Inhaltsverzeichnis:
Einleitung 3
Geschichtliche Entwicklung von 1918 bis 1946 4
Das Gruber-Degasperi Abkommen 8
Die Stieler-Gruppe 12
Der Befreiungsausschuss Südtirol 13
Die Feuernacht 15
Folter und Misshandlungen 17
Der Prozess von Trient 19
Die BAS-Prozesse 20
Die Attentatswelle nach 1961 bis 1988 22
Literaturverzeichnis 29
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Einleitung:
Das Thema dieser Arbeit ist kein unumstrittenes. Die unterschiedlichen Haltungen bezüglich der Wertung der historischen Ereignisse werden insbesondere in der Wahl der Bezeichnung für die Attentäter in Zusammenhang mit der Südtirolfrage offensichtlich. Während die einen in ihnen Freiheitskämpfer, Idealisten oder patriotische Helden sehen, sind sie für die anderen Terroristen oder schlicht Kriminelle. Gebräuchlich, aber weniger wertend, sind der volkstümliche Ausdruck „Bumser“ oder die Bezeichnung als Südtirolaktivisten. Die im Zusammenhang mit dem Südtirolkonflikt ausgeführten Attentate erstreckten sich auf den Zeitraum vom 20. September 1956 bis zum 30. Oktober 1988. Dieser Zeitraum wird grundsätzlich in mehrere Phasen unterteilt. Kriterium dieser Einteilung ist der Grad an Gewaltbereitschaft, sowie die ideologische Motivation für das Aktivwerden. 1 Diese soll im Laufe dieser Arbeit erörtert werden. Unter den Attentätern finden sich Nord- und Südtiroler aus sämtlichen Gesellschaftsschichten sowie Personen aus dem Umfeld des deutschnationalen Korporationswesens aus Österreich und Deutschland. Außerdem ist die Rolle der italienischen Geheimdienste 2 und deren Verwicklung in Anschläge nicht zu unterschätzen. Feststeht, dass italienische Nationalisten Vergeltungsattentate verübten, bei denen drei Menschen ihr Leben verloren. 3 Die Vermutung 4 , dass kommunistische Kräfte Attentate ausgeführt bzw. unterstützt haben sollen, um im Rahmen des Ost-West-Konflikts zur Destabilisierung der westlichen Mächte in Europa beizutragen, konnte nie belegt werden. Die Attentate wurden und werden von Historikern 5 , aber auch innerhalb der Südtiroler Bevölkerung, kontrovers bewertet. Die eine Seite sieht in den Attentaten bis heute den notwendigen Schritt, der dazu geführt habe, die Weltöffentlichkeit auf das Leid der Südtiroler hinzuweisen und so den notwendigen Druck auf Italien zu erhöhen. Die andere Seite sah und sieht in der Zuspitzung der damaligen Situation kontraproduktive Aktionen, die sich ungünstig auf die Verhandlungen ausgewirkt hätten. 6 Vielfach wurden die Attentate auch als
1 Steininger, Rolf, Südtirol. Vom ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart, Innsbruck-Wien-München-Bozen
2003, S. 82.
2 Heiss, Hans, Treibsätze der Geschichtspolitik. Die Gedenkfeiern der Tiroler Erhebung 1909-2009, in: Hans, Heiss/ Mauro, Nequirito (Hrsg.), Geschichte und Region/ Storia e regione, Innsbruck-Wien-
Bozen 2007, S. 137.
3 Erckert, Monika, Warum kam es zum Terrorismus in Südtirol?, Wien 2000, S. 2.
4 Stanek, Hans, 199. 10.7. 1961: Sitzung der SVP-Parteileitung (Bozen), SLA, SVP, Landesleitung, Nr. 1624, in: Rolf, Steininger (Hrsg.), Akten zur Südtirol-Politik 1959-1969, 1961 Das Krisenjahr (Bd. 3),
Innsbruck-Wien-Bozen 2007, S. 487.
5 Rathkolb, Oliver, Der Mythos von der Wirkung der Bozner Feuernacht vom 12. Juni 1961, in: Zeitgeschichte 1-2/25 Jahrgang/ 1998, S. 37-45.
