Zusammenfassung
Gegenstand der hier vorgestellten Arbeit ist die Untersuchung von pädagogischen Aspekten im Kinderfußball am Beispiel der Football Academy Germany (F.A.G). Hintergrund ist die Fragestellung, ob sich anhand der Trainingsgestaltung und der Vermittlung von Werten wie Disziplin, Fairness, Selbstständigkeit, Verantwortung und Teamfähigkeit die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen berücksichtigt und gefördert wird.
Dazu wird zunächst beschrieben, welche wesentlichen pädagogischen Grundlagen im Kinderfußball für einen Trainer wichtig sind und welche Möglichkeiten der Fußball zur Persönlichkeitsentwicklung bei Kindern bietet. Um herauszufinden, ob Kinder und Jugendliche bei der F.A.G nicht nur sportlich, sondern auch ganzheitlich gefördert werden, wurde ein Fragebogen entwickelt, der bezüglich des Aufbaus und im Hinblick auf die Fragenformulierung für, die Kinder und die Trainer gleich war und aus standardisierten geschlossenen Fragen bestand.
Diese Arbeit soll nachweisen, ob und welche pädagogischen Aspekte durch die Trainer der F.A.G berücksichtigt werden, um Kinder und Jugendliche bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen. Außerdem sollen pädagogische Aspekte im Kinder- und Jugendfußballtraining aufgedeckt werden. Gleichzeitig soll verdeutlicht werden wie essentiell pädagogische Fähigkeiten eines Trainers bzw. Ausbilders sind, um Kindern und Jugendlichen eine optimale sportliche und ganzheitliche persönliche Entwicklung zu bieten.
Summary
Object of this Bachelor Thesis is the investigation of the educational aspects of youth football training referring to the Football Academy Germany (F.A.G). The question is, whether the type of training and its intervention of values like discipline, fairness, independency, responsibility and team ability will positively influence the children’s self- development referring to these aspects.
Firstly the focus will be set on the essential qualities a coach must provide in order to describe the interventional possibilities of football training. To achieve a detailed analysis of the children’s athletic and all-over integrated encouragement a form was developed, equal in its standard closed questions, addressed to the children and the coaches.
This Bachelor Thesis not only gives proof of the educational aspects the coaches of the F.A.G consider supporting children with their self-development, it also overviews the essential aspects youth training should provide to positively influence their athletic and integrated encouragement to an optimum. It shows how essential educational aspects are for an effective training, including athletic and personal considerations.
Vorwort
Die vorliegende Bachelor Arbeit entstand im Zeitraum von Juni bis August 2010 an der Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Sportwissenschaft, im Arbeitsbereich Sportpädagogik/Sportdidaktik. Das Thema der Arbeit ergab sich aus einer Anregung des wissenschaftlichen Mitarbeiters an der Fakultät für Sportwissenschaft und Doktor der Sportwissenschaft, Herrn Dr. Gerd Thissen, und befasst sich mit den pädagogischen Aspekten im Kinderfußball unter besonderer Berücksichtigung der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen.
Ein Dank gilt Herrn Adam Frytz, Lehrbeauftragter im Sportfach Fußball an der Fakultät für Sportwissenschaft in Bochum, für die wissenschaftliche Betreuung dieser Arbeit.
Des Weiteren geht eine Danksagung an die Gründer der Football Academy Germany, Pablo Yanez-Mejias und Andrei Raducanu, die mich mit Rat und Tat unterstützt haben.
Ein spezieller Dank gilt Frau Nadine Mewes, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Sportpsychologie an der Fakultät für Sportwissenschaft in Bochum, die mich bei der Einarbeitung in die Software SPSS unterstützte.
