Inhalt
1. Einleitung 03
2. Hauptteil 04
2.1 Die surrealistische Bewegung um André Breton
2.2André Massons automatische Zeichnungen
2.3 Die Erfindung der Sandbilder
3. Schlussteil 17
Literaturverzeichnis 18
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1. Einleitung
Der französische Künstler André Masson (1896‐1987) zählt mit seinem höchst umfangreichen Werk, welches über die Jahre hinweg durch einen permanenten stilistischen Wandel geprägt ist, zu einem der vielfältigsten Persönlichkeiten im Frankreich des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Neben zahlreichen Gemälden und Zeichnungen entstehen Bühnenbilder, Skulpturen, Kostüme und Buchillustrationen, aber auch kunsttheoretische Vorträge, Aufsätze und antifaschistische Schriften. In jungen Jahren zunächst stark vom Kubismus beeinflusst, schließt sich Masson nach dem Ende des 1. Weltkriegs der neuen Bewegung der Surrealisten an und entwickelt in seiner Kunst einen spontanen, psychischen Automatismus, den er aus der Imagination schöpft. Er wird damit einer der ersten Maler, welche bewusst nach einem Zugang zum Irrationalem suchen, um die eigenen, inneren Visionen Realität werden zu lassen. Die daraus resultierenden automatischen Zeichnungen (dessinsautomatiques) von 1924‐25 und die sogenannten Sandbilder von 1926‐1927 markieren einen entscheidenden Wendepunkt in Massons Werk und begründeten gleichzeitig seinen internationalen Ruhm in der surrealistischen Bewegung. Doch was verstand Masson unter einem psychischen Automatismus? Inwiefern beeinflusste der Automatismus seine Werke? Wodurch sollte sich seine Theorie des Automatismus von anderen Künstlern unterscheiden? Mit diesen Fragen soll sich die vorliegenden Hausarbeit nun genauer auseinandersetzen. Dazu soll im Hauptteil zunächst ein kurzer Überblick über die Ausgangssituation der Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts stattfinden, auf dessen Grundlage dann im weiteren Verlauf der Arbeit eine Analyse von Massons automatischen Zeichnungen erfolgt. Abschließend soll geklärt werden, inwieweit sich die Thematik des Automatismus auf seine späteren Sandbilder ausgewirkt haben. Dabei werden weitere Publikationen aus dem Bereich der Literatur, Philosophie und Kunst stets im Blick behalten. Am Ende dieser Hausarbeit folgt eine Auswertung der erzielten Ergebnisse, sowie ein Ausblick auf weitere, mögliche Untersuchungen zu dieser Thematik.
2.1. Die surrealistische Bewegung um André Breton
Der Beginn des 20. Jahrhundert war geprägt von tiefgreifenden politischen wie gesellschaftlichen Umbrüchen, wobei besonders die wissenschaftliche- und die technische Entwicklung zu den umfangreichsten Veränderungen führte, die es im Verlauf der Geschichte je gegeben hat. Durch die industrielle Revolution geriet die alte Ordnung ins Wanken und bis dahin gültige Wahrheiten und Normen wurden in allen Bereichen des Lebens in Frage gestellt. Ein neuer Forschungsgeist in den Naturwissenschaften führte zu einer immensen Ausweitung menschlichen Wissens und zur Beherrschung und Benutzung der Natur durch den Menschen in bis dahin ungeahntem Umfang. Auch die Kunstszene veränderte sich zu dieser Zeit in hohem
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Maße: So entstand ein großer Bruch zwischen der offiziellen Kunst, welche sich an den traditionellen Regeln von Farbe, Form, Raum und Schönheit orientierte und neuen, jungen Künstlern, die sich gegen die alten, akademischen Traditionen auflehnten und vermehrt nach völlig neuen künstlerischen Möglichkeiten suchten, dem modernen Zeitalter einen bildlichen Ausdruck zu verleihen.Diese jungen Künstler glaubten fest an die Notwendigkeit einer grundlegenden, gesellschaftlichen Erneuerung und wollten mit ihren Werken entscheidend dazu
beitragen. Die Spannung zwischender traditionellen und der neuen Kunst führte schließlich zu einer äußerst fruchtbaren und produktiven Zeit. Mit der künstlerischen Avantgarde entstanden neue Ideen und Gedanken, die als gemeinsame Basis die Autonomie künstlerischer Darstellung anstrebten: Im Fauvismus und Expressionismus gelangte die Farbe als Ausdruck von Empfindung zur Selbstständigkeit und explodierte förmlich auf der Leinwand. Kubismus und Futurismus verwandelten sinnliche Eindrücke in Formstrukturen. Besonders die Futuristen sahen
gerade in der Technik den Inbegriff des neuen Zeitalters. Der Dadaismus richtete sich gegen Inhalt und Bedeutung, gegen den Krieg, gegen alle ästhetischen und moralischen Konventionen und sogar gegen sich selbst. Kunst wurde zur Abstraktion und Reflexion des wissenschaftlichen Zeitalters in verschiedenen Varianten. Die surrealistische Bewegung wurde oftmals als Nachfolge des Dadaismus angesehen, welche philosophische Ansätze mit einer literarischen und kunsttheoretischen Lebenseinstellung verknüpfte. Sowohl Surrealismus als auch der Dadaismus zweifelten an dem politischen, philosophischen und künstlerischen Establishement.
