Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Philosophische Fakultät II
Institut für Germanistik
Magisterarbeit
Text im Online-Journalismus
Der Online-Teaser eine eigenständige Textsorte?
vorgelegt von:
Jens Wollweber
vorgelegt am 28.05.2009
Inhaltsverzeichnis
1.
Einleitung ...
1
2.
Textlinguistische Einführung ...
3
2.1
Annäherung an den Textbegriff ...
4
2.2
Textsorten ...
6
2.2.1
Definitionsansätze ...
6
2.2.2
Unterschiedliche Perspektiven der Textsortenbeschreibung ...
8
2.2.3
Neue Ansätze der Textsortenbeschreibung ...
9
3.
Text im Online-Journalismus
3.1
Online-Journalismus Begriffliche Einordnung ...
11
3.2
Medien- und sprachwissenschaftliche Aspekte in Bezug auf
Text im Online-Journalismus
3.2.1
Hypertext als Grundlage für Online-Journalismus ...
14
3.2.2
Neue journalistische Möglichkeiten durch Hypertext ...
18
3.3
Textrezeption und -produktion von Text bei Online-Medien ...
20
3.3.1
Besonderheiten bei der Rezeption ...
20
3.3.2
Besonderheiten bei der Textproduktion ...
22
3.3.3.
Wechselwirkungen von Online- und Print-Medien ...
24
4.
Der Teaser im Online-Journalismus
4.1
Annäherung an den Begriff ...
27
4.2
Ankündigende Kurztexte in Print-Medien ...
28
4.2.1
Vorspann/Lead ...
29
4.2.2
Ankündigungstexte ...
31
4.2.3
Exkurs Ähnliche Kurztexte in anderen Disziplinen
4.2.3.1 Paratexte ...
33
4.2.3.
2 Zusammenfassungen von wissenschaftlichen Texten ...
34
4.3
Typen von Teasern ...
35
4.3.1
Das Kriterium Länge
4.3.1.1 Überschriften-Teaser ...
36
4.3.1.2 Überschrift und Text ...
38
4.3.1.3 Überschrift, Text und Bild ...
39
4.3.2
Das Kriterium Funktion
4.3.2.1 Zusammenfassend ...
40
4.3.2.2 Offene Frage/Cliffhanger ...
41
4.3.2.3 Ankündigend ...
42
4.3.3
Das Kriterium Darstellungsform ...
43
5.
Textsortenbeschreibung des Online-Teasers
5.1
Methodische Angaben
5.1.1
Analyse-Vorhaben ...
44
5.1.2
Korpus ...
44
5.2
Mehrebenenmodelle zur Textsortenbeschreibung
5.2.1
Mehrebenenmodell nach HEINEMANN/VIEHWEGER ...
46
5.2.1.1 Funktionstypen ...
47
5.2.1.2 Situationstypen ...
49
5.2.1.3 Verfahrenstypen ...
50
5.2.1.4 Text-Strukturierungstypen ...
53
5.2.1.5 Formulierungsmuster ...
54
5.2.2
Mehrebenenmodell nach HEINEMANN/HEINEMANN ...
55
5.2.3
Methodische Probleme mit den Mehrebenenmodellen ...
55
5.3
Kriterien-Set zur Auswertung des Korpus ...
57
6.
Auswertung des Korpus
6.1
Funktionale Aspekte ...
59
6.2
Situative Aspekte ...
63
6.3
Thematisch-strukturelle Aspekte ...
67
6.4
Formulierungsadäquate Aspekte ...
77
6.4.1
Syntaktische Aspekte ...
79
6.4.2
Lexikalische Aspekte ...
86
7
Zusammenfassung und Schlussbemerkung ...
90
Literatur
Anlagen
I. Ergebnisse der Einzelauswertung Netzeitung
II. Ergebnisse der Einzelauswertung Spiegel Online
III. Ergebnisse der Einzelauswertung sueddeutsche.de
IV. Print-Korpus Frankfurter Rundschau
V. Print-Korpus Süddeutsche Zeitung
Online-Korpus: Screenshots Homepages und Artikelseiten
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1:
Beispiel für Überschriften-Teaser in Kopfzeile
eines Online-Mediums ...
37
Abb. 2:
Beispiel für Überschriften-Teaser ...
37
Abb. 3:
Beispiel für Teaser mit Überschrift und Text ...
38
Abb. 4:
Beispiel für Teaser-Typ mit Überschrift plus Text und Bild ...
40
Abb. 5.
Beispiel für Cliffhanger-Teaser für
mehrgliedrige aufbereitete Haupttexte ...
42
Abb. 6:
Beispiel für ankündigenden Teaser ...
43
Abb. 7:
Beispiel für direkt steuernde Online-Teaser ...
62
Tabellenverzeichnis
Tab. 1:
Beschreibungskriterien des Mehrebenenmodells nach
HEINEMANN/VIEHWEGER
bzw.
HEINEMANN
/
HEINEMANN ...
57
Tab. 2
Übersicht zu Überschriftarten ...
73
Tab. 3
Quantitative Auswertung der funktionalen Teaser-Typen ...
74
Tab. 4
Übersicht über explizite und implizite Wiederaufnahmen
bei Teaser-Elementen ...
76
Tab. 5
Durchschnittlicher Umfang der Überschriften ...
77
Tab. 6
Durchschnittlicher Umfang der Vorspanntexte ...
78
Tab. 7
Satzbau der Teaser-Überschriften ...
79
Tab. 8
Satztypen der Teaser-Vorspanntexte ...
81
Tab. 9
Komplexitätsgrad der Sätze ...
81
Tab. 10
Verhältnis Hauptsatz Nebensatz bei Satzgefügen ...
82
Tab. 11
Arten der Satzverbindungen ...
83
Tab. 12
Spezifische Interpunktion ...
83
Tab. 13
Satztypen im Vorfeld einer Doppelpunkt-Konstruktion ...
85
Tab. 14
Lexikalische Aspekte ...
88
Tab. 15
Zusammenfassung der ermittelten Merkmale des Online-Teasers
91
Tab. 16:
Übersicht zu spezifischen Merkmalen des Online-Teasers ...
93
1
1.
Einleitung
Das Internet hat innerhalb der vergangenen zehn Jahre eine rasante Entwicklung
durchgemacht. Von einem vorwiegend wissenschaftlich genutzten Netzwerk ist es zu einem
Kanal avanciert, der verschiedene Medien und Funktionen vereint und damit für immer mehr
Menschen zu einem Teil des Alltags wird.
Trotz dieser weit reichenden Ausbreitung und der damit einhergehenden Kommerzialisierung
hat das Internet noch nichts von seiner Faszination des Neuen und Unberechenbaren verloren.
Neben meinem Grundinteresse für Journalismus und ersten Nebentätigkeiten in diesem
Bereich war es insbesondere die eben genannte Faszination für das Internet, die den Rahmen
für diese Magisterarbeit früh absteckte. Medienanalysen wie die des VDZ, dem Verband
Deutscher Zeitschriftenverleger, prophezeien den Online-Medien aus kommerzieller Sicht
eine positive Zukunft. Auch beim Anteil der täglich genutzten Medien ist beim Internet eine
stetig wachsende Verbreitung zu verfolgen (Vgl.
VDZ
, 2007: S. 94 f/
QUANDT
, 2005: S. 51).
Nach den ersten verhaltenen Versuchen deutscher Tageszeitungen und Nachrichtenmagazine
im Internet ein journalistisches Standbein zu etablieren, wurde innerhalb der letzten fünf Jahre
von den deutschen Verlagen viel unternommen, um erfolgreich in den Online-Journalismus
einzusteigen.
Bislang haben sich mit diesem Thema vorwiegend die medienwissenschaftliche Forschung
und journalistische Praxis auseinandergesetzt. In der Sprachwissenschaft wurde das Internet
zwar frühzeitig als neues Forschungsgebiet angesehen, allerdings beschränkten sich die
Untersuchungen häufig auf die Phänomene Hypertext, sowie E-Mail- und Chat-
Kommunikation. Eine tiefere, wissenschaftliche Auseinandersetzung mit sprachlichen
Besonderheiten im Online-Journalismus fand bislang nur in geringem Maße statt.
Ein Grund dafür dürfte darin liegen, dass sich die Texte der Nachrichtenmedien im Internet
stilistisch kaum von denen der Print-Ausgaben unterscheiden. Häufig werden sogar die Print-
Artikel unverändert im Internet zweitverwertet. Auch die klassischen journalistischen
Textsorten wurden nicht neu erfunden. Der Einfluss des Internets auf die journalistischen
Texte ist marginal und beschränkt sich hauptsächlich auf Fragen der Textaufbereitung. In
diesem Bereich gibt es tatsächlich neue Formen, die die Möglichkeiten der nicht-linearen
Aufbereitung von Hypertexten nutzen, wie an späterer Stelle ausführlich erläutert wird.
Ein Textbereich hat im Online-Journalismus allerdings eine hohe Bedeutung erlangt: der
Anreißer, oder besser bekannt als Teaser. Obwohl der Teaser im journalistischen Sinn
gemeinhin als eigene originär im Internet zu findende Textsorte angesehen wird, soll mit
2
dieser Arbeit geklärt werden, inwieweit es Besonderheiten und Eigenheiten gibt, die den
Teaser tatsächlich zu einer eigenen Textsorte deklarieren lassen.
Dieser sprachwissenschaftlich konzentrierte Fokus hat durchaus Sinn, denn aus Sicht von
medienwissenschaftlichen und journalistischen Arbeiten und praktischen Ratgebern gelten für
den Teaser spezifische Anforderungen bei der Textproduktion. Daraus lässt sich schließen,
dass sowohl auf textinterner als auch auf textexterner Ebene Eigenschaften existieren, die
dem Teaser eine bestimmte Struktur verleihen, die wiederum für den Textproduzenten und
rezipienten eine eindeutige Textsortenzuweisung möglich machen.
In dieser Magisterarbeit soll also eine Textanalyse anhand eines selbst zusammengestellten
Korpus vorgenommen werden, mit dem Ziel textsortenkonstituierende Besonderheiten des
Teasers herauszuarbeiten. Die Arbeit ist in zwei Hauptteile untergliedert: Im ersten Teil wird
ein theoretischer Überblick über die Textsortenlinguistik gegeben, zugleich wird dort ein
Modell der Textsortenbeschreibung näher beleuchtet, das für die Analyse im zweiten Teil der
Arbeit als Untersuchungsinstrumentarium genutzt wird. Eine ausführliche sprach- und
medienwissenschaftliche Beschreibung zum Forschungsstand des Teasers findet ebenfalls in
jenem theoretisch geprägten ersten Teil statt. Da auch in gedruckten Tageszeitungen sowie in
anderen wissenschaftlichen Disziplinen Kurztexte zum Ankündigen von längeren Artikeln
existieren, geht mit der Beschreibung eine grobe Abgrenzung des Online-Teasers von diesen
ähnlichen Kurzformen einher.
Der zweite Teil der Arbeit widmet sich schließlich der Analyse des eigens
zusammengestellten Korpus. Empirisch werden 129 real existierende Teaser von drei
deutschen Online-Medien hinsichtlich einer möglichen Textsortenspezifik und anhand der
Mehrebenenmodelle von
HEINEMANN/VIEHWEGER
sowie
HEINEMANN
/
HEINEMANN
untersucht.
Die Arbeit hat damit interdisziplinären Charakter, da sie sowohl sprachwissenschaftliche als
auch medienwissenschaftliche Untersuchungsaspekte streift.
3
2.
Textlinguistische Einführung
,,Text im Online-Journalimus" lautet der thematische Rahmen dieser Arbeit. Im Detail soll
herausgefunden werden, ob der so genannte Anreißer bzw. Teaser als eigene Textsorte
angesehen werden kann. Dabei ist eine textlinguistische Einführung notwendig, um den
linguistischen Rahmen für die spätere empirische Analyse abzustecken. Zu Anfang wird kurz
auf den nicht klar definierbaren Textbegriff eingegangen. Dem schließt sich ein Überblick
zur bisherigen Textsortenforschung an, der mit der Vorstellung der Mehrebenenmodelle nach
HEINEMANN/VIEHWEGER
bzw.
HEINEMANN/HEINEMANN
ein Textklassifikationsmodell
näher beleuchtet.
Die Textlinguistik gilt mit ihrer rund vierzig jährigen Forschungsgeschichte noch immer als
relativ junge Teildisziplin der Linguistik. Ihre Entwicklung ist zugleich ein Spiegelbild für
den Perspektivwechsel und die Erkenntnisfortschritte, die die Linguistik allgemein in dieser
Zeit erlebt hat. Zwei Tendenzen sind besonders prägend für die Entstehung der Textlinguistik
Mitte der 1960er Jahre gewesen. Zum einen entfernte sich die Linguistik in dieser Zeit von
ihrem bis dahin dominierenden Fokus auf sprachsystematische Aspekte, die auf Ferdinand de
Saussure zurückgehen. Zum anderen ging damit eine Öffnung für die inner- und
außersprachlichen Besonderheiten im Sprachhandeln einher. Sprache wurde nicht mehr als
starres System, sondern als entscheidendes Mittel des menschlichen Handelns und der
gegenseitigen Interaktion betrachtet. Relevant für die linguistische Forschung wurden ab
dieser Phase Aspekte wie der situative Kontext von Sprache sowie die Rollen der
Sprachproduzenten und rezipienten. Dieser Prozess wird aus heutiger Sicht als die
,,kommunikativ-pragmatische Wende" der Linguistik bezeichnet, in deren Zuge neue
Teildisziplinen wie die Sozio-, Psycho- und auch Textlinguistik entstanden.
Parallel zu dieser Entwicklung fand eine Neubewertung des Satzes statt. Bis zur Mitte der
1960er Jahre galt der Satz als die größte sprachlichwissenschaftliche Einheit. Die
Grammatiktheorien waren am Satz ausgerichtet, obgleich der Blick auf den einzelnen Satz
wenig über dessen Gebrauch und dessen sprachlichen Kontext aussagen konnte. Mit der
kommunikativ-pragmatischen Neuausrichtung wurde die eingeschränkte Satzperspektive
erweitert und der Text stellte die neue Grundeinheit der Linguistik dar (Vgl.
HEINEMANN/VIEHWEGER
, 1991: S. 22 f).
Seit den 1980er Jahren hielten kognitive Disziplinen verstärkt Einzug in die Textlinguistik,
die die Textlinguistik mit aktuellen Wahrnehmungsforschungen verbanden und zugleich den
Textbegriff an sich herausforderten, wie sich im nächsten Kapitel zeigen wird. Auch die so
4
genannten Neuen Medien haben mit ihren Hypertexten die Textlinguistik vor neue
Herausforderungen gestellt (Vgl.
ANTOS
/
TIETZ
, 1997: VIII).
2.1
Annäherung an den Textbegriff
Ausgehend von der eben genannten Entwicklung der Textlinguistik soll sich an dieser Stelle
dem Textbegriff genähert werden. Obwohl Text als der textlinguistische
Untersuchungsgegenstand ohne Zweifel feststeht, konnte sich eine allgemeingültige Text-
Definition im Laufe der letzten vierzig Jahre nicht herauskristallisieren. Allerdings gibt
BRINKER
zu bedenken, es sei fraglich,
,,ob es überhaupt möglich ist, einen allgemein gültigen Textbegriff zu entwickeln,
der es erlaubt, zu bestimmen, was immer und überall als Text zu gelten hat. Die
Gegenstandsbestimmung einer wissenschaftlichen Disziplin ist ja nicht nur durch
die Eigenschaften der Objekte bestimmt, sondern vor allem auch von den
jeweiligen Untersuchungszielen der Wissenschaftler abhängig. Ein absoluter
Textbegriff würde dieser Interdependenz zwischen Zielsetzung und
Gegenstandsbestimmung beim Aufbau einer Theorie nicht genügend Rechnung
tragen." (
BRINKER
, 1985: S. 12)
Textualität lässt sich demnach nicht an festen Merkmalen erklären, die zu eindeutigen
Zuweisungen wie Text oder Nicht-Text führen. Vielmehr sind es verschiedene
Beschreibungsebenen, die für die Textualität relevant sind, und die bei jeder Form von Text
unterschiedlich dominant ausgeprägt sein können. (Vgl.
ADAMZIK
, 2004: S. 47)
Ausgehend davon kann sich dem Textbegriff nur aus verschiedenen Ansätzen und
Perspektiven heraus genähert werden. Insofern ergibt es Sinn, an dieser Stelle die
wesentlichen Ebenen der Textualität kurz zu skizzieren, um einen Überblick zu erhalten.
Während der textlinguistischen Anfänge wurde hauptsächlich versucht, Textualität anhand
der grammatischen Oberflächenstruktur zu bestimmen. Demnach ist ein Text eine lineare
Abfolge von Sätzen, die durch verschiedene Mittel der grammatisch-syntaktischen
Verknüpfung zusammengehalten werden. Die Kohäsion, die regelhafte grammatische
Verkettung von Sätzen, ist die Voraussetzung eines Textes (Vgl.
HEINEMANN
/
HEINEMANN
, 2002: S. 64 f). Obwohl damit Aspekte der Interaktion und Funktionen von
Texten außen vor bleiben, kommt nach
HEINEMANN/HEINEMANN
(Vgl. 2002: S. 68) dem
grammatischen Ansatz dennoch eine hohe Relevanz zu: ,,Er sollte als wesentliche
Voraussetzung, als Ausgangspunkt für Textkennzeichnungen aller Art angesehen werden."
Abseits der Vernetzung an der Oberfläche versuchen hingegen semantisch geprägte Ansätze
die inhaltlichen Relationen von Texten und ihren Texteinheiten untereinander sowie ihrer
5
Verbindung zur außersprachlichen Wirklichkeit zu erklären. Text wird aus dieser Perspektive
von Propositionen oder Sätzen bestimmt, die durch ein gemeinsames Thema verbunden sind.
Im Mittelpunkt steht hierbei die Kohärenz, ,,die [innere] Kompatibilität der Textelemente"
(Vgl. Ebenda, 2002: S. 98) bzw. die ,,sprachlich ausgedrückte Einheitlichkeit des
Textgegenstandes" (
BRINKER
, 1985: S. 42). Mit Hilfe von verschiedenen semantisch
geprägten Beschreibungsmodellen auf die an dieser Stelle nicht ausführlicher eingegangen
werden soll wie der Thematischen Progression, dem Isotopie-Ansatz,
Propositionskomplexen oder dem Text-Thema-Modell können in Texten semantische
Zusammenhänge festgestellt werden.
Der pragmatisch-kommunikative Zugang macht deutlich, dass mit Texten immer auch eine
kommunikative Funktion und Handlung verbunden ist, die abhängig ist vom Kontext der
Äußerung. Dies ist insofern wichtig, als dass pragmatische Bezüge teilweise nicht aus
grammatischen oder semantischen Aspekten zu schließen sind. Ein Satz kann beispielsweise
in drei Äußerungen die gleiche grammatische Struktur aufweisen, aber drei verschiedene
Funktionen ausführen. Der pragmatisch-kommunikative Ansatz geht über die
systemorientierten linguistischen Grenzen hinaus und schließt Erkenntnisse aus Disziplinen
wie der Soziologie, Psychologie oder Kommunikationswissenschaft mit ein (Vgl.
HEINEMANN
/
HEINEMANN
, 2002: S. 81 f).
Eine vierte Ebene, um Textualität zu beschreiben, basiert auf kognitiven Aspekten. Demnach
sind Texte nur Phasen komplexer psychischer Handlungsprozesse bzw. Resultate mentaler
Prozesse. Insbesondere die Produktion und Rezeption von Texten sind in diesem Ansatz die
wichtigsten Untersuchungsbereiche (Vgl. Ebenda, 2002: S. 90 f). Text rückt hierbei nicht
mehr als Produkt einer Handlung in den Fokus, sondern als ein Teil eines verketteten
Produktions- und Rezeptionsprozesses (Vgl.
ANTOS
/
TIETZ
, 1997: VIII).
Ein neuerer Ansatz überträgt die Kern-Peripher-Relationen bei der Bedeutungszuweisung
von Begriffen, wie sie aus der Prototypensemantik bekannt sind, auf den Textbegriff.
Demnach kann es keine einheitliche Definition für jedes existente Textexemplar geben.
Stattdessen lassen sich anhand verschiedener Merkmale und deren Relevanz mehr oder
weniger typische Texte ausmachen (Vgl.
HEINEMANN
/
HEINEMANN
, 2002: S. 102 f).
Dieser Ansatz hat die Möglichkeit, oben genannte Beschreibungsebenen in sich zu
vereinen und zu Merkmalsbündeln zusammenzufassen. Da Texte höchst heterogen
ausfallen können selbst innerhalb einer Textsorte ist eine solche Betrachtung und
Bewertung anhand eines prototypischen Rasters durchaus sinnvoll. Textualität ist aus
dieser Perspektive also eine graduelle Größe (Vgl.
SANDIG
, 2000: S. 93 f).
6
2.2
Textsorten
Ein wichtiger Untersuchungsbereich der Textlinguistik sind die Textklassifikation sowie die
dafür relevanten Kriterien. In diesem Kapitel wird daher näher auf den Begriff der Textsorte
eingegangen auch als Vorbereitung für die spätere Textsortendiskussion. Dabei geht es
wie bei der Annäherung an den Textbegriff nicht darum, die Diskussionen zur
Textsortenbeschreibung im Detail und anhand der Originalliteratur nachzuzeichnen, sondern
um einen einführenden Überblick. Daher beschränken sich meine Ausführungen im
Wesentlichen auf Einführungstexte von
HEINEMANN
.
2.2.1
Definitionsansätze
Auch wenn der Begriff Textsorte im alltäglichen Sprachgebrauch kaum angewandt wird, so
gehört das Textsortenwissen zweifellos zu einem sprachlichen Metawissen, das zur intuitiven
Orientierung beim Umgang mit Texten entscheidend beiträgt. In der Regel fällt es leicht,
Textsorten im Alltag und im Beruf zu identifizieren, sie zu rezipieren und auch entsprechend
der Konventionen zu produzieren. Die Bestimmung und Abgrenzung einer Textsorte fällt
jedoch ungleich schwerer. Das aus eigener kommunikativer Erfahrung erworbene
Textsortenwissen ist meist nur vage und bei jedem Sprecher einer Sprachgemeinschaft
unterschiedlich präzise ausgeprägt (Vgl.
HEINEMANN
, 2000-1: 507).
Mit einer Klassifikation von Texten soll die Vielfalt der verschiedenen Texte zu einer
überschaubaren Zahl von Grundtypen zusammengefasst werden, um die kommunikative
Praxis transparenter zu gestalten (Vgl.
HEINEMANN/VIEHWEGER
, 1991: 145).
Es geht also um die Klassifizierung einer Menge von Texten anhand ihrer Gemeinsamkeiten
und Unterschiede. Ausgehend vom Minimalkonsens, dass sich unter Textsorten Teilmengen
von Texten befinden, ,,die sich durch bestimmte relevante gemeinsame Merkmale
beschreiben und von anderen Teilmengen abgrenzen lassen" (
HARTMANN
, 1971 zitiert nach:
HEINEMANN
, 2000-1: 509) hat sich die Textsortenforschung ähnlich wie bei der
Bestimmung eines Textbegriffs aus unterschiedlichen Richtungen dem Begriff genähert. An
dieser Entwicklung lassen sich ebenfalls die historischen Fortschritte der Textlinguistik
ablesen.
