Inhaltsverzeichnis
1. Die Grundzüge Peymann´scher Arbeit
2. Die Person Claus Peymann und seine Zeit in Bochum (1979-1986)
3. Die „Säulen“ Peymann´scher Arbeit in Bochum
4. Exemplarische Aufführungsbeschreibung von seiner Bochumer
Inszenierung: Torquato Tasso
5. Literaturangaben
1. Die Grundzüge Peymann´scher Arbeit
Bei Claus Peymann handelt es sich um einen der bedeutendsten Regietheatermacher des 20. Jahrhunderts. Aspekte wie Entliterarisierung und moderne Klassikinszenierungen sowie Retheatralisierung und Visualisierung bilden die Grundlage seines Schaffens.
Ganz wie es sich für einen Vertreter des Regietheaters gehört, verbindet Peymann in seinen Inszenierungen die verschiedenen Kunstformen miteinander. Seine Arbeiten weisen somit eine sog. Polyphonie auf und repräsentieren des Gedanken von Synthesis der Avantgarde. Deutlich wird dieser Aspekt, wenn Peymann in seinen Inszenierungen beispielsweise auf Zirkuselemente, Tanz, Gesang oder Lyrik verweist. Was am Ende zählt ist das Gesamtkunstwerk, welches mit möglichst vielen Bereichen der Kunst angereichert werden soll. Gerade bei der Darstellung von Klassikern, den sog. Säulenheiligen, wählt er einen Umgang, welcher für das Regietheater vorbildlich ist. Als Regisseur liefert er durch seine Inszenierung eine eigene, neue Interpretation des Stückes und folglich seine eigene Idee zu der vorliegenden Thematik. Statt Werktreue setzt er auf eigene Akzente und eine Aktualisierung des Stoffes. Im Laufe seines Arbeitsprozesses ist er darum bemüht das Stück dem aktuellen Zeitgeist anzupassen und in eine moderne Umgebung zu transformieren. In dem er die Themen der Stücke aktualisiert und ihre Brisanz in heutige Probleme transformiert, will Peymann die Klassiker von der „Schwere“ ihrer Rezeptionsgeschichte lösen. Er überprüft quasi in seiner Arbeit, ob die Fragen die Goethe und Schiller beschäftigten auch noch Fragen sind, die in der heutigen Gesellschaft große Diskussionen auslösen können. In diesem Zusammenhang spricht man von der sog. Enthistorisierung der Klassiker. Peymann bemüht sich nun in seiner Arbeit als Regietheatermacher darum, das Gegenwartspotential des vorliegenden Klassikers (neu) zu entdecken. In diesem Umgang mit den Klassikern unterscheidet sich ein Claus Peymann beispielsweise von einem Frank Castorf. Peymann will zwar die Klassiker vom Sockel holen, aber am Sockel selbst nicht rütteln, da er ihn weiterhin zum Hinaufschauen benötigt. Er will den Klassiker nicht um des Klassikers willen bewundern, sondern aufgrund seiner zeitlosen Trefflichkeit und Nähe zum Menschen. Aus diesem Grund handelt es sich auch bei ihm keinesfalls um einen
„Klassikzertrümmerer“. „Bei Frank Castorf jedenfalls fliegt der Sockel ins Parkett, während bei Peymann die Socken herumliegen.“ 1 Zudem liegt in einer Transformation in die Gegenwart auch ein hohes Widererkennungspotential für den Zuschauer, woraus eine intensive Nähe zwischen Publikum und Stück aufgebaut werden kann und die Klassikerinszenierungen „handfester“ erscheinen lässt.
Des Weiteren ist Peymann auch wegen seiner großen Vorliebe für das Gegenwartstheater bekannt. In der Funktion des Intendanten räumt er diesem in seinem Theatern stets einen großen Raum ein. Uraufführungen zeitgenössischer Autoren wie Thomas Bernhard, Peter Handke, Heiner Müller oder Peter Turrini, später auch Elfriede Jelinek, bilden für Peymann seit jeher einen Schwerpunkt seiner Arbeit. Thomas Bernhard beispielsweise schrieb sechs Stücke für das Bochumer Schauspielhaus, von denen fünf vom Intendanten höchstpersönlich inszeniert wurden.
Bezogen auf das Leitthema der Retheatralisierung im Regietheater, lässt sich bezogen auf Peymann sagen, dass es ihm stets wichtig ist, eine Botschaft nicht nur als Idee zu behaupten, sondern auch szenisch zu entfalten. Folglich bilden die Konzeptionen von Licht und Ton wichtige Bestandteile seiner Regie. Zudem brachte er in der Funktion des Intendanten Revue, Musik und Gesang als Gestaltungsmittel in seine Theater.
Gleiches gilt auch für den Aspekt der Visualisierung. Peymann arbeitet immer mit sehr künstlerischen Bühnenbildern, welche die Stückaussage symbolisch unterstreichen. Es soll somit zusätzlich eine bildliche Abstraktion der Stückidee ins Bühnenbild übertragen werden.
Typisch für den Vertreter des Regietheaters ist schließlich noch der Begriff der Poiesis. In diesem Zusammenhang fordert der Regisseur in seinen Stücken immer wieder die Autonomie der Kunst.
Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts Timon-Karl Kaleyta, 2006, Claus Peymann, München, GRIN Verlag GmbH
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