Gliederung
1. Einleitung 3
2. Die soziale Situation und demographische Daten Indonesiens 3
3. Das politische und wirtschaftliche System Indonesiens vor der Krise 4
4. Die Asienkrise 1997 unter Besonderer Betrachtung Indonesiens 7
4.1 Die Ursachen der Krise 7
4.1.1 Deregulierung und Wechselkurspolitik 8
4.1.2 Leistungsbilanzdefizit 9
4.1.2 Auslandsverschuldung 10
4.1.3 Spekulative Angriffe 12
4.1.4 Verflechtung von Politik und Wirtschaft 13
4.1.6 Überbewertung des Immobiliensektors 14
4.2 Verlauf der Krise 15
4.3 Auswirkungen der Krise auf Indonesien 19
4.4 Gegenmaßnahmen 20
5. Kritische Erörterung des IWF-Maßnahmenpaketes 22
6. Fazit 24
Literatur- und Quellenverzeichnis 25 27
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1. Einleitung
Indonesien gehört ohne Zweifel zu den bedeutendsten „Tigerstaaten“. Es ist auch das Land, welches von der Asienkrise am stärksten betroffen war. Anhand dieses Beispiels ist es daher besonders interessant die Ursachen, die Entwicklung und die Auswirkungen dieser Krise näher zu beleuchten.
2. Die soziale Situation und demographische Daten Indonesiens
Der Inselstaat Indonesien umfasst eine Landesfläche von circa 2,02 Millionen Quadratkilometern. Mit über 210 Millionen Einwohnern ist Indonesien, betrachtet man die Bevölkerungszahl, viertgrößtes Land der Erde. Allein zehn Prozent der Bevölkerung, also 23 Millionen Menschen, lebt im Großraum der Hauptstadt Jakarta (Jabotabek). Dort befindet sich auch das wirtschaftliche und politische Zentrum des Landes.
Das Land ist ein Vielvölkerstaat mit großen ethnologischen Problemen. Über 30 ethnische Gruppen gibt es, darunter Chinesen, Inder, Araber und Melanesier. Doch diese Tatsache ist bei weitem nicht so schwerwiegend. Ein ständiger Unruheherd sind vielmehr Spannungen, welche in erster Linie einen religiösen Ursprung haben. Den größten Teil, und zwar 88 Prozent der Indonesischen Bevölkerung, stellen Moslems dar, gefolgt von 8 Prozent Christen. Die Christen werden durch die moslemische Mehrheit unterdrückt, was in der Vergangenheit des öfteren zu gewaltsamen Auseinandersetzungen geführt hat.
Die soziale Situation der Menschen lässt sich laut der International Labour Organization (ILO) wie folgt charakterisieren: Etwa 40 Millionen Indonesier, das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 19 Prozent, leben an bzw. unter der Armutsgrenze. 1
Die Gesellschaft städtische Indonesiens ist, wie in fast allen Entwicklungs- und Schwellenländern, stark geschichtet. Neben einer kleinen superreichen Oberschicht und der wachsenden Mittelschicht (Unternehmer, Anwälte, Ärzte, Angestellte) gibt es eine große Gruppe von Menschen, die niedrige oder unregelmäßige Einkommen haben
1 Quelle: www.nadir.org
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und/oder im informellen Sektor tätig sind. Solche Verdienstmöglichkeiten vom Kleinsthandwerk und -handel über Transportangebote mit dem Fahrradrikscha bis zum Sammeln von verwertbarem Müll werden jedoch, soweit sie das moderne Stadtbild stören, nicht gerne gesehen.
Die indonesische Regierung versuchte beispielsweise Ende der 80er Jahre die Fahrradrikschas aus vielen Innenstädten zu verbannen. 2
3. Das politische und wirtschaftliche System Indonesiens vor der Krise
Indonesien war zum Zeitpunkt vor der Krise, wie auch heute noch, eine sogenannte Präsidialrepublik, dass heißt, die Regierung war nicht vom Vertrauen des Parlamentes abhängig, sondern wurde vielmehr vom Staatspräsidenten, General Kemusu Argamulja Suharto ernannt und geführt. General Suharto selbst, kam 1966 in Folge eines gescheiterten Putschversuches der Kommunisten an die Macht und wurde Nachfolger des gemäßigten Vorgängers Sukarno. Im Jahre 1968 wählte das Indonesische Parlament, der Volkskongress, Suharto offiziell zum Staatspräsidenten. Suharto leitete eine völlig neue Wirtschaftspolitik ein. Das Konzept der neuen Wirtschaftspolitik, welches man als völlig gegensätzlich zur Wirtschaftspolitik des Vorgängers bezeichnen kann, wurde maßgeblich von indonesischen Wirtschaftswissenschaftlern entwickelt, die in den Vereinigten Staaten studiert haben. Eckpfeiler dieser neuen Wirtschaftspolitik, war ein sogenanntes „3-Punkte-Programm“, welches vor allen Dingen eine Stabilisierung der Währung und Rehabilitierung staatlicher Betriebe vorsah. Es ergaben sich also weitestgehend marktwirtschaftliche Strukturen, mit gewissen Planungselementen der Regierung.
