Die Missionsarbeit der iroschottischen Mönche
1. DIE MISSIONSARBEIT DER IROSCHOTTISCHEN MÖNCHE 1
1.1 DIE IROSCHOTTISCHE MISSIONSKIRCHE 1
1.1.1 Historischer Unterbau: Die Keltische Kultur und Religion 2
1.1.2 Gründungsvater St. Patrick 4
1.1.3 Roms Missionsbewegung in England 4
1.1.4 Besonderheiten und Theologie des irischen Mönchtums 6
1.2 MISSIONIERUNG IM FRANKENLAND UNTER DEN MEROWINGERN DURCH COLUMBAN D. J. 10
2. VERZEICHNISSE 13
2.1 LITERATURVERZEICHNIS 13
2.2 ABBILDUNGSVERZEICHNIS 14
3. ANHANG 15
Gero W Waßweiler
1. Die Missionsarbeit der iroschottischen Mönche 1.1 Die iroschottische Missionskirche
Die Geschichte der iroschottischen Missionskirche ist sehr umfangreich und von Missverständnissen geprägt. Der Übersicht halber sind im Anhang diverse Karten mit geschichtlichen Verläufen zu sehen. Die iroschottische Missionskirche ist hauptsächlich im Zeitraum des 6. bis 8. Jahrhunderts anzusiedeln, wobei Ausläufer auch bis in das 12. Jahrhundert hineinwirken. Anselm Grün sagt in dem Film „Meine Reise zum Leben. Auf den Spuren der irischen Mönche.“ (Rainer Wälde 2010) von ihr: „Wir verdanken in Deutschland den irischen Mönchen unseren Glauben. Die Prägung unseres Glaubens ist auch durch sie bedingt.“ Johannes Heinrich Ebrard hat ihr im 19. Jahrhundert in verschiedenen Schriften bereits knapp 800 Seiten gewidmet. 1 Er war es auch, der den Begriff der „iroschottischen Missionskirche“ prägte. Ein Kunstbegriff, den er einführte, um diese kirchengeschichtlich greifbar zu machen. Er wollte damit auch verdeutlichen, dass sie „nicht blos als eine gelegentlich in die Geschichte anderer Kirchen hereinspielende Erscheinung“ ist. (Ebrard 1873:1, Originalschreibweise) Präziser und weniger weitläufiger und bezeichnender ist für ihn der Begriff der „culdeischen Kirche“ 2 , da sich die Kirche „weit über theile des europ. Festlands ausgedehnt hat“. (:2) In diesem Text werde ich allerdings den Begriff der iroschottischen Kirche nutzen, da dieser inzwischen geläufiger ist und die Herkunft der Bewegung verdeutlicht. 3 Bereits im 4. Jahrhundert kam es in Irland zu ersten Missionsversuchen von Britannien aus. Doch mit dem Rückzug der Römer aus Britannien und der Abgrenzung dieser durch die Angelsachsen, Sachsen und Jüten
1 Eines der ersten Bücher mit wissenschaftlichem Anspruch in diesem Bereich, das der Autor selbst als Grundlegung zum wissenschaftlichen Diskurs versteht. In dieser Ausführlichkeit gibt es später kaum welche.
2 Es wurde auch der Begriff Kelledeis genannt. Der Begriff der culdeischen Kirche geht darauf zurück, dass die „Culdeer von Anfang an als céli-De, viri Dei, von ihren Gemeinden bezeichnet worden …“ sind. Der Begriff bezeichnet „Männer Gottes“. Im Frankenreich wird „jenen Glaubensboten in förmlich stabiler Weise der Titel der ‚viri Dei‘ beigelegt, was aber eben nichts anderes ist, als die lat. Übersetzung von Celi-De.“ Ebrard führt darauf zurück, die irisch-schottische Missionskirche daher auch „mit dem kurzen und bequemen Namen der culdeischen zu bezeichnen“. (:9) Für die Begriffsklärung verwendet er mehrere Seiten. Vergleiche dazu auch Ebrards Anhang zum Buch „Bonifatius, der Zerstörer des Kirchentums auf dem Festlande.“: „Die Keledei in Irland und Schottland“, Abdruck aus der Zeitschrift für historische Theologie 1875, IV.