Dortmund, 19.08.2010 Rexhep Kushutani
I
Verzeichnisse
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung in die Thematik 1
2 Wesentliche Pädagogische Grundlagen im Kinderfußball 4
2.1 Persönlichkeitsentwicklung 7
2.1.1 Disziplin. 9
2.1.2 Fairness 9
2.1.3 Selbstständigkeit 9
2.1.4 Verantwortung 10
2.1.5 Teamfähigkeit 10
3 Fußballschulen 11
3.1 Football Academy Germany. 12
3.2 Training und Trainer. 12
4 Untersuchungsdesign 16
4.1 Systematik dieser Arbeit. 16
4.2 Quantitative Daten. 17
4.3 Die Gestaltung des Fragebogens 18
5 Diskussion und Ergebnisse 19
5.1 Rücklauf von Fragebögen. 19
5.2 Allgemeine Häufigkeiten. 19
5.3 Ergebnisse. 21
5.3.1 Disziplin - Auswertung. 21
5.3.2 Fairness - Auswertung 23
5.3.3 Selbstständigkeit - Auswertung 25
5.3.4 Verantwortung - Auswertung 28
5.3.5 Teamfähigkeit - Auswertung 30
6 Fazit. 32
7 Ausblick 34
8 Literaturverzeichnis. 35
9 Internetquellen. 37
10 Anhang 39
II
Verzeichnisse
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Trainingskonzept der F.A.G 12
Abb. 2: Alter der Kinder 20
Abb. 3: Alter der Trainer 20
Abb. 4: Frage-Item: „die Kinder legen großen Wert darauf, sich bei seinem Mitspieler nach einem
Foul zu entschuldigen“ 23
Abb. 5: Frage-Item: „ich lobe die Kinder der F.A.G nach guten Aktionen“ 26
Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Häufigkeiten, Disziplin Trainer 21
Tab. 2: Häufigkeiten, Disziplin Kinder. 22
Tab. 3: Frage-Item: „die F.A.G-Trainer sind selbst diszipliniert“ 22
Tab. 4: Häufigkeiten, Fairness Trainer 23
Tab. 5: Frage-Item: „ich lege Wert darauf, dass sich ein Spieler bei seinem Mitspieler entschuldigt,
wenn ein Foulspiel passiert“ 24
Tab. 6: Häufigkeiten, Fairness Kinder 24
Tab. 7: Frage-Item: „ich akzeptiere alle Mitspieler der F.A.G“ 25
Tab. 8: Frage-Item: „ich entschuldige mich bei meinem Mitspieler wenn ich ihn gefoult habe“ 25
Tab. 9: Häufigkeiten, Selbstständigkeit Trainer 25
Tab. 10: Frage-Item: „Kinder holen Bälle, Hüttchen, Leibchen usw. aus der Kabine“ 26
Tab. 11: Frage-Item: „Kinder räumen nach dem Training alle Hüttchen, Bälle, Stangen usw. wieder
in die Kabine ein“ 26
Tab. 12: Häufigkeiten, Verantwortung Kinder 27
Tab. 13: Frage-Item: „ich hole Bälle, Hüttchen, Leibchen usw. aus der Kabine“ 27
Tab. 14: Frage-Item: „ich räume nach dem Training Materialien wieder in die Kabine ein“ 27
Tab. 15: Frage-Item: „die F.A.G-Trainer loben mich nach guten Aktionen“ 27
Tab. 16: Frage-Item: „wenn ich Fehler mache, dann lasse ich den Kopf nicht hängen “ 28
Tab. 17: Frage-Item: „ich habe großes Selbstvertrauen in meine fußballerischen Fähigkeiten“ 28
Tab. 18: Häufigkeiten, Verantwortung Trainer. 28
Tab 19: Frage-Item: „die Kinder der F A G helfen Mitspielern, wenn sie Probleme haben“ 29
III
Verzeichnisse
Tab. 20: Zusammenfassung, Verantwortung Kinder 29
Tab. 21: Frage-Item: „ich räume nach dem Training Materialien in die Kabine ein“ 29
Tab. 22: Frage-Item: „ich komme gut vorbereitet zum F.A.G-Training“ 29
Tab. 23: Frage-Item: „ich lege großen Wert auf Gemeinschaft“ 30
Tab. 24: Frage-Item: „die Kinder der F.A.G sind kommunikationsfähiger geworden“ 30
Tab. 25: Frage-Item: „die Kinder der F.A.G sind“ 30
Tab. 26: Häufigkeiten, Teamfähigkeit Trainer 30
Tab. 27: Häufigkeiten, Teamfähigkeit Kinder 31
