- 1 -
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis - 2 -
1. Einleitung - 3 -
2. Rahmenbedingungen. - 5 -
2.1. Kennzahlen - 5 -
2.1.1. Einzelkennzahlen und Kennzahlensysteme - 7 -
2.2. Change Management - 9 -
2.2.1. Die sieben Phasen von Veränderungsprozessen. - 11 -
3. Kennzahlen im Change Management. - 13 -
3.1. Die Balanced Scorecard. - 13 -
3.1.1. Prozess der Balanced Scorecard - 14 -
3.1.2. Die Vision und Strategie. - 16 -
3.1.3. Perspektiven und Kennzahlen. - 17 -
3.1.4. Implementierung und Kommunikation im Unternehmen. - 20 -
4. Kritische Würdigung. - 22 -
5. Zusammenfassung - 24 -
Anhang. - 26 -
Anhang 1: Das DuPont Kennzahlensystem. - 27 -
Anhang 2: Das Grundmodell einer Balanced Scorecard nach Kaplan und Norton. - 28 -
Anhang 3: Der Prozess der Balanced Scorecard - 29 -
Anhang 4: Das Ursache-Wirkungsgefüge der Balanced Scorecard - 30 -
Anhang 5: Beispiel einer Balanced Scorecard. - 31 -
Literaturverzeichnis .............................................................................................. - 32 -
- 2 -
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Strukturierung von Kennzahlen - 4 -
Abbildung 2: Die sieben Phasen der Veränderung …………………………………….- 10 -
- 3 - 1.Einleitung
„Weniger Zahlen, aber gescheitere! (Lenin o.J., nach Gladen 2001, S. 11)“. Dies erkannte der russische Politiker Lenin schon vor mehreren Jahrzehnten und vertrat damit den Anspruch: Qualität vor Quantität. Welche Bedeutung hat diese Aussage aus Sicht der heutigen Wirtschaft?
Viele Unternehmen versinken im Chaos der eigenen Zahlen und verlieren dabei den Überblick über die eigentliche wirtschaftliche Situation. Dabei stehen sie durch die Schnelllebigkeit der heutigen Wirtschaft vor weitaus größeren Herausforderungen als noch vor einigen Jahren. Unternehmen sind dazu gedrängt, immer neue Technologien zu entwickeln, um am Markt bestehen zu können. Prozesse müssen optimiert und umstrukturiert werden. Die Managementdisziplin, die sich durch diese vielen Entwicklungen in den Unternehmen etabliert hat und inzwischen einen wichtigen Stellenwert erreicht hat, ist das Change Management. Die Unternehmen versuchen Veränderungen weniger als Hindernis, sondern mehr als eine neue Chance zu sehen. Veränderungen werden somit bewusster in den Unternehmensprozess integriert, um damit das unternehmerische Handeln zu optimieren. Das Problem der Unternehmen liegt jedoch darin, dass sie Veränderungen zwar planen und umsetzen können, sie jedoch oft nicht in der Lage sind, die Erfolge zu messen. Das Ergebnis des Veränderungsprozesses kann dadurch oft nicht richtig interpretiert werden. Diesen Problemen nahmen sich die Wirtschaftswissenschaftler Kaplan und Norton in den neunziger Jahren an und entwickelten mit der Balanced Scorecard ein System, dass die Möglichkeit bietet, Veränderungen messbar zu machen. Sie nutzten dafür die in jedem Unternehmen vorhandenen Kennzahlen als Grundlage.
Kennzahlen haben in der Betriebswirtschaftslehre eine wichtige Bedeutung. Welche Wichtigkeit Kennzahlen innewohnt, zeigt sich im Vergleich zu anderen Maßnahmen, wie z.B. dem Jahresabschluss. Auf Grund der komplexen Dimension besitzt der Jahresabschluss oft wenig Aussagekraft. Kennzahlen ermöglichen eine genauere Aussage. Sie ermöglichen es, den Erfolg eines Unternehmens in Zahlen auszudrücken. Sie sind in jedem Organisationsbereich wichtige Erfolgsindikatoren und als Managementinstrumente unabdinglich. Die Balanced Scorecard bietet als Kombination von Change Management und Kenn- zahlen die Möglichkeit, die Ergebnisse der Veränderungen zu messen und damit das Erfolgs-
- 4 -potential des Veränderungsprozesses auch in Zahlen ausdrückbar zu machen. Weiterhin fan-den nicht nur die monetären Kennzahlen Anwendung, sondern auch die nicht-monetären. Damit können nicht nur finanzielle Veränderungen gemessen werden, sondern beispielsweise auch die Kennzahlen aus den verhaltenswissenschaftlichen Aspekten einer Unternehmung. Die Zielstellung dieser Hausarbeit ist es einerseits zu beurteilen, ob die Balanced Sco-recard für Veränderungsprozesse zweckmäßig ist. Neben der Darstellung des Konzepts und des Prozesses, soll aber andererseits auch eine kritische Betrachtung erfolgen. Analysiert wer-den soll, ob dieses Kennzahlensystem das erforderliche Erfolgspotenzial erfüllt und eine In-tegration in den Veränderungsprozesse möglich ist.
