Mythos Dresden
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Mythen und Legenden um die Zerstörung der Stadt 3
2.1 Rechtsextreme Legendenbildung 4
2.2 Linksextreme Legendenbildungen 6
3 Luftkrieg im kommunalen Gedächtnis (DDR - BRD) 8
4 „Dresden qualmt noch“ - Der Mythos in der tagespolitischen
Auseinandersetzung 10
4.1 Mythos Dresden und die Frauenkirche - Eine semantische Analyse 10
4.2 Die Semantik der Berichterstattung und ihre Verschränkung mit der
Erinnerung an die deutsche Geschichte 11
5 Erinnerung an Schuld und Leid - ein Fazit 12
6 Literaturverzeichnis. 14
7 Anlagen 16
1.) Umfrage 16
2.) Auswertung zur Umfrage 17
(mit Kommentar)
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1 Einleitung
Der 13. Februar 1945 ist ein symbolischer Tag für die Dresdner und Sachsen überhaupt. Das Datum rangiert auf Augenhöhe mit dem Tag der deutschen Einheit. Alljährlich findet in Dresden die größte Gedenkfeier in Deutschland statt, über die am meisten medial berichtet wird. Anlass ist die Bombardierung Dresdens, jenes sich in die Köpfe der Menschen eingeprägte Ereignis der älteren Zeitgeschichte, das für die verheerenden Auswirkungen des Flächenbombardements der Alliierten im von Deutschland entfesselten Zweiten Weltkriegs steht. Zeitgeschichte ist jene Geschichte, die noch qualme, sagte einst die Geschichtsdidaktikerin Barbara Tuchman. 1 Der immer noch „qualmende“ Dresden-Mythos hält sich in den Köpfen und wird alljährlich wieder neu befeuert, wenn der Monat Februar vor der Tür steht! Es findet zudem quasi eine Pflege der Legenden zum Bombenangriff zu jenem symbolträchtigen Datum statt. Die stets wiederkehrenden und sich neu generierenden Legenden geraten nun in den Strudel tagespolitischer Diskurse und Problemstellungen und führten schon vor Jahren zur Lagerbildung in der Erinnerungspolitik. Ein Ende eines abschließenden Diskurses zur Erinnerungskultur scheint unmöglich und ist, und das ist eine Binsenweisheit, in naher Zukunft nicht absehbar. Das Datum ist emotional aufgeladen und Erklärungen und Richtigstellungen kommen schwer in den Köpfen der Menschen an.
2 Mythen und Legenden um die Zerstörung der Stadt
Der Dresden-Mythos gründet auf drei großen Lügen, die neben den zahllosen Legenden heraus filtriert werden können. Auf politisch rechter, besser: rechtsextremer Seite wird stetig auf das Ausmaß der Zerstörung und die Opferzahlen bei der Zivilbevölkerung Dresdens rekurriert. Ferner wird der Angriff als sinnlos bewertet und reinem Terror gegenüber der Zivilbevölkerung gleichgesetzt. Im linksextremen Spektrum sind vermehrt Stimmen zu finden, die den Angriff darstellen, als sei er geführt worden, um den Vormarsch der Roten Armee Richtung Westen zu stoppen. Die Vertreter dieser These beziehen sich auf Valentin Falin 2 . Erstere Lügen sind im kol-
1 AusdruckBarbara Tuchmans zur metaphorischen Definition des Gegenstands der neuesten Zeitgeschichte (vgl. Barbara
Tuchman: Geschichte denken. Essays, Düsseldorf, 1982, S. 32).
2 Falin, Valentin: Zweite Front. Die Interessenkonflikte in der Anti-Hitler-Koalition, a. d. Russ. v. Helmut Ettinger, Droemersche
Verlagsanstalt Th. Knaur, München, 1997.
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lektiven Bewusstsein der Dresdner weitaus präsenter, werden offen vertreten bzw. weitaus mehr stillschweigend bejaht; ja mithin nicht explizit verneint oder widerlegt. Die Geschichte der Bombenangriffe ist weitgehend erforscht. Jörg Friedrichs Buch „Der Brand“ hat hierzu einen wichtigen Beitrag geleistet. Die Forschung in der nicht zur Ruhe kommenden Erinnerungskultur als Folge verschiedener Geschichtsdeutungen in beiden deutschen Staaten nach Ende des Zweiten Weltkrieges, steckt noch in den Anfängen. Die Legenden der Geschichte sind eben wirkungsmächtiger, als man denkt. Elsässer meint zwei große Lügen zu erkennen, auf die man sich schnell einigen kann. Er schreibt: „Am 13., 14. und 15. Februar 1945 warfen 2.435 britische und amerikanische Flugzeuge 7.070,3 Tonnen Bomben aller Art auf die Stadt. Der Dresden-Mythos rankt sich im Wesentlichen um zwei Lügen: Erstens wird das Ausmaß der Zerstörung und die Zahl der Opfer übertrieben, um die Singularität des Ereignisses zu suggerieren. Zweitens wird der Angriff als militärisch sinnlos, mithin als reiner Terror gegen die Zivilbevölkerung dargestellt, wie ihn auch die Nazis praktizierten. Von links wird gelegentlich noch eine dritte Lüge hinzugefügt: Die Zerstörung Dresdens sei ein bewußtes Kalkül der Westalliierten gewesen, um den Vormarsch der Roten Armee zu behindern und die künftige sowjetische Besatzungszone zu schwächen.“ 3 Beide politische Richtungen müssen hierbei verstärkter untersucht werden; haben sie doch beeinflussenden Anteil an der alljährlichen Trauer- und Erinnerungskultur. Uneigennützigkeit lässt sich keiner der Richtungen in ihren Aktionen vorwerfen.
