Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 6
2 Das weibliche Schönheitsideal 8
2.1 Das weibliche Schönheitsideal im Wandel der Zeit. 8
2.2 Das aktuelle westliche Frauenschönheitsideal. 11
2.3 Auswirkungen/Konsequenzen des weiblichen Schönheitsideals. 14
2.4 „Theorie der sozialen Vergleichsprozesse“ 17
3 BRIGITTE - Deutschlands meist gelesene Frauenzeitschrift. 19
3.1 Die Leserschaft von BRIGITTE. 21
3.2 Verkaufszahlen von BRIGITTE. 23
3.3 Die neue Kampagne „Ohne Models“ von BRIGITTE. 25
3.4 Konzeption Idee. 25
3.4.1 Stellungnahmen zur Idee. 26
3.4.1.1 BRIGITTE-Redaktion. 26
3.4.1.2 Leserinnen. 27
3.4.1.3 Mode- und Zeitschriftenbranche. 29
4 Stellungnahmen nach der Umsetzung 31
5 Zwischenfazit und Forschungsfragen. 33
5.1 Zwischenfazit. 33
5.2 Forschungsfragen. 34
6 Empirisches Vorgehen. 35
6.1 Methodisches Vorgehen. 35
6.1.1 Auswahl der Methode. 36
6.1.2 Stichprobe. 36
6.1.3 Pretest. 36
6.2 Datenerhebung und -auswertung. 38
6.2.1 Gestaltung des Fragebogens. 38
6.2.2 Durchführung der Befragung. 39
6.2.3 Auswertungsverfahren 39
7 Befunde. 40
7.1 Teilnehmerstruktur. 40
7.2 Beantwortung der Forschungsfragen. 43
8 Methodenkritik Fazit. 54
8.1 Methodenkritik. 54
8.2 Fazit. 54
Abbildungsverzeichnis. 4
Tabellenverzeichnis. 5
Abk ürzungsverzeichnis. 5
Literaturverzeichnis. 56
Anhang 61
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Zusammenhang zwischen Lebensmittelversorgung und Idealkörper......11 Abbildung 2: Steigende Preise mit zunehmender Konfektionsgröße............................12 Abbildung 3: Angaben von Frauen und Männern auf die Frage: „Welche weibliche Figur hat für Sie das attraktivste Gewicht?“, in Prozent;.........................13 Abbildung4: Frauenmeinung; Ist-Gewicht, Traumgewicht und attraktivstes
Frauengewicht...........................................................................................14 Abbildung 5: Befragung der BzgA von Jugendlichen zu ihrem Körperempfinden.......15 Abbildung 6: Ana Carolina Reston, gestorben 2006 an den Folgen von Anorexie........16 Abbildung 7: Erste Ausgabe von BRIGITTE 1954........................................................19 Abbildung 8: Leserschaft von Brigitte nach Altersgruppen in Mio...............................22 Abbildung 9: Berufstätigkeit und Haushaltsnettoeinkommen (HHNE) der Brigitte-Leserinnen gegenüber der Gesamtzahl an Frauen ..................................22 Abbildung 10: Druckauflage der Zeitschrift Brigitte von 2000-2010, pro Quartal.......24 Abbildung 11: Ankündigung der Kampagne „ohne Models“ ........................................25 Abbildung 12: BRIGITTE 2/2010..................................................................................26 Abbildung 13: Didda Jónsdóttir.....................................................................................31 Abbildung 14: Userkommentare zum Voting.................................................................34 Abbildung 15: Übersicht über das Alter der Befragten; in Prozent...............................40 Abbildung 16: Frage 2:Lese-Häufigkeit der Zeitschrift; in Prozent .............................42 Abbildung 17: Frage 3: Abonnement der Zeitschrift BRIGITTE; in Prozent................43 Abbildung 18: Frage 4: Nutzung des Online-Angebots ................................................43 Abbildung 19: Frage 8: "Wie finden Sie die Idee, keine professionellen Models mehr zu fotografieren?" (1 = sehr schlecht bis 6 = sehr gut); in Prozent......44 Abbildung 20: Frage 14: "Sehen Sie in Zeitschriften lieber professionelle Models, oder lieber "normale" Frauen?