Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Religion in Alltag und Wissenschaft 6
2.1. Streitbegriff Religion 6
2.1.1. Alltagsbegriff 6
2.1.2. Religion in der Wissenschaft. 7
2.2. Religionssoziologische Überlegungen 9
2.2.1. Entwicklung und Probleme der Religionssoziologie. 10
2.2.1.1. Religionskritik und Säkularisierung. 10
2.2.1.2. Individualisierung und Pluralisierung. 13
2.2.1.3. Klassiker der Religionssoziologie 13
2.2.1.4. Religionssoziologie heute. 15
2.2.2. Soziologische Dimensionen von Religion 17
2.2.2.1. Struktur und Funktion der Religion. 17
2.2.2.2. Religiosität und Lebensführung 19
2.2.3. Ausprägungen von Religion und Religiosität. 20
2.2.3.1. Kirchen, Sekten, Kulte 21
2.2.3.2. Volksfrömmigkeit, Fundamentalismus und New Age 23
2.2.3.3. Zivilreligion und atheistische Religiosität 24
3. Glück und Religiosität. 25
3.1. Lebenseinstellung und ihre Einflussgrößen 25
3.2. Was ist Glück? 26
2
3.2.1. Alltagsbegriff 26
3.2.2. Glücksforschung. 27
3.2.2.1. Wohlfühl-Glück (Flow) 28
3.2.2.2. Glück der Fülle. 29
3.2.2.3. Zufalls-Glück 29
3.2.2.4. Sinnhaftigkeit als Glück 31
3.3. Religiöse Glücksvorstellungen. 32
3.3.1. Glück in den christlichen Religionen 32
3.3.2. Glück in den fernöstlichen Religionen 33
3.3.3. Glück in den islamischen Religionen. 33
3.4. Wissenschaftliche Untersuchungen 34
4. Leben gläubige Menschen glücklicher als „ungläubige“? 37
5. Quellen. 39
5.1. Literaturliste. 39
5.2. Wissenschaftliche Artikel. 42
5.3. Internetquellen. 43
3
1. Einleitung
Religion und Glück (nehmen wir einmal das Geld aus) haben die Menschen seit jeher wie keine anderen Themen beschäftigt. Während die Bedeutung der Religion eher ihren Höhepunkt in der Geschichte hat, gab es zum Thema Glück in der Entwicklung der modernen bzw. postmodernen Gesellschaft einen Zuwachs an Relevanz. Die heutige Erlebnisgesellschaft kennzeichnet sich in höchstem Maße durch das Streben nach dem schnellen Glück. Jeder will auf irgendwelche Weise glücklich sein und sucht unentwegt danach. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich auch die Wissenschaft zunehmend damit beschäftigt.
Es waren zuerst die Wirtschaftswissenschaften, die sich diesem Thema angenommen haben. Die Gesamtheit der Glücksforschung besteht heute neben den Ökonomen aus Biologen, Soziologen und Psychologen 1 .
Auch die schulische Bildung passt sich den gesellschaftlichen Entwicklungen an. Laut einem Artikel der Online-Zeitschrift Focus-Schule 2 gibt es in einem Wirtschaftsgymnasium in Heidelberg seit 2007 erstmals das Schulfach „Glück“, in dem Aspekte wie Selbstbild und Idealbild, seelisches und körperliches Wohlbefinden und Sozialkompetenzen behandelt werden.
Obwohl Religion und Religiosität in diesen Zeiten eher ein Randthema darstellt, hat sich innerhalb der Glücksforschung eine fest etablierte Disziplin entwickelt, die den religiösen Einfluss auf das Glücksempfinden und die Lebenszufriedenheit untersucht. Während der Philosoph und Religionskritiker Karl Marx mit seinem Zitat:
„Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks.“ 3
einen rein negativen Zusammenhang von Glück und Religion feststellt, geht die Glücksforschung von einer unvoreingenommenen Einstellung aus. Vor allem mittels empirischer Untersuchungen versucht man, über eine Verknüpfung beider Variablen Aussagen machen zu können.
