Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis II
Tabellenverzeichnis III
1 Einführung 1
2 Wissen und Wissensmanagement 5
2.1 Der Begriff des Wissens 5
2.1.1 Wissensdimensionen 8
2.1.2 Wissenserzeugung 11
2.1.3 Wissensrepräsentation 14
2.2 Wissensmanagement 14
2.3 Modelle des Wissensmanagements 18
2.4 Instrumente des Wissensmanagements 23
3 Web 2.0 und die Anwendung im Wissensmanagement 24
3.1 Charakterisierung von Web 2.0 25
3.2 Web 2.0-Instrumente im Wissensmanagement 28
3.3 Weblogs im Wissensmanagement 32
3.4 Wikis im Wissensmanagement 36
3.5 Semantisches Web im Wissensmanagement 42
4 Fallbeispiel: Messedesign-Wiki 48
4.1 Analyse und Zielidentifikation 49
4.2 Konzeption. 55
4.3 Realisierung 58
5 Ergebnisse und Ausblick 62
Anhang 63
Glossar 64
Literaturverzeichnis 66
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Die Wissenstreppe nach North
Abbildung 2: Das Kontinuum von Daten über Informationen zu Wissen
Abbildung 3: Die Wissensspirale nach Nonaka Takeuchi
Abbildung 4: Das Schichtenmodell der Wissensbasis
Abbildung 5: Der Wissensmanagementkreislauf
Abbildung 6: Informationsangebot, -bedarf, -nachfrage
Abbildung 7: Die Objekt- und die Prozessperspektive auf das Wissen
Abbildung 8: Zusammenführung der Wissensmanagementmodelle
Abbildung 9: Beispiel einer Tag Cloud
Abbildung 10: Informationsverteilung von Weblogs im Vergleich zum klassischen
WWW
Abbildung 11: Nutzerrolle im Wikki-basierten Web im Vergleich zum klassischen
WWW
Abbildung 12: Integration von Datenquellen in Conweaver
Abbildung 13: Benutzeroberfläche des Messedesign Wikis
Abbildung 14: Kartenansicht des Messedesign Wikis
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Überblick über Definitionen des Wissensmanagements 17
Tabelle 2: Wikis und Weblogs im Vergleich 51
1 Einführung
1 Einführung
„Das Wissen der Menschheit verdoppelt sich alle fünf Jahre, während die Hälfte davon in ca. drei Jahren wieder veraltet.“ 1
Das zwanzigste Jahrhundert ist geprägt vom Wandel industrialisierter Volkswirtschaften in die sogenannte „Wissensgesellschaft“. 2 Der Ausdruck wurde unter anderem durch den Ökonomen Peter Drucker geprägt. 3 Er identifizierte als neue dominierende Gruppe nach der Klasse der Industriearbeiter die Wissensarbeiter. 4 Statt Arbeit, Boden und Kapital zählt heute Wissen als „die wichtigste Ressource einer entwickelten Wirtschaft“ 5 .
Die Verwendung dieser Ressource in Unternehmen stellt in Zeiten der Globalisierung, Technologisierung, sowie stetig kürzer werdender Produktionszyklen einen wettbewerbsrelevanten Faktor dar. 6 Laut einer Umfrage des Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation gab die Mehrheit der befragten Unternehmen an, dass der Produktionsfaktor Wissen mehr als 50% Anteil zur Wertschöpfung beiträgt und über 62% erwarten, dass sie durch den Einsatz von Wissensmanagement die Kundennähe verbessern, die Qualität der Produkte steigern, sowie die Innovationsfähigkeit erhöhen kann. 7
Während Wissensmanagement von einigen Konzernen bereits erfolgreich eingeführt wurde, stellt es für mittelständische Unternehmen noch keine Selbstverständlichkeit dar. 8
Neben des Wandels zur Wissensgesellschaft hat vor allem die Etablierung des World Wide Web gegen Ende des zwanzigsten Jahrhunderts zu umfassenden Veränderungen in gesellschaftlicher wie auch technologischer Hinsicht geführt. Breit-bandanschlüsse und Drahtlose Netzwerke vernetzen immer mehr Nutzer über den gesamten Globus.
