Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG. 2
2. BEGRIFFSERKLÄRUNGEN 3
2.1 DER SUIZID. 3
2.1.1 Der Suizidversuch 4
2.1.2 Die Suizidgefahr 4
2.2 DIE VERANTWORTUNG. 5
2.3 DIE GESELLSCHAFT 5
3. HAT EIN MENSCH DAS RECHT SICH SELBER UMZUBRINGEN? - KULTURGECHICHTE
DES SUIZIDS 6
3.1 DER SUIZID IN DER ANTIKE. 6
3.2 DER SUIZID IM MITTELALTER 7
3.3 DER SUIZID IN DER FRÜHEN NEUZEIT 8
3.4 DER ROMANTISCHE SUIZID 9
3.5 DER SUIZID IM 19. JAHRHUNDERT. 9
3.6 DER SUIZID IM 20. JAHRHUNDERT. 10
4. WIE REAGIERT DIE GESELLSCHAFT AUF SUIZIDGEFÄHRDETE MENSCHEN UND AUF
SUIZIDE IN IHRER UMGEBUNG? 11
4.1 FAMILIENANGEHÖRIGE 11
4.2 PFLEGENDE 12
4.3 POLITIK 14
4.4 WISSENSCHAFTLER 15
5. WICHTIGKEIT UND FOLGEN VON SUIZIDPRÄVENTION. 16
5.1 PRIMÄRPROPHYLAXE. 16
5.2 SEKUNDÄRPROPHYLAXE 17
5.3 TERTIÄRPROPHYLAXE 17
6. FAZIT 18
Literaturverzeichnis
Anhang
1
1. Einleitung
Im Vordergrund dieser Hausarbeit stehen ethische Fragestellungen, wie z.B. Darf ein Mensch sich selber töten? Gibt es eine Pflicht zu leben? Läßt sich ein Suizid moralisch bewerten? Wer ist schuld, wenn sich ein Mensch selber umbringt? Diese Fragen werden in den nächsten Kapiteln näher beleuchtet.
Ausgehend von der statistisch belegten Tatsache, daß sich » alle 45 Minuten (...) in Deutschland ein Mensch das Leben und alle vier Minuten (...) es einen Selbstmordversuch « 1 gibt, empfindet es die Autorin für wichtig, sich in Form dieser Hausarbeit mit dem Thema Selbstmord unter ethischen Aspekten auseinander zu setzten. Es ist schwierig, sich vorzustellen was es bedeutet, wenn sich alle 45 Minuten ein Mensch umzubringen versucht. Aus diesem Grund wird an dieser Stelle zusätzlich die Anzahl der Todesursache durch Selbstmord genannt. Diese betrug in Deutschland 1999 11157 und stellt die zehnt häufigste Todesursache dar. 2 Für Menschen unter 40 Jahren war es sogar die zweit häufigste Todesursache. 3 Hinzu kommen die üblichen statistischen Probleme. Es können nie alle Daten erfaßt werden, so daß immer eine Dunkelziffer besteht . Im Bezug auf den Selbstmord wird diese als sehr hoch eingeschätzt, da angenommen wird, daß sich unter den ungeklärten Todesfällen zahlreiche Suizide befinden. Außerdem wird vermutet, daß viele Suizide wegen Peinlichkeit, Schamgefühl oder fehlender Akzeptanz in der Gesellschaft durch andere Todesursachen versteckt werden. 4 Das Interesse der Autorin begründet sich außerdem durch ihre Ausbildung in der Psychiatrie und weitere Tätigkeit als Krankenschwester in der Psychiatrie, bei der sie im Berufsalltag mit suizidgefährdeten Menschen und Suiziden konfrontiert wird. 5 Durch ihre Arbeitserfahrung und ihr Privatleben stellte auch sie fest, daß das Thema Selbstmord auch in unserer heutigen Zeit immer noch ein Tabuthema ist .
Dies wird im Laufe der Hausarbeit dargestellt.
Die Autorin möchte darauf hinweisen, daß Grundbegriffe der Ethik wie zum Beispiel Normen, Werte und Moral nicht mehr näher erklärt werden, da dies in Form des Seminars und zahlreichen Referaten bereits geschehen ist.
1 Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS), „Alle 45 Minuten“, in: die tageszeitung, http://www.taz.de/pt/2001/04/06/a0039.nf/text.name,asky0M0JK.n,51, Berlin, 06.04.01
2 Vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland, Todesursachenstatistik, in: http://www.statistik-bund.de/basis/d/gesu/gesutab3.htm
3 Vgl. Mayer,K, Suizidalität - Ist Selbstmord das Produkt einer freien Entscheidung?, in: http://www.neuro24.de/d12,htm
4 Vgl. Wiegand, Fr. in: Informationszeitchrift Neuhland , Berlin, S.9, o.J.
5 Tätigkeit seit 1996 als Krankenschwester in der Psychiatrie, zur Zeit in den St. Hedwig Kliniken, örtlicher Bereich Wedding, allgemeinpsychiatrische Aufnahmestation.
