1 RAUM-AKUSTIK UND ERGO-
einesSchallschutznachweises, z.B. nach laute Drucker, Kopierer, Lüfter und Klima-
NOMIE
DIN 4109 (Schallschutz im Hochbau - An-anlagen überschritten. Aber auch die Nutz-forderungen und Nachweise), in der Regel er, z.B. von Großraumbüros, erzeugen oft Wir bewegen uns von einer produzieren-rechtzeitig gedacht. Auch die Standard-höhere Störpegel durch laute Unterhaltung den zu einer dienstleistenden Arbeitswelt. Anforderungen an Wände und Decken und Ferngespräche. Dank immer stärkerer Rationalisierung zwischen benachbarten Räumen werden nimmt die Zahl besonders lauter Arbeits-Zur Lärmminderung kommen folgende bei der Ausführungsplanung regelmäßig plätze in Werkhallen ab. Gleichzeitig ver-Maßnahmen in Betracht: berücksichtigt. Die Raum-Akustik hat für mehren sich, wenngleich leider nicht im die meisten Baubeteiligten aber etwas ”Ok-selben Umfang, Arbeitsplätze mit höheren a) Maßnahmen an den Schallquellen kultes“, das man schlecht fassen, kaum geistigen und kommunikativen Anforde-selbst, die die Schallentstehung verhin-beschreiben und deshalb auch nicht recht rungen. Die Produktivität von Beamten, dern oder mindern. planen kann. Die Missachtung ergonomi-Angestellten und Führungskräften kann scher Anforderungen an die Raumakustik noch stärker als diejenige von Handwer-b) Kapselungen und Abschirmungen gipfelt im üblichen Innenausbau von kern und Industriearbeitern durch Lärm-durch raumhohe Abtrennungen, um Schulräumen, Konferenzzimmern und Bü-störungen beeinträchtigt werden. Büroma-Schallübertragungen zu reduzieren. ros. Hier begnügt sich der schalltechnische schinen, Lüftungsanlagen und Telefonge-Berater, wenn er überhaupt gehört wird, spräche des Nachbarn können zwar das c) Raumakustische Dämpfungsmaßnah-meistens mit der Empfehlung einer Unter-Gehör bei Schallpegeln unter 80 dB(A) men an Decke, Wänden und Raumtei-decke, die mindestens 100 mm von der nicht nachhaltig schädigen, entsprechend lern. Rohdecke abgehängt sein sollte. Aber der Lärmwirkungsskala in Bild 1 treten aber selbst wenn diese einen bewerteten Schallabsorptionsgrad
α
w
von z.B. über bereits ab 70 dB(A) vegetative Störungen Am Wirkungsvollsten sind selbstverständ-80 % (entsprechend Klasse B nach DIN auf (Fuchs 1995). lich die Maßnahmen der Gruppe a). EN ISO 11 654 (Schallabsorber für die An-
Schallabsorption)) aufweisen sollte, garantiert diese Maßnahme allein noch kein gutes Ergebnis, weil sie vor allem den Frequenzbereich oberhalb 250 Hz bedämpfen
Der für die Verständlichkeit wichtigste Frequenzbereich ist durch hellere Vokale und stimmhafte Konsonanten männlicher wie weiblicher Stimmen auf etwa 500 bis 4000 Hz konzentriert. Darunter schließt sich der für die Deutlichkeit weniger wichtige, durch das Schnarren der Stimmbänder angeregte, Grundtonbereich bis etwa 63 Hz nen Äußerungen animiert. herunter an, der zur Verständigung wenig
Bild 1: Die Wirkungen von Lärm auf den Menschen beiträgt, aber die Eigenfrequenzen des Die nur bei hohen und mittleren Frequen-Raumes stark anregen kann. Die Sprachzen wirksamen porösen oder faserigen verständlichkeit wird zum einen beeinträch-In Büro- und Besprechungsräumen ist mit Akustik-Materialien, wie üblich hinter tigt, wenn Störgeräusche im ”wertvollen“ steigenden Schalldruckpegeln zwischen 50 Lochplatten versteckt, erfüllen die schall-Spektralbereich eindringen. Hohe Frequen-und 70 dB(A) ein wachsender Leistungstechnischen Anforderungen nur unzuzen werden aber außerdem bei gleichzeitiabfall eindeutig feststellbar. Die länglich, machen