6 Steininger, 2003, S. 83.
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Gefährdung für die Einheit und den Zusammenhalt unter den Südtirolern gesehen 7 , dies vor allem deshalb, weil sich das angespannte Klima dieser Zeit negativ auf Tourismus und Wirtschaft auswirkte und die Menschen mit finanziellen Ausfällen zu rechnen hatten. 8 Die Uneinheitlichkeit der öffentlichen Meinung zeigte sich nicht nur in Südtirol, sondern auch in den widersprüchlichen Einschätzungen und Standpunkten der österreichischen Presse. Tendenziell fiel das mediale Echo in Bezug auf die Anschläge negativ aus. Italien schaffte es, in einem frühen Stadium des gewalttätigen Konflikts, der sich in dieser Phase gegen Staatssymbole und Sachen richtete, den Protest gegen den mangelnden Minderheitenschutz bzw. den Protest gegen das Verweigern des völkerrechtlichen Selbstbestimmungsrechtes, pauschal als pangermanische Bestrebungen darzustellen. Mit dem überzogenen Vorgehen der italienischen Polizeikräfte gegen die Verdächtigten änderte sich die internationale öffentliche Meinung sukzessive und man begann, die Hintergründe kritischer zu betrachten. 9 Um sich mit dem Thema der Attentate in Südtirol insbesondere in den Jahren 1956 bis 1969 auseinandersetzen zu können, müssen zuerst die historischen Ereignisse, die zu diesen verhängnisvollen Begebenheiten geführt haben, dargelegt werden.
Geschichtliche Entwicklung von 1918 bis 1946:
Südtirol hatte bis zum Ende des Ersten Weltkrieges bereits fünf Jahrhunderte zu Österreich gehört und war so gut wie ausschließlich deutschsprachig gewesen. Mit dem Ausbruch des Krieges sollten für die nächsten Jahrzehnte turbulente Zeiten auf die Bevölkerung von Südtirol hereinbrechen. Die Entente hatte Italien im Londoner Geheimvertrag vom 26. April 1915 Südtirol, d.h. die Grenze am Brenner, zugesichert. Als Gegenleistung wurde militärischer Beistand verlangt. 10 Das formale Ende der Kampfhandlungen zwischen Italien und Österreich-Ungarn, die aufgrund der neuartigen waffentechnischen Möglichkeiten mit noch nie dagewesener Zerstörungskraft geführt worden waren, folgte erst im Herbst des Jahres 1918. Am 3. November 1918 kam es in der Nähe von Padua in der italienischen Ortschaft Abano zur Vereinbarung des Waffenstillstandes zwischen Österreich-Ungarn und
7 Stadlmayer, Viktoria, 212. 14. 7. 1961: Viktoria Stadlmayer (Innsbruck) an Felix Ermacora (Innsbruck), TLA, Referat S, 1961, in: Rolf, Steininger (Hrsg.), Akten zur Südtirol-Politik 1959-1969,
1961 Das Krisenjahr (Bd. 3), Innsbruck-Wien-Bozen 2007, S. 503-504.
8 Stadlmayer, Viktoria, 213. 14. 7. 1961: Viktoria Stadlmayer (Innsbruck) an Toni Ebner (Bozen), TLA, Referat S, 1961, in: Rolf, Steininger (Hrsg.), Akten zur Südtirol-Politik 1959-1969, 1961 Das
Krisenjahr (Bd. 3), Innsbruck-Wien-Bozen 2007, S. 504-505.
9 Stadlmayer, Viktoria, 284. 18. 8. 1961: Denkschrift Viktoria Stadlmayer (Innsbruck), TLA, Referat S, 1961, in: Rolf, Steininger (Hrsg.), Akten zur Südtirol-Politik 1959-1969, 1961 Das Krisenjahr (Bd. 3),
Innsbruck-Wien-Bozen 2007, S. 605-607.
