Gliederung:
I. Die augustinische Anthropologie 01-02
II. Analyse der Ich-Inhalte 02-04
III. Selbstreflektion und bewusstes Leben 05-07
IV. Resumé S 07-09
I. Die augustinische Anthropologie
Was der Mensch sei oder nicht sei muss im Kontext seiner Bekenntnisse zuvorderst im theoanthropologischen Rahmen behandelt werden; denn erst die offenbarte Natur des Menschen eröffnet weiteren Raum für Fragen nach der augustinischen Bewusstseinskonzeption und etwaiger Selbstreflektion.
Ausweislich vorliegenden Textes sei der Mensch Schöpfung (creatura) und das Universum in seiner Ganzheit eines von göttlicher Kunst (divina ars). Mit der Erbschuld und allen erworbenen Untugenden sei das gesamte Menschengeschlecht Kehrichthaufen der Sünde, oder pointiert, Kanonenfutter der Heilsordnung. Obzwar der Mensch nach dem Ebenbild Gottes geschaffen sei, habe er sich durch den Akt der Fortpflanzung in den Zustand ewiger Verdammnis manövriert. Entsprechend könne Heilsgewissheit nur erlangen, wer sich - im Sinne des Auserwählungstopos - der Gnade des Herrn würdig erweise. Dies geschehe nicht einzig im bedingungslosen Gehorsam oder in der Verrichtung guter Taten, sondern sei vielmehr durch die von Augustin so proklamierte Prädestinationslehre im Schöpfungsfahrplan vorab festgelegt - so wenigstens für den Endzweck des Menschen als Verheißung des seligen Lebens oder zum Verbleib im ewigen Höllenfeuer - was die Willensfreiheit des Menschen jedoch nicht konterkariere.
Demzufolge postuliert Augustinus die Selbstverantwortlichkeit des Menschen (eo ipso) als oberstes Gebot des sittlichen Lebens. Als Teil eines dynamischen Prozessganzen obliege ihm im Selbstgespräch der Seele mit Gott, in einem kohärenten Sinngefüge zu leben (recte vivere), demnach er frei entscheiden könne, die Gnade des Herrn anzunehmen oder aber zurückzuweisen.
Maßgeblich für gelingendes Leben sei also zentral die Barmherzigkeit Gottes, die aber grundsätzlich unverdient sei.
Was aber ist der Mensch außerdem? Zunächst sei er kein „Secundo-Gott“, der alle Verfügungsgewalt über sein Dasein selbst trage. Alle Versuchungen des irdischen Lebens
1
gegenwärtig vor Augen sehend, sei die Ratio diejenige Instanz, die seine fleischlichen Begierden bremsen und ihn in liebender Hinwendung zu Gott von dieser auf jene Erkenntnisebene transzendieren könne, die Wahrheit zu schauen.
II. Analyse der Ich-Inhalte
Mit der eingangs erwähnten paulinischen Lehre von der Erbsünde akzeptiert Augustinus selbstredend die Verkehrung des menschlichen Wesens von seiner ursprünglichen Güte hin zu verderbter Unvollkommenheit, was vermutlich auf die eigene lasterhafte Jugendzeit rekurriertvon Augustinus als eine einzige Kette von Sünden empfunden. Nicht von ungefähr erschließen sich in den Bekenntnissen sukzessive die Fragen nach daseinsperzeptiven Welterklärungsschemata, die für die weitere Argumentation grundlegend konzentrisch sind. Mit dem Rationalitätspostulat erfolgt sodann die Annährung an essentielle Kohärenzprinzipien des Geschaffenen gegenüber seinem Schöpfer. Was liebe ich, da ich meinen Gott liebe? (ebd. S. 258) Was also bin ich, mein Gott? (ebd. S. 270) In der hier vorgenommenen Deduktion vom sinnstabilisierenden unum, der glaubensimmanenten Allexistenz eines monotheistischen Schöpfers vollzieht sich rasch die Abwärtsbewegung in Richtung natura creata in steter Reziprozität.
Entsprechend sind hierin die Rangfragen des kreatürlichen Menschseins bereits beantwortet; so ist die Sinneserkenntnis nachrangig gegenüber der schlussfolgernden Seele als Dreiheit von Bewusstsein (memoria), Verstand (intelligentia) und Wille (voluntas). 1 Indem Augustinus vorbezeichneten drei Instanzen höhere Valenz zuordnet, lassen sich diesbezüglich erste Aussagen über den augustinischen Ichbegriff extrahieren. Seiner Memorialehre gemäß, scheint die Ineinssetzung von Gedächtnis und vitaler Datenaufbereitung plausibel - zumal funktionsidentisch. Das Gedächtnis sei fernerhin Behältnis für Erkenntnisinhalte der Dinge, wie sie in sich sind und überdies Heimstatt affektiver Regungen des Geistes (ebd. S. 263 ff.). Könnte man nunmehr behaupten, das Gedächtnis sei der Geist daselbst? Sicherlich nicht, denn: Mit der Rekonstruktion von Gedächtnisinhalten zur
1
Dtv-Atlas Philosophie, S. 71
2
Arbeit zitieren:
Christina Peters, 2006, Untersuchung über Tragweite und Relevanz der augustinischen Ich-Konzeption , München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Philosophie - Philosophie der Antike: neuer Titel erschienen: Untersuchung über Tragweite und Relevanz der augustinischen Ich-Konzeption
Philosophie - Philosophie der Antike: neuer Titel erschienen: Untersuchung über Tragweite und Relevanz der augustinischen Ich-Konzeption
Christina Peters hat einen neuen Text hochgeladen
Die Schöpfung, Gottes Geschenk an uns
Eine Lernstraße in fünf Lernzo...
Eleonore von Dincklage, Elisabeth Herwerth
Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand
Mit Ergänzungen aus dem "Trakt...
David Hume, Lambert Wiesing, Raoul Richter
Vigiliae Christianae, Supplements, Intellectus Gratiae: Die Erkenntnis...
Josef Lossl, J. Lvssl, J. Lossl
Was können wir wissen? Band 1: Die Natur der Erkenntnis
Beiträge zur evolutionären Erk...
Gerhard Vollmer
Was können wir wissen? Band 2: Die Erkenntnis der Natur
Beiträge zur modernen Naturphi...
Gerhard Vollmer
Das Verhängnis der Gesellschaft und das Glück der Erkenntnis
Dialektik der Aufklärung als F...
Heinz Steinert
0 Kommentare