7
Im HSK-Band zur Text- und Gesprächslinguistik versucht
HEINEMANN
einen Konsens aus
den verschiedenen Ansätzen zu bilden, der zwei Punkte umfasst:
,, (a) Textsorten erweisen sich als eine begrenzte Menge von Textexemplaren mit
spezifischen Gemeinsamkeiten.
(b) Die Gemeinsamkeiten von Textexemplaren einer Textsorte sind auf mehrere
Ebenen zugleich bezogen:
-
auf die äußere Gestalt/das Layout;
-
auf charakteristische Struktur- und Formulierungsbesonderheiten/die
Sprachmittelkonfiguration
-
inhaltlich-thematische Aspekte
-
situative Bedingungen (einschließlich des Kommunikationsmediums/des
Kanals)
-
kommunikative Funktionen"
(Ebenda, 2000-1: S. 513/Hervorhebungen im Original)
HEINEMANN betont, dass die verschiedenen Ebenen untereinander korrelieren und je nach
Textsorte unterschiedlich dominant sind. Sie sind demnach als graduelle Größen zu verstehen,
wobei der kommunikativen Funktion eine gewisse Dominanz zuzuschreiben ist
(
HEINEMANN
, 2000-1: 513).
Des Weiteren weisen Textsorten ,,eine niedere Abstraktionsstufe" (Vgl. Ebenda; 2000-1: 514)
auf, d. h., die subsumierten Texte lassen sich an relativ konkreten Merkmalen bestimmen und
einer entsprechenden Textsorte zuordnen. Im kommunikativen Handeln kommt den
Textsorten eine strukturierende Orientierungsfunktion zu. Textsorten sind also Bündel von
Merkmalen, die jedoch nicht als klar abgegrenztes System zu verstehen sind.
BRINKERs Definition bringt es wie folgt auf den Punkt:
,,Textsorten sind konventionell geltende Muster für komplexe sprachliche
Handlungen und lassen sich als jeweils typische Verbindungen von kontextuellen
(situativen), kommunikativ-funktionalen und strukturellen (grammatischen und
thematischen) Merkmalen beschreiben." (
BRINKER
, 1985: S. 124)
Abzugrenzen vom Begriff der Textsorte sind Textmuster. Darunter versteht
HEINEMANN
eine ,,kognitiv idealtypische Größe", die in der kommunikativen Interaktion ebenfalls einen
Orientierungsrahmen absteckt, allerdings auf einer höheren Abstraktionsstufe (Vgl.
HEINEMANN
, 2000-1: 515f). Textmuster sind zudem bezogen auf die sprachlichen Mittel, die
nach bestimmten Mustern einem Text zu einer bestimmten Form verhelfen können. In der
Beschreibung von
HEINEMANN/HEINEMANN
heißt es:
,,Textmuster beruhen auf individuellen Erfahrungen und an Konventionen
orientierten Lernprozessen der Kommunizierenden und stellen gleichsam
Operationsmodelle für das allgemeine kommunikative Verhalten dar,
indem sie als prototypische Orientierungsraster bei der Generierung
neuer Texte fungieren." (
HEINEMANN
/
HEINEMANN
, 2002, S.154)
8
Textsorten dagegen lassen sich als ,,Ergebnisse kognitiver Operationen" in Textklassen
darstellen, abgeleitet von den Merkmalen konkreter Textexemplare. Textsorten sind demnach
nur als Teilmenge von Textklassen zu sehen, die sich in Textsortenvarianten untergliedern
lassen (Vgl. Ebenda, 2002: S. 140).
Als Beispiel für eine derartige Textklassen- und Textsorten-Hierarchie wird angebracht:
Textsortenklasse 2
Schrift-Text
Textsortenklasse 1
Zeitungs-Text
Textsorte
Wetterbericht
Textsortenvariante
Reisewetterbericht
(Vgl. Ebenda, 2002: S. 143)
Das Wissen über und das Einordnen von Textsorten basiert auf individuellen Erfahrungen. Je
häufiger mit verschiedenen Textsorten aktiv und/oder passiv umgegangen wird, desto
versierter wird der Umgang mit Textklassifikationen sein (Vgl.
HEINEMANN/VIEHWEGER
,
1991, 170).
Auch wenn in der Forschung wie im HSK-Band 16 eine Trennung zwischen Text- und
Gesprächslinguistik existiert, so lassen sich Schriftlichkeit und Mündlichkeit gleichermaßen
unter textlinguistischen Gesichtspunkten integrieren.
HEINEMANN/VIEHWEGER
begründen
diese Möglichkeit damit, dass Gespräche eine der wichtigsten Formen sprachlicher
Interaktion darstellen. Funktionale, situative, strukturelle und formelhafte Aspekte dürften
sich sowohl in Texten als auch in Gesprächen ähneln. Unterschiede zwischen beiden
Teildisziplinen sollen dabei allerdings nicht verdrängt werden (Vgl. Ebenda, 1991: 176).
2.2.2
Unterschiedliche Perspektiven der Textsortenbeschreibung
Wie lassen sich Textsorten bestimmen? Dies ist eine zentrale Frage der Textsortenforschung
und bis heute lässt sich keine einheitlich anerkannte Methode ausmachen. Aus verschiedenen
Bereichen kamen Impulse, die hier kurz angerissen werden sollen.
Aus grammatisch-strukturalistischer Sicht wird angenommen, dass sich Textsorten anhand
von formal-grammatischen Merkmalen wie Satzkomplexität oder Nomen-Verb-Relationen
statistisch von einander unterscheiden lassen. Allerdings greift dies zu kurz, da
unterschiedliche Textsorten auch identische grammatische Merkmale aufweisen können. Den
Fokus auf die thematische Entfaltung von Texten legt der semantisch-inhaltliche Ansatz.
Hierbei wird vermutet, dass die inhaltliche Verknüpfung und Reihung von Sätzen zu
sequentiellen Texteinheiten bestimmten Regeln folgt, wonach sich Texte anhand von
9
Sequenzierungstypen entsprechenden Textsorten zuordnen lassen. Als Kategorien werden
deskriptive, narrative, expositorische, argumentierende und instruierende Texttypen
abgeleitet. Auch die Einordnung nach Textthemen gibt nach diesem Ansatz Rückschlüsse auf
die Textsortenbeschreibung, so ließen sich beispielsweise politische, wirtschaftliche oder
wissenschaftliche Textsorten unterscheiden. Allerdings kann die Einordnung von Texten nach
rein inhaltlichen Merkmalen nicht ausreichen. Wie und unter welchen Bedingungen die Texte
in der gesellschaftlichen Interaktion funktionieren, können beide Ansätze jedoch nicht
erklären.
Weniger linguistisch, sondern stärker soziologisch, ist der Blick auf die Situation und den
Kontext, in denen ein Text auftritt. Die Frage wer mit wem, wie, wann und wo unter welchen
Umständen interagiert, lässt demnach gewisse Rückschlüsse auf das Repertoire an genutzten
Textsorten zu. Allerdings ist dieser Ansatz nur auf die situativen Bedingungen beim Gebrauch
eines Textes beschränkt, Besonderheiten über dessen grammatisch-inhaltliche Beschaffenheit
bleiben außen vor. Ebenfalls unabhängig von rein formal-inhaltlichen textbezogenen
Aspekten ist die Einordnung nach Textfunktionen. Hier steht die Frage im Mittelpunkt, was
mit einem Text erreicht werden soll, welche Intentionen der Textproduzent hat. Dieser Ansatz
ist angelehnt an Bühlers Kommunikationsmodell, ebenso wie an die Sprechakttheorie nach
Searle. Gerade Letzteres wurde als Möglichkeit gesehen, den Illokutionsaspekt von
Sprachhandlungen auch auf Texte zu übertragen, um die jeweilige Funktion eines Textes zu
analysieren (Vgl.
HEINEMANN
, 2000-2: S. 509f).
Als Resümee dieser groben Darstellung der Differenzierungsmöglichkeiten lässt sich
folgendes Urteil von
HEINEMANN
(Ebenda: S. 513) anbringen: ,,[...] das Phänomen
Textsorte [ist] doch nicht eindimensional zu fixieren, [so] lassen sich unterschiedliche
Textsorten nicht widerspruchsfrei voneinander abgrenzen."
2.2.3
Neue Ansätze der Textsortenbeschreibung
Die oben genannten eindimensionalen Ansätze im Einzelnen können eine Textsorte nicht
allein beschreiben, allerdings können sie Teilaspekte eines Sets sein, das der Bestimmung und
Abgrenzung von Textsorten dienen kann. In diese Richtung gehen neuere Ansätze wie die
Mehrebenenmodelle. Damit einher geht auch eine Absage an strikte Texttypologien mit
festgelegten Einordnungseinheiten, die nicht mit der Heterogenität von kommunikativen
Alltagsinteraktionen vereinbar sind. Der Forderung nach einer, alle Textexemplare
umfassenden, linguistischen Texttypologie wurde mit den Mehrebenenmodellen eine
10
Sichtweise entgegengesetzt, die Textsorten als flexible und vage Merkmalsbündel ansieht.
Die Mehrebenenmodelle orientieren sich klar an dem konventionalisierten Alltagswissen über
Textsorten, d. h., eine Typologie sollte an der Sprachpraxis ausgerichtet sein und damit
kompatibel sein. Bei der Bestimmung von Textsorten sind Merkmale von mehreren
Typisierungsebenen heranzuziehen, um dem textinternen und textexternen Handlungsrahmen
von Texten und ihrer Klassifikation gerecht zu werden. Dabei sind Intentions-, Situations-
und Partner-Muster ebenso relevant wie stereotype Textstrukturierungen und Formulierungen.
Als dritter Punkt wird beim Mehrebenenmodell die prinzipielle Offenheit von Textsorten
betont. Es handelt sich demnach nicht um statische und geschlossene Einheiten, sondern um
eine flexible und von Merkmalsüberschneidungen geprägte Klassifikation, die
Mehrfacheinordnungen von Texten zu einer Textsorte möglich macht (Vgl.
HEINEMANN
,
2000-2: S. 536f). Darüber hinaus sollte eine Textklassifikation die Möglichkeit beinhalten,
auf den Sprachwandel innerhalb einer Gesellschaft einzugehen. Denn auch Sprache und ihr
Gebrauch ist kein fixiertes System (Vgl.
HEINEMANN/VIEHWEGER
, 1991: S. 146).
Dabei ist insgesamt zu beachten, dass die Mehrebenenmodelle bisherige eindimensionale
Beschreibungsmodelle von Textsorten nicht ersetzen sollen, sondern vielmehr sind sie als
eine Integration und Weiterentwicklung von mehreren Basismodellen zu einem neuen,
praktikablen Set zu werten (Vgl.
HEINEMANN
, 2000-2: S. 540).
Das Mehrebenenmodell nach
HEINEMANN/VIEHWEGER
bzw.
HEINEMANN/HEINEMANN
wird im Kapitel 5.2 in Vorbereitung der sich anschließenden Teaser-Analyse ausführlich
vorgestellt.
11
3.
Text im Online-Journalismus
Im vorherigen Kapitel dieser Arbeit ging es um eine Einführung und Annäherung an die
textlinguistischen Leitbegriffe Text und Textsorte. Im Folgenden soll Text im Internet,
insbesondere im Online-Journalismus näher beleuchtet werden. Dabei geht es zu Anfang um
eine Einordnung dieses relativ jungen journalistischen Bereichs. Anschließend werden aus
sprach- und medienwissenschaftlicher Perspektive die Besonderheiten in der Rezeption und
Produktion von Texten im Online-Journalismus herausgearbeitet.
3.1
Online-Journalismus Begriffliche Einordnung
Der Begriff ,,Journalismus" ist vielschichtig. Er umfasst gleichermaßen die verschiedenen
Arbeitsmethoden, Produkte und strukturellen Bedingungen des Arbeitsfeldes eines
Journalisten. Zugleich steht der Begriff auch für eine systemorientierte Sicht, die
journalistisches Handeln in Bezug auf gesellschaftliche Zusammenhänge (
QUANDT
, 2005: S.
24). Aufgaben des Journalismus sind das Informieren, Kommentieren und Unterhalten. Dabei
werden Fakten von fest angestellten oder freien Journalisten ausgewählt, recherchiert und
medienspezifisch in Wort, Bild oder Ton für eine massenmediale Veröffentlichung
aufbereitet. Zu journalistischen Institutionsbereichen zählen neben Print-Medien, Rundfunk
und Online-Medien auch Nachrichtenagenturen sowie die Pressedienste von Organisationen
aller Art (Vgl.
KUNCZIK
/
ZIPFEL
, 2005: S. 129).
1
Online-Medien
2
im Besonderen zeichnen sich in erster Linie aufgrund ihrer medialen
Übertragung in die Öffentlichkeit aus: Das Internet bzw. World Wide Web, kurz
WWW
3
,ist
1
Der Medien-Begriff ist vielschichtig. Er umfasst technische als auch kommunikative Aspekte.
Massenmedien sind daher ,,auf Dauer angelegte institutionalisierte Handlungszusammenhänge, die sich
komplexer Kommunikationskanäle und techniken bedienen und in großbetrieblich-industriellen
Organisationsformen nach bestimmten Regeln und Routinen für die Gesellschaft bedeutungsvolle
Funktionen für die öffentliche Kommunikation erbringen." (Vgl.
TRAPPEL
, 2007: S. 32). Zu finden ist auch
eine Einteilung in Medien erster und zweiter Ordnung. Medien erster Ordnung sind demnach technische
Systeme zur Informationsübermittlung, Medien zweiter Ordnung hingegen soziokulturelle Institutionen zur
Aufbereitung von Informationen (Vgl.
KUBICEK
, zitiert nach
QUANDT
, 2005: S. 35).
2
In dieser Arbeit sind Online-Medien generell in eben genannten journalistischen Sinn zu verstehen.
3
Die Begriffe Internet und World Wide Web sind nicht synonym: Unter Internet ist ,,ein Verbund von
Computersystemen, in dem verschiedene Dienste angeboten werden" (
DUDEN
, 2003), zu verstehen. Das
World Wide Web hingegen ist ein ,,weltweites Informationssystem im Internet" (
DUDEN
, 2003). Das
Internet ist insofern die technische Grundlage für den Aufbau des
WWW
-Systems. Des Weiteren muss
angemerkt werden, dass Internet und Online-Medien nicht gleichgesetzt werden können, da das Internet bzw.
WWW selbst keine medienspezifische Eigenschaft aufweist. Sie sind lediglich die Überträger von Inhalten,
die teilweise auch journalistisch von Online-Medien kommen können (Vgl.
QUANDT
, 2005: S. 33).
12
der Verbreitungskanal, der multimediale Möglichkeiten für journalistische Angebote
4
zulässt.
5
Wie bei den anderen Medien ist deren Nutzung an bestimmte Techniken der Rezeption
gebunden: die herkömmliche Tageszeitung an gedrucktes Papier, Radio und Fernsehen an
entsprechende Übertragungsgeräte. Online-Medien können wiederum ausschließlich im
WWW
genutzt werden. Zum Aufrufen der journalistischen Inhalte müssen dafür ein Computer
oder Mobiltelefon sowie ein Internetanschluss vorhanden sein.
QUANDT
gibt jedoch zu
bedenken, dass Online-Journalismus keineswegs nur auf das WWW beschränkt ist, auch
wenn es zum größten Teil im WWW realisiert wird. Auch andere internetbasierte Dienste wie
Chats oder E-Mail-Newsletter werden von Online-Medien genutzt, um Informationen zu
verbreiten (QUANDT, 2005: S. 38).
Der Online-Journalismus verbindet verschiedene mediale Formate, die bisher aufgrund
unterschiedlicher technischer Voraussetzungen medienspezifisch voneinander getrennt waren
bzw. nur einen Verbreitungskanal bedienen konnten.
Sind Print-Medien beschränkt auf den Einsatz von gedrucktem Text und Bild,
Radioprogramme auf Ton und das Fernsehen auf (Bewegt-)Bild, Ton und Text, so lassen sich
im Online-Journalismus die Grenzen zwischen traditionellen Medientypen auflösen (Vgl.
TRAPPEL
, 2007: S. 33). Somit können neben reinen Online-Medien auch bisher originär im
Print- oder Rundfunk agierende Medien Informationen auf einer technisch gleichen Basis
aufbereiten.
Mehrere Ebenen charakterisieren das
WWW
in Bezug auf seine medial-kommunikativen
Möglichkeiten:
,,Aktualität, Hypertextualität, Interaktivität, Multimedialität, unbegrenzte
Speicherkapazität, globale Publizität, Anonymität, Technikgebundenheit"
(
SEIBOLD
, 2002: S. 11)
Allerdings werden einige Potentiale des
WWW
für den Online-Journalismus noch nicht
genutzt. Dies hat vielfach einen ökonomischen Hintergrund, da zahlreiche Online-
Redaktionen noch nicht gewinnbringend wirtschaften und dementsprechend weniger in
Personal und technische Entwicklungen investieren
6
. Einen weiteren Grund sieht
NEUBERGER
in dem Prozess der Institutionalisierung. Ein neues Medium greift zumeist auf
Instrumentarien bewährter Medien zurück, ehe es entsprechend der technischen
Möglichkeiten und deren stetiger Nutzung neue Konventionen herausbildet (Vgl.
NEUBERGER
, 2008: S. 20 f).
BUCHER
beschreibt denselben Vorgang mit dem Begriff
4
Die Möglichkeiten werden in 3. Kapitel näher beleuchtet.
5
,,Vor dem Hintergrund der klassischen Medienrevolution ist das Internet kein neues Medium, sondern eine
Technologie, in der auf der Folie der Digitalisierung von Information bisherige Medien integriert sind."
(
SCHLOBINSKI
, 2005: S. 9 Hervorhebung im Original)
6
Vgl. ,,«Online-Journalismus ist noch nicht reif für Renditen»",
NETZEITUNG
(http://www.netzeitung.de/internet/1076617.html, Zuletzt aufgerufen am 22.05.2009)
13
Trägheitsprinzip. Auf Online-Medien übertragen heißt das, dass trotz der multimedialen
Möglichkeiten anfangs vorwiegend Text veröffentlicht wurde (Vgl.
BUCHER
, 2006: S. 214).
Ein Grund für die Textzentriertheit waren die anfangs relativ hohen Kosten für einen
Internetzugang bei gleichzeitig geringen Datenübertragungsraten. Denn parallel zur Erhöhung
der Übertragungsraten und der Senkung der Nutzungskosten bauten auch die Online-Medien
ihre Angebote multimedial aus.
Diese Entwicklung, wie von
NEUBERGER
und
BUCHER
beschrieben, lässt sich auch bei den
Online-Portalen deutscher Tageszeitungen ausmachen. Ende der 1990er Jahre wurde die
Präsenz im WWW hauptsächlich zu Marketing-Zwecken genutzt, indem eine Auswahl der
Texte aus den Print-Ausgaben gekürzt oder ungekürzt auf die Websites übertragen wurde.
Erst seit rund fünf Jahren werden aus den Online-Portalen eigenständige Plattformen, die
aktueller und multimedialer Nachrichten präsentieren können als die gedruckte Ausgabe (Vgl.
BUCHER
, 2006: S. 215 f).
Auch die Rollenverteilung zwischen Medien und Rezipienten wird durch das
WWW
neu
ausgerichtet.
LÜGER
spricht bei den bisherigen Massenmedien von einer einseitigen
Kommunikationssituation, da ,,kein Wechsel der Kommunikationsrollen möglich" ist (Vgl.
LÜGER
, 1995: S. 46).
Kam den traditionellen Massenmedien eine gewisse Hoheit in der Auswahl und Vermittlung
von Informationen zu bei nur geringen Reaktions- und Einflussmöglichkeiten der Leser
verschwimmen im WWW zunehmend die Grenzen zwischen Vermittler und Rezipient. Zwar
bieten auch die Online-Medien nur geringe Möglichkeiten, mit so genannten User Generated
Contents"
7
die Einseitigkeit der Kommunikationssituation aufzubrechen. Dafür wurden die
Reaktionsmöglichkeiten enorm erweitert: So bieten zahlreiche Online-Medien
Kommentarfunktionen und Foren zu bestimmten Texten und/oder Themen oder Chats mit den
Redakteuren bzw. externen Experten.
Neben der publizistisch konventionellen und professionellen Arbeit der Online-Medien
etablieren sich im
WWW
zunehmend Angebote nicht Nicht-Journalisten, um selbst und
unabhängig von einem Massenmedium Inhalte zu publizieren. Dies soll nicht weiter vertieft
werden, als Stichworte seien jedoch semi-private Websites, Weblogs
8
oder Nutzerplattformen
wie Wikis
9
genannt.
7
Mit diesem Terminus werden Inhalte bezeichnet, die von den Nutzern und nicht von den Machern einer
Website erstellt werden. Neben Kommentaren bei Online-Medien gibt verschiedene Arten wie Nutzer selbst
kreativ aber in einem professionellen Sinne aktiv im
WWW
werden können. U.a. bei Nutzerplattformen wie
Myspace oder Myheimat sowie bei Wikis wie Wikipedia. (Vgl.
OECD
, 2007)
8
Eine eindeutige Definition des Weblog-Begriffs existiert bislang nicht. Als grundlegende Merkmale dürften
die einfache Gestaltung der Websites nach einem chronologischen Aufbau und die hohe Vernetzung zu
externen Websites gelten. Die Texte eines Weblogs können zumeist von den Lesern kommentiert werden. In
14
Prinzipiell sind die traditionellen Medien damit nicht mehr die einzige unabhängige Instanz,
die Informationen öffentlich macht und kommentiert.
NEUBERGER
gibt allerdings zu
bedenken, dass die neuen technischen Möglichkeiten nur ein Potential darstellen, das nicht
automatisch die medialen Strukturen und das Medium-Rezipient-Verhältnis neu gestalten
wird. Er beruft sich dabei auch auf Studien, die die Motivation der Nutzer, eigene Beiträge zu
verfassen, als gering einschätzen (Vgl.
NEUBERGER
, 2008: S. 22 f).
Dennoch gibt es insbesondere mit den Weblogs ein Instrument, das eine eigene Öffentlichkeit
neben den traditionellen Medien herstellen kann und zugleich durch die vorwiegend
subjektive Berichterstattung und Informationsbewertung meinungsbildend sein kann. Insofern
können manche Weblogs von Journalisten bzw. journalistisch ausgerichtete Weblogs
durchaus als Teil des Online-Journalismus angesehen werden (Vgl.
SCHMIDT
, 2006: 120 f).
Bezogen auf die Nutzungsoptionen bieten journalistische Angebote im WWW im Gegensatz
zu traditionellen Medien ein höheres Maß an eigenständiger Selektion und Interaktion. Dies
spiegelt sich in zeitlich frei verfügbaren multimedialen Formaten wie Streams, Podcasts
10
oder Infografiken ebenso wider, wie in der Möglichkeit, Informationen zu jedem beliebigen
Zeitpunkt abzurufen, zu vertiefen und selbst zu produzieren. NIELSEN fasst es zusammen
mit den Worten: ,,The web is an active medium" (Vgl.
NIELSEN
, 2008).