Um die Zweckmäßigkeit der Balanced Scorecard beurteilen zu können, soll diese Hausarbeit zunächst einen Überblick über die Rahmenbedingungen der Thematik geben. Die allgemeinen Aufgaben und Merkmale von Kennzahlen werden erläutert und die Strukturierung in einzelne Kennzahlen und Kennzahlensysteme wird skizziert. Im darauf folgenden Abschnitt werden die Grundlagen des Veränderungsmanagements erläutert. Die Wichtigkeit dieser Managementdisziplin und der Ablauf eines Veränderungsprozesses werden aufgeführt, um dann die Besonderheit der Beteiligten durch Erläuterung der 7 Phasen der Veränderung ausführlich darzustellen. Diese Phasen haben eine wichtige Bedeutung bei der späteren Implementierung der Balanced Scorecard in das Unternehmen. Die Balanced Scorecard bildet den Hauptteil dieser Arbeit. Zunächst wird die Zielstellung und das Konzept vorgestellt. Im darauf folgenden Abschnitt wird der Entwicklungsprozess beschrieben. Dieser beginnt mit der Formulierung der Vision und Strategie der Unternehmung und wird durch die Festlegung der vier Perspektiven: Finanzen, Kunden, Prozesse und Mitarbeiter erweitert. Die Bestimmung der Kennzahlen und deren Maßnahmen werden im nächsten Schritt erläutert. Die Implementierung und Umsetzung der Balanced Scorecard wird im letzten Abschnitt thematisiert.
Die kritische Würdigung soll die Zielstellung beurteilen und bietet die Möglichkeit die Thematik kritisch zu reflektieren. Neben der Balanced Scorecard soll die grundsätzliche Anwendung von Kennzahlen im Veränderungsprozess beurteilt werden. Ist es somit möglich, durch Kennzahlensysteme wie die Balanced Scorecard, Lenins Zitat in der heutigen Zeit geltend zu machen und mit weniger Zahlen mit höherer Aussagekraft zu nutzen? Diese Frage soll schlussfolgernd im Anschluss dieser Hausarbeit beantwortet werden.
- 5 - 2.Rahmenbedingungen
2.1. Kennzahlen
Kennzahlen wird eine wichtige Bedeutung im Unternehmensprozess zugesprochen und wird von vielen Unternehmen zur eigenen Unternehmensanalyse angewendet. Sie sind wichtige Instrumente unter anderem für das Controlling und auch das Rechnungswesen. In der Literatur findet sich deswegen auch eine Vielzahl von unterschiedlichen Definitionen des Kennzahlenbegriffs. Schott (1991, S. 19) beschreibt sie als „Verhältniszahlen mit betriebswirtschaftlich relevanter Aussage über betriebliche Fakten, Vorgänge, Entwicklungstendenzen, Ziele [und] Ergebnisse.“ Eine andere Definition ergänzt die Möglichkeit durch Kennzahlen Informationen möglichst schnell verdichtet darstellen zu können (Vgl. Schultz 2009, S. 58f). Sie ermöglichen einem Unternehmen, aus ihren Daten einen Überblick über die gegenwärtige wirtschaftliche Situation zu erhalten.
Nach Reichmann (1990, S. 15) müssen Kennzahlen die folgenden drei Eigenschaften besitzen: Informationscharakter, Quantifizierbarkeit und Informationen in spezifischer Form. Die Wichtigkeit des Informationscharakter findet sich auch in den erläuterten Definitionen des Kennzahlenbegriffs wider. Diese Eigenschaft ist adäquat für die Qualität der zu ermittelnden Kennziffern. Das nutzen von falschen Daten kann zu Fehlinterpretationen der Kennzahlen und zu möglichen falschen Entscheidungen der Unternehmensführung führen. Die Quantifizierbarkeit und Spezifikation solcher Zahlen ermöglicht dem Unternehmen, erstens möglichst präzise Aussagen zu treffen und weiterhin aus der Masse an teils komplexen und komplizierten Informationen einen ausreichenden Überblick zu erlangen (Vgl. Reichmann 1989, S. 15). Gladen (2001, S. 17) beschreibt mit der Analyse - und Steuerungsaufgaben die zwei Hauptaufgaben von Kennzahlen.
