Inhalt
1. Fragestellung S.3
2. Exkurs: Wissenschaftsrat und Deutsche Forschergemeinschaft S.4
2.1 Die Deutsche Forschergemeinschaft S.5
2.2 Der Wissenschaftsrat S.6
3. Die Exzellenzinitiative nach den Kriterien der DFG und des WR S.7
4. Das Matthäus-Prinzip als Leitmotiv der Exzellenzinitiative S.11
5. Umwertung und Umwälzung der Universitätslandschaft S.13
6. Am Beispiel der TU-Darmstadt S.16
Quellen ,Online-Ressourcen und Literaturverzeichnis S 17
Die Exzellenzinitiative und ein breites Wissenschaftsspektrumein Widerspruch? Unter Berücksichtigung der TU Darmstadt
und dem dortigen Institut für Allgemeine Pädagogik und Berufspädagogik
Niels Tekampe
1. Fragestellung
Sucht man die Internetpräsenz der Universität Karlsruhe auf, wird man von ein paar leger herumstehenden und dabei gut gelaunten Studierenden mit verschiedenen ethnischen Hintergründen begrüßt. Die jungen Leute stehen vor einer verglasten Häuserfront und scheinen sich prächtig zu amüsieren. Wahrscheinlich haben sie auch guten Grund dazu, denn kaum ein paar Zentimeter von ihnen entfernt, prangt eine silberne Grafik in Plakettenform mit dem Schriftzug „Ausgezeichnet von der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder“. Alles in Großbuchstaben geschrieben, das „Exzellenz“ fett und groß, das „Initiative“ noch größer, wenn auch nicht fett gedruckt. Über dem Schriftzug sieht man sechs menschliche Silhouetten, eine davon steht exponiert, ist vergrößert und hat die Arme vor der Brust verschränkt. 1 Würde man hier eine hermeneutische Bildanalyse durchführen, käme man wohl mit nicht besonders großer Mühe zu dem Schluss, dass zum einen die Anzahl der legeren, gut gelaunten Studierenden mit der der Silhouetten übereinstimmt und nach einigen Gedankenexperimenten könnte man wohl auch den Schluss ziehen, dass die hervorgehobene Silhouette mit den verschränkten Armen, eine besondere Person, ja vielleicht sogar eine führende Person für die restlichen „Silhouetten-Menschen“ um sie herum ist. Dieser Eindruck verfestigt sich und nimmt eine etwas deutlichere Figur an, wenn man auf die Plakette „klickt“ und auf der folgenden Internetseite von einer Fotografie links neben einem Text mit der etwas klein geratenen Überschrift „ Der Zusammenschluss macht den Unterschied“ begrüßt wird. „Unsere Uni ist die Beste!“ steht weiß auf rotem Hintergrund, auf einem Aufsteller irgendwo auf dem Campus der Universität Karlsruhe. Links daneben im Text ist die Rede von der Exzellenzinitiative von 2006 und 2007 in der zehn „Spitzenhochschulen gekürt“ wurden und davon, dass sich die Universität Karlsruhe bereits „in der ersten Runde durchsetzte“, was ihr
1 http://www.uni-karlsruhe.de/ (Stand 9.3.2010). Seit Oktober 2009 gibt es die Universität Karlsruhe in der alten Form nicht mehr. Sie hat sich mit dem Forschungszentrum Karlsruhe zum Karlsruher Institut für Technologie (KIT) zusammengeschlossen.
3
„rund 96 Millionen zusätzliche finanzielle Mittel“ einbrachte. 2 Ein beachtlicher Betrag, besonders wenn man bedenkt, dass die Ausgaben des Landes Banden Württemberg im Jahr 2005 bei 2,2 Milliarden Euro für alle 78 Hochschulen im Lande betrugen 3 , wie auch auf der Internetpräsenz des statistische Bundesamtes zu lesen ist. 4
Auf der Karlsruher Internetseite heißt es weiter, dass diese Gelder „über einen internen Wettbewerb das Erkunden neuer Forschungsfelder und den wissenschaftlichen Nachwuchs fördern“. 5 Eine interessante Formulierung, kann man hier doch „intern“ so lesen, dass damit sowohl die einzelnen Institute/Fakultäten einer Universität gemeint sein können, also auch die Universitätslandschaft als Ganzes. Man könnte wohl noch einen Schritt weiter gehen und die Silhouetten von der vorigen Seite, analog zu einzelnen Fachbereichen oder Universitäten sehen. Fragen, die dabei offen bleiben sind: welche Forschungsfelder sollen ausgeweitet werden und welcher wissenschaftliche Nachwuchs wird gefördert. Sollen hier nur die gefördert werden, die die Fördermittel beschafft haben? Diejenigen, die mit verschränkten Armen exponiert vor dem Rest stehen?
