Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis - und Tabellenverzeichnis V
Formelverzeichnis V
Abk ürzungsverzeichnis VI
Inhaltsverzeichnis IV
1 Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Zielstellung und Aufbau der Arbeit 2
2 Volkswirtschaftliche Betrachtung und die Weltwirtschaftskrise von 1929 4
2.1 Begriffserklärung und Überblick 4
2.2 Volkswirtschaftliche Theorien 5
2.2.1 Exogene Theorien 5
2.2.2 Endogene Theorien 7
2.2.2.1 „Krisentheorie“ nach Marx 7
2.2.2.2 Keynesianische Theorie 9
2.3 Weltwirtschaftskrise 1929 13
3 Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007 18
3.1 Entstehung und Verlauf 18
3.2 Aktuelle Situation 24
3.2.1 Griechenland-Krise 24
3.2.2 Situation an den Finanzmärkten 27
3.3 Inflationsszenario und die damit einhergehende
Unsicherheit privater Investoren. 29
4 Sachwertorientierte Asset-Klassen unter Berücksichtigung einer
drohenden Inflation. 33
4.1 Edelmetalle 33
4.1.1 Gold. 33
4.1.2 Silber. 36
4.1.3 Direkterwerb 37
4.1.4 Exchange Traded Funds 42
4.2 Immobilienvermögen 46
4.2.1 Direkterwerb einer Wohnimmobilie 46
4.2.2 Immobilienfonds 48
4.3 Aktien 53
4.4 Einsatz der Asset-Klassen im Portfolio privater Investoren 56
4.4.1 Strukturierung eines Portfolios 56
4.4.2 Umsetzung 59
5 Schlussbetrachtung 65
Literaturverzeichnis 67
Anhangsverzeichnis 76
IV
Abbildungsverzeichnis - und Tabellenverzeichnis
Abbildung 1 Angebotsschock
Abbildung 2 Nachfrageschock
Abbildung 3 IS-Kurve
Abbildung 4 L-MKurve
Abbildung 5 IS-LM-Modell
Abbildung 6 Entwicklung der Wohneigentumsquote in den USA
Abbildung 7 Beteiligte einer Verbriefungstransaktion
Abbildung 8 Leitzinsentwicklung Eurozone/USA
Abbildung 9 Entwicklung der Staatsverschuldung in Deutschland
Abbildung 10 Zinsausgaben der öffentlichen Haushalte in Deutschland
Abbildung 11 Entwicklung des Goldpreises
Abbildung 12 Entwicklung des Silberpreises
Abbildung 13 Krügerrand (Vorderseite)
Abbildung 14 Krügerrand (Rückseite)
Abbildung 15 American Gold Eagle (Vorderseite)
Abbildung 16 American Gold Eagle (Rückseite)
Abbildung 17 Gold Maple Leaf (Vorderseite)
Abbildung 18 Gold Maple Leaf (Rückseite)
Abbildung 19 Wiener Philharmoniker (Vorderseite)
Abbildung 20 Wiener Philharmoniker (Rückseite)
Abbildung 21 American Silver Eagle (Vorderseite)
Abbildung 22 American Silver Eagle (Rückseite)
Abbildung 23 Mexiko Libertad Silver (Vorderseite)
Abbildung 24 Mexiko Libertad Silver (Rückseite)
Abbildung 25 500 Gramm Goldbarren
Abbildung 26 1000 Gramm Silberbarren
Abbildung 27 Entwicklung des ETF-Marktes
Abbildung 28 Leerstandsrisiko Wohnimmobilien
Abbildung 29 Offene Immobilienfonds als Inflationsausgleich
Abbildung 30 Zyklik der Branchen
Abbildung 31 Anlageklassen in unterschiedlichen Szenarien
Abbildung 32 Einflussfaktoren für den Anlageerfolg
Abbildung 33 Korrelation der Assetklassen
Abbildung 34 Ungenügend diversifiziertes Portfolio
Abbildung 35 Portfoliostruktur „Stabilität“
Abbildung 36 Portfoliostruktur „Einkommen“
Abbildung 37 Portfoliostruktur „Wachstum“
Abbildung 38 Portfoliostruktur „Chance“
Tabelle 1 Performance-Vergleich Investmentfonds
Formelverzeichnis
Formel 1 Durchschnittsprofitrate
V
Abkürzungsverzeichnis
AG AktG ARM BaFin BIP BIZ BRD BVI CDO CDS DJI ETF EU EZB FHA G7 Ifo IfW IWF KAG LBMA MBS SPE SPV ZKB
VI
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
Im September 2008 eskalierte ein über Jahre gewachsenes System der Kreditverbriefung mit weitreichenden Folgen für die gesamte Weltwirtschaft. Nunmehr, im Mai 2010, spricht man von der größten Finanz- und Wirtschaftskrise seit 1929. Nur, wie konnte es zu dieser globalen Krise kommen? Der Hauptgrund für diese flächendeckende Rezession ist die Bündelung und Verbriefung von Subprime-Krediten in den USA und deren anschließender Weiterverkauf an Banken und Investorengruppen aus der gesamten Welt. Übersetzt bedeutet subprime „zweitklassig“, also handelt es sich um Kredite, welche überwiegend an Kreditnehmer mit geringer Bonität herausgelegt werden. Durch den Verkauf dieser gebündelten Wertpapiere konnten sich Kreditinstitute von ihren Risiken befreien, ihr Rating verbessern, Liquidität erzeugen und all dies ohne auf Neugeschäft zu verzichten. Mit der Schieflage des US-Hypothekenmarktes gerieten allerdings auch die darin involvierten Banken in Schwierigkeiten. Dies gipfelte am 15. September 2008 in der Insolvenz von Lehman Brothers, der damals viertgrößten Investmentbank der Welt. Diese hatte überdurchschnittlich stark in verbriefte Kredite investiert und konnte den Wertverfall dieser Papiere nicht aus eigener Kraft stemmen, zu groß waren die Abschreibungen auf die Subprime-Pakete. US-Finanzminister Henk Paulson drängte diesmal, nach der Rettung von 3 Banken mit staatlicher Hilfe, auf eine Lösung ohne Staatshilfen. Letztendlich scheiterte der Notverkauf an die englische Barclays-Bank an den von Barclays geforderten Staatsgarantien. Somit war das Schicksal von Lehman Brothers besiegelt. Die Insolvenz von Lehman Brothers rief einen drastischen Vertrauensbruch im Interbankensystem hervor, sodass die Geldleihe zwischen den Kreditinstituten zeitweise fast völlig zum Erliegen kam. 1