10 Steininger, 2003, S. 10.
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Italien. Dem Waffenstillstandsabkommen folgte unmittelbar die kampflose Besetzung Südtirols durch italienische Soldaten. Am 4. November 1918, jener Tag, der noch heute von Parteien wie der italienischen Alleanza Nazionale am faschistischen Siegesdenkmal in Bozen gefeiert wird, erreichten die ersten Truppen Salurn. Am 10. November war der Brenner erreicht und Südtirol besetzt. Das Land unterstand von nun an einer Militärregierung, die darum bemüht war, Südtirol vom Ausland und insbesondere von Nordtirol abzuriegeln. Die Presse und der Briefverkehr wurden zensiert, der Warenverkehr und der Personenverkehr massiv eingeschränkt. Außerdem wurde ein großer Teil der bisher österreichischen Verwaltung starken Änderungen unterzogen, indem die deutschsprachigen Bezirkshauptleute Schritt für Schritt mit italienischen Kommissaren ausgetauscht wurden. Der Friedensvertrag von Saint Germain vom 2. September 1919 sprach Südtirol endgültig und, ohne dem Minderheitenschutz in irgendeiner Form Rechnung zu tragen, Italien zu. 11 Das Aufkommen und Erstarken des italienischen Faschismus unter Benito Mussolini bedeutete für die deutschsprachige Minderheit in Südtirol Demütigungen und Leid. Gewalt gegen altösterreichische Symbole wurde bald von Gewalt gegen die österreichische Minderheit übertroffen. So gelangte zum Beispiel der sogenannte Blutsonntag von Bozen am 24. April 1921 zu trauriger Berühmtheit: An diesem Tag wurde von rund vierhundert Faschisten aus verschiedenen Teilen Italiens ein traditioneller Trachtenumzug überfallen, wobei fünfzig Südtiroler verletzt und der Lehrer Franz Innerhofer erschossen wurde. Das einschreitende Militär sorgte dafür, dass die Angreifer unbeschadet ihre Rückreise antreten konnten. Eine Bestrafung der Täter blieb aus. 12
Auf Grundlage eines vom italienischen Nationalisten Ettore Tolomei 13 ausgearbeiteten italienischen Ortsverzeichnisses wurden im April 1923 italienische Ortsnamen in Südtirol eingeführt. Der Gebrauch des Namens „Tirol“ wurde in allen Variationen verboten. Der offizielle Name des Landes lautete von nun an „Alto Adige“. Korrespondenzen, die mit der Präfektur geführt wurden, hatten in italienischer Sprache zu erfolgen. Die gesamte öffentliche Verwaltung wurde strikt einsprachig, ebenso waren ab September 1925 Zivilverfahren und Strafverfahren ausschließlich in italienischer Sprache zu führen. Die deutschsprachige Presse wurde einer Vorzensur unterzogen. Wurde eine Zeitung wegen „tendenziöser antiitalienischer Berichterstattung“ mehrfach verwarnt, so drohte die Zwangseinstellung des Blattes. Ein besonderes Steckenpferd der faschistischen Italienisierungspolitik war das Schulwesen. Nachdem es zu einem sukzessiven Abbau deutscher Schulklassen gekommen war, wurde vom faschistischen Präfekten der Gebrauch der deutschen Sprache im Unterricht endgültig verboten. Lehrpersonen, die sich nicht an das Verbot hielten, hatten mit Gefängnisstrafen oder
11 Volgger, Franz, Südtirol Handbuch, hrsg. v. d. Südtiroler Landesregierung, Bozen 2007, S. 23.
11 Steininger, 2003, S. 32-35.
12 Steininger, 2003, S. 11.
13 Gruber, Alfons, Geschichte Südtirols, Streifzüge durch das 20. Jahrhundert, Bozen 2000, S. 33-49.
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Strafversetzungen nach Süditalien zu rechnen. Auf Initiative von Kanonikus Michael Gamper bildeten sich Lernzirkel im Untergrund, die den Südtiroler Kindern und Jugendlichen Unterricht in ihrer Muttersprache boten. Heute kennt man diese Geheimschulen unter dem Begriff „Katakombenschulen“.
Nachdem auch das Verbot von deutschen Gewerkschaften, von Bauernbund und Alpenverein und von allen sonstigen deutschen Verbänden und Vereinen nicht dazu beitrug, aus den Südtirolern Italiener bzw. aus Südtirol ein italienisches Land zu machen, wurden neue Strategien von den Faschisten ins Auge gefasst. Am 20. Februar 1935 beauftragt Benito Mussolini Industrielle aus dem Piemont und aus Mailand, Werke in Bozen zu errichten. Zu diesem Zweck wurden zahlreiche Obstbauern enteignet, auf deren Gründen nunmehr die Industriezone von Bozen errichtet werden sollte. Auf ca. 3 Millionen Quadratmetern wurden in der Folge ein Zweigbetrieb der Lanciawerke aus Turin, ein Stahlwerk der Falck-Gruppe, ein Magnesiumwerk der „Societá Italiana per il Magnesio“ und ein Aluminiumwerk der Montecatini-Gesellschaft erbaut. Südtiroler durften in diesen Werken nicht beschäftigt werden. Vielmehr wurden italienische Arbeiter aus sämtlichen Regionen Italiens mit eigens errichteten günstigen Wohnungen (den sogenannten „Semirurali“), mit Gebührenbefreiungen, Steuererleichterungen und mit Versprechen, einen festen Arbeitsplatz zu finden, nach Südtirol gelockt. 