3 Nach Padberg im ELThG konstruiert der Begriff „iroschottisch“ „einen Gegensatz zwischen dieser und der röm. Kirche und mißachtet außerdem, daß im MA scotus sowohl ‚Ire‘ wie auch ‚Schotte‘ bedeutete.“ (:964) Dieser Gegensatz ist, wenn man Ebrard, Schaidinger u.a. mit einbezieht, durchaus vorhanden. Padberg erwähnt daher, dass die neuere Forschung eher von insularer bzw. kontinentaler irischer Mission spricht. Ebrard schildert auch verschiedene Spottlieder, die mehr von einem Gegensatz der beiden Kirchen haben, als denn von einer Einheit berichten. Auch die Synode von Whitby und Briefe des Columban (d. J.) zeugen davon. (Ebrard 1882:8)
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beginnt bereits im 5. Jahrhundert die Sonderentwicklung der irischen Kirche. (Flaskamp 1986:893, Rieger 1993:964) Historisch greifbar werden die Iroschotten erst mit dem späteren Nationalheiligen St. Patrick, da es das erste Ereignis in der Landesgeschichte ist, das schriftliche Zeugnisse hinterlassen hat. Wobei man „die Ausbreitung des Christentums in Irland stärker als ein Geschehen allmählichen Wachstums begreifen“ muss, „das vielleicht ein Jahrhundert vor Patrick einsetzt und bis zu seinem Abschluß zwei weitere Jahrhunderte beansprucht.“ (Müller 1987:273) St. Patrick’s Missionsgebiet steht am Ursprung der späteren irischen Kirche, dessen Hauptkloster Armagh ist. Später wird dies im 6. Jahrhundert durch Colum Cille 4 (Columban d. Ä.) nach Iona verlegt, von wo aus dann die Pikten und Schotten missioniert werden. Lindisfarne ist neben Iona das berühmteste Kloster an Schottlands Ostküste. (Schaidinger 2002:1f; Ebrard 1873:13) Müller benennt auch, dass sich die Iren erfolgreich der kulturellen Entfremdung beim Eintreten in die lateinische Lebenswelt widersetzt haben, wofür er zwei Gegebenheiten als Ursache ausmacht. Zum einen „das Fehlen des Unterbaus der spätrömischen Reichsorganisation, auf dem anderwärts das Gebäude der lateinischen Kirche erwachsen ist, und zum anderen die Lebendigkeit der bodenständigen …“ keltischen Kultur (:273).
1.1.1 Historischer Unterbau: Die Keltische Kultur und Religion
Diese Keltische Kultur wird erst etwa 800 v. Chr. Durch griechische und römische Autoren erwähnt (Oliphant 1998:80ff). Insgesamt ist die Quellenlage recht dünn und durch die römische bzw. christliche Perspektive tendenziös. Die besten schriftlichen Hinweise auf die vorchristliche keltische Religion liefern „die irischen und walisischen Mythen und Sagen, die von den iroschottischen Mönchen in den Klöstern aufgezeichnet wurden (Luft 2010). Der Hauptsächliche Verbreitungsraum war im späteren Bereich des Frankenlandes, die Landnahme in Britannien, Irland und Schottland erfolgte etwa im 3. Jahrhundert v. Chr. (s. dazu auch die Abbildung zur Ausbreitung des Keltentums im Anhang). Die Kelten waren ein loser Verbund einzelner Stämme, eine Gruppe von Einzelvölkern mit Handelsbeziehungen (auch zu anderen Völkern), die eine ähnliche Sprache und Kultur verband (Oliphant 1998:84). Die Ausbreitung nach Gallien und Norditalien wurde in Folge der römischen Eroberungen und der weiter vordringenden Germanisierung gestoppt, was dazu führte, dass es sich letztlich nur auf den westlichen Randzonen der britischen Inseln bzw. Irland halten konnte (Angenendt 1990:203). In Irland gab es ein dezentrales
4 Im weiteren Verlauf werde ich den Namen Columban mit dem Zusatz d. J. bzw. d. Ä. verwenden.
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politisches Ordnungsgefüge aus Clans, Königen und Oberkönigen. Als kleinste Zelle in dem Aufbau von Adel, Freien und Unfreien fungierte die Sippe. Weiterhin existierte durch die Druiden eine hoch angesehene Gelehrtenschicht. Sie waren Gelehrte, Dichter und Rechtskundige. (Angenendt 1990:203). Die Druiden erfüllten in der keltischen Kultur die Funktion der Priester. „Nach Cäsar war die Druidenschaft hierarchisch unter ihrem Erzdruiden aufgebaut. … Sie unterscheiden Druiden, Barden und Vates, die alle religiöse Tätigkeiten ausübten.“ (Klein 2010) Ihre Aufgabe war die Vermittlung zwischen der geistlichen Welt womit sie das Überleben in der Ungewissheit des Lebens sicherstellten. Ihre Ausbildung dauerte etwa 20 Jahre und sie lernten unter Anderem Schreiben, wobei die Ausbildung selbst „ausschließlich mündlich vorgenommen“ wurde, „da die Druiden eine schriftliche Fixierung ihres Wissens ablehnten.