Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1. Das Vorgespräch 2
2. Philosophieren heißt Sterben 2
3. Der erste und zweite Beweis 4
4. Der dritte Beweis und das Schicksal der Seelen 5
5. Einwände von Simmias und Kebes 7
6. Der vierte Beweis 8
7. Mythos über das Schicksal der Seelen 9
Schluss 11
Literaturverzeichnis I
1
Einleitung
Was ist die Seele? Existiert sie? Ist sie Materie oder etwas Übersinnliches? Das sind Fragen, die so alt sind, wie die Menschheit selbst. Unzählige haben versucht diese Fragen zu beantworten und viele waren der Meinung, dieses getan zu haben. Tatsache ist, dass es nie eine absolut geltende Antwort dafür geben wird. In dieser Arbeit setze ich mich mit der Frage auseinander, ob die Seele unsterblich und etwas ewiges ist und beziehe mich dabei auf Platons Werk Phaidon. Darin beschreibt ein fiktiver Sokrates am Tag seiner Hinrichtung, inwieweit die Seele bzw. der Geist unsterblich sein müsse und wie er sich ihre Existenz nach dem Tod vorstellt. Sein Todesurteil wird durch das Trinken von Gift vollstreckt. Was von dem Gedankengut dem historischen Sokrates anzurechnen ist und was dem Platonischen, ist bis heute umstritten. 1 Auch inwieweit das Erklärte historisch korrekte Fakten sind, ist ungewiss. Das Gespräch, das er mit den Anwesenden führt, ist dabei Bestandteil eines Dialoges zwischen Phaidon, der am Tag der Hinrichtung einer der Anwesenden war, und Echekrates. Phaidon berichtet Echekrates das Gespräch dabei auch in Dialogform. Sozusagen ist die Haupthandlung ein Dialog im Dialog. Die beiden entscheidenden Gesprächspartner von Sokrates sind dabei Simmias und Kebes, die mit ihren Einwürfen und Zweifeln die Meinung und Ansichten, der derzeitigen Masse der Philosophen widerspiegeln. Der Ort, an dem die Debatte stattfindet, ist durchgehend der Kerkerraum, in dem Sokrates gefangen gehalten wird.
Sehr wichtig für meine Untersuchung sind die vier Hauptbeweise, die Sokrates aufstellt, um die Unsterblichkeit der Seele aufzuzeigen. Ich werde versuchen zu klären, ob seine Beschreibungen schlüssig und verständlich sind. Im Anschluss an die ausführliche Darlegung seines Weges werde ich erläutern, inwieweit er es geschafft hat, die Unsterblichkeit zu beweisen und wo Kritik zu üben ist.
1 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Platonischer_Dialog.
2
1. Das Vorgespräch
Bevor die Untersuchung von Sokrates über die Unsterblichkeit der Seele in den Vordergrund rückt, beginnt das Buch mit der Frage von Echekrates an Phaidon, ob dieser bei der Hinrichtung von Sokrates anwesend gewesen sei. Nachdem Phaidon das bestätigt hat, wird er gebeten davon zu erzählen. Echekrates wundert sich, dass zwischen der Verurteilung und der Hinrichtung ein ungewöhnlich großer Zeitraum lag, doch ihm wird erklärt, dass zufälligerweise gleichzeitig ein traditionelles Fest stattfand, an dem es untersagt ist, vom Staatsweg her jemanden zu töten. 2 Phaidon berichtet, wer an dem Tag alles anwesend war. Er nennt Namen wie Kriton und Apollodoros bis hin zu Terpsion. Doch wie schon erwähnt, sind die wichtigen Dialogpartner Simmias und Kebes. Kriton hat auch einen Gesprächsanteil, der aber nur sehr gering ist. Phaidon meint, es sei eine verwunderliche Stimmung gewesen, eine Mischung aus Trauer und Freude, weil Sokrates in keiner Weise betrübt zu sein schien, sondern eher „glückselig“. 3 Nachdem Phaidon kurz erzählt, wie er und die anderen an dem Morgen der Hinrichtung das Gefängis betraten und Xanthippe, Sokrates Frau, mit seinem Sohn aus dem Raum geführt wurde, beginnt er einen eigentlichen Monolog bzw. Bericht, in dem er Echekraktes das Gespräch von Sokrates und den anderen wiedergibt.