3.2
Medien- und sprachwissenschaftliche Aspekte in Bezug auf
Text im Online-Journalismus
3.2.1
Hypertext als Grundlage für Online-Journalismus
Unabhängig von journalistischen Aspekten ist für Online-Medien das so genannte Hypertext-
Prinzip elementar. Ähnlich wie beim Text- und Textsortenbegriff existiert auch in Bezug auf
Bezug auf die Autorschaft, den Anspruch und die Inhalte sind Weblogs allerdings offen.
9
,,Ein Wiki [...] ist ein Hypertext-System, dessen Inhalte von den Benutzern nicht nur gelesen, sondern auch
online geändert werden können." (Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Wiki, Zuletzt am 22.05.2009)
Wikipedia ist eine Online-Enzyklopädie, die auf dem Wiki-Prinzip basiert und frei verfügbar und weitgehend
frei zu bearbeiten von jedem
WWW
-Nutzer ist.
10
Ein Podcast ist ein Audio-/Video-Beitrag, der im
WWW
zu einer beliebigen Zeit als entsprechende Audio -/
Video-Datei auf den Computer heruntergeladen werden kann. Podcasts können abonniert werden, d. h., jeder
neu veröffentlichte Beitrag wird bei den Abonnenten mit einer entsprechenden Sorftware automatisch
heruntergeladen. Ein Stream überträgt ebenfalls auditive und visuelle Inhalte, allerdings müssen die Daten
nicht erst, wie beim Podcast, auf dem Computer gespeichert sein, um sie nutzen zu können, sondern die
Daten werden schrittweise an den Empfänger übermittelt. Er kann auf die Inhalte demnach direkt zugreifen,
kann sie allerdings nicht auf dem Computer speichern (Vgl.
NIEMANN
, 2007: S. 14 f).
15
Hypertext keine Konsens-Definition. Dennoch lassen sich einige Merkmale zu einer
allgemeinen Begriffsbestimmung heranziehen. Demnach handelt es sich bei Hypertext um ein
Konzept der nicht-linearen Organisation und Aufbereitung von Inhalten. Dies erfolgt durch
eine Modularisierung der Inhalte, d. h., sie werden auf mehrere Unterseiten verteilt und durch
so genannte Knoten bzw. Hyperlinks mit einander verknüpft. Hypertext ist technisch
gebunden an den Computergebrauch, er ist Teil einer Software. Jener technische Aspekt soll
im Rahmen dieser Arbeit nicht weiter vertieft werden. Die Spezifik von Hypertexten wird
auch dadurch deutlich, dass sie nur am Computer ihre volle Wirkungskraft entfalten können.
Denn ausgedruckt wären weder die gegenseitigen Verweise zwischen verschiedenen Modulen
realisierbar, noch wären multimediale Zusatzangebote zum Text reproduzierbar.
Im Detail lässt der Begriff allerdings weitere Beschreibungsebenen zu. Z. B. hinsichtlich der
Größe gibt es mit dem WWW ein sehr weit reichendes komplexes Hypertextnetz, das aus
verschiedenen, mehr oder weniger offenen und untereinander verknüpften Hypertexten
besteht. Daneben existieren auch geschlossene Hypertexte mit einem engeren Wirkungskreis
wie z. B. virtuelle Software-Bedienungsanleitungen. Ein Hypertext zeichnet sich also als
,,funktional-thematisch bestimmte kommunikative Ganzheit" (Vgl.
JACOBS
, 2003: S. 236)
aus, wobei insbesondere im
WWW
die Websites als Hypertext aus mehreren Modulen mit
verschiedenen funktionalen und kommunikativen Zwecken bestehen
(Vgl.
JACOBS
, 2003: S. 235 f).
Zusammengehalten werden die einzelnen Hypertexte durch interne Links. Externe Links
verknüpfen einzelne Hypertexte dann zu übergeordneten Hypertextnetzen. Das
WWW
ist
demnach ein riesiges Hypertextnetz, das permanent in Bewegung ist, da immer wieder neue
Hypertexte und neue Verknüpfungen zwischen den einzelnen Hypertexten entstehen bzw.
bestehende Hypertexte verändert werden. Unterschieden werden kann zudem zwischen
offenen und geschlossenen Hypertexten. Als geschlossen gilt ein Hypertext dann, wenn eine
definierte Anzahl von Modulen konstant und unverändert besteht. Offen ist ein Hypertext im
Falle einer ständigen Erweiterung und Veränderung der einzelnen Module (Vgl.
STORRER
,
2000: S. 236). Die Websites von Online-Medien zählen demnach zu den offenen Hypertexten,
da sie sich durch die permanente Aktualisierung
11
immer während verändern.
Aus textlinguistischer Sicht ist das Verknüpfen von einzelnen, in sich abgeschlossenen Texten
kein Novum. Intertextuelle Bezüge lassen sich in vielen Texten und Textsorten herausfiltern.
Allerdings werden auch hier die Möglichkeiten der nicht-linearen Rezeption sowie die
Unmittelbarkeit der computergestützten Verknüpfung von verschiedenen Teiltexten durch
Hyperlinks als neues Wesensmerkmal von Hypertext gewertet (Vgl.
SAGER
, 2000: S. 587 f).
11
Eine genauere Beschreibung der Aktualisierungstypen von Websites folgt auf S. 18.
16
Darüber hinaus sind Hypertexte nicht nur auf Text als Informationsträger beschränkt.
Vielmehr bietet sich die Möglichkeit verschiedene Medien in einen Hypertext zu integrieren
und miteinander zu verbinden. Diese, wie
STORRER
es nennt, ,,Mehrfachkodiertheit und
Synästhetisierung" ist unter dem Begriff Multimedia zu verstehen (Vgl.
STORRER
, 2000: S.
228).
STORRER
trifft eine weitere begriffliche Unterscheidung, und zwar zwischen E-Texten
sowie den bereits erwähnten Hypertexten und Hypertextnetzen. E-Texte sind demnach lineare
Texte im
WWW
. Häufig betrifft dies für den Druck bestimmte Texte, die im WWW einen
weiteren Publikationskanal erhalten zur Zweitverwertung. Zwar werden E-Texte auch in ein
Hypertextnetz integriert, sie nutzen aber keine Formen der
WWW
-entsprechenden
Zerlegungs- und Anordnungsprinzipien, d. h., die nicht-linearen und multimedialen
Möglichkeiten eines Hypertextes werden nicht angewendet (Vgl.
STORRER
, 2000: S. 230/
Vgl.
STORRER
, 2003: S. 284).
Sowohl von medienwissenschaftlichem als auch von textlinguistischem Interesse ist zudem
die Frage nach der Kohärenz in Hypertexten. Kohärenz als thematischer Zusammenhang
verschiedener Teile eines Textes zählt zu den zentralen Konzepten des Textbegriffes.
Insbesondere durch die Nicht-Linearität beschränkt sich die sequenzielle Abfolge, wie sie
vom Autor intendiert wurde und vom Rezipienten im WWW erwartet wird, nur auf die
einzelnen Module. Jeder Teiltext besitzt eine eigene Kohärenz im herkömmlichen Sinne,
aufbauend auf verschiedenen Mitteln der expliziten und impliziten Wiederaufnahme.
Allerdings sind über die Module hinaus die Thema-Rhema-Strukturen
12
, also die Frage nach
bekannter und neuer Information, in ihrer Sequenz nicht linear abrufbar. Jeder Rezipient kann
an einem anderen Knoten in den Hypertext einsteigen, und sich die Gesamtheit in selbst
bestimmter Abfolge erschließen. Als weiteren Punkt nennt
STORRER
das Fehlen einer
physischen Textbegrenztheit, wie sie bei Büchern oder Zeitungen vorhanden ist. In Bezug auf
die Kohärenz sind die Grenzen zwischen verschiedenen Hypertexten durch die einfache
Verlinkung autarker Hypertexte schnell überschritten, so dass Anfang und Ende des
jeweiligen Hypertextes nicht immer, wie bei gedruckten Zeitungen oder Büchern, klar
erkennbar sind.
Dass der Nutzer innerhalb dieser offenen Struktur dennoch die thematischen Zusammenhänge
eines Hypertextes erkennen kann, hängt von der Qualität der Pfad- und Navigationsangaben
ab.
STORRER
nennt drei Typen von Kohärenzbildungshilfen:
12
Das Thema-Rhema-Konzept der Prager Schule beschreibt die Struktur des thematischen Textaufbaus anhand
der beiden Größen Thema und Rhema. Thema meint danach die bekannte Information, der Ausgangspunkt
einer Aussage, während Rhema das Thema um neue, bisher nicht bekannte Informationen ergänzt
(Vgl.
BRINKER
, 1985: S. 44 f)
17
Überblickshilfen: Sie bieten Transparenz über die Struktur des Hypertextes, z. B.
thematische Karten (site maps). Visuelle Metaphern (Icons,
Aktenreiter für Navigationsleisten) knüpfen an bekanntes
Handlungs- und Ordnungswissen an und machen den
abstrakten Hypertext ,,greifbarer".
Globale Kontextualisierungshilfen:
Funktionaler und thematischer Stellenwert eines Moduls
innerhalb des gesamten Hypertextes wird hervorgehoben,
z. B. durch Überschriften oder kurze Angaben zu Thema und
Funktion des Moduls;
Zugehörigkeit eines Moduls zum gesamten Hypertext ist durch
stringente grafische, typografische und farbliche Gestaltung
und einheitliche Navigationselemente erkennbar.
Lokale Kontextualisierungshilfen:
Durch sie wird der Ort eines Moduls innerhalb des gesamten
Hypertextes wird deutlich gemacht, ebenso die nächsten
verlinkten im Sinne einer kohärenten Rezeption Module,
z. B. durch Pfadangaben und die eindeutig erkennbare
Verlinkung zwischen den Modulen
(Vgl.
STORRER
, 2003: S. 284 f).
Wie
THOME
jedoch anmerkt, sind einige Merkmale durchaus auf der Textoberfläche zu
finden, so dass eine Beschränkung auf den Kohärenzbegriff bei der Beschreibung von
Hypertexten zu kurz greifen würde. Er sieht auch in Bezug auf Hypertexte Kohäsion und
Kohärenz als zwei gleichberechtigte Beschreibungsebenen. Er geht von einer weiter gefassten
Definition von textlicher Kohäsion und Kohärenz aus, indem er die Website in ihrer
Gesamtheit als Text sieht. Demnach entsteht schon durch die Verbindung aus Internetadresse
und dem im Browser-Fenster angezeigten Inhalt eine erkennbare Verbindung und inhaltliche
Geschlossenheit. Zudem sind bestimmte Bereiche mit verschiedenen kommunikativen
Funktionen grafisch voneinander abgetrennt. Damit sind Navigationsbereiche sowie
inhaltliche und interaktive Bereiche gemeint, die für jedes Modul eines Hypertextes einen
optischen, wieder erkennbaren Rahmen erstellen. Das Netz aus kohäsiven und kohärenten
Mitteln eines Moduls bzw. einer Webseite wird durch mehrere Ebenen verdichtet: Pfad-
Angaben sowie Text-Bild-Kongruenzen mit expliziten Bildunterschriften (Vgl.
THOME
,
2004: S. 87 f).
18
Auch der Teaser trägt zur Kohärenz einer Website bei, indem er meist nicht nur als Anreißer
auf der Startseite zu finden ist, sondern auch in hervorgehobener Typografie zumeist
gefettet über dem entsprechenden Haupttext auf der nächst tieferen Ebene steht. Diese
scheinbare Redundanz ermöglicht ein schnelles Absichern, dass der Nutzer mit dem
Anklicken des Teasers auf der Startseite auf die richtige Unterseite gelangt ist.
Kohärenz zwischen verschiedenen, thematisch ähnlichen Modulen wird bei Online-Medien
mit dem typografisch oder grafisch hervorgehobenen Verlinken hergestellt. Diese Links
stehen entweder direkt im Haupttext oder sind zusammengefasst am Ende eines Artikels zu
finden.
Auch wenn für Hypertext das Kriterium der Nicht-Linearität als elementar gilt, so muss nicht
jeder Hypertext diese Struktur tatsächlich aufweisen. Es gibt ebenso linear aufbereitete
Hypertexte. Dies ergibt dann Sinn, wenn eine sequenzielle Abfolge für das
Gesamtverständnis unumgänglich ist. Neben linearen Hypertexten lassen sich noch
hierarchisch und vernetzt strukturierte Hypertexte unterscheiden. Nicht selten sind
Hypertexte, insbesondere in Online-Medien, als Mischform strukturiert. Je nach Ressort und
Thema wird die Frage nach der Hypertext-Struktur neu bestimmt (Vgl.
MEIER
, 2002: S. 67 f)
3.2.2
Neue journalistische Möglichkeiten durch Hypertext
In Bezug auf die Informationsaufbereitung, insbesondere beim Text, sind im Online-
Journalismus medienwissenschaftlich betrachtet zwei Merkmale evident: Da im
WWW
innerhalb von kurzer Zeit veröffentlicht werden kann, können Online-Medien permanent
aktuelle Nachrichten bieten. Zugleich gibt es keine raum-zeitlichen Beschränkungen für die
Archivierung von älteren Inhalten.
MEIER
nennt drei Ebenen der Aktualisierung:
Willkürliche:
Es gibt keine festgelegte Periodizität zur Aktualisierung.
Selbstgeschaffene: In einem definierten Intervall findet eine Aktualisierung
statt.
Permanente:
Die Aktualisierung ist abhängig von Informationsdichte.
Die drei Ebenen schließen sich allerdings nicht gegenseitig aus. Vielmehr kann je nach
thematischem Ressort innerhalb eines Online-Mediums eine unterschiedliche Form der
Aktualität genutzt werden. Bei Service-Inhalten oder Dossiers ist beispielsweise eine
permanente Aktualisierung nicht zwingend. Bei der permanenten Aktualisierung kann ein
Text in unterschiedlichen Entwicklungsstufen entstehen. Während bei Print-Medien mit der
19
gedruckten Ausgabe kein redaktioneller Zugriff auf den Text mehr möglich ist, lässt er sich
im
WWW
beliebig ergänzen oder ändern (Vgl.
MEIER
, 2002: S. 107).
STORRER
nennt diese
Form von offenem Text auch ,,Text-in-Bewegung" (Vgl.
STORRER
, 2000: S. 234).
Allerdings wird hinsichtlich der permanenten Aktualität auch immer wieder ein
Qualitätsverlust bei den einzelnen Beiträgen kritisiert. Häufig gibt es in Online-Redaktionen
keine Schlussredaktion, die die Texte vor ihrer Veröffentlichung inhaltlich und formal
überprüft. Häufig wäre eine solche Kontrolle unter dem enormen Zeitdruck, dem die Online-
Medien in der gegenseitigen Konkurrenzsituation um die neueste Nachricht ausgesetzt sind,
zu zeitaufwendig (Vgl.
BUCHER
/
ALTMEPPEN
, 2003: S. 253).
Wie oben bereits angedeutet, liegt in der Archivierung der produzierten Inhalte ein weiteres
Novum für ein Online-Medium. Im Gegensatz zu traditionellen Print- und Rundfunk-
Angeboten lassen sich bei den Online-Medien auch ältere Texte aufrufen. Häufig finden sich
bei dem aktuellsten Artikel Hyperlinks zu vorher zum selben Thema veröffentlichten
Artikeln. Dadurch kann der Leser die historische Entwicklung und auch die journalistische
Berichterstattung rückwirkend nachvollziehen. Parallel dazu bieten interne Suchmaschinen
Zugang zu einem Archiv. Wichtig ist in jedem Fall, dass jeder Text mit dem Datum seiner
Veröffentlichung versehen ist, bestenfalls mit dem Datum seiner letzten Aktualisierung. Nur
so bleibt der temporale Kontext bei einem archivierten Text nachvollziehbar (Vgl.
MEIER
,
2002: S. 111 f).
MEIER
nennt weiterhin zwei neue Typen des journalistischen Erzählens als prägend für
Online-Medien: multimediales und nicht-lineares Erzählen.
Unter Multimedia ist die Verbindung verschiedener Medien zu verstehen. Text, Bild, Ton,
Animation und Grafik können im WWW genutzt werden, um Informationen aufzubereiten.
Der Computer lässt technisch verschiedene Möglichkeiten des multimedialen Einsatzes und
des interaktiven Umgang des Nutzers mit den multimedialen Angeboten zu. Software und
CD-ROM
zeigten anfangs das Potential auf. Seitdem die Internetzugänge mit
DSL
sehr hohe
Übertragungsraten ermöglichen, sind Multimedia-Anwendungen auch für Online-Medien
relevant.
Beim multimedialen Erzählen ist in der Regel der Text noch immer der wichtigste Teil.
Allerdings werden mittlerweile in deutschen Online-Medien fast alle Texte durch Bilder,
Bilder-Galerien, Videos und interaktive Infografiken ergänzt (Vgl.
MEIER
, 2002: 129 f).
Mit dem Hypertext-Konzept des
WWW
sind die Online-Medien nicht mehr auf lineare
Erzählstrukturen wie bei Print- und Rundfunkmedien angewiesen. Im WWW lassen sich
Informationseinheiten in Untereinheiten bzw. Module aufteilen, die in Bezug auf Thema und
Funktion eine kohärente Ganzheit bilden und von dem Nutzer nach eigenem Ermessen
20
ausgewählt werden können. Zwar betont
MEIER
, dass auch bei Print-Medien Informationen
nicht mehr nur in einem langen Haupttext, sondern in übersichtlicheren Teiltexten, Bildern
und Infografiken aufbereitet werden. Mit Hypertexten aber ,,wird das Springen, das
Navigieren zwischen einzelnen Einheiten zum Prinzip" (Vgl.
MEIER
, 2002: S. 30).
Trotz der multimedialen Möglichkeiten im Internet ist noch immer Text das dominante
journalistische Mittel der Online-Medien. Die journalistischen Textsorten
13
wie Nachricht,
Bericht, Reportage, Kommentar oder Interview werden im Internet unverändert eingesetzt.
Allerdings ist im Vergleich von deutschen, österreichischen und schweizerischen Online-
Medien eine allgemeine Dominanz der Nachricht festzustellen. Durch einen gewissen Zwang
zur Aktualität von permanent aktualisierten Online-Medien werden demnach aufwendigere
Textsorten im Gegensatz zur Nachricht weit weniger produziert. Hinzu kommt, dass ein
Großteil der Nachrichten nicht selbst recherchiert ist, sondern von Nachrichtenagenturen
stammt und entsprechend des Medien-Profils gekürzt und ergänzt wird (Vgl.
TRAPPEL
, 2007:
S. 167).
Bei vielen deutschen Online-Medien haben sich zudem interaktive Angebote zu Ratgeber-
und Service-Themen wie z. B. Versicherungsvergleich, Gehaltsrechner oder Gewerbe-
Anzeigen etabliert.
3.3
Textrezeption und -produktion von Text bei Online-Medien
3.3.1
Besonderheiten bei der Rezeption
Unter Rezeption ist die Verarbeitung von medialen Inhalten zu verstehen. Eng damit
verbunden ist auch der Begriff der Selektion, die Auswahl von Inhalten
14
. Beide Konzepte
greifen ineinander, bedingen sich gegenseitig. Obwohl Verarbeitung und Auswahl von
Information gewissen medial unabhängigen Schemata folgen, ergeben sich durch die Nutzung
des Computers, insbesondere bei Websites, spezifische Wechselwirkungen zwischen Inhalt
und Rezipient (Vgl.
SEIBOLD
, 2002: S. 18). Diese Besonderheiten resultieren in erster Linie
13
Ausgehend von der Textfunktion teilt
LÜGER
Pressetexte in fünf Textklassen, denen sich oben genannte
Textsorten zuordnen lassen. Dabei handelt es sich um die Klassen informationsbetonte, meinungsbetonte,
auffordernde, instruierend-anweisende und kontaktorientierte Texte (Vgl.
LÜGER
, 1995)
14
Selektion ist journalistisch aus zwei Perspektiven zu betrachten: aus der Sicht des Rezipienten, der aus einem
vorgefundenen Set an Informationen auswählt und aus Sicht der Journalisten und Redakteure, die aus dem
täglichen Informationsangebot relevante Informationen für Artikel auswählen. Letzteres ist auch als
,,Gatekeeper"-Prinzip bekannt. In diesem Kapitel geht es allerdings nur um die Rezipienten-Sicht (Vgl.
SEIBOLD
, 2002: 18)
21
aus technisch-strukturellen Voraussetzungen von Bildschirmmedien. So ergaben Studien, wie
die von
NIELSEN
, dass das Lesen von Texten am Bildschirm bis zu 25 Prozent langsamer
abläuft als bei Print-Texten (
HEIJNK
, 2002: S. 57). Auch setzt eine frühere Ermüdung ein,
resultierend aus der stärkeren Lichteinstrahlung durch den Bildschirm sowie dessen weitaus
geringerer Schrift-Bild-Auflösung. Im Gegensatz zu Print-Texten mit einer Auflösung von
mindestens 300 dpi, zerfranst die Schrift am Bildschirm bei maximal 72 dpi (Vgl.
SIMON
,
2004: S. 52).
Daher werden Texte im
WWW
weniger linear Wort für Wort rezipiert, sondern insgesamt
eher überflogen und nach relevanten Stellen abgesucht. Für diese Art der oberflächlichen
Rezeption hat sich der Begriff ,,Scanning" etabliert Texte im
WWW
werden gescannt (Vgl.
NIELSEN
, 1997)
Dabei können verschiedene Elemente als Schlüsselreize dienen, die den Leser während des
Überfliegens dazu veranlassen, den gesamten Text zu lesen. Dazu zählen Überschriften,
Zwischenüberschriften, Absätze, Tabellen und Aufzählungen sowie Grafiken und Bilder.
Auch typografisch hervorgehobene Wörter in den Haupttexten können einen Einstieg im
Zuge des Scannens erleichtern (Vgl.
SEIBOLD
, 2002: S. 52 f/Vgl. NIELSEN, 1997).
Zudem ergeben sich durch die Nicht-Linearität von Websites, erzeugt durch das oben
angesprochene Hypertext-Prinzip, Besonderheiten in der Verarbeitung von Informationen. Da
zumeist keine lineare Rezeptionsabfolge vorgegeben ist, kann der Nutzer weit gehend
selbstbestimmt den Verlauf seiner Informationsaufnahme vornehmen. Er muss permanent
Entscheidungen über den nächsten Schritt treffen und sich dabei auf die Aussagekraft der
Hyperlinks und Navigationsbezeichnungen verlassen. Folgt er einem Link, wechselt zumeist
ein Teil der Bildschirmansicht und des Inhaltes wobei eine Website bereits durch zahlreiche
grafisch und strukturell fixierte Elemente durchaus kohärent bleibt so dass er sich neu
orientieren muss bzw. vergewissern muss, ob er die richtige Stelle erreicht hat. Allerdings
kann der Nutzer jederzeit wieder zu den vorher ausgewählten Modulen zurückkehren. Es gibt
zudem, aufgrund der begrenzten Darstellungsfläche von Bildschirmmedien, nur eine sehr
eingeschränkte Übersicht über das gesamte Angebot an Informationen. Dadurch bieten
Online-Medien weniger Orientierung als Print-Medien, die allein schon durch ihre physische
Begrenztheit in ihrem Volumen zu überblicken sind.