“ (Klein 2010) Als intellektuelle Elite der Gesellschaft waren sie Forscher, Richter, Lehrer und Mediziner und zahlten keine Steuern. (Müller 2008, nach Bitel 1990:43) Nach Klein erzogen sie weiterhin die Kriegsaristokratie und waren Berater, die Königen zur Seite standen. Sie hatten somit neben der religiösen und juristischen auch politische Macht und hatten zudem noch einen mächtigen ökonomischen Einfluss. „Die Machtposition der Druiden kann kaum überschätzt werden, da sie untereinander in regelmäßigem Kontakt standen und so auf oberster Ebene Entscheidungen treffen und durchsetzen konnten.“ (Klein 2010) Die Kirchenstrukturen passten sich der gesellschaftlichen Realität an. 5 So organisierte sich das christliche Leben um Klöster herum, „die aus mönchischen Einsiedeleien in der Nähe von Siedlungen hervorgegangen waren, und zwar oft genau an den Orten, an denen vorher druidische Heiligtümer gewesen waren.“ (Müller 2008, nach Bitel 1990:98) Müller schreibt weiterhin, dass die Ehrfurcht vor und Liebe zur Natur der irischen Christen sich im Denken der Druiden widerspiegelt. (Müller 2008, nach Hunter 2000:87) Die Mönche übernahmen später scheinbar mühelos die Rolle der Druiden, was sich unter anderem darin widerspiegelt, dass Columban Jesus mal als heiligen Druiden bezeichnete (Müller 2008, nach Olsen 2003:114) Dies war sicherlich einer der Gründe für die rasante Ausbreitung des christlichen Glaubens in Irland. (Müller 2008:18) Nach Constantin Klein schließt der Keltologe Jean Markale „aus der schnellen und insgesamt unblutigen
5 „Die Eigenständigkeit des frühen irischen Christentums bekundet sich in der Organisationsstruktur der irischen Kirche. Dem dezentralen politischen Ordnungsgefüge ihres Lebensraums entsprechend hat sie das römische System einer territorialen (diözesanen) Ordnung aufgegeben zugunsten einer Zuordnung der Gemeinden zu den großen Klostergemeinschaften und ihren Gründungsheiligen.“ (Müller 1987:273)
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Ausbreitung des Christentums in Irland, dass sich schließlich die gesamte machtvolle Druidenklasse zum Christentum bekannte, derem Beispiel dann andere Klassen folgten.“ Untermauert wird dies dadurch, dass die Bischöfe und Äbte Irlands zunächst ausschließlich Könige oder Druiden waren. Markale zufolge erleichterten Gemeinsamkeiten zwischen keltischen Bräuchen und der monastischen Lebensweise den Übergang zum Christentum. So hatten sie ihre Heiligtümer in der Natur und die Druiden lebten oft an diesen abgeschiedenen, heiligen Orten. Die christlichen Missionare konnten daran anknüpfen und trugen die Missionspredigt in und aus dem vertrauten Kontext heraus vor. (Klein 2010) Als weiterer Hinweis und Beispiel für die Ähnlichkeit der Druiden und Mönche mag nach Klein die schottische Insel Iona dienen, auf der Columba (d. Ä.) 563 n. Chr. sein Kloster gründete. Es avancierte zum religiösen Mittelpunkt des keltischen Christentums. Die Übersetzung des gälischen Namens der Insel lautet „Insel der Druiden“ (Klein 2010) Auf die Besonderheiten und Inhalte der Religion der Kelten werde ich hier auf Grund des begrenzten Umfangs dieser Arbeit nicht eingehen.
1.1.2 Gründungsvater St. Patrick
Als Gründungsvater der Irischen Kirche kann man getrost St. Patrick benennen. Von ihm ging der neue Missionsgeist und Missionseifer aus, dieser bekehrte erst Irland, und dann von Hy aus zur Zeit Columban des Älteren die Pikten und Skoten. (Ebrard 1882:2) Er wurde etwa 390 geboren und starb um 461-490 (Bieler 1986:154). Seinen eigenen Schriften zufolge (Confessio und ein Brief an eine Soldatengruppe) kann man entnehmen, dass er im römischen Britannien aufwuchs und mit 16 Jahren nach Irland verschleppt wurde, wo er zum Viehhirten versklavt wurde. Er fand seinen Weg zu Gott und floh nach sechsjähriger Gefangenschaft in die Heimat, wo er durch eine Vision zur Rückkehr aufgefordert wurde, um den Iren das Evangelium zu verkünden. (Lähn 2006, nach Ewig 1985:97; Bieler 1986:154) Seine Rückkehr und sein Wirken scheint den entscheidenden Schritt in der Christianisierung der Insel bewirkt zu haben. (Angenendt 1990:204). Er wirkte besonders im nördlichen Teil und starb später als Bischof von Amargh.
1.1.3 Roms Missionsbewegung in England
In England lassen sich nach Bianca Lähn drei Quellen des Christentums ausmachen. Zum einen die Christen aus der Zeit der römischen Herrschaft, dann die irische Mönchsbewegung, „die das Land mit irisch geprägten Klöstern bestückte“ und drittens die „Missionsbewegung römischer Mönche, die im Auftrag von Papst Gregor dem Großen
Gero W. Waßweiler
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Gero W. Waßweiler, 2010, Die Missionsarbeit der iroschottischen Mönche, München, GRIN Verlag GmbH
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