1 (Mertins; Seidel, 2009) S. 1.
2 Vgl. (Drucker, 2004); vgl. dazu auch (Probst; Raub; Romhardt, 2006); (Reinmann-Rothmeier, 2001).
3 Vgl. (Drucker, 1970).
4 Vgl. (Drucker, 2004) S. 352 f.
5 (Malik, 2007) S. 179.
6 Vgl. (Alwert; Bornemann; Will, 2008) S. 7.
7 Vgl. (Bullinger; Warnecke; Westkämpe, 2003) S. 363.
8 Vgl. (Mertins; Seidel, 2009) S. 1.
Seite 1
1 Einführung
Das Platzen der Dot-Com-Blase 2001 gilt als Einschnitt in der Entwicklung des WWWW. Während manche Internetdienste von der Oberfläche verschwanden, konnte sich eine neue Art von Anwendungen im WW etablieren. Sogenannte Web 2.0 Anwendungen wie Wikipedia, Facebook oder Second Life wurden äußerst populär. Mittlerweile werden einige von ihnen von Millionen von Anwendern weltweit genutzt und besitzen Marktwerte in Milliardenhöhe. 9 Im Vordergrund von Web 2.0 Anwendungen steht der Umgang und die Kommunikation von Informationen.
Die über das Internet übertragene Menge an Informationen wächst stetig weiter. Die Übertragungsrate wird laut einer Schätzung bis zum Jahr 2014 einem monatlichen Datenaufkommen von 64 Exabytes 10 entsprechen, vergleichbar mit dem Speicherplatz von 16 Milliarden DVDs. 11
Es stellt angesichts dieser Datenmenge kein Problem mehr dar, an Informationen zu gelangen, sondern im Gegenteil die Informationsüberflutung zu regeln. Durch die einfache und schnelle Verbreitung von Informationen beispielsweise über Emails, entwickelt sich die Überflutung auch zu einer Problematik für Unternehmen, da die Mitarbeiter mit relevanten, genauso wie mit irrelevanten Informationen überhäuft werden.
Einige Web 2.0 Anwendungen zielen daher darauf ab, den unkontrollierbaren Fluss an Informationen zu verarbeiten. Plattformen wie Wikis und Weblogs sollen Informationen speichern und Instrumente wie Feeds und Tags deren Weitergabe und Verteilung effizienter gestalten.
Auch Unternehmen sehen mittlerweile in solchen Web 2.0 Anwendungen großes Potenzial. Der Einsatz solcher Software in Unternehmen wächst stetig, so dass bis 2013 laut Gartner 80% aller unternehmensübergreifenden Plattformen auf Web 2.0 Anwendungen basieren werden. 12 Schon heute experimentieren 77% der deutschen Unternehmen mit dem Wandel zum sogenannten Enterprise 2.0. 13 Die beiden meist genutzten Anwendungen stellen dabei Wikis und Weblogs dar. 14
9 Vgl. (Welt.de, 2009).
10 Bytes bezeichnen die kleinste adressierbare Dateneinheit in der Informatik. 1 Exabyte entspricht dabei 1.000.000.000.000.000.000 Bytes.
11 Vgl. (CiscoSystems, 2010)
12 Vgl. (Gartner, 2009).
13 Vgl. (Haida; Mai, 2010).
14 Vgl. (Göhring; Niemeier; Vujnovic, 2010) S. 15.
Seite 2
1 Einführung
Unter Unternehmen, die bereits Web 2.0 Anwendungen eingeführt haben, sahen 65% den Einsatz im Wissensmanagement. Lediglich 35% sahen sie als unternehmensinternes Kommunikationswerkzeug und 33% als Software für Marketing und PR. 15 Die Verwendung von Web 2.0 im Wissensmanagement wird auch von McKinsey als der am meisten genutzte Einsatz identifiziert. 16
Gegenstand und Ziele der Arbeit
Obwohl der Einsatz von Web 2.0 Anwendungen im Wissensmanagement noch relativ neu ist, kann ein stetig wachsendes Interesse daran erkannt werden. Trotzdem haben 7% der von McKinsey befragten Unternehmen, welche diese Technologien einführten, deren Einsatz wieder abgebrochen.