“ ; in Prozent..........................................45 Abbildung 21: Zusammenhang zwischen Alter der Befragten und Frage 14; Online-Teilnehmerinnen und Passanteninterviews zusammengefasst................47 Abbildung 22: Frage 12: "Können Sie sich mit den neuen Models identifizieren?";
in Prozent...............................................................................................47 Abbildung 23: Zusammenhang zwischen Alter der Befragten und Frage 12; Online-
Abbildung24: Angaben über die Themenpräferenz; Frage 5; in Prozent......................50 Abbildung 25: Frage 15: "Glauben Sie, dass BRIGITTE mit ihrer Kampagne einen
Abbildung 26: Frage 9: "Wie finden Sie, ist die Umsetzung der Idee, ohne professionellen Models zu arbeiten, gelungen?“; iIn Prozent...............52
Tabellenverzeichnis 5
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Übersicht über den höchsten Bildungsabschluss der Befragten....................41
Tabelle 2: Übersicht über die berufliche Situation der Befragten..................................41
Tabelle 3: Begründungen der Teilnehmerinnen zur Antwortoption der Frage 14; Online-Teilnehmerinenn und Passanteninterviews zusammengefasst...........46
Tabelle 4: Begründungen der Teilnehmerinnen zur Antwortoption „nein“ der Frage 12; Online-Teilnehmerinenn und Passanteninterviews zusammengefasst...........48
Tabelle 5: Ranking der sechs beliebtesten Rubriken der Zeitschrift BRIGITTE bei beiden Teilnehmergruppen............................................................................50
Tabelle 6: Begründungen der Teilnehmerinnen zur Antwortoption der Frage 9; Online-Teilnehmerinnen und Passanteninterviews zusammengefasst; .........52
Tabelle 7: Antworten zu Frage 22: „Sonstige Anmerkungen zu BRIGITTE, speziell zur Kampagne „Ohne Models“.......................................................................53
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung
ca. circa
d.h. das heißt
ebd. ebenda
etc. et cetera
evtl. eventuell
et al. et alii (und andere)
f/ff folgende (Singular/Plural)
i.d.R. in der Regel
o.S. open Source
S. Seite
s. siehe
u.a. unter anderem
usw. und so weiter
vgl. vergleiche
z.B. zum Beispiel
Einleitung 6
1 Einleitung
„I don't want women bigger than a size 12 wearing my clothes.“. Der Designer Calvin Klein spricht nur aus, was in der Modebranche schon lange praktiziert wird: Zwar entspricht Schlanksein schon seit Mitte des 20. Jahrhunderts zum gängigen Schönheitsideal, seit Mitte der 90er Jahre verfiel dieses Ideal aber ins Extreme. „Heorin-Chic“ heißt der neue Trend. Voraussetzung hierfür: ein knabenhafter, androgyner Körper, der dem eines Mädchens am Anfang der Pubertät gleicht. Noch vor 30 Jahren wogen Models rund 8% weniger als die Durchschnittsfrau, heute sind es ganze 23% (Wiener Zeitung,19.02.2010, o.S.).