Zumeist ist die Startseite, auch Homepage genannt, der Ausgangspunkt für die Auswahl
bestimmter Inhalte (Vgl.
SEIBOLD
, 2002: S. 13 f). Sie sind ,,Advanced Organizers", also
fortgeschrittene Planer, wie
BUCHER
(Vgl. 1999: S. 15 f) sie nennt. Damit ist gemeint, dass
sie ähnlich der Titelseite eines Print-Mediums einen ersten Überblick über das
Gesamtangebot, inklusive ersten direkten Einstiegsmöglichkeiten in die nächst tiefere Ebene,
22
bieten. Die Startseite ist der wichtigste Punkt eines Online-Mediums, um auf die Inhalte
aufmerksam zu machen. Dies kann nur mit kurzen Text-Elementen, wie eben Überschriften
und/oder Teasern, gehen. Für die Rezipienten ist die Startseite auch ein wichtiger Punkt, um
sich zu orientieren, ob die Website den eigenen Zielen entspricht. Zugleich findet auf der
Startseite eine Gewichtung der Inhalte statt. Aktuelle Top-Meldungen stehen meist oben,
während weniger relevante Themen weiter unten folgen. Die Einstiege in die einzelnen
Ressorts eines Online-Mediums finden sich zumeist unterhalb der aktuellen Nachrichten.
Allerdings ist auf der Startseite kein ein kompletter Artikel zu finden. Stattdessen wird anhand
von textlichen Kurzformaten, wie Überschriften und Teasern, ein scanbarer Überblick über
das gesamte Angebot geboten (Vgl.
SEIBOLD
, 2002: S. 15 f)
Dabei ist zu unterscheiden zwischen einer gerichteten Informationssuche und einem freien,
unbestimmten Surfen dem systematisch navigierenden oder flanierenden (Vgl.
BUCHER
,
2006: S. 217/Vgl.
BUCHER
, 1999: S. 16). Im Hypertext kann beides stärker zusammen fallen
als in anderen Medien. Die Suche nach intendierten Rezeptions- und Selektionszielen kann
durch die Vielzahl von Links zu thematisch ähnlichen Modulen schneller und spontaner
unterbrochen und gewechselt werden. Insbesondere bei Nachrichtenangeboten von Online-
Medien kann davon ausgegangen werden, dass eine Vielzahl von Nutzern sich regelmäßig
über aktuelle Meldungen informieren möchte, ohne explizit einen bestimmten Artikel zu
einem bestimmten Thema zu suchen (Vgl.
SEIBOLD
, 2002: S. 50 f).
In Bezug auf die Nicht-Linearität von Hypertexten kommt hinzu, dass die eigenständige
Verknüpfung verschiedener Inhalte kognitiv aufwändiger ausfällt als bei einem linearen Text,
bei dem der Leser den ,,roten Faden" des Autors nur nachvollziehen muss. Im Hypertext gibt
es meist lediglich innerhalb der einzelnen Module Linearität. Allerdings lassen sich
Informationen durch die gegenseitigen Verknüpfungen bestimmter kohärenter Module
selbstständig weiter vertiefen (Vgl.
THEILMANN
, 1999: S. 206 f).
3.3.2
Besonderheiten bei der Textproduktion
Die Spezifik der Rezeption eines Mediums hat einen beträchtlichen Einfluss auf die
Gestaltung von Text. Die Sprache von Print- und Rundfunk-Medien weicht aufgrund von
bestimmten technisch-medialen Voraussetzungen voneinander ab. Wie im vorherigen Kapitel
angerissen, gilt dies auch für Bildschirmmedien, insbesondere für Online-Medien im
WWW
.
In diesem Kapitel stehen die Auswirkungen auf die Textproduktion und gestaltung im
Mittelpunkt, die sich aus den Eigenheiten einer Bildschirmpräsentation ergeben.
23
In vielen journalistischen Ratgebern ist zu lesen, wie im
WWW
getextet werden sollte. Dabei
fallen die Aussagen häufig sehr vage aus. Ausgehend von der im
WWW
weit verbreiteten
Rezeptionsform des ,,Scannens" sollte demnach ,,eine schnörkellose Sprache mit kurzen
Sätzen" und Verzicht auf ,,Schachtelkonstruktionen, Schmuck- und Füllwörter sowie
Silbenschleppzüge" (
STORRER
, 2001: S. 181) angewandt werden. Damit ist die Online-
Sprache nicht weit entfernt von Textbeiträgen für das Radio. Sie ist knapp, klar und
ausgefeilt, sollte allerdings nicht zu alltagssprachlicher Mündlichkeit neigen (Vgl.
HOOFFACKER
, 2004: S. 63).
Auch wenn diese Empfehlungen wenig aussagekräftig klingen, so können sie als eine
Zusammenfassung von konkreten Vorschlägen gewertet werden, die auf die Textproduktion
für Bildschirmmedien zielen. Ausführlicher betrachtet lassen sich durchaus fassbare Aussagen
recherchieren.
LACKERBAUER
spricht beispielsweise davon, eine ausgewogene Mischung
aus einfachen Hauptsätzen zu nutzen, die in ihrer Wortstellung variieren können. Sätze sollten
demnach nicht länger als 20 Wörter lang sein und ohne Einschübe auskommen, da sie den
Lesefluss beeinträchtigen. Aus lexikalischer Sicht sollten Fremdwörter, Abkürzungen,
mehrgliedrige Komposita sowie schwer zu lesende Wörter wie ,,beinhalten" oder ,,kreieren"
vermieden werden (Vgl.
LACKERBAUER
, 2003: S. 87 f).
In puncto Textgestaltung gelten im
WWW
Absätze zwischen einzelnen Gedankenabschnitten
als rezeptionsförderlich im besten Fall mit Zwischenüberschriften, die längere Abschnitte
untergliedern und das Scannen erleichtern. Pro Abschnitt sollte dabei nur ein Aspekt bzw. ein
Gedanke behandelt werden. Auch Listen, Infografiken und Tabellen gliedern Informationen
übersichtlich auf. Durch diese Aspekte der Textgestaltung lassen sich auch längere Texte für
die Rezeption am Bildschirm aufbereiten (Vgl.
STORRER
, 2001: S. 182/
WIELAND
, 2003: S.
133/Vgl.
LACKERBAUER
, 2003: S. 84/Vgl.
HEIJNK
, 2002: S. 57/
NIELSEN
, 1997).
Schaut man auf die Pressesprache der Print-Medien, wie sie
LÜGER
linguistisch analysiert
hat, so gibt es Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Print- und Online-Texten.
Demnach ist bei gedruckten Zeitungstexten eine Tendenz zu kürzeren und einfachen Sätzen
festzustellen wobei in Bezug auf Satzlängen statt Pauschalaussagen eher eine differenzierte
Betrachtung verschiedener Zeitungstypen und eventuell auch verschiedener Ressorts
vorzuziehen wäre. Außerdem gelten der ,,Nominalstil" und die ,,Blockbildung"
weiterhin als
prägend für Pressetexte. Aufgrund der räumlichen Begrenztheit von Zeitungstexten müssen
die Informationen sprachlich stark komprimiert werden. Dabei werden Substantivierungen
vorgenommen, um Verben einzusparen. Anstatt verteilt auf zusammengesetzte Sätze werden
Information im Print-Journalismus zu Einfachsätzen mit Nominalphrasen gebündelt und
teilweise durch weitere Attribute zu komplexen Blöcken ergänzt man spricht dann von der
24
Blockbildung. Ein Beispiel für den Nominalstil ist die Formulierung ,,infolge der Ablehnung
des Tarifangebots" (anstatt: ,,nachdem das Tarifangebot abgelehnt wurde"), ein Beispiel für
die Blockbildung wäre ,,die aus genannten Gründen erhobene Forderung der Arbeitgeber nach
Abschlüssen". Obwohl diese syntaktische Reduktion durchaus im Sinne einer optimalen
Informationsvermittelung einen begrenzten Platz einnimmt, schränkt es doch die
Verständlichkeit enorm ein (Vgl.
LÜGER
, 1995: S. 25). Weiterhin hat
LÜGER
festgestellt,
dass die Pressesprache zahlreiche Fach- und Fremdwörter aufnimmt. Als Grund nennt er die
zunehmende Erschließung neuer Wissensgebiete aus den Bereichen Technik, Politik,
Wirtschaft und Wissenschaft, die auch für ein Massenpublikum aufbereitet werden muss.
Nicht zuletzt durch Ad-hoc-Komposita spontane Wortzusammensetzungen, die zumeist
nicht im Lexikon verzeichnet sind zeichnet sich die Pressesprache von Print-Medien aus
(Vgl.
LÜGER
, 1995: S. 29 f). Dass die oben genannten Empfehlungen für Texte in Online-
Medien teilweise konträr zu den Beobachtungen von LÜGER ausfallen, dürfte auf die
spezifischen, Rezeptionsbedingungen von Bildschirmmedien zurück zu führen sein.
Inwieweit die deutschen Online-Medien die genannten Empfehlungen berücksichtigen, wird
sich bei der späteren Analyse der Online-Teaser zeigen, wobei sicherlich Unterschiede
zwischen Teaser und Haupttext zu vermuten sind, auf die allerdings nicht eingegangen
werden kann.
3.3.3.
Wechselwirkungen von Online- und Print-Medien
Die Nicht-Linearität der Informationsaufbereitung wird als wichtiges Merkmal der Online-
Medien erachtet. Zwar bietet das
WWW
tatsächlich technische Möglichkeiten, durch die das
Hypertext-Konzept zu einer neuen Qualität gelangt. Allerdings sollte nicht übersehen werden,
dass sich auch die gedruckten Tageszeitungen und Zeitschriften von rein linearen zu
modularisierten Textstrukturen entwickelt haben. Bereits seit den 1990er Jahren fördern Print-
Medien mit verschiedenen Formen des nicht-linearisierten Textdesigns
15
das selektive Lesen.
Das heißt, der Leser muss die Ausgabe nicht linear lesen, sondern er kann anhand von
Selektionshilfen, wie beispielsweise Inhaltsverzeichnissen oder Überschriften mit Vorspann,
wählen, was er lesen möchte. Hinzu kommt die teilweise hypertextuell zu beschreibende
Aufbereitung von Themen. Zum einen beschränken sich gedruckte Tageszeitungen und
Zeitschriften schon seit über einhundert Jahren nicht mehr nur auf Text, sondern integrieren
15
,,Die Gestaltung modularer, mehrmedialer und hypertextueller Formen der Informations- und
Wissensvermittlung wird als ,Textdesign' bezeichnet" (Vgl.
BUCHER
, 1999: S. 13).
25
auch die Medien Foto und Grafik. Zum anderen werden komplexe Themen heute nicht mehr
nur in einem Haupttext, sondern in thematisch eigenständigen, in ihrer Gesamtheit aber
kohärenten, Texteinheiten realisiert. Insofern fügen sich nach
BUCHER
die Online-Medien
lediglich in den Strukturwandel der Print-Medien ein, indem sie hypertextuelle Strukturen im
WWW
weiterführen (Vgl.
BUCHER
, 1999: S. 9 f).
Rückblickend lässt sich sogar feststellen, dass Online-Zeitungen in ihren Anfängen seit
Mitte der 1990er Jahre gibt es in Deutschland Online-Zeitungen weniger hypertextuell und
multimedial aufbereitet waren als die entsprechenden Print-Medien. Allerdings haben sich
auch die Online-Zeitungen innerhalb der letzten fünfzehn Jahre enorm weiterentwickelt.
Wurden die ersten Online-Ausgaben eher als ein weiterer Publikationskanal für die Texte der
Print-Ausgaben genutzt, ohne dass sie mediengerecht aufbereitet wurden, so leisten sich heute
zahlreiche Verlage von Tageszeitungen und Zeitschriften eigenständig arbeitende Online-
Redaktionen, die neben Artikeln der Print-Ausgaben auch Texte schreiben, die ausschließlich
in den Online-Ausgaben veröffentlicht werden. Auch der Umgang mit multimedialen und
interaktiven Angeboten hat sich über die Jahre vermehrt und gefestigt. So gehört die
Kommentarfunktion zu vielen Texten heute zum Standard einer Online-Zeitung, ebenso wie
Foren oder interaktive Ratgeber (Vgl.
BUCHER
, 2006: S. 214 f).
Damit emanzipieren sich die Online-Ausgaben zunehmend von ihren Print-Pendants und
bilden eigene Standards in der medialen Aufbereitung und Nutzung heraus.
Auch ein kurzer Blick auf die Entwicklung der Web-Gestaltung lohnt: In den ersten Jahren
gab es keine gestalterischen und strukturellen Konventionen für Online-Medien, so dass die
Nutzung und Navigation im Gegensatz zu den jahrzehntelang konventionalisierten Print-
Medien schwerer fiel.
Die Verlage versuchten ihre Online-Ausgaben eher über eine eigenständige, sich von
konkurrierenden Medien abhebende Gestaltung im
WWW
zu etablieren. Dadurch war jede
Website anders gestaltet und strukturiert. Für den Nutzer musste jede Seite neu erschlossen
werden (Vgl.
BUCHER
, 2006: S. 215). Innerhalb der letzten fünfzehn Jahre haben sich bei den
deutschen Online-Medien jedoch gewisse gestalterische und konzeptionelle Standards
herausgebildet. Beispielsweise ist die Navigationsleiste stets oben unter dem Logo des
Mediums horizontal angelegt. Auch die Zweispaltigkeit und die vertikale Aufbereitung von
oben nach unten oder das Reduzieren sämtlicher Informationen auf Überschrift und Teaser
auf der Startseite, die einen ersten Überblick über aktuelle Beiträge bieten, kann als ein
solcher Standard gesehen werden.
Die Startseiten sind zudem auffällig kongruent in zwei vertikal strukturierte Blöcke eingeteilt:
Im oberen Teil finden sich Teaser und Bild zu den neuesten Beiträgen, während im unteren
26
Teil jeweils ein Teaser und Bild aus den Ressorts des Online-Mediums angeordnet ist. Hier
zeigen sich jedoch Unterschiede in der Anordnung der Ressorts. Während in den meisten
Print-Medien in etwa eine Abfolge der Ressorts Themen des Tages, Politik, Wirtschaft,
Kultur, Lokales, Sport und Panorama bzw. Vermischtes zu erwarten ist, steht Panorama auf
einer Höhe mit Politik (Vgl. Screenshots von Spiegel Online, 01.04.2009/sueddeutsche.de,
01.04.2009/Netzeitung, 01.04.2009, siehe Anhang).
Dies dürfte damit zusammenhängen, dass aktuelle Nachrichten und unterhaltungsorientierte
Inhalte so genannte ,,soft news" hohe Klickraten von Online-Medien erreichen. In diesem
Zusammenhang wird dem Online-Journalismus immer wieder ein Hang zum Boulevard-
Journalismus unterstellt (Vgl.
SEIBOLD
, 2002).
Teilweise finden sich heute aber auch Elemente in Online-Medien, die aus der Struktur von
Print-Medien übertragen wurden. Spiegel Online kündigt in der rechten Spalte ganz oben
das ist neben dem aktuellsten und wichtigsten Artikel die zweite prominente Position in der
Rubrik ,,Seite 2" zwei bis drei Artikel an. Aus dem Untertitel ,,Reportagen, Analysen,
Interviews aus 24 Stunden Spiegel Online" ist zu schließen, dass es sich dabei um
Hintergrundinformationen handelt, die eine Ergänzung zu den permanent aktualisierten
Nachrichten in der linken Spalte bilden. Ähnlichkeit hat diese Rubrik mit der zweiten und
dritten Seite einer Print-Tageszeitung. Auf diesen Seiten wird in der Regel ein wichtiges
Thema in unterschiedlichen Formaten, wie Berichten, Interviews oder Reportagen,
aufbereitet.
Ein weiteres Beispiel für den Einfluss von Print-Medien auf die Online-Aufbereitung findet
sich bei sueddeutsche.de. An der gleichen Position wie die Rubrik ,,Seite 2" auf Spiegel
Online ist dort ein Teaser-Block positioniert, in dem auf Kommentare, Kolumnen und das
Forum verwiesen wird. In zahlreichen Print-Tageszeitungen ist der rechten Spalte der
meinungsbetonten Leitartikel als Standard zugewiesen.
27
4.
Der Teaser im Online-Journalismus
4.1
Annäherung an den Begriff
Im Online-Journalismus gehört der Teaser mittlerweile zum festen Begriffs- und
Anwendungsinventar. Der Begriff und seine journalistische Spezifik sind jedoch geprägt von
Überschneidungen zu bereits geläufigen Begriffen. Das Wort Teaser kommt aus dem
Englischen, von dem Verb to tease, das mit jemandem necken oder reizen
16
zu übersetzen ist.
Vom Teaser war vorrangig im Bereich des Marketings oder der Werbung die Rede. Anreize
wie ,,1000 Mark: Sie haben gewonnen" auf einem Briefumschlag sollen zum Öffnen
animieren (HOOFFACKER, 2004: S. 34).
Auch in Rundfunkmedien ist der Begriff des Teasers bereits länger geläufig. Hier kündigt ein
Teaser eine kurz darauf folgende Sendung an im Gegensatz zum Trailer, der eine nicht
unmittelbar folgende Sendung ankündigt (Vgl.
BURGER
, 2005. S. 130). Das unmittelbare
raum-zeitliche Auftreten bzw. Erscheinen von etwas Angekündigtem kann demnach als
Merkmal des Teasers festgehalten werden. Und es kann auch für die Teaser von Online-
Medien übernommen werden, denn der mit dem Teaser verbundene Link verweist direkt auf
den verlinkten Haupttext.
Auf den Startseiten der Online-Medien dienen Teaser als kurze Ankündigungen und
Zusammenfassungen eines größeren Artikels. Sie sind also eigenständige Teiltexte, die in
einem inhaltlich-zusammenfassenden Sinne Bezug auf den Haupttext nehmen.
Ankündigen der Inhalte eines Mediums ist dabei kein Novum. Auf den Titelseiten von Print-
Medien sind ebenso kleine Ankündigungstexte zu finden, die auf längere Texte im Innenteil
verweisen. Auch der einführende Vorspann oder Lead bei ausgewählten Texten des Innenteils
hat einen ähnlichen Charakter wie das, was bei den Online-Medien als Teaser bezeichnet
wird. Die begriffliche Unschärfe kommt auch bei
WIELAND
/
SPIELKAMP
zum Ausdruck,
wenn sie fragen, ob die Begriffe Vorspann, Einstieg, Teaser, Anreißer, Lead, Aufhänger als
Synonyme zu sehen sind. Aus deren Sicht sind Anreißer und Teaser gleichbedeutend, im
Sinne eines Vorspanns, der zur Lektüre eines längeren Artikels anregen soll (Vgl.
WIELAND
/
SPIELKAMP
, 2003: S. 150).
16
Übersetzung nach http:/ dict.leo.org
28
Eine Abgrenzung zwischen den Formen in Print- und Online-Medien wird im Kapitel 4.2
vorgenommen. Dennoch betonen journalistische Ratgeber immer wieder die besondere
Relevanz des Teasers auf der Startseite:
,,Online kommt es allein auf den Teaser an, ob der User überhaupt bis zum
ausführlichen Beitrag gelangt." (
HOOFFACKER
, 2004, S. 87)
,,Im Vergleich zu Print-Medien müssen Web-Vorspänne deutlich stärker
überzeugen [...] Sie müssen die zwischen den Hypertext-Fragmenten
aufgerissenen Gräben einebnen und durch journalistisch geschicktes Formulieren
den entscheidenden Anstoß in Richtung Lektüre erzeugen."
(HEIJNK, 2002: S. 54)
Die Bedeutung des Teasers ergibt sich aus dem Aufbau von Online-Medien, die auf ihren
Startseiten ausschließlich einen Überblick über ihr Angebot anbieten können ganz im Sinne
des oben genannten Advanced Organizer-Prinzips. Vollständige Artikel finden sich erst auf
tieferen Hypertext-Ebenen. Insofern konzentriert sich der Einstieg in die wichtigsten Inhalte
eines Online-Medium auf die Teaser.
Bei Print-Tageszeitungen fungieren in erster Linie die Aufmacher und Leitartikel als zentrale
Elemente, Kurznachrichten bzw. Meldungen verweisen oft auf längere Artikel im Innenteil.
Ankündigende Kurztexte sind in der traditionellen Print-Gestaltung jedoch meist am Rand
positioniert siehe Frankfurter Allgemeine Zeitung und Süddeutsche Zeitung. Ausnahmen
bilden die Frankfurter Rundschau und Die Tageszeitung, bei denen die Teaser auf der
Titelseite im Mittelpunkt stehen.
Nicht zu vergessen ist, dass der Teaser nicht nur im Online-Journalismus eine wichtige Rolle
spielt, sondern generell bei Websites, die über eine komplexe Hierarchie und zahlreiche
Inhalte verfügen und bei denen Teaser auf tiefere, strukturierte Texte hinweisen. So finden
sich beispielsweise Teaser auch auf Websites von Wirtschaftsunternehmen,
wissenschaftlichen Einrichtungen und E-Commerce-Anbietern.
Die genauen funktionalen, situativen, thematisch-strukturellen und grammatischen Aspekte
des Online-Teasers werden in der späteren Analyse ausführlich behandelt. Insofern findet an
dieser Stelle keine vorausgreifende Betrachtung dieser Punkte statt.
4.2
Ankündigende Kurztexte in Print-Medien
Bevor eine Übersicht verschiedener Teaser-Arten die eben ausgeführte Begriffsannäherung
vertiefen soll, werden in diesem Kapitel dem Online-Teaser ähnliche Kurztextformate aus den
Print-Medien in den Mittelpunkt gerückt. Dies ist insofern relevant, da bereits in gedruckten
29
Medien Formen der werbenden Einleitung bzw. Zusammenfassung und Ankündigung
existieren. Diese Betrachtung ist zudem wichtig, um in der späteren Analyse herauszufinden,
ob der Teaser im WWW als eine eigenständige Textsorte zu sehen ist oder als Weiterführung
von entsprechenden Textformen aus dem Print-Bereich. Zwei Formen lassen sich bei
gedruckten Medien unterscheiden: Vorspann bzw. Lead sowie Ankündigungstexte, wie sie
auf den Titelseiten oder Inhaltsverzeichnissen von Print-Medien eingesetzt werden. Beide
Formen sind ebenso wie der Online-Teaser in ihren Funktionen mehrschichtig.
4.2.1
Vorspann/Lead
BURGER sieht die Schlagzeilen und den Vorspann nicht als eigene Textsorten an, sondern
als ,,Bausteine von informationsbetonten Pressetexten", verbunden durch den intratextuellen
Bezug zum Haupttext (Vgl.
BURGER
, 2005: S. 212). Intratextuell meint, dass die Schlagzeile
zwar einerseits eine selektionsfördernde, orientierende Funktion übernimmt und auch
typografisch hervorgehoben wird, um das Interesse für den Haupttext zu erregen. Allerdings
ist sie inhaltlich und sprachlich unmittelbar mit dem Haupttext verbunden (Vgl. Ebenda,
2005: S. 114 f). Der Vorspann als vor-orientierende Zusammenfassung des Haupttextes ist
laut
BURGER
sogar ,,gänzlich abhängig" von dem entsprechenden Haupttext.
