Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Kurze Geschichte des Zionismus 4
2.1 Vordenker des Zionismus 4
2.2 Theodor Herzl und der 1. Zionistenkongress 5
2.3 Balfour-Deklaration und Staatsgründung Israels 6
3. Kritik des politischen Zionismus 7
3.1 Kulturzionismus 7
3.1.1 Ahad Ha'am 7
3.1.2 Martin Buber 8
3.2 Orthodoxes Judentum 9
3.3 Micha Josef Berdyczewski 9
3.4 Liberales Judentum 11
3.4.1 Ludwig Moritz Philipp Geiger 11
3.4.2 Heinemann Vogelstein 12
3.4.3 Ludwig Gumplowicz 13
3.5 Antizionistisches Komitee 13
3.6 Hannah Arendt 14
4. Fazit 15
5. Literaturverzeichnis 17
2
1. Einleitung
Als Deutscher hat man grundsätzlich ein anderes Verhältnis zum jüdischen Volk und deshalb auch zum Staat Israel als Angehörige anderer Nationalitäten. Aufgrund der Judenvernichtung unter den Nationalsozialisten hat die "deutsche Seele" ein schlechtes Gewissen. Und das zu Recht. Mehr Leid ist einem Volk in der Menschheitsgeschichte wahrscheinlich nie zugefügt worden. Viele sehen darin eine bedingungslose Loyalität gegenüber Israel begründet. Wer in Deutschland den Zionismus kritisiert, wird schnell als Antisemit bezeichnet, auch wenn er seine Zionismuskritik ausschließlich auf die Politik der Zionisten beschränkt. Was aber, wenn die Person, die Kritik am Zionismus übt, selbst jüdisch ist? Sie wird kaum ihr eigenes Volk hassen. Welche Gründe hat demnach innerjüdische Zionismuskritik? Ist sie religiös bedingt oder rein politisch?
Aus welcher Ideologie heraus kritisieren Juden den Zionismus? Dazu werde ich zuerst einen Überblick über die Geschichte des Zionismus geben. Angefangen bei seinen Vordenkern bis zu Theodor Herzl werde ich die Entwicklung skizzieren. Anschließend stelle ich verschiedene Aspekte der Zionismuskritik vor. Dabei werde ich lediglich die Denker bis zum Zeitpunkt der Staatsgründung Israels beleuchten. Die Zionismuskritik nach 1948 zu behandeln ist so umfangreich, dass eine gesonderte Arbeit notwendig wäre.
Der Fokus meiner Arbeit liegt hauptsächlich auf der Zionismuskritik im deutschsprachigen Raum. Der Zionismus hatte in seiner Entstehung und seinem Verlauf viele Kritiker; in Europa und darüber hinaus. Im zaristischen Russland war jedoch die Auseinandersetzung Streit zwischen Zionisten und Antizionisten am heftigsten, 1 worauf ich jedoch nur kurz eingehen werde da es nicht in meinem Forschungsschwerpunkt liegt.
Insbesondere werde ich mich mit den beiden bedeutendsten Strömungen der Zionismuskritik, dem orthodoxen und dem liberalen Judentum, befassen.
1 vgl. Poliakov 1992, S. 13.
3
2. Kurze Geschichte des Zionismus
2.1 Vordenker des Zionismus
Obwohl die Idee, Palästina wieder zu besiedeln, sehr alt ist, 2 kann man den Beginn des modernen Zionismus auf das Ende des 19. Jahrhunderts datieren. Erst hier wurde aus der Idee eine Ideologie, die weltweit Unterstützer fand. Als im 19. Jahrhundert in Europa viele Nationalstaaten entstanden war es "nur natürlich, dass auch unter den Juden Osteuropas, im Russischen Reich, der Wunsch nach einem Staat Anhänger fand." 3 Das kann jedoch nur als Verstärkung der Idee angesehen werden. Der Auslöser des Zionismus ist im Antisemitismus zu finden. Der Begriff des Zionismus wurde erstmals von Nathan Birnbaum (1864-1934) in der Zeitschrift "Selbst-Emancipation" 4 III, 4 im Jahr 1890 gebraucht. Seither wird der Begriff als Selbstbezeichnung für die zionistische Bewegung benutzt. Bereits acht Jahre vorher veröffentlichte Leon Pinsker (1821-1891) sein Werk "Autoemanzipation!" in Russland. Es war eine Antwort auf die Unterdrückung durch die Regierung und die Judenpogrome 1881 in Russland und Osteuropa. Pinsker sieht die Notwendigkeit des Zionismus im vererbten Antisemitismus, 5 dem man nur entfliehen könne, indem man eine Heimat bekäme. Er gibt die Schuld an der jüdischen Situation nicht den Unterdrückern sondern den Juden selbst, da diese zwar "seit achtzehn Jahrhunderten in Schmach [leben] - und nicht ein einziger ernstlicher Versuch, sie abzuschütteln" 6 , unternommen wurde.
