Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1. Die Grundpositionen der Universaliendebatte 2
1.1 Der Realismus und die Möglichkeiten seiner
Einteilung
1.2 Die Formen des Nominalismus
2. Die drei Grundaxiome Wilhelm von Ockhams 4
2.1 Die Allmacht Gottes
2.2 Der ausgeschlossene Widerspruch
2.3 Die Notwendigkeit der am wenigsten
erforderlichen Mittel
3. Erkenntnis und ihre Arten 6
3.1 Akte des Intellekts
3.2 Die Erkenntnis des Unverknüpften
3.3 Die Arten des real Existierenden
3.4 Entbehrlichkeit der species intelligibiles
4. Das Wissen 10
4.1 Wie ist Wissen zu verstehen?
4.2 Sätze
4.3 Das Subjekt der Wissenschaft
5. Sinn, Bedeutung und Supposition …………………… 13 5.1 Terminus und Begriff 5.2 Die Suppositionstheorie
6. Konsequenzen von Ockhams Denken …………….. 16
6.1 Fictum oder reale mentale Qualität? 6.2 Reaktionen auf Ockhams Schriften 6.3 Walter Burleys Kritik
Schluss ……………………………………………… 19
Literaturverzeichnis ………………………………… I Hinweis ……………………………………………… IV
1
Einleitung
Dem Denken und der Sprache des Menschen ist eine Eigenart zu Teil, die absolute Notwendigkeit besitzt. Um die Welt erfassen, verstehen und erklären zu können, wenn dies überhaupt möglich ist, benötigen wir Allgemeinbegriffe. Die Frage, ob diese so genannten Universalien real, rein mental oder in irgendeiner anderen Weise existieren, wurde schon in der Antike gestellt und ist bis heute unbeantwortet geblieben, was durch ihren metaphysichen Kern geschuldet ist. Einer der bedeutendsten Denker, der sich nicht nur mit dem Universalienstreit auseinandersetzte, sondern die Debatte in eine neue Richtung lenkte, war Wilhelm von Ockham. Der so genannte Inceptor venerabilis war Franziskanermönch, lebte ungefähr zwischen 1285 und 1349 und kann somit schon als
Vertreter der Spätscholastik bezeichnet werden. 1 Seine umfangreichen Werke und Ansichten standen symbolisch für einen Wandel der mittelalterlichen Philosophie zu
Beginn des 14 Jahrhunderts. 2
Das Ziel dieser Arbeit soll es sein, ein allgemeines Bild von Wilhelm von Ockhams Gedankengängen zu projizieren, mit vertiefendem Blick auf den von ihm vertretenen Nominalismus. Um Ockhams nominalistische Auffassung verstehen oder auch rekonstruieren zu können, reicht es bei Weitem nicht aus, nur seinen ontologischen Standpunkt zu untersuchen. Dafür müssen seine erkenntnistheoretischen Überlegungen, sowie seine Theorien von Wissen, Wissenschaft, Logik und Semantik mit einbezogen werden. Wenn man diese Disziplinen aus der Perspektive des Inceptor venerabilis betrachtet, wird deutlich, warum er den Nominalismus nicht nur favorisiert, sondern fest von ihm überzeugt ist.
Des Weiteren soll versucht werden, aufzuzeigen, an welchen Stellen er Revolutionär
war und welche Wirkung er auf realistische Zeitgenossen, vor allen Walter Burley 3 , hatte.
1 Vgl. Hirschberger (2007), S. 560 ff.
2 Vgl. Wöhler (1992), S. 274 ff.
3 Vgl. Kapitel 6.3.
2
1. Die Grundpositionen der Universaliendebatte
Der Universalienstreit ist ein Thema, das seine Wurzeln schon in der Antike hat und seinen, zumindest historisch belegten, Anfang bei Platon und Aristoteles findet. Im Mittelalter erlebte die Debatte ihre Blütezeit. Dieser Umstand bedeutet jedoch nicht, dass Universalien ab der Neuzeit kein Gegenstand der Diskussion mehr gewesen seien. Der Universalienstreit hat sich seitdem lediglich verändert. Die grundlegende Frage, die im Vordergrund steht, ist, ob Allgemeines bzw. Universales real existiert. Weiterführende Fragen, die sich daran anschließen, sind, wie es existiert und wo es existiert.
1.1 Der Realismus und die Möglichkeiten seiner Einteilung
Dabei zu unterscheiden sind die Vertreter des so genannten Realismus, die eine reale Existenz der Universalien annehmen, vorzugsweise extramental. Infolge der Frage danach, wo und wie das Universale existiert, lässt sich der Realismus in zwei Positionen aufspalten. Einerseits in den radikalen Realismus, nach diesem die Universalien nicht nur extramental, sondern auch abseits bzw. vor der singulären Welt angenommen werden. Andererseits wird nach dem gemäßigten Realismus davon ausgegangen, dass das Allgemeine im Einzelnen manifestiert ist. Nach der ersten Variante, die auf Platon zurückführbar ist, wird den Universalien eine eigenständige Existenz, unabhängig von
dem Singulären zugesprochen. 4 Gemäß der Zweiten Position, die ihren Ursprung bei Aristoteles fand, hat das Allgemeine kein eigenständiges Sein, sondern kann nur in und
zusammen mit dem Einzelnen bestehen. 5
Diese beiden Urformen des Realismus wurden im Laufe der Spätantike und des Mittelalters zwar variiert, jedoch lassen sich die meisten realistischen Meinungen über Universalien, im Hinblick auf die Grundfragen, in eine der Beiden einordnen.
