Studienseminar für das Lehramt für die Sekundarstufe II Oberhausen
Hausarbeit zur zweiten Staatsprüfung gemäß § 58 OVP
Möglichkeiten zur Identitätsbildung in der Begegnung mit einem autobiographischen Text
Behandlung von Auszügen aus Marcel Reich-Ranickis Autobiographie "Mein Leben" (Sekundarstufe II, GK11)
vorgelegt von
Markus Schulz
Inhaltsverzeichnis
Einleitung ... 3
I. Grundlagen und Vorüberlegungen zur Unterrichtssequenz ... 5
1. Autobiographische Texte und ihre Eignung im Rahmen der Richtlinien und Lehrpläne des Faches Deutsch in der Sekundarstufe ... 5
2. Marcel Reich-Ranickis Mein Leben: Text- und Sprachanalyse ...10
2.1 Das Leitmotiv der ausgewählten Textauszüge: "Das Leben als Jude in Deutschland" ...14
II. Realisierung der konkreten Unterrichtssequenz ... 21
III. Reflexion und Ausblick ... 31
IV. Anlagen ... 31
V. Literaturverzeichnis ... 40
A. Literatur zur Didaktik/Autobiographie ... 44
B. Literatur zu Marcel Reich-Ranicki ... 48
C. Sonstige Texte/Hilfsmittel ... 50
Von Anfang an fiel ich aus dem Rahmen, ich war ein Außenseiter. Daß es so
bleiben würde, konnte ich schwerlich wissen. In welcher Schule ich auch war, in
welcher Institution ich auch gearbeitet habe, ich paßte nie ganz zu meiner
Umgebung.1
Marcel Reich-Ranicki
Einleitung
Thema dieser Arbeit ist der Versuch, Schülerinnen und Schüler2 eines Deutsch-Grundkurses der Jahrgangsstufe 11 mit Hilfe ausgewählter Textauszüge aus der Autobiographie Mein Leben von Marcel Reich-Ranicki exemplarisch das Leben eines Juden in Deutschland während des Dritten Reiches, in den Nachkriegsjahren und in der heutigen Zeit zu verdeutlichen. In der Begegnung mit diesem autobiographischen Text sollen den Schülern verschiedene Möglichkeiten zur Identitätsbildung aufgezeigt werden.
Autobiographische Texte bestimmen seit nahezu 20 Jahren den bundesdeutschen Literaturbetrieb. Neben der Gruppe der Schriftsteller wenden sich heutzutage auch andere Berufsgruppen wie Musiker, Politiker, Schauspieler und Sportler der literarischen Gattung ‚Autobiographie‘ zu. In diesem Zusammenhang sorgte zuletzt im Herbst 2002 die Lebensgeschichte Nichts als die Wahrheit von Musikproduzent Dieter Bohlen, welche von zahlreichen Schülern meines Grundkurses mit Begeisterung rezipiert wurde, für Schlagzeilen in den Medien. Was aber stellt den Grund für diese Begeisterung dar? Könnte sie auf die Suche der Jugendlichen nach Vorbildern oder Leitfiguren zurückzuführen sein? Handelt es sich nur um die Befriedigung von Neugierde? Oder hat der junge Mensch einfach das Bedürfnis, das Privatleben berühmter oder interessanter Persönlichkeiten kennen zu lernen?
Das Interesse an Medienstars erwächst zum einen aus der Suche nach konkreten Hilfestellungen im Entwicklungs- und Sozialisationsprozess, zum anderen aus dem Bedürfnis zum Ausleben von Imaginationen.3 Die von Helmut Scheuer in der Fachzeitschrift Der Deutschunterricht geäußerte Einschätzung könnte ebenfalls zutreffend sein. Er meint, dass die Darstellungen von Lebensläufen offensichtlich einen großen Reiz ausübt und das gerade in einer Zeit existentieller Unsicherheiten.4 Ferner ist er der Auffassung, dass der Leser sich bei seinem Blick auf fremde Personen selbst wiedererkenne.5 Die Auseinandersetzung mit autobiographischem Schreiben lohne, weil man in der jeweiligen Gattungsgeschichte auch die Sozialgeschichte des Menschen wiedererkennen könne.6
Die 1999 erschienene Autobiographie Mein Leben von Marcel Reich Ranicki erfüllt diese Einschätzung in nahezu idealer Weise. Der 1920 in Wloclawek/Polen geborene Literaturkritiker wurde 1938 in das Warschauer Ghetto deportiert und überlebte nur mit Glück das nationalsozialistische Regime. Er berichtet erstmals detailliert von seinen Erlebnissen in jenen Jahren.7 Der viel gescholtene und auch umstrittene Literaturkritiker zeigt sich in diesem Werk von einer ganz anderen Seite. Er stellt sich dem Leser als unbestechlicher Zeuge des Jahrhunderts und als anekdotenreicher Erzähler dar. Zudem erkennt der Leser einen Menschen, der als Jude in Deutschland viel gelitten hat.
Kapitel I beinhaltet den Grundlagenteil der Arbeit und geht der Frage nach, inwiefern der Einsatz autobiographischer Texte in der Sekundarstufe II die Aufgabe des Deutschunterrichts, die Identitätsbildung der Schüler zu fördern, unterstützen kann. Ferner versuche ich die Eignung des Textes von Reich-Ranicki für den schulischen Einsatz in der Sekundarstufe II zu rechtfertigen. Dabei untersuche ich vor allem den Textaufbau, die Sprache und die Intention des Autors. Das zweite Kapitel ist der konkreten Unterrichtssequenz gewidmet. Eine kritische Bewertung der zu Tage getretenen Vorzüge und Defizite der Unterrichtssequenz sowie alternative methodische Vorgehensweisen werden abschließend im dritten Kapitel der Arbeit thematisiert.
An geeigneten Stellen wird zudem auf den Bezug zu den Lehrer-Funktionen ‚Unterrichten‘, ‚Erziehen‘ und ‚Bewerten‘ hingewiesen.
[...]
1 Reich-Ranicki, Marcel: Mein Leben. Stuttgart u. München 2000. S. 21.
2 Im Folgenden: Schüler
3 Vgl. Barth, Susanne u. Elias, Sabine: Stars-Idole-Medienwelten. In: Praxis Deutsch. H. 171. Velber 2002. S. 9.
4 Vgl. Scheuer, Helmut: Zu diesem Heft. In: Der Deutschunterricht 2/89. Jg. 41. Hg. v. H. Scheuer. Velber 1989. S. 5.
5 Vgl. ebd.
6 Vgl. ebd.
7 Mein Leben gilt als eine der erfolgreichsten Autobiographien der letzten Jahre. Nach Angabe der Deutschen-Verlags-Anstalt wurden bis März 2003 über 800.000 Exemplare verkauft.
Quote paper:
Dr. phil. Markus Schulz, 2003, Möglichkeiten zur Identitätsbildung in der Begegnung mit einem autobiographischen Text - Behandlung von Auszügen aus Marcel Reich-Ranickis Autobiographie "Mein Leben", Munich, GRIN Publishing GmbH
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