Tab. 28: Frage-Item: „ich bin kommunikationsfähiger geworden“ 31
Tab 29: Frage-Item: „die F A G-Trainer legen großen Wert auf Gemeinschaft“ 31
Einführung in die Thematik
1 Einführung in die Thematik
Fußball zählt zu den populärsten Sportarten der Welt. Laut einer durchgeführten Untersuchung der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) spielen 265 Millionen Menschen weltweit Fußball 1 . Ein unglaublicher Wert, der verdeutlicht was die Sportart Fußball für einen besonderen Stellenwert hat. In Deutschland spielen laut der FIFA über 16 Millionen Menschen Fußball 2 . Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bildet mit knapp 6,7 Millionen Mitgliedern 3 den größten Verband innerhalb des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB 4 ). Besonders im Kinder- und Jugendbereich konnte der DFB viele neue Mitglieder gewinnen, was laut dem Vertreter der sportlichen Leitung des Jugend- und Talentförderbereichs, Matthias Sammer, in hohem Maße auf das Sommermärchen 5 im eigenen Lande zurückzuführen ist. Speziell die Jugend, die von der Talentförderung im Fußball profitiert, übt diesen Sport mit großer Begeisterung aus. Brinkhoff (1998) führt in seiner Untersuchung zum Sportverhalten von Kindern und Jugendlichen 6 an, dass knapp die Hälfte (46,6%) der männlichen Kinder in ihrer Freizeit 7 Fußball spielen. Fußball verbindet und fördert wie kaum eine andere Sportart wichtige zwischenmenschliche und soziale Aspekte, gerade im Kinder- und Jugendbereich. Auf die Frage, ob der Fußball Sozialarbeit leistet, antwortet der DFB-Präsident Theo Zwanziger:
„Ja, und zwar zunehmend mehr […] wir brauchen sozialpädagogische Kompetenz bei unseren meist ehrenamtlichen Übungsleitern und Trainern […] dass hier das Potenzial ist, bei dem man durch gute pädagogische Arbeit Konfliktminimierung betreiben kann“ 8 .
Im Zusammenhang sozialpädagogischer Maßnahmen der Konfliktminimierung, wie in der Jugendarbeit schlechthin, gewinnen körper- und bewegungsbezogene Konzepte zunehmend an Bedeutung (Zimmer, 1998). Deshalb ist es wichtig, dass in erster Linie die Sportvereine 910 Kindern eine Plattform bieten, in der sie sich sowohl sportlich als auch persönlich weiterentwickeln können und Unterstützung und Rückhalt erhalten. Natürlich sollen nicht nur
1 http://de.fifa.com/worldfootball/bigcount/index.html Letzter Zugriff 25.5.2010
2 http://de.fifa.com/associations/association=ger/countryInfo.html Letzter Zugriff am 25.5.2010
3 http://www.dfb.de/index.php?id=11015 Letzter Zugriff am 25.5.2010
4 Der DOSB wurde 2006 durch den Zusammenschluss des Deutschen Sportbundes (DSB) und des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) gegründet und ist mit 27,5 Millionen Mitgliedschaften in 91.000 Turn- und Sportvereinen die größte Personenvereinigung Deutschlands (www.dosb.de).
5 Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland wurde von den Medien nach dem guten Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft als Sommermärchen genannt
6 Diese Arbeit beschäftigt sich mit Kinder- und Jugendfußball. Wenn im weiteren Verlauf der Arbeit zumeist auf den Gebrauch von „Jugend“, „Jugendliche“ usw. verzichtet wird, so geschieht das, um den Lesefluss nicht zu behindern.