Welche Möglichkeiten aber auch welche Risiken sich bei einem Einsatz im Unternehmen verbergen, soll in dieser Arbeit untersucht werden. Explizit wird dabei auf den Nutzen von Web 2.0 Software für den Produktionsfaktor Wissen und dessen Verwendung im Unternehmen eingegangen. Dabei müssen alle Aspekte des Wissensmanagements analysiert werden, um den Einsatz der Anwendungen klar abgrenzen zu können.
Folgende drei Gegenstände sollen in dieser Arbeit erarbeitet werden:
1. Analysieren der Potenziale von Web 2.0 Technologien als Möglichkeit, Wissen maschinell abzubilden, zu speichern, zu repräsentieren und zu verarbeiten. Dies bezieht speziell die Untersuchung hinsichtlich des Einsatzes von semantischen Technologien mit ein, da sie eine mögliche signifikante Entwicklung für den Umgang mit Wissen darstellen.
2. Untersuchen der Potenziale von Web 2.0 Anwendungen in der Verwendung von Wissen als Produktionsmittel im Wissensmanagement.
3. Testen der praktischen Anwendbarkeit von Web 2.0 Software in Unternehmen am Beispiel der Planung und Realisierung eines unternehmensinternen Wikis bei der XXXXX GmbH.
Aufbau der Arbeit
Es wird eine Untergliederung in drei hauptsächliche Kapitel vorgenommen.
15 Vgl. (Göhring; Niemeier; Vujnovic, 2010) S. 18.
16 Vgl. (McKinsey, 2008) S. 3.
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1 Einführung
Im ersten Kapitel wird zunächst eine Erklärung des Begriffs Wissen, die Abgrenzung zu Daten und Informationen, sowie Dimensionen von Wissen gegeben. Weiterhin wird die Wissenserzeugung und -repräsentation hinsichtlich der späteren Analyse näher erläutert. Es folgt die Hinführung zum Wissensmanagement und die Vorstellung zwei Wissensmanagementmodellen.
Das zweite Kapitel charakterisiert den Begriff des Web 2.0 und seine technischen Aspekte. Bei der Vorstellung von ausgewählten Web 2.0 Instrumenten und Plattformen wird deren Potenzial hinsichtlich der ersten beiden oben genannten Untersuchungsgegenstände erarbeitet.
Das dritte Kapitel behandelt die Konzeption sowie Realisation eines Wikis für die XXXXX GmbH.
Seite 4
2 Wissen und Wissensmanagement
2 Wissen und Wissensmanagement
Um die Verwendung des Produktionsfaktors Wissen in Unternehmen managen zu können, muss dieser als solcher gesondert betrachtet werden. Wissen differenziert sich im Vergleich zu Arbeit oder Kapital in wesentlichen Punkten, beispielsweise der Teilbarkeit. Daher wird folgend der Gegenstand des Wissens näher erläutert, bevor danach dessen Verwendung in Organisationen beleuchtet wird.
2.1 Der Begriff des Wissens
In der Literatur hat sich bisher keine allgemein gültige, eindeutige Definition von Wissen herausgebildet. Anfänge über die Diskussion des Begriffs und seine Bedeutung finden sich z.B. in der „Theaitetos“ 17 des griechischen Philosophen Platon. Die folgenden Ausführungen sollen eine betriebswirtschaftlich relevante Erklärung von Wissen und die im Kontext gebrauchten Grundbegriffe geben. Denn je nach Perspektive (z.B. Konstruktivismus, Positivismus, Systemtheorie) unterscheiden sich die Ansichten über den Begriff und das Verständnis von Wissen.