Auf Grund des daraus resultierenden Liquiditätsengpasses bei Banken und der allgemeinen Unsicherheit, sich untereinander Geld zu leihen, wirkte sich die Krise schnell auch auf Unternehmen jenseits der Finanzwirtschaft aus. Diese Auswirkungen waren weltweit bei nahezu allen Unternehmen zu spüren. Über Politik und Medien machte in Deutschland zunehmend der Begriff einer „Kreditklemme“ die Runde und wie man dieser entgegenwirken könne. In Folge der zuvor beschriebenen Entwicklungen waren weltweit eine steigende Anzahl von Unternehmensinsolvenzen zu verzeichnen. Aktuell scheint die Entwicklung der steigenden
Unternehmensinsolvenzen zwar rückläufig, allerdings rückt dieser Tage ein neuer Unruheherd in den Fokus - die finanzielle Schieflage Griechenlands und die Auswirkungen auf den Euro-Raum. Das aktuelle Geschehen entfacht erneut die Diskussion über die Stabilität der Einheitswährung und eine drohende Inflation. Mit all diesen Entwicklungen sehen sich private Investoren konfrontiert und stellen sich die Frage, was sie tun können, um ihr Vermögen zu schützen? Insbesondere die bedrohliche Staatsverschuldung und die vorangegangene Liquiditätsschwemme der Zentralbanken gibt den Anlegern zu denken. Ausdruck dieser Entwicklung ist das starke Sicherheitsbestreben von Anlegern, der Aspekt der Rendite einer Anlage scheint zweitrangig geworden zu sein. Durch die Finanz- und Wirtschaftskrise hat auch das Image der Banken stark gelitten, das von den Kunden entgegengebrachte
1 vgl. online: Schnabel; Abbassi, 2008, S. 10
1
Vertrauen in die Banken und deren Beratung ist nicht mehr vergleichbar mit dem Zeitraum vor Ausbruch der Krise. Was bleibt ist die Unsicherheit privater Investoren bei der Auswahl geeigneter Anlagemöglichkeiten für die Zukunft unter Berücksichtigung der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise.
1.2 Zielstellung und Aufbau der Arbeit
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Aufzeigen von Investitionsmöglichkeiten in Sachwerten und soll somit als Hilfestellung bei der Auswahl einer geeigneten Anlage dienen. Dabei bezieht sich diese Arbeit ausschließlich auf private Investoren, welche ihr Vermögen unter Berücksichtigung der aktuellen Situation schützen wollen. Bei dieser Betrachtung darf allerdings nicht vernachlässigt werden, dass die Anlageberatung unbedingt unter Berücksichtigung der persönlichen Verhältnisse stattfinden muss. Idealerweise geschieht dies durch einen ganzheitlichen Beratungsansatz, welcher auch zunehmend von Banken und Finanzdienstleistern angeboten wird. Diese Arbeit ersetzt somit keinesfalls ein persönliches Beratungsgespräch, sie soll lediglich einen Informationsgewinn für private Investoren mit sich bringen.
Die Renditen der Sachwertinvestitionen sind dabei zweifelsfrei nicht zu vernachlässigen, allerdings soll für diese Arbeit der Fokus vorwiegend auf den Sicherheitsaspekt dieser Anlagen gelegt werden. Hierunter ist der Begriff der Sicherheit keineswegs absolut zu betrachten. Alle in dieser Arbeit aufgezeigten Investitionsmöglichkeiten beinhalten verschiedenste Risiken, welche in keinem Fall als unerheblich dargestellt werden sollen. So beinhaltet beispielsweise der direkte Erwerb einer Immobilie eine Vielzahl von Risiken, die Immobilie unterliegt einer eingeschränkten Fungibilität und Liquidierbarkeit, hinzukommen Wertschwankungen sowie weitere Risiken, auf die an dieser Stelle der Arbeit nicht weiter eingegangen werden soll. Vielmehr ist der Begriff der Sicherheit in dieser Arbeit im Zusammenhang mit weitestgehender Unabhängigkeit von Geldwertschwankungen zu verstehen.
Des Weiteren liegt der Betrachtung dieser Investitionsmöglichkeiten ein Inflationsszenario zu Grunde, somit stehen fast alle getroffenen Aussagen im Kontext zu einer drohenden Inflation. Aktuell ist die Diskussion über eine Inflation wieder allgegenwärtig, allerdings sind sich die meisten Ökonomen darüber einig, dass zumindest kurzfristig keine Inflation droht und momentan eher deflationäre Tendenzen bestehen; auf längere Sicht hingegen scheint eine drohende Inflation als durchaus wahrscheinlich. 2 Die zusätzliche Betrachtung eines Deflationsszenarios würde den Rahmen dieser Arbeit übersteigen. Außerdem wird davon ausgegangen, dass einer Deflation, durch eine unabhängige Zentralbank, wie beispielsweise die EZB, leichter entgegengewirkt werden kann als einer drohenden Inflation. Im Abschnitt 2 dieser Arbeit sollen zuerst die Begriffe Krise, Finanzkrise und Wirtschaftskrise definiert werden, um anschließend dem Leser einen Überblick über die Verwendung des Begriffs der Krise hinsichtlich der Konjunktur zu geben. Im zweiten Schritt folgt eine Betrachtung der volkswirtschaftlichen Theorien. Dabei wird sowohl auf exogene als auch auf endogene Erklärungsansätze eingegangen. Letztere werden aus Gründen der Komplexität in das Keynesianische Modell und die
2 vgl. online: Kaufmann, 2010
2
Krisentheorie nach Marx gegliedert. Dem Leser soll dabei ein Überblick über die vorherrschenden Erklärungsansätze gegeben werden. Zum Schluss des Abschnitts soll exemplarisch auf die Weltwirtschaftskrise von 1929 eingegangen werden. Der Schwerpunkt der Betrachtung liegt auf den Ursachen und den Folgen dieser Krise. Dem 3. Abschnitt dieser Arbeit liegt die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise zu Grunde. Die Schwerpunkte sind auch in diesem Abschnitt an die des Abschnitts 2 angelehnt. Wiederum geht es um die Entstehung der Krise, deren Verlauf und die Folgen bzw. die aktuelle Situation. Anschließend folgt als Überleitung zum Kapitel 4 das aus der Krise resultierende Inflationsszenario und die damit einhergehende
Unsicherheit privater Investoren.
