge and ability for action, readiness to act, motives for acting. The concept of prevention culture is advanced based upon the approach to company culture proposed by Schein (1985). According
Practical Relevance
to this, prevention cultures are also implicit in the fact that they are opinions about action that are accepted by everyone.
They are the result of collective processes; the basic principle is refl ected, more or less, in the behaviour of every individual. Prevention culture also grows historically, which is to say as a result of organisational knowledge and learning. The integrated stage model of health literacy and prevention culture presented here builds a bridge between the workplace enhancement approaches of the last few decades and these
new fi ndings. It favours a cooperative inclusion of all parties involved in the subject of health and in addition asks for a sustained approach.
R. Schweer, U. Krummreich 294 (63) 2009/4 Z. ARB. WISS.
1 Hintergrund
spielsweise haben sich die Krank-heitstage aufgrund von psychischen Störungen bei den Pfl ichtversicherten In vielen Veröffentlichungen der letzten der Betriebskrankenkassen in der Zeit Jahre wurde auf den einschneidenden von 1976 bis 1991 verdoppelt und sind Wandel hingewiesen, der sich in der nach 1991 nochmals um 44% angestie-Arbeitswelt, aber auch in allen anderen gen (BKK Gesundheitsreport 2008). Lebenswelten der Gesellschaft weiter stetig vollzieht (Eichendorf 1998; VBG Der Anteil der psychischen Erkrankun-2003, 2004).
gen an den Krankheitszeiten stieg seit 1976 von ca. 2% auf aktuell 9% und Dabei wird häufi g auf die Verändehat sich somit mehr als vervierfacht. rungen hingewiesen, die durch den (Bender & Burbach 2008). Erschwe-Fortschritt der Informations- und rend kommt die Tatsache hinzu, dass Kommunikationstechnologien aufgedie Ausfallzeiten aufgrund psychischer treten sind. Allerdings ist durch den Störungen mit einer durchschnittlichen Wandel der Arbeit auch ein Anstieg Falldauer von mehr als 30 Tagen erhebbei den psychomentalen Anforderunliche Kosten verursachen. Diskutiert gen aufgetreten. Die immer stärker wird in diesem Zusammenhang auch dienstleistungsorientierte und globadas Phänomen des Präsentismus, wellisierte Arbeitswelt ruft zunehmend ches insbesondere bei den häufi gsten andere Formen der arbeitsbedingten psychischen Störungen (Angst und Belastungen und Kompetenzerwar-Depression) deutliche Produktivitätstungen hervor (vgl. VBG 2004). minderungen hervorruft. Geschätzte Der wachsende Leistungsdruck, die Produktivitätsverluste aufgrund von Arbeitsverdichtung, immer schneller Absentismus und Präsentismus gehen wechselnde Anforderungen, wachbis zu 15% der Produktivkraft, bei sende Dispositionsspielräume und Depressionen werden dabei um etwa die ständige Erreichbarkeit führen zu 50% erhöhte durchschnittliche Provöllig neuen Anforderungen. Durch
duktivitätsverluste festgestellt (Hemp die Einwirkung von Belastungen 2005). mit psychischen Faktoren (aus allen Lebenswelten) scheinen hier in den
Zwar sehen epidemiologische Unterletzten Jahren die Häufigkeiten für suchungen diese Entwicklung diffe-Beschwerden mit psychischem Hinrenzierter und weitaus abgeschwächter tergrund oder im schlimmsten Fall
(Jacobi 2009), jedoch wird auch von die psychischen Störungen selbst dieser Seite darauf gedrungen, die zugenommen zu haben (z. B. Weber, Gesundheit der Gesellschaft nicht Hörmann, Köllner 2008; Kleinschmidt ohne die psychische Gesundheit zu beschäftigen. & Unger 2009; GEK 2006; Techniker beurteilen (Europäische Kommission Krankenkasse 2008).
2005). Allerdings ist die Arbeitswelt sicher nicht monokausal für diese Ent-Diesen Zusammenhang bestätigen auch wicklung verantwortlich. Vielmehr hat die Gesundheitsberichte der Krankensich die gesamte Lebenskonstellation kassen (z. B. DAK 2009), die abhängig in den letzten Jahrzehnten verändert von der jeweiligen Versichertenklientel und zunehmend zu destabilisierenden eine mehr oder weniger rasante Zunah-Verhältnissen, auch im Privatleben me der psychischen Störungen bzw. geführt. So werden in Deutschland der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund seit den 1990er um die 200.000 Ehen psychischer Diagnosen fi nden. jährlich geschieden (Statistisches Bundesamt 2009) und die Zahl der Einper-Insbesondere im Bereich der psychisonenhaushalte bewegt sich bei 40% schen Erkrankungen herrscht hier
(gegenüber 20% in 1960; Statistisches (auch präventiver) Handlungsbedarf Bundesamt 2009). Prävention in die(Jacobi 2009). Entgegen dem Trend sem Bereich allein den Arbeitgebern zu der physischen Krankheitsgruppen überlassen, griffe deutlich zu kurz. (Muskel-Skelett-, Atemwegs-, Herz-Kreislauf-, Verdauungserkrankungen) Die Gesundheit des einzelnen Bein denen sich in den letzten Jahrzehnten schäftigten ist der entscheidende deutliche Verbesserungen erzielen lie-Faktor für die langfristige Arbeits- und ßen, nehmen die psychisch bedingten Beschäftigungsfähigkeit. Tradierte, Fehlzeiten (lt. Gesundheitsberichten) an in der Vergangenheit liegende immer mehr zu (Jacobi 2009). Bei- Situationsbewusstseinund antizipative Prozesse 295 (63) 2009/4 Z. ARB. WISS.
Im Rahmen einer Arbeitsgruppe Mus-besseren Operationalisierung wurden
kel-Skelett-Erkrankungen/Belastungen die Begriffe über Kernelemente bewurden als Indikatoren zur Erreichung schrieben (s. Tabelle 1). des Arbeitsschutzziels 2 der GDA neben der Beobachtung der Arbeits-Hinsichtlich der praktischen Arbeiten unfähigkeitszahlen der Krankenkassen, in den Unternehmen ist die Aufnahme Präventionskultur und Gesundheits-der Indikatoren Gesundheitskompekompetenz festgelegt (Schweer 2008). tenz und Präventionskultur zu begrü-Hierbei wurde Präventionskultur als ßen. Jedoch ist es für die Unternehmen
eine Handlungsebene definiert, die wichtig, dass sie ein praktisches Handim Unternehmen stattfi ndet und Ge-lungsmodell besitzen, das aufzeigt, wie sundheitskompetenz als Ebene, die sie die beiden Indikatoren in ihrem auf der Beschäftigtenebene greift. Zur Bereich entwickeln können.
R. Schweer, U. Krummreich 296 (63) 2009/4 Z. ARB. WISS.
Arbeit zitieren:
Ralf Schweer, Ulf Krummreich, 2009, Gesundheitskompetenz und Präventionskultur – Indikatoren für Gesundheit und Erfolg in Unternehmen: ein praktisches Handlungsmodell, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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