2.1 Rechtsextreme Legendenbildung
Ein Boom der Gedenkmärsche ist seit 1998 zu verzeichnen. Sicher sind hier auch sozialphilosophische Erklärungen heranzuziehen, indem die Märsche hier eine Lücke füllen, die der wirtschaftliche Niedergang für viele, die für Ideologien leicht empfänglich sind, gerissen hat. Transparente mit der Aufschrift „Bombenholocaust“ werden sogar getragen. Dies dient jener geschichtsrevisionistischen Strategie der Täter-Opfer-Umkehr und relativiert den Massenmord seitens der Deutschen in den zahllosen Konzentrations- und Vernichtungslagern. Paradoxerweise mischen sich hier pazifistische Parolen ein, die das Leid des deutschen Volkes betonen sollen. Höhepunkt der Unschuld sei Dresden gewesen.
3 Elsässer, Jürgen: Wenn das der Führer hätten erleben dürfen. 29 Glückwünsche zum deutschen Sieg über die Alliierten,
KVV "konkret", 1995. OCR-Scan by red. Trend; siehe: http://www.infopartisan.net/trend/trd0603/t100603.html (16.08.2010,
21:50 Uhr).
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kein Vergessen…“ Ziel der Veranstalter ist es, Anhänger zu gewinnen - auch im bürgerlichen Lager. Es finden also sprachliche Vernetzungen und Neuerungen statt. Der „Bombenholocaust“ knüpft so an
den früher in den Sprachgebrauch gekommenen atomaren Holocaust an (1950er Jahre). Für die Rechtsextremen gilt der Angriff auf Dresden als ein (alliiertes) Verbrechen, das es „nicht zu verharmlosen“ gelte. Die einseitig empfundene Siegerjustiz der Jahre 1945 und 1946 ist Anknüpfungspunkt der äußersten Rechten, was argumentativ auf Völkerrechtsverletzungen seitens der Alliierten hinausläuft. Damit wird die deutsche Schuld relativiert. Die Relativierung von Kriegsverbrechen wird betrieben, um gegenwärtige nationale Ohnmachtsgefühle zu lindern. Diese Strategie entfaltet durchaus ihre Wirkung, da sie auf Gefühle gekränkter und gebrochener nationaler Identität und Integrität zielt. Die Parallele zur DDR wird augenscheinlich: Das Verschweigen der sowjetischen Kriegsverbrechen (bzw. dem Hitler-Stalin-Pakt) ging gleichzeitig mit der Rede von angloamerikanischen Terrorbombern einher; jener Wortschöpfung Goebbels´. Das ausschließliche Betonen des Leids muss als Pathos der Wehleidigkeit benannt werden. Das Erheben einer Anklage, was zur Linderung von Gefühlen der Ohnmacht und Schuld führen soll, erleichtert, so das Kalkül, die Geschichte und sie zu ertragen. Gleichsam wird auch so eine neue Lesart der Geschichte angebahnt, indem der Anlass von Wiedergutmachungsleistungen diffamiert wird (Bsp.: Kreuz auf der Frauenkirche). Versöhnung ist hier ein Fremdwort; es geht um Schuld und Schuldvorwurf, was sich stetig neu generieren soll und ins politische Konzept passt.
Der folgende Textbeitrag mit der scheinbar harmlosen Überschrift „Die Toten mahnen uns!“ zeigt jene Inkongruenz zwischen Text und Überschrift. Die Überschrift verengt den Blick also auf die deutschen Toten. Eine differenzierte Darstellung mit den Kriegstoten des von Deutschland entfesselten Zweiten Weltkrieges findet nicht statt.
4 http://logr.org/dortmund/files/2009/02/011.jpg
5
Abbildung 5 „Die Toten Mahnen uns!“ (Man beachte v.a. die Wortwahl im markierten Textbereich.)
2.2 Linksextreme Legendenbildungen
Die Linke kann mit einem Reflex der zwanghaften semantischen Abschottung gegen rechts beschrieben werden. Einige Wenige begrüßen auf perverse Weise die Bombardierung Dresdens und die Notwendigkeit der Bombardierung im Hinblick auf die Beendigung des Krieges. „Bomber-Harris do it again“, konnte man bereits auf Plakaten lesen. Im Gegensatz zur Rechten wird die Enttabuisierung deutscher Kriegsopfer forciert. Einer Rehabilitierung nazistischer Einstellungen soll entgegen gearbeitet werden. Die Linken wenden sich gegen den Begriff der Shoa, der im Zusammenhang
5 in: Blickpunkt Dresden, Informationen des NPD-Kreisverbandes Dresden und des Nationalen Bündnisses Dresden, Verant-
wortlich (V.i.S.d.P.): Jens Baur, Mannheimer Str. 4a, 01591 Riesa, 2008.
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Arbeit zitieren:
Daniel Fischer, Christian Soyk, 2009, Mythos Dresden: „Dresden qualmt noch“ – Der Dresden-Mythos in der tagespolitischen Auseinandersetzung, München, GRIN Verlag GmbH
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