7 Als Freizeit bezeichnet Brinkhoff (1998) jene Zeit, die nicht in der Schule oder im Sportverein verbracht wird.
8 http://www.derwesten.de/sport/fussball/Zwanziger-Loew-soll-nach-der-WM-im-Amt-bleiben-id3031079.html Letzter Zugriff am 26.05.2010
9 Sport im Verein ist die älteste, häufigste und verbreitetste Organisationsform in Deutschland (Jütting, 2007) 10 Laut Bestandserhebungen des DOSB waren ihm im Jahr 2009 knapp 25.750 Fußballvereine angeschlossen, die mit ca. 176.000 Mannschaften am Spielbetrieb teilnahmen.
Einführung in die Thematik
Sportvereine die Persönlichkeitsentwicklung 11 von jungen Menschen unterstützen, auch Fußballschulen 12 müssen dies als wichtige Aufgabe erkennen und versuchen dies umzusetzen (www.kinderstarkmachen.de). So möchte die Football Academy Germany (F.A.G) 13 auch ihren Beitrag dazu leisten Kinder „von der Straße“ zu holen und ihnen nicht nur eine sportliche, sondern auch eine ganzheitliche Entwicklung zu ermöglichen.
Die Football Academy Germany ist eine Fußballschule, die ein ganzjähriges vereinsergänzendes Fußballtraining an verschiedenen Standorten anbietet (siehe Kapitel 3).
In der heutigen Zeit ist es wichtiger denn je, dass Kinder sich bewegen um ihren Bewegungsdrang voll entfalten zu können. Angesichts ihrer physischen Entwicklung spielen Sport und Bewegung eine entscheidende Rolle. Doch zu oft unterliegen sie in der heutigen Gesellschaft mehr und mehr Bewegungsmängeln, bedingt durch falsche Erziehung, Freundeskreis oder mediale Ablenkungen. Diese Faktoren verhindern, dass Kinder ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben (Peter & Bode, 2007). Untersuchungen zufolge sitzen „[…] manche Kinder bis zu 30 Stunden pro Woche vor dem Fernseher“ 14 . So erfahren Kinder einen sukzessiven Verlust an Kreativität, Eigenständigkeit, Spielfreude und Spaß am Sport. Laut Peter & Bode (2007) haben daraus resultierend 30 bis 35% der Kinder Übergewicht. Dieser Bewegungsmangel wird von den Eltern verstärkt, indem sie die Kinder selbst bei kurzer Entfernung bis „auf den Platz“ mit dem Fahrzeug fahren und sie natürlich auch wieder abholen.
„Das Kind ist kein Miniaturerwachsener, und seine Mentalität ist nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ von der des Erwachsenen verschieden, so dass ein Kind nicht nur kleiner, sondern anders ist“ 15 .
Dem Zitat von Claparéde 16 zufolge ist es wichtig, dass Kinder sowohl altersspezifisch als auch altersgerecht trainiert werden um eine optimale und individuelle Entwicklung zu fördern (Weineck, 2007). Zudem sollen sie ein entwicklungsgemäßes Kindertraining durch Übungsleiter/Trainer mit pädagogisch-psychologischen Qualifikationen und Fähigkeiten sowie fachlicher Kompetenz erwerben. Denn nicht nur die sportliche, sondern auch die persönliche Entwicklung der Kinder soll und muss eine wesentliche Rolle spielen.
Persönlichkeit und Persönlichkeitsentwicklung tauchen im Sprachgebrauch des Fußballs immer mehr auf. Der DFB beschäftigt sich laut Dr. Theo Zwanziger intensiv mit dem Thema Persönlichkeitsentwicklung und sieht es als Kernpunkt der Ausbildung des DFB 17 .