Und dieses Schönheitsideal ist allgegenwärtig: nicht nur im Fernsehen und auf Plakaten wird einem Dünnsein als einzige Erfüllung vor Augen geführt, auch in Zeitschriften, in der Werbung, in Musikvideos und in Büchern. Vor allem Frauen und junge Mädchen lassen sich hierbei stark beeinflussen, was sogar soweit gehen kann, dass Krankheiten wie Magersucht und Bulimie entstehen. Frauenzeitschriften spielen bei der Verbreitung des Idealbildes der Frau eine zentrale Rolle. Sie pflegen eine Art Freundinnen-Image zu ihren Leserinnen, indem sie zu allen Lebenslagen beratend zur Seite stehen und der Leserin sagen, was sie tun kann und soll, um dem Idealbild zu entsprechen. „Von der ersten bis zur letzten Seite (...) werden wir immer wieder in unsere verbesserungswürdigen Einzelteile zerlegt. Dahinter steht die Verachtung des weiblichen Körpers schlechthin.“ (Roggenkamp, 1984/1985, S.31). „Besonders schizophren erscheint die Doppelmoral in Zeitschriften wie Brigitte, die sich darum bemühen, das Bild der perfekten Hausfrau und Köchin mit dem der perfekten schlanken Schönheit zu paaren“ (Deuser, 1995, S.91). Die Zeitschrift BRIGITTE hatte nun genug von diesem Magerwahn und startete im Januar 2010 eine neue Kampagne im Heft: „Ohne Models“. In allen selbst produzierten Fotostrecken werden nur noch Frauen abgelichtet, die keine Models sind. Jede Frau kann sich dafür bewerben. Bereits im Oktober 2009 wurde die Initiative angekündigt und löste großes Aufsehen aus. In der Presse wurde darüber berichtet und im BRIGITTE-Forum diskutierten die Userinnen. Die Resonanz war bis auf ein paar wenige Ausnahmen äußerst positiv. Doch dann die große Enttäuschung: Seit Erscheinen der ersten Ausgabe im Januar 2010 „ohne Models“ geben die Leserinnen vor allem im BRIGITTE-Forum ihren Frust kund. Es gebe gar keinen Unterschied zwischen den neuen und alten Models, denn die neuen sähen genau so gut aus, wären genau so schlank und genau so jung. Der einzige Unterschied sei der, dass bei den neuen Models ein Steckbrief dabei ist, der einem jetzt noch Auskunft über ihr tolles und erfolgreiches Leben gibt.
Um die Meinung von Frauen über die Kampagne „Ohne Models“ empirisch überprüfen zu können, werden in dieser Arbeit 164 Frauen zu der Kampagne befragt. Am Ende sollen folgende Frage beantwortet werden:
Einleitung 7
● Wie kommt die Umsetzung bei den Frauen an?
Zur Beantwortung der Hauptfrage sind folgende Unterfragen nötig:
● Wie finden die Frauen generell die Idee, keine professionellen Models mehr zu fotografieren?
● Wollen Frauen überhaupt „normale“ Frauen sehen, oder doch lieber professionelle Models?
● Können sich die Leserinnen mit den jetzigen Models identifizieren? ● Ist das Ressort „Mode“ überhaupt ausschlaggebend für den erfolgreichen Verkauf von Brigitte?
● Könnte die Idee, „normale“ Frauen zu fotografieren, ein Trend werden, dem andere Zeitschriften folgen werden?
Der Aufbau der Arbeit gestaltet sich folgendermaßen:
Nach der Einleitung in Kapitel 1 widmet sich Kapitel 2 dem weiblichen Schönheitsideal. Es wird der Wandel des Schönheitsbildes von der Vorzeit bis heute umrissen, danach wird das aktuelle Schönheitsideal genauer analysiert und dessen Auswirkungen aufgezeigt. Als Unterstützung dient hierzu die „Theorie der sozialen Vergleichsprozesse“ von Leon Festinger. Kapitel 3 handelt von der Zeitschrift BRIGITTE. Anfangs wird die Entstehung der Zeitschrift erläutert, gefolgt von einer Analyse ihrer Leserschaft und Verkaufszahlen. Schließlich wird die neue Kampagne „Ohne Models“ vorgestellt und Stellungnahmen vor ihrer Umsetzung kommen zu Wort. In Kapitel 4 werden Stellungnahmen nach der Umsetzung aufgezeigt. Dass ist insofern ein wichtiges Kapitel, als dass hierauf die ganze Diskussion um die Kampagne zurückzuführen ist.
In Kapitel 5 wird ein Zwischenfazit basierend auf den vorangegangenen Kapiteln gegeben und die Forschungsfragen für den empirischen Teil vorgestellt.
Ab Kapitel 6 fängt der praktische Teil an. Zuerst mit einer Erklärung des methodischen Vorgehens, gefolgt von der Beschreibung der Datenerhebung und -auswertung.