Aufgabe dieser Arbeit soll es sein, das Phänomen religiöser Einflüsse auf die Lebenseinstellung unter der Fragestellung „Leben gläubige Menschen glücklicher als
1 Vgl. Heuser & Jungbluth 2007.
2 Vgl. http://www.focus.de.
3 Göbel 1997, S. 108.
4
„ungläubige“?“ aus sozialwissenschaftlicher Perspektive zu erfassen. Dabei steht der Fokus weniger auf quantitativen Studien, vielmehr bilden Theorien aus der Religionssoziologie die Grundlage der wissenschaftlichen Annäherung. So kennzeichnet sich auch die Gliederung der Arbeit. Sie besteht neben der Einleitung aus drei Hauptkapiteln.
Das Kapitel 2 beschäftigt sich mit der Religion in Alltag und Wissenschaft, insbesondere seiner problematischen Semantik und der religionssoziologischen Perspektive im Allgemeinen. Es werden entscheidende gesellschaftliche Veränderungen und verschiedenste Ausprägungen von Religion und Religiosität besprochen, um die relevanten Bedingungen der Fragestellung zu beleuchten.
Nachdem in den ersten Teilen des dritten Kapitels die theoretischen Voraussetzungen über Themen der Lebenseinstellung und des Glücks erarbeitet werden, folgt in den Unterkapiteln 3.3. und 3.4. die Zusammenführung von Glück und Religiosität. Das Kapitel 4 bildet schlussendlich die Auswertung der Arbeit, indem die oben genannte Fragestellung wieder aufgenommen wird. Dabei spielen Erkenntnisse der Religionswissenschaft sowie der Glücksforschung die zentrale Rolle. Die Quellenlage zur Theorie ist eine recht komfortable. Literatur der Religionswissenschaft gibt es zur Genüge, aktuelle Themen und Ergebnisse zur Glücksforschung sind zum Teil auch kostenfrei im Internet erhältlich. Lediglich die Fachartikel, die sich mit der Zusammenführung von Religion und Glück beschäftigen, sind ein wenig rar; zum Teil auch sehr kostenintensiv, was nicht zuletzt auf die gesellschaftliche und ökonomische Relevanz hinweist.
5
2. Religion in Alltag und Wissenschaft
2.1. Streitbegriff Religion
Die Verwendung des Religionsbegriffes geschieht im Allgemeinen ohne tiefergehende Reflexion über dessen Semantik. Obwohl natürlich vielerlei Auffassungen aus dem Alltagsverständnis vorhanden sind, die mit wissenschaftlichen Bedeutungszuschreibungen übereinstimmen, sind letztere vielschichtiger und lassen sich bis heute nicht auf einen Nenner bringen. Gerade die soziologische Betrachtung ist äußerst different, weil es besonders hier oft einen scheinbar unvereinbaren Gegensatz der unterschiedlichen Perspektiven und Ansätze gibt.
Im Folgenden sollen die Religionsbegriffe des Alltags und der Wissenschaft dargestellt und ansatzweise in den jeweiligen Wissensbereich und dessen Verbindung zur Religion und Religiosität eingeführt werden.
2.1.1. Alltagsbegriff
Das Alltagswissen über einen bestimmten Begriff definiert sich immer über die Kultur, in dem dieses Wissen entsteht, gerade weil die Sprache ein wesentlicher Bestandteil einer Kulturgemeinschaft ist. Mit Alltagswissen sind hier die in den Köpfen der Menschen verankerten Bedeutungszuschreibungen gemeint 4 , die in ihren Ursprüngen im Falle der Religion schon vor jeder wissenschaftlichen Betrachtung zu finden sind. Doch diese oben erwähnte Kulturgemeinschaft verfügt nicht automatisch über einen Wissensschatz, der von jedem Individuum gleichsam geteilt wird. Je nachdem, inwieweit ein Mensch mit Religion und damit verbundenen Aspekten verbunden ist, sind die Vorstellungen über diesen „Gegenstand“ mehr oder weniger ausgebildet. Aus diesem Grund finden sich unzählige Charakterisierungen von Religion, Glaube und Religiosität. Zum einen wird Religion mit Übernatürlichem und Überirdischen verbunden. Das heißt, Religion beinhaltet Mysteriöses, Überraschendes und Unbegreifliches; also alles, was unser Verständnis nicht genau fassen kann 5 . Zum anderen steht Religion, oft auch mit
