Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 1
2 WISSENSCHAFTLICH-METHODISCHE EXEGESE 3
2.1 Literarkritik 3
2.1.1 Abgrenzung des Textes. 3
2.1.2 Kontextstellung 4
2.1.3 Kohärenz. 5
2.1.4 Exkurs: Quellen und literarkritische Probleme 7
2.1.5 Ein literarkritischer und redaktionsgeschichtlicher Versuch. 9
2.2 Formkritische Betrachtung. 10
2.3 Traditionsgeschichte. 12
2.3.1 „Hochzeit“ 12
2.3.2 „Wein“ 14
2.4 Religionsgeschichtliche Fragestellung. 16
2.4.1 Dionysos 16
2.4.2 Dionysos-Mythologie. 17
2.4.3 Einwende gegen eine Herleitung des Kanawunders aus dem Dionysoskult 20
2.4.4 Hinweise auf ein alttestamentlich-jüdisches Milieu der „Hochzeit zu Kana“ 21
2.4.5 Resümee. 22
3 EINZELEXEGESE. 26
4 DIE BOTSCHAFT 33
5 LITERATURVERZEICHNIS 37
6 ANHANG 41
II
1 Einleitung
1 Einleitung
Das Weinwunder zu Kana faszinierte zeitlebens die Menschen. In einem meisterhaft knappen Stigmata erzählt uns die Geschichte vom ersten „Zeichen“ Jesu, womit derselbige der Welt seine göttliche Seinsart offenbarte. Wer von der Warte der Gegenwart auf die weiten Flächen der Rezeptionsgeschichte von Joh 2,1-11 zurückblickt, wird insbesondere dem monumentalen Gemälde des italienischen Malers Paolo Caliari Beachtung schenken. Der Zeitstrom der vergangenheitlichen Rezeption nahm mitunter auch obskure Züge an, als in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts fanatische Gruppierungen der amerikanischen Prohibitionsbewegung die Kanaperikope, als dermaßen anstößig empfanden, dass die Darstellung in einer Bibelübersetzung gar der Zensur zum Opfer fiel. 1 Einzug hielt die „Hochzeit zu Kana“ gleichsam ins musische Milieu, ja sogar eine Verewigung in einem Songtext der bekanntesten deutschen Punkrockband 2 blieb derselbigen nicht erspart. Freilich erfährt Joh 2, 1-11 auch in kirchlichen Sphären, namentlich in der Liturgie, höchste Aufmerksamkeit. 3 Wenige Perikopen des Neuen Testaments erfuhren eine derartige Beachtung und exegetische Bearbeitung, wie die Erzählung von der „Hochzeit zu Kana“ (Joh 2, 1-11). 4 Seit unzähligen Dekaden versucht die Theologie in wissenschaftlicher Kleinstarbeit, Schicht für Schicht, tief unter die Haut der Geschichte in die daniederliegende Schrift zu blicken, um u.a. ihren ursprünglichen Wortlaut, literarische Struktur, redaktionelle Aussagerichtung und ihren theologischen Gehalt aus dem Urtext herauszulösen. 5 Eine Analogie zur dezidierten und akribischen Forschungsarbeit der Teilchenforscher (Cern) sei mir an dieser Stelle erlaubt, die gleichfalls versuchen, minutiös die fundamentalen Bausteine unseres Universums sichtbar zu machen, um auf ihre Weise das „Gottes-Teilchen“ zu erblicken, um infolgedessen dem ureigensten Rätsel der Menschheit, der Schöpfungsfrage ein Antlitz zu geben. Wie der Quantenphysik ist es der historisch-kritischen Methode bislang
1 Vgl. Becker, Lothar: Rebe, Rausch und Religion: Eine kulturgeschichtliche Studie zum Wein in der Bibel, Münster 1999, S. 207.
2 Vgl. Liedtext der „Toten Hosen“ - Kein Alkohol.
3 Vgl. Henrici, Peter/Chur: Das Wunder bei der Hochzeit: Editorial, in: Internationale Katholische Zeitschrift Communio, Jg. 35, 2006, S. 1.
