GLIEDERUNG
1. Einleitung 3
2. Ideologisch-historischer Kontext 4
2.1 Historischer Kontext
2.2 Ideologischer Kontext
2.2.1 Marxismus
3. „Alte und „Neue Schule“ 5
3.1 Neue Schule
3.1.1 Maxime der neuen Schule
4. Arbeitsschule 7
4.1 Begriffsbestimmung
4.2 Zusammenhang zwischen Schule und Arbeit
4.3 Das pädagogische Konzept
5. Fazit 10
6. Literaturverzeichnis 12
7. Anlagen 13
1. Einleitung
Die vorliegende schriftliche Arbeit ist im Rahmen des Seminars: „Community Education als pädagogisches Konzept“ erstellt worden. Als Grundlage dient hierbei das Buch von Pawel Petrowitsch Blonski: „Die Arbeitsschule“.
Aus der Vielfalt seines Schaffens (vgl. Anlage 2: wichtigste Lebensdaten Blonskis), hier seien umfangreiche Arbeiten auf dem Gebiet der Psychologie, Geschichte und Philosophie genannt, möchte ich bei meinen Ausführungen den Schwerpunkt auf seine Arbeit als Pädagoge legen. Beginnend mit dem ideologisch-historischen Kontext werde ich anschliessend auf die alte und neue Schule eingehen um dann an der Arbeitsschule zu beschreiben, wie Blosnkis Ideen praktisch umgesetzt werden sollten. Eine Betrachtungsweise der Arbeitsschule im Detail, wie ursprünglich geplant, muss leider entfallen, da dies den Rahmen meines Teils der schriftlichen Ausarbeitung sprengen würde.
Wenn wir uns vor Augen halten, dass Reformpädagogik programmatisch Kinder und Jugendliche zum Lernen am und im Leben ermutigen wollte, ist doch interessant, wie das einem sozialistischen Reformpädgogen gelingt.
In seinem oben erwähnten Buch tritt Blonski für eine Verstärkung organisierter Erziehung ein, die Grundlage des revolutionären Bildungswesens in der neuen russischen Gesellschaft sein sollte. Das Erziehungsziel der neuen sozialistischen Gesellschaft war der „neue Mensch“, der sein ganzes Leben in den Dienst des Kollektivs zu stellen bereit ist und der sich vom westlichen, nach Individualität strebenden Menschen unterscheidet.
Der deutsche Philosoph Karl Jaspers hat einmal gesagt: Vor dem Absturz hilft nur die Kommunikation mit anderen. Dieser Perspektive folgend und vor dem aktuellen Hin-tergrund des schlechten Abschneidens deutscher Schüler bei der PISA - Studie ergibt sich für mich die Ausgangsfragestellung: „ Inwieweit ist das, was Blonski 1919 in seinem Buch „Die Arbeitsschule“ im Hinblick auf eine neue Schule propagierte heute noch aktuell und verwertbar?“
Ich möchte die Fragestellung in einem Dreischritt von ideologisch - historischen Kontext, Vergleich alte und neue Schule und Darstellung der Arbeitsschule näher thematisieren. Im abschließenden Fazit nehme ich noch einmal Rekurs auf die Ausgangsfragestellung, die sich anhand mehrerer Beispiele konkretisiert.
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2. Ideologisch - historischer Kontext
2.1 Historischer Kontext
Bei dem Schulmodell der Arbeitsschule von Blonski handelt es sich um eine politische Gründung, die ohne Kenntnis und Verständnis des historisch - ideologischen Umfeldes schwer nachzuvollziehen ist.
Das Jahr 1917 markierte für Blonski eine Zäsur, die sein Denken und Handeln nachhaltig beeinflussen sollte (vgl. Blonski 1986, S.16).
Angesichts militärischer Fehlschläge (schwere Niederlagen im 1. Weltkrieg, an dem Russland gegen Deutschland und Österreich teilnahm) und Unzufriedenheit mit dem Regime von Zar Nicolaus II. wurde dieser durch die im Februar 1917 ausbrechende Revolution gestürzt. Anders als die spontane Februarrevolution wurde die Oktoberrevolution im gleichen Jahr von den Bolschewiki (Bolschewismus) planmäßig vorbereitet. Am ersten Tag der Revolution stürzten sie unter Lenins uns Trotzkis Führung die provisorische Regierung in Petrograd (später Leningrad, heute St. Petersburg). Der allrussische Sowjetkongress bestätigte am nächsten Tag einen bolschewistischen „Rat der Volkskommissare“ unter Lenins Vorsitz als neue Regierung und verkündete gleichzeitig die entschädigungslose Enteignung allen gutsherrlichen Besitz.
1922 wurde dann die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) gegründet.
Die Oktoberrevolution sollte zur Leitrevolution des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus in der ganzen Welt werden.