den Raum oft nur gem Ertönen tiefer Frequenzanteile grund-Arbeitsstättenverordnung verlangt daher ”dumpf“. Auch die konventionellen sätzlich schwächer wahrgenommen, für ”überwiegend geistige“ Tätigkeiten die ”Akustik“-Decken, weiche Gehbeläge und sozusagen verdeckt oder maskiert. Wenn Einhaltung eines Grenzpegels von 55 selbst dicke Vorhänge helfen oft nicht wei-Frequenzanteile weit unterhalb von 500 Hz, dB(A). Für eine lärmgerechte Gestaltung ter. Akustische Behaglichkeit stellt sich z.B. bei 63 oder 50 Hz, vorhanden sind, so neuer und vorhandener Arbeitsstätten erst ein, wenn auch die tiefen Frequenzen kann man nachweisen, dass diese die empfiehlt z.B. DIN EN 31 690 (Richtlinien durch geeignete Resonatoren breitbandig Sprachverständigung zusätzlich stark für die Gestaltung lärmarmer Arbeitsstätbedämpft werden. beeinträchtigen und eine Unterhaltung ten) 45 bis 55 dB(A) für ”übliche Bürounter mehreren Personen sehr anstrenarbeit“ und 35 bis 45 dB(A) für ”Arbeiten An eine ausreichende Schalldämmung gegend machen können. Die gleiche mit besonderer Konzentration“. Diese Zielgenüber Außengeräuschen wird im Sinne Gesprächsrunde mit 3 oder mehr männlivorgaben werden leider regelmäßig durch
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chen Teilnehmern hört sofort den Unterwenn ihre Abmessungen von der Größenvon Vorteil ist. Immer wieder muss man schied, ob der Raum bei tiefen Frequenordnung der Wellenlänge wären, also das auch der ”eingefleischten“ Meinung wizen, insbesondere auch unter 100 Hz, unkostbare, wichtige Raumvolumen weiter dersprechen, für Sprache genüge es, sich gehindert dröhnt oder entdröhnt wurde, eingeschränkt würde. mit Frequenzen bis 250, allenfalls bis 125 gleichgültig, wie stark die hohen Frequen-Hz überhaupt zu befassen. Dabei betonen zen (etwa oberhalb 500 Hz) bedämpft wur- Wahlder Raumgeometrie mehrere Autoren (Winkler & Reichardt den. 1984; Fasold, Sonntag & Winkler 1987; Das Problem der kleinen Räume tritt ver-Kuttruff 1994), dass die Nachhallzeit, schärft in Erscheinung bei ungünstiger insbesondere zu den tieferen Frequenzen 3 NEUE NORM DEFINIERT Raumgeometrie und solchen, die ganz oder hin, auf keinen Fall um mehr als 20 % ge- ANFORDERUNGEN teilweise von konkaven (z.B. kugelgenüber dem Sollwert bei 500 und 1 000 förmigen, zylindrischen, elliptischen) Flä-Hz ansteigen sollte. Wenn man damals In den einschlägigen Standardwerken zur chen begrenzt werden. Sofern der Akustischon geeignete Tiefen-Absorber zur Ver-Bau- und Raumakustik (vgl. Winkler & ker überhaupt frühzeitig (d.h. vor Baubeginn) fügung gehabt hätte, wären von denjeni-Reichardt 1984; Fasold, Sonntag & Einfluss auf die Grundrissgestaltung und gen, die täglich mit diesen Problemen zu tun hatten, unter 250 Hz sogar abfallende Winkler 1987; Kuttruff 1994) kann man seit Formgebung der Räume ausüben kann, so Sollkurven empfohlen worden. Die Norm Jahrzehnten nachlesen, dass der Raum, für rät er zu quaderähnlichen Geometrien mit DIN 18041 gibt daher nur wieder, was seit jede Art der anspruchsvollen Nutzung, um nicht ganzzahligen Seiten-Verhältnissen, langem unter Fachleuten unumstritten war: so weniger nachhallen sollte, je kleiner er weil dann die Eigenfrequenzen des Raumes Schallanteile unter 125 Hz enthalten keine ist. Alle Experten sind sich auch seit langem tendenziell gleichmäßiger verteilt auftreten. nützlichen Informationen und sollten deseinig, dass die niedrigsten Nachhallzeiten Wo dies nur mit Verlusten an umbautem halb, auch durch den Raum, nicht verstärkt stets für