11 Eine genauere Beschreibung von Persönlichkeitsentwicklung folgt im Kapitel 2
12 Eine genauere Beschreibung von Fußballschulen folgt im Kapitel 3
13 Eine genauere Beschreibung von der Football Academy Germany folgt im Kapitel 3
14 Peter & Bode. 2007. S.12
15 Weineck. 2007. S.169
16 Claparède, Edouard (1873-1940) war ein Schweizer Kinderpsychologe und Vertreter der experimentellen Pädagogik (www.psychologie48.com) Letzter Zugriff 23.06.2010
17 http://www.bdfl.de/assets/files/pdfDokumente/ITK_2009/ITK09_S1_5.pdf Letzter Zugriff 26.5.2010
Einführung in die Thematik
Dass das Thema wichtig ist konnte man bei dem Internationalen Trainer-Kongress 18 (ITK) 2009 vom Bund Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL) sehen. Dort war die Persönlichkeitsentwicklung das Hauptthema, zu dem sich verschiedene hochrangige Fachleute äußerten. Der Fußball bietet Handlungsfelder und Chancen zur Persönlichkeitsentwicklung, die ein Trainer/Übungsleiter erkennen und nutzen muss. Das Ziel ist also eine ganzheitliche, sportliche und persönlichkeitsbildende Ausbildung für Kinder. Der Fußball als Mannschafts-sportart bietet einen Ansatz zur frühen Bildung und Ausprägung sozialer Kompetenzen bei Kindern (Fussballtraining, 2009/1+2).
Diese Aussagen zur Philosophie des Kinderfußballs machen deutlich, was ein verantwortungsvoller Jugendtrainer an Qualifikationen mitbringen muss, um Kinder nicht nur sportlich, sondern auch ganzheitlich auszubilden. Was jedoch sind die wesentlichen Aufgaben, die ein Trainer allgemein und im speziellen bei der F.A.G beachten muss? Dass die Kinder dort wichtige technisch-taktische und konditionelle Fähigkeiten erlernen steht außer Frage. Ist die F.A.G aber in der Lage Kinder ganzheitlich auszubilden? Durch welche pädagogischen Aspekte wird die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder durch das Training bzw. die Trainer der F.A.G in Bezug auf das kindgerechte Fußballtraining bzw. die Trainingsgestaltung beeinflusst, gesteuert, gefördert und weiterentwickelt? Sind die Trainer der F.A.G mit pädagogisch-psychologischen Qualifikationen und Fähigkeiten sowie mit der nötigen fachlichen Kompetenz ausgestattet und unterstützen die Kinder bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung? Diese Fragen sollen in der folgenden Arbeit herausgearbeitet und dargestellt werden.
Zunächst werden wesentliche pädagogische Grundlagen im Kinderfußball ausgearbeitet und der komplexe Begriff „Persönlichkeitsentwicklung“ dargestellt. Anschließend wird ein Einblick in die Arbeitsweise der F.A.G gewährt.
Als Grundlage dieser Arbeit fungieren unter anderem „Fussball von Morgen Band 1, Kinderfussball“ von Ralf Peter und Gerd Bode und „Kinderspielwelt und Kinderfussball“ von Gerd Thissen, sowie die Schriftenreihe „Fussballtraining“ und Dokumentationen vom Internationalen Trainer-Kongress vom Bund Deutscher Fußball-Lehrer 2009 (Titel: Möglichkeiten und Grenzen der Persönlichkeitsentwicklung im Fussball).
18 Jährlich veranstaltet der BDFL (Bund Deutscher Fussball-Lehrer) in seinen acht Verbandsgruppen rund 30 Fortbildungstagungen sowie einen Internationalen Trainer-Kongress (ITK). (www.bdfl.de) Letzter Zugriff 27.6.2010
Wesentliche Pädagogische Grundlagen im Kinderfußball
2 Wesentliche Pädagogische Grundlagen im Kinderfußball
Für gewöhnlich sind im Sport die motorischen Hauptbeanspruchungsformen 19 wie Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit (Koordination) für Trainer und Spieler offensichtlich mehr im Focus als pädagogische Aspekte. Allerdings lässt sich eine lange, historische Tradition 20 aufzeigen, in denen die Verbindung bzw. der Zusammenhang von leiblichkörperlicher und allgemeiner Erziehung thematisiert wurde und nicht unbedeutend ist (Meinberg, 1996). Nach Weineck (2007) stellen motorische Hauptbeanspruchungsformen zentrale Leistungsvoraussetzungen für das Umsetzen von körperlich-sportlichen Bewegungs-handlungen dar. Um die konditionellen und koordinativen Fähigkeiten entsprechend auszuprägen sind in Übungs- und Trainingsprozessen wesentliche pädagogische Grundlagen zu beachten, so der Autor.