In Kapitel 7 werden die Ergebnisse der Befragung dargestellt. Abgeschlossen wird diese Arbeit mit Kapitel 8, dem Fazit und der Diskussion.
Das weibliche Schönheitsideal 8
2 Das weibliche Schönheitsideal
2.1 Das weibliche Schönheitsideal im Wandel der Zeit
„Schönheit ist überall ein gar willkommener Gast.“, sagte schon Johann Wolfgang von Goethe. Erst durch Erfindung der Fotografie und durch die Etablierung der Massenmedien lassen sich die geltenden Schönheitsideale exakt abbilden und dokumentieren. Doch auch die geltenden Körperideale und Vorlieben der vergangenen Epochen lassen sich vor allem dank Literatur, Kunst und Geschichte rekonstruieren. In diesem Kapitel werden die unterschiedlichen (weiblichen) Schönheitsideale im Wandel der Zeit umrissen. Angefangen bei der Vorzeit bis hin zu den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts (vgl. Deuser/Gläser/Köppe,1995, S.21-26):
● Funde aus der Vorzeit zeigen Figuren sehr üppiger Gestalt. Es ist allerdings fraglich, ob diese Figuren nur Göttinnen oder Symbole repräsentieren, oder ob es sich doch um Abbildungen handelt, die das Körperideal verdeutlichen. Eine Überlegung die dafür spräche, wäre, dass üppige Frauen Fruchtbarkeit verkörpern, was zur Sicherung des Stammes diente. Außerdem hatten üppige Frauen aufgrund ihrer Fettreserven einen „evolutionären Selektionsvorteil“ (Deuser/Gläser/Köppe, 1995, S.21).
● In der griechischen Klassik wurde ein stämmiger Frauenkörper verehrt, der folgende geometrische Abmessungen aufwies: die Strecke zwischen beiden Brustwarzen und dem Bauchnabel sollte ein gleichschenkliges Dreieck ergeben, ebenso sollte die Strecke Schritt - Bauchnabel die einer Seitenlänge des Dreiecks entsprechen (ein berühmtes Beispiel hierfür ist die „Venus von Milo“).
● Zurück zum üppigen Frauenkörper ging es im Spätmittelalter wieder, wo Fruchtbarkeit als erotisch und ästhetisch galt. ● In der Frührenaissance galten sehr junge, schlanke Frauen mit kleinen Brüsten, aber rundem Bäuchlein zum Schönheitsideal, hingegen in der Hoch- und Spätrenaissance aufgrund des gehobeneren Lebensstils mit üppigem Essen und Trinken auch wieder der üppige Frauenkörper bevorzugt wurde. So dicke Körper, sowohl bei Frauen als auch bei Männern, wie im Barock, wurden kaum jemals zuvor oder danach mehr verehrt. Dick sein galt als Zeichen eines privilegierten Lebens, bei Frauen verkörperte es außerdem Mütterlichkeit. Ein berühmter Maler der Frührenaissance war Peter Paul Rubens.
● Wieder schlanker wurde der Körper im Rokoko, wo auch das Korsett für einen Ballonbusen erstmals zum Einsatz kam. ● In der Viktorianischen Ära galt eine gewisse Molligkeit als schön, besonders Arme, Brüste, Schultern und Beine sollten weich sein. Eine schmale Taille durch Korsett gehörte aber ebenso zum Schönheitsideal.
Das weibliche Schönheitsideal 9
● Das erste Mannequin erschien dann um 1850: Marie Vernet. Der Pariser Designer Charles Frederick Worth war der erste, der seine Mode nicht mehr an Puppen präsentierte. Die Idee des Modelns war folgende: „Damit Mode Das weibliche Schönheitsideal Sehnsüchte weckt, muss sie von Menschen getragen werden, die diese Träume verkörpern.“ (BRIGITTE, 2/2010, S.119).