Während der Dadaismus durch einen destruktiven, nihilistischen Ton gekennzeichnet war, welcher alles und sogar sich selbst mit schwarzem Humor verwarf, präsentierte sich der Surrealismus in seiner romantischen kreativen Ausrichtung durchweg gemäßigter und geregelter. Er zeichnete sich in den zwanziger Jahren durch eine Vielzahl von öffentlichen Aktionen, Diskussionen, Provokationen, Ausstellungen und Skandalen aus. Der ursprüngliche Begriff des Surrealismus geht auf den französischen Schriftsteller Guillaume Apollinaire zurück, welcher im Jahr 1917 zwei avantgardistische Bühneneriegnisse in Paris zu charakterisieren versuchte. Als der eigentliche Begründer und zugleich als zentrale Person des Surrealismus gilt jedoch der Schrifsteller André Breton, welcher in engem Kontakt zu dem Dichterkreis aus Philippe Soupault und Louis Aragon stand. Ursprünglich also als literarisches Unternehmen angelegt, entwickelte sich der Surrealismus schon bald zu einer weit verbreiteten Strömung, welche transzendental in jegliche Kunstformen übertragen und durch bildende Künstler wie Max Ernst, André Masson, Joan Miró oder Salvador Dalí repräsentiert wurde. In den 30er Jahren gelingt es dem Surrealismus auch auf internationaler Ebene zu wirken, nachdem eine
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Ausstellung im Jahr 1936 in den Londoner New Burlington Galleries den gewünschten Erfolg im Ausland verzeichnen konnte. André Breton veröffentlichte im Jahr 1924 das erste Surrelistische Manifest, welche als der zentrale Leitfaden für jeden angesehen werden konnte, der sich der Bewegung anschließen wollte. Breton startete zahlreiche Experimente des Unbewussten und untersuchte es auf den Einfluss von kreativen Prozessen, aus der schließlich der Surrealismus seine Wurzeln bezog. Der Surrealismus stellte für Breton einen in dogmatischer Hinsicht würdigen Ausweg aus dem Dada dar, welcher in seinen Augen zwar durchaus aufregend, jedochin in seinem anarchisch-chaotischen Charakter nicht zu fassen war. Dennoch ist der der Begriff des Surrealismus nicht leicht zu erklären, denn die anschließende „Bewegung, die er organisiert, findet chamäleonartig unter den verschiedensten Ausdrucksformen Unterschlupf. […] Ständig modifiziert Breton die Position, passt sie den politischen, sozialen und ästhetischen Gegebenheiten an.“ 1 Doch welche generellen Ziele verfolgten nun die Vertreter des Surrealismus? In erster Linie ging es darum, darauf aufmerksam zu machen, „dass der Surrealismus einen Weg in eine geistige Welt der endlosen Möglichkeiten eröffne“ 2 .
Insbesondere die Strömungen des Realismus und des Positivismus wurden vehement abgelehnt, weil sie nach Breton die Freiheit des Geistes einzuschränken versuchten und keinen Platz mehr für das eigentlich Essentielle im Menschen - den Gedanken und Träumen zuließen. Der Surrealismus sollte „eine Lebensphilosophie“ 3 zur täglichen Routine sein; eine Zuflucht für alle diejenige, die an dem Zustand einer monotonen Hoffnungslosigkeit zu zerbrechen drohten. Er richtet sich gegen den Determinismus der Naturwissenschaften und versucht, das Fundament des logischen Denkens und Handelns zu erschüttern. „In dieser phantastischen Welt sind die unwahrscheinlichsten Ereignisse normal.“ 4 Es ging dem Surrealismus um das Innere des Menschen, seinen Gedanken, seinen Träumen und Sehnsüchten, die aus ihrem geheimsten Ort hervorgeholt und für die Kunst nutzbar gemacht werden sollten. Er propagiert das Unerwartete und das Unwiederholbare, welches seine innere Spannung aus dem kreativen Subjekt schöpft. So beginnen die Surrealisten das Gebiet des Traumes zu ergründen und die gewonnenen Erkenntisse an sich selbst auszuprobieren.„Analogien zwischen Traum und Wachen sind die Fixpunkte des surrealistischen Universums“ 5 . Breton betonte stets, dass er als Vorläufer des Surrealismus Charles Baudelaire und Arthur Rimbaud ansieht, welche zu der Entstehung seines Manifests
1 Spies, Werner: Der Surrealismus: Kanon einer Bewegung, DuMont Literatur und Kunst Verlag, Köln: 2003; S.16.
2 Bradley, Fiona:Surrealismus, HatjeCantz Verlag, Ostfilden-Ruit: 2001; S.11.
3 Schwarz, Arturo:Die Surrealisten, Kulturgesellschaft Frankfurt mbH und Nuoveedizioni Gabriele Mazzotta:1989; S.13.
4 Duplessis, Yvonne: Der Surrealismus, Alexander Verlag GmbH, Berlin: 1992; S.30.
5 Steinwachs, Gisela: Mythologie des Surrealismus oder die Rückverwandlung von Kultur in Natur, Hermann Luchterhand Verlag, Neuwied und Berlin: 1971; S.21.
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Arbeit zitieren:
Daniel Kohlstadt, 2010, André Masson - Über den psychischen Automatismus, München, GRIN Verlag GmbH
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