Kapitel 4 bildet den Schwerpunkt dieser Arbeit. In diesem Kapitel werden ausgewählte Sachwertinvestitionen vorgestellt mit deren Hilfe der private Investor sein Vermögen weitgehend vor Inflation schützen kann. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Investitionsmöglichkeiten in Edelmetallen, der Investition in Immobilienvermögen und der Anlage in Aktien. Auf Grund der vielfältigen Möglichkeiten einer Investition in die zuvor genannten Anlageklassen beschränkt sich diese Arbeit auf einzelne Investitionsformen. Bei den Edelmetallen liegt der Fokus auf der Investition in Gold und Silber. Als Investitionsformen werden der Direkterwerb und die Anlage in Exchange Traded Funds vorgestellt. Bei der Investition in Immobilienvermögen wird der Schwerpunkt auf den Direkterwerb von Immobilien und auf die Kapitalanlage in Immobilienfonds gelegt. Bei allen
Sachwertinvestitionen geht es jeweils um eine ausgewogene Betrachtung zwischen den Risiken und den Chancen und den daraus resultierenden Vor- und Nachteilen. Am Ende des Kapitels 4 werden Einsatzmöglichkeiten der Asset-Klassen im Portfolio privater Investoren aufgezeigt. Dabei wird auch zur Strukturierung eines Portfolios und zu der anschließenden Umsetzung Stellung genommen.
Der Schlussteil der Arbeit fasst die zu Finanz- und Wirtschaftskrisen getroffenen Aussagen und die vorgestellten Sachwertinvestitionen für private Investoren noch einmal zusammen.
3
2 Volkswirtschaftliche Betrachtung und die
Weltwirtschaftskrise von 1929
2.1 Begriffserklärung und Überblick
Für die Betrachtung früherer Finanz- und Wirtschaftskrisen und die vorher notwendige Betrachtung der volkswirtschaftlichen Theorien ist es notwendig, die verwendeten Begrifflichkeiten (Krise; Finanzkrise; Wirtschaftskrise) zu definieren. Per Definition beschreibt der Begriff Krise die Phase des konjunkturellen Niedergangs. 3 Dabei geht die Krise weit über „normale“ Konjunkturschwankungen hinaus und es zeichnen sich panikartige Verhaltensweisen in allen Bereichen des öffentlichen Lebens ab. 4 Die Krise ist auf Störungen im Prozess der ständigen Wiederherstellung der Reproduktionsfaktoren zurückzuführen. Von einer Finanzkrise kann gesprochen werden, wenn innerhalb kurzer Zeit auftretende gravierende (nicht nur temporäre) Verschlechterungen in den Ausprägungen von wesentlichen Finanzmarktindikatoren festzustellen sind. Zu den wesentlichen Finanzmarktindikatoren zählen dabei u.a. Wertpapier- und Wechselkurse, Zinsen, Bonitätsbewertungen, etc. Finanzkrisen können massive und lang andauernde realwirtschaftliche Folgen nach sich ziehen. Finanzkrisen sind vielgestaltige Ereignisse und ein historisch immer wieder auftretendes Phänomen. 5 Der Begriff der Wirtschaftskrise ist allgegenwärtig, allerdings herrschen durchaus unterschiedliche Vorstellungen darüber, wann dieser Begriff zu verwenden ist und wie Krisen überhaupt entstehen. Im Folgenden wird die nach allgemeiner volkswirtschaftlicher Auffassung geltende Begriffserklärung vorgestellt. In der Volkswirtschaftslehre wird demnach der Begriff einer Wirtschaftskrise verwendet, wenn eine Phase einer deutlich negativen Entwicklung des Wirtschaftswachstums eintritt. Außerdem bezeichnet man auch negative Entwicklungen bei anderen makroökonomischen Variablen als Wirtschaftskrise. Diese makroökonomischen Variablen können beispielsweise das Preisniveau, die Beschäftigung oder die vorherrschenden Kapitalströme sein. Dabei kann eine Wirtschaftskrise einzelne oder mehrere Volkswirtschaften betreffen, im schlimmsten Falle sogar die gesamte Weltwirtschaft.