2. Philosophieren heißt Sterben
Nach einer kurzen Erzählung über die zwangsläufige Verbindung vom Angenehmen und dem Unangenehmen, die als untrennbar betrachtet werden soll, fragt Kebes Sokrates, warum er die letzten Tage Gedichte geschrieben habe und ob er etwas damit bezwecken wolle. Sokrates meint, sein Antrieb dafür sei ein Traum gewesen, in dem ihm befohlen wurde, Musik zu machen. Musikmachen und Dichten sind dabei höchstwahrscheinlich gleichbedeutend. Er wolle damit niemandem schaden, auch nicht Euenos, der „wohlleben“ 4 und wenn er klug sei, ihm in den Tod „nachkommen“ 4 solle. Auf diese Äußerung reagieren die Anwesenden verwundert und empört. Sie verstehen nicht, warum es gut sein soll, wenn Euenos stirbt. Doch nach der Ansicht von Sokrates
2 Vgl. Platon, Phaidon (2006), S.109 f. St.58a-c.
3 Ebd., S.110 St.58e.
4 Ebd., S.114 St.61b.
3
ist es wahrhaft philosophisch, sterben zu wollen. Selbstmord ist dabei aber ausgeschlossen. Dies erklärt er mit Hilfe einer Analogie, in der er die Beziehung der Götter zu den Menschen mit der Beziehung von den Menschen zu ihren Nutztieren vergleicht. Die Götter sind unerfreut, wenn ein Mensch sich selbst das Leben nimmt, so wie ein Schafhirte unerfreut darüber wäre, wenn eines seiner Schafe sich töten würde. Deshalb ist Suizid unrecht und wird von den Göttern betraft. Vor allem Kebes und Simmias haben damit Probleme, einzusehen, warum es wahrhaft philosophisch sein soll, sich nach dem Ableben zu sehnen. Ihrer Ansicht nach ist es unvernünftig, aus der Obhut und Pflege der Götter in die Freiheit entfliehen zu wollen. 5 Sokrates verteidigt sich damit, dass auch nach dem Tod keine Freiheit bestehe, sondern er hofft zu Göttern zu kommen, „die ganz vortreffliche Herren sind“ 6 . Dafür ist es zwangsläufig nötig, dass die Seele länger existiert als der Körper. Für ihn ist zu sterben das Einzige, wonach ein wahrhafter Philosoph streben sollte. Der Tod wird als Absonderung der Seele vom Körper bezeichnet. Also erstrebt ein wahrhaft philosophischer Mensch diese Trennung vom Leib. Auf diese Weise muss man dann auch sein Leben einrichten. Und zwar so, dass man nur die nötigsten Begierden befriedigt, die für das eigene Überleben notwendig sind, wie Hunger und Durst. Andere Gelüste werden nicht angestrebt. Sokrates nennt dafür als Beispiele den Sexualtrieb oder das Verlangen nach schönen Kleidern. 7
Die Wahrheit, das Schöne und das Gute, das wonach man streben soll, sind nicht mittels körperlicher Sinne erkennbar, sondern nur durch die Seele. Der Leib ist eher ein störendes Anhängsel. Das heißt, dass wenn man eine Untersuchung nur durch Denken durchführt, kommt man zum besten und genausten Ergebnis. Aber da der Körper die Seele ablenkt, ist es erst nach dem Tod möglich, sich in reines Denken zu vertiefen. Somit heißt, nach Sokrates, Philosphieren Sterben. Und danach soll ein wahrhafter Philosoph streben, nämlich keine Angst vor dem Sterben zu haben, sondern sich nach ihm zu sehnen. Die erste Frage, warum Sokrates keine Angst vor dem Tod habe und man, seiner Meinung, sogar danach streben soll, scheint damit beantwortet. Als nächstes unterscheidet er, welche Tugenden in einem Philosophen zu finden sind, und welche in anderen Menschen. Für ihn stehen dabei die vier Kardinaltugenden
5 Vgl. Platon, Phaidon (2006), S.115 St.62d-e.
6 Ebd., S.116 St.63c.
7 Vgl. ebd., S.118 St.64d.
Arbeit zitieren:
Mario Lange, 2010, Die Unsterblichkeit der Seele in Platons Phaidon, München, GRIN Verlag GmbH
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