4 Nach Knoblauch 1999, S. 11.
5 Vgl. Weber 1992, S. 411.
6
„Glauben“ gleichgesetzt 6 , stets in enger Verbindung mit einem Gottesbegriff, in welcher Art auch immer. Neben Vorstellungen über die (etwaige) Existenz eines Gottes (Monotheismus) sind auch diese über mehrere Götter (Polytheismus), teilweise eine ganze Götterwelt (Pantheon) zu finden. Das göttliche Moment ist jedoch nicht immer ein zwingender Bestandteil von religiösen Bedeutungszuschreibungen. Ganz im Gegenteil gibt es Vorstellungen, die göttliche Aspekte völlig ausschließen. Bei aller Vielfalt des Alltagswissens werden explizites und implizites Wissen unterschieden 7 . Wobei das explizite Wissen sich ausschließlich auf Kenntnisse über die Religion beschränkt, verbindet implizites Wissen diese Kenntnisse mit (religiösen) Handlungen, in dem das Individuum jene religiöse Praktiken anerkennt und anwendet. Diese Auffassungen sind interessengeleitet und hängen in den meisten Fällen von der Perspektive ab, aus der Religion betrachtet wird. Es spielt also eine entscheidende Rolle, „ob wir (immer natürlich: männliche oder weibliche) „Agnostiker“ oder römischkatholische Gläubige, religiös Desinteressierte oder Protestanten, Atheisten oder praktizierende Juden sind“ 8 .
Auch im wissenschaftlichen Bereich sind das Interesse und die persönliche Überzeugung problematisch. Daher werden die Erkenntnisse der Theologie teilweise mit in den Bereich des Alltagswissens gezählt. Um das Alltagswissen um die Bedeutung von Religion wissenschaftlich zu untersuchen, darf dieses Wissen nicht geteilt werden. Theologen jedoch sind mindestens von einer Konfession überzeugt und ihre Forschungsarbeiten zeichnen sich in vielen Fällen gerade durch diese Charakteristik aus. Aus diesem Grund schlägt Knoblauch für die wissenschaftliche Betrachtung der Religion einen methodologischen Agnostizismus vor, um Forschungsergebnisse nicht durch eine Überzeugung über die Existenz Gottes, aber auch über die Nichtexistenz zu beeinflussen 9 .
2.1.2. Religion in der Wissenschaft
Neben der oben genannten Auffassung gibt es vielerlei gegenteilige Meinungen, wo denn die Theologie zu verorten sei. Nicht nur die Theologen selbst vertreten ihre Disziplin als eine wissenschaftliche. Als Beispiel solch einer Position sei hier folgende Definition genannt: „Theologie ist das reflektierte - wissenschaftliche - Nachdenken über Religion im
6 Vgl. Knoblauch 1999, S 11.
7 Ebd., S. 12.
8 Ebd. S. 12.
9 Ebd. S. 14-16.
7
Allgemeinen und den christlichen Glauben im Besonderen. Beides hat mit uns und der Welt um uns herum zu tun, wie wir sie wahrnehmen, interpretieren und wie wir sie gestalten. Das wiederum ist auch Aufgabe der Wissenschaft“ 10 . Der Hinweis auf z. B. psychologische und soziologische (also wissenschaftliche) Aspekte der theologischen Forschung ist ebenso berechtigt wie der Vorschlag eines methodologischen Agnostizismus. Die Kombination beider Standpunkte wäre die optimale Zusammenführung zweier Extreme: Absolute Normierung und absoluter Positivismus. Neben der Theologie erhebt die Religionswissenschaft als Disziplin den unbestrittenen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Dass in Deutschland beide ihre wissenschaftliche Berechtigung haben, erkennt man an der Ausrichtung der Universitätsfakultäten. Es wird schlicht von den Ländern bestimmt, ob es eine theologische oder religionswissenschaftliche Fakultät an den jeweiligen Universitäten gibt. Die Theologie betrachtet Religion aus Sicht von historischen, systematischen und praktischen Disziplinen 11 . Für eine Thematik, die sich um Religiosität und Lebenseinstellung dreht, sind die systematische Theologie/theologische Ethik und die Praktische Theologie/Religionspsychologie von Interesse. Religionswissenschaft gliedert sich unter anderem in folgende Disziplinen: Religionsphänomenologie, Religionsgeschichte, Religionsethnologie, Religionsphilosophie, Religionspsychologie, Religionssoziologie, Religionsästhetik 12 . Herausragende Rolle für diese Arbeit spielt die Religionssoziologie und wird, wie oben schon erwähnt, durch die Religionspsychologie ergänzt.