Im Bezug auf die Konjunkturtheorie wird in drei Formen der Ausprägung unterschieden. Hierbei wird zwischen den Phasen Stagnation, Rezession und Depression differenziert. Als Stagnation bezeichnet man eine Phase in der kein Wachstum der Volkswirtschaft stattfindet und somit das volkswirtschaftliche Output zwischen zwei Zeitpunkten stagniert. Dabei ist es strittig, ob bei Vorliegen einer Stagnation bereits von einer Wirtschaftskrise gesprochen werden kann. Nach allgemeiner Definition ist eine Rezession gegeben, wenn das BIP langsamer steigt als das Wachstum der Weltwirtschaft. Wiederum liegt eine Rezession nach amerikanischer Definition vor, wenn in einem dem Boom folgenden Abschwung das volkswirtschaftliche Output über mindestens zwei aufeinander folgende Quartale sinkt. Von einer Depression kann gesprochen werden, wenn eine lang andauernde
3 vgl. Gabler Wirtschaftlexikon, 2005, S. 1815
4 vgl. online: Krise, 2009
5 vgl. online: Finanzkrise, 2009
4
Rezession vorliegt. 6 Eine Aufarbeitung der volkswirtschaftlichen Sichtweise von Wirtschaftskrisen stellt sich im Allgemeinen als schwierig dar. Wirtschaftskrisen werden in der Volkswirtschaftslehre vergleichsweise wenig thematisiert und zumeist als Abweichung vom wirtschaftlichen Gleichgewicht beziehungsweise als Gleichgewichtsprozess dargestellt. Es gibt von volkswirtschaftlicher Seite keine einheitliche Erklärung für den zyklischen Verlauf der Wirtschaft sondern nur unterschiedliche Theorien mit ihren jeweiligen Vertretern. Grundsätzlich unterschieden werden die Theorien zur Entstehung von Wirtschaftskrisen in exogene und endogene Theorien (Erläuterungen siehe 2.2). Nach heutiger Auffassung beeinflussen sowohl exogene als auch endogene Einflussfaktoren die Wirtschaft.
2.2 Volkswirtschaftliche Theorien
2.2.1 Exogene Theorien
Die exogenen Theorien gehen im Wesentlichen auf die Vertreter der Neoklassik und des Monetarismus zurück. Als wichtigste Vertreter sind hierbei seitens der Neoklassiker Adam Smith und David Ricardo zu benennen. Bekanntester Vertreter der Monetaristen ist Nobelpreisträger Milton Friedman. Die Anhänger exogener Theorien stehen für eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik und gehen von der Stabilität und Funktionsfähigkeit marktwirtschaftlicher Systeme aus. Auf Grund dieser Auffassung lehnen sie staatliche Interventionen grundsätzlich ab. Für die Monetaristen steht die Regulierung der Geldmenge im Mittelpunkt, diese ist die wichtigste Stellgröße zur Steuerung des Wirtschaftsablaufes. Das oberste Ziel der Monetarier ist die Preisniveaustabilität. Eine zu starke Ausweitung der Geldmenge führt aus ihrer Sicht zu Inflation, eine zu starke Eindämmung des Geldmengenwachstums führt hingegen zu Deflation. Es wird von einer relativ stabilen Geldnachfrage ausgegangen. Der Monetarismus baut auf der neoklassischen Sichtweise auf, welche besagt, dass ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage herrscht. Dabei stützen sich sowohl die Neoklassiker als auch die Monetaristen auf das Say‘sche Theorem. Dieses besagt, dass Überproduktionskrisen nicht möglich sind, da sich jedes Angebot seine Nachfrage schafft. 7 Durch diesen Mechanismus werden die Preise aller Produktionsfaktoren sowie die Preise der Konsumgüter bestimmt. Aus diesem Gleichgewichtsdenken heraus leiten die Anhänger exogener Theorien auch die Unmöglichkeit von unfreiwilliger Arbeitslosigkeit ab. Diese könne nur durch Eingriffe in den Markt entstehen, wie beispielsweise von Gewerkschaften erzwungene und überhöhte Löhne. Des Weiteren ist die Annahme der Neutralität des Geldes zentraler Bestandteil. 8 Demnach besteht, im Gegensatz zur Sichtweise von Anhängern endogener Theorien (insbesondere der von John Maynard Keynes und Karl Marx), eine Zweiteilung zwischen dem realen und monetären Bereich einer Volkswirtschaft. Hinsichtlich realwirtschaftlicher Größen ist Geld somit neutral, es erfüllt lediglich die Funktion als Tauschmittel. Wirtschaftskrisen sind nach Auffassung der Neoklassiker und der Monetaristen Ausdruck von exogenen Schocks oder verfehlter Wirtschaftspolitik. Ein Schock im volkswirtschaftlichen Sinn liegt vor, wenn eine plötzliche Veränderung exogener Einflußfaktoren zu einer Verschiebung des Angebots und/oder der Nachfrage führt. Daraus abgeleitet, unterscheidet man in
6 vgl. online: Konjunkturschwankungen, 2009
7 vgl. van Suntum, Ulrich, 2001, S. 96
8 vgl. online: Kalmring; Nowak, 2006, S. 9
5
Angebots- und Nachfrageschocks. In folgender Abbildung 1 wird ein Angebotsschock dargestellt (beispielsweise ausgelöst durch eine Erhöhung der Rohstoffpreise), welcher eine Verschiebung des Marktgleichgewichts zu einem höheren Preisniveau zur Folge hat.
Abbildung 1 Angebotsschock
(eigene Darstellung in Anlehnung an Zerbs, 2002, Fall 3)
In Abbildung 2 wird ein Nachfrageschock dargestellt (beispielsweise ausgelöst durch eine politische Krise), welche wiederum eine Verschiebung des Marktgleichgewichts zur Folge hat. Diesmal allerdings zu einem niedrigeren Preisniveau.
Abbildung 2 Nachfrageschock
(eigene Darstellung in Anlehnung an Zerbs, 2002, Fall 3) Folgende Aufzählungen sollen dem Leser einen Überblick über mögliche exogene Einflussfaktoren verschaffen. 9
Exogene Einflussgrößen, deren abrupte Veränderung einen Angebotsschock auslösen kann:
9 in Anlehnung an: Bofinger, 2007, S. 464-479; Blanchard; Illing, 2004, S. 234
6
x x x x x Exogene Einflussgrößen, deren abrupte Veränderung einen Nachfrageschock auslösen kann: x Preisniveau x Einkommen x Steuern x Staatsverschuldungen x Wechselkurse x Politische Krisen
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass nach Meinung der Neoklassiker und der Monetaristen, exogene Schocks oder verfehlte Wirtschaftspolitik das marktwirtschaftliche Gleichgewicht stören. Dies zieht Anpassungsprozesse nach sich, wodurch sich ein neues gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht einstellt. Dabei ist die Dauer dieser Anpassungsprozesse unbestimmt.
