INHALTSVERZEICHNIS
I. Einleitung
II. Aufbau und Inhalt
III. Fulignis Tragödienverständnis
IV. Das Werk im Spiegel des historischen Kontextes
V. Fazit
2
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit Valerio Fulignis Tragödie Bragadino, welche 1589 in Pesaro, der Hauptsstadt des Herzogtum Urbinos erschienen ist. Zunächst soll eine Analyse auf inhaltlicher Ebene erfolgen, d.h. den Aufbau, den Inhalt, die Personen und die Handlung betreffend. Darüber hinaus rückt in einem weiteren Kapitel Fulignis Widmungsschreiben in den Vordergrund, um der grundlegenden Frage nach seinem Tragödienverständnis nachzugehen. Das aristotelische
Tragödienverständnis ist unter den Tragödienschreibern im geographischen „Italien“ des Cinquecento nämlich keinesfalls homogen und einvernehmlich. Es wird die Frage zu klären sein, inwiefern sich Fulignis Werk in die Reihe der klassischen Tragödien im Italien des Cinquecento einreiht und auf welche theoretische Grundlage diese Tragödie fußt.
In einem weiteren Schritt wird Fulignis Tragödie in ihren historischen Kontext eingebettet. Diesen zu skizzieren ist insofern sinnvoll, als dass eine Beurteilung und Qualifizierung des Werks ohne die Kenntnis bzw. die Einbeziehung des historischen Kontexts kaum möglich sein wird, zumal ein historisches Ereignis zentrales Motiv der Tragödie ist.
In Sachen Sekundärliteratur ist Fulignis Tragödie ein Problem; zumindest aus der Perspektive des sich mit dem Thema beschäftigenden Studierenden. Alle bekannten Bibliotheken, Datenbanken und Zeitschriften liefern nicht einen einzigen Eintrag. Die deutschlandweite Suche über die Universitätsbibliothek Köln, die teils internationalen Datenbanken, wie MLA, JSTOR, die Romanische Bibliographie oder die Biblioteca Italiana und selbst Kindlers Literatur Lexikon führen keinen Eintrag, weder zum Autor, noch zum Werk. Lediglich die Württembergische Landesbibliothek in Stuttgart, sowie die Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar führen das Werk in der Erstausgabe von 1589. Über google stößt man auf ein in den USA erschienenes Buch mit dem Titel Historical memoir on italian tragedy, herausgegeben von Joseph Cooper Walker. In einer sehr kurzen Passage wird Fulignis Bragadino erwähnt und zitiert. Über google books ist das Werk allerdings nur auszugsweise veröffentlicht und deutsche Bibliotheken führen es nicht in ihrem Bestand. Insofern wird sich das zweite Kapitel der vorliegenden Arbeit alleinig auf den in Kopie vorliegenden Originaltext von 1589 stützen.
Valerio Fulignis Tragödie Bragadino ist eine Tragödie nach antikem Vorbild und gliedert sich in fünf Akte. Das vorangehende Widmungsschreiben an Francesco Maria II. della Rovere, dem letzten Herzog von Urbino, wird in einem eigenen Kapitel eigenständig behandelt. 1
Fulignis Tragödie erzählt die letzte Etappe der Geschichte von Marc‘Antonio Bragadino, welcher als venezianischer Statthalter auf Zypern die Festung Famagusta erfolglos gegen die Osmanen verteidigte und mit den siegreichen Osmanen die Kapitulation verhandelte. Während der offiziellen Übergabe der Insel warfen die osmanischen Kommandanten den Venezianern Vertragsbruch vor und rächten sich auf brutale Art. Dieses historische Ereignis ist im Rahmen der osmanischen Expansion des 16. Jahrhunderts im östlichen Mittelmeerraum zu sehen. Mit dem Ausgreifen auf Zypern, welches bis zur Niederlage im Juli bzw. August 1571 unter der Herrschaft der Republik Venedig stand und den Status einer kolonialen Besitzung hatte, rechnete man in Venedig insgeheim, allerdings scheute man das Risiko eines neuerlichen Krieges gegen das Osmanische Reich.