„Die kommunistische Revolution wird daher keine bloße nationale, sie wird eine in allen zivilisierten Ländern, d.h. wenigstens in England, Amerika, Frankreich und Deutschland gleichzeitig vor sich gehende Revolution sein“ (Engels 1974, S.362 ). Entscheidend beeinflusst wurde der Bolschewismus vom Marxismus - Leninismus auf den ich im folgenden näher eingehen werde.
2.2 Ideologischer Kontext
2.2.1 Marxismus
Untrennbar verknüpft mit der Ideologie eines sozialistischen Reformpädagogen ist der Marxismus (- Leninismus). Der dialektische Marxismus als philosophisches System wurde von Marx und Engels unter Einfluss Hegels entwickelt. Theoretische Grundlage des Marxismus ist der Materialismus insofern, als die Materie als Grundlage allen Seins angesehen wird.
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Marx beurteilt Gesellschaft danach, auf welche Art und Weise Menschen ihren Lebensunterhalt erarbeiten. Die Gesellschaftsform der Zukunft ist für ihn der Kommunismus. Dies soll geschehen durch Umwandlung vom Kapitalismus in Sozialismus und hat als Endziel den Kommunismus. De Umwandlung in ein anderes Gesellschaftssystem vollzieht sich nach einem dialektischen Prinzip. Dabei tritt, wie Engels es sagt „...der Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und kapitalistische Aneignung an den Tag als Gegensatz von Proletariat und Bourgoiesie“ (Engels 1973, S.214 f.).
Als äußeres Anzeichen für diese Gegensätzlichkeit sei die Konzentration des Kapitals in den Händen weniger einerseits, und die Verelendung der besitzlosen, lohnabhängigen Arbeitermassen (Proletariat) andererseits genannt. Engels beschreibt einmal auf die Frage, was denn Kommunismus überhaupt sei, diesen als „Die Lehre von den Bedingungen der Befreiung des Proletariats“ (Engels 1974, S.361 f.). Der Hauptgrund für die Verelendung der besitzlosen, lohnabhängigen Teile der Bevölkerung liegt nach Marx in der Tatsache begründet, dass der Arbeiter durch seine Arbeit mehr Wert erzeugt, als er in der Form des Arbeitslohnes bezahlt bekommt. Dieser Mehrwert eignet sich der Kapitalist an und stellt die eigentliche Quelle des ( kapitalistischen ) Reichtums dar. „Gegenwärtig geht aller Reichtum der Gesellschaft erst in die Hand des Kapitalisten ... er zahlt dem Grundeigentümer die Rente, dem Arbeiter den Lohn, dem Steuer - und Zehnten Kollektor ihre Ansprüche und behält einen großen, in der Tat den größten und täglich anwachsenden Teil des jährlichen Produktes der Arbeit für sich selbst. Der Kapitalist kann jetzt als der Eigner des ganzen gesellschaftlichen Reichtums in erster Hand betrachtet werden, obgleich kein Gesetz ihm das Recht auf dies Eigentum übertragen hat “ ( Marx 1968, S.778 ff.).
Die revolutionäre Aufgabe, die Marx an den Menschen stellt, sieht folgendermaßen aus:
Herrschaft der Menschen über den Menschen beseitigen Bürgerliche und kapitalistische Gesellschaftsordnung beseitigen Das Endziel Kommunismus als Klassenlose Gesellschaft soll über mehrere Stufen erreicht werden. Ich möchte lediglich eine hier kurz erwähnen, nämlich die Enteignung der Besitzenden und Vergesellschaftung aller Fabriken, Banken und landwirtschaftlicher Betriebe. So war es denn auch nicht verwunderlich, dass eine der ersten Amtshandlungen der neuen Regierung unter Führung Lenins im Anschluss an die Oktoberrevolution von 1917 darin bestand, die entschädigungslose Enteignung allen gutsherrlichen Landes zu verkünden.
Die Klassenlose Gesellschaft ist für Marx deshalb keine Utopie, weil er den Menschen in ersten Linie als gesellschaftliches Wesen (also nicht als Individuum) versteht.
„Nicht das Bewusstsein bestimmt das Leben, sondern das Leben bestimmt das Bewusstsein“ ( Marx / Engels 1958, S.27 ).
Wahre menschliche Eigenschaft besteht für ihn darin, gesellschaftlich zu Handeln, zu Denken, also für Gesellschaft und nicht für sich selbst zu Handeln. Blonski nimmt diesen Gedanken von Marx in der Gestalt auf, dass er bei der Kultur der Zukunft von einer „industriell - kollektivistischen“ Kultur spricht (vgl. Blonski 1986, S.35 ). ___________________________________________________________________________
Arbeit zitieren:
Guido Diederich, 2002, Die Arbeitsschule nach Pawel Petrowitsch Blonski, München, GRIN Verlag GmbH
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