Führt dieser interne Wettbewerb nicht zwingend - wie jeder Wettbewerb - zu Gewinnern und Verlierern? 6 Kann man neue interdisziplinäre Forschungsfelder erkunden, wenn nur zehn Fachbereiche dabei wirklich involviert sind? Kurz: steht die Exzellenzinitiative mit einem breiten und gleichzeitig innovativen Wissenschaftsspektrum im Widerspruch? Dieser Frage soll in dieser Arbeit nachgegangen werden.
2. Exkurs: Wissenschaftsrat und Deutsche Forschungsgemeinschaft
Da im Folgenden sehr häufig von der Deutschen Forschungsgemeinschaft 7 und dem Wissenschaftsrat 8 die Rede sein wird, soll ein kurzer Exkurs über die Institutionen informieren. Hierbei soll weniger auf die allgemeine Struktur und Entwicklung, als auf das Selbstverständnis der Einrichtungen und ihre Funktionen in der Exzellenzinitiative eingegangen werden.
2 http://www.uni-karlsruhe.de/info/elite-uni.php (Stand 9.3.210).
3 http://www.mwk.baden-wuerttemberg.de/themen/hochschulen/ (Stand 9.3.2010).
4 Statistisches Bundesamt, S. 90-91.
5 http://www.uni-karlsruhe.de/info/elite-uni.php (Stand 9.3.2010).
6 Sesink, S.6-7.
7 Im folgenden mit DFG abgekürzt.
8 Im folgenden mit WR abgekürzt.
4
2.1 Die Deutsche Forschungsgemeinschaft
In Paragraf 1 ihrer Satzung definiert sich die DFG wie folgt: „Die Deutsche Forschungsgemeinschaft dient der Wissenschaft in allen ihren Zweigen durch die finanzielle Unterstützung von Forschungsaufgaben und durch die Förderung der Zusammenarbeit unter Forscherinnen und Forschern. Der Förderung und Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses gilt die besondere Aufmerksamkeit. Die Deutsche Forschergemeinschaft fördert die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Wissenschaft. Sie berät Parlamente und Behörden in wissenschaftlichen Fragen und pflegt die Verbindung der Forschung zur Wirtschaft und zur ausländischen Wissenschaft.“ 9
Weiter ist die Rede von einer „strategischen Ausrichtung der DFG auf Interdisziplinarität“ und die nicht ganz unwichtige Tatsache, dass die DFG jährlich über 2 Milliarden Euro an Fördergeldern verteilt 10 Damit ist die DFG größter Drittmittelgeber Deutschlands 11 , was insbesondere unter Berücksichtigung der stärkeren Verschiebung von der föderalen zu zentraler Vergabe von Forschungsmitteln eine entscheidende Machtposition bedeutet 12 . Da die Zahl der DFG geförderten Projekte „ein wichtiger Maßstab“ für die Verteilung der Ländermittel an die Universitäten ist, sei es „nur konsequent, dass die DFG mit der Durchführung der Exzellenzinitiative betraut wurde“ so die DFG selbst. 13
Weiter soll die DFG Universitäten bei der „Schwerpunktsetzung und Profilbildung“ 14 helfen, was sich im späteren Verlauf dieser Arbeit als ein nicht unwesentlicher Kritikpunkt an ihrer Arbeit herausstellen wird. Zwar wird von Münch die Fördermittelvergabe der DFG als recht transparent eingestuft 15 , doch wiegt sein Vorwurf von kartellartigen Strukturen 16 bei der Vergabe von Forschungsmitteln besonders nachdenkenswert. 17 Denn auch mit Blick auf die Exzellenzinitiative spielen diese Strukturen eine Rolle. Die DFG schreibt zwar von einer Förderung der Spitzenforschung unter gleichzeitiger „Anhebung der Qualität des Hochschul-
9 DFG,S.1.
10 Ebenda, S.1.
11 Ebenda, S.1.
12 Münch, S.116.
13 Ebenda, S.1.
14 Ebenda, S.2.
15 Münch, S. 115.
16 Münch, S. 112.
17 Münch, S.115.
5
Arbeit zitieren:
Niels Tekampe, 2010, Die Exzellenzinitiative und ein breites Wissenschaftsspektrum – ein Widerspruch?, München, GRIN Verlag GmbH
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