4 Vgl. Smitmans, Adolf: Das Weinwunder von Kana. Die Auslegung von Jo 2, 1—11 bei den Vätern und heute, Tübingen 1966, S. 1.
5 Vgl. Strecker, Georg/Schnelle, Udo: Einführung in die neutestamentliche Exegese, Göttingen 5 1994, S. 11.
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1 Einleitung
nicht gelungen, die divergierenden Variablen von Joh 2, 1-11 „überzeugend“ 6 und hinreichend in ein in sich kohärentes Postulat zu gießen. Insbesondere das Weinwunder zu Kana, das zweifellos zu den faszinierendsten und gleichzeitig kompliziertesten Perikopen im Vierten Evangelium gehört, stellt die Exegeten vor schwerwiegendste Probleme. Trotz 100jähriger Analyse des Johannesevangeliums ist es der Bibelwissenschaft nicht gelungen, den zähen Nebel der Geschichte zu lichten. Vielmehr kristallisierte sich sukzessive dasselbige, als dass eigentliche Mysterium des Urchristentums heraus. Infolgedessen entfaltete sich in der Fachliteratur ein breit gefächertes Spektrum an „Arbeitshypothesen“, die sogleich die bislang ungeklärten Fragestellungen illuminieren sollten. 7
Vorauszuschicken ist die Anmerkung, dass die folgende Arbeit in keiner Weise den Anspruch der Vollständigkeit erhebt, wohl aber soll ein klarer Überblick von der Ambivalenz der zahllosen Kommentare und Deutungen angestrebt werden. Die exegetische Auslegung zu Joh 2, 1-11 diktiert die Notwendigkeit, jene umstrittenen Fragestellungen zu eruieren: Was hat es mit dem „Weinwunder zu Kana“, als dem ersten „Zeichen“ und der damit einhergehenden Problematik der „Semeia“-Quelle auf sich? Worin besteht die christologische Relevanz, der Sinn, die Bedeutung der Erzählung? Welcher religionsgeschichtliche Hintergrund ist zu beachten, speziell im Hinblick auf die Dionysos-Mythologie? In Anlehnung an die Traditionskritik sind des Weiteren vor allem die Begriffe „Hochzeit“ und „Wein“, die es zu beleuchten gilt. Wohlan! Diese Fragen zu erhellen sollen das Ziel meiner exegetischen Bemühungen sein.
6 Vgl. Pesch, R.: Das Weinwunder bei der Hochzeit zu Kana. Zur Herkunft der Wundererzählung, in: Theologie der Gegenwart, Jg. 24, 1981, Erfurt, S. 219.
7 Vgl. Vielhauer, Philipp: Geschichte der urchristlichen Literatur. Einleitung in das Neue Testament, die Apokryphen und die Apostolischen Väter, Berlin 1975, S. 411.