● Gegen Ende des 19. Jahrhunderts galt plötzlich ein schlanker, zierlicher Körper als schön. Künstler bildeten sogar tuberkulosekranke Frauen ab, weil dieser bleiche, ausgemergelte Körper etwas heroisches habe. Das Korsett wurde abgeschafft, wodurch die Frauen nun ohne stützende Hilfen ihren Körper in Form bringen mussten. Der Kampf gegen die Pfunde hat hier seinen Ursprung: „die moderne Diätkultur hielt hier ihren Einzug“ (Deuser/Gläser/Köppe, 1995, S.23). In Zeitschriften wurde nun den Frauen das weibliche Idealbild als Vorbild gezeigt. ● Nach dem ersten Weltkrieg wollten die Menschen wieder das Leben genießen und die Frauen erreichten immer mehr Emanzipation. 1918 bekamen sie das Wahlrecht und Mitte der 20er Jahre stellten sie schon 36% der Berufstätigen dar. Diese neue Lebensart spiegelte sich auch im schlanken Körperkult wider. Weibliche Rundungen wurden abgeschafft, das Körperprofil sollte einer Linie entsprechen. Das Model wurde in diesem Jahrzehnt zur Ikone: Lee Miller verkörperte 1927 die „'Garçonne' der 'Golden Twenties': Selbstbewusst, abenteuerlustig und kosmopolitisch“ (BRIGITTE, 2/2010, S.119).
● Doch schon zu Beginn der 30er Jahre kehrte mit der in den Hintergrund tretenden Emanzipation wieder das Idealbild eines üppigen Frauenkörpers zurück. Jedoch in modernerer Form: große Brüste und eine schmale Taille waren nun Inbegriff der Weiblichkeit. Diese Entwicklung passte sehr gut zu den Vorstellungen des nationalsozialistischen Deutschlands, wo „Gebären“ und „dem Manne unterworfen sein“ als einzige Aufgabe der Frau gesehen wurde. ● Nach dem Krieg in den 40er Jahren schien wieder das schlanke Körperideal vorherrschend, was aber sicherlich auch mit der Nahrungsmittelknappheit zusammenhing. Doch auch die Modeschöpfer befürworteten diese Entwicklung. Einerseits verschafften ihnen Stilikonen wie Lee Miller große Öffentlichkeit, andererseits rückte die Mode an sich immer mehr in den Hintergrund. Der „New Look“ in der Nachkriegszeit mit den eng geschnürten Kleidern ließ die Models wieder unscheinbarer wirken (BRIGITTE, 2/2010, S.119).
● Auch im nächsten Jahrzehnt war die Frauenrolle weiterhin auf Haushalt, Mutter und Ehefrau beschränkt, was sich wie schon des Öfteren in der Geschichte in einem weiblichen Frauenkörper spiegelte. Jedoch war nun nicht mehr der mütterliche, sondern viel mehr der „sexy“ Typ gefragt. Hollywoods Schöpfungen ließen auch im amerikanisierten
Nachkriegsdeutschland dank Kino, Zeitschriften und Fernsehen, nicht
Das weibliche Schönheitsideal 10
lange auf sich warten: lange Beine, schmale Taille, üppiger Busen waren die Idealvorstellungen - ganz nach Vorbild einer Marylin Monroe, Sophia Loren oder Gina Lollobrigida. Der Beruf des Models hatte von nun an seine Berechtigung.
