Gliederung
I. Der Ursprung der 01-02
Wissenschaft
1.1 Darstellung und Aufbereitung
1.2 Problemanalyse
II. Kausalzusammenhang 03
Wahrnehmung Erkenntnis
2.1 Darstellung und Aufbereitung
2.2 Problemanalyse
III. Bedeutung der Sinnesorgane 04-05
3.1 Darstellung und Aufbereitung
3.2 Problemanalyse
IV. Die Weltordnung und ihre 06-07
Gesetzm äßigkeiten
4.1 Darstellung und Aufbereitung
4.2 Problemanalyse
V. Das Ding an sich 08-09
5.1 Darstellung und Aufbereitung
5.2 Problemanalyse
VI. Resumé 10-11
1.1 Darstellung und Aufbereitung
In seinem Traktat „Über Sinneswahrnehmung und sinnliche Erkenntnis“ 1 formuliert Büchner, dass die Voraussetzung für Anfang und Existenz von Naturwissenschaft Erfahrung sei. Erfahrung generiere sich fürderhin via Sinneswahrnehmung, die den Erkenntnisgewinn per se überhaupt erst ermögliche.
Erfordernis für Bewusstsein und Erkenntnis sei die Trias aus Hirnapparat, Sinnesorgan und dem Gegenstand der sinnlichen Wahrnehmung, die reziprok einander bedingen. Dächte man sich ein Wesen ohne jegliche Sinnesstruktur, käme dies laut Büchner dem Dasein einer Pflanze gleich; bewusstseinskohärente Vorstellungen seien unter Ausschluss der fünf Sinnesorgane - und unter Einschluss vorbezeichneter Dreiheit fernerhin unmöglich.
Umgekehrt könne aber auch ein Mensch von schadhafter Hirnsubstanz trotz funktionierender Sinneswahrnehmung „nur ein halber oder ganzer Idiot“ sein (ebd. S. 328). Ebensolches gelte für einen Menschen von intakter Hirn- und Sinnesleistung bei Wegfall entsprechender Außeneindrücke, was am Exempel Kaspar Hausers illustriert wird.
Am Beispiel zweier blinder Taubstummer führt Büchner weiterhin aus, dass der Verlust bereits eines einzigen Sinnes die Konzeption von Welt immens beeinträchtige. Zwar sei der Erwerb natürlicher Fähigkeiten über den Umweg der verbleibenden Sinne möglich - jedoch seien mit entsprechend reduzierten Perzeptionsgraden keine den gewöhnlichen Dispositionen gleichbedeutende Erkenntnisstufen denkbar. Dies anhand der Beobachtung, dass über beide Patientinnen kein nennenswertes Abstraktionsvermögen aktenkundig sei.
1.2 Problemanalyse
Aufgrund des Büchnerschen Postulats der Reziprozität muss der Satz „Ohne äußere Reize oder Eindrücke keine Empfindung, ohne Empfindung kein Weltbild, ohne Weltbild
1 Ludwig Büchner - Thatsachen und Theorien
kein Denken oder keine Verstandestätigkeit.“ auch umgekehrt gelten; vorgenannte These wäre dann, und nur dann zulässig, sofern betreffende Prämissen entsprechend kommutabel wären; in die Sprache der Aussagenlogik übersetzt, lautet der Satz: E ↔ R ^ W ↔ E ^ W ↔ V bzw. ⌐ (E ↔ R ^ W ↔ E ^ W ↔ V) 2 . Aufgrund der Transitivität erhält man ferner E ↔ V. Womit die Büchnersche These formal-logisch widerlegt wäre, denn: E ↔ V setzt voraus, dass Empfindungsvermögen kompulsiv auch mit Verstandestätigkeit einhergeht, was aber am Beispiel der Pflanzenwelt geradezu ausgeschlossen ist.
Büchners Eingangsthese gemäß ist Letzteres im Gegenteil gar nicht strittig; festzuhalten bleibt hiernach allerdings, dass seine Theorie eher konstatierend als argumentierend erscheint.
Aus anthropologischer Sicht stellt sich Büchners Aufsatz in der Tat höchst problematisch dar; teleologisch mag seine Theorie zunächst plausibel erscheinen - ethisch vertretbar ist sie hingegen nicht. Mangelnde Außenreize - wie im Falle Kaspar Hausersschließen die Möglichkeit funktionierender Sinneswahrnehmung fernerhin nicht aus. Seine Sicht der Dinge mag wohl eine andere gewesen sein, was aber kognitive Beeinträchtigungen nicht zwingend einschließt.
Wenn man im Rahmen eines zentralthematisch-epistemologischen Aufsatzes mit seinesgleichen argumentieren möchte, wäre eine äquilibristische Handhabe bezüglich des gesamten Menschengeschlechts sicherlich angezeigt - dies umso mehr, wenn man Protagoras bemüht und den Mensch zum Maß aller Dinge erklärt.
2
R: Reiz; E: Empfindung; W: Weltbild; V: Verstandestätigkeit
2.1 Darstellung und Aufbereitung
Kognition rekurriere laut Büchner grundsätzlich auf die Verarbeitung des perzipierten Erfahrungsstoffes als ihren Urgrund. Jegliche Denkprozesse, einschließlich aller höherrangigen Ideen und Assoziationen, stehen kausal in unmittelbarer Relation zur ursächlichen Sinneswahrnehmung.
Die philosophische Konzeption der angeborenen Ideen steht nach der Büchnerschen Erkenntnistheorie folglich in striktem Widerspruch zu den im Menschen evolutiv disponierten Denkanlagen, deren Ausgangspunkt die Sinneswahrnehmung ist. Dies ist deshalb von besonderer Signifikanz, da sich hierin epistemologische Thesen eröffnen, die - weg vom apriorischen Wissen - empirisch belegbare Sinneserfahrungen a posteriori für gesetzt erklären.
2.2 Problemanalyse
Die dem Empirismus zugrunde liegende Annahme, dass sich alle Erkenntnis wesentlich aus Sinneserfahrung herleiten lasse, kann der Beantwortung der Fragen nach dem, was außerhalb der sichtbaren Welt begriffen ist, nicht genügen. Welche Beobachtungen lassen sich denn beispielsweise bei der Feststellung, dass es keine größte natürliche Zahl gibt, machen? Hier lässt sich nichts beobachten und Experimente nützen auch nichts. Dagegen hilft das Peano’sche Axiomensystem 3 , das der sinnlichen Wahrnehmung de facto nicht bedarf. Ähnliches gilt u.a. auch für dem Menschen innewohnende Moralvorstellungen, die sich aus der reinen Vernunft ergeben.
3 Microsoft Encarta Enzyklopädie 1999
Arbeit zitieren:
Christina Peters, 2006, Ludwig Büchner "Über Sinneswahrnehmung und sinnliche Erkenntnis" - Eine Analyse, München, GRIN Verlag GmbH
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