1. Vorwort
„Es ist überall nichts in der Welt, ja überhaupt auch außer derselben zu denken möglich, was ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden, als allein ein guter Wille.“ 1 Bei diesem einleitenden Satz, mit dem Immanuel Kant seine Grundlegung zur Metaphysik der Sitten beginnt, stellt sich mir als erstes die Frage, was Kant denn überhaupt unter einem guten Willen versteht und warum nur dieser für uneingeschränkt gut gehalten werden kann. Diese Fragen soll nun Gegenstand der vorliegenden Hausarbeit sein.
Um zu verstehen, was Kant unter diesem Ausdruck versteht, werde ich zunächst versuchen, die Begriffe „gut“ und „Wille“ in Kants Sinne zu erklären um mit deren Hilfe den Begriff des guten Willens erläutern.
Um zu verstehen, warum nur er als uneingeschränkt gut gelten kann und was das impliziert, werde ich zunächst den bedingten Wert der Natur- und Glücksgaben untersuchen. Hierbei lege ich besonderen Wert auf den Begriff des Charakters und die mit ihm verbundenen, nicht uneingeschränkt guten Eigenschaften. Die Fragestellung in diesem Abschnitt soll also sein, was es für Charaktereigenschaften gibt, die den guten Willen beeinflussen und ob diese unterschieden werden können in solche, die den guten Willen unterstützen und positiv vorantreiben oder ihm andererseits schaden und seine Wirkung negativ steuern. Außerdem werde ich hier die Frage klären, wie man nach Kant die wahre Glückseligkeit erlangt.
Schließlich folgt die Erklärung, was unter dem Begriff des uneingeschränkt Gutem zu verstehen ist, warum das nur bei dem guten Willen der Fall sein kann und ich werde den einleitenden Satz auf mögliche unterschiedliche Lesarten, also unterschiedliche Interpretationsansätze, untersuchen.
Im letzten Teil der vorliegenden Arbeit reflektiere ich abschließend kurz, was unter dem Begriff des uneingeschränkt guten Willens zu verstehen ist und fasse die wichtigsten Antworten der oben genannten Problemfragen zusammen. __________
1 Kant, GMS 393.
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2. Begriffserklärung
2.1 Was ist „gut“?
Gibt es wirklich das Gute? Wenn ja, wer oder was legt es fest? Wie wird es definiert? Wo befindet sich dabei die Grenze zum Bösen? Ist es nicht doch eher subjektiv zu betrachten? Wird dabei die Handlung einer Person oder der Mensch selbst beurteilt? Der inflationäre Gebrauch dieses Wort lässt schnell darauf schließen, dass dies keine Frage ist, die in einem Satz beantwortet werden könnte.
„gut […] ist alles auf Werte gerichtete Denken, Wollen und Handeln des Menschen und der Mensch selbst, der sein Denken, Wollen und Handeln auf das Gute richtet.“ 2 Diese Definition gibt zwar einen ersten Impuls das Wort objektiv und allgemein zu beschreiben, setzt aber wiederum die Definition eines weiteren Wortes voraus, nämlich den Begriff des Guten. Dieses Gute lässt sich aber nicht verallgemeinern und festlegen. Es ist subjektiv und nur in Relation zu einer anderen Sache zu sehen, die als weniger gut oder besser beurteilt werden kann.
Solche Dinge sind in ihrer Definition folglich abhängig von anderen, sie sind also nicht intrinsisch gut, sondern werden als Zweck gebraucht um etwas zu erreichen und nicht um ihrer selbst Willen. Man stuft diesen Sachverhalt folglich als außermoralisch ein. Doch genau dieses intrinsisch Gute, das Moralische ist es, was Kant unter dem Begriff gut versteht. Er meint also nicht die Wirkung die eine Handlung mit sich bringt sondern einzig und allein das Gutsein um seiner selbst Willen. Dieses Prädikat können also keine Dinge tragen, die abhängig von anderen sind und nur mit deren Hilfe als gut oder schlecht eingeschätzt werden können.
Desweiteren fordert moralisch Gutes zu einem bestimmten, nämlich moralisch richtigem Verhalten auf. Da dieser Soll-Anspruch nur von einem freien, nicht festgelegten Menschen verstanden werden kann, können die in ihrer Natur festgelegten Wesen und Dinge ihn nicht verstehen und somit auch nicht moralisch handeln. Eine __________
2 Hoffmeister (1993, 295).
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weitere Bedingung für moralisches Handeln ist also Freiheit. 3 Doch die wohl wichtigste Bedingung und die gleichzeitige Beantwortung der Frage was intrinsisch gut ist, bringt Kant gleich im ersten Satz des ersten Abschnitts Übergang von der gemeinen sittlichen Vernunfterkenntnis zur philosophischen zum Ausdruck: „[…] was ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden, als allein ein guter Wille.“ 4
Hier wird deutlich, dass nur derjenige gut handeln kann, der auch einen guten Willen besitzt, denn nur mit ihm sind auch seine Charaktereigenschaften gut, die auf Seite fünf näher erläutert werden. Es liegt also ausschließlich dann eine intrinsisch gute Handlung vor, wenn diese von dem guten Willen ausgeht.
2.2 Was ist ein Wille?
Der Begriff des Willens wird nicht so inflationär gebraucht wie das Wort „gut“ und lässt sich am einfachsten durch den Vergleich mit dem bloßen Wunsch charakterisieren. Dadurch wird deutlich, welche Grundkomponenten erfüllt sein müssen, damit eine Handlung als Wille eingestuft werden kann.
Unter dem Begriff des Willens ist im Unterschied zum Wunsch die Handlung zu verstehen, die man ausführt um das Ziel das man hat, zu verwirklichen. Der Wunsch dagegen ist rein theoretisch und kann sich auf unrealistische Handlungen beziehen, beispielsweise den Wunsch die Zeit zurückzudrehen und aufzupassen, dass man die Vase doch nicht fallen lässt.
Ein Wille definiert sich jedoch durch sein Tun, durch das bewusste Handeln um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Er bezieht sich somit nur auf realisierbare Handlungen, wie zum Beispiel den Willen jetzt ein Buch zu lesen. Die Zeit zurückzudrehen kann also kein Wille sein, da es eine nichtrealisierbare Handlung ist. Zu dem Willen gehört also der Grund etwas auszuführen, der Willensakt selbst und vor allem der Versuch der __________
3 vgl. Schnädelbach (2003, 284).
4 Kant, GMS 393.
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Arbeit zitieren:
Alina Winkelmann, 2010, Kants 'guter Wille' in: "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten", München, GRIN Verlag GmbH
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