● Durch die Emanzipationsbewegung in den 60er Jahren veränderte sich auch wieder das Schönheitsideal der Frauen: nicht mehr der weibliche, sondern vielmehr jugendliche und androgyne Körper wurde zum Vorbild. In vielen gesellschaftlichen Bereichen erlangten die Frauen Gleichberechtigung. Die Pille war Zeichen der „sexuellen Befreiung der Frau“ (Deuser/Gläser/Köppe, 1995, S.26) und der Emanzipation. Zwar waren die Frauen nun aus ihrem häuslichen Gefängnis ausgebrochen, so schufen sie sich doch ein neues: „ihren eigenen Körper“ (ebd. S. 26). Etliche Produkte kamen auf den Markt, die die Frauen damit umwarben, ihr Aussehen zu verbessern. Schwanger werden stand nun außer Frage, geschah es doch, wurden werdende Mütter auf Diät gesetzt, um maximal 20 Pfund zuzunehmen. Ende der 60er wurde das Schönheitsideal als „Twiggy“ bezeichnet, ein Körper, der durch schmale Schultern und Hüften, sowie Kulleraugen und extreme Schlankheit an ein Kind erinnert. ● In den folgenden Jahren fand man nun die unterschiedlichsten Frauentypen auf Plakaten und Laufstegen. Bis Ende der 80er Jahre ein neues Frauenideal aufkam, „das die Sehnsucht nach Glanz und Schönheit nach dem Ende des Kalten Krieges wie kein anderes befriedigen sollte: Das Supermodel.“ (BRIGITTE, 2/2010, S.119). Es waren sieben Frauen, die die Modebranche ab dem Zeitpunkt prägten: Claudia Schiffer, Naomi Campbell, Linda Evangelista, Christy Turlington, Cindy Crawford, Tatjana Patitz und Stephanie Seymour. Sie waren so berühmt, dass sie bekannter waren, als die Marken für die sie gebucht waren.
● Der Gegenschlag kam Mitte der 90er: Die Calvin Klein Kampagne „Just be“ warb mit unbekannten, dünnen Teenies anstatt mit „kurvigen Heldinnen“ (vgl. BRIGITTE, 2/2010, S.119). Der so genannte „Heroin-Chic“ löste die Ära der Supermodels ab und besteht bis dato. Junge Osteuropäerinnen prägen das Bild der Laufstege und Kindergröße „Size Zero“ (32) ist hierfür Voraussetzung. Cindy Crawford ist sich sicher: „Heute wäre ich kein Supermodel geworden, ich sehe zu gesund aus.“ (In: BRIGITTE, 2/2010, S.120). Und diese sind nun allgegenwärtig: schon 1993 schrieb „Der Spiegel“: „Rund zwölfmal am Tag, so das Ergebnis einer Studie, ist der westliche Durchschnittsmensch mit dem Anblick eines Models konfrontiert - nicht nur in den Erzeugnissen von Presse und Fernsehen, ihren klassischen Tummelgebieten. Vielmehr präsentieren sich die Models längst multimedial“ (Spiegel online, 08.11.1993, o.S.),
Betrachtet man die Entwicklung vor allem im 20. Jahrhundert, so ist es
Das weibliche Schönheitsideal 11
interessant festzustellen, dass immer, wenn sich Frauen vom Hausfrau- und Mutterdasein abwandten, dies mit einer Veränderung zu einem schlanken Körperbild einher ging. Ebenso der umgekehrte Fall: standen die Frauen wieder unter der Repression der Männer, so hat sich analog dazu auch der Idealkörper einer üppigen, weiblichen Figur ergeben.
2.2 Das aktuelle westliche Frauenschönheitsideal
Waren früher Schönheitsideale noch kulturell begrenzt und regionsspezifisch, so sind sie heute, bis auf einige Ausnahmen, vom Idealbild westlicher Industriegesellschaften geprägt.
In einer Studie von Anderson, Crawford, Nadeau und Lindberg (1992) wurde der Idealkörper in verschiedenen Kulturen in Abhängigkeit von der jeweiligen Nahrungsversorgung untersucht. Wie Abbildung 1 zeigt, hatten sie mit ihrer Theorie recht, dass in Kulturen mit hoher Nahrungsversorgung ein schlanker Körper bevorzugt wird, hingegen bei Kulturen mit schlechter
Nahrungsversorgung eher ein mittel- bis schwergewichtiger Körper. Zu erklären ist dieser Befund damit, dass in Ländern mit knapper Lebensmittelversorgung ein dicker Körper Wohlstand und Fruchtbarkeit symbolisiert (Aronson/Wilson/Akert, 2004, S.288) .
Durch die globale Verbreitung von Bildern durch Massenmedien, wie beispielsweise im Kino und in der Werbung, und - greift man die Theorie von Anderson et al. auf - durch die immer besser werdende Lebensmittelversorgung auf der Welt, wird nun so gut wie überall das vorherrschende Schönheitsideal von einem schlanken Körper vereinheitlicht.