Der Begriff Pädagogik kommt aus dem Griechischen und bedeutet anleiten, führen oder erziehen. Das heißt, Pädagogik beschäftigt sich mit dem erzieherischen 21 Handeln. Welche wesentlichen pädagogischen Grundlagen müssen aber im Kinderfußball beachtet werden, um Kindern eine gute sportliche, aber auch eine ganzheitliche Entwicklung zu ermöglichen?
Aus Erfahrungen möchte der Autor darauf hinweisen, dass Kinderfußball ganz anders ist, als viele Erwachsene denken. Auch Gerd Thissen, Doktor der Sportwissenschaft und unter anderem Dozent in der Fußball-Lehrer-Ausbildung an der Hennes-Weisweiler Akademie des DFB 22 , spricht vom Kinderfußball, „[…] der auf Vereinsebene praktiziert wird […]“ und „[…] eine Kopie des Erwachsenenfußballs bzw. eine reduzierte Form des Erwachsenenfußballs […]“ 23 darstellt. Gerade im Kinderfußball gilt es, die spezifischen Eigenschaften und Charakteristika der jeweiligen Entwicklungsstufe zu berücksichtigen, die Merkmale der einzelnen Entwicklungsphasen 24 zu kennen und dementsprechend das Training zu gestalten (Bischops & Gerards, 2004).
19 Nach Weineck (2007) lassen sich motorische Hauptbeanspruchungsformen in vereinfachter und schematisierter Form in konditionelle und koordinative Fähigkeiten unterteilen.
20 Als Vorläufer beschäftigten sich Philosophen wie Platon, Rousseau, Humboldt oder Pestalozzi mit Erziehung durch Sport. Im 19. Jahrhundert bildete Jahn durch Turnen den nationalen Charakter und nach 1945 war das Ziel der Leibeserziehung die Bildung des ganzen Menschen. (Meinberg, 1996)
21 „Erziehung ist der Prozess der zielgerichteten Beeinflussung zu einem als wertvoll erkannten Verhalten“ (Beckers (2008), Skript, Einführung in die Sportpädagogik).
22 Seit 2005 führt der DFB die Fußball-Lehrer-Ausbildung an der Hennes-Weisweiler-Akademie. Die Fußball-Lehrer-Lizenz (höchste Trainerlizenzstufe des DFB) richtet sich an Trainerinnen und Trainer, die die Ausbildungsstufen bis zum Erwerb der A-Lizenz bereits absolviert und zudem ausreichend praktische Erfahrung gesammelt haben. Neben Fußball-Theorie und Fußball-Praxis stehen Methodik, Pädagogik, Sportmedizin, Psychologie oder Trainingslehre auf dem Stundenplan. Praktika in Vereinen sowie eine theoretische und praktische Abschlussprüfung schließen die Ausbildung zum Fußball-Lehrer/zur Fußball-Lehrerin ab. (www.dshs-koeln.de) Letzter Zugriff 09.07.2010
23 Thissen, 2009, S.138
24 Die Entwicklung eines Kindes ist kein lineares Durchlaufen und Heranwachsen. Es gibt Phasen, in denen das Wachstum und die Reifung größere Fortschritte machen, und Phasen, in denen die Entwicklung stagniert. Zudem verlaufen die Phasen individuell verschieden, sodass sie bei dem einen Kind früher ansetzen als bei dem anderen (Bischops & Gerards, 2004).
