Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. das Konstrukt soziale Kompetenz - eine Begriffsbestimmung 3
2.1 Dimensionen sozialer Kompetenz- als Anpassung und als Durchsetzung 4
2.2 Persönlichkeit und sozial kompetentes Verhalten 5
2.3 berufliche Handlungskompetenz 8
3. Diagnose und Messung sozialer Kompetenz 9
3.1 direkte diagnostische Verfahren 10
3.2 indirekte diagnostische Verfahren 11
4. Training sozialer Kompetenzen 12
5. Fazit 13
6. Quellenverzeichnis 14
7. Abbildungsverzeichnis 16
Sozialen Kompetenzen wird im beruflichen Alltag eine immer größer werdende Bedeutung zugemessen. Solche oder ähnliche Stellenanzeigen spiegeln aktuell wieder, dass nicht nur die fachliche Qualifikation benötigt wird, sondern gezielt Mitarbeiter mit bestimmten Persönlichkeitseigenschaften gesucht werden. Die sog. „Soft Skills“. Nicht nur bei der Personalauswahl, sondern auch im Alltag spielen Persönlichkeit und soziale Kompetenz eine herausragende Rolle. Doch was verbirgt sich tatsächlich hinter den Konzepten Persönlichkeit und soziale Kompetenz? Was meint soziale Kompetenz im Alltagsverständnis und im Beruf oder Studium? Die vorliegende Arbeit geht diesen Fragen im beruflichen und klinisch psychologischen Kontext nach und erörtert warum soziale Kompetenzen nicht isoliert von Fachkompetenzen zu betrachten sind und wie konkret der Begriff der sozialen Kompetenz in die berufliche Handlungskompetenz integriert ist. Dabei werden zunächst die sozialen Kompetenzen theoretisch eingeordnet und im weiteren Verlauf als ein Be-standteil beruflicher Handlungskompetenz beschrieben. Zudem werden die grundlegenden diagnostischen Erfassungsmöglichkeiten von Kompetenzen dargestellt. Der Abschluss dieser Arbeit zeigt Möglichkeiten und Vorgehensweisen von Trainings sozialer Kompetenzen auf.
Seit einigen Jahren findet das Konzept der sozialen Kompetenz zunehmend Beachtung sowohl in der personalpsychologischen Forschung (z.B.: Borman, Penner, Allen & Motowidlo) als auch in der praktischen Personalarbeit (z.B.: Kanning). Personalpsychologie betrachet das Individuum in seinen Verhaltens-, Befindens-, Leistungs- und Entwicklungszusammenhängen als MitarbeiterIn einer Organisation und ist somit ein Teilgebiet der Arbeits- und Organisationspsychologie (vgl. Schuler 2001, S.4 zit.n. Graf 2003, S.68). In der praktischen Personalarbeit werden häufig teilsynonyme Begriffe wie „soft skills“(Schlüsselqualifikationen; weiche Fähigkeiten) oder „ emotionale Intelligenz“( Optimismus, Gewissenhaftigkeit, Motivation, Empathie) verwendet. Leicht lässt sich erkennen, dass es keine einheitliche oder allgemeingültige Verortung der sozialen Kompetenz als Begrifflichkeit gibt. Weinert (vgl. 2001b, S.45) behauptet sogar, dass der Begriff soziale Kompetenz inflationär verwendet wird. Annähernd jeder Begriff wird durch den Zusatz „…Kompetenz“ aufgewertet. Es gibt beispielsweise Medienkompetenz, Führungskompetenz oder berufliche Kompetenz (vgl. Bergmann 2003, S.229). Unabhängig von einer spezifischen Verwendung kann man die Bedeutung des Begriffs soziale Kompetenz anhand ihrer zwei Bestandteile betrachten. Sozial lässt sich hierbei durch „gemeinschaftlich“, „zwischenmenschlich“ ersetzen. Kompetenz hingegen beinhaltet Schlagworte wie „Befugnis“, „Fähigkeit“, „Fertigkeit“. Goldfried und D´ Zurilla (vgl. 1969, S. 151-169), bekannt durch Ihr entworfenes Problemlösetraining, welches häufig Anwendung in der Familientherapie findet, halten ein Verhalten für kompetent, wenn es für das Individuum zur Maximierung der positiven Konsequenzen und zur Minimierung der negativen Konsequenzen führt. Faix und Laier (vgl. 1991, S. 36) erkannten, dass ein spezialisiertes Fachwissen alleine nicht ausreicht, um im Berufsalltag Leistung zu erbringen und gesellschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Entsprechend macht Faix deutlich, dass persönlicher Erfolg im Beruf und Alltag einer Handlungskompetenz (vgl. ebd.) bedingt, die durch einen Synergie-Effekt (ein Zusammenwirken von mehreren Kräften) aus fachlichen, methodischen und sozialen Kompetenzen entsteht. In der vorliegenden Arbeit wird unter dem Kompetenzbegriff das Potential verstanden, über die Fähigkeiten zu verfügen, die den Menschen sowohl in vertrauten als auch fremdartigen Situationen handlungsfähig machen (vgl. Weinberg
1996, S.3). Somit in der Lage sind zwischenmenschliche Interaktionen zu analysieren und zielorientiert zu agieren, während Sie gleichzeitig die Interessen Ihrer Interaktionspartner berücksichtigen. Diese Fähigkeiten sind nach Goleman in seinem Ansatz der emotionalen Intelligenz (vgl. Goleman 1996, S. 63 zit.n. Giessen 2009, S.25) erlernbar und nicht genetisch bedingt.
Sowohl die Entwicklungs- als auch die Klinische Psychologie setzen in der Definition von sozialer Kompetenz spezifische Akzente (vgl. Kanning 2005, S.2). Anpassung beinhaltet das Erlernen von Normen und Werten bzw. Verhaltensregeln, die möglichst jedes Individuum im Laufe der Sozialisation näher an die Gemeinschaft bringt. Wichtig ist dabei im Resultat ein friedfertiger Umgang und reibungsloser Ablauf zwischenmenschlicher Kontakte. Im beruflichen Alltag bedeutet Anpassung, dass man gerade als neuer Mitarbeiter gewisse, bestehende Regeln im Arbeitsteam verinnerlicht, damit die Organisation als Ganzes ihre Ziele verwirklichen kann, ein Team überhaupt erst entsteht und effektiv agieren kann (ebd.).
Aus Sichtweise der Klinischen Psychologie wird demgegenüber der Begriff der Durchsetzung akzentuiert. Hinsch und Pfingsten (vgl. 2002, S.11) beschrieben im Rahmen der Be-handlung von sozialen Phobien („Ängsten“), dass diesen häufig eine mangelnde Verwirklichung von eigenen Interessen zugrunde lag. Wer sich ständig unterordnet, Angst hat seine Meinung zu äußern, lebt in ständiger Anspannung (vgl. Kanning 2005, S.3). Das Erlernen dieser Durchsetzungsfähigkeit durch therapeutische Interventionen steigert nach Hinsch und Pfingsten (vgl. 2002, S.11) die Lebensqualität. Im Beruf ist Durchsetzungsfähigkeit nicht nur bei Führungskräften gefragt, sondern in der Teamarbeit generell. Potentiale, Kreativität und Erwartungen können nur dann entfaltet und erfüllt werden, wenn man in der Lage ist, einen Standpunkt einzunehmen und diesen auch mit Nachdruck zu vertreten (ebd.).
Arbeit zitieren:
Felix Carl, 2010, Diagnostik und Förderung sozialer Kompetenzen, München, GRIN Verlag GmbH
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