Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Der Begriff der Erziehung bei Immanuel Kant 2
2.1 Über die Relevanz der Erziehung 2
2.2 Der Widerspruch bei Kant 4
2.3 Der Prozess der Erziehung 5
2.3.1 Disziplinierung 5
2.3.2 Kultivierung 5
2.3.3 Zivilisierung 6
2.3.4 Moralisierung 6
2.4 Selbstbestimmung versus Zwang: ein Widerspruch? 7
3. Der Begriff der Erziehung bei Jean-Jacques Rousseau 9
3.1 Warum muss erzogen werden? 9
3.2 Die Rolle der bürgerlichen Ordnung 11
3.3 Der Widerspruch in der Erziehung 11
4. Fazit 13
Literaturverzeichnis 15
1. Einleitung
Wenn heute ältere Leute nach Erziehung und ihrem Stellenwert in der Gesellschaft gefragt werden, bekommt man häufig als Antwort, dass früher ganz anders erzogen wurde. Damals gehörten z. B. Schläge zur Züchtigung zu einer gängigen Erziehungsmethode. Gerade der jüngere Teil der Gesellschaft wird von dieser Generation häufig als „schlecht erzogen“, „rüpelhaft“ oder sogar als „ungezogen“ beschrieben.
Das Interesse an Erziehung spiegelt sich gerade in der heutigen Medienlandschaft in diversen TV-Formaten wieder. In diesen wird dann häufig versucht, vermeidliche Erziehungsfehler der Eltern mit pädagogischen Erziehungsmethoden wieder rückgängig zu machen. Die Frage die sich dabei stellt ist jedoch, ob Erziehung erst durch die mediale Ausschlachtung ein gesellschaftsfähiges oder zumindest gesellschaftsrelevantes Thema wurde. Es liegt jedoch auf der Hand, dass Erziehung längst nicht nur ein Thema der modernen Industriegesellschaft ist. Bereits viel früher wurde sich eingehend mit dieser Thematik beschäftigt.
Hier besonders hervorzuheben sind die Philosophen Immanuel Kant (* 1724; † 1804) und Jean-Jacques Rousseau (* 1712; † 1778) die sich intensiv mit dem Erziehungsbegriff auseinandersetzten. Daher beschäftigt sich diese
Ausarbeitung im Schwerpunkt mit dem Erziehungsbegriff bei Kant und Rousseau. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die Relevanz der Erziehung sowie dem Zusammenhang von Selbstbestimmung und Zwang gelegt. Bei Rousseau werden des Weiteren noch Ausführungen über die Rolle der Gesellschaft ergänzt. Abschließen wird die Frage geklärt, ob beide Philosophen identische Ideen hatten oder worin sie sich vielleicht auch unterscheiden. Haben sie sich möglicherweise sogar gegenseitig beeinflusst? Im ersten Schritt werden daher die Ideen von Kant, im zweiten Schritt die von Rousseau dargestellt. Gerade dabei ist es wichtig, meist auf längere Zitate der Primärtexte zurückzugreifen, um die Gedanken des jeweiligen Philosophen authentisch zu transportieren. Dies wäre durch Sekundärwerke meist nicht mehr möglich. Anschließend werden dann beide Philosophen in Beziehung zueinander gesetzt.
Diese Ausarbeitung erhebt dabei keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr ist es das Ziel, zentrale Elemente beider Theorien herauszugreifen und diese
miteinander zu verknüpfen. An geeigneter Stelle wird darauf noch einmal explizit hingewiesen.
2. Der Begriff der Erziehung bei Immanuel Kant
Im Folgenden Kapitel wird nun auf den Stellenwert der Erziehung bei Kant eingegangen. Dabei ist es nicht das Ziel alle Aspekte seiner Erziehungstheorie zu beleuchten und darzustellen. Vielmehr geht es darum die zentralen und für diese Ausarbeitung wichtigsten Elemente darzustellen. Im Kern geht es daher um die Relevanz der Erziehung, den Widerspruch bei Kant, den Prozess der Erziehung sowie die Vereinbarkeit oder ggf. auch nicht Vereinbarkeit von Freiheit und Zwang. Diese zentralen Themenbereiche werden im Folgenden nun näher erläutert.
