forderung (Arbeitssystem) und individuellem Leistungsvermögen (Arbeitsperson) sind die degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparates (Wirbelsäule und übriger Bewegungsapparat) von besonderem Interesse, da diese etwa ein Drittel des Arbeitsunfähigkeitsgeschehens ausmachen und mit Maßnahmen der Arbeitsplatzgestaltung (Arbeitssystemgestaltung) gezielt abgebaut werden können. Die weiteren Krankheitsgruppen des Arbeitsunfähigkeitsgeschehens, wie etwa psychische Erkrankungen, erfordern eher besondere Maßnahmen der Mitarbeiterführung und arbeitsmedizinischen Betreuung. Die Arbeits- und Wegeunfälle stehen mit einem Anteil von 5% am Arbeitsunfähigkeitsgeschehen eher im Hintergrund und zeigen die Wirksamkeit der u. a. von den
Sicherheitsfachkräften getragenen Maßnahmen der Unfallverhütung auf. Die Volumenanteile der einzelnen Krankheitsspektren (vgl. Bild 2) sind als Entscheidungsgrundlage dafür anzusehen, auf welchen Gebieten zukünftig vorrangig die Ressourcen für eine sicherheits- und gesundheitsgerechte Arbeitsgestaltung (Bundesminister 1992) zu konzentrieren sind, nämlich zur Vermeidung arbeitsbedingter Fehlbelastungen des Bewegungsapparates.
Von den erkrankungsbedingten Veränderungen der Leistungsfähigkeit zu unterscheiden sind die allgemeinen altersbedingten Veränderungen einzelner Leistungsparameter. Hierzu liegen ausführliche arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse vor: Sowohl die Muskelkräfte (siehe Bild 3) als auch die Feinmotorik
weisen einen Altersgang auf (siehe hierzu den Beitrag von Ueberschär & Heipertz in diesem Heft. Vgl. Bullinger & Volkholz 1993, Gussone; Huber 1999)
Diese Erkenntnisse sind jedoch nicht geeignet, älteren Arbeitnehmern pauschal eine geminderte Leistungsfähigkeit im Sinne eines allgemeinen Defizitmodells zu unterstellen. Viele Leistungsparameter weisen einen spezifischen Altersgang auf, der - abhängig vom jeweiligen Parameter - eine Leistungszunahme oder auch eine Leistungsabnahme bedeuten kann. Gegen pauschale Denk- und Lösungsansätze sprechen auch die großen interindividuellen Unterschiede der altersbedingten Leistungswandlung. Der Einfluss des kalendarischen Lebensal- W.Hilla, J. Stork 128 (57) 2003/3-4 Z. ARB. WISS.
Bild 5: Zunahme der Arbeitsunfähigkeitstage wegen degenerativen Erkrankungen der Wirbelsäule heitsberichte mit der Krankheitsarten- mitdem Lebensalter im Gesundheitsbericht der Audi BKK 2002 als Hinweis für Gestaltungs- verteilungzeigen die wesentlichen
erfordernisse bei zukünftigen Arbeitsplätzen. Der Unterschied zwischen Arbeitern und Ange- Gestaltungsfelderauf und dienen zur
stellten ist zurückzuführen auf die unterschiedlichen Arbeitsanforderungen. Überprüfung der “Passung” von Ar-beitsanforderungen mit dem Leistungsvermögen der Arbeitnehmer.
Die Vielfalt der Instrumente und der
mitwirkenden Fachstellen im Betrieb
ters auf die Entwicklung der individuellen Belastbarkeit und Fähigkeiten wird überlagert durch einen interindividuell unterschiedlichen Altersgang physiologischer Prozesse. Hinzu kommen weitere Einflussfaktoren, wie ein regelmäßiges Training oder die psychische Verarbeitung von Alterungsprozessen oder von chronischen Erkrankungen (vgl. Ueberschär & Heipertz 2002).