Das Land ist sehr reich an Bodenschätzen. Die wichtigsten sind Erdöl und Erdgas, weiterhin wird Zinn, Kohle, Gold, Silber, Mangan, Kupfer, Nickel und Eisen abgebaut. Mit einem Anteil von über 80 Prozent war und ist Erdöl Hauptträger der Energieerzeugung des Landes. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Staat ein Monopol in diesem bedeutenden Bereich hatte. Im Jahre 1986 umfasste der Exportanteil von Erdöl und Erdgas noch rund 76 Prozent des Gesamtexports. Anfang 1997, also kurz vor Ausbruch der Asienkrise lag dieser Wert bei nur noch rund 16,1 Prozent. Diese
2 GEO Special, Indonesien, Gruner+Jahr, 1995
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Zahlen untermauern die rasante wirtschaftliche Entwicklung in diesem Zeitraum, da der Eigenbedarf an Energie mit einer sich rasch entwickelnden Industrie exponential anstieg. 3
41 Prozent der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft dort vor allem im Tabakanbau, der ebenfalls einen wichtigen Pfeiler der Indonesischen Wirtschaft darstellt. Durch die hohe Fruchtbarkeit der vulkanischen Böden wachsen nicht nur Reis und Tabak, sondern auch Kautschuk, Kaffee, Tee, verschiedene Gewürzsorten, Palmen, und Tropenhölzer.
Der sekundäre Sektor, also die verarbeitende Industrie konzentrierte sich auf die Bereiche Tabakerzeugnisse, Textilien, Fahrzeuge, Papier, Gummi- und Metallwaren, Nahrungsmittel, Kunstdünger, Zement, und Chemikalien.
Auch der Dienstleistungssektor spielt eine entscheidende Rolle und hier vor allen Dingen die Tourismusbranche. Indonesien erfreut sich als Reiseziel immer größerer Beliebtheit, so dass von den Milliarden-Investitionen in den Bau neuer Hotelanlagen und großer Freizeitparks in besonderem Maße die Baubranche profitierte.
Eine Sonderstellung nimmt die Telekommunikationsbranche ein. Sie kombiniert Leistungen aus der Verarbeitenden Industrie und dem Dienstleistungsgewerbe. Mit fast 20 Prozent Wachstum im Zeitraum 1996 / 1997 war hier ein geradezu explosionsartige Entwicklung zu verzeichnen. Eine bedeutende Rolle zum Wachstum der indonesischen Telekommunikationsbranche trug das Staatsunternehmen P.T. Telekomunikasi Indonesia bei. Mit einer Marktkapitalisierung von 24 Mrd. US-Dollar (Stand:1996) gehört es zu den Top-Ten der Indonesischen Unternehmen. 4 Der Telekomriese ist über
30 strategische Allianzen mit j apanischen, deutschen und amerikanischen
Elektronikunternehmen eingegangen, unter anderem auch mit der Siemens AG.
3 Doring, Loose, Mlyneck: Südostasien Handbuch, Loose Verlag Berlin, 1998
4 Quelle: www.corporateinformation.com
5
Das gesamte Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Jahres 1997 betrug 211 Milliarden US-
Dollar. Die Durchschnittliche Wachstumsrate im Vergleich zum Vorjahr lag bei 5
Prozent. 5
5 Doring, Loose, Mlyneck: Südostasien Handbuch, Loose Verlag Berlin, 1998
6
Indonesien exportierte vor der Krise Waren im Wert von 48,3 Milliarden US-Dollar. Davon entfielen 25,8 Prozent auf Erdöl und Kohle, 21,9 Prozent auf industrielle Vorprodukte und 17,3 Prozent auf Fertigwaren (darunter 11,6 % Kleidung und Schuhe). Hauptexportländer waren Japan mit einem Anteil von 18,7 %, die USA (14,4 Prozent), Singapur (11,7 Prozent) und die VR China (7,6 Prozent). 6 Das Handelsbilanzdefizit für das Haushaltsjahr 1996/97 betrug US$ 8,823 Milliarden bzw. 4 % des Bruttoinlandproduktes, erklärte der Präsident der Zentralbank, der Bank of Indonesia. Dieser Wert ist verglichen mit den Staaten Thailand (7,9 Prozent) und Südkorea (4,7 Prozent) relativ gering und gilt laut IWF-Einstufung als „unbedenklich“. Trotz dieser vermeintlich günstigen Eckdaten schlitterte Indonesien zusammen mit der gesamten südostasiatischen Region in eine Wirtschaftskrise, deren Ursachen und Verlauf in den folgenden Abschnitten erklärt wird.
4. Die Asienkrise 1997 unter Besonderer Betrachtung Indonesiens
4.1 Die Ursachen der Krise
Dass im Mai 1997 die sog. Tigerstaaten Südostasiens in eine Wirtschaftskrise ungesehen Ausmaßes versanken, ist mit einer ganzen Reihe von Ursachen zu erklären. Viele Experten, im asiatischen Raum allen voran Malaysias Premier Mahatir machten allein exogene, also äußere Faktoren, wie die massiven spekulativen Angriffe, dafür verantwortlich. Bei näherer Betrachtung kristallisieren sich allerdings auch schwerwiegende innere (endogene) Ursachen für das wirtschaftliche Debakel heraus. Auch lässt sich die Krise nicht wegen der engen wirtschaftlichen Verzahnung der betroffenen Länder anhand eines einzigen Landes besprechen. Wenn wir also die Ursachen der Krise im nachfolgenden Kapitel betrachten wollen, müssen deduktiv vorgehen, und von dem gesamten südostasiatischen Raum auf Indonesien schließen.
6 IMF Annual Report, 1998
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Joscha Valentin, 2002, Die Südostasienkrise und die Rolle des Internationalen Währungsfond am Beispiel Indonesien, Munich, GRIN Publishing GmbH
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