2.2.2 Endogene Theorien
2.2.2.1 „Krisentheorie“ nach Marx
Obwohl sich Karl Marx sehr intensiv mit der Krise und ihrer Entstehung auseinandergesetzt hat, gibt es keine einheitliche Krisentheorie. Als sein Hauptwerk gilt „Das Kapital“, wobei 1867 der erste Band erschien. Den zweiten und dritten Band stellte Friedrich Engels, nach Marx Tod im Jahre 1883, aus dessen Manuskripten zusammen. Marx liefert gleich mehrere Ansätze zur Erklärung einer Krise. Hier ist vor allem das Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate und die Unterkonsumtionsbeziehungsweise Überproduktionstheorie zu nennen. Auf diese beiden zentralen Bestandteile der Krisenbetrachtung nach Marx soll im folgenden Abschnitt eingegangen werden. Außerdem betrachtet Marx auch monetäre Aspekte (im Gegensatz zur neoklassischen und monetaristischen Sichtweise aus Kapitel 2.2.1) zur Erklärung einer Krise. Der Schwerpunkt der Analyse von Marx liegt auf der Untersuchung des endlosen Kreislauf des Kapitals und seiner Funktion innerhalb des Reproduktionsprozesses. Marx versucht dabei nachzuweisen, dass die Ursachen für die Entstehung von Krisen in der kapitalistischen Produktionsweise selbst liegen. 10 Das Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate ist in seinem Hauptwerk (3.Band) enthalten. Es besagt, dass auf Grund der Eigenschaften einer kapitalistischen Wirtschaft, eine Tendenz zur Verringerung der Profitrate im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt besteht. 11 Marx geht dabei von der Annahme aus, dass der Profit nicht durch die Unternehmen untereinander entstehen kann. Marx bezeichnet dies als
10 vgl. Grossmann, 1970, S. 138
11 vgl. online: Gabler Wirtschaftslexikon, 2010
7
Nullsummenspiel. 12 Der Profit entsteht nur aus der Lohnarbeit. Dabei „verkaufen“ die Lohnarbeiter ihre Arbeit an die Unternehmen. Für die Unternehmer lohnt sich dieses Geschäft nur, wenn die Lohnarbeiter länger arbeiten (somit mehr Produkte herstellen), als zu ihrer eigenen Selbsterhaltung notwendig ist. Marx zerlegt dabei den Arbeitstag in zwei Bestandteile. Ein Teil, die notwendige Arbeit, beinhaltet die Zeit in der der Arbeiter den Wert seiner eigenen Arbeitskraft reproduziert. Die darüber hinausgehende Zeit stellt Mehrarbeit dar. In dieser geleisteten unbezahlten Mehrarbeit liegt nach Marx der Mehrwert. 13 Entgegen dieser Überlegung steht das Wesen der kapitalistischen Produktion mit dem vorherrschenden Ziel der Produktivkraftsteigerung. Dies ist durch Steigerung der Produktivkraft der Arbeit bzw. Senkung des Werts der Arbeit möglich. Die Produktivkraft kann durch den Einsatz effizienterer Maschinen (konstantes Kapital) und die gleichzeitige Verdrängung von Lohnarbeit (variables Kapital) gesteigert werden. Diese Produktivkraftsteigerung führt allerdings zu einem gleichzeitigen Fall der Durchschnittsprofitrate. Die Durchschnittsprofitrate lässt sich dabei nach Formel 1 berechnen.
Legende
c = konstantes Kapital v = variables Kapital m = Mehrwert m/v = Mehrwertrate
c/v = organische Zusammensetzung des Kapitals p = Profirate
Zur Veranschaulichung des tendenziellen Falls der Durchschnittsprofitrate folgt nun ein Beispiel mit: m = 50 v = 70 Fall 1: c = 100 daraus ergibt sich:
Fall 2:
c = 130 daraus ergibt sich:
12 vgl. online: Gabler Wirtschaftslexikon, 2010
13 ebenda
8
Durch die im Beispiel gezeigte Erhöhung des konstanten Kapitals c (auf 130 Geldeinheiten) wird deutlich, dass dies negative Auswirkungen auf die Profitrate im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt hat, obwohl das Unternehmen bemüht ist, seine Profitrate zu steigern. Im Fall 1 (c=100) beträgt die Profitrate im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt 0,29.
Nach der Erhöhung um 30 Geldeinheiten im Fall 2 (c=130), sinkt die Profitrate im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt auf 0,25.
Marx kommt auf Grund dieses Sachverhalts zum Schluss, dass sich die Masse des Profits zwangsläufig reduziert. Dies verlangsamt die Akkumulation des Kapitals im Reproduktionsprozess und der kapitalistische Produktionsprozess kommt bald zum Erliegen. 14 Allerdings liefert Marx auch unabhängig von diesem Gesetz weitere krisentheoretische Erklärungen.
Marx weist darauf hin, dass die kapitalistische Produktion und die kapitalistische Konsumtion zu Krisen führen können, da diese gegensätzliche Bestimmungen aufweisen. Dies liegt wiederum in den Eigenschaften einer kapitalistischen Wirtschaft selbst (siehe oben - Wesen der kapitalistischen Produktion). Demnach versuchen die Kapitalisten auf Grund des Kostenfaktors die Löhne und die Anzahl der Beschäftigten gering zu halten. Dieses Ziel der Kapitalisten beeinflusst allerdings auch die Konsumkraft der Beschäftigten. Auch spielt die Investitionsnachfrage der Kapitalisten nach zusätzlichen Produktionsmitteln eine tragende Rolle. Entscheidend für die Investitionsnachfrage ist die Profiterwartung in der Zukunft. Allerdings kann der Kapitalist grundsätzlich, unter Berücksichtigung seiner Profiterwartung, sein Kapital akkumulieren. Somit steht einer tendenziell unbegrenzten Produktion auf der einen Seite eine begrenzte Konsumtion auf der anderen Seite gegenüber. Dies kann in Konsequenz zu einer „Unterkonsumtionskrise“ oder einer sog.