Daten, Informationen, Wissen
Die Abgrenzung von Wissen zu Daten und Informationen ist ein hilfreicher Einstieg zur Charakterisierung von Wissen und in der Literatur sehr verbreitet. 18 Einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Definitionen der drei Begriffe gibt beispielsweise Franz Lehner. 19
In Betracht ihrer praxisorientierten und anschaulichen Darstellung wird folgend die Abgrenzung nach North verwendet. Dieser sieht Wissen als einen Prozess der Vernetzung und verdeutlicht dies anhand des Modells der Wissenstreppe, welche in Abbildung 1 veranschaulicht wird. 20
17 Die Theaitetos ist philosophisches Werk in Dialogform, indem Konzepte des Wissens diskutiert werden; Vgl. (Platon).
18 Vgl. (Güldenberg, 2003) S. 157 ff.; ebenso (Bickhoff; Bieger; Caspers, 2004) S. 22 ff.; auch (North, 2005) S. 31 ff.
19 Vgl. (Lehner, 2009) S. 47.
20 Im Folgenden vgl. (North, 2005).
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2 Wissen und Wissensmanagement
Quelle: Vgl. (North, 2005) S. 36.
Abbildung 1: Die Wissenstreppe nach North
Auf der untersten Ebene steht das Zeichen. Es ist ein rein formales Gebilde, z.B. ein Buchstabe, eine Ziffer oder ein Sonderzeichen. Durch Ordnungsregeln, wie einem Code oder einer Syntax werden Zeichen für den Empfänger syntaktisch und semantisch verständlich und bilden Daten. Daten sind noch nicht interpretierte Symbole, wie beispielsweise Zahlen oder ein Verkehrsschild. „Data is what comes directly from sensors, reporting on the measurement level of some variable. Information is data that has been organized or given structure - that is, placed in context - and thus endowed with meaning." 21 Nur wenn ein Bezug zwischen diesen Daten hergestellt wird und ihnen eine Bedeutung zukommt, werden sie zu Informationen. „Diese In-formationen sind für Betrachter wertlos, die sie nicht mit anderen aktuellen oder in der Vergangenheit gespeicherten Informationen vernetzen können“ 22 Erst durch die Verknüpfung von Informationen entsteht Wissen. Dieser Prozess läuft nur durch die bewusste Verarbeitung von Informationen ab, die wie Rohstoff für einen Produktionsprozess dienen.
Die Unterscheidung zwischen Daten, Informationen und Wissen ist für ein ganzheitliches Verständnis unerlässlich. Trotzdem sind diese Begriffe nicht strikt getrennt zu sehen, sondern in einem kausalen Zusammenhang zu setzen.
21 (Glazer, 1997) S. 9, zitiert aus (Probst; Raub; Romhardt, 2006) S. 271.
22 (North, 2005) S. 33.
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2 Wissen und Wissensmanagement
Probst et al. schlagen hier die Vorstellung eines Kontinuums zwischen den beiden Polen Daten und Wissen vor, wie in Abbildung 2 dargestellt. 23 Da der Mensch sich in einer Problemsituation nicht sprunghaft, sondern schrittweise durch das Verknüpfen und Interpretieren von Informationen an die Lösung herantastet, ist diese Sichtweise wesentlich realitätsnäher. 24
Quelle: (Probst; Raub; Romhardt, 2006) S. 17.
Abbildung 2: Das Kontinuum von Daten über Informationen zu Wissen
Nach Boulding stellt Wissen eine Struktur dar, in die sich Informationen wie einzelne Bausteine einfügen. “Knowledge must itself be regarded as a structure, a very complex and frequent quite loose pattern,[…] with its parts connected in various ways by ties of varying degrees of strength.” 25 Diese Struktur wird durch die einzelnen Informationen auf drei Weisen beeinflusst: 26
Informationen ergänzen: Informationen können bestehendes Wissen vervollständigen und sich in die Struktur integrieren.
Informationen fundieren: Informationen können Wissen untermauern oder aber Zweifel daran aufkommen lassen.
Informationen modifizieren: Informationen können zu einer Überarbeitung von existierendem Wissen führen, indem Teilbereiche angelegt, erweitert oder reduziert werden.
23 Vgl. (Probst; Raub; Romhardt, 2006) S. 17 f.
24 Vgl. (Romhardt, 1998) S. 63 f.
25 (Boulding, 1955) S. 103 f.; zitiert aus (Langlois, 1984) S. 30.