Das weibliche Schönheitsideal 12
Obwohl sich viele Trends im 20. Jahrhundert so oft veränderten, dass sie es nie zum Ideal schafften, wie z.B. blond oder brünett, große oder kleine Brüste, ein Schönheitsgebot hat sich seit Ende des zweiten Weltkrieges, spätestens aber seit den 60er Jahren durchgehend gehalten: Schlank sein! In den 60er und 70er Jahren mag dieses Ideal noch relativ locker gehandhabt worden sein, doch „mittlerweile [hat es sich] zu einem zwanghaften Diktat entwickelt“ (ebd. S.27). 1996 war es letztendlich soweit, dass magersüchtige Models die Oberhand gewannen: „Die Models sind mindestens 1,74m groß und nach den Tabellen der Ernährungswissenschaftler je nach Knochenbau mit ihren 50 bis 55 Kilo stark untergewichtig“ (Wilk, 2002, S.51). Die anzustrebende Konfektionsgröße liegt zwischen 34 und 38. Der Designer Calvin Klein soll einmal gesagt haben: „I don't want women bigger than a size 12 wearing my clothes.“. Der Körper der dem Ideal entsprechenden Frau gleicht dem eines Mädchens am Anfang der Pubertät: straff, schlank, lange schlanke Beine, sehr schmale Hüften, ein möglichst nach innen gewölbter Bauch und ein knospenartiger Busen. Man könnte meinen, dass „die Frau, so wie sie nun mal aussieht, ein Irrtum der Natur [sei]“ (Deuser/Gläser/Köppe, 2004, S.28). Frauen haben nämlich
Das weibliche Schönheitsideal 13
immer wieder vor Augen geführt. Schaufensterpuppen tragen Größe 36 und auch hier muss noch mit Stecknadeln nachgeholfen werden, ab Größe 44 muss man in Spezialgeschäften einkaufen und bei Versandhäusern kostet Kleidung ab Größe 40 meist mehr (Abb. 2).
Eine repräsentative Studie zum herrschenden Schönheitsideal liefert der Ernährungsbericht von 1992. Stichprobe waren 2000 Personen der alten Bundesländer ab 14 Jahren. Ihnen wurden Silhouetten (F.1 bis F.9) vorgelegt, die den Konfektionsgrößen 34 bis 50 entsprachen. „Welche weibliche Figur hat für sie das attraktivste Gewicht?“, lautete eine Frage (Abb. 3). Die deutliche Mehrheit von Männern und Frauen fanden die Silhouetten F.1 - F.3 (also Konfektionsgröße 34, 36 und 38) am attraktivsten. Gefolgt von Silhouette F.4 (Größe 40) und als letztes F.5 - F.9 (Größe 42 bis 50). Was auch ein interessanter Aspekt der Ergebnisse ist: Zwar bevorzugt auch die Mehrheit der Männer die kleinen Größen (65,8%), allerdings weniger als die Frauen (73,3%). Im Gegenzug bevorzugen mehr Männer als Frauen die beiden anderen Kategorien.
Das zeigt, dass Frauen von dem Schlankheitswahn deutlich mehr eingenommen sind als Männer. Eine Userin im Brigitte-Forum 'Bfriends' postete folgende Aussage, die das oben beschriebene sehr treffend beschreibt: „Der Ehemann einer meiner sehr schlanken Freundinnen sagte übrigens zu dem Thema: "Nur Frauen bewundern dich dafür, dass du dünn bist, Männer stehen auf Frauen!" (NinaS am 07.10.2009 auf http://bfriends.brigitte.de/foren/fragen-
Arbeit zitieren:
Vanessa Helfgen, 2010, BRIGITTE - "Ohne Models", München, GRIN Verlag GmbH
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Ausarbeitung, 15 Seiten
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Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
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Methods and Models for Studying the Individual
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Macaque Societies: A Model for the Study of Social Organization
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