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2 Wissenschaftlich-methodische Exegese
2 Wissenschaftlich-methodische Exegese
2.1 Literarkritik
In seinem Kommentar zum Johannesevangelium formulierte Schnackenburg zu Beginn seiner literarkritischen Abhandlung die provokante Frage, ob Literarkritik im Vierten Evangelium überhaupt notwendig sei. Der Habitus des Joh-Ev erscheint zweifellos als ein in sich geschlossenes und harmonisches Gebilde, welches vordergründig durch Sprache und Stil eine „Einheitlichkeit und Zielstrebigkeit“ suggeriere. 8 Ungeachtet der „relativen“ Homogenität diktiert die wissenschaftliche Sorgfalt, insbesondere für einzelne Perikopen zu evaluieren, inwieweit die Feder des Evangelisten tatsachlich identifiziert werden kann. 9
2.1.1 Abgrenzung des Textes
V 1 liefert durch die zeitliche Einordnung „am dritten Tage“ eine klare Einbettung und Verknüpfung mit dem Kontext von Joh. 1, 29.35.43. 10 Der Texteinsatz in Joh 2,1 wird in Form der Konjunktion (und) respektive der chronologischen Einordnung (am dritten Tag) angezeigt. 11 Die Geschichte von der „Hochzeit zu Kana“ hebt sich damit insofern von der vorhergehenden Perikope (Joh 1,35-51) ab, als dass ein Themen- und Personenwechsel 12 stattfindet. Demgegenüber konstituiert sich in Joh 2,1 eine neue Begebenheit. Der Neueinsatz in V 1 wird durch den Verweis auf eine Hochzeit in Kana in Galiläa signalisiert. Die damit eingeleitete veränderte Orts- und Situationsangabe wird durch die Einführung der Mutter Jesus als neuen „Handlungsträger“ ergänzt. Olsson spricht hierbei von „Begrenzungs-faktoren“, welche den Anfang der Sinneinheit durch die Termini in V 1 legitimiert sieht. Weiterhin determiniert die in Joh 2,1 einsetzende Wundergeschichte eine neue Textgattung. Olsson erkennt in V 11 eine Kommentarfunktion zu den Schilderungen in V 1-10 auf einer Metaebene, wodurch dieselbige einen förmlichen Abschluss bilde. In Anbetracht dessen beendet freilich V 10 die „eigentliche Erzählung“. 13 Die Abschlussnotiz in (V 11) begrenzt
8 Vgl. Schnackenburg, Rudolf: Das Johannesevangelium. Teil 1: Einleitung und Kommentar zu Kap. 1-4, HThK IV, Bd. 1, Freiburg i.Br. 1965, S. 32.
9 Vgl. ebd., S. 44.
10 Vgl. Lütgehetmann, Walter: Die Hochzeit von Kana (Joh 2,1 - 11). Zu Ursprung und Deutung einer Wundererzählung im Rahmen johanneischer Redaktionsgeschichte, Regensburg 1990, S. 30.
11 Vgl. Riedl, Hermann: Zeichen und Herrlichkeit. Die christologische Relevanz der Semeiaquelle in den Kanawundern Joh 2,1-11 und Joh 4,46-54, Frankfurt - Berlin - Bern u. a. 1997, S. 128.
12 Joh 1, 35-51 handelt von der Berufung der ersten Jünger. Zum Personenwechsel vgl. Joh 1, 35-51.
13 Vgl. Lütgehetmann, Walter: a.a.O., S. 25.
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2 Wissenschaftlich-methodische Exegese
indes deutlich und dezidiert die Texteinheit und stellt sogleich durch die wiederholte Ortsangabe „Kana in Galiläa“ eine „inclusio“ zum Anfang her, wodurch die Erzählung einen veritablen Rahmen erhält. 14 V 12 kommt dabei eine „Brückenfunktion“ zu, was durch den chronologischen Passus „nachher“ 15 und dem Ortswechsel nach Kapernaum illuminiert wird. Die nachstehende Szene im Jerusalemer Tempel nimmt augenscheinlich ihren Anfang in V 13 und markiert einen neuen Handlungsstrang, der gleichwohl durch die Worte „Reinigung (V 6) bzw. Passah (V 13) der Juden“ mit den Zeilen 2,1-11 verbunden zu sein scheint. 16
2.1.2 Kontextstellung
Das Johannesevangelium gliedert sich nach inhaltlichen Gesichtspunkten, abgesehen vom Prolog und Joh 21, in zwei kolossale Hauptteile 17 : Der exponierten Stellung des Prologes (1,1-18) schließt sich das Zeugnis des Täufers (1,19-34), die Berufung der ersten Jünger sowie die Illustration des „Offenbarungswirken Jesu vor der Welt“ (2,1-12) an, wobei der Verfasser in einer Art respectatum (12,37-50) das Geschehene zusammenfassend konkludiert. Der erste Abriss problematisiert zum einen die drastischen Konfrontationen Jesu mit seinen Antagonisten auf dem Felde der Theologie, zum anderen stehen zweifelsohne die sieben „Zeichen“ 18 im Lichte der Betrachtung. Der zweite Abschnitt erscheint ganz im Zeichen der „Offenbarung Jesu vor den Seinen“ (13-17), worauf sich das Schriftgut der Passion und die Ostererzählungen (18-19; 20) angliedern. Abschließend sei darauf verwiesen, dass die Abschiedsreden (13-16) und Abschiedsgebete (17), die dem Johannesevangelium innewohnende Eigentümlichkeiten offensichtlich nicht teilen. 19
14 Vgl. Wucherpfenning Ansgar: Die Hochzeit zu Kana. Erzählperspektiven und symbolische Bedeutung, in: Theologie und Philosophie, Jg. 79, Heft 3, 2004, Freiburg u. a., S. 324.
15 Vgl. Frey, Jürgen: Die johanneische Eschatologie II. Das johanneische Zeitverständnis, Bd. 2, Tübingen 1998, S. 225.
16 Vgl. Thyen, Hartwig: Das Johannesevangelium. Handbuch zum Neuen Testament 6, Tübingen 2005, S. 164-165.
17 Vgl. Schmithals, Walter: Johannesevangelium und Johannesbriefe. Forschungsgeschichte und Analyse, Berlin u. a. 1992, S. 198.
18 Vgl. hierzu: Das Weinwunder zu Kana (2,1-12); Die Heilung in Kapharnaum (4,43-54); Die Heilung des Gelähmten (Joh 5,1-18); Die Speisung des Volkes (6,1-15); Der Seewandel (6,16-21); Die Heilung des Blind-geborenen (Joh 9,1-12); Die Auferweckung des Lazarus (Joh 11,1-57).
19 Vgl. Porsch, Felix: Johannes-Evangelium. Stuttgarter kleiner Kommentar, Stuttgart 4 1998, S. 19-20.
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2 Wissenschaftlich-methodische Exegese
2.1.3 Kohärenz
Die Geschichte der Hochzeit zu Kana wird in V 1 mit der Zeitangabe (am dritten Tag), der Themenangabe (es war eine Hochzeit) und der Ortsangabe (in Kana in Galiläa) eröffnet. Es folgt die Einführung der für das Geschehen wesentlichen Handlungsträger: die Mutter Jesu (V1) sowie Jesu und seine Jünger (V 2). Eine Kohärenz zwischen V 1-2 scheint insofern gegeben, da das in V.1b stehende „koordinierende kopulative“ Bindewort „und“ eine Verknüpfung zu V.1a generiert. Weiterhin verweist das Adverb „dort“ in V.1b dezidiert auf die „Hochzeit“ und die Ortsangabe „in Kana in Galiläa“ am Ende von V.1a hin. Jene Kohärenz zwischen V 1-2 (Einleitung) speist sich ferner aus der Wortwiederholung der Konjunktion „aber auch“ und dem Textelement „Hochzeit“. 20 Der chronologische Passus „am dritten Tag“ hat zu einer Vielzahl an divergierenden Auslegungen geführt, inwieweit eine kontextuelle Verknüpfungsfunktion zwischen den Zeitangaben von Joh 1,29.35.43 besteht oder nicht. 21 Während Olsson dies für sehr wahrscheinlich hält und ein „Sechs-Tage-Schema“ postuliert, vertritt Schanckenburg die Auffassung, dass Joh 2,1 nur ein Verknüpfungselement zur vorherigen Erzählung darstelle. Spittas Position, dass nichts dergleichen eine zusammenhängende Bedeutung habe, scheint im Diskurs weitestgehend isoliert. 22 Der Weinmangel wird in V.3a angeführt, worauf eine kurze Passage in einem „historischen Präsens“ (V.3b) auf die direkte Rede der Jesu Mutter folgt. Verwirrend erscheint mitunter V4.d („Meine Stunde ist noch nicht gekommen“),
insbesondere im Kontext zu V.7a. Während V.4d ein Mirakel Jesu in weite Ferne rückt, impliziert V.7a eindeutig, dass derselbige das Heft nun doch höchstpersönlich in die Hand nimmt. 23 Eine sehr sonderbare Begebenheit, die gleichwohl eine textsyntaktische Analyse nicht zu lösen vermag. Für Fortna erscheint V 4 redaktionell, da der charakteristisch johanneische Terminus „Stunde“ (Vgl. Joh 7,30; 8,20; 12,23 usw.) offensichtlich sei. 24 Infolgedessen fordert Jesu, im Imperativ (Plural) gehalten die Diener auf:„Füllt die Krüge mit Wasser!“ Dieser Satz steht überdies obligatorisch für die vorliegende Perikope insgesamt, da V.7b durch einen ungemein kurzen, schlichten und prägnanten Erzählstil gekennzeichnet ist.
20 Vgl. Riedl, Hermann: Zeichen und Herrlichkeit. Die christologische Relevanz der Semeiaquelle in den Kanawundern Joh 2,1-11 und Joh 4,46-54, Frankfurt - Berlin - Bern u. a. 1997, S. 144.
21 Vgl. ebd., S. 145.
22 Vgl. Lütgehetmann, Walter: Die Hochzeit von Kana (Joh 2,1 - 11). Zu Ursprung und Deutung einer Wundererzählung im Rahmen johanneischer Redaktionsgeschichte, Regensburg 1990, S. 30-35.
23 Vgl. Riedl, Hermann: a.a.O., S. 146.
24 Vgl. Lütgehetmann, Walter: a.a.O., S. 82.
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2 Wissenschaftlich-methodische Exegese
Schlussendlich ist V.3-4 (Exposition) Kohärenz zu attestieren, zumal sie eine eigene „Handlungssequenz bilden“, ein Zwiegespräch und dieselben Handlungsträger (Jesu und seine Mutter) beinhalten. 25
Mit den Dienern in V.5a werden neue Akteure an die Seite der Mutter Jesu gestellt. V.5a liefert des Weiteren eine „Redeeinleitung“ für die folgende direkte Rede der Mutter. Trotz des Faktums, dass V.5a-c eine „eigene Handlungssequenz“ (neue Figurenkonstellation) bildet, ist er verwoben mit VV.3a-5c, da die Textelemente „seine Mutter“ und „Jesu“ einen stringenten Anker im Gesamtkontext (VV3a-5c) darstellen, womit eine Kohärenz als erfüllt gelten kann. Eine neue Konstellation eröffnet sich durch die Nennung der „sechs steinernen Weinkrüge“ (V.6a-c). Ein besonderes Augenmerk sei hierbei auf V.6b gelegt, da die Sequenz „nach den Reinigungsvorschriften der Juden“ als nicht vom Urtext stammend und infolgedessen als vom Verfasser beigefügtes Textelement anzusehen ist. 26 Aufgrund der neuen „Figurenkonstellation“ in VV.7a-8d (Jesu und die Diener) erscheint dieser Abriss in gewisser Weise als selbstständig, eingebettet gleichwohl in V.6 infolge der Beschreibung der „Wasserkrüge“. 27
V.9a-11c repräsentieren die vierte Teileinheit (Schluss), wobei V.8 mit V.9a-b aufgrund der „temporalen Konjunktion“ („als aber“) sowie der wiederkehrenden Begriffe „Festordner“ und „Wasser“ als Bindeglieder auszumachen sind. In der nachstehenden Szene V.9c-10d ergibt sich eine neue Figurenkonstellation, bestehend aus dem Festordner und dem Bräutigam. Mit V.9a-b bildet er eine Abfolge, die sich in der „Satzkohärenz“ und den gleichen Subjekten widerspiegelt. Bedeutsam erscheint mitunter die Aufgabe der „Parenthese“ in V.9b1-b4 das Verwandlungswunder zu „konstatieren“. Vers 11 liefert letztendlich eine Zusammenfassung und Deutung der Geschehnisse auf der Hochzeit. Er machte den „[...] Anfang der Zeichen, [...] offenbarte seine Herrlichkeit [...] und seine Jünger glaubten an ihn.“ 28 Schnackenburg sieht darin, „ein Ausgangspunkt für die ganze in 'Zeichen' erfolgende Selbstoffenbarung Jesu“, die überdeutlich ihre Fortsetzung in der Heilung des königlichen Beamten findet. 29 Für
25 Vgl. Lütgehetmann, Walter: a.a.O., S. 146.
26 Vgl. ebd., S. 147.
27 Vgl. ebd., S. 146.
28 Joh 2,11. zitiert aus: Zürcher Bibel - Die heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments, Zürich 1966.
29 Vgl. Schnackenburg, Rudolf: Das Johannesevangelium. Teil 1: Einleitung und Kommentar zu Kap. 1-4, HThK IV, Bd. 1, Freiburg i.Br. 1965, S. 328.
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2 Wissenschaftlich-methodische Exegese
viele Exegeten erscheint V 11 30 als ein redaktioneller Zusatz, Bultmann etwa spricht von einer „Uminterpretation“ des Evangelisten. (Gliederung Joh 2,1-11, siehe Anhang I)
2.1.4 Exkurs: Quellen und literarkritische Probleme
Der Autor des Johannesevangeliums hat unterschiedliche Quellen benutzt, deren Herkunft nicht hinreichend geklärt ist. Weiterhin kann zumindest seine Illustration der Passion Jesus, als verwandt mit der synoptischen Passionserzählung gelten. 31 E. Haenchen folgte ferner der Gedankenlinie Gardner Smith, demzufolge die synoptischen Evangelien die „Vierte Botschaft“ nur marginal tangiere und somit nicht als Quellengut in Frage käme. Vielmehr verweisen die vorliegenden Ähnlichkeiten auf eine verwertete „mündliche Tradition“, wodurch auszuschließen ist, dass Johannes eines der schriftlichen synoptischen Werke kannte. 32 C. Welck konstatierte in seiner Publikation „Erzählte Zeichen“, dass die Literarkritik - insbesondere im Kontext johanneischer Wundergeschichten - einem Sammelsurium ambivalenter Arbeitshypothesen gleiche, die zumeist eine ominöse Zeichen-Quelle intendiere. In seiner bisweilen desillusionierten Abhandlung extrahierte Welck zwei entscheidende Sonderungen der johanneischen Literarkritik, die sich von der synoptischen Literarkritik unterscheidet. Hierzu zähle auf der einen Seite die unterschiedliche Quellenlage (1), auf der anderen Seite der Unterschied bezüglich der „literarischen Homogenität“(2). Während bei Mt und Lk mit ziemlicher Sicherheit von zwei Quellen (Mk-Ev., Logienquelle Q) auszugehen ist, bestehe im Johannesevangelium die Erfordernis, die Quelle „erst aus dem Text selbst zu erheben“, wodurch jede These mit dem Makel des Hypothetischen behaftet ist. 33
Die Erhellung des gedanklichen Hintergrundes des Johannesevangeliums ist untrennbar mit R. Bultmann und seinem 1941 erschienenen epochalen Werk „Das Evangelium des Johannes“ verbunden. 34 Bultmann, dessen Genius mit der Zeit immer mehr an Glanz gewann, setzte
30 Hierbei bedarf es einer Differenzierung: U. Busse, A. May sehen V.11b als ursprünglich, während W. Nicol in V.11b die Feder des Evangelisten zu erkennen glaubt. Konträr hierzu wiederum Fortna und Richter.
31 Conzelmann, Hans/Lindemann, Andreas: Arbeitsbuch zum Neuen Testament, Tübingen 10 1998, S. 324.
32 Vgl. Haenchen, Ernst: Johanneische Probleme, in: Zeitschrift für Theologie und Kirche, Jg.56, Heft 1, 1959, Tübingen, S. 51.
33 Vgl. Welck, Christian: Erzählte Zeichen. Die Wundergeschichten des Johannesevangeliums literarisch untersucht mit einem Ausblick auf Joh 21, Tübingen 1994, S. 12.
34 Vgl. ebd., S. 12.
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Bernd Paric, 2009, Exegese Joh 2,1-11, München, GRIN Verlag GmbH
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