überwiegende Anregung durch Raum und/oder Einschränkung der werden. Mit der ausdrücklichen Forderung, Sprache zu fordern sind. Mit den Sollkurven Nutzungsmöglichkeiten möglich wäre, soll- ”Berechnungen undMessungen grundder Nachhallzeiten für normale und etwas te man bei ungünstiger Raumgeometrie sätzlich in den Oktaven von 63 bis 4 000 höhere Anforderungen an die Sprachunbedingt geeignete Absorber konse-Hz“ durchzuführen, schließt sich die neue verständlichkeit gibt die in Kürze erscheiquent zum Einsatz bringen. Der neuartige Norm einem längst bekannten Stand des nende neue DIN 18 041 daher nur die durch Lösungsweg verspricht deutlich hörbare Wissens an. Neu ist allerdings die Erkennt-Erfahrung gesicherten Werte wieder. Verbesserungen - nur wird bei ungünstig nis, wie stark das unartikulierte tiefgeschnittenen kleinen Räumen der Auf-Für musikalische Darbietungen ist nach frequente Dröhnen die Sprachwand etwas größer oder, bei gleichem Aufverständlichkeit reduziert (Fuchs & Zha allen anerkannten Lehrmeinungen eine wand, das Ergebnis etwas schlechter als höhere Nachhallzeit nicht nur zulässig, 1999) und was man praktisch tun kann, um bei optimalen geometrischen Vorgaben mit den tiefen Frequenzen unter den Besondern sogar wünschenswert, weil man durch den Rohbau. dabei zumindest bei Life-Veranstaltungen, dingungen im Bau zurecht zu kommen, die Raumumgebung ”mithören“ möchte. ohne die Raumnutzung einzuschränken In Beratungs-, Auslegungs- und Sanierungs-Das genaue Gegenteil ist aber in Klassen- & Zha 1996a; Fuchs 2001a). projekten konnte das IBP eine besonders zimmern ebenso wie in Büros und anderen raumsparende Variante seiner Alternativen von mehreren Menschen gleichzeitig ge-Faserfreien Absorber ALFA (Fuchs & Zha 4 ZUR LÖSUNG EINES ALLGE- nutztenRäumen der Fall. Hier sollte Spra1996a; Fuchs 2001a) für tiefe Frequenzen GENWÄRTIGEN PROBLEMS che möglichst ohne störende Reflexionen optimieren. Die konsequente Anwendung von den Begrenzungsflächen des Raumes des neuartigen Dämpfungsprinzips baut Als Problemlösung bieten sich drei Wege nur auf dem direkten Weg zum Zuhörer Resonanzüberhöhungen des Raumes ab an, die aus der klassischen Raumakustik oder Telefonhörer übertragen werden. An-und hebt die Anregung zwischen den Eigenabgeleitet sind: dernfalls müssen alle am Gespräch beteifrequenzen an, so dass eine gleichmäßigere ligten oder unabhängig Sprechenden sich Übertragungsfunktion von 50 Hz aufwärts Schrägstellen von Wänden lauter als nötig artikulieren bis zu dem realisiert wird, ohne dass voluminöse ”Kas- leiderallzu oft zu beobachtenden Zustand, settendecken“, ”Kantenabsorber“, oder Wenn man Wände kleiner Räume etwas dass jeder kaum noch sein eigenes Wort ”Bassfallen“ (Fuchs 1992) Raum wegnähschräg stellt, so lassen sich bekanntlich verstehen kann. Trotzdem wird, selbst bei men und dem Innenarchitekten das Design ”Flatterechos“ vermeiden. Diese bei höder Sanierung eklatanter Fehlplanungen, zerstörten. Hier sollen neuartige ALFAheren Frequenzen tatsächlich wirkungsvon manchem Architekten argumentiert, Bauelemente kurz angesprochen werden, volle Maßnahme hat aber mit dünnen man habe schließlich keinen (nach seiner die sich besonders zur Behandlung des schallabsorbierenden Wand- und Decken-Meinung anspruchsvolleren) Konzertsaal, unteren Frequenzbereichs in anspruchsauskleidungen gemeinsam, dass sie bei tiesondern ”nur“ einen für Sprache tauglivollen Büro-Umgebungen bereits vielfach fen Frequenzen fast nichts bringen. chen Konferenzraum oder ein nur mit elekbewährt haben.