BLUM
/
BUCHER
sehen den Vorspann hingegen als ,,relativ eigenständigen" Kleintext, der die
Überschrift ergänzt. Wichtig für den Vorspann in Print-Medien ist darüber hinaus aber auch
die typografische Hervorhebung von Überschrift und Haupttext in Form von Fettung,
anderer Schriftart oder anderem Gestaltungssatz. Der Vorspann ist, ebenso wie oben beim
Teaser erwähnt, multifunktional: Er soll Informationen vorstrukturieren und die Selektion aus
dem gesamten Inhalt erleichtern. Er soll aber auch für einen Leseanreiz des Haupttextes
sorgen (Vgl.
BLUM
/
BUCHER
, 1998: S. 36 f).
Diese Bildung einer textuellen Einheit kommt auch in einem älteren Beitrag von
BURGER
zum Ausdruck. Demnach folgen Berichte einem grafisch erkennbar konventionalisierten
Aufbau:
[Obertitel]
Schlagzeile (Titel)
[Untertitel]
Lead (Vorspann)
Haupttext
30
Die Elemente in eckigen Klammern sind dabei optional einsetzbar, während die Elemente
ohne Klammer obligatorisch für den Aufbau eines journalistischen Berichts sind (Vgl.
BURGER
, 1990: S. 332). Allerdings gibt
BURGER
zu Bedenken, dass Leads ebenfalls nur
noch optional, beispielsweise bei längeren Texten oder so genannten Aufmacher-Texten in
den Ressorts eingesetzt werden (Vgl.
BURGER
, 2005: S. 121).
Dieser Aufbau wird auch Lead-Stil genannt, eingeführt von US-amerikanischen Medien
Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Erfolg des Lead-Stils wird zudem von
Verständlichkeitsforschungen bestätigt. Vorstrukturierung gilt neben syntaktischen und
lexikalischen Merkmalen als elementar für ein besseres Verständnis von Texten. Mit der
inhaltlichen Zusammenfassung und thematischen Kontextualisierung des Haupttextes durch
den Vorspann wird noch vor Beginn des Lesens Hintergrundwissen beim Leser aktiviert, so
dass der Text insgesamt besser verstanden werden kann (Vgl.
BLUM
/
BUCHER
, 1998: S. 36).
Beim Vorspann gibt es verschiedene Typen ohne einheitliche Termini, die sich allerdings
wie sich im nächsten Kapitel zeigen wird mit dem Online-Teaser überschneiden.
Exemplarisch wird hier die Einteilung nach
BLUM
/
BUCHER
vorgestellt:
Faktenvorspann:
Ähnlich einer abgeschlossenen Meldung.
Summierender Vorspann: Reduktion auf Oberbegriffe anstatt detailierter
Angaben.
Szenischer Vorspann/
Zitat-Vorspann:
Kurze Zitate oder szenische Impression sollen
emotionalen Einstieg in ein Thema erleichtern.
Frage-Vorspann:
Durch offen gelassene Frage wird Neugier geweckt.
Leser wird direkter angesprochen.
Einordnungsvorspann:
Einführung in mehrteilig aufbereitete Themen, um
Hintergrund und Relevanz des Themas zu
verdeutlichen
(Vgl.
BLUM
/
BUCHER
, 1998: S. 38).
Da sich
BURGER
(2005) nur auf den Bericht-Aufbau im Lead-Stil beschränkt, ist seine oben
erwähnte intratextuelle Erklärung nicht ohne weiteres auf Ankündigungstexte, wie auf den
Titelseiten von Print-Medien oder auf den Startseiten von Online-Medien, übertragbar. Denn
diese Kurztexte stehen in erster Linie für sich allein an einem anderen Ort desselben
Mediums. Auf den Print-Titelseiten haben sie eine ähnliche Funktion wie ein
Inhaltsverzeichnis, allerdings werden nur die relevantesten Themen angerissen und nicht das
gesamte Themenspektrum der entsprechenden Zeitungsausgabe. Bei Wochen- und
31
Monatszeitschriften sind die Inhaltsverzeichnisse hingegen ausführlicher gestaltet, teilweise
finden sich auch kurze Ankündigungstexte für Texte im Innenteil (Vgl.
WIELAND
/
SPIELKAMP
, 2003: S. 154/Vgl.
SIMON
, 2004: S. 115).
4.2.2
Ankündigungstexte
Während der Vorspann, wie eben erläutert, Teil einer größeren Texteinheit ist, bestehend aus
Überschrift und Haupttext, findet sich in Print-Medien eine weitere Kurztextform, die dem
Teaser in Funktion und Aufbau ähnlich ist. Es handelt sich um kurze Ankündigungstexte, die
auf den Titelseiten in den Kopf- und/oder Randspalten auf längere Haupttexte im Innenteil
aufmerksam machen. Auch im Rundfunk existieren Ankündigungsformen, z. B. die
Anmoderation oder der Trailer
17
.
Schon 1996 begreift
BUCHER
die ,,Anreißer" als neue Textsorte in Tageszeitungen, die bis
dahin eher von Nachrichtenmagazinen und Fachzeitschriften eingesetzt wurden (Vgl.
BUCHER
, 1996: S. 46).
Im Gegensatz zum Vorspann kann eine Ankündigung als unabhängiger von dem Artikel, auf
den sie verweist, gewertet werden, auch wenn sie inhaltlich eindeutig an ihn gebunden ist.
Drei Elemente bestimmen den Aufbau von Ankündigungstexten:
Obertitel
Schlagzeile
Lead (Vorspann)
Allerdings variiert der Aufbau im Einzelnen enorm. So können nur Schlagzeilen vorkommen
ebenso wie Schlagzeile und Lead. Elementar für Ankündigungstexte ist neben dem
inhaltlichen ,,Anreißen" des Haupttextes auch die genaue Angabe zu der Position des
verwiesenen Artikels innerhalb des Mediums. Dies kann in Form der konkreten Seitenzahl
oder des Ressorts realisiert werden (Vgl.
SIMON
, 2004: S. 116 f).
Sowohl für den Vorspann als auch für die Ankündigungstexte gilt für den inhaltlichen Aufbau
ein nachrichtenjournalistisches Prinzip, das als konventionalisiert angesehen werden kann:
das Prinzip der ,,umgekehrten Pyramide". Dies besagt, dass die wichtigste Information einer
Nachricht oder eines Berichts immer am Anfang stehen sollte. Innerhalb der ersten zwei bis
17
Medienwissenschaftlich lassen sich drei Formen der Programmverweise im Rundfunk unterscheiden: ,,[E]in
Bumper weist vor der Werbepause auf die Fortsetzung der laufenden Sendung hin; ein Teaser macht wenige
Minuten vor der Sendung auf diese aufmerksam; ein Trailer kündigt eine nicht unmittelbar folgende
Sendung
an." (Vgl.
BURGER
, 2005: S. 130).
32
drei Sätze werden demnach die sieben journalistischen W-Fragen
18
beantwortet. Jeder weitere
Satz und Abschnitt vertieft die Informationen und vermittelt Hintergrundwissen. Im Prinzip
reicht es allerdings, nur die ersten Sätze einer Nachricht oder eines Berichts zu lesen, um den
Kern des Textes zu erfassen. Dieser nachrichtenspezifische Aufbau entstand im US-
amerikanischen Journalismus und wurde dort unter dem Begriff ,,Lead", englisch to lead -
führen, bekannt (Vgl.
VON LA ROCHE
, 2008: S. 94/Vgl.
SIMON
, 2004: S. 121).
Vorspann, Ankündigung und Teaser greifen genau auf dieses Prinzip der ,,umgekehrten
Pyramide" zurück, in dem sie den thematischen Kern zusammenfassen und je nach Funktion
auf weitere Hintergrundinformationen des Textes verweisen. Allerdings gibt HEIJNK zu
bedenken, dass die ,,umgekehrte Pyramide" hauptsächlich für Nachrichten angewendet wird.
Bei anderen journalistischen Textsorten wie Reportage, Interview oder auch Kolumne ist
dieser Aufbau für Ankündigungen nicht zwingend notwendig (Vgl.
HEIJNK
, 2002: S. 69).
Hinzu kommt, dass das ,,Anreißen" eines Artikels teilweise auch das bewusste Weglassen
oder Verschleiern von Informationen des Haupttextes erfordert. Auf diese Aspekte wird an
späterer Stelle ausführlich eingegangen.
SIMON
fasst in einem Merkmalskatalog die Funktionen von Ankündigungstexten so
zusammen:
-
Motivation des Lesers für Ganzlektüre
-
Kurzform des Artikels
-
Überblick über Gesamtheit des Angebots geben
-
Die Sichtweise für das Thema einführen
-
Zusammenhang zu vorheriger Berichterstattung herstellen
-
Orientierung zur Position des angekündigten Artikels innerhalb des
Mediums
-
Orientierung zur redaktionellen Zugehörigkeit eines Artikels
(Vgl.
SIMON
, 2004: S. 133).
Die ersten fünf Punkte gelten ebenso für den Vorspann, Ankündigungen zeichnen sich
darüber hinaus zusätzlich durch ihre Verweisfunktion aus, die der Online-Teaser durch seine
Link-Funktion ebenfalls erfüllt.
Der Online-Teaser steht funktional und sprachlich demnach den Print-Ankündigungen sehr
nahe. Interessant bei zahlreichen Online-Medien ist die wortgleiche Doppelnutzung des
Teasers: Auf der Startseite wird er als Ankündigungstext verwendet, klickt der Nutzer auf den
Haupttext, erscheint er in typografischer Hervorhebung nochmals über dem Haupttext
18
Zu den so genannten W-Fragen zählen: Wer? Was? Wann? Wo? Wie? Warum? Woher? (Vgl.
HOOFFACKER
, 2004, S. 53)
33
gestalterisch übernimmt er dann die Stellung und Funktion eines Vorspanns. Diese
Redundanz dient jedoch der Orientierung und Wiedererkennbarkeit beim Übergang vom
Teaser zum Haupttext (Vgl.
HEIJNK
, 2002: S. 55).
Die Frage, inwieweit der Online-Teaser eine eigene Textsorte darstellt, kann an dieser Stelle
noch nicht geklärt werden. Denn rein strukturell und funktional sind die Ähnlichkeiten zu
Vorspann und Ankündigungstext bei Print-Medien relativ hoch, auch zu Kurztexten aus
anderen Bereichen, wie der folgende Exkurs zeigen wird.
4.2.3
Exkurs Ähnliche Kurztexte in anderen Disziplinen
4.2.3.1
Paratexte
In der Literaturwissenschaft werden den Haupttext begleitende Textformen Paratexte genannt.
GENETTE
hat den Begriff geprägt und innerhalb seiner Beschreibung von intertextuellen
Merkmalen
19
ausführlich definiert. Er untergliedert Paratexte noch einmal in Peri- und
Epitexte. Zu Peritexten zählen Autoren- und Titelangaben ebenso wie Vorwörter oder
Inhaltsangaben auf der Umschlagseite, sprich alle Texte, die in unmittelbarer Umgebung des
Buches und damit des entsprechenden Haupttextes zu finden sind. Epitexte hingegen sind
Informationsblätter des Verlages oder Interviews des Autors, die sich aber ebenso auf den
Haupttext beziehen. Paratexte können hinsichtlich räumlicher, temporaler, materieller,
pragmatischer und funktionaler Aspekte unterschieden werden.
Im Gegensatz zu den eher informationsvermittelnden Ankündigungen und Vorspannen sollen
Paratexte auf verschiedene Weise den Zugang zu dem Haupttext erleichtern
GENETTE
spricht von einem ,,Hilfsdiskurs". Damit sind sowohl historische, thematische als auch
autorenspezifische Informationen und Anmerkungen gemeint, durch die sich den künftigen
Rezipienten der Kontext der Entstehung eines Textes und der damit verbundene Autor quasi
meta-kommunikativ erschließen soll (Vgl.
GENETTE
, 2001).
Paratexte sind demnach strenggenommen auf literarische Texte und Gesamtwerke zu
beschränken. Allein durch ihren den Text beschreibenden und einordnenden Charakter,
unterscheiden sie sich funktional von Online-Teasern und ähnlichen Textformaten in Print-
Medien. Einzig der so genannte Klappentext, der als Inhaltsangabe des Haupttextes fungiert,
19
Unter Intertextualität ist die Bezugnahme zwischen verschiedenen Texten aufeinander gemeint. Dabei kann
es sich um Text-Text-Bezüge durch Zitate, Fußnoten oder thematische Bezugnahmen in Form von
Buchrezensionen oder Leserbriefe handeln (Vgl.
FIX
, 2000: S. 449 f)
34
kann als adäquat angesehen werden, da er primär den inhaltlichen Kern zusammenfasst und
teilweise auch eine ,,anreißende" Wirkung entfaltet (Vgl.
GENETTE
, 2001/Vgl.
HUBER
,
1997).
4.2.3.
2
Zusammenfassungen von wissenschaftlichen Texten
In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung spielen neben den Fachtexten auch die
entsprechenden Zusammenfassungen eine große Rolle. Diese Kurztexte dienen
Wissenschaftlern zum schnellen Filtern und Vorselektieren aus einer Vielzahl von Texten.
Dabei können mehrere Formen von Inhaltsangaben unterschieden werden. Mit
DIN
1426
existieren zudem normative Standards zur Herstellung und Verwendung solcher Textformen.
DIN
1426 unterscheidet die Hauptformen:
1. Inhaltsverzeichnis:
Stichwortartige Übersicht über einzelne Inhaltspunkte,
Kapitel und Unterkapitel eines Textes.
2. Auszug:
Wichtige Originalabschnitte werden herausgelöst
wiedergegeben, optional auch in anderer Reihenfolge
als im Original.
3. Zusammenfassung:
Wiedergabe wichtiger Inhaltspunkte, meist zur
Verständnisverbesserung am Ende des Originaltextes.
4. Annotation:
Ergänzt in Stichpunkten den Titel eines Textes mit
wichtigen Inhaltspunkten.
5. Kurzreferat bzw. Abstract:
Wertungsloses Wiedergeben wichtiger Inhaltspunkte,
muss nicht in unmittelbarer Nähe zum Originaltext
stehen.
6. Sammelreferat:
Zusammenfassende Darstellung zum Forschungsstand
eines Themas.
7. Rezension und Sammelrezension:
Wiedergabe wichtiger Inhaltspunkte eines oder
mehrerer Texte und deren Bewertung durch den
Rezensenten.
8. Literaturbericht:
Inhaltliche Wiedergabe und In-Beziehung-Setzen von
Texten zu einem bestimmten Thema, keine
eigenständige Analyse.
35
Daneben existieren weitere Begriffe für ähnlich fungierende Kurztexte, wie Exzerpt, Vorwort
oder Vorspann (zitiert nach
ADOLPHI
, 1996: S. 479).
In ihren Funktionen des Reduzierens und Zusammenfassens des Haupttextes gleichen sie den
oben genannten Formen. Wie in den kurzen Beschreibungen jedoch anskizziert, differieren
sie in ihren Formen. Allerdings soll auf diese Unterschiede nicht weiter eingegangen werden.
Daneben wird auch das Vorwort genannt.
TIMM
unterscheidet in ,,Trägertextsorte" den
bezuggebenden Haupttext und ,,Text-in-Relation" das bezugnehmende Vorwort. Das
Verhältnis ist durch eine asymmetrische Abhängigkeit geprägt, das heißt: Der Trägertext kann
auch ohne das Vorwort auskommen, während das Vorwort nur in Zusammenhang mit seinem
entsprechenden Haupttext auftreten kann. Dies zeigt sich auch im Herstellungsablauf: Das
Vorwort entsteht immer erst, nachdem der Haupttext vollendet ist, es übernimmt dann einen
kataphorischen Bezug zum Haupttext, indem es vor jenem platziert ist.
TIMM
macht drei
wesentliche Komponenten mit verschiedenen Funktionen beim Vorwort aus. Dazu zählen die
Überschrift:
(Einleitende Feststellung)
Textkörper:
(Angaben zum Haupttext, insbesondere Intention und
Themenbehandlung)
Name des Autors: (Produktionsbedingungen, insbesondere Quellen und
Danksagung)
(Vgl.
TIMM
, 1996: S. 462)
Dieser Aspekt des Textes-in-Relation trifft auch auf den Online-Teaser zu. Er nimmt Bezug
auf den entsprechenden Haupttext. Allerdings ist ein Online-Teaser aus quantitativer Sicht mit
ein bis drei Sätzen weitaus kürzer und komprimierter als oben genannte Textsorten.
Außerdem geht es beim Teaser um die Reduktion des Textinhalts mit mehr oder weniger
konkreten Anreizen zur Lektüre des Haupttextes. Information über die Intention des Autors,
den Autor selbst und die Produktionsbedingungen bleiben beim Online-Teaser außen vor.
Eine Ausnahme könnten journalistische Textsorten wie die Reportage, der Kommentar oder
das Interview sein, bei denen ein Bezug auf die Umgebungssituation und den Autor durchaus
bewusst herausgestellt wird allerdings auch hier wesentlich kürzer formuliert.
4.3
Typen von Teasern
Teaser sind Anreißer zu längeren Artikeln, so lässt sich der Begriff definieren. Allerdings gibt
es, ähnlich den Vorspannen und Ankündigungen von Print-Medien, auch bei den Online-
Teasern verschiedene Typen, die sich in Funktion und Aufbau teilweise mit den Print-
36
Pendants überschneiden. Eine einheitliche Terminologie ist in der journalistischen Literatur
nur bedingt festzustellen.
HOOFFACKER
hat den bisher umfangreichsten Klassifikationsansatz von Online-Teasern
ausgearbeitet. Sie unterteilt hinsichtlich der Kriterien Länge, Funktion und Darstellungsform
wie folgt:
Länge:
- Überschriften-Teaser
- Überschrift und Text
- Teaser mit Bild
Funktion:
- Zusammenfassend
- Offene Frage
- Ankündigung
Darstellungsform: - Nachricht
- Kommentar
(Vgl.
HOOFFACKER
, 2004: S. 59 f)
Die einzelnen Typen sollen nun ausführlicher mit Beispielen vorgestellt werden.
4.3.1
Das Kriterium Länge
4.3.1.1
Überschriften-Teaser
Diese Form war häufig in der Anfangsphase von Online-Medien zu finden. Es ist die
kürzestes Form, den Inhalt des verlinkten Artikels zusammenzufassen. Charakteristisch ist,
dass der gesamte Text formal als Hyperlink fungiert (Vgl.
HOOFFACKER
, 2004: S. 59).
Sprachlich auffällig sind die syntaktische und lexikalische Komprimiertheit, wie sie von
Überschriften generell bekannt ist, sowie der zweiteilige Aufbau. Zuerst kommt eine grobe
Einordnung in den thematischen Kontext. Danach folgt der inhaltliche Kern des Artikels im
Stil einer Überschrift. Abgetrennt sind beide Teile in der Regel durch einen Doppelpunkt.
Eine Überschrift im klassischen Sinne wird weggelassen (Vgl.
SIMON
, 2004: S. 138).
Aus der Auswertung der zwei deutschen Online-Medien sueddeutsche.de und Spiegel Online
lässt sich feststellen, dass sich der Überschriften-Teaser aus der Dachzeile sowie aus der
Überschrift des verlinkten Artikels zusammensetzt. Die Dachzeile bildet dabei den ersten Teil
vor dem Doppelpunkt, die Überschrift den zweiten Teil nach dem Doppelpunkt. Auch wenn
37
diese Entstehungspraxis des Überschriften-Teasers tendenziell als Standard für die deutschen
Online-Medien gelten kann, gibt es auch Ausnahmen: Bei der Netzeitung ergibt sich der
Überschriften-Teaser aus der Überschrift des verlinkten Artikels.
Andere Begriffe für diese Form sind Schlagzeilen-Teaser oder der Anreißer-Link. Durch ihre
Kürze werden sie allerdings hauptsächlich für nachgeordnete Artikel, beispielsweise aus dem
Archiv eingesetzt, wobei die Platzierung innerhalb des Mediums variieren kann. Der
Überschriften-Teaser kann bereits als Ergänzung unter einem längeren Teaser auf der
Startseite erscheinen. Er kann jedoch auch erst im Zusammenhang mit dem Haupttext
hinzukommen entweder am Ende unter dem Text oder in einem separat zusammengefassten
Link-Kasten (Vgl.
HEIJNK
, 2002: S. 59).
Teilweise kann ein Überschriften-Teaser auch mit einem Bild kombiniert werden, ähnlich wie
in den Kopfspalten von Print-Tageszeitungen.
Abb. 1:
Beispiel für Überschriften-Teaser in Kopfzeile eines Online-Mediums:
(tagesspiegel.de vom 23.05.2009)
Abb. 2:
Beispiel für Überschriften-Teaser:
Spiegel Online vom 01.04.2009 (Vgl. Anhang mit
SPIEGEL ONLINE
-Homepage,
Überschriften-Teaser auf Startseite zum Teaser des Artikels ,,Daimler-Manager Grube soll
Mehdorn-Nachfolger werden". Die Worte vor dem Doppelpunkt sind im Original rot
eingefärbt.)
38
4.3.1.2
Überschrift und Text
Bei dieser Form konzentriert sich die Verlinkung vom Teaser zum Haupttext auf die
Überschrift und in der Regel auf einen Zusatz am Ende des Vorspann-Textes. Dieser Zusatz
kann in Form von Begriffen wie ,,Mehr", ,,Lesen Sie hier mehr" oder ,,Weiter" realisiert
werden oder in Form von bildhaften Symbolen wie einem Pfeil.
Dass die Überschrift bereits als Link fungiert, untermauert deren Relevanz. Inhaltlich sagt sie
bereits das Wichtigste, ähnlich einem News-Ticker. Wer durch diese Information zum Lesen
des Haupttextes motiviert wird, braucht den Vorspann nicht zu lesen und kann sich direkt in
den Haupttext klicken. Auch in Print-Medien finden sich auf den Titelseiten vorwiegend
Teaser bzw. Ankündigungen in dieser Form.
Zu
HOOFFACKER
s Beschreibung des Aufbaus und der Länge von Online-Teasern sollten
jedoch auch die Dachzeilen als obligatorische Elemente (Vgl.
WIELAND
/
SPIELKAMP
, 2003:
S. 160) sowie die optionalen Hyperlinks zu thematisch ähnlichen Artikeln ergänzt werden.
Der Aufbau dieser Form würde demnach wie folgt aussehen:
Dachzeile/Obertitel
Überschrift
Vorspanntext plus Hyperlink
[Themenergänzende Überschriften-Teaser]
(Eigene Darstellung, angelehnt an
BURGER
,1990: S. 332)
Bei den für diese Arbeit untersuchten Online-Medien findet sich dieser Teaser-Typ
vorwiegend bei Spiegel Online.
Abb. 3:
Beispiel für Teaser mit Überschrift und Text:
Spiegel Online vom 01.04.2009 (Vgl. Anhang mit
SPIEGEL ONLINE
-Homepage, Die Worte
der Überschrift und die ersten Glieder der Überschriften-Teaser sind im Original rot
eingefärbt.)
39
4.3.1.3
Überschrift, Text und Bild
Ergänzend zu dem eben beschriebenen Teaser-Typ finden sich auf den Startseiten der Online-
Medien auch Varianten mit einem Bild, teilweise unterlegt mit einer Bildunterschrift.