Alleine rechnete man sich hohe Lasten und wenig Chancen aus und so suchte man erst Verbündete, die sich im Mai 1571 zur „Heiligen Allianz“ zusammenschlossen. Für Famagusta und Zypern kam die darauf folgende Intervention zu spät. Das Osmanische Invasionsheer, das bis zu 100.000 tausend Mann stark war, belagerte bereits seit Juni 1570 Famagusta, das von lediglich ca. 3.500 Mann verteidigt wurde. Unter Bragadinos Führung widerstand man der türkischen Belagerung bis Ende Juli 1571, ehe eine Kapitulation unausweichlich war. Die Sieger erwiesen sich in der Folge als besonders grausam. 2
Zu den Personen im Text von Fulignis Tragödie zählen Marc’Antonio Bragadino, als venezianischer Statthalter bzw. Gouverneur von Zypern und Oberkommandant der Truppen vor Ort. Überdies treten auf Astor Baglione, sein ihm unterstellter Generalhauptmann, sowie der adlige Hauptmann Nestor Martinengo und der Burgherr der Festung von Famagusta, Andrea Bragadino, ebenfalls Hauptmann von Rang. Zudem treten ein Chor der Einwohner von Famagusta, ein einfacher venezianischer Soldat, ein
1 Siehe Kapitel III.
2 Karsten, Arne: Kleine Geschichte Venedigs. München, 2008, S. 169-174.
einheimischer Adliger aus Famagusta, Lorenzo Tiepolo und Famiglio, ein italienischer Bote auf.
Auf Seiten der Osmanen treten der Statthalter von Mustafa Bassa, der General der türkischen Streitkräfte und Aga, ein Janitschare, auf. Es treten weiter auf Manoli, Demetrio und Giorgio, drei griechische Boten. Die gesamte Geschichte bzw. die Handlung findet in Famagusta statt. Im ersten Akt treten Marc’ Antonio Bragadino, Astor Baglione und der Chor auf. Bragadino und Astor Baglione unterhalten sich und beklagen die verlustreiche Niederlage, sowie die hoffnungslose Situation, in welcher sie sich befinden. Zwar hat Bragadino freies Geleit für sich und seine Männer verhandelt, allerdings zweifelt er stark an der Ehrenhaftigkeit und Ehrlichkeit des „nemico infido“. Beide betonen, dass sie für Gott und das Wohl der christlichen Gläubigen bereit sind, in den Tod zu gehen, da sie auf diese Weise ewigen Ruhm erlangen; eine christliche Haltung, die auch Venedig in seinem Glanz verkörpert. 3 Er lobt die Einwohner Famagustas, da selbst Frauen und Kinder sich an der Verteidigung der Stadt beteiligt haben, und hat erhebliche Zweifel an einem guten Schicksal unter den neuen und grausamen Herrschern. Der Chor, bestehend aus den Einwohnern Famagustas, beklagen ihr Schicksal, nun bald Untertanen der einstigen Feinde zu sein und loben die venezianische Herrschaft als gerecht und freiheitlich. Bragadino, seine Gefolgsleute und „alcun nobil Greco“, d.h. einige einheimische Edelleute aus Famagusta brechen auf, um den Schlüssel der Stadt zur Übergabe ins türkische Heerlager zu bringen. Der zweite Akt beginnt mit einer Unterredung zwischen Astor Baglione und Andrea Bragadino. Beide zweifeln an dem guten Ausgang der Angelegenheit und misstrauen „questa incerta pace“, die Bragadino mit dem nichtswürdigen Feind verhandelt hat. Und wie befürchtet überbringt ein venezianischer Soldat unheilvolle Nachrichten: „ […] che sua rabbia solo vuole isfogar nel Latin sangue.“. 4 Im Lager der Türken hat der Soldat, welcher der Sprache des Feindes mächtig ist, da er einige Zeit in Byzanz verbrachte, vom bevorstehenden Verrat und Vertragsbruch der Türken gehört. Auf ein bestimmtes Zeichen hin soll gemäß einem Geheimbefehl „ogni Latino“ umzingelt und
3 Fuligni, Valerio: Bragadino. Pesaro, 1589, folio 3-4 (Atto primo, scena prima: „Bragadino: […] Che ‚l morir per Suo honore, o per salute De’ fidi Suoi, mi sia perpetua gloria.“ / „Baglione: […] Che ‘l bel morir fra l’armi eterna laude aquista ad ogni generoso core:”).
4 Fuligni, Valerio: Bragadino. Pesaro, 1589, folio 14 (Atto secondo, scena seconda).
entwaffnet werden. 5 Die Nachricht kommt für die bereits ins Lager der Türken aufgebrochenen Venezianer allerdings zu spät.