Welchen konkreten Nutzen bieten nun
Gesundheitsmanagementsysteme für die Arbeitsgestaltung? Aus arbeitsmedizinischen (Vorsorge-)Untersuchungen ergeben sich zunächst individuelle Gesundheits- bzw. Leistungsprofile mit Bezug auf Anforderungen am Arbeitsplatz, welche im Vorfeld der Untersuchung zu erfassen und zu dokumentieren sind (siehe auch §5 Arbeitsschutzgesetz - Beurteilung der Arbeitsbedingungen). Organisationseinheiten für Arbeitsgestaltung, für Arbeitstechnik oder für Ergonomie, in denen die Arbeitsanforderungen systematisch analysiert und bewertet werden, findet man in deutschen Betrie-
ben immer weniger. Die Anforderungsermittlung der Arbeits-/ Personalwirtschaft konzentriert sich auf die Einsatz arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements 129 (57) 2003/3-4 Z. ARB. WISS.
ziplinen als primär wissenschaftliches Fachgebiet, das mit der unmittelbaren Anwendung seiner Erkenntnisse zugleich ein hohes Maß an Praxisbezug enthält? Ausführbarkeit Erträglichkeit von Arbeitsaufgaben sind sicherlich nicht mehr allein als hinreichende Ziele der Arbeitsgestaltung anzusehen. Gleiches gilt für die Effizienz der Leistungserbringung. Im Vor-dergrund muss die nachhaltige gesundheitliche Unbedenklichkeit von Arbeitsbedingungen stehen. Anhand welcher Vorgaben lässt sich dieses Ziel erreichen? Die bislang angewandten Systeme stützen sich auf biometrische Parameter, wie beispielsweise anthropometrische Daten und Muskelkräfte, oder auf die Arbeitsschwere basierend auf dem Energieumsatz (Grandjean 1979, Hettinger & Wobbe 1993). Die Ermittlung der Belastungsdosis durch Lastenhandhabung stützt sich vornehmlich auf die Druckverhältnisse in den sogenannten Bandscheiben. Die
Verfahren zur Ermittlung von Arbeitszeiten (prospektiv oder retrospektiv) dienen in erster Linie der Effizienz beim Personaleinsatz. Grundlage ist häufig noch ein Normindividuum unter der Annahme, dass die arbeitsphysiologischen Parameter während des gesamten Arbeitslebens konstant bleiben. Eine ausführliche Diskussion der Bewegungsapparates und der Leisaltersbedingten Einflüsse, wie etwa bei tungsfähigkeit motorischer Funktionen Laurig (1992), ist eher noch die Ausberücksichtigt werden. Unter Zugrun-
nahme. Dass dieser Anspruch der Realität nicht gerecht werden kann, ist offensichtlich. Die Veränderungen des bedarfs und der Abgangs- und Zu-
menschlichen Leistungsvermögens durch Alterungsprozesse und Erkrankungen auf der einen Seite, aber mit den Fachkräften für Arbeitssicher-
andererseits auch durch Qualifikation und Erfahrungswissen im Sinne der Leistungssteigerung, sind erheblich (siehe Ueberschär & Heipertz in diesem Heft, vgl. Maintz 2000). Das Problem besteht jedoch nicht darin diesen arbeitswissenschaftlich hinreichend belegten Sachverhalt anzuerkennen. Vielmehr mangelt es daran die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen und geeignete Sollvorgaben für die Gestaltung von Arbeitssystemen (Arbeitsplätze, Arbeitsbereiche, ...) aufzustellen. Derartige Sollvorgaben haben die ökonomischen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen und müssen als quantifizierbare Kenngrößen für den Prozess der Planung und Realisierung von Arbeitssystemen geeignet sein. In der Vergangenheit war es die Zielset-
W.Hilla, J. Stork
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(57) 2003/3-4 Z. ARB. WISS.
Arbeit zitieren:
Wolfgang Hilla, Joachim Stork, 2003, Einsatz arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements, München, GRIN Verlag GmbH
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