Die Analyseaufgabe lässt sich in zwei Kernbereiche teilen: Die externe und interne Unternehmensanalyse 1 . Im Zuge der Umweltanalyse werden Kennzahlen vorrangig zur Kunden-, Markt und Konkurrenzanalyse genutzt. Eine Sonderform letzteres ist das Benchmarking. Bei dieser Analysemethode, welche in den USA entwickelt wurde, wird das eigene Unternehmen mit den Besten verglichen. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um ein Konkurrenzunternehmen aus der eigenen Branche handeln, sondern vielmehr stehen Arbeitsabläufe
1 Die externe Unternehmensanalyse kann auch als Umweltanalyse bezeichnet werden.
- 6 -und Prozesse im Vordergrund der Analyse (Vgl. Gladen 2001, S. 17f). Die interne
Unternehmensanalyse lässt sich wiederum in zwei Teilbereiche unterteilen: vergangenheitsbezogene und zukunftsorientierte Analyse. Erstere basiert hauptsächlich auf Daten des externen Rechnungswesens und arbeitet sowohl mit Einzelkennzahlen, als auch mit Kennzahlensystemen. Vergangenheitsbezogene Unternehmensanalysen werden unter anderem mit Hilfe von Zeit- und Betriebsvergleiche durchgeführt. Die zukunftsbezogene Unternehmensanalyse basiert auf Prognosen oder Hypothesen, um Veränderungen einer betriebswirtschaftlichen Größe zu ermitteln. Da viele Unternehmen nicht die Möglichkeit haben Prognosen selber zu ermitteln, basieren ihre Berechnungen auf Ersatzgrößen, die mit der zu ermittelnden Größe in Zusammenhang stehen (Vgl. Gladen 2001, S. 18-19).
Die Steuerungsaufgabe von Kennzahlen ist für diese Hausarbeit von essentieller Bedeutung. Nach Wöhe (2005, S. 241) besitzen Kennzahlen im Zuge der Steuerungsaufgabe einen wichtigen Vorgabecharakter für das Unternehmen. Kennziffern sollten in diesem Zusammenhang Motivation, Leistungskontrolle und Koordination bewirken. Die Motivationseigenschaft von Kennzahlen beschreibt Gladen (2001, S. 21) als Verhaltenssteuerungsfunktion. Die Mitarbeiter eines Unternehmens müssen durch die Unternehmensleitung mobilisiert werden, die Zielvorgaben zu erreichen (Vgl. Wöhe 2005, S. 242). Gladen (2001, S. 21f) betont weiterhin, dass durch Anreizsysteme, wie beispielsweise zielge-bundene Gehaltserhöhungen, die Motivation nochmals erhöht werden kann. Die Grundlage der Leistungskontrolle bilden vergangenheitsorientierte Soll-Ist Vergleiche (Vgl. Gladen 2001, S. 22; Wöhe 2005, S. 242). Sollgrößen dienen hierbei als Richtwert um die erreichte Ist-Leistung zu bewerten.
Die Koordination, als weitere Wirkungsweise von Kennzahlen, verbindet Einzelkennzahlen zu einem Kennzahlensystem. Wöhe (2001, S. 242) beschreibt die Koordination als Versuch, das unternehmerische Gesamtziel auf einer niedrigeren Unternehmensebene in Teilziele abzuleiten. Hier könnte zum Beispiel die Fluktuation pro Geschäftsjahr im Unternehmen als Zielerreichung in Form einer Kennzahl abgebildet werden. Wird dies für alle weiteren Teilbereiche (z.B. Verwaltung, Vertrieb) des Unternehmens durchgeführt, lassen sich die einzelnen Kennzahlen zu einem Kennzahlensystem verknüpfen. Dadurch ist eine genaue Aussage über die Fluktuation im Unternehmen möglich.
Hinsichtlich ihrer Funktionen und Wertstellungen lassen sich Kennzahlen auch nach ihrer Gliederung unterscheiden. Kennziffern können demnach als Einzelkennzahlen oder verdichtet in einem Kennzahlensystem dargestellt werden. Diese Unterscheidung wird im fol- genden Gliederungspunkt näher dargestellt.