26 Vgl. (Thiel, 2002) S. 15; in Anlehnung an (Boulding, 1956) S. 103 f.
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2 Wissen und Wissensmanagement
Individualität des Wissens
Es wurde erörtert, dass Wissen als Prozess der Informationsvernetzung entsteht. In der Kommunikationswissenschaft wird jedoch verdeutlicht, dass bei einer Informationsübermittlung die Einordnung der Information, Beurteilung und Deutung durch den Empfänger erfolgt. 27 Wissen ist also mehr als nur vernetzte Informationen. „Wissen setzt sich aus kognitiven, normativen und emotionalen Bestandteilen zusammen“ 28 Bohnen schreibt „Information tells the current or past status of some part of the production system. Knowledge goes further; it allows the making of predictions, causal associations, or prescriptive decisions about what to do.” 29 Wissen ist also kein rein objektiver Gegenstand, sondern Ergebnis eines individuellen Prozesses. 30 Diesen semantischen Prozess beschreiben Davenport/Prusak wie folgt: Aufgenommene Informationen werden mit bestehenden Informationen verglichen. Je nach Zweck und Relevanz der Informationen werden diese kategorisiert, mit den bestehenden Informationen in Bezug gesetzt und Konsequenzen daraus gezogen. 31
Hier lässt sich festhalten, dass Wissen als Struktur von vernetzten Informationen vorliegt. Für Werkzeuge der Wissensspeicherung resultiert daraus die Bedingung, dass sie Informationen als vernetzte Bausteine in einem System speichern können müssen.
Trotzdem bleibt immer ein Teil des Wissens nicht abbildbar, da es individuell interpretiert wird. Ein Ziel muss daher sein, ein möglichst umfassendes Netz an Informationen bereitstellen zu können, um die Wissensstruktur so genau wie möglich speichern und das Wissen so konkret wie möglich an Individuen transferieren zu können, um Fehlinterpretationen zu vermeiden.
2.1.1 Wissensdimensionen
Folgend wird die Differenzierung des Wissensbegriffs in die Dimensionen Natur, Verfügbarkeit und Wert in Anlehnung an North vorgenommen, da diese auch eine praxisrelevante Sicht auf Wissen ermöglicht. 32
27 Vgl. (Geiger, 2005) S. 33 ff.
28 (Geiger, 2005) S. 36.
29 (Bohn, 1993) S. 1.
30 Vgl. (North, 2005) S. 33.
31 Vgl. (Davenport; Prusak, 1999) S. 30 ff.
32 In Anlehnung an (North, 2005) S. 40 ff.
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2 Wissen und Wissensmanagement
Verfügbarkeit
Wissen lässt sich hinsichtlich seiner Verfügbarkeit auf verschieden Weisen differenzieren. Eine Trennung in explizites und implizites Wissen bildet die Grundlage für die später angeführte Wissensspirale. dar. Diese Differenzierung wurde erstmals von Polanyi angeführt und von Nonaka und Takeuchi in ihrer Publikation „The Knowledge creating Company“ aufgegriffen und weiter entwickelt. 33 Implizites Wissen stellt das individuelle Wissen einer Person dar, das nicht oder nur teilweise kommunizierbar ist, da es auf den Erfahrungen, dem Zustand, der Intuition und der Entwicklung eines Individuums basiert. Es wird z.B. in der Erziehung vermittelt und ist teilweise im jeweiligen Träger verankert. „Wir definieren implizites Wissen deshalb als Gesamtheit des Wissens im Kopf des Menschen, das in einem unbewussten (stilles Wissen), nicht bewussten (latentes Wissen) oder bewussten Zu-stand sein kann und aus kognitiven Elementen (die dadurch codierbar und artikulierbar sind) und aus operativen, kognitiv unzulänglichen Elementen besteht (die nicht explizierbar, höchstens demonstrierbar sind)“ 34 .
Es existiert schlussfolgernd Wissen in Individuen, von dem diese gar nicht wissen, dass sie es wissen.
Explizites Wissen ist artikulier- und dokumentierbar. Es handelt sich um den Teil des impliziten Wissens, der bewusst vorliegt und kommunizierbar ist. 35 Durch Externalisierung in Zeichen und Symbole wird dieses Wissen transferier- und speicherbar.