2
2. Begriffserklärungen
Im Folgenden Teil werden die wichtigsten Begriffe zum besseren Verständnis erklärt und von verschiedenen Sichtweisen beleuchtet.
2.1 Der Suizid
Das Wort Suizid kommt aus dem Lateinischen (sui = seiner, gegen sich, zid = als Wortteil mit der Bedeutung tötend, von caedere = töten) und wird mit Selbsttötung übersetzt. 6 Zahlreiche Wissenschaftler versuchten diesen Begriff bezüglich seiner inhaltlichen Bedeutung zu definieren. Dieser Arbeit liegt die Definition von Durkheim » Man nennt Selbstmord jenen Todesfall, der direkt oder indirekt auf eine Handlung oder Unterlassung zurückzuführen ist, die vom Opfer selbst begangen wurde, wobei es Ergebnis seines Verhaltens im Voraus kannte « 7 zu Grunde. Dabei muß darauf geachtet werden, daß es im Sprachgebrauch vier verschiedene Wörter gibt: Suizid, Selbsttötung, Freitod und Selbstmord.
Werden nun die einzelnen Bezeichnungen für ein und dieselbe Handlung genauer betrachtet, läßt sich unschwer eine Wertung erkennen.
Die Bezeichnung Suizid klingt vorerst wertfrei, da sie aus dem Lateinischen kommt. Die Autorin bevorzugt aus diesem Grund die Bezeichnung.
Bei Selbsttötung und Freitod klingt ihrer Meinung nach ein positiver Ton mit, der die Handlung der Entscheidungsfreiheit jedes Einzelnen aufzeigt. Wohmann benannte diesen positiven Charakter indem sie in einer Podiumsdiskussion sagte: » Freitod (...) sage ich deswegen nicht so gern, weil es mir eine zu schöne Vokabel zu sein scheint. « 8 Decher hingegen bezeichnet Selbsttötung und Freitod als wertneutral. 9 Das Wort Selbstmord erhält seine Wertung in seiner zweiten Silbe - mord -. Mord ist etwas schwerwiegendes und drückt eine negativ, moralisch verwerfliche Tat aus.
Abschließend wird darauf hingewiesen, daß der Suizid ein rein menschliches Phänomen ist, da nur dem Menschen es möglich ist, über sich selbst und seine Existenz nachzudenken und sie durch eigene Hand beenden zu können. » Bei Tieren hingegen geschieht eine Selbsttötung oft als Massenphänomen, meist nur in Panikzuständen. « 10
6 Vgl. Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, 257. Aufl., Berlin / New York 1994, S.1488 und S.1694
7 Durkheim, E., Der Selbstmord, 2.Aufl., Frankfurt/M. 1987, S. 27
8 Wohmann, G., in: Pohlmeier, H. (Hrsg.), Selbstmordverhütung - Anmaßung oder Verpflichtung, Bonn 1978, S.13
9 Vgl. Decher, F., Die Signatur der Freiheit - Ethik des Selbstmords in der abendländischen Philosophie, Lüneburg 1999, S.9
10 Aehlen, Ch., Suizid, Meppen 2001, in: http://www.hausarbeiten.de/cgt-bln/superDBaruck.pl/archiv/psychologie/psycho-text51.shtml
3
2.1.1 Der Suizidversuch
Als »Selbsttötungsversuch ohne tödlichen Ausgang« wird der Suizidversuch definiert. 11
Kuitert stellte fest, daß sich der Suizidversuch im Wesentlichen darin vom Suizid unterscheidet, daß sein Ziel nicht das Sterben ist. Der Suizidant (Person, die einen Suizidversuch ausübt) beabsichtigt die Umgebung anzusprechen. Er macht auf sich aufmerksam, schreit um Hilfe, versucht die Umgebung zu verletzen, sie zu blockieren oder ihr Schuldgefühle zu machen. Meist hofft der Betroffene, rechtzeitig gefunden zu werden und richtet danach seine Durchführung aus. 12
Des Weiteren führt Kuitert auf, daß die Suizidversuche, die mit dem Tod enden, obwohl dies von den Betroffenen nicht beabsichtigt war, nicht zu unterschätzen sind. Deshalb muß jeder Suizidversuch ernst genommen werden, mag er noch so lapidar scheinen.