2.1 Über die Relevanz der Erziehung
Immanuel Kant war ein Phänomen. Im Gegensatz zu vielen heutigen und mehr oder weniger modernen Schriften über die Erziehung, auf die an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden soll, versuchte Kant ein festes Fundament aufzubauen, um den Prozess der Erziehung auf demselbigen Stück für Stück weiterzuentwickeln. Für diese Basis zog er den Vergleich von Mensch und Tier heran. Er stellte also die zentrale Frage, was den Menschen vom Tier unterscheidet. Dieser Vergleich blendete unfraglich offensichtliche phänotypische Unterschiede aus und bezog sich rein auf den Erziehungsaspekt. Nach Kant gibt es dabei einen zentralen Aspekt, der die beiden Gruppen Mensch und Tier voneinander Unterscheidet: Der Mensch muss erzogen werden, das Tier nicht. „Der Mensch ist das einzige Geschöpf, das erzogen werden muß. Unter der Erziehung nämlich verstehen wir die Wartung (Verpflegung, Unterhaltung), Disziplin (Zucht) und Unterweisung nebst der Bildung. Dem zufolge ist der Mensch Säuglng, -Zögling, - und Lehrling.“ (Kant 1983, S. 697)
Unter Wartung versteht man dabei das wachende Auge der Eltern darüber, dass die Neugeborenen bzw. Kinder keinen Gebrauch von ihren Kräften machen, der negative Folgen für sie haben könnte (vgl. Kant 1983, S. 697). Die Pflege des
Säuglings wird also nicht unter biologischen oder medizinischen Aspekten, sondern unter der Idee der Erziehung zusammengefasst (vgl. Hufnagel 1990, S. 43). Der haustierliebende Leser wird an dieser Stelle sicherlich seinen Zeigefinger erheben mit der Begründung, dass auch Haustiere (z. B. Hunde) erzogen werden müssen, um u. a. „Stubenrein“ zu sein und das Nachbarskind nicht gleich bei der ersten Begegnung anzuspringen. Dieser Einwand ist richtig, wird jedoch durch die Tatsache entkräftet, dass sich Kant auf reine Naturgegebenheiten, also Instinkte, und keine künstliche Umwelt bezog. An dieser Stelle soll allerding kein Diskurs über Tiererziehung entfacht werden. „Disziplin oder Zucht ändert die Tierheit in die Menschheit um. Ein Tier ist schon alles durch seinen Instinkt; eine fremde Vernunft hat bereits alles für dasselbe besorgt. Der Mensch braucht aber eigene Vernunft. Er hat keinen Instinkt, und muß sich selbst den Plan seines Verhaltens machen. Weil er aber nicht sogleich im Stande ist, dieses zu tun, sondern roh auf die Welt kommt: so müssen es andere für ihn tun.“ (Kant 1983, S. 697) Um es mit anderen Worten auszudrücken: Das Verhalten von Tieren wird zu einem Großteil von Instinkten bestimmt. Der Mensch hingegen steht in einem Abhängigkeitsverhältnis zu anderen Menschen (vgl. Koller 2006, S. 30). Er kann und darf also nicht sich selber überlassen werden, da dieses zwangsläufig zu seinem Ende führen würde.
„Der Mensch kann nur Mensch werden durch Erziehung. Er ist nichts, als was die Erziehung aus ihm macht. Es ist zu bemerkten, daß der Mensch nur durch Menschen erzogen wird, durch Menschen die ebenfalls erzogen sind. Daher macht auch Mangel an Disziplin und Unterweisung bei einigen Menschen sie wieder zu schlechteren Erziehern ihrer Zöglinge.“ (Kant 1983, S. 699)
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass für Kant die Erziehung das größte Problem darstellt, mit dem ein Mensch konfrontiert werden kann. Dies wird nicht zuletzt durch den enormen zeitlichen Aufwand, sondern auch durch den Zusammenhang von Einsicht und Erziehung begründet. Sie bilden einen Kreislauf, da Einsicht von der Erziehung und Erziehung von der Einsicht abhängt. Daraus lässt sich schlussendlich folgern, dass Erziehung sich nur Schritt für Schritt, von Generation zu Generation verändern kann (vgl. Kant 1983, S. 702). So wird die Erziehungskunst als eine der schwersten Erfindungen der Menschen angesehen, da sie bis heute ein Streitthema ist (vgl. Kant 1983, S. 703). Kant
Arbeit zitieren:
B.A. Stefan Schalowski, 2010, Erziehung, Selbstbestimmung und Zwang bei Immanuel Kant und Jean-Jacques Rousseau, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Frauen des Islam im Blick der Menschenrechte
Politik - Internationale Politik - Thema: Völkerrecht und Menschenrechte
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Luhmann: Vertrauen. Eine Methode der Reduktion sozialer Komplexität - ...
Medien / Kommunikation - Interpersonale Kommunikation
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Verschiedene Modelle des Zweitspracherwerbs und damit zusammenhängende...
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Was ist Vertrauen? Der Vertrauensbegriff im interdisziplinären Diskurs
Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik
Hausarbeit, 19 Seiten
Lernstrategien und Lernerautonomie innerhalb der Wortschatzarbeit
Hausarbeit, 20 Seiten
Die vier Grundprinzipien pädagogischen Handelns und Luhmanns Systemthe...
Diskurs
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Literaturrezension zu: Julia Gerlach - "Zwischen Pop und Dschiha...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 25 Seiten
Methodik und Didaktik des Zweitsprachenunterrichts Deutsch
Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Identitätsfindung junger türkischer Frauen unter Berücksichtigung migr...
Soziologie - Kultur, Technik und Völker
Hausarbeit, 63 Seiten
Kants Werke - Band XI: "Über Pädagogik" - Ein Vergleich anh...
Hausarbeit, 29 Seiten
Internationale Gartenschau Hamburg 2013 - Event und Stadtentwicklungsi...
Raumwissenschaften, Stadt- und Raumplanung
Bachelorarbeit, 108 Seiten
U4-208 antwortet nicht. Zur (Ir)relevanz der Systemtheorie für die Päd...
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Ungesteuerter und gesteuerter Zweitspracherwerb
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 16 Seiten
Soziale Integration und Wohlbefinden von Migranten in Görlitz
Explorationsstudie zur Integra...
Diplomarbeit, 245 Seiten
Methoden zur Bilanzierung von Unternehmenserwerben - Darstellung und ö...
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Diplomarbeit, 90 Seiten
Soziale Netzwerke - Betrachtung der Kommunikation in einem Netzwerk im...
Soziologie - Medien, Kunst, Musik
Hausarbeit, 57 Seiten
Bedeutungserklärung im DAF-Unterricht
Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Das "Risiko" von Erziehung und Sozialisation. Eine systemthe...
Hausarbeit, 21 Seiten
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie: Erziehung, Selbstbestimmung und Zwang bei Immanuel Kant und Jean-Jacques Rousseau ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie: neuer Titel erschienen: Erziehung, Selbstbestimmung und Zwang bei Immanuel Kant und Jean-Jacques Rousseau
Stefan Schalowski hat einen neuen Text hochgeladen
Jean Jacques Rousseau: Emile: His Educational Theories Selected from E...
Jean Jacques Rousseau, R. L. Archer, S. E. , Jr. Frost
0 Kommentare