Wesentliche Pädagogische Grundlagen im Kinderfußball
Wenn man heutzutage Trainer oder Übungsleiter von Kinderfußballmannschaften nach ihren persönlichen Zielsetzungen mit ihrer Mannschaft befragt, bekommt man eine Reihe von Antworten, wie etwa;
„Ich möchte viele Kinder für den Fußball gewinnen, damit unser Verein weiterbestehen kann“, „Ich will viele Spiele gewinnen und um die Meisterschaft mitspielen“, „Ich möchte in der Talentförderung meinen Beitrag dazu leisten“ oder „Ich möchte Kindern viel Spaß und Freude am Sport, insbesondere am Fußball vermitteln“ 25
In solchen und ähnlichen Aussagen wird es deutlich, welche unterschiedlichen Zielsetzungen die Trainer haben. Oft haben sie leistungsorientierte Beweggründe, die mit ihrem Stellenwert im Verein zusammenhängen. Ein großer Fehler wird von der Vereinsführung gemacht, die ihre Jugendtrainer zu oft daran misst, ob sie mit ihrer Mannschaft erfolgreich sind, viele Spiele gewinnen oder Meister in ihren Ligen werden (Thissen, 2009). Hinzu kommen Eltern, die ihr Kind als Sieger sehen möchten. Jugendtrainer, die Kinder nicht nur sportlich, sondern auch persönlich fördern und weiterentwickeln möchten, haben einen schweren Stand, da sie eher selten auf der Wunschliste von Verantwortlichen eines Vereins stehen. Sie nehmen den Spitzensport als Vorbild und möchten dessen Vorstellungen und Maßstäbe 1:1 auf den Kinderfußball übertragen. Erwachsenenfußball, besonders im Spitzensport ist erfolgsorientiert und darf im Kinderfußball nicht Leitlinie und Zielperspektive sein, weil ein erfolgsorientierter Kindersport die Ursache für viele Fehlentwicklungen ist. Viele Spieler, die als sogenannte Frühentwickler bereits bei den E- und D-Junioren sehr gute Leistungen liefern, erreichen in älteren Jahrgängen nicht ihre individuell mögliche Höchstleistung (Peter & Bode, 2007). Für einen Jugendfußballtrainer sind pädagogische Kenntnisse enorm wichtig, um Kinder verantwortungsvoll über das Training und das Spiel hinaus zu betreuen. Kinderfußballtrainer müssen wissen, dass alle Kinder gleich wichtig sind und ihnen ein positives und angstfreies Klima ermöglicht werden sollte. Denn um Lernen zu können muss ihnen die Möglichkeit gegeben werden Fehler machen zu dürfen, Fragen zu stellen, etwas wagen und sich präsentieren zu können, ohne gleich ausgelacht oder isoliert zu werden, ohne Angst zu haben. Dazu können Trainer beitragen, indem sie ein vertrauensvolles Verhältnis zur Trainingsgruppe aufbauen. Sie müssen die Lebenssituation der Kinder kennen, um sich besser auf ihre Bedürfnisse oder Probleme einzustellen. Des Weiteren sollte, laut Peter und Bode (2007) ein guter Trainer intuitiv spüren, ob Kinder Probleme im Elternhaus, in der Schule oder im Freundeskreis haben, um ihnen helfen zu können. Sehr wichtig ist die eigene Begeisterung für das Fußballspielen, sowie das Vorleben von Disziplin, Fairness etc. Trainer dürfen sich nicht nur als „reine“ Fußballtrainer sehen. Vielmehr sind sie auch Erzieher, Freund und Helfer, Tröster und Schlichter, Mitspieler und Spaßmacher und nicht zu vergessen
25 Peter & Bode, 2007, S.66
Arbeit zitieren:
Rexhep Kushutani, 2010, Pädagogische Aspekte der Trainingsgestaltung im Kinderfußball, München, GRIN Verlag GmbH
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