Die religionswissenschaftlichen Felder, welche bisher beschrieben wurden, sind einfach offensichtlich. Alles andere als selbstverständlich scheint jedoch die Verbindung von Religion und Medizin.
Besonders die organische Medizin stößt sehr oft an ihre Grenzen, vor allem im Bereich der chronischen Krankheiten. Nach dem Vorbild ganzheitlicher Strömungen in der Medizin wird dem psychischen Aspekt innerhalb von Genesungsprozessen immer mehr Bedeutung zugemessen. „Heil und Heilung“ gilt nicht mehr nur auf spiritueller Ebene, Stichwort Pilgerreisen, sondern wird auch rein wissenschaftlich untersucht. In einem herausragenden Standartwerk, dem „Handbook of Religion and Health“ 13 wird ein Fundus von Studien über den Zusammenhang von Religion und physischer und psychischer Gesundheit
10 http://www.esg-giessen.de/html/theologie___wissenschaft.html.
11 www.uni-saarland.de/fak3/huettenhoff/IEB.doc.
12 http://www.theologie-systematisch.de/religion/4philosophie.htm.
13 Koenig et al. 2001.
8
vorgestellt. Weiterführende Untersuchungen, die speziell eine Verbindung zwischen Religion und Glück erforschen, werden im Kapitel 4.3. näher vorgestellt. Eine andere Forschungsperspektive im Bereich von Religion und Medizin ist die sogenannte Neurotheologie. Sie wurde von dem amerikanischen Theologen James B. Ashbrook im Jahre 1984 mitbegründet. Dabei wird nicht wirklich aus theologischer, vielmehr aus neurowissenschaftlicher Sicht geprüft, wo sich Nachweise für spirituelle und/oder religiöse Erlebnisse und Vorstellungen im menschlichen Körper nachweislich finden lassen. Im Blickpunkt stehen die Gehirnaktivitäten und ihre evolutionären Grundlagen 14 . Die Erkenntnisse der Forschung beständen nach Vaas darin, dass es anscheinend tatsächlich verantwortliche Strukturen für spirituelle/religiöse Erlebnisse gibt und hier vor allem die Schläfenlappen und die Scheitellappen eine übergeordnete Rolle innerhalb der verschiedenen Hirnregionen innehaben. Methodik dieser Untersuchung war die transzerebrale Magnetstimulation (mittels Spezialhelm) von Hirnarealen nach dem Versuch-und-Irrtum-Prinzip 15 .
Neben dem neurologischen gibt es auch einen genetischen Ansatz, nach Religiosität und Spiritualität zu suchen. Einer Zwillingsstudie des Wissenschaftlers Dean Hammer vom National Cancer Institute in Bethesda, Maryland, zufolge soll es so etwas wie ein „Gottes-Gen“ geben. Dabei handelt es sich um das Gen VMAT2, das zumindest für die Ausprägung einer Disposition des Menschen zur Spiritualität verantwortlich sein soll. Fest steht für den Wissenschaftler, dass es eine angeborene Spiritualität, aber keine angeborene Religiosität gibt. Auch sei mit Erkenntnissen der Genetik nichts über die „Wahrheit des Glaubens“ gesagt 16 .
Diese Darstellungen waren lediglich eine Auswahl aus einer weit größeren Vielfalt von Forschungsperspektiven und Untersuchungen. Es sollte jedoch zu erkennen sein, dass Studien über Religion, Religiosität, Spiritualität etc. mit nahezu allen denkbaren Wissensbereichen verknüpft wird.
2.2. Religionssoziologische Überlegungen
Die allgemein bekanntesten Themen der Religionssoziologie sind vor allem die Religionskritik und die Säkularisierungs-Debatte. Kennzeichnend für diese Fachrichtung
14 Vgl. Vaas 2005a, S. 30.
15 Ebd., S. 31-38.
16 Vgl. Vaas 2005b, S. 39-43.
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Arbeit zitieren:
Elisa Kreutzmann, 2008, Leben gläubige Menschen glücklicher als Ungläubige?, München, GRIN Verlag GmbH
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