Famiglio, der sich aus dem türkischen Lager befreien konnte, flieht zurück in die Festung bzw. den Hafen, um mit dem Hauptmann Nestor Martingeno zu sprechen. Doch zuerst berichtet er dem fragenden Chor, dass Bragadino die Nachricht des bevorstehenden Verrats zwar erreichte, er allerdings bereits im Lager der Türken war. Bragadino flieht nicht, sondern bekennt sich zu seinem Schicksal und ist bereit, sich Gottes Willen zu fügen, auch wenn das den Tod für ihn bedeutet. Der zweite Akt endet damit, dass der Chor Bragadinos Haltung lobt und in Vorahnung eines tragischen Endes den Helden beweint. 6
Zu Beginn des dritten Aktes trifft der soeben aus dem Hafen gekommene Famiglio auf Hauptmann Graf Nestor Martinengo, der außerordentlich bedauert nicht bei seinen Gefährten zu sein und ihr ehrenvolles Schicksal somit nicht teilen zu können. Auch er berichtete vorab dem Chor vom Verrat des Mustafa Bassà. Famiglio erzählt, mit eigenen Augen gesehen zu haben, dass „ogni Latin“ entwaffnet und gefangen genommen wurde. Sie seien nun Sklaven der „infedeli“. 7 Weiter berichtet er über die unehrenhaften Kriegsmethoden der Osmanen, da sie den von der Gefangennahme überraschten Venezianern im Hafen nicht die Möglichkeit ließen, einen heldenhaften und ehrenvollen Tod im Kampf zu sterben. 8
Nachfolgend trifft ein venezianischer Soldat bei Hauptmann Graf Nestor Martingo ein, der ihm schreckliche Kunde aus dem Lager der Osmanen überbringt: „Morti son gli altri Duci […] Mustafa gli ha uccisi“. Mustafa ließ Bragadinos Gefolgschaft nacheinander hinrichten, da er Bragadino vorwirft, für den Tod osmanischer Gefangener verantwortlich zu sein.
Bragadino erklärt, dass sie während der monatelangen Belagerung, die sie vom Nachschub abschnitt, ständig von Hunger bedroht waren und sich infolge dessen alleinig dafür verantwortlich sah, auf das Wohl der eigenen Leute und der Zyprioten zu achten. Aus diesem Grund ließ er keine Gefangenen machen. Mustafa lässt sich nicht besänftigen und befiehlt die Hinrichtung. Als letzter wird Bragadino aus dem Zelt
5 Fuligni, Valerio: Bragadino. Pesaro, 1589, folio 14 (Atto secondo, scena seconda).
6 Fuligni, Valerio: Bragadino. Pesaro, 1589, folio 17-22 (Atto secondo, scena quarta: „[…] Poniam la causa nostra in man di Dio, A cui è noto il periglioso fine, […] Et se morir bisogna il morir sia, che illustrera’l valor da noi mostrato […]).
7 Fuligni, Valerio: Bragadino. Pesaro, 1589, folio 23-26 (Atto terzo, scena seconda).
8 Ebenda.
Arbeit zitieren:
Luigi Tucciarone, 2010, Valerio Fulignis Tragödie "Bragadino" im Spiegel des historischen Kontextes, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Romanistik - Italienische u. Sardische Sprache, Literatur, Landeskunde: Valerio Fulignis Tragödie "Bragadino" im Spiegel des historischen Kontextes ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Romanistik - Italienische u. Sardische Sprache, Literatur, Landeskunde: neuer Titel erschienen: Valerio Fulignis Tragödie "Bragadino" im Spiegel des historischen Kontextes
Luigi Tucciarone hat einen neuen Text hochgeladen
Der Deutsche Idealismus im Spiegel seiner Historiker
Genese und Protagonisten
Matthias Neumann
Mädchen und Frauen in der deutschen Jugendbewegung im Spiegel der hist...
Christiane Kliemannel
Die Tragödie und Komödie des amerikanischen Lebens
Eine Studie zu Zuckermans Amer...
Till Kinzel
CHRISTLICH-ARABISCHE CHRESTOMA
P Kawerau
Mitarbeiterführung im internationalen Kontext
Stand der Forschung und Klassi...
Nadine Ringwald
0 Kommentare