1. Einleitung
Ich habe mich entschieden, meine biblische Geschichte in einem Personenkreis zu erzählen, den ich kenne. Daher fiel meine Wahl auf den Teenkreis, den ein Mitarbeiter und ich vor ungefähr einem Jahr gegründet haben. Die meisten Teenager kommen aus nicht christlichen Elternhäusern und haben daher sehr wenig Bibelwissen. Es ist also wichtig, dort Grundlagen zu schaffen. Wir haben also begonnen, den Teens viele Jesusgeschichten zu erzählen und zu erläutern. Um sie nicht zu überfordern, haben wir uns entschieden die Andacht nicht länger als zehn Minuten zu machen. Jetzt sind wir in einer Phase, in der wir einen Schritt weiter gehen können, die Jugendlichen beginnen Fragen zu stellen und sind mehr und mehr interessiert am christlichen Glauben. Um den Teenagern eine Stütze zum Verständnis der Bibel zu geben, möchte ich ihnen den Schöpfungsbericht erzählen. 2. Erzählrahmen und die Zuhörer
Die Geschichte werde ich als Hinführung zur wöchentlichen Andacht im Teenkreis erzählen. Meine Zuhörer sind zwischen 13 und 15 Jahre alt. Der Teenkreis ist eigentlich ein gemischter Kreis, doch momentan kommen nur Jungs. Wir treffen uns jeden Mittwochnachmittag in den Räumlichkeiten der süddeutschen Gemeinschaft in Ludwigsburg. Die Teilnehmerzahlen des Kreises schwanken zwischen 3 und 6 Besuchern. In unserem Kreis haben wir Jugendliche aus meist schwierigen Familienverhältnissen, so gibt es kaum einen Teilnehmer, dessen Eltern nicht geschieden sind. Knapp die Hälfte der Jungs des Teenkreises kommt aus einer Migrantenfamilie. Da wir viele Scheidungskinder in unserem Kreis haben und wir wissen, dass diese sehr oft unter geringem Selbstwertgefühl leiden (vgl. Strobach, S. 2002. S.29), haben wir uns entschieden die nächsten Male etwas über das Thema „was bin ich wert“ zu machen. Wer hat da mehr darüber zu sagen als unser Schöpfer selbst? Deshalb wollen wir die Geschichte als Hinführung zur Andacht im Teenkreis erzählen. Wir haben uns dabei für die Schöpfungsgeschichte entschieden, in der uns Gott durch den Erzähler seine Geschichte mit uns Menschen erzählen soll. Wir Menschen machen unsere Identität hauptsächlich über Geschichten aus, indem wir sie anderen erzählen und dadurch unser „Ich“ erkennen können. Warum sollten wir also nicht die uralten Geschichten von Gott erzählen, an denen wir Ihn erkennen können (vgl. Collmar, 2005. S. 12)? Der Gott der war, ist und sein wird, hat sich ja von Anfang an dem Volk Israel mit dieser Geschichte vorgestellt (vgl. Hebr 13, 8).
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2.1 Die institutionellen Bedingungen
In der süddeutschen Gemeinschaft haben wir zwei Jugendräume in dem einer als Kicker- und Spielraum und der andere mit mehreren Sitzgelegenheiten als Andachtsraum genutzt wird. Wir bevorzugen es, während der Andacht einen Stuhlkreis zu machen um alle im Blick zu haben und jeden gleichermaßen ansprechen zu können. Der zeitliche Rahmen des Tennkreises beläuft sich auf 1,5 Stunden, welchen wir hauptsächlich mit Spiel oder Kochen füllen. Auf diese Weise können wir am besten ein freundschaftliches Verhältnis zu den Teens aufbauen und sie besser kennen lernen. 2.2 Die Zuhörer
Im Folgenden möchte ich nun darauf eingehen, welche Fähigkeiten die Teens zum Verständnis der Geschichte mitbringen. Da sie im Alter von 13 bis 15 sind, kann man sagen, dass sie mit großer Wahrscheinlichkeit alle in dem nach Piaget festgelegten kognitiven Entwicklungsmodell in der Stufe des Jugendlichen sind. In diesem Stufenmodell sind die Übergänge der zu meisternden Aufgaben fließend und können nicht übersprungen werden (vgl. Mauerhofer, A. Bd.2. 2001. S. 56). Ein junger Mensch in dieser Stufe hat die Fähigkeit abstrakt zu denken und über Gedanken nochmals Nachzudenken, er kann Informationen mit Erlebtem oder Gehörtem verknüpfen und dadurch selbständig schlussfolgern (vgl. Piaget, J. 1984. S. 203). In diesem Alter stechen zwei Entwicklungsmerkmale besonders hervor, es ist die Ausbildung der Persönlichkeit und ihre Eingliederung in die Erwachsenenwelt. (vgl. Piaget, J. 1984. S. 206).