Es sei unnütz gegen den Antisemitismus zu kämpfen, da dieser ja angeboren und somit unheilbar sei. Die Juden seien "überall anwesend und nirgends zu Hause." 7 Erst wenn sie eine Heimat hätten würden sie aufhören, wie "Landstreicher" umher zuziehen.
2 Es gab seit der Zerstörung des Tempels in Jerusalem im Jahr 70 n. Chr. und der Zerstreuung der Juden
immer wieder Bestrebungen, Palästina jüdisch zu besiedeln.
3 Verleger 2008, S. 39.
4 "Selbst-Emancipation" Heft 3, 1890, S. 4.
5 vgl. Pinsker 1882.
6 ebd.
7 ebd.
4
2.2 Theodor Herzl und der 1. Zionistenkongress
Wesentlich bekannter als Pinskers Schriften wurden die Theodor Herlzs (1860-1904). Dieser wurde zum Anführer der zionistischen Bewegung. Unter dem Eindruck der Dreyfus-Affäre, 8 über die er aus Paris für eine Zeitung berichtete, schrieb er sein Buch "Der Judenstaat" (1896). Hier erklärt er, warum ein solcher Staat "ein Weltbedürfnis" 9 sei. Er skizziert den Judenhass in Europa und leitet aus ihm die absolute Notwendigkeit ab, dass die Juden eine "nationale Heimstätte" bräuchten. Wie dieser neue Staat und vor allem seine Gründung aussehen soll, beschreibt er ausführlich. 10 Auch regte er die Durchführung eines Kongresses an, der erstmals 1897 in Basel unter Herzls Vorsitz abgehalten wurde. Es folgten bis 1901 jährlich Kongresse, bis 1939 alle zwei Jahre. Trotz Herzls frühem Tod (er starb 1904) verlor die Bewegung nicht ihren Schwung. Herzl hatte schnell würdige Nachfolger. Beispielsweise Max Nordau (1849-1923), der zum Vizepräsident des Kongresses bestimmt wurde. 11 Nordau hatte zusammen mit Herzl die Dreyfus-Affäre in Paris erlebt. Auch er erlebte dort "einen nachhaltigen Schock" 12 als die Pariser "Tod den Juden!" riefen. Ein weiterer Nachfolger Herzls war der polnische Jude Nahum Sokolow (1859-1936). Er schrieb als Journalist für die jüdische Zeitung "Izraelita". Darin kritisiert er die zuerst noch die "Chibbat Zion Bewegung", 13 die aus Russland stammte und unter Pinskers Führung stand. Dessen Werk "Autoemanzipation" "kritisierte er hart." 14 Aus journalistischen Interesse nahm er am 1. Zionistenkongress teil. Hier wurde er selbst zum "politischen Zionisten", 15 wie sein Sohn später berichtete. Schrieb er vor dem Kongress noch spöttisch, Herzl habe weder einen Platz für den Judenstaat, noch einen Ort für seinen Kongress, 16 so lobte er später in Basel Herzls Vision einer Staatsgründung. 1931-35 war Sokolow sogar Präsident der Zionistischen Bewegung.
8 Als Dreyfus-Affäre wird der Prozess um den Angeklagten Alfred Dreyfus bezeichnet. Dieser war ein
Deutschstämmiger Jude, der für die Französische Armee als Artilleristen-Hauptmann arbeitete. Er
wurde verdächtigt, den Deutschen geheime französische Dokumente angeboten zu haben. Daraufhin
wurde er des Verrats angeklagt. Wie später erwiesen war er unschuldig, wurde aber verurteilt und in
die Verbannung nach Französisch-Guayana geschickt. Obwohl selbst Herzl nicht von der Unschuld
Dreyfus´ überzeugt war, so erschreckte vor allem die stark antisemitische Reaktion der Bevölkerung
die Juden. (vgl. Kaiser 1997, S.121ff).
9 Herzl 1896.
10 ebd.
11 Zeugin, Bettina in: Haumann 1997, S. 145.
12 Kaiser, Chris in: Haumann 1997, S. 121.
13 Die "Chibbat Zion Bewegung" (deutsch: Zionsliebe) beruht ideologisch auf Pinskers
"Autoemanzipation". Sie trieb die Besiedelung Palästinas aktiv voran (vgl. Kaiser 1997, S. 31).
14 http://zionismus.info/grundlagentexte/gruender/sokolow-einfuehrung.htm
15 Sokolow 1975, S. 68ff.
16 vgl. Guesnet, Francois in: Haumann 1997, S. 155.
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Arbeit zitieren:
Johann Esau, 2010, Innerjüdische Kritik des politischen Zionismus, München, GRIN Verlag GmbH
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