Inhalt
1.Einleitung 3
2. Die Melancholie als medizinisch-naturwissenschaftliches Phänomen der Antike 4
2.1. Das System der Viersäftelehre 4
2.2.Die Sonderstellung des Melancholikers in dem Modell der Viersäftelehre 6
2.3. Schizophrenie der Medizin 8
3. amor hereos 10
3.1. Der Terminus amor hereos 10
3.2. Geschichte von amor hereos 10
3.3. amor hereos am Beispiel Celestina 13
4.Schlussteil 16
Literaturverzeichnis 17
Literaturverzeichnis 17
2
2. Die Melancholie als medizinischnaturwissenschaftliches Phänomen der Antike
2.1. Das System der Viersäftelehre
Um den Ursprung der Melancholie darzustellen, beginne ich mit Hippokrates und seinem System der Viersaftlehre. Fast alle wissenschaftlichen Modelle der griechischen Antike weisen Analogien mit den antiken Elementen, den Gestirnen oder den Jahreszeiten auf. Ebenso auch das Modell der Viersäftelehre von Hippokrates aus dem der Begriff der Melancholie entsprang. Auch er suchte wohl nach einem Modell, dass den folgenden Kriterien entsprach, nach dem die Griechen in der damaligen Zeit ihr Weltbild ausrichteten:
1.Die Suche nach einheitlichen Ur‐Elementen oder Ur‐Qualitäten auf die die komplexe und scheinbar irrationale Struktur des Makrokosmos wie des Mikrokosmos eindeutig zurückgeführt werden könnte.
2.Das Bedürfnis, für eben diese komplexe Struktur des körperlichen und seelischen Daseins einen zahlenmäßigen Ausdruck zu finden.
3.Die Lehre von der Harmonie, Symmetrie, Isonomie, oder wie immer man jene Wohlabgestimmtheit der Teile, Stoffe oder Kräfte ausgedrückt hat, in der das griechische Denken bis zu Plotin die Vorbedingung jedes ethischen, ästhetischen und hygienischen Wertes sah. 2
Hippokrates hat ein Modell entworfen, was den theoretischen Überbau des Menschen erklärt und gleichzeitig eng mit der damals gültigen Weltanschauung der Griechen verbunden ist. Er hat jedem der 4 antiken Elementen Feuer, Wasser, Erde und Luft je einen der Körpersäfte schwarze Galle, gelbe Galle, Blut und Phlegma zugeordnet. Ihm zufolge bestimmten diese Säfte nicht nur das Wohlbefinden eines Menschen, sondern auch die Beschaffenheit seines Charakters. Den vier Körpersäften wurden die vier Eigenschaften sanguinisch, phlegmatisch, cholerisch und melancholisch beigeordnet. Neben den Parallelen zwischen den Körpersäften, den Elementen und der Beschaffenheit des Körpers gab es auch Verbindungen zwischen den Säften und den Jahreszeiten:
2 Klibansky, Raymond/ Panofsky, Erwin/ Saxl, Fritz: Saturn und Melancholie. Studien zur Geschichte der Naturphilosophie und Medizin, der Religion und der Kunst, Frankfurt am Main 1990, S.40
4
„Diese vier Säfte sind immer im menschlichen Körper vorhanden und machen seine Natur aus; aber je nach der Jahreszeit hat bald dieser, bald jener die Oberhand - die schwarze Galle zum Beispiel im Herbst, während ihr der Winter unlieb und der Frühling feindlich ist, so dass die vom Herbst gebrachten Leiden vom Frühling gelindert werden.“ 3 Auf diese Art fand die Lehre in der chaotischen Struktur des Makro‐ und des Mikrokosmos ihren Platz.
Durch die Phytagoräer fand die Lehre in der Zahl Vier ihren Ausdruck. Sie verehrten diese Zahl wegen ihrer Vollkommenheit und fanden diese Zahl überall in ihrer Umwelt. „Selbst die Seele betrachteten sie später als Vierheit, die Geist, Verstand, Meinung und Wahrnehmung[…]umfasste.“ 4 Durch ihre tetraedischen 5 Zuordnungen schafften sie ein Gerüst, in dem sich die Idee der Humoralpathologie ohne Probleme einfügen konnte. „Vor allem sind sie es gewesen, die die Gesundheit als Ausgewogenheit verschiedener Qualitäten, die Krankheit als die Vorherrschaft einer einzigen definiert haben[…]“. 6 Dies ist auch einer der wesentlichen Gedanken der Humoralpathologie. Befinden sich diese Säfte in Harmonie und im gleichen Mischungsverhältnis zueinander (Eukrasie), so ist der Körper gesund und der Mensch im Wohlbefinden weil sich die schädigende Wirkung der Säfte gegenseitig neutralisierte. Wenn aber einer der Säfte vorherrscht, so befindet sich der Körper im Ungleichgewicht (Dyskrasie). 7 Und dieses Ungleichgewicht ruft Krankheiten hervor. Je nachdem welcher dieser >humores< vorherrscht, wird der Körper von verschiedenen Krankheiten heimgesucht. „Der theoriegeschichtlich Letztgeborene dieser >humores< ist nach dem Blut, der gelben Galle und dem Schleim die >melaina chole<, die trockene und schwarze Galle, deren Übermaß nach den Lehren der Humoralpathologie eine Fülle körperlicher und geistiger Störungen im Gefolge hat, die nach ihrem Auslöser unter dem Begriff der Melancholie zusammengefasst werden.“ 8 Neben dem Melancholiker gab es noch weitere Temperamentstypen, die durch die Körpersäfte bedingt waren:
3 Ebd. S. 47
4 Ebd. S. 41
5 Anm..: Tetrade die;-,-n: die Vierheit; das aus vier Einheiten bestehende Ganze (Philos.), aus: Wissenschaftlicher Rat der Dudenreaktion: Droskowski, Günther /Grebe , Paul/ Köster, Rudolf: Der
große Duden. Fremdwörterbuch, Mannheim 1974, S. 723
6 Klibansky, Panowsky, Saxl, a.a.O., S. 41
7 Vgl. Horstmann, Ulrich: Der lange Schatten der Melancholie. Versuch über ein angeschwärztes Gefühl, Essen 1985, S.14
8 Ebd. S. 14
5
Arbeit zitieren:
Bernhard Wiebicke, 2004, Melancholiekonzepte der spanischen Renaissance, München, GRIN Verlag GmbH
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