„Überproduktionskrise“ führen. Diese Störung im Reproduktionsprozess führt zur Aufgabe von Produktionsstätten und zu einer Erhöhung der Arbeitslosigkeit. In Folge dessen sinkt der gesellschaftliche Reichtum und eine Verschlechterung der Lebensverhältnisse tritt ein. 15
2.2.2.2 Keynesianische Theorie
Die keynesianische Theorie ist auf John Maynard Keynes und seinen Ausführungen zu marktwirtschaftlichen Systemen zurückzuführen. Dabei ist vor allem sein Hauptwerk die „General Theory of Employment, Interest and Money“ (dt.: Die allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes) zu nennen. Seine darin enthaltenen Ideen haben bis heute starken Einfluss auf politische und ökonomische Theorien. In der Keynesianischen Theorie steht der Güter- und Kapitalmarkt im Zentrum der Betrachtung. Die zentrale Botschaft der „General Theory of Employment, Interest and Money“ besteht darin, dass das marktwirtschaftliche System auch bei flexiblen Preisen und Löhnen nicht automatisch zu einem Gleichgewicht bei Vollbeschäftigung tendiert (entgegen der Meinung der Neoklassiker und Monetaristen). Vielmehr neigen marktwirtschaftliche Systeme dazu, in einem Zustand der Unterbeschäftigung zu verharren. Außerdem wird nach Keynes der Wohlstand einer Volkswirtschaft durch die Höhe der Investitionen bestimmt. Allgemein lässt sich feststellen, dass aus Keynes Sicht, das marktwirtschaftliche
14 vgl. Berger, 2003, S. 180
15 vgl. Heinrich, 1991, S. 173
9
System ohne staatlichen Einfluss, in den Jahren der Weltwirtschaftskrise versagt hat. Keynes beschäftigte sich daraufhin mit der Frage, wie durch staatliches Handeln, das Versagen kapitalistischer Wirtschaftssysteme verhindert bzw. gemildert werden kann. Keynes kommt dabei zu der Auffassung, dass der Staat gezielt durch fiskal-und geldpolitische Mittel auf die Privatwirtschaft einwirken sollte. 16 Keynes sah seine empfohlenen fiskal- und geldpolitischen Mittel ausdrücklich als Ausnahme an. Staatliche Maßnahmen seien nur in Phasen einer Stagnation legitim und dürften unter keinen Umständen zu einem Dauerzustand werden. Somit kommt dem Staat die Aufgabe zu, einen privaten Nachfragerückgang durch öffentliche Ausgaben auszugleichen. Im Umkehrschluss soll der Staat sich in Phasen der Hochkonjunktur ökonomisch zurückhalten bzw. restriktiv auf die Privatwirtschaft einwirken. Wesentliche Kennzeichen des Keynesianismus:
1) Wirtschaftliches Gleichgewicht mit Vollbeschäftigung stellt einen Sonderfall dar (im Gegensatz zur klassischen Betrachtungsweise) 2) Die Geldtheorie leitet einen Zusammenhang zwischen monetären und güterwirtschaftlichen Bereich ab (Ereignisse auf dem Geldmarkt haben immer auch Auswirkungen auf den realwirtschaftlichen Bereich zur Folge) 17 3) In die Analyse von Keynes werden auch psychologische Annahmen über das wirtschaftliche Verhalten und seine Bestimmungsgründe eingeführt (Der Kapitalismus ist nach Keynes durch ein starkes Moment der Unsicherheit über die Zukunft gekennzeichnet) 18
4) Ausgehend von einer Abhängigkeit der Konsumausgaben vom Einkommen, der Investitionen vom Zinssatz, der Geldnachfrage von Einkommen und Zinssatz wird ein Zusammenhang zwischen Geldmenge, Zinssatz, Investitionen, Einkommen und Beschäftigung konstruiert In „Treatise on Money“ (dt.: Vom Gelde) beschäftigt sich Keynes mit Konjunkturschwankungen. Nach seiner Meinung lag der Grund für die Talbewegungen der Wirtschaft in einem Ungleichgewicht von Ersparnis und Investition. Zur Erklärung seiner These zieht Keynes das Verhalten der Unternehmen bzw. die Einflussfaktoren von Investitionen heran. Demnach investieren Unternehmen nur, wenn sie expandieren wollen. Die Expansionsabsichten der Unternehmen hängen maßgeblich von den Erwartungen für die Zukunft ab (siehe wesentliche Kennzeichen des Keynesianismus). Sind die Zukunftsaussichten gut, greifen Unternehmen auf die Sparmittel zurück. Wenn die Zukunftsprognosen hingegen schlecht sind, wird auch nicht auf Gespartes zurückgegriffen. Investition und Sparen ist deshalb nicht identisch und kommt auch über den Zinsmechanismus nicht ins Gleichgewicht.