- 7 - 2.1.1.Einzelkennzahlen und Kennzahlensysteme
Kennzahlen können sowohl als Einzelkennzahlen, als auch in Kennzahlensystemen abgebildet werden. Die folgende Darstellung zeigt die Strukturierung von Kennzahlen:
Abbildung 1: Strukturierung von Kennzahlen (Wöhe 2005, S. 239)
Aus der Abbildung wird ersichtlich, dass sich Einzelkennzahlen nochmals in verschiedene Typen unterteilen lassen, den Grund- und Verhältniszahlen. Die Grundzahlen werden in der Literatur auch oft als absolute Zahlen bezeichnet (Vgl. Siegwart 1992, S. 23). Ihnen wird in der Literatur oft wenig Bedeutung entgegengebracht, da sie als einzelne Größe wenig Aussagekraft besitzen. Im Ist-Soll Vergleich mehrerer Perioden können sie jedoch durchaus Aussagekraft besitzen (Vgl. Wöhe 2005, S. 239). Grundzahlen können als Einzelzahlen (z.b. Umsatz), Summen (z.B. Bilanzsumme), Differenzen (z.b. Gewinn) und als Mittelwerte (z.B. durchschnittlicher Lagerbestand) auftreten (Vgl. Siegwart 1992, S. 17; Wöhe 2005 S. 239).
Die Verhältniszahlen werden in der Literatur auch oft als relative Kennzahlen bezeichnet. Mit Hilfe von relativen Zahlen werden Zahlen, zwischen denen ein sachlicher Zu- sammenhang besteht, in Beziehung zueinander gebracht. Sie können nochmals in Gliede-
- 8 -
rungszahlen , Beziehungszahlen und Indexzahlen unterteilt werden (Vgl. Siegwart 1992, 18
W öhe 2005, S. 240f)
Gliederungszahlen sind Kennzahlen, die durch Aufgliederung einer Ausgangsgröße
gewonnen werden. Die Teilgrößen werden in Verhältnis zu ihrer Ausgangsgröße gesetzt. 2 Ein
Beispiel für allgemeine Gliederungszahlen ist die relative Häufigkeit (Vgl. Siegwart 1992,
18). Wöhe (2005, S. 240) nennt die Materialkosten als Beispiel für eine Gliederungszahl aus
der Betriebswirtschaftslehre. 3
Die Beziehungszahlen sind nach Siegwart (1992, S. 20) die wichtigsten Kennzahlen
f ür eine Unternehmung. Bei deren Anwendung werden verschiedenartige Größen ins Verhält-
nis zueinander gesetzt. Wichtig ist jedoch, dass diese Zahlen auch in sachlicher Beziehung
zueinander stehen. Damit wird es möglich, Zusammenhänge und Entwicklungen mit Hilfe
von Kennzahlen deutlich zu machen. Ein Beispiel für Beziehungszahlen ist die Rentabilität 4
(Vgl. Wöhe 2005, S. 240)
Die Indexzahlen stellen den Verlauf mehrerer sachlicher zusammengehörender Ereig-
nisse bzw. Ergebnisse dar. Dabei wird die betrachtete Zählergröße in Beziehung zu einer Ba-
sisgr öße gesetzt. Ein Beispiel aus der Volkswirtschaftslehre ist das Bruttoinlandsprodukt oder
der Lebenshaltungskostenindex 5 (Vgl. Siegwart 1992, S. 22 Wöhe 2005, S. 240)
Da einzelne Kennzahlen oft unzureichend sind, um genaue Aussagen über Erfolg oder
Wirtschaftlichkeit zu treffen, werden neben den Einzelkennzahlen auch Kennzahlensysteme
im Unternehmen angewendet. Sie werden von Siegwart (1992, S. 39) „als logische und/oder
rechnerische Verknüpfung mehrerer Kennzahlen definiert , die zueinander in einem Abhän-
gigkeitsverh ältnis stehen.“ Da eine große Anzahl an Kennzahlen oft zu Unübersichtlichkeit
f ührt oder zu falschen Interpretationen führen kann, ist es wichtig, die Kennzahlensysteme
durch logische Kombination von Einzelkennzahlen zu entwickeln. Dabei ist es üblich, dass in
Kennzahlensystemen eine Hauptkennzahl festgelegt wird, die in weiteren Schritten in logi-
sche Teilkennzahlen aufgegliedert wird. Dieser Prozess wird auch roll-out genannt und wird
auch bei der Entwicklung der Balanced Scorecard genutzt, welche im Abschnitt 3.1. themati-
siert ist (Vgl. Gladen 2001, S. 65f)
2 Gliederungszahl allg.
3 Materialkosten
4 Rentabilität
Eigenkapitalrentabilit ät
5 Lebenshaltungskostenindex
Arbeit zitieren:
Anne Heyer, 2010, Betriebswirtschaftliche Kennzahlen als Steuerungselement für Veränderungsprozesse, München, GRIN Verlag GmbH
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