14 Auf diese Weise gelang es den Faschisten, eine stetig wachsende italienische Bevölkerungsschicht in Südtirol dauerhaft anzusiedeln. Währenddessen führten die Schwarzhemden weiterhin Aktionen durch, die dazu dienen sollten, die kulturelle Identität der deutschsprachigen Minderheit zu schwächen. So wurden etwa deutsche Grabinschriften verboten, Südtiroler Denkmäler wurden - wie der Laurinbrunnen - entweder zerstört, oderwie die Walther von der Vogelweidestatue - von den Hauptplätzen entfernt. Zudem wurde in dieser Zeit die deutschsprachige Raiffeisenkasse von den Faschisten übernommen, welche nun die Macht über die Kreditvergabe ausübten, was insbesondere die Südtiroler Bauern zu spüren bekamen. Mit immer neuen Maßnahmen und Aktionen wurde die einheimische Bevölkerung schikaniert und gedemütigt. Die in Stein gehauene Manifestierung dieses Geistes steht noch heute in der Landeshauptstadt Südtirols. 15 Am 10. Februar 1926 wurde in der römischen Abgeordnetenkammer der Bau des Siegesdenkmals in Bozen beschlossen. Dieses Denkmal, das im Grunde ein faschistischer Triumphbogen ist, wurde mitten in Bozen auf den Trümmern des Kaiserjägerdenkmals errichtet. Die Säulen des Denkmals stellen in Form überdimensional großer Liktorenbündel in Verbindung mit den beilförmigen 16 Kapitellen das Symbol der italienischen Faschisten dar. Die deutlich sichtbare Inschrift des Denkmals lautet bis heute: „Hic Patriae Fines Siste Signa
14 Volgger, 2007, S. 23f.
15 Steininger, 2003, S. 32-35.
16 Italienisch: Fascio.
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Hinc Ceteros Excoluimus Lingua, Legibus, Artibus“. 17 Die Tatsache, dass dieses Denkmal bis heute mit Steuergeldern renoviert, wird birgt immer noch viel Konfliktpotential zwischen den in Südtirol lebenden Volksgruppen. Einen besonders unrühmlichen Höhepunkt im Streit um den Umgang mit dem Siegesdenkmal und seiner Geschichte stellte ein Referendum im Oktober 2002 dar. Der Gemeinderat von Bozen hatte am 15. November 2001, die neofaschistische Alleanza Nazionale überstimmend, den Platz vor dem Siegesdenkmal von „Siegesplatz“ in „Friedensplatz“ umbenannt. Daraufhin setzte die italienische Rechte durch, dass eine Volksbefragung bezüglich der Rückbenennung in Siegesplatz zu erfolgen habe. 61,94% der mehrheitlich italienischen Bevölkerung von Bozen sprach sich für eine Rückbenennung in „Siegesplatz“ aus. Die Gemeinde beugte sich dem Willen der Mehrheit. Somit gilt auch heute wieder der unter den Faschisten eingeführte Name. 18 Viele Südtiroler sympathisierten in der Zeit der faschistischen Unterdrückung durch Italien mit den Nationalsozialisten und hofften, dass Adolf Hitler Südtirol annektieren würde. Ähnlich wie die illegale Nazibewegung in Österreich auf einen Umsturz hingearbeitet und sich im Untergrund organisiert hatte, sammelten sich nunmehr Südtiroler Nationalsozialisten im „Völkischen Kampfring Südtirols“ (VKS). Diese Tendenzen innerhalb der Südtiroler Bevölkerung verstärkten sich mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Österreich im März 1938. Allerdings wurden die Hoffnungen auf eine „Heimkehr ins Reich“ bald zunichte gemacht. Nachdem Hitler am 7. Mai 1938 anlässlich eines Staatsbesuchs in Rom erklärt hatte, dass er die Alpen als eine natürliche und unantastbare Grenze zwischen den beiden Staaten betrachte, wurde am 29. Juni 1939 in Berlin das Hitler-Mussolini-Abkommen geschlossen. Dieses Abkommen stellte die Südtiroler vor die Wahl, entweder ihre Heimat zu verlassen und für das Dritte Reich zu optieren, oder in Südtirol zu bleiben und einer möglichen Zwangsumsiedlung in den Süden Italiens entgegen zu blicken. Sowohl der VKS, als auch die italienischen Faschisten machten sich mit allen propagandistischen Mitteln für die Option stark. Die Optionsfrist endete am 31. Dezember 1939. Der Großteil der Südtiroler optierte für das Dritte Reich. Die Option hatte zu einer Entsolidarisierung zwischen den Südtirolern geführt. Die sogenannten „Dableiber“ wurden angefeindet und verunglimpft. Allerdings wurden die Umsiedlungspläne, mit deren Vollzug der Reichsführer SS Heinrich Himmler beauftragt worden war, aufgrund der Kriegsereignisse nicht voll durchgeführt. 19 Nachdem Italien am 8. September 1943 mit den Alliierten einen Waffenstillstand geschlossen hatte, besetzten deutsche Truppen Italien bis nach Neapel. Südtirol, das zur sogenannten „Operationszone Alpenvorland“ gehörte, unterstand dem Tiroler Gauleiter und obersten Kommissar Franz Hofer. Nachdem das Kriegsgeschehen einen für das Dritte Reich immer
17 „Hier sind die Grenzen des Vaterlandes. Setze die Feldzeichen. Von hier aus brachten wir den anderen Sprache, Gesetze und Künste.“