Während sueddeutsche.de und Netzeitung fast ausschließlich diesen Typ einsetzen, ist er bei
Spiegel Online nicht obligatorisch. Unterschiede gibt es jedoch in der Größe der Bilder. Bei
allen drei genannten Online-Medien sind die Teaser zu dem gegenwärtig wichtigsten Thema
platziert ganz oben auf der Startseite größer als an anderen Stellen. Dies entspricht der
Gestaltung von Print-Medien, bei denen der Artikel zum wichtigsten Thema des Tages mit
dem größten Bild in der Rangfolge einer Seite optisch sofort erkennbar ist. Der Grund für
diese Gestaltung ist bei Print- und Online-Medien ähnlich. Bei beiden Formen ist auf den
ersten Blick nur eine eingeschränkte Fläche der Titel- bzw. Startseite zu sehen bedingt
durch die Platzierung am Kiosk und die Größe des Bildschirms. In dieser begrenzten Fläche
konzentriert sich das gegenwärtig relevanteste Thema, um die Aufmerksamkeit potentieller
Leser zu wecken. Insofern sind diese Positionen in ihrer Bildgröße auch prominenter als bei
anderen Texten auf der Titel- und Startseite.
In Online-Medien fungiert bei dieser Teaser-Form auch das Bild als Link zum Haupttext,
neben den bekannten Elementen Überschrift und deiktisches Symbol zum Weiterklicken bzw.
die verweisenden Worte ,,Mehr" oder ,,Weiter" am Ende des Vorspanntextes,. Der Aufbau
kann in folgendem Schema dargestellt werden:
Dachzeile/Obertitel
Überschrift
Bild [plus Bildunterschrift]
Vorspanntext plus Hyperlink
[Themenergänzende Überschriften-Teaser]
(Eigene Darstellung, angelehnt an
BURGER
, 1990: S. 332)
40
Abb. 4:
Beispiel für Teaser-Typ mit Überschrift, Text und Bild (Wichtigstes Thema)
Netzeitung vom 01.04.2009 (Vgl. Anhang mit
NETZEITUNG-
Homepage,
Überschrift und Überschriften-Teaser sind im Original blau eingefärbt, das Bild ist im
Original bunt, das grafische Element für ,,Kommentar" ist im Original rot eingefärbt, die
Überschrift ,,Zum Thema" ist im Original gelb eingefärbt.)
4.3.2
Das Kriterium Funktion
4.3.2.1
Zusammenfassend
Der zusammenfassende Teaser ist als Entsprechung zum Vorspann/Lead in einem Print-
Medium zu sehen. Er fasst den thematischen Kern in wenigen Sätzen zusammen. Meist
basiert dies auf der Beantwortung der bereits erwähnten journalistischen W-Fragen (Vgl.
HOOFFACKER
, 2004: S. 60).
HEIJNK
nennt diese Form Nachrichten-Lead, der als Teaser in
Online-Medien Vor- und Nachteile hat. Da die Zusammenfassung einer inhaltlich
geschlossenen Meldung gleicht, kann der Leser zwar den Inhalt schnell erfassen, es fehlen
aber Anreize, auch den verlinkten Haupttext zu lesen. Man spricht auch vom inklusiven
Vorspann, ,,weil alle zum Nachrichtenkern gehörenden Informationen darin zusammenfinden
und weitergehende Fragen erst gar nicht aufgeworfen werden" (Vgl.
HEIJNK
, 2002: S. 60).
41
Der zusammenfassende Teaser hat Sinn bei Themen, die sehr aktuell sind oder viel
Aufmerksamkeit erregen. Die Motivation mehr zu dem Thema zu lesen, dürfte höher liegen
als bei einem Hintergrundthema.
Beispiel für zusammenfassenden Teaser
Köln: Historisches Stadtarchiv eingestürzt
Drei Vermisste und ein Trümmerfeld
"Plötzlich fing alles an zu zittern": Das Gebäude des Historischen Stadtarchivs im
Severinsviertel ist komplett eingestürzt. Auch andere Häuser knickten ein. Zunächst
galten neun Menschen als vermisst - sechs von ihnen haben sich inzwischen gemeldet.
(Vgl. im Korpus: SZ_030309_2)
4.3.2.2
Offene Frage/Cliffhanger
Anstatt den thematischen Kern zusammenzufassen, gibt es auch eine Teaser-Form, die nur
einen Teil der Information formuliert und einen weiteren, nicht unwesentlichen Aspekt offen
lässt bzw. so formuliert, dass Fragen aufgeworfen werden. Diese Offenheit kann in Form
einer direkten Frage am Ende des Teasers erzeugt werden oder durch das Anreißen einer
Information, die sich aber erst im Haupttext vollständig erschließen lässt.
HOOFFACKER
nennt diese Form ,,Offene Frage",
HEIJNK
hingegen ,,Cliffhanger" ein Begriff aus dem
Kino und Rundfunk
20
. Die offene Frage nennt HEIJNK einen direkten Cliffhanger, während
die Variante bei der ein bestimmter Teil der Information vorenthalten wird, ein indirekter
Cliffhanger wäre.
Hauptziel ist es, in jedem Fall Neugier beim Leser zu wecken, um ihn damit zum
Weiterklicken zu motivieren (Vgl.
HOOFFACKER
, 2004: S. 60/Vgl.
HEIJNK
, 2002: S. 56 f).
HEIJNK
greift zudem auf eine psychologische Erklärung für das Cliffhanger-Prinzip zurück.
Demnach gerät ein Mensch in einem Neugier erzeugenden Moment in einen ,,konzeptionellen
Konflikt", indem er sich entscheiden muss, ob er die Neugier befriedigt oder nicht (Vgl.
HEIJNK
, 2002: S. 56/57).
Im Fall der Teaser-Typisierung fällt der serielle Zusammenhang allerdings weg. Lediglich die
Merkmale ,,Spannungsaufbau am Ende zum Ankündigen von etwas Folgendem" lassen sich
auf Online-Teaser übertragen. Einzig bei langen Haupttexten, die über mehrere linear
verlinkte Webseiten verteilt sind, finden sich am Ende des jeweiligen Teils Überschriften-
20
Cliffhanger werden angewandt bei Serien im Kino und Rundfunk. Im
DUDEN
Fremdwörterbuch heißt es:
,,effektvoller, Spannung hervorrufender Schluss der Folge einer Fernseh- oder Rundfunkserie, der Neugier
auf die Fortsetzung wecken soll." (2003: S. 180)
42
Teaser, die auf den nächsten Teil aufmerksam machen sollen. In diesem Fall kommt durchaus
ein serieller Aspekt, wie beim Cliffhanger-Prinzip, zum Tragen.
Abb. 5.
Beispiel für Cliffhanger-Teaser für mehrgliedrige aufbereitete Haupttexte
Spiegel Online vom 26.05.2009 (Vgl. am Ende des 1. Teil vom Artikel ,,Schmollmund, Latex,
blaues Blut", Abrufbar unter: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,626294,00.html,
Zuletzt am 26.05.2009. Die zweite Zeile sowie die ,,2" und ,,weiter" sind im Original rot
eingefärbt.)
Abschließend lässt sagen, dass die Form des Offene Frage/Cliffhanger-Teasers mit ihrem
mehr oder weniger deutlich anreißenden Charakter durchaus als prototypische Form des
Teasers gewertet werden kann.
Beispiel für Offene Frage/Cliffhanger-Teaser:
Sanierung von Opel:
Experte nennt hohen Stellenabbau unvermeidlich
Ohne radikale Einschnitte wird Opel nicht zu sanieren sein, urteilt Autoexperte Bratzel.
Er kritisiert, dass weder Mitarbeitern noch Öffentlichkeit ,,reiner Wein" eingeschenkt
werde. Verärgert ist er auch über die Politik.
(Vgl. im Korpus: NZ_020309_2, Indirekt offene Frage lautet: Warum ist der Experte
verärgert über die Politik?)
4.3.2.3
Ankündigend
Der Ankündigungsteaser beschreibt, was auf der verlinkten Unterseite folgen wird. Bei
Ratgeber-Themen wird diese Form eingesetzt. Allerdings dürfte eine Abgrenzung zum
Cliffhanger-Teaser nicht immer eindeutig sein. Denn auch das Beispiel, das
HOOFFACKER
anbringt, arbeitet mit offenen Fragen: ,,Eine Stadt macht Party. Wo Sie in Stockholm am
besten feiern, essen und übernachten und sich mitten in der Stadt an einen Strand legen
können." (Vgl.
HOOFFACKER
, 2004: S. 60).
43
Abb. 6:
Beispiel für ankündigenden Teaser:
sueddeutsche.de vom 01.04.2009 (Vgl. Anhang mit
SUEDDEUTSCHE.DE-
Homepage, Bild im
Original bunt, Überschrift ,,Die Sieger stehen fest" im Original blau eingefärbt)
4.3.3
Das Kriterium Darstellungsform
Bei diesem Kriterium orientiert sich
HOOFFACKER
an der Unterscheidung zwischen
informations- und meinungsbetonten Textsorten.
Der Nachrichten-Teaser informiert demnach ohne Meinungsäußerung, während der
kommentierende Teaser polarisierend und teilweise auch appellierend geschrieben ist (Vgl.
HOOFFACKER
, 2004: S. 60).
LACKERBAUER
ergänzt, dass kommentierende Teaser
vorwiegend in Boulevard-Medien zu finden sind sowie in Medien mit offensichtlicher
gesellschaftspolitischer Haltung (Vgl.
LACKERBAUER
, 2003: S. 97).
Obwohl mit dem Begriff des Teasers in erster Linie die Cliffhanger-/Anreißer-Variante
verbunden wird, so variieren die Typen je nach Thema und Ressort. Außerdem bescheinigt
HEIJNK den Online-Medien ein Bestreben zur Teaser-Vielfalt, um den Leser durch
abwechslungsreich aufbereitete Teaser für verschiedene Inhalte interessieren zu können. In
Bezug auf das Cliffhanger-Prinzip relativiert er: ,,Nutzer erwarten von einer Website
schließlich nicht eine Vielzahl neuer Fragen, sondern eine Vielzahl neuer Antworten" (Vgl.
HEIJNK
, 2002: S. 61 f).
44
5.
Textsortenbeschreibung des Online-Teasers
5.1
Methodische Angaben
5.1.1
Analyse-Vorhaben
Ausgehend von der bisher erläuterten Relevanz des Teasers im Kontext von Online-Medien,
gilt es nun mit linguistischen Mitteln zu hinterfragen, ob der Teaser auch als eigene Textsorte
anzusehen ist.
SIMON
macht bereits im Titel ihrer Dissertation ,,Der Teaser Eine
multifunktionale Textsorte" deutlich, dass dem so sei. Allerdings führt sie keine explizite
Diskussion um eine mögliche Textsortenqualität des Teasers durch.
Auch in journalistischen Ratgebern (Vgl.
HOOFFACKER
2004/Vgl.
LACKERBAUER
,
2003/Vgl.
HEIJNK
, 2002) wird stets hervorgehoben, dass das Schreiben und Formulieren
eines Teasers ein zusätzlicher sehr relevanter Arbeitsschritt für einen Online-Journalisten
darstellt. In der Regel dürfte dieser Schritt nicht von den Autoren des angerissenen
Haupttextes erledigt werden, sondern von den zuständigen Redakteuren des Mediums.
Insofern kann davon ausgegangen werden, dass eine besondere Komprimierung des
Textinhalts stattfindet und dass sich mehr oder weniger konventionalisierte Formen des
Nutzer-Motivierens zur Lektüre des Haupttextes herausgebildet haben.
Die Diskussion wird anhand der Mehrebenenmodelle von
HEINEMANN
/
VIEHWEGER
bzw.
HEINEMANN
/
HEINEMANN
durchgeführt. Dabei wird auf den dort aufgestellten Katalog an
zu analysierenden Merkmalen zurückgegriffen. Ergänzend dazu wurde ein Textkorpus von
Online-Teasern zusammengestellt, um an einer Vielzahl von authentischen Textexemplaren
mögliche, textsortenkonstituierende Besonderheiten herauszuarbeiten. Das Korpus wird im
folgenden Unterkapitel nochmals ausführlicher beschrieben. Die einzelnen Kriterien der
Mehrebenenmodelle sollen im darauf folgenden Kapitel nochmals näher erläutert werden.
5.1.2
Korpus
Für die Zusammenstellung des Korpus, wurden drei deutsche Online-Medien ausgewählt, die
sich als Online-Zeitungen
21
bezeichnen lassen:
21
Der Begriff Online-Zeitung birgt allerdings auch Probleme. Denn die Materialität im Sinne von ,,auf Papier
gedruckt" galt lange als Wesensmerkmal einer Zeitung. In der historischen Begriffsbestimmung wurde
jedoch schon in den 1960er Jahren eine Trennung von Übertragungsform und kommunikativer Funktion
45
Spiegel Online
sueddeutsche.de
Netzeitung
Wichtig bei der Auswahl waren ein thematisch ähnliches Spektrum sowie eine weit gehende
Unabhängigkeit von möglichen Print-Zeitungen desselben Verlages. Bei der Netzeitung gibt
es kein gedrucktes Pendant. Obwohl Der Spiegel in seiner Druckfassung ein Wochenmagazin
ist, das meinungspointiert Hintergrundberichte abdruckt, kann Spiegel Online in diesem
Korpus als eigenständig agierendes Online-Medium aufgenommen werden. Denn die Online-
Version ist stärker auf aktuelle Nachrichten fokussiert und ähnelt damit der Netzeitung sowie
sueddeutsche.de.
sueddeutsche.de ist schließlich die einzige Online-Zeitung in diesem Korpus, die parallel über
eine tägliche Print-Version verfügt. Obwohl die Online- und Print-Redaktion getrennt
arbeiten, werden teilweise auch Artikel der Print-Ausgabe am Veröffentlichungstag im
WWW
zweitverwertet.
Das Korpus stellt eine Sammlung von Screenshots von Webseiten oben genannter Online-
Medien dar. Dabei wurde die Seite gewählt, die den Teaser mit dem entsprechenden
Haupttext zeigt. In einem Zeitraum vom 23. Februar 2009 bis zum 13. März 2009 wurden in
der Regel täglich drei Screenshots pro Medium auf einem Computer gespeichert. Das Korpus
ist zudem als Anhang dieser Arbeit beigelegt. Ausgewählt wurden Artikel, die im oberen, also
aktuellen Teil der Startseiten zu finden waren. Eine Festlegung auf Texte bestimmter Ressorts
wurde nicht vorgenommen, da an der Position der aktuellsten Artikel zumeist Nachrichten mit
sachbetonter Sprache dominieren und insofern keine relevanten sprachliche und strukturelle
Varianz verschiedener Ressorts festzustellen war.
Beschränkt ist die Auswahl auf Teaser der Form:
Dachzeile
Überschrift
Lead-Text
D. h. Schlagzeilen-Teaser wurden nicht in das Korpus aufgenommen, um die Einheitlichkeit
zu bewahren. Auf die Bezüge zwischen Text und Bild (und Bildunterschriften) wird in der
späteren Analyse auch nicht eingegangen.
Bei der Auswertung des Korpus wird das Mehrebenenmodell nach
HEINEMANN/VIEHWEGER
bzw.
HEINEMANN
/
HEINEMANN
angewandt.
eines Mediums gefordert. Demnach sind Merkmale wie Periodizität, Publizität, Aktualität und Universalität
relevanter als die Materialität. Mit dieser eher funktionalen Begriffsbestimmung lässt sich auch die Zeitung
im
WWW
als Online-Zeitung subsumieren (Vgl.
BUCHER
, 2006: S. 210 f).
46
5.2
Mehrebenenmodelle zur Textsortenbeschreibung
Die Mehrebenenmodelle versuchen anhand verschiedener Analyse-Ebenen
Merkmalsbündelungen von Texten einer Textsorte herauszufiltern, die eine Abgrenzung von
anderen Textsorten möglich machen. Dabei werden Parameter aus verschiedenen
linguistischen Disziplinen in ein Analyse-Set integriert. Solch ein Set soll auch für die
Beschreibung des Online-Teasers angewandt werden. Im Vorfeld werden die Überlegungen
zweier Modelle erläutert, die zu einem praktikablen Set an Untersuchungskriterien führen
sollen, das am Ende dieses Kapitels aufgeführt wird, anschließend werden die fünf Ebenen
des Mehrebenenmodells näher beleuchtet.
5.2.1
Mehrebenenmodell nach HEINEMANN/VIEHWEGER
Zwar haben Ende der 1980er Jahre auch andere Linguisten wie
BRINKER
und
GLÄSER
Mehrebenenmodelle zur Textsortenklassifikation entwickelt, doch das Modell von
HEINEMANN/VIEHWEGER
veröffentlicht im Jahr 1991 hat den größten Widerhall
erfahren. In dieser Arbeit wird es ausführlicher vorgestellt, da es als Instrumentarium für die
spätere Textsortenanalyse von Online-Teasern praktisch angewandt werden soll.
Ausgangspunkt dieses Modells ist die Annahme, dass
,,es offenkundig schwierig wenn nicht überhaupt unmöglich ist, eine
Texttypologie auf der Basis eines einzigen Kriteriums zu entwickeln und
unterschiedliche Textklassen widerspruchsfrei voneinander abzuheben [...]."
daher:
,,gehen wir von der Annahme aus, dass das Textmusterwissen durch
multidimensionale Zuordnungen von prototypischen Repräsentanten auf
unterschiedlichen Ebenen (Schichten) zustande kommt."
(
HEINEMANN/VIEHWEGER
, 1991: S. 147)
Zwar werden von den beiden Autoren textinterne Merkmale als notwendig für eine
Textsortenbeschreibung genannt, sie reichen allerdings wie oben bereits erwähnt nicht
aus, um Textsorten voneinander abzugrenzen. Auch die eindimensionale Sicht auf die Ziele
von Kommunikationspartnern lässt noch keine eindeutigen Textsortenzuweisungen zu, da
kommunikative Ziele auf verschiedenen sprachlichen Wegen erreicht werden können. Als
wichtiger Punkt für ein Beschreibungsmodell von Textsorten gilt, dass es offen für die
sprachlichen Veränderungen und die Heterogenität des Sprachgebrauchs innerhalb einer
Gesellschaft sein muss (Vgl.
HEINEMANN/VIEHWEGER
, 1991: S. 146). Das Modell von
HEINEMANN/VIEHWEGER
ist daher an der Beschreibung eines realen Textsortengebrauchs
interessiert, nicht an einer fixierenden Texttypologie.
47
5.2.1.1
Funktionstypen
Als elementare Ebene einer Klassifikation von Texten wird nach
HEINEMANN/VIEHWEGER
die Funktionalität von Texten angesehen. Unter dem Begriff der Textfunktion subsumieren
sich verschiedene pragmatische Aspekte. Nicht der Text steht im Mittelpunkt, sondern zum
einen seine Potentiale in Bezug auf die Interaktion und damit verbundene Ziele der
Kommunikationspartner und zum anderen die Einflüsse eines Textes auf gesellschaftliche
Aufgaben und die Schaffung sozialer Beziehungen (Vgl.
HEINEMANN/VIEHWEGER
, 1991:
S. 148). Vier elementare Kommunikationsfunktionen bezogen auf die reale Welt werden
in dem Modell genannt:
Sich Ausdrücken
>
Kontaktieren
>
Informieren
>
Steuern
Die vier Funktionen stehen in einem inklusiven Wechselwirkungsverhältnis und können in
unterschiedlicher Dominanz auch gleichzeitig in einem Text vorkommen. Das heißt, in einem
steuernden Text werden zumeist auch Informationen vermittelt und der Text nimmt in jedem
Fall Kontakt zu einem bestimmten Empfänger auf, wenn er erst einmal schriftlich oder
mündlich materialisiert wurde.
Am Anfang steht demnach die Ausdrucksfunktion, wie sie auch im Organon-Modell von Karl
Bühler vorkommt. Das Spektrum des Sich-Ausdrückens reicht von einer rein emotional
motivierten Entäußerung, der nicht auf Interaktion gezielten Affekt-Entladung, bis zu
selbstdarstellenden und kommentierenden Aspekten innerhalb von Interaktionen.
Eine tiefer gehende Relevanz erreicht diese Ausdrucksfunktion durch eine soziolinguistische
Perspektive: Ausdruck ist demnach auch ein gesellschaftliches Distinktionsmittel. Deutlich
wird dies bei sprachlichen Ausdrucksformen, mit denen sich Gruppen wie beispielsweise
Jugendliche, von anderen Gruppen abgrenzen wollen.
Während das Sich-Ausdrücken auf den Produzenten beschränkt ist, wird mit der
Kontaktfunktion das interaktionale Potential eines Textes herausgestellt. Kontaktieren wird
bei
HEINEMANN/VIEHWEGER
als ,,die Bereitschaft zu und die Realisierung von
kommunikativer Kooperation" (1991: S. 150) definiert. Begrüßungen, Small-Talk,
Grußpostkarten und dergleichen sind dominiert von der Kontaktfunktion. Ziel des
Kontaktierens ist die Aufnahme oder das Erhalten von sozialen Beziehungen. Elemente des
Kontaktierens in Form von direkter Anrede können auch in den Informations- und
Steuerfunktionen enthalten sein.
Der Informationstransfer kann als die wichtigste Funktion gelten, so dass bei einem Großteil
der Texte die Informationsfunktion dominant ist. In zwei Hauptklassen untergliedern
48
HEINEMANN/VIEHWEGER
die informierenden Texte, woraus sich dann weitere Subklassen
ableiten lassen.
1.
Informations-ermittelnde Texte
darunter fallen: Texte zur Gewinnung neuer Kenntnisse oder Erkenntnisse
(z. B. Arzt-Patienten-Gespräch, Forschungstexte, Frage-
Antwort-Dialoge)
Texte zur Kontrolle von Wissensbeständen des Partners
(z. B. Prüfungsgespräche)
2.
Informations-vermittelnde Texte (gegliedert nach der Art der vermittelten Information)
darunter fallen: Informationen über soziale Konsequenzen, ausgelöst durch Text-
Handlungen (z. B. Ernennungen, Schenkungen).
Einstellungen des Textproduzenten zum Adressaten
(z. B. Gratulation, Dankschreiben)
Unter diese Einteilung fallen auch die Einstellungen des
Textproduzenten hinsichtlich einer Gruppe, hinsichtlich
geplanter Handlungen mit Partnerorientierung und hinsichtlich
bestimmter Sachverhaltenskomplexe der Wirklichkeit.
Sachverhalte der Wirklichkeit, die für Adressaten relevant/neu sind.
Eine Zwischenstellung zwischen informations-vermittelnden und steuernden Texten nehmen
Gesetze, Verordnungen, Verträge oder Vollmachten ein. Sie informieren einerseits über einen
Sachverhalt, allerdings handelt es sich dabei um einen Sachverhalt, der das Verhalten von
Personen und gesellschaftlichen Gruppen handlungssteuernd beeinflussen soll.