Eine weitere Möglichkeit der Differenzierung ist die Unterscheidung in individuelles und kollektives Wissen. Individuelles Wissen ist auf einzelne Individuen beschränkt, während kollektives Wissen als das von allen Beteiligten gemeinsam genutztes Wissen (organisationales Wissen) betrachtet wird. 36 Hervorzuheben ist, dass kollektives Wissen mehr ist, als die bloße Summe des Wissens der einzelnen Individuen. 37
In der Literatur werden noch einige weitere Differenzierungen von Wissen vorgenommen, z.B. in deklaratives und prozedurales Wissen oder Kombinationen von Wissensarten, z.B. implizites, individuelles Wissen oder explizites, individuelles Wissen, wobei sich manche Unterscheidungen in ihrer Bedeutung überschneiden. Einen Überblick bietet beispielsweise Barbara Müller. 38
33 Vgl. (Polanyi, 1985) und (Nonaka; Takeuchi, 1995) aus (Müller J. , 2009) S. 26 f.
34 (Hasler-Roumois, 2007) S. 43.
35 Vgl. (Hasler-Roumois, 2007) S. 43.
36 Vgl. (Güldenberg, 2003) S. 197 ff.
37 Vgl. (Probst; Raub; Romhardt, 2006) S. 21.
38 Vgl. (Müller B. , 2009) S. 28 ff.
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2 Wissen und Wissensmanagement
Natur
In der Literatur existieren zwei hauptsächliche Ansichten über die Natur des Wissens 39 :
Das ontologisches Modell: Wissen ist die realitätsgetreue Abbildung einer existierenden Wirklichkeit und daher unabhängig vom Beobachter. Das daraus entstehende Wissensmodell wird daher von Mensch und Maschine gleichermaßen verstanden. 40
Das konstruktivistisches Modell: Das Wissen wird immer subjektiv interpretiert, woraus eine individuelle Wissenskonstruktion entsteht.
Wert
Für Unternehmen, deren Wert sich heute nicht mehr am Buchwert manifestiert, sondern auch im Marktwert widerspiegelt, ist der Wert des Produktionsfaktors Wissen eine wichtige Größe. Als immaterielles Gut ist eine exakte Messbarkeit des Wertes allerdings nicht möglich. Er kann jedoch nach bestimmten Kriterien geordnet und skaliert werden. Grundsätzlich können die zwei Faktoren Knappheit und Wertschöpfungspotenzial angeführt werden, wobei beides nur schätzungsweise angenähert werden kann. Es existieren eine Fülle an Indikatormethoden, um den Wert von Wissen zu ermitteln. 41 Folgend werden einige Kriterien gegeben, nach denen der Wert des Wissens eingeordnet werden kann:
zeitliche Gültigkeit: Hier wird die sogenannte „Halbwertszeit“ 42 des Wissens, angeführt. Sie beschreibt, wie lange Wissen gültig ist. Dabei ist zu beachten, dass je spezieller das Wissen ist, es umso schneller überholt ist. 43 inhaltliche Validität: Akzeptiertes Wissen mit allgemeiner Gültigkeit ist weniger Wert, als erfahrungsbezogenes Wissen.
Einzigartigkeit: Geschütztes Wissen wie z.B. Patente sind wertvoller als allgemein verfügbares.
implizite/explizite Dimension: Liegt Wissen in impliziter Dimension vor, macht es den Transfer von Wissen schwierig, langsam, unsicher und kostenintensiv. 44