18 Steininger, 2003, S. 116.
19 Volgger, 2007, S. 24-26.
7
aussichtsloseren Verlauf genommen hatte, vereinbarten die Oberbefehlshaber der deutschen Truppen in Italien, ohne das Wissen der Machthaber in Berlin, einen Waffenstillstand zum 30. April 1945.
Das Gruber-De Gasperi -Abkommen:
Die Kapitulation Hitlerdeutschlands bedeutet für Südtirol die Rückkehr zu Italien. Der Forderung Österreichs, dass die Südtiroler in Ausübung eines Selbstbestimmungsrechtes selbst bestimmen sollten, zu welchem Staat sie gehören wollten, wurde kein Gehör geschenkt. 20 Die Außenminister der USA, Frankreichs, Großbritanniens und der Sowjetunion lehnten die österreichische Forderung am 1. Mai 1946 ab. Die Haltung der westlichen Machthaber war auf handfeste taktische Überlegungen zurückzuführen. Man wollte unter anderem verhindern, dass die zahlreichen in Südtirol gelegenen Kraftwerke in den Einflussbereich der Sowjets fallen würden, falls es zu einer Rückkehr Südtirols zu Österreich käme. So standen die Überlegungen, bezüglich des Schicksals Südtirols, im Zeichen des sich abzeichnenden Ost-West-Konfliktes. 21 Das einzige Zugeständnis der Großmächte bestand darin, im Rahmen der Pariser Friedenskonferenz, Druck auf Italien auszuüben, damit dieses einen Schutzvertrag zugunsten der deutschsprachigen Minderheit, des nunmehr wieder zu Italien gehörenden Südtirols, ratifizierte. Es war vor allem der Verdienst des obersten Beamten des britischen Foreign Office Sir Orme Sargents, dass sich Österreich und Italien zusammen an einen Tisch setzten, um eine Lösung des Problems zu finden. Das nach den unterzeichnenden Außenministern Italiens und Österreichs benannte Gruber-De Gasperi -Abkommen wurde zu einem Bestandteil des Friedensvertrages zwischen den Alliierten und Italien. Das am 5. September 1946 geschlossene Abkommen enthielt verschiedene Bestimmungen, die dem Erhalt der kulturellen Identität der Südtiroler dienen und den Schutz der Minderheit garantieren sollten. Die wichtigsten Maßnahmen betrafen die Gewährleistung des Schulunterrichts in deutscher Sprache, die Gleichberechtigung betreffend den Zugang zum öffentlichen Dienst, die Anerkennung von Studientiteln und eine Erleichterung des Personen-, Waren und Güterverkehrs zwischen Süd-, Nord- und Osttirol. Weiters enthielt das Abkommen eine Klausel, welche die aus dem Hitler-Mussolini-Abkommen von 1939 resultierenden Staatsbürgerschaftsoptionen revidierte. Andere Klauseln betrafen die Wiederherstellung deutscher Familiennamen und die Wiedereinführung der historischen Ortsnamen, neben den Italienischen. Von besonderer Bedeutung war die im Abkommen
20 314. 15. 9. 1961: Erläuterndes UNO-Memorandum Österreichs, ÖStA, AdR, BMfAA, II-pol, Südtirol 2B/A, Zl. 34057-Pol/61, GZl. 22.870-Pol/61, in: Rolf, Steininger (Hrsg.), Akten zur Südtirol-
Politik 1959-1969, 1961 Das Krisenjahr (Bd. 3), Innsbruck-Wien-Bozen 2007, S. 649-651.
21 Steininger, 2003, S. 64-67.
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Mag. Christian Dejori, 2009, Terrorismus und die Südtirolfrage, München, GRIN Verlag GmbH
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