1. Einleitung
Auch 20 Jahre nach der Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland findet man noch deutlich ausgeprägte Differenzen bezüglich verschiedener sozialstruktureller Merkmale: Arbeitslosigkeit, Einkommensniveau oder die Höhe der Rentenzahlungen sind Beispiele, bei denen die östlichen Bundesländer schlechter abschneiden als die westlichen. Diese
seiner Art als auch von der Tiefe des wirtschaftlichen Einbruchs her in der europäischen Wirtschaftsgeschichte (Heise 1994: 13).
Der Fokus dieser Arbeit liegt auf der Analyse der Transformation des ostdeutschen Arbeitsmarktes durch die Wiedervereinigung und den Auswirkungen auf die Erwerbsausstiegsprozesse. Hierfür werden in Kapitel 2.1 zunächst die Arbeitsmarktstrukturen des sozialistischen Regimes der DDR erläutert. Anschließend werden die Folgen der Wiedervereinigung für den ostdeutschen Arbeitsmarkt beleuchtet, wobei sich v.a. der rapide nachgeholte sektorale Wandel und der Abbau der Überbeschäftigung von großer Bedeutung herausstellen. Im nächsten Unterkapitel wird ein kurzer Vergleich der Alterserwerbstätigkeit vor und nach der Wiedervereinigung gezogen, was verdeutlicht, wie massiv die Zahlen im Zuge der strukturellen Veränderungen innerhalb weniger Jahre sanken. Das dritte Hauptkapitel widmet sich den Auswirkungen des Transformationsprozesses auf die Erwerbsausstiegsprozesse nach der Wiedervereinigung. Zunächst wird dabei der ostspezifische Flexibilisierungsprozess für die Möglichkeit einer Frührente schon vor Erreichen des gesetzlich festgelegten Rentenalters erläutert. Im nächsten Schritt wird anhand einer empirischen Studie von Sandra Buchholz die Entwicklung der Alterserwerbstätigkeit und Altersarbeitslosigkeit in Ostdeutschland aufgezeigt. Es werden dabei zwei Kohorten, zum einen unmittelbar nach der Wende, zum anderen nach 1992, analysiert. Die Arbeit schließt mit einem Fazit.
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2. Der ostdeutsche Arbeitsmarkt im Wandel
2.3 Der Arbeitsmarkt der DDR
Im Gegensatz zur BRD gab es in der DDR keine nennenswerte selektive Arbeitsmarktpolitik. Dennoch war eine zentralgelenkte, imperative Steuerung von Arbeitskräfteangebot und nachfrage wesentlicher Bestandteil der Planwirtschaft. Es war Teil dieser Wirtschaftsform, eine maximale Mobilisierung von Arbeitskräften und eine Vollbeschäftigung zu erreichen (Schmidt 2003: 2). So war die Erwerbsquote der DDR bis zum Zusammenbruch des Regimes insgesamt sehr hoch. Im Jahre 1989/1990 lag die Erwerbsquote in Bezug auf die Wohnbevölkerung im erwerbsfähigen Alter in Ostdeutschland bei fast 90 % (Cséfalvay 1997: 110). Das in der Verfassung fixierte Recht auf Arbeit führte zu einer nahezu kompletten Vollbeschäftigung, bei der es kaum Formen struktureller oder öffentlich verwalteter Arbeitslosigkeit gab (Ernst 1995: 203). Dass die Erwerbsbeteiligung in der DDR stark über dem Niveau der BRD lag, hängt vor allem von zwei Unterschieden ab: Zum einen lag die Arbeitsmarktbeteiligung der Frauen im Osten deutlich über der Rate im Westen. In der DDR war die Erwerbsbeteiligung der Frauen fast identisch mit der der Männer. Zum anderen war die Arbeitsmarktbeteiligung im Alter im Osten höher als im Westen, da die Übergänge in die Rente deutlich später stattfanden (Kholi 1994: 96f). Dieses Phänomen wird in Kapitel 2.3 noch genauer analysiert.
Die Wirtschaft der DDR war planwirtschaftlich mit Fünfjahresplänen organisiert. Seitdem die Kollektivierung der Betriebe in den 1960er Jahren abgeschlossen war, lag der wirtschaftliche Schwerpunkt der DDR auf Produktion. Im sozialistischen Regime der DDR stagnierte der strukturelle Wandel nach den 1960er Jahren vollkommen, während im Westen schon in den 1970er Jahren der Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft einsetzte. Bis zur Wende 1989 war der ostdeutsche Arbeitsmarkt gekennzeichnet durch: 1. einen noch immer sehr stark ausgeprägten primären Sektor, 2. eine Überindustrialisierung, 3. einen starken Tertiärisierungsrückstand (Buchholz 2007 :135). Durch den Fokus auf die Produktion, gerade im Maschinenbau, dem Bergbau, der Chemiebranche und dem übrigen verarbeitenden Gewerbe, wurde der sektorale Wandel und die wirtschaftlichen Strukturen veralteten mit fortschreitender Zeit. Nach dem Zusammenbruch des DDR-Regimes mussten allerdings große Teile der Produktion stillgelegt werden, da die meisten der ehemals sozialistischen Unternehmen in ihren Produktionsstrukturen veraltet waren. Dem weltweiten Wettbewerb, dem sie mit der
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Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion (WWS) ausgesetzt waren, waren sie nicht gewachsen (Heise 1994: 13).
2.2. Folgen der Wiedervereinigung für den ostdeutschen Arbeitsmarkt
Mit der Wiedervereinigung begann die wirtschaftliche Transformation Ostdeutschlands, was mit einer tiefen Anpassungskrise einherging (Buchholz 2007: 135). Es kam zu massiven und v.a. rapiden Modernisierungsprozessen. Der strukturelle Wandel, der seit Jahrzehnten stagnierte, wurde innerhalb von nur zwei Jahren nach der Wiedervereinigung aufgeholt. Man kann davon ausgehen, dass eine sektorale Angleichung an Westdeutschland bis Ende 1992 vollzogen wurde (Buchholz 2007: 135). Im Jahre 1989 fielen 43% der Erwerbstätigen auf den tertiären Sektor während 1994 dieser Anteil schon bei 60% lag, was die Umschichtung der Beschäftigten verdeutlicht. Der Zuwachs im tertiären Sektor lief dabei vor dem Hintergrund einer drastischen Deindustrialisierung ab (Cséfalvay 1997: 125). Neben dem sich schnell vollziehenden Wandel von der Produktions- zur Dienstleistungsgesellschaft auf der einen Seite, kam es zum Abbau der Überbeschäftigung auf der anderen Seite. Trotz umfangreicher Investitionshilfen und des flächendeckenden Einsatzes arbeitsmarktpolitischer Instrumente war bis Mitte 1992 seit dem Zusammenbruch des Plan-Regimes ungefähr jeder dritte Arbeitsplatz weggefallen (Koller 1994: 67). Soziale Überlegungen sprechen für einen Erhalt des Arbeitsplatzes, doch die Wettbewerbsfähigkeit
Insgesamt ging die
Erwerbstätigkeit im Rahmen des Abbaus der Überbeschäftigung also stark zurück. Das Entlassungsrisiko betraf aber nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen. Welche Bereiche besonders betroffen waren, hängt mit dem Modernisierungsprozess und dem sektoralen Wandel zusammen.
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Arbeit zitieren:
2009, Die Transformation des Arbeitsmarktes in Ostdeutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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