39 Vgl. (Hasler-Roumois, 2007)S. 47 ff.
40 Vgl. (Gausemeier, 2006) S. 130 f.; ebenso (Meinsen, 2003) S. 28 f.
41 Vgl. (Schloderer, 2005) S. 226 ff.
42 Als Halbwertszeit wird die Zeitspanne bezeichnet, in der Wert einer exponentiell abnehmenden Größe halbiert hat.
43 Vgl. (Prange, 2002) S. 18.
44 Vgl. (Müller J. , 2009) S. 18.
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2 Wissen und Wissensmanagement
Eine Besonderheit von Wissen als Produktionsfaktor ist, dass Wissen nicht verbraucht wird, wenn es genutzt wird, sondern im Gegenteil sogar wächst, wenn es weitergegeben und mit bestehendem Wissen verknüpft wird. 45 Für die Messung und Bewertung von Wissen, um damit das intellektuelle Kapital eines Unternehmens bilanzieren zu können, wurden verschiedene Methoden entwickelt, darunter beispielsweise das Tobin’s q, die Markt-Buchwert-Relation oder die Balanced Score Card. Eine Untersuchung der einzelnen Methoden biete zum Beispiel Bergmann 46
Resultierend aus den drei Wissensdimensionen können für die spätere Untersuchung unter anderem die Aspekte festgehalten werden, dass Wissen nur in expliziter Form transferierbar ist und es daher Werkzeuge bedarf, die die Umwandlung von impliziten in explizites Wissen unterstützen und die Speicherung dessen erleichtern. Des Weiteren müssen sie, um den Wert von Wissen zu bewahren, eine möglichst schnelle Aktualisierung ermöglichen, um die Gültigkeit des Wissens zu gewähren, sowie Wissen vor unbefugtem Zugriff bewahren um die Einzigartigkeit zu garantieren.
2.1.2 Wissenserzeugung
Anhand der in Kapitel 2.1.1 vorgenommenen Unterscheidung zwischen impliziten und explizitem Wissen wird ein Grundproblem für Organisationen deutlich: Die Überführung von einem in das andere. Erst wenn Wissen in expliziter Form für Unternehmen zur Verfügung steht, kann es gespeichert und für andere zugänglich gemacht werden. Andererseits können Individuen mit Hilfe explizit vorliegenden Wissens ihr implizites Wissen erweitern, lernen und dadurch neues Wissen entwickeln. Nonaka und Takeuchi definieren anhand implizitem und explizitem Wissen die „four modes of knowledge conversion“ 47 (ins Deutsche meist als vier Arten der Wissens-umwandlung oder Wissenserzeugung übersetzt).
Sozialisation
Bei der Sozialisation wird implizites Wissen in neues implizites Wissen umgewandelt. Dies trifft zum Beispiel dann zu, wenn eine Person von einer zweiten durch Beobachtung oder Erfahrungsaustausch implizites Wissen direkt weitergibt. Das
45 Vgl. (Grant, 1997) S. 451.
46 Vgl. (Bergmann; Bodrow, 2003)
47 (Nonaka; Takeuchi, 1995) S. 70.
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2 Wissen und Wissensmanagement
Wissen wird dabei zu keinem Zeitpunkt in explizites umgewandelt. Die Sozialisation findet sich beispielsweise in der typischen Ausbilder-Schüler Situation in handwerklichen Berufen wieder. 48
Externalisierung
Externalisierung beschreibt das Grundmuster, bei dem implizites Wissen zu, für das gesamte Unternehmen nutzbarem, explizitem Wissen überführt wird. Die Übersetzung von impliziten in explizites Wissen kann entweder durch analytische Methoden erfolgen, indem man versucht, Tatbestände objektiv zu erfassen. Oder durch nichtanalytische Methoden, zum Beispiel mit Hilfe von Metaphern oder Analogien. Aus der Externalisierung entsteht dokumentierbares Wissen beispielsweise in Form von Aussagen, Theorien, Modellen, Zahlen oder Fakten. 49
Internalisierung
Internalisierung beschreibt den Prozess der Integration von explizitem Wissen in die Wissensbasis eines Individuums. „Das dokumentierte, explizite Wissen muss nun von den Mitarbeitern durch Aufnahme, Ergänzung und Neuordnung ihres Wissens internalisiert werden.“ 50 Bei der dabei stattfindenden Verknüpfung mit bestehendem Wissen kann wiederum neues Wissen entstehen.
Kombination
Bei der Kombination von explizitem Wissen kann neues, explizites Wissen entstehen. Das systemische Kombinieren von Wissen vermehrt dabei nicht das Gesamtwissen einer Organisation, da es ja de facto schon vorhanden ist, es aber in dieser Form noch nicht vorlag und erst zusammengefasst einen Mehrwert birgt.
48 Vgl. (Herrmann; Scheer; Weber, 1999) S. 85.
49 Vgl. (North, 2005) S. 45.
50 (North, 2005) S. 45.
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Arbeit zitieren:
Christoph Jäckel, 2010, Potenziale von Web 2.0 Anwendungen im Wissensmanagement, München, GRIN Verlag GmbH
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