Nach den Erkenntnissen der Weltwirtschaftskrise, arbeitete Keynes in der „General Theory of Employment, Interest and Money“ eine weitere grundlegende Erkenntnis heraus. Der Zins ist nicht der Preis für das Sparen, sondern der Preis für die Aufgabe von Liquidität. 19 Gespart wird auch in Bargeld, Zinsen gibt es allerdings nur für die Übernahme des Verlustrisikos, welches es bei jeder Beteiligung und jedem Kredit gibt. Die Liquidität, auf die der Anleger verzichtet, erweist sich als entscheidende Größe für die ökonomische Aktivität einer Volkswirtschaft und setzt ihr zugleich die
16 vgl. Blanchard; Illing, 2004, S. 796
17 vgl. online: Schiwon, 2002
18 ebenda
19 vgl. Keynes, 1994, S. 196
10
Grenzen. Denn der Verzicht der Anleger auf Liquidität macht die Beschäftigung von Arbeitnehmern und die Produktion erst möglich. In Krisenphasen sind Anleger, genau wie Unternehmen, durch die schlechte Zukunftserwartung nur sehr eingeschränkt bereit, zu investieren. Dies zeigte Keynes das sinkende Sparaufkommen in den Jahren 1932 und 1933 in den USA. Damit wird von Keynes die Bewältigung von Unsicherheit durch geldwirtschaftliche Mechanismen als entscheidendes Merkmal der modernen Ökonomie erkannt. 20 Durch das IS-LM-Modell in der „General Theory of Employment, Interest and Money“ füllte Keynes eine weitere Lücke in der volkswirtschaftlichen Theorie. Allerdings war sein Buch rein verbal gehalten und schwer verständlich. Erst John Hicks und Alvin Hansen formalisierten Keynes Ideen. Wie der Name des Modells es vermuten lässt, besteht das Modell aus 2 wesentlichen Bestandteilen - der IS-Kurve und der LM-Kurve. Dabei widerspiegelt die IS-Kurve das Gleichgewicht am Gütermarkt (Investition=Sparen) und die LM-Kurve steht für das Gleichgewicht am Geldmarkt (Geldangebot = Geldnachfrage).
Zugrundeliegende Annahmen des Modells: 21
- Geschlossene Volkswirtschaft (keine Handelsbeziehungen mit dem Ausland) - vollkommene Elastizität des Güterangebots (d.h.: eine Erhöhung der Güternachfrage kann jederzeit durch ein entsprechendes Güterangebot bedient werden) - konstantes Preisniveau
- Statisches Modell (es finden keine Analysen der Anpassungsprozesse statt) Der Gütermarkt-dargestellt durch die IS-Kurve:
Die IS-Kurve gibt alle Kombinationen von Zins und Einkommen wieder, bei denen der Gütermarkt im Gleichgewicht ist. Die IS-Kurve zeigt die negative Beziehung zwischen Zinssatz und Einkommen. Die Beziehung ist negativ, da mit sinkendem Zins die Investitionsgüternachfrage steigt. Eine Zinssatzerhöhung wiederum, verteuert die Investitionen und verringert somit die Investitionsgüternachfrage. Dies zieht einen Rückgang des Gleichgewichtseinkommens nach sich. Diese soeben beschriebenen Beziehungen verdeutlicht die folgende Abbildung 3.
Abbildung 3 IS-Kurve
20 vgl. online: Lepenies; Nitsch, 2000, S. 6
21 vgl. online: Heinemann, 2004, S.3
11
Verschiebung der IS-Kurve durch:
- Staatsausgabenerhöhung (Verschiebung nach rechts, da zu jedem Zinssatz mehr Güter nachgefragt werden)
- Steuererhöhungen führen zu einer Linksverschiebung der IS-Kurve (verfügbares Einkommen nimmt ab)
- Steuersenkungen führen zu einer Rechtsverschiebung des IS-Kurve (verfügbares Einkommen nimmt zu)
Der Geldmarkt-dargestellt durch die LM-Kurve:
Die LM-Kurve gibt alle Kombinationen von Zins und Einkommen an, bei denen der Geldmarkt im Gleichgewicht ist. Sie beschreibt laut Keynes den Sachverhalt, dass hohe Volkseinkommen hohe Zinssätze fordern und niedrige Volkseinkommen niedrige Zinssätze fordern. Folgende Abbildung 4 soll diesen Sachverhalt verdeutlichen.
Abbildung 4 LM-Kurve
(eigene Darstellung) Verschiebung der LM-Kurve durch:
- eine Erhöhung der Geldmenge M verschiebt die LM-Kurve nach unten (das reale Geldangebot ist höher als die Geldnachfrage, somit sinkt der Gleichgewichtszins) - eine Verknappung der Geldmenge M verschiebt die LM-Kurve nach oben (das reale Geldangebot ist niedriger als die Geldnachfrage, somit steigt der Gleichgewichtszins) Zusammenfassung IS-LM-Modell:
Das IS-LM-Modell beschreibt das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht, welches durch die Kombination der IS-Kurve und der LM-Kurve entsteht. Im Schnittpunkt von IS und LM (G1) existiert eine Kombination von Volkseinkommen und Zinssatz, bei der sich Geld- und Gütermarkt in einem simultanen Gleichgewicht befinden (siehe Abbildung 5). Dieses Gleichgewicht wird jedoch nur theoretisch erreicht, da es nach Keynes in der Praxis zu ständigen Veränderungen kommt, welche zu einer Verschiebung des Gleichgewichtspunktes führen.
12
Abbildung 5 IS-LM-Modell (eigene Darstellung)
Das IS-LM-Modell eignet sich laut den Anhängern des Keynesianismus zur Analyse wirtschaftspolitischer Maßnahmen und zur Steuerung der Wirtschaft. Dabei sollen geld- und fiskalpolitische Maßnahmen kombiniert zum Einsatz kommen (policy mix). 22
Hauptkritikpunkt des IS-LM-Modells ist seitens der Klassiker das Verdrängen möglicher privater Investitionen durch die staatliche Fiskalpolitik. Seitens der Anhänger des Monetarismus stieß das Modell auf Kritik, da diese Art von Wirtschaftspolitik ihrer Meinung nach in eine hohe Staatsverschuldung und zu Inflation führen wird. Des Weiteren merkte Milton Friedman an, dass durch die zeitliche Verzögerung, sogenannte Time lags, ein staatlicher Eingriff nur verspätet Wirkung zeigen könnte. Die Konjunktur hätte sich über diesen Zeitraum hinweg zumeist schon alleine erholt und macht ein staatliches Eingreifen überflüssig.