Als vierte Textfunktion gilt das Steuern. Mit der Texthandlung nimmt der Textproduzent
unmittelbar Einfluss auf den Adressaten, der in der Regel mit dem Vollzug dieser
Handlungsanweisungen reagiert. Ganz allgemein gehören dazu anweisende Texte, aber auch
Befehle und Forderungen, die typischerweise voraussetzen, dass der Textproduzent
gegenüber dem Adressaten eine gewisse Entscheidungskompetenz bzw. -hoheit besitzt, die
den Vollzug zwingend macht. Daneben gibt es mit Appellen, Ratschlägen und Bittschriften
auch Texte, in denen der Adressat die Option hat, auf sie einzugehen oder nicht. Auf dieser
Unterebene wäre auch die Anweisung für Handlungen verortet, die sowohl Produzenten als
auch Adressaten betreffen, wie z. B. Verabredungen oder gemeinsame Handlungspläne.
Diese vier Funktionstypen beziehen sich zwar in der Regel auf die reale Welt, doch sie
können auch in der fiktiven Welt in literarischen Werken auftreten. Diese Texte sind
49
originär durch ihre Funktion des Ästhetischen Wirkens geprägt. Sie rekurrieren nicht auf
reale, sondern auf fiktive Handlungen und Zusammenhänge (Vgl.
HEINEMANN/VIEHWEGER
, 1991: S. 148 f).
5.2.1.2
Situationstypen
Die Textfunktion lässt sich häufig nicht unabhängig von ihrem Äußerungskontext bestimmen.
Der situative Rahmen eines Textes hat somit einen nicht zu unterschätzenden Einfluss in der
sprachlichen Interaktion und in der Zuweisung von Texten zu bestimmten Textsorten. Dem
kommt diese Typisierungsebene nach.
HEINEMANN/VIEHWEGER
gehen davon aus, dass bei
jedem Kommunikationspartner ein Situationswissen vorhanden ist, mit dem in einer
bestimmten Kommunikationssituation eine angemessene Äußerung produziert werden kann.
Dieses Wissen schließt Erfahrungen mit Umgebungen, Handlungsabläufen, Institutionen und
gesellschaftlichen Konventionen ein. Damit bevorzugen
HEINEMANN/VIEHWEGER
für ihr
Mehrebenenmodell einen breiten Situationsbegriff, der besagt, dass eine beschränkte Anzahl
von Situationstypen existiert, die im kollektiven Bewusstsein einer Sprachgemeinschaft
verankert ist (Vgl.
HEINEMANN/VIEHWEGER
, 1991: 154).
Problematisch ist dennoch eine schlüssige Typisierung dieser Situationstypen. Die fünfteilige
Klassifikation nach
HEINEMANN/VIEHWEGER
gilt nach eigenen Aussagen als Skizze mit
der Interaktion als Ausgangspunkt.
Als erstes werden ,,interaktionale Rahmentypen" grob eingeordnet. Demnach unterscheiden
sich eigenständige kommunikative Tätigkeiten von Tätigkeiten im Dienste übergeordneter
nicht-kommunikativer Tätigkeiten. Letztere wiederum spalten sich auf in geistig-theoretische
Tätigkeiten und gegenständlich-praktische Tätigkeiten. Wiederum letztere teilen sich noch in
die Organisation des Tätigkeitsvollzugs sowie in die Klärung der Bedingungen zum
Tätigkeitsvollzug.
Weiterhin ist eine Differenzierung nach der sozialen Organisation von Tätigkeiten relevant.
Das heißt, neben der Alltagskommunikation vollzieht sich ein Großteil der sprachlichen
Interaktionen in mehr oder weniger institutionalisierten Kommunikationsbereichen. Diese
Bereiche haben jeweils eigene Handlungsmuster mit eigenen Kommunikationsmustern
herausgebildet, die ihrerseits die Interaktion effektiver gestalten. Als Beispiele für derartige
Kommunikationsbereiche werden Verwaltung, Parteien, Justiz und Wissenschaft genannt.
Die Anzahl der Kommunikationspartner gilt als dritte Ebene in der Situationstypisierung. Drei
Hauptgruppen werden hier bestimmt:
50
Dyadische Kommunikation 2 Partner (z. B. Unterhaltung)
Gruppenkommunikation
Kleingruppe (z. B. Rundschreiben)
Massenkommunikation
Großgruppe (z. B. Rundfunksendung)
Entscheidend für den situativen Rahmen sind des Weiteren die sozialen Rollen der
Interagierenden. Unterschieden wird hierbei zwischen symmetrischer und asymmetrischer
Interaktion, also zwischen gleichberechtigter oder von einem Partner dominierter Interaktion.
Beispiele sind hier die Rollenverhältnisse zwischen Leiter und Angestelltem oder Lehrer und
Schüler, die beide als asymmetrisch eingestuft werden müssten, da einer der beiden
Kommunikationspartner jeweils vom anderen dominiert wird. Dominanz entstünde hier im
Sinne von einer einseitigen Hoheit über Entscheidungen und damit verbundener Handlungen.
Als letztes Kriterium dieser Typisierungsebene wird die Umgebungssituation genannt die
raum-zeitlichen Bedingungen beider Interaktionspartner. Unterschieden wird zwischen Face-
to-face-Kommunikation, wenn also beide Partner raum-zeitlich unmittelbar interagieren,
Telekommunikation, bei der nur die zeitliche Dimension zwischen beiden Partnern kongruent
ist, und schließlich die Aufzeichnungskommunikation, bei der die Partner sowohl zeitlich als
auch räumlich voneinander getrennt sind (Vgl.
HEINEMANN/VIEHWEGER
, 1991: 155f).
5.2.1.3
Verfahrenstypen
In der Herleitung des Mehrebenenmodells sind die Verfahrenstypen die nächste Stufe in der
Annäherung an die Bestimmung einer Textsorte. Darunter verstehen
HEINEMANN/VIEHWEGER
die Art der Textherstellungs- und Textverstehensverfahren.
Welche sprachlichen Verfahren sind notwendig, um funktional und situativ angemessen
sowie effektiv zu interagieren, so könnte eine Leitfrage lauten. Diese Verfahren laufen bei
Sender und Empfänger gleichermaßen als strategische Konzepte zielgerichtet und zumeist
bewusst ab. Dabei werden bestimmte Verfahrensmuster sowohl aus Sender- als auch aus
Empfängerperspektive kennengelernt und konventionalisiert. Anschließend werden sie zur
Grundlage einer adressatenorientierten Interaktion.
HEINEMANN/VIEHWEGER
konzentrieren sich für ihr Modell auf die strategischen Methoden
bei der Textstrukturierung. Demnach lassen sich drei Schritte ausmachen:
51
1. Textentfaltungsprozesse:
Was wird zum Text-Thema und aus welchen Gründen?
2. Strategische Verfahrensschritte:
Wie soll das Text-Thema realisiert werden und wie sollen
Informationen vermittelt und/oder steuernde Funktionen
realisiert werden?
Es wird in narrative (chronologische Verkettung von zeitlich
abfolgenden Illokutionen), deskriptive (Beziehungen von
illokutiven Handlungen und deren räumlicher Zusammenhang
von Objekten) und argumentative (,,Abwägen und Miteinander-
in-Beziehung-Setzen von illokutiven Handlungseinheiten zur
Begründung von Behauptungen" (
HEINEMANN
/
VIEHWEGER
, 1991: S. 237)) Erzählweisen unterschieden.
3. Taktisch-spezifizierende Einzelverfahren:
Welche zusätzlichen Schritte werden durch eine bestimmte
Situation notwendig? Z. B. Emotionale Verstärkung, bewusste
Vereinfachung/Komplizierung von Sachverhalten.
(Vgl.
HEINEMANN/VIEHWEGER
, 1991: S. 158f)
Speziell auf die Vertextungsmuster sind
HEINEMANN/VIEHWEGER
ausführlicher
eingegangen, da sie die thematische Entfaltung von Texten entscheidend prägen.
,,Als strategische Varianten auf niederer hierarchischer Ebene, der Ebene der
lokalen Textstrukturierung bilden sie die Grundlage für Prozesse der
Sequenzierung von illokutiven und propositionalen Einheiten und deren
Strukturierung zu Teiltexten/Teiltexteinheiten, immer verknüpft mit
Formulierungs-Verbalisierungsprozessen." (
HEINEMANN
, 2000-3: S. 357)
Diese Vertextungsmuster beziehen sich meist auf Text-Teileinheiten, sie sind globale
Verknüpfungshinweise, im Gegensatz zu lokalen Verknüpfungen auf Satzebene. Ein
Gesamttext bzw. bestimmte Textsorten können von einem dominanten Vertextungsmuster
geprägt sein. Im Folgenden sollen sie kurz erläutert werden.
Mit narrativen Texten werden Ereignisse als Handlungen in ihrer chronologischen Abfolge
wiedergegeben. Sie lassen sich unterscheiden in eine objektive, sachlich-registrierende Weise
(
NARR I
) sowie in eine subjektive, emotional geprägte Erzählweise (
NARR II
). Bei
NARR I
handelt es sich um einen distanzierten Rückblick auf eine vergangene Handlung, deren
Teilhandlungen gemäß dem realen zeitlichen Ablauf verknüpft sind. Dagegen ist bei
NARR II
die Erzählperspektive erlebnisorientierter und weniger sachlich. Dadurch sind allerdings auch
52
Innenansichten und subjektive Bewertungen des Erzählers möglich. Bei NARR II wird ein
Spannungsfeld von ,,Komplikation" Darstellung eines außergewöhnlichen Ereignisses und
,,Auflösung" Die Spannungsendladung in Bezug auf die Komplikation aufgebaut, d. h.
vom Textproduzenten wird eine Spannung bei der Wiedergabe eines Ereignisses erzeugt, um
die Relevanz der Erzählung zu verstärken. Am Ende wird die Spannung des erzählten
Ereignisses aufgelöst (Vgl.
HEINEMANN/VIEHWEGER
, 1991: S. 238 f).
Deskriptive Muster dienen dem detaillierten Beschreiben von wahrnehmbaren
Objektmerkmalen. Sie lassen sich auch in zwei Subtypen untergliedern:
DESKR I
dient dem
objektiven Beschreiben von Gegenständen oder Personen, hier geht es nicht um das
Wiedergeben von Handlungsketten. Dieser Subtyp kommt meist in Verbindung mit anderen
Vertextungsmustern vor. Texte mit einer
DESKR I
-Dominanz sind beispielsweise technische
Beschreibungen von Objekten.
DESKR II
steht den narrativen Mustern insofern näher, als dass
sie Handlungsabfolgen im Zusammenhang mit einer Objektbeschreibung verbinden.
Teilweise werden Handlungen so wiedergegeben, dass sie vom Rezipienten selbstständig
wiederholt werden können. Solche Muster finden sich in Bedienungsanleitungen (Vgl.
HEINEMANN/VIEHWEGER
, 1991: S. 244 f).
Ergänzend dazu lohnt auch ein Blick auf
BRINKER
s Unterteilung der deskriptiven Muster.
Generell heißt es bei ihm, dass bei diesem Vertextungsmuster ,, ein Thema in seinen
Komponenten (Teilthemen) dargestellt und in Raum und Zeit eingeordnet wird" (Vgl.
BRINKER
, 1985: S. 59). Seine Unterteilung ist wie folgt:
- Thema bezeichnet einen einmaligen Vorgang, historisches Ereignis
z. B. Nachricht, Bericht
- Thema bezeichnet regelhaft, wiederholbaren Vorgang
z. B. Bedienungsanleitung
- Thema bezeichnet ein Lebewesen/Gegenstand
z. B. Lexikoneintrag
(Vgl.
BRINKER
, 1985: S. 59 f)
Die Abgrenzung zwischen narrativen und deskriptiven Vertextungsmustern sieht
BRINKER
hauptsächlich in der Bewertung und subjektiven Einschätzung von erzählten Ereignissen
durch den Erzähler selbst, so wie es für narrative Muster typisch ist (Vgl.
BRINKER
, 1985: S.
64).
Das argumentative Vertextungsmuster richtet sich auf das Belegen von Aussagen. Dabei
werden Handlungseinheiten miteinander in Beziehung gesetzt, um bestimmte Behauptungen
begründen zu können. Dieses Muster basiert auf dem Spannungsfeld von Annahme und
53
Schlussfolgerung, aus dem sich eine Argumentationskette aufbauen lässt (Vgl.
HEINEMANN/VIEHWEGER
, 1991: S. 249 f).
BRINKER
bezieht sich in seiner Beschreibung der argumentativen Themenentfaltung auf ein
Modell des Philosophen Stephen Toulmin. Demnach wird eine mehr oder weniger strittige
Behauptung (These) aufgestellt, die, anhand von in Beziehung gesetzten Daten (Argumenten),
versucht wird zu begründen. Dieses In-Beziehung-Setzen nennt Toulmin Schlussregel. Sie
kommt sprachlich implizit oder explizit zum Ausdruck. Die Schlussregel kann zudem noch
gestützt werden durch den Verweis auf entsprechende Gesetze, Normen oder Erfahrungen. Da
sich Toulmins Modell nur auf Sätze bezog, ergänzte
BRINKER
für eine Übertragung auf
Texte die Kategorien der Einbettung, im Sinne einer situativen Einordnung von These und
Argument sowie der Wertbasis, dem Implizieren ähnlicher Wertvorstellungen des Senders in
Bezug auf die Empfänger (Vgl.
BRINKER
, 1985: S. 68 f).
HEINEMANN/VIEHWEGER
beschränken sich bei ihrem Mehrebenenmodell auf die drei eben
vorgestellten Vertextungsmuster. Allerdings werden teilweise auch explikative,
expositorische und intruktive Muster als eigene Muster aufgeführt (Vgl.
HEINEMANN
, 2000-
3: S. 358). Auf sie soll allerdings nicht weiter eingegangen werden.
5.2.1.4
Text-Strukturierungstypen
Bei der Textstruktur geht es
HEINEMANN/VIEHWEGER
um grundlegende Strukturtypen.
Aufgrund der Heterogenität innerhalb der Textsorten sei eine feste Strukturbeschreibung
allerdings nicht möglich.
Die Grobstrukturierung eines Textes sieht verschiedene Betrachtungsebenen vor, die sich
unterschiedlich entfalten können. Dies beginnt mit der optionalen Aufgliederung in
Teiltexteinheiten und der Frage, ob dem Textkern ein so genannter Initialteil vorangestellt
werden soll und/oder ob dem Textkern ein so genannter Terminalteil nachgestellt werden soll.
Überhaupt ist bei den ,,kompositorisch-architektonischen Entscheidungen" (Vgl.
HEINEMANN/VIEHWEGER
, 1991: S.162) relevant, ob der Textkern thematisch fixiert ist oder
nicht und wie die Teiltexteinheiten mit einander verknüpft werden sollen. Diese Verknüpfung
findet durch Sequenzierungs- und Konnexionsprozesse statt, bei denen die Text-Sequenzen
auf bestimmte Weise verbunden sind. Dafür gibt es additive, additiv-chronologische,
evaluativ-chronologische und implikative Verknüpfungstypen (Vgl.
HEINEMANN/VIEHWEGER
, 1991: S. 161 f).
54
5.2.1.5
Formulierungsmuster
Bei der letzten Ebene ihres Modells stellen
HEINEMANN/VIEHWEGER
die These auf, dass
sich, obgleich einzelsprachliche Äußerungen nie identisch sein können, gewisse Muster der
Textformulierung herausgebildet haben, die sowohl für den Textproduzenten als auch den
-rezipienten die Zuordnung eines Textes zu einer bestimmten Textsorte möglich machen.
Diese Formulierungsmuster werden nach
HEINEMANN/VIEHWEGER
durch prototypisches
Wissen über konventionalisierte Formulierungen aktiviert. Verschiedene Aspekte, die
teilweise auf die oben genannten Typisierungsebenen rekurrieren, werden dabei
berücksichtigt:
Textklassenspezifische Kommunikationsmaxime:
Einschränkung der Formulierungsalternativen bzw.
Formulierungsrestriktionen in Abhängigkeit von funktionalen,
situativen und verfahrensbedingten Aspekten
Textklassenspezifische Formulierungsmuster
Sprachliche Einheiten, die als ,,vorgegeben", ,,vorformuliert" und
,,beispielhaft" gelten.
Einzellexeme
aus dem Fachwortschatz oder institutionell konventionalisiert
(z. B. Plädoyer, Leistungskontrolle).
Kollokationen
häufig wiederkehrende Verknüpfungen bestimmter lexikalischer
Einheiten, die als Komplexe gespeichert sind (z. B.
mutwillige Beschädigung, im Namen des Volkes)
Stereotype Textkonstitutive
Formelhafte Einheiten mit hoher assoziativer Wirkung,
resultierend aus lexikalisch-syntaktischen Einheiten, die meist
an bestimmte Phasen der Textkonstruktion geknüpft ist.
(z. B. Grußformeln: Guten Tag; Vortrag: Ich danke für Ihre
Aufmerksamkeit; Wir verhandeln heute in der Strafsache X)
Gliederungssignale
Strukturverweisformeln zur Verständnissicherung
(Vgl.
HEINEMANN/VIEHWEGER
, 1991: S. 164 f)
55
5.2.2
Mehrebenenmodell nach HEINEMANN/HEINEMANN
In einem später ausgearbeiteten Modell beschränken sich
HEINEMANN
/
HEINEMANN
auf nur
vier Textebenen zur Beschreibung von Textsorten, denen jeweils weitere
Differenzierungsaspekte zugeordnet werden können. Es entstehen Merkmalsbündel, die
bestimmte Regelhaftigkeiten zusammenfassen. Das Modell ist allerdings nicht neu, sondern
als Weiterentwicklung des Modells von
HEINEMANN/VIEHWEGER
zu sehen. Dieses
Mehrebenenmodell betrachtet folgende Ebenen:
Funktionalität: Textfunktionen (Ausdrücken, Informieren, Kontaktieren,
Steuern, Ästhetisch Wirken)
Situationalität: Tätigkeitssituationen, Soziale Organisation der Tätigkeiten in
Kommunikationsbereichen, Kanal/Medium, Anzahl der Partner,
Soziale Rollen der Interagierenden, Umgebungssituation
Thematizität und Strukturiertheit:
Thematische Geprägtheit
Text-Thema-Entfaltungen (Vertextungsmuster)
Textstrukturierung
Formulierungsadäquatheit:
Kommunikationsmaximen
Textsortenspezifische Formulierungsmuster
Stilistische Besonderheiten
(Vgl.
HEINEMANN
/
HEINEMANN
, 2002: S. 147)
5.2.3
Methodische Probleme mit den Mehrebenenmodellen
Als Kritikpunkt an den Mehrebenenmodellen nennt
HEINEMANN
die nur eingeschränkte
Systematik und Regelhaftigkeit solcher Textsortenbeschreibungen. Denn durch die geforderte
Offenheit und Multi-Dimensionalität ist eine systemhafte Typologie kaum zu erreichen (Vgl.
HEINEMANN
; 2000-2: 541). In anderen Worten:
,,Wegen der Vielzahl möglicher funktionaler, situativer und
verfahrensspezifischer Entscheidungen ist es grundsätzlich nicht möglich, feste
Strukturierungsmuster für jede einzelne Textklasse aufzustellen."
(
HEINEMANN/VIEHWEGER
, 1991: S. 161)
Die Analyse anhand der oben aufgeführten Beschreibungsebenen führt demnach nicht zu
einem Set an Merkmalen, die eindeutige Zuordnungen von Texten zu entsprechenden
56
Textsorten zulassen. Zudem wird eingeräumt, dass derartige Mehrebenenmodelle ,,nur auf in
hohem Grade standardisierte Textsorten anwendbar" sind (Vgl.
HEINEMANN
/
HEINEMANN
,
2002: S. 149).
Interessant ist zudem der von
HEINEMANN
/
HEINEMANN
empfohlene methodische Ansatz,
sich nicht auf das Zusammentragen der Merkmale zu beschränken, sondern vielmehr zu
schauen, welche der Merkmale tatsächlich elementar für eine Textsorte sind.
,,Erst eine solche Bündelung von möglichst wenigen Merkmalen unterschiedlicher
Provenienz macht Textsorten miteinander vergleichbar, lässt Übereinstimmungen
und Unterschiede zwischen ihnen deutlich hervorheben." (
HEINEMANN
/
HEINEMANN
, 2002: S. 149).
Zu beachten ist auch, dass nach einem prototypischen Textverständnis, dem die
Mehrebenenmodelle folgen, eine Merkmalsbestimmung für Texte derselben Textsorte nicht
immer identisch sein muss bzw. sein kann. Denn die textsortenkonstituierenden Merkmale
verschiedener Texte derselben Textsorte können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Daher
ist die eben genannte Selektion der wesentlichen Merkmalsbündel so wichtig.
Resümierend heißt es:
,,Dennoch stellen solche offenen Listen von Merkmalen eine objektive, teils
statistisch abgesicherte Basis für Textsortenkennzeichnungen dar."
(
HEINEMANN
/
HEINEMANN
, 2002: S. 149).
57
5.3
Kriterien-Set zur Auswertung des Korpus
Oben aufgeführte Ebenen und Beschreibungskriterien beider Modelle werden hier nun
nochmals zusammengefasst, um daraus zu einem Kriterienkatalog für die spätere
Textsortenbeschreibung des Online-Teasers zu gelangen. Daraus ergibt sich folgende Tabelle:
Tab. 1:
Beschreibungskriterien des Mehrebenenmodells nach
HEINEMANN
/
VIEHWEGER
bzw.
HEINEMANN
/
HEINEMANN
Ebenen
Kriterium
konkrete Analysepunkte
Funktionale
Aspekte
Sich ausdrücken
Kontaktieren
Informieren
Steuern
Ästhetisch Wirken
AUSDRUCK
:
- Affekt-Entladung
- Selbstdarstellung
- interfunktionale
Meinungskundgabe
INFORMATION
:
- ermittelnd (neue Erkenntnisse,
Wissensabfragungen)
- vermittelnd
STEUERN
:
- Aufforderung zum praktischen
Handeln
- Aufforderung zur
Sprachhandlung
- Aufforderung zur Bewertung
von Handlungen
- Aufforderung zur kognitiven
Verarbeitung von etwas
Tätigkeitssituation
- kommunikative Tätigkeit
- im Dienste übergeordneter
nicht-kommunikativer Tätigkeit
Soziale Organisation der
Tätigkeiten
- Institution
- Alltagskommunikation
Kanal/Medium
- mündlicher Text
- schriftlicher Text
Anzahl der Partner
- dyadisch
- Gruppenkommunikation
- Massenkommunikation
Soziale Rollen der
Interagierenden
- symmetrisch
- asymmetrisch
Situative
Aspekte
Umgebungssituation bei
Entstehung und Wahrnehmung
- Ort (
LOC
)
- Zeit (
TEMP
)
58
Thematische Geprägtheit
Festes/Nicht-festes Thema
Text-Thema-Entfaltungen
Vertextungsmuster:
- deskriptiv
- narrativ
- argumentativ
thematisch-
strukturelle
Aspekte
Textstrukturierung
Teiltexteinheiten
- Initialteil Textkern
Terminalteil
Thematische Fixierung des
Textkerns
Kommunikationsmaximen
entsprechend den Konventionen
der journalistischen Teaser
Textsortenspezifische
Formulierungsmuster
Syntaktische Spezifika:
- dominierender Satztyp
- Verhältnis der Satztypen
- Satzlängen
- besondere Formen (Ellipsen)
- Doppelpunktkonstruktionen
Lexikalische Spezifika:
- Indikatoren für Textfunktion
- Komposita
- Fremd-/Fach-/Kurzwörter
- Kollokationen
- stereotype Satzkonstitutive
formulierungs-
adäquate
Aspekte
Stilistische Besonderheiten
- Nominatstil, etc.