4 Vgl. Platon (2006), S. 413 ff. 507a ff.; soll nur als Beispiel dienen, da sich die Ideenlehre in vielen
Werken Platons manifestiert.
5 Vgl. Aristoteles (1988) S. 186 ff. 1042a ff.
3
1.2 Die Formen des Nominalismus
Die Gegenposition zum Realismus wird als Nominalismus bezeichnet, dessen Auffassung nach die Universalien keine reale extramentale Existenz besitzen. Im 11. Jahrhundert setzte sich diese Position durch Johannes Roscelin das erste Mal bedeutend
durch 6 . Ursprünglich wurde nach der Ansicht des Nominalismus dem Allgemeinen keinerlei wirkliches Sein zugesprochen, sondern Universalien waren nichts anderes als Namen. Doch durch Petrus Abälard, Wilhelm von Ockham und weitere Denker der Scholastik wurde der einfache Nominalismus variiert, sodass Allgemeines ein reales Sein besitzt, jedoch mental. Diese Position kann auch als Konzeptualismus bezeichnet
werden. 7 Inwieweit das Denken des Inceptor venerabilis diesem Standpunkt entspricht, wird noch geklärt werden. 8
Es können zwei weitere Unterscheidungen des Nominalismus vorgenommen werden, die jedoch aus Platzgründen hier nur informativ aufgeführt werden. Die erste betrifft die Traditionsstränge. Auf der einen Seite kann man von der aristotelischen Tradition sprechen, in die Autoren wie zum Beispiel Wilhelm von Ockham, Brentano und Leśniewski eingeordnet werden können. Auf der anderen Seite besteht die Möglichkeit, von der phänomenalistischen Tradition zu sprechen, der sich Locke, Berkeley und Hume zuordnen lassen und von Mach, Russel und Carnap in der Form des
Phänomenalismus variiert wurde. 9
Des Weiteren ist eine Differenzierung gemäß der ontologischen Problemstellung möglich. Für den modernen Nominalismus steht zentral im Vordergrund, „ob ein klassentheoretischer Aufbau der Mathematik und der Wissenschaft insgesamt
ist“. 10 akzeptabel Der traditionelle Nominalismus hat lediglich die
Vergegenständlichung von allgemeinen Begriffen zum Thema.
6 Vgl. Apel (1976), S. 204.
7 Vgl. ebd., S. 165.
8 Vgl. Kapitel 6.1.
9 Vgl. Hintze (1998), S. 22.
10 Ebd.
4
2. Die drei Grundaxiome Wilhelm von Ockhams
Wilhelm von Ockhams Denken hat als Fundament drei axiomatische Grundprinzipien, die bei jeglichen Betrachtungen in der vorliegenden Arbeit nicht außer Acht gelangen dürfen. Sie sind die Vorraussetzung um zu begreifen, warum der Franziskaner denkt, wie er denkt.
2.1. Die Allmacht Gottes
Erstes der drei Axiome ist das Omnipotenzprinzip bzw. das Prinzip von der Allmacht Gottes. Dieses besagt, dass Gott in seinem Handeln durch fast Nichts und Niemanden eingeschränkt ist. Somit besteht absolute Handlungs- bzw. Schaffungs- und Zerstörungsfreiheit. Diese Allmacht ist von zweifacher Art. Zum einen kann Gott Dinge „nach seiner anordnungsmäßigen Macht tun [...] und einige nach seiner absoluten
Macht“ 11 Darunter ist nicht zu verstehen, dass Gott zwei Arten von Macht zukommen, denn sie kann nur eine sein, weil sie mit Gott identisch ist. Damit ist viel mehr gemeint, dass einmal die Möglichkeit besteht alles tun zu können und andererseits alles wollen zu können. Es existiert nur eine Einschränkung für Gott. Und diese besteht in dem zweiten Axiom.
2.2. Der ausgeschlossene Widerspruch
Der zweite Grundsatz ist das Prinzip des ausgeschlossenen Widerspruchs, ähnlich dem Satz vom ausgeschlossenen Widerspruch, der jeder wissenschaftlichen Betrachtung zu
Grunde liegt. 12 Anders als das erste Axiom, welches nur für Gott besteht, gilt das zweite auch für den Menschen. Durch diesen Grundsatz ist der Wille Gottes nicht willkürlich und alles was ist, ist auch widerspruchsfrei.
11 Ockham (2000), S. 96; „Deus facere de potentia ordinata et aliqua de potentia absoluta“.
12 Aussagenlogisch formalisiert: ⌐(p Λ ⌐p). Mittlerweile gibt es vor allem im Bereich der Physik,
besonders auf dem Gebiet der Quantenmechanik, Phänomene, die unter anderem diesem Grundsatz
zu widersprechen scheinen.: vgl. Munowitz (2005), S. 162 ff.
Arbeit zitieren:
Mario Lange, 2010, Der Nominalist Wilhelm von Ockham, München, GRIN Verlag GmbH
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