Im Folgenden möchte ich darauf eingehen, welche Fähigkeiten die Teens zum Verständnis der Geschichte mitbringen. Dazu möchte ich das Entwicklungsmodell von dem Methodisten James Fowler erläutern. Seine Erarbeitung lehnte er an die Erkenntnisse von Kohlberg, Piaget und Erikson an (www.familienhandbuch.de). Er hat eine Befragung von 359 Personen durchgeführt und dabei herausgefunden, dass die meisten Menschen in gleichen Altersstufen ähnliche Erfahrungen in ihrem Glaubensleben durchgemacht haben. Den Ergebnissen dieser Befragung nach hat er die Menschen in sechs Glaubensentwicklungsstufen eingeteilt, wobei die letzten beiden Stufen nur von wenigen Erwachsenen erreicht werden. Die Glaubensstufe, in der sich die Jugendlichen meines Teenkreises befinden, ist bei Fowler die dritte Stufe, welche Fowler mit synthetisch-konventionellem Glauben umschreibt (vgl. Fowler, J. 1989. S. 91). Er behauptet, dass sich der Jugendliche in dieser Phase seine Erfahrungen mit der Umwelt über die mit der Familie hinausgreift. Bisher hat der Jugendliche seinen Eltern immer absolut vertraut und alles wovon sie überzeugt waren auch für sich selbst in
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Anspruch genommen. Beispielsweise kann es sein, dass die Eltern des Jugendlichen einer konservativen Partei angehören und von dieser absolut überzeugt sind. Wenn dann dieser Jugendliche beispielsweise einen Freund kennen lernt, der diese Haltung ganz und gar nicht vertritt und zum Beispiel eher linksgerichtet ist, gerät das Weltbild des Jugendlichen ins Wanken. Dieses Beispiel lässt sich natürlich auf alle möglichen Felder ausdehnen. Der Jugendliche kommt durch diese Dissonanz an unterschiedlichen Welt- und Selbstbildern in ein Identitätsproblem. Der Teenager fühlt sich hin- und hergerissen zwischen der Familie und anderen Bereichen wie die der Gleichaltrigen, der Schule, der Vereine, der Parteien und der religiösen Gruppen. Jugendliche finden in dieser Stufe zu persönlichen Werten und Verhaltensnormen. Es werden Normen von der Familie aber auch von Anderen übernommen. Diese werden natürlich nicht von jedem beliebigen Anderen übernommen, sondern von so genannten „besonderen Anderen“, sie sind Vorbilder für Leute in dieser Phase. Dieser „besondere Andere“, kann auch Gott selbst sein, der für den Jugendlichen in solch einer Phase eine machtvolle Ordnungsfunktion darstellen kann. Gott wird zum besonderen Anderen, welcher die Person kennt, stärkt und annimmt wie sie ist. Außerdem ist in dieser Stufe auffällig, dass es den Personen dieser Stufe möglich ist, sich ein Bild davon zu machen, wie man von anderen wahrgenommen wird (vgl. http://etd.unisa.ac.za). Um den jungen Zuhörern gerecht zu werden, denke ich, dass die Wortwahl nicht zu anspruchsvoll sein sollte (vgl. Mauerhofer, A. Bd.1. 2001. S. 259), da dies Personen sind, die noch keinen zu großen Fremdwortschatz haben. Sie müssen die Geschichte mit ihren eigenen Erlebnissen zusammen bringen können, um sich so weitere Gedanken darüber machen zu können. Eine Geschichte sollte immer mit Spannung erzählt werden, doch bei Jugendlichen sollte es besonders spannend sein. Es wäre vorteilhaft, wenn sie sich selbst mit der Geschichte identifizieren könnten und sich dadurch in die Rollen hineinversetzen könnten. Auf Grund der oben beschriebenen Stufenmodelle wird dies denke ich kein Problem für die Teens darstellen. 3. Der Bibeltext (fachwissenschaftliche / theologische Analyse) Die bereits beschriebene Entwicklungsphase der Jugendlichen macht klar, dass es auch in dieser Stufe der Entwicklung Schwierigkeiten und Probleme gibt. Die größte Schwierigkeit in dieser Phase dürfte die Identitätsfindung und Emanzipation vom Elternhaus sein. Auf das Thema der Identitätsfindung möchte ich über die Schöpfungsgeschichte zu sprechen kommen. Ich denke, dass dieser Text viel zu diesem Thema zu sagen hat und sich daraus etwas für die Entwicklung der Teens machen lässt. Ich werde meine Geschichte von Gen 1,1 bis Gen 2,4 erzählen.
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Arbeit zitieren:
Fabian Pöhler, 2007, Narrative Aspekte biblischer Abhandlungen, München, GRIN Verlag GmbH
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