troakustischen Hilfsmitteln benutztes ”Call Anbringen von Diffusoren Center“ bauen wollen. 5 MIKROPERFORIERTE FLÄCHENGEBILDE Man könnte daran denken, durch Installa-Dagegen steht die Meinung der Autoren, tion spezieller Diffusoren die Raum-Akusdass für die natürliche, aber noch mehr für Großflächige Bauteile aus Metall, Holz oder tik kleiner Räume zu verbessern. Aber hier die elektroakustisch verstärkte Sprache ein Kunststoff, die mit einer Vielzahl sehr kleigilt, dass diese erst dann etwas brächten, möglichst niedriger Nachhall eindeutig
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Dämpfungsmaterial!)
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beste Reinigungsfähigkeit (trocken ebenfalls die mittleren und hohen Module bieten dem Schallfeld eine 1 bis oder nass!) Frequenzanteile in Büroräumen bedämpfen 2,5 mm dicke ebene Frontplatte aus Stahl können. Unter 125 Hz steigt jedoch die zum Mitschwingen an. Sie ”schwimmt“ machen dieses ALFA-Bauteil besonders Nachhallzeit an, d.h. dass man allein mit vollflächig auf einer porösen oder faseriattraktiv für alle IuK-Arbeitsplätze, dem mikroperforierten Ersatz für die divergen Rückenplatte mit hoher innerer Dämp-Präsentationsräume und Empfangshallen. sen porösen und faserigen Akustik-Matefung. Ihre Stirnflächen bleiben in der Re-Mit kaum 0,2 mm dicken, noch feiner mikrorialien die Forderungen gemäß DIN 18 041 gel schalldurchlässig. perforierten Kunststoff-Folien, die nach nicht immer erfüllen kann. Bedarf transparent, farbig oder bedruckt Wenn Absorption auch bei den höheren geliefert werden können, lassen sich z.B. Frequenzen verlangt wird, kann die
6 VERBUND-PLATTEN-RESONA-
hochabsorbierendeRollos vor Fenster-Schwingplatte zwischen 2 Dämpfungs-
TORENALS TIEFEN-SCHLU-
flächen(Bild 2) oder Bespannungen von schichten in einer Art ”Sandwich“-Kon-
CKER
Raumteilern (Bild 3) anfertigen, die struktion beidseitig eingebettet werden (Fuchs 2001a). Mit diesem Breitband-Kom-
pakt-Absorber BKA und dem VPR wurden nicht nur Schallabsorber geschaffen, die den gesamten für alle Kommunikationsräume entscheidenden Frequenzbereich in nur einem Bauelement abdecken (s. Bild 4). Ihre Modul-Bauweise ermöglicht auch dort die Gestaltung einer optimalen akustischen Umgebung , wo Decken, Wände und Fußböden für flächige Belegungen mit faserigen oder porösen ”Akustik“-Materialien (z.B. besonderen Putzen oder Gehbelägen) aus architekto-Absorption im Frequenzbereich zwischen nischen, energetischen oder haptischen 50 und 500 Hz mit sogenannten Verbund-
Bild2:
Schallabsorbierende Rollos aus mikroperforierter
Gründen nicht genutzt werden können. Platten-Resonatoren VPR (Fuchs & Zha
Folie von einer Glasfassade des MDR - Medien-
Besondersdie aktuelle Betonkern1996a; Fuchs 2001a) eingebracht. Die VPR-
zentrumsLeipzig (Foto: KAEFER Isoliertechnik)
Aktivierung hat den Bedarf für kompakte 264 (56) 2002/4 Z. ARB. WISS. FUCHS, ZHA, DROTLEFF: LÄRMSCHUTZ UND AKUSTISCHER KOMFORT IM BÜRO
Arbeit zitieren:
Prof. Dr.-Ing. Helmut Fuchs, Prof. Xueqin Zha, Dipl.-Ing. (FH) Horst Drotleff, MSC, 2002, Lärmschutz und akustischer Komfort im Büro, München, GRIN Verlag GmbH
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