Psychological work load of nurses and physicians in hospitals
· Psychological work load · nurses · physicians · hospital
Nurses and physicians represent the largest professional
groups in hospitals. Recent economic developments within the German health care system lead to a strong pressure on both professions to improve effectiveness and efficiency of working processes. Resulting approaches to work re-design, however, often do not adequately take into account aspects like work load, strain and occupational health. Regularly, the
well-known relation between poor working conditions for the hospital staff and a poor quality of the health care service is ignored. Hospitals are complex and highly interdependent socio-technical systems, in which certain organisational structures and processes determine the work of both
Practical Relevance
physicians and nurses. General recommendations for improving work in hospitals therefore need to draw on the analysis and
comparison of the working conditions of these two professional groups.
The present article describes a comparison of psychological
work load between nurses and physicians in hospitals. We investigated psychological work load with the ”Screening TAA-KH-S“, which is a self-report measure for the criterion-oriented analysis of working conditions. The ”Screening TAA-
KH-S“ is based on action regulation theory and is designed and validated for the analysis of work in hospitals. Altogether, N = 160 in-patient nurses and N = 599 hospital physicians participated in our study. The extent of self-reported work-stressors and resources at work in both groups was compared by conducting analyses of covariances with additional estimation of effect sizes.
The results indicate significantly differing patterns of work
load for both professions. Within the sample of nurses, several forms of regulation obstacles (e.g. motoric impediments, interruptions by technical malfunctions) are on a higher level than in the sample of physicians. Moreover, nurses report more severe problems caused by wards filled beyond capacity. On the other hand, poor information management, problems caused by fluctuation and absenteeism, as well as contradictory work goals are forms of work load, which are significantly higher for the physicians than for the nurses. Moreover, physicians reported very low levels of autonomy and opportunities for participation. Time pressure and interruptions of working routines are crucial forms of work load in both occupations. The results are based on instruments, which show good psychometric properties for both examined professional groups. Thus, first conclusions can be drawn concerning differences and similarities of the two work subsystems in hospitals. Especially stressors due to crowded wards or incorrect patient assignments as well as interruptions
J. Glaser, T. Höge, M. Weigl 144 (59) 2005/2 Z. ARB. WISS.
1 Psychische Belastungen bei
situation der Beschäftigten nicht aus
Pflegekräften und Ärzten
dem Auge verloren werden. Statisti-
imKrankenhaus
ken von Krankenkassen zeigen, dass gerade die psychisch bedingten Erkran-Nach Angaben der Deutschen kungen im Arbeitsleben auf dem Vor-Krankenhausgesellschaft (DKG 2003) marsch sind, während physische Er-waren im Jahre 2001 rund 517.000 krankungen eher abnehmen (Vetter et Krankenpflegekräfte in deutschen al. 2004). Krankenhäusern tätig. Die Zahl der Krankenhausärzte lag im gleichen Jahr Bezüglich der Arbeit von Pflegekräften bei ca. 115.000. Mit 66% ist der Anteil und Ärzten im Krankenhaus ist gegen-der Personalkosten an den Gesamt-wärtig eine weitere Problematik virulent, kosten der Krankenhäuser ausgespro-die eng mit den beschriebenen Ent-chen hoch. Damit wird deutlich, dass wicklungen verknüpft ist. So belegen Krankenhausarbeit eine personal-Daten des Deutschen Instituts für An-intensive Form von Arbeit ist. Die von gewandte Pflegeforschung (2002) einen Krankenpflegekräften und Ärzten zu weiteren Rückgang der Attraktivität der leistenden pflegerischen, diagnosti-Krankenpflege. Im Jahr 2002 waren rund schen und therapeutischen Tätigkeiten 12.000 offene Stellen zu verzeichnen. finden überwiegend im direkten Viele Einrichtungen haben - trotz hoher Patientenkontakt statt. Hierbei sind allgemeiner Arbeitslosigkeit in Deutsch-vielfältige, gerade auch kommunikati-land - substanzielle Probleme, ihren ve und emotionale Anforderungen zu Bedarf an qualifiziertem pflegerischen bewältigen, wie sie mit dem Konzept Personal zu decken. Die geringe Attrak-der Interaktionsarbeit (vgl. Büssing & tivität des Berufsbildes dürfte neben Glaser 1999) näher beschrieben werden. anderen