2.1.2 Die Suizidgefahr
Um die Größe der Gefahr eines Selbstmordes einzuschätzen entwickelte Ringel 13 das Präsuizidale Syndrom (von lat.: prae = vor, daliegend; praesuizidal = vor einem Suizid liegend) 14 . Ringel untersuchte 745 Menschen, die nach einem Suizidversuch gerettet wurden auf ihr psychisches Befinden. Dabei konnte er drei Hauptkomponenten heraus filtern: Einengung, die sich auf die persönlichen Möglichkeiten situativ dynamisch, zwischenmenschlich und wertspezifisch bezieht. Sie wird durch Lebensereignisse wie z.B. Fehlverhalten oder mangelnde Fähigkeiten im affektiven Erleben reduziert auf depressive Gefühle und Angst. Die zweite Komponente ist die gehemmte und gegen die eigene Person gerichtete Aggression, die meist durch fehlende aggressionshemmende Bewältigungsmechanismen wie z.B. stabile zwischenmenschliche Beziehungen oder eine gefestigte Persönlichkeitsstruktur entsteht. Aktive Selbstmordphantasien sind die dritte Komponente, die willentlich absichtlich und passive Selbstmordphantasien gegen den eigenen Willen sind. Die passiven Selbstmordphantasien zwängen sich meist auf und beherrschen regelrecht die Person und können urplötzlich entstehen. Dadurch wird die Gefahr der passiven Selbstmordphantasien deutlich. Die genannten drei Komponenten interagieren und beeinflussen sich in ihrer Intensität. Anhand von gezielten Fragen ist es dem Therapeuten möglich die Suizidgefahr des Einzelnen einzuschätzen. Ringel weist darauf hin, daß aus einem präsuizidalen Syndrom nicht automatisch ein Suizid bzw. ein Suizidversuch entsteht. 15
11 Pschyrembel, a.a.O.,S.1235 & 1488
12 Vgl. Kuitert, H.-M., Das falsche Urteil über den Suizid - Gibt es eine Pflicht zu leben?, Stuttgart 1986, S.87
13 Ringel, E., Selbstmordverhütung, Berlin/ Stuttgart/Wien 1969, S. 130
14 Pschyrembel, a.a.O., S.1235
15 Ringel, E., a.a.O., S.51-64
4
2.2 Die Verantwortung
Die Wortbedeutung von Verantwortung ist das „Antwort - Geben“. Verantwortung bezeichnet » (...)die Zuständigkeit von Personen für übernommene Aufgaben bzw. für das eigene Tun und Lassen, auch für Charaktereigenschaften vor einer Instanz, die Rechenschaft fordert.« 16 Als rechenschaftsfordernde Instanzen werden das Gericht, Mitmenschen, das Gewissen jedes Einzelnen und Gott genannt. Die Verantwortung macht aus dem Menschen ein moralisches, religiöses,- und Rechtssubjekt, welches für das eigene Handeln und die Auswirkungen einstehen muß. Je nachdem wird das Handeln Achtung oder Verachtung zur Folge haben. Zu entscheiden ob überhaupt ein Einzelner oder eine Gruppe verantwortlich bzw. nicht verantwortlich sein kann, ist schwierig. Damit wird bezüglich zum Titel dieser Hausarbeit der Frage „Wieviel Verantwortung trägt die Gesellschaft gegenüber suizidgefährdeten Menschen?“ keine Antwort gegeben , die Frage kann jedoch genauer beleuchtet werden. Aristoteles (384 - 322 v.Ch.) führte Zwang, Nötigung, Irrtum und Geisteskrankheit als Gründe für die Nichtverantwortlichkeit auf.
Max Weber (1864 - 1920) prägte die Verantwortungsethik, die er gegen die Gesinnungsethik von Hegel stellte. Weber schreibt die Verantwortungsethik der Politik zu und fordert die Auswirkungen der Handlungen zu berücksichtigen und für sie gerade zu stehen. 17
2.3 Die Gesellschaft
Gesellschaft bedeutet » im weitesten Sinne das Zusammenleben von Menschen, insofern es durch bestimmte Regeln für die Beziehungen und Verhaltensweisen zu einer gewissen Einheit (in Familienform, Sitte, Recht, Produktionsweise) (...) wie Über,- und Unterordnungsverhältnisse geregelt sind.« 18 Im 19. Jahrhundert wurde die Gesellschaftsordnung auf die bürgerliche Gesellschaft bezogen und beschrieb somit »wie die Privatinteressen der Einzelnen rechtlich unter Berufung auf die staatliche Autorität (...) zu geregeltem Austrag kommen.« 19 Die Gesellschaft steht als Grundlage für den Menschen nach seiner Geburt als Basis da , in die er mit ein bezogen wird. Es muß berücksichtigt werden, daß der Mensch dennoch nicht als reine Funktion der gesamten Gesellschaft angesehen werden darf.
16 Höffe, O, Lexikon der Ethik, München 1992, S.288
17 Vgl. Höffe, O, ebenda
18 Halder, A., Philosophisches Wörterbuch, Freiburg 2000, S.122
19 Halder, A. ebenda
5
Arbeit zitieren:
Tamara Umlauf, 2001, Gesellschaftliche Sichtweisen zum Thema Suizid, München, GRIN Verlag GmbH
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