2.3 Weltwirtschaftskrise 1929
Um auf die Weltwirtschaftskrise mit ihrem im Jahr 1929 einsetzenden schwerwiegenden volkswirtschaftlichen Einbruch eingehen zu können, ist es notwendig, die Jahre vor 1929 zu beschreiben. Das schwerwiegendste Ereignis dieser Zeit war der 1. Weltkrieg in den Jahren von 1914-1918. Dieser Krieg prägte die damalige Zeit und sollte selbst mit der 1929 auftretenden Weltwirtschaftskrise in Verbindung stehen. Durch die Finanzierung des Krieges und die damit einhergehenden Schulden hatte das Deutsche Reich seit 1914 eine Inflation. Diese Kriegsschulden (zumeist gegenfinanziert durch die Ausgabe von Kriegsanleihen) sollten nach dem Krieg durch Reparationszahlungen der unterlegenen Staaten beglichen werden. Dieses Vorhaben misslang allerdings, da das Deutsche Reich den Krieg verlor und somit selbst Reparationen zahlen musste. Die
Reparationsleistungen wurden durch das Drucken von zusätzlichem Papiergeld ermöglicht. Das Deutsche Reich provozierte damit seinen Ruin und wollte durch dieses Verhalten darauf aufmerksam machen, dass die im Versailler Vertrag geforderten Reparationszahlungen in diesem Umfang nicht zu erbringen seien. Die so ausgelöste Hyperinflation führte zu einem Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft. In der Folge fielen die Löhne und die Arbeitslosigkeit stieg rapide an. Auch wurden die noch vorhandenen Ersparnisse der Bevölkerung praktisch wertlos.
22 vgl. Hardes; Sehovic, 2004, S. 492 ff.
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Die Hyperinflation verunsicherte allerdings auch die amerikanische Finanzwelt, welche die Befürchtung hatte, dass ein totaler wirtschaftlicher Zusammenbruch Europas die Rückzahlung der Kriegskredite durch die Siegermächte unmöglich machen würde. Letztlich machte die ständig fortschreitende Hyperinflation einen Währungsschnitt unumgänglich und war zugleich Voraussetzung für die Verhandlungen über Reparationszahlungen mit den Siegermächten. Durch den vollzogenen Währungsschnitt, hin zur Rentenmark, wurde die Einberufung eines Sachverständigenausschusses unter Vorsitz von Charles Gates Dawes (Finanzexperte und späterer amerikanischer Vizepräsident) möglich. Die Einberufung dieser Kommission führte zum Dawes-Plan, dieser regelte ab dem 1. September 1924 die Reparationszahlungen Deutschlands. Die Reparationszahlungen wurden an die tatsächliche Wirtschaftsleistung der Weimarer Republik (bezeichnet das Deutsche Reich in den Jahren von 1918/1919 bis 1933) angepasst. Ein zweiter wichtiger Bestandteil des Dawes-Plan war die Auflegung einer Anleihe zur Finanzierung der deutschen Wirtschaft. Weiterhin wurde die Kreditvergabe durch amerikanische Banken ermöglicht, sodass deutschen Unternehmen zur Finanzierung größerer Investitionen dieser Weg der Kapitalbeschaffung offen stand. Der darauf folgende Zeitraum von 1924 bis 1929 brachte eine Modernisierung der Industrie und Landwirtschaft für Deutschland. Daher wird dieser Zeitraum als die „Goldenen Zwanziger“ bezeichnet. Allerdings wurde diese Modernisierung, wie zuvor schon beschrieben, durch Kredite aus den USA ermöglicht. Die damit einhergehende wachsende Macht der Großbanken und die starke Abhängigkeit von den USA sollten sich allerdings in der Weltwirtschaftskrise ab 1929 als nachteilig offenbaren. Noch am 4. Dezember 1928 legte der damalige US-Präsident John Calvin Coolidge seinen Rechenschaftsbericht mit folgenden Worten vor dem Kongress ab: „Kein Kongreß der vereinigten Staaten, der sich je versammelte, um die Situation der Union zu prüfen, hat günstigere Verhältnisse gefunden als die, die sich uns gegenwärtig bieten. Im Inland herrscht Ruhe und Zufriedenheit, wir blicken auf ein Rekordjahr des Wohlstandes zurück. In den Ländern ringsum herrscht Frieden und uns gegenüber ein Wohlwollen, das aus dem gegenseitigen Verständnis entstanden ist...“. 23 Diese Worte geben eindrucksvoll die allgemein gute Stimmung der damaligen Zeit wieder. Allerdings sollte es nicht einmal ein Jahr später zu einer Wirtschaftskrise mit schwerwiegenden Folgen für alle Länder kommen. Als Ursache dieser Krise ist vor allem die USA zu nennen. Auch das zuvor beschriebene Wohlstandshoch hat einen gewichtigen Anteil an der damaligen Entwicklung. Der Zeitpunkt kam, an dem die Nachfrage nach Konsumgütern, wie Autos und Haushaltsgeräten, erschöpft war. Aufgrund der Überproduktion stand in einigen Unternehmen bereits im Juni 1929 die Produktion still. Als ein weiterer Hinweis zur Sättigung der Nachfrage lassen sich auch die bereits im März 1929 festgestellten, rückläufigen Bauvorhaben interpretieren. 24 In gleichem Maße gilt dies
für die Automobilproduktion und die Umsätze von Warenhäusern, welche ebenso rückläufig waren. Parallel zu dem vorhergegangenen Boom der Konsumgüter breitete sich zu dieser Zeit eine Welle der Spekulation aus. Der Spekulationsboom bezog sich damals hauptsächlich auf die Aktienmärkte. Getrieben von schier endloser Gier und angeheizt von den „Börsenprofis“, versuchte jedermann von dem Ansteigen der Kurse zu profitieren. Durch das starke Konsumverhalten der damaligen Zeit waren die Sparaufkommen allerdings eher gering. Somit wurde die damalige Spekulation auf Basis von kurzfristigen Krediten durchgeführt, welche
23 Coolidge, 1928
24 vgl. online: Meyer-Larsen, 1979
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Arbeit zitieren:
2010, Sachwertinvestitionen für private Investoren unter Berücksichtigung der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise, München, GRIN Verlag GmbH
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