Faktoren auch auf die Be-Die Art und Weise, in der medizinische lastungssituation in der Pflege zurück-und pflegerische Kernaufgaben in der zuführen sein. Eine ähnliche Entwick-Interaktion mit den Patienten erledigt lung ist im ärztlichen Bereich zu beob-werden, bestimmt maßgeblich die Quali-achten. Auch hier kann der Bedarf in tät der Arbeit im Krankenhaus; steigen manchen Regionen nur noch durch die Arbeitsbelastungen, so leidet eine gezielte Anwerbung von Fachkräf-darunter nicht nur die Gesundheit der ten aus dem Ausland gedeckt werden Beschäftigten, sondern - vermittelt über (Kopetsch 2004). Bei den Bemühungen, die Interaktionsprozesse - unmittel-die Attraktivität der pflegerischen und bar die Qualität der Gesundheits-ärztlichen Tätigkeit im Krankenhaus zu dienstleistung (Büssing & Glaser 2003a). fördern, kommt einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen unseres Er-Angesichts des demografischen Wan-achtens eine wesentliche Bedeutung dels, dem zunehmenden Bedarf an zu. Der Abbau von Arbeitsbelastungen Gesundheitsdienstleistungen (Deut-in diesen Tätigkeitsbereichen stellt ei-scher Bundestag 2002) und den sich nen wichtigen Schritt dar, um auch in verschärfenden Finanzierungspro-Zukunft ausreichend Personal für eine blemen geht die Suche nach Effizienz-flächendeckende und qualitativ hoch-und Produktivitätssteigerungen im Ge-wertige Krankenhausversorgung ver-sundheitswesen unaufhaltsam weiter. fügbar zu haben. Im Krankenhaussektor haben sich im Laufe des vergangenen Jahrzehnts Zu den Arbeitsbelastungen von bereits substanzielle Rationalisierungs-Pflegekräften im Krankenhaus liegen prozesse vollzogen. Dies zeigt die Ent-einige Befunde aus arbeits-wicklung der Sekundärleistungswerte. wissenschaftlichen Studien vor So stieg die Patientenzahl von 13.8 Mio. (Büssing et al. 2002). Typische im Jahr 1990 auf 16.6 Mio. im Jahre 2001 Belastungsschwerpunkte sind Zeit-an. Im Zuge der Kostendämpfung im druck, Überforderungen bei der Pflege Gesundheitswesen wurden im genann-von multimorbiden, schwerst kranken
ten Zeitraum die Pflegetage - trotz steigender Patientenzahlen - von 209.8 Mio. auf 162.8 Mio. reduziert. Die durchschnittliche Verweildauer der Patienten sank von 15.3 Tagen auf 9.8 Tage. Bei solchen Rationalisierungsprozessen darf die psychische Belastungs-
PsychischeBelastungen bei Pflegekräften und Ärzten im Krankenhaus
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Ebene. Die Ergebnisse zeigen, dass Krankenpflegekräfte in stärkerem Maße strukturelle Bedingungen wie etwa Arbeitsunterbrechungen oder die emotionale Involviertheit in das Leid ihrer Patienten als Belastungsfaktoren erleben. Bei den Ärzten fanden sich in dieser Untersuchung keine Arbeitsbelastungen, die stärker ausgeprägt waren als in der stationären Krankenpflege. Einschränkend muss erwähnt werden, dass die psychometrische Qualität der in dieser Studie eingesetzten Erhebungsmethoden nicht dargestellt wurde. Im internationalen Bereich zeigt etwa eine schwedische Untersuchung in der ambulanten Versorgung, dass im Vergleich von Pflegekräften und Allgemeinmedizinern Ärzte höheren Belastungen ausgesetzt sind (Wilhelmsson et al. 2002). Dabei geben insbesondere die Ärztinnen ungünstige Kombinationen von hohen Belastungen, geringen Kontrollmöglichkeiten und niedriger sozialer Unterstützung an.
Es wird deutlich, dass Forschungsbedarf im Hinblick auf einen systematischen Vergleich zur Arbeitssituation dieser beiden für die Patientenver-sorgung im Krankenhaus zentralen Berufsgruppen besteht. Dies gilt auch mit Blick auf belastungsreduzierende Maßnahmen der Arbeitsgestaltung, denn im komplexen System „Krankenhaus“, das sich durch enge Kooperati-
Tabelle1:
on der Berufsgruppen auszeichnet, sind solche Gestaltungsmaßnahmen
wünschenswert, die auf eine integrierte Verbesserung der Arbeitssituation unterschiedlicher Akteursgruppen abzielen. Dafür ist jedoch ein systematischer Vergleich der jeweiligen Belastungssituation eine entscheidende Voraussetzung. 2 Methode
2.1 Erhebungsmethode
Für den Vergleich der psychischen Belastungen zwischen Krankenpflegekräften und Ärzten wurden Teile des Belastungsscreening TAA-KH-S eingesetzt (vgl. Büssing et al. 2002), welches ein Bestandteil des „Tätigkeits-und Arbeitsanalyseverfahren für das Krankenhaus - Selbstbeobachtungsversion (TAA-KH-S)“ von Büssing und Glaser (2002) ist. Das Belastungs-
J.Glaser, T. Höge, M. Weigl 146 (59) 2005/2 Z. ARB. WISS.
Arbeit zitieren:
Jürgen Glaser, Thomas Höge, Matthias Weigl, 2005, Psychische Belastungen bei Pflegekräften und Ärzten im Krankenhaus, München, GRIN Verlag GmbH
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