(Vgl.
HEINEMANN
/
HEINEMANN
, 2002/Vgl.
HEINEMANN/VIEHWEGER
, 1991)
59
6.
Auswertung des Korpus
Wie bereits angedeutet werden textsortenkonstituierenden Merkmale des Online-Teasers
anhand der oben vorgestellten Mehrebenenmodelle herausgearbeitet werden. Teilweise wird
bei der Auswertung der einzelnen Kriterien auch zusätzliche Literatur herangezogen.
6.1
Funktionale Aspekte
Die Textfunktion wird häufig als zentrales Kriterium für die Textsortenbeschreibung
angesehen (Vgl.
HEINEMANN
, 2000-2, S. 533). Die Funktionstypen der beiden oben
vorgestellten Mehrebenenmodelle gehen von einem inklusiven Verhältnis der vier
Textfunktionen für Texte der realen Welt aus, d. h. jede Aufforderung vermittelt auch eine
Information, und sie kann zugleich als Kontaktaufnahme und logischerweise als Äußerung
verstanden werden.
Diese funktionale Kette lässt sich für den Online-Teaser teilweise nachzeichnen. Dass sich ein
Online-Medium sprachlich ausdrückt, muss nicht weiter ausgeführt werden. Die Frage ist
jedoch, inwieweit der Teaser auch eine Kontakt-Funktion einnimmt. Für den Leser eines
Online-Mediums ist die Startseite in der Regel der erste Kontakt mit den Inhalten des
Mediums, und auf der Startseite sind ausschließlich Teaser zu finden. Wenn es beim
Kontaktieren nach
HEINEMANN/VIEHWEGER
um die ,,Herstellung und Gewährleistung von
Interaktion, also um die Aufnahme, die Erhaltung und Ausprägung sozialer Beziehungen
ohne das gezielte Einwirkenwollen auf Partner-Einstellungen" (Vgl. 1991: S. 151) geht, so
kann der Startseite als Ganzes eine Kontaktfunktion im Sinne der Begrüßung zugesprochen
werden. Insbesondere dann, wenn man bedenkt, dass bei nicht wenigen Websites auf der
Startseite Sätze wie ,,Herzlich willkommen auf unserer Website" zu finden sind. In den hier
analysierten drei Online-Medien fehlen solche expliziten Ansprachen.
Im Hinblick auf das besondere Leseverhalten beim Bildschirmmedium, dem Scannen der
Inhalte, sind Teaser mit ihren Überschriften und kurzen Vorspanntexten allerdings auf einen
schnellen Kontakt ausgelegt.
Nach
BRINKER
(Vgl. 1985: S. 111 f) sind Kontakttexte allerdings an ,,feste gesellschaftliche
Anlässe geknüpft", die ,,durch explizit performative Formeln [...] signalisiert" werden. Es
geht eher um eine emotionale Reaktion auf ein Ereignis. Insofern dürfte dem Teaser nach den
gängigen Definitionsansätzen keine Kontaktfunktion zugesprochen werden, da er als
60
eigenständiger Text thematisch keinen kontaktspezifischen Bezug zwischen Textproduzent
und rezipient erkennen lässt.
Weitaus deutlicher lassen sich die Informations- und Steuerungsfunktionen des Online-
Teasers ableiten. Sprachlich kann der Online-Teaser als informationsvermittelnder Text im
Sinne von
HEINEMANN/VIEHWEGER
(Vgl. 1991: S. 151) angesehen werden, der den Inhalt
des verlinkten Haupttextes zusammenfasst. Medial bedingt nimmt er zusätzlich eine steuernde
Funktion innerhalb eines Online-Mediums ein, was sich auch sprachlich zeigt. Er soll auf der
Startseite einer Website auf ein Thema aufmerksam machen und zur Lektüre des versteckten
Haupttextes motivieren. Zugleich ist er der direkte Link zu dem Haupttext.
ROLF
hat eine ausführliche Subklassifizierung der gängigen Funktionsklassen zur
Klassifikation von Textsorten der Gebrauchstexte herausgearbeitet, die für eine Beschreibung
des Online-Teasers, ergänzend zu den Kriterien der Mehrebenenmodellen, interessant ist,
auch wenn er als Textsorte nicht explizit genannt wird. Er bezieht sich auf die
Illokutionsklassen Searles, wonach assertive, direktive, kommissive, expressive und
deklarative Illokutionen unterschieden werden.
Die Herleitung der einzelnen Subklassen soll an dieser Stelle nicht nachgezeichnet werden.
Die assertive Klasse, also Texte zur Informationsvermittlung vergleichbar mit der
Informationsfunktion bei
HEINEMANN/VIEHWEGER
unterteilt
ROLF
in transmittierende,
darstellende und indizierende Textsorten. Diese wiederum unterteilen sich in weitere
Subklassen. So unterteilen sich die darstellenden Textsorten nochmals in registrierende,
judizierende und disputierende Textorten (Vgl.
ROLF
, 1993: S. 172 f). Journalistische
Berichte und Nachrichten zählen demnach zu den registrierenden Textsorten mit dem
Merkmal, so dass ein Außenstehender bestimmte Handlungen und Ereignisse vermittelnd
darstellt (Vgl.
ROLF
, 1993: S. 172 f). Nach dem Modell von
HEINEMANN/VIEHWEGER
sind
Online-Teaser, funktional betrachtet, ebenfalls informations-vermittelnde Texte, und zwar
solche, welche Sachverhalte der Wirklichkeit, die für Adressaten relevant oder neu sind,
vermitteln (Vgl.
HEINEMANN/VIEHWEGER
, 1991: S. 152).
Die Klasse der disputierenden Textsorten, jene, die Probleme bzw. Sachverhalte und deren
Zusammenhänge erörtern, wie beispielsweise schulische oder wissenschaftliche Arbeiten,
subsumiert auch zusammenfassende Texte, wie Abstracts, Einleitungen, Inhaltsangaben oder
Exzerpte. Sie gelten als ,,Musterbeispiele für Intertextualität", da sie immer Teiltexte eines
größeren Bezugstextes sind. Ihre Funktion ist es, auf reduzierte Weise den Inhalt des
Bezugstextes wiederzugeben (Vgl.
ROLF
, 1993: S. 197 f).
61
Neben der Informationsvermittlung können sie auch steuernd wirken, indem
,,solche Teiltexttypen den Lesern häufig als erster Zugang zum Textinhalt dienen
und daher, [...] eine wichtige Steuerungsfunktion bei der
Informationserschließung innehaben."
(
GNUTZMANN
/
OLDENBURG
, 1990, S. 22, zitiert nach:
ROLF
, 1993: S.
200)
Zwar gibt es strukturell und funktional betrachtet zwischen diesen einzelnen expositorischen
Textsorten Unterschiede, trotzdem lässt sich auch der Online-Teaser darin integrieren. Er
nimmt Bezug auf den Haupttext und dient einer zusammenfassenden Vorinformation, die das
Lektüreverhalten innerhalb eines ganzen Mediums steuern kann.
Dieser steuernde Aspekt kann nach
ROLF
s Subklassifizierung der direktiven Textsorten als
nicht-bindende, direktive Textsorte bei beiderseitigem Interesse verstanden werden, ähnlich
der mehr oder weniger versteckten Steuerung von Einladungen oder Kontakt- und
Werbeanzeigen (Vgl.
ROLF
, 1993: S. 250). Diese unverbindliche Form des Steuerns nennen
auch
HEINEMANN/VIEHWEGER
(Vgl. 1991: S. 153). Beiderseitiges Interesse liegt insofern
vor, als dass das Medium mit dem Teaser einen Überblick über sein Angebot im Gesamten
und im Konkreten bieten möchte und insofern, als das der Leser eine möglichst schnelle
Aufnahme dieses Überblicks erwartet. Speziell der weiterführende Link am Ende des
Vorspanntextes kann als Einladung zur Lektüre des Gesamttextes gesehen werden.
ROLF
meint dazu:
,,Einladungen haben nicht die Funktion, dem Textadressaten eine Orientierung im
Hinblick auf ein bestimmtes zukünftiges Textproduzentenverhalten an die Hand
zu geben, Einladungen dienen dazu, andere zu veranlassen, sich ,in Bewegung zu
setzen'" (
ROLF
, 1993: S. 250)
Die Link-Beschreibung ,,mehr", wie bei Spiegel Online und sueddeutsche.de vorzufinden,
kann demnach als elliptisch formulierte Einladung im Sinne von ,,Sie erfahren mehr zu
diesem Thema, wenn Sie diesen Link anklicken" verstanden werden.
Die Steuerfunktion ist zudem abhängig vom Teaser-Typ.
HOOFFACKER
unterscheidet Teaser
nach deren Funktionen in zusammenfassende, Fragen-offen-lassende sowie ankündigende.
Speziell bei den Ankündigungsteasern zu Ratgeberthemen, Mitmachaktionen oder
Gewinnspielen werden die Leser oft direkt angesprochen entweder in deiktischen Angaben
und/oder in Imperativ-Sätzen. Abb.
7
zeigt diese beiden Formen auf. Auch hierbei handelt
sich um unverbindliche ,,Einladungen" im oben erwähnten Sinne, sprachlich jedoch mit
eindeutiger Adressatenansprache. Dagegen finden sich in den anderen beiden Funktionstypen
von Teasern in der Regel keine direkt steuernden Ansprachen.
62
Abb. 7:
Beispiel für direkt steuernde Online-Teaser, sueddeutsche.de vom 01.04.2009,
(Vgl. Anhang
SUEDDEUTSCHE.DE
-Homepage, Bilder im Original bunt,
Überschriften im Original blau eingefärbt.)
Die Steuerfunktion des Teasers kann auch
weiter gefasst werden, erneut in Bezug auf
seine Platzierung auf den Startseiten und auf
das Leseverhalten der Online-Medien. Wie in
dem obigen Zitat von
GNUTZMANN
/
OLDENBURG
angedeutet, kommt den
Zusammenfassungen eine steuernde Funktion
bei der Informationserschließung zu. Die
Leser scannen die Teaser der Startseite und
selektieren ihre Präferenzen. Insofern steuern
Teaser das Leseverhalten, insbesondere auch
durch die ergänzenden Schlagzeilen-Teaser,
die zu thematisch ähnlichen Artikeln führen.
Gerade hinsichtlich der Nicht-Linearität des
Leseverhaltens von Hypertexten sind Teaser wichtige Richtungsweiser in der individuell
gestaltbaren Lektüre eines Online-Mediums.
Während die Steuerfunktion des Teasers also mehr oder weniger implizit zur Geltung kommt,
kann die Informationsfunktion deutlicher beschrieben werden.
SIMON
hat den Aufbau des
Teasers nach informationsfunktionalen Aspekten untersucht. Demnach bilden die drei
Hauptelemente Dachzeile, Überschrift und Vorspanntext ein komplexes Zusammenspiel aus
verschieden gerichteten Informationen. Die Dachzeile steckt bei aktuellen Artikeln den
thematischen Rahmen ab, in den eine Information einzuordnen ist. Teilweise lässt sich daraus
auch das entsprechende Ressort erschließen, in dem das Medium dieses Thema behandelt. Die
Überschrift vermittelt den informationellen Kern, angelehnt an die journalistischen W-Fragen.
Der Vorspanntext ergänzt die Überschrift, indem weitere Details zu dem genannten Ereignis
und gegebenenfalls Zusammenhänge und Hintergründe ergänzt werden (Vgl.
SIMON
, 2004:
S. 145). Es lässt sich also eine gewisse Hierarchie in der Informationsaufbereitung erkennen.
Dachzeile und Überschrift können als Schlüsselstellen gelten, da sie durch ihre sprachliche
Kürze sowie die farbliche und typografische Hervorhebung einen besonderen Reiz bei der
Rezeption erzeugen (Vgl.
LACKERBAUER
, 2003: S. 102).
Die Informationsfunktion ist zweigeteilt: Einerseits wird der informationelle Kern um die W-
Fragen bereits explizit im Teaser genannt. Dies wäre im Sinne von
BRINKER
die Paraphrase:
63
,,Ich (der Emittent [das Medium]) informiere dich (den Rezipient) über den Sachverhalt X
(Textinhalt)." (
BRINKER
, 1985: S. 98). Performative Verben des Informierens finden sich in
der Regel allerdings nicht in den Teasern, d. h. die Informationsfunktion ist implizit realisiert.
Andererseits bringt der Teaser durch seine mehrfache Verlinkung mit Überschrift und dem
weiterführenden Link am Ende des Vorspanntextes zum Ausdruck, dass eine tiefere,
ausführlichere Textebene ausgewählt werden kann. Die Grenze zwischen Informations- und
Steuerungsfunktion ist an dieser Stelle nicht ganz eindeutig zu ziehen.
Eine Funktion des Teasers ist sprachwissenschaftlich schwer einzuordnen: Der Teaser ist im
Prinzip ein Hyperlink, der seinen Zielpunkt verhältnismäßig ausführlich formuliert ankündigt.
Dieser technische Aspekt kann mit den sprachwissenschaftlichen Beschreibungsansätzen der
Textfunktionen nicht beschrieben werden. Dennoch ist diese Link-Funktion elementar für
einen Online-Teaser. Würde er diese unmittelbare Link-Funktion nicht übernehmen, wäre er
als Informationsträger lediglich als Meldung zu verstehen. Zugleich bilden die ergänzenden
Links eines Teasers einen Beitrag zur Kohärenzbildung zu thematisch ähnlichen Artikeln. Der
Verweis an sich ist auch in den Print-Medien bekannt, in Form der Seiten- oder Ressort-
Angabe. Allerdings ist damit kein technisch zu realisierender Schritt innerhalb eines
Hypertextes notwendig, sondern das manuelle Umblättern der Seiten. Insofern sollte die Link-
Funktion nicht unerwähnt bleiben.
6.2
Situative Aspekte
Zusätzlich zu den mehr oder weniger klar beschreibbaren funktionalen Aspekten ist der
Kontext, in dem ein Text produziert und wahrgenommen wird, von hoher Relevanz, um den
Text beschreiben zu können. Die Mehrebenenmodelle haben daher mehrere Ebenen von
Situationstypen gewählt, die den textuellen Kontext beschreiben sollen.
Aus der groben Klassifikation der interaktionalen Rahmentypen lassen sich journalistische
Texte als ,,Tätigkeiten im Dienste übergeordneter nicht-kommunikativer Tätigkeiten" sowie,
noch weiter konkretisiert, als ,,geistig-theoretische Tätigkeit" einstufen (Vgl.
HEINEMANN/VIEHWEGER
, 1991: S. 155).
HEINEMANN/VIEHWEGER
sehen die meisten interaktionalen Tätigkeiten als
institutionalisiert an
22
, d. h. es existieren bestimmte, gesellschaftlich determinierte Rahmen,
22
Als Institution gilt eine ,,gesellschaftliche Einrichtung zur Lösung spezifischer Aufgaben der
Gesamtgesellschaft." (
SCHELSKY
, 1970, zitiert nach:
HEINEMANN/VIEHWEGER
, 1991, S. 155);
,,einem bestimmten Bereich zugeordnete öffentliche Einrichtung, die dem Wohl od. Nutzen des Einzelnen
64
die mehr oder weniger feste Handlungsmuster bzw. Kommunikationsbereiche ausgeprägt
haben. Diese Muster erleichtern sowohl für Produzenten als auch Rezipienten die Ausführung
und den Umgang mit den institutionellen Handlungen (Vgl. 1991: S. 155). Die institutionelle
Einordnung des Online-Teasers ist zwar nicht unproblematisch, aber in dem hier untersuchten
Fall und mit dem hier vorliegenden Korpus kann er zur Institution Massenmedien gezählt
werden. Da auch bei nicht-journalistischen Websites Teaser eingesetzt werden, ist eine solche
Abgrenzung sinnvoll. Allerdings weist
ADAMZIK
darauf hin, dass klar abgrenzbare
Unterscheidungen von Kommunikationsbereichen nicht möglich sein können. Textsorten
können in unterschiedlichen situativen Kontexten angewandt werden (Vgl.
ADAMZIK
, 2004:
S. 72 f). So finden sich Online-Teaser beispielsweise auch in den Bereichen Wissenschaft und
Wirtschaft.
Pressetexte, insbesondere von Tageszeitungen und Magazinen, werden zur
Massenkommunikation gezählt. Auch wenn der Online-Teaser keinen Pressetext im
klassischen Sinne darstellt, sondern ein Ankündigungstext für einen ausführlichen Pressetext,
so kann er im Kontext seines Einsatzfeldes Online-Medien zur Massenkommunikation
gezählt werden. Insofern lässt sich die Frage nach der Anzahl der Partner auch leicht
beantworten. Als Teil eines journalistischen Mediums handelt es sich um eine öffentliche
Form der Kommunikation. Der Text richtet sich, geschrieben von einem Redakteur oder
Autor, an eine unbestimmte Menge von unbekannten Lesern (Vgl.
LÜGER
, 1995: S. 46).
Allerdings rezipiert diese unbestimmte Menge nicht zwangsläufig zur gleichen Zeit den Text,
wie es in Rundfunksendungen eher der Fall ist. Insofern muss in diesem Zusammenhang auch
von Menge und nicht von Masse gesprochen werden (Vgl.
DIMTER
, 1981: S. 49).
DIMTER
weist darauf hin, dass sich in Bezug auf die Produzenten und Rezipienten auch distinktive
Merkmale für Textsortenabgrenzungen ableiten lassen. So kann ein Arzneirezept mit sozialer
Verbindlichkeit nur von einem Arzt ausgestellt werden (Vgl. ebenda, 1981: S. 39 f). Für
journalistische Medien im klassischen Sinne gilt dies auch, da in der Regel nur vom
jeweiligen Medium ausgewählte Autoren und Redakteure Artikel schreiben.
LÜGER
spricht
von einer ,,einseitigen" Kommunikationssituation bei journalistischen Medien. Ausnahmen
sind Kommentare und Leserbriefe von außenstehenden Experten bzw. den Rezipienten eines
Mediums. Diese Exklusivität des Journalisten als alleinige Instanz für die journalistische
Textproduktion von professionellen Medien ist auch in Bezug auf die Glaubwürdigkeit eines
Pressetextes relevant. Eine geschriebene Nachricht in einem etablierten Medium wird von den
Lesern als glaubwürdiger bzw. journalistisch korrekter recherchiert eingeschätzt als ein
thematisch und sprachlich ähnlicher Beitrag von einem Unternehmen oder auf einer privaten
od. der Allgemeinheit dient." (
DUDEN
, Das große Fremdwörterbuch, 2003: S. 629)
65
Website. Von einem journalistischen Medium kann eine professionelle Arbeitsweise erwartet
werden, die in Bezug auf die Textsorte Nachricht eher informationsbetont als meinungsbetont
ist. Von einem Pressetext geht jedoch keine sozial verbindliche Handlungsanweisung aus,
auch das Status-Verhältnis zwischen Produzent und Rezipient ist nicht konkret zu bestimmen,
da sich auf beiden Seiten Laien und Experten gegenüberstehen können, wie weiter unten noch
einmal deutlich ausgeführt wird.
Auch die Autorschaft von Pressetexten, insbesondere von Online-Teasern, ist für den
Rezipienten nicht nachvollziehbar. Dies ist ein häufig anzutreffendes Phänomen von
Nachrichtentexten. Denn viele Tageszeitungen modifizieren häufig nur die Texte von
Nachrichtenagenturen, die ihrerseits keine Autoren nennen. Veröffentlicht wird der Text von
einem Medium dann mit der Quellenangabe der Agentur (Vgl.
ADAMZIK
, 2004: 85 f). Im
Fall des Online-Teasers ist zudem nicht rekonstruierbar, ob der Autor des Textes oder der
entsprechende Redakteur des Mediums dafür zuständig ist. Insofern stehen sich in jeweils
unbestimmbarer Weise Produzent und Rezipient gegenüber.
Das Kriterium des Mediums bzw. Kanals
23
kann beim Online-Teaser eindeutig als Schrifttext
in einem Online-Medium eingestuft werden. Diese Unterscheidung hat insofern Sinn, da es
wie oben bereits erwähnt auch im Rundfunk Teaser-Formen gibt, die zwar eventuell auch
auf einem Schrifttext basieren, jedoch von den Rezipienten in der Regel audio-visuell
wahrgenommen werden. Die Schriftlichkeit ist beim Online-Teaser jedoch nicht an ein
physisches Trägermedium gebunden wie an Papier bei ankündigenden Kurztexten in Print-
Medien sondern an eine computergestütze, virtuelle Verfügbarkeit. Konkret ist der Online-
Teaser an einem Bildschirm und mit einer bestimmten Software Browser genannt
wahrnehmbar. Es muss die konkrete Webseite angewählt werden. Die Link-Funktion muss
mit einem bestimmten Eingabegerät, z. B. der Computer-Mouse, bedient werden. Damit kann
der Online-Teaser von ähnlichen Ankündigungstexten in Print-Medien abgegrenzt werden.
Der Bildschirm als visuelles Übertragungsmedium und die Hypertextualität als
Strukturprinzip im WWW bestimmen wie oben bereits erwähnt den Aufbau von Websites
und beeinflussen dementsprechend auch die Struktur von Texten. Da die Startseiten von
Online-Medien in der Regel der Ausgangspunkt für die Lektüre ist, bieten sie durch ihren
Aufbau Orientierung über das Gesamtangebot des Mediums sowie über ausgewählte Inhalte.
Daraus ergeben sich Vorgaben für die Zeichenzahl und den thematisch-sprachlichen Aufbau
23
Unter Kanal ist eine physikalische Einrichtung bzw. Gegebenheit zur Informationsübertragung zu verstehen,
darunter fallen die Organe des Senders und Empfängers sowie physikalische Aspekte wie Bewegungen oder
Töne. Die Unterscheidung zwischen Schriftlich- und Mündlichkeit basiert auf verschiedenen medialen
Voraussetzungen. (Vgl.
BUHOFER
, 2000: S. 237)
66
des Online-Teasers. Diese beiden Aspekte werden in den nächsten beiden Kapiteln u.a.
Erwähnung finden.
Die soziale Rollenverteilung zwischen Text-Produzent und rezipient kann als asymmetrisch
eingeschätzt werden. Dies lässt sich aus dem massenmedial geprägten Verhältnis zwischen
beiden Seiten herleiten. Ein journalistisches Medium verfügt über eine gewisse
Informationshoheit, d. h. es sammelt Informationen und selektiert sie nach eigenen
Relevanzkriterien. Die Leser bekommen insofern nur eine Auswahl der vom Medium
gesammelten Informationen zu lesen. Auch auf die Aufbereitung und Bewertung der
ausgewählten und veröffentlichten Informationen hat der Leser keinen Einfluss (Vgl.
LÜGER
,
1995: S. 46). Das Medium ist daher gegenüber seinen Rezipienten in einer dominanten Rolle.
Der Online-Teaser als Teil der Pressesprache kann darunter subsumiert werden.
Das Verhältnis zwischen Schreiber und Leser ist mