Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1. Fallbeispiel 2
2. Ethische Fragestellungen 4
2.1 Kosten - Nutzen - Perspektive. 4
2.2 Aus der Perspektive des Berufsethos der Pflegeberufe 4
2.3 Aus der Perspektive der MigrantInnen und SeniorInnen deutscher Herkunft. 5
3. Die ethische Entscheidungsfindung 6
3.1 Theorieansätze der Ethik. 6
3.1.1 Deontologie 6
3.1.2 Teleologie 7
3.1.3 Ergebnis 7
3.2 Die fünf Allgemeinen Ethischen Prinzipien einer Verantwortungsethik. 8
3.2.1 Achtung vor dem Leben 8
3.2.2 Das Gute und das Richtige 8
3.2.3 Gerechtigkeit und Fairness 9
3.2.4 Wahrheit und Ehrlichkeit 10
3.2.5 individuelle Freiheit und Selbstbestimmung 10
3.3 Das organisationsethische Entscheidungsfindungsmodell nach Beese. 11
3.3.1 Schritt 1: Benennen. 11
3.3.2 Schritt 2: Beschreiben. 12
3.3.3 Schritt 3: Bewerten 13
3.3.3.1 Anhand ethischer Prinzipien. 13
3.3.3.2 Anhand interpersonaler Verfahrensmerkmale 13
3.3.4 Schritt 4: Entscheiden. 14
4. Schlussfolgerungen 15
Anhang
1. Aufgabenprofil einer Unternehmensethik für ein Interkulturelles Seniorenheim. 16
2. Literaturverzeichnis. 17
3. Abkürzungsverzeichnis 18
4. Eigenständigkeitserklärung 19
Einleitung
In der vorliegenden Hausarbeit beschreibe ich einen unternehmensethischen
Entscheidungsfindungsprozess anhand eines frei erfundenen Fallbeispieles aus dem Gesundheitswesen. Exemplarisch stelle ich ein Seniorenheim als Unternehmen dar. Die ethische Problematik bezieht sich auf eine eventuelle Interkulturelle Öffnung 1 (sich für Menschen anderer Kulturen zu öffnen) dieses Seniorenheimes. Diese Thematik habe ich bewusst gewählt, da »die demographische Entwicklung,…, auf einen erheblichen Anstieg des Bevölkerungsanteil älterer MigrantInnen« 2 hinweist. Zudem sind die Veränderungen in den Familienstrukturen, das erhöhte Pflegerisiko bei MigrantInnen und ein hoher Anteil an allein stehenden älteren MigrantInnen bekannt, so dass in Zukunft der Bedarf an Pflege für ältere MigrantInnen enorm steigen wird. 3 Diese statistische Prognose und die Zunahme der Internationalisierung der Gesundheitssysteme verdeutlichen die aktuellen Herausforderungen für ManagerInnen von Seniorenheimen.
Nach der Beschreibung des Fallbeispieles werde ich ethische Fragestellungen, die sich aus dieser Situation stellen, aus drei Perspektiven (Kosten- Nutzen- Verhältnis, Berufsethos der Pflegeberufe und MigrantInnen uns SeniorInnen deutscher Herkunft) formulieren. Um zu einer ethischen Entscheidungsfindung für das Unternehmen zu gelangen, werde ich dann aus der Perspektive der Metaebene anhand bekannter ethischer Prinzipien, dem Berufsethos der Pflegeberufe und eines Entscheidungsfindungsmodells auf die ethischen Fragestellungen eingehen.
Abschließend zeige ich mögliche Ansätze für eine integrative Unternehmensethik im Seniorenheim auf, die Handlungsempfehlungen für die Geschäftsleitung beinhalten.
1 Vgl., http://tik-iaf-berlin.de/pages/Haupseiten//Hinz-Rommel_Interkulturell.htm, Stand 10.06.2003
2 http://www.aeweb.org/projects/informationsreihe.htm, Stand 10.06.2003
3 vgl.,ebenda
1. Fallbeispiel
In der Stadt A mit 300.000 EinwohnerInnen gibt es für SeniorInnen insgesamt 21 Pflegeinrichtungen, die eine Aufnahmekapazität zwischen 20 und 160 Plätzen vorweisen. Das Seniorenheim K ist eine dieser Pflegeeinrichtungen und verfügt über 105 Plätze für SeniorInnen mit einem Pflegeaufwand von Pflegestufe 1 bis Pflegestufe 3. Die Trägerschaft ist in privater Hand und die Gesellschaftsform ist eine GmbH 4 . Die Leitung des Seniorenheimes bildet die für Gesundheitseinrichtungen klassische Drei- Säulen- Direktion. 5 90 MitarbeiterInnen unterschiedlicher Berufsgruppen (Pflegekräfte, HauswirtschaftlerInnen, Reinigungskräfte, Verwaltungsangestellte und TherapeutInnen) sind in den verschiedenen Bereichen beschäftigt. 70 % dieser MitarbeiterInnen sind in der direkten Pflege und Betreuung der SeniorInnen tätig.
Das Seniorenheim ist in vier Wohneinheiten unterteilt, welche jeweils über Ein- und Zweibettzimmer verfügen. Gemeinsame Räume und Aufenthaltsbereiche für alle SeniorInnen sind der Speiseraum, die Sonnenterasse, das Hallenbad und der angrenzende Garten. Diese Räumlichkeiten dienen als Treffpunkt und Veranstaltungsort kultureller (z. B. Konzert) und therapeutischer (z.B. Wassergymnastik im Hallenbad) Angebote.
Aktuell herrscht unter den MitarbeiterInnen eine spürbare Angespanntheit und Demotivation, welche sich unter Anderem durch erhöhte Fehlzeiten und eine hohe Fluktuation im letzten halben Jahr bemerkbar machte. Gründe hierfür sind hauptsächlich die missliche finanzielle Situation des Seniorenheimes und ein erhöhter Pflegeaufwand bei gleich bleibender MitarbeiterInnenanzahl.
Dieser Zustand wird zur Zeit durch die Pflege eines arabischen Seniors verstärkt. Die MitarbeiterInnen fühlen sich überfordert. Sie verstehen seine Sprache nicht und können sein für sie „komisches Verhalten“ nicht in ihren gewohnten „Pflegealltag“ einordnen. Zusätzlich müssen sie sich mit verbalen Diskriminierungen seitens der SeniorInnen deutscher Herkunft dem arabischen Senior gegenüber auseinandersetzen.
Für die nächste Woche sind nun zwei weitere MigrantInnen 6 zur Pflege angekündigt. Diese Nachricht zieht Beschwerden der MitarbeiterInnen bei der Geschäftsleitung nach sich.
4 Gesellschaft mit beschränkter Haftung
5 Drei - Säulen- Direktion: GeschäftsführerIn, VerwaltungsleiterIn und PflegedirektorIn
6 Vgl., Lederer et al. 1999 in: David, M. und Borde, T.: Kranksein in der Fremde?, 2001, Mabuse-Verlag, Frankfurt am Main. Definition Migration: von lat. Migrare / Migration= wandern, wegziehen, Wanderung. Migration umfasst eine räumliche Bewegung zur Veränderung des Lebensmittelpunktes im Sinne eines dauerhaften Wohnortwechsels von Individuen oder Gruppen über eine bedeutsame Entfernung. Sowohl Zu-, als auch Abwanderung ist damit gemeint.
In der Sitzung der Geschäftsleitung wird die defizitäre finanzielle Lage des Seniorenheimes thematisiert, die hauptsächlich durch eine Unterbelegung der vorhandenen Pflegeplätze entstand. Es wird gemeinsam nach Möglichkeiten zur Sicherung des wirtschaftlichen Bestandes des Seniorenheimes gesucht.
Die Pflegedirektorin schlägt vor, dass sich das Seniorenheim interkulturell öffnen solle. Damit habe das Unternehmen eine neue Zielgruppe gewonnen und könne die beschriebene Problematik zwischen den SeniorInnen und den MitarbeiterInnen bewußt angehen. Sie habe darüber schon viel Positives gelesen und berichtet zudem über den demographischen Wandel. Allerdings sei für die Interkulturelle Öffnung ein erheblicher finanzieller und zeitlicher Aufwand notwendig, da es sich dabei um einen Prozess handle, der einer Organisations- und Personalentwicklung bedürfe.
Der Geschäftsführer und die Verwaltungsleiterin reagieren auf diesen Vorschlag eher skeptisch. Sie müssten sich diesen Vorschlag erst durch den Kopf gehen lassen. Geld würde sowieso nicht zur Verfügung stehen, außer sie würden es an einer anderen Stelle einsparen.
2. Ethische Fragestellungen
Die folgenden ethischen Fragestellungen werden nicht aus der Perspektive der einzelnen Personen, sondern die Situation von außen überblickend, aus der Metaebene, formuliert. Dadurch kann objektiver auf die ethische Problematik eingegangen werden, ohne diese zu werten. Dennoch erscheint es für die unternehmensethische Entscheidung sinnvoll, die Fragestellungen aus drei Perspektiven (Kosten- Nutzen, Berufsethos der Pflegeberufe und MigrantInnen und SeniorInnen deutscher Herkunft) zu beleuchten, um zu einer adäquaten Lösung an zu gelangen.
2.1 Kosten- Nutzen- Perspektive ● Kann es sich das Seniorenheim finanziell leisten, auf die Zielgruppe der MigrantInnen zu verzichten? ● Kann es sich das Seniorenheim finanziell leisten auf die Zielgruppe der MigrantInnen zuzugehen? ● Lohnt sich der finanzielle Aufwand für den Prozess der Organisations- und Personalentwicklung, der für eine Interkulturelle Öffnung notwendig ist? ● Müssen für die Interkulturelle Öffnung finanzielle Mittel an einer anderen wichtigen Stelle (z.B. Aktivitätsangebote) gekürzt werden und verschlechtert sich dadurch die Betreuung der SeniorInnen?
Aus der Perspektive des Berufsethos 7 der Pflegeberufe 2.2 ● Kann es moralisch verantwortet werden, MigrantInnen eine adäquate Pflege und Betreuung vorzuenthalten? ● Ist es möglich, ethische Prinzipien der Pflegeberufe in der alltäglichen Arbeit mit MigrantInnen umzusetzen? ● Wird durch die Ablehnung der Pflege der MigrantInnen eine Diskriminierung der MigrantInnen gefördert? ● Welche SeniorInnen sind schutzbedürftiger? Muss man sich zwischen den deutschen SeniorInnen und den MigrantInnen entscheiden? ● Kann man den deutschen SeniorInnen eine Interkulturelle Öffnung zumuten?
7 Vgl., Halder, A., Philosophisches Wörterbuch, 2000, Herder-Verlag, Freiburg im Breisgau, S. 96 Definition (Berufs)ethos: ethos von griech.= Sitte, Sinnesart, Gewohnheit. Die durch natürliche Anlagen und überkommene oder erworbene Überzeugungen, Gepflogenheiten, Verhaltensweisen gekennzeichnete Grundhaltung für den Beruf.
Arbeit zitieren:
Tamara Umlauf, 2003, Eine unternehmensethische Entscheidungsfindung im Kontext der interkulturellen Öffnung im Seniorenheim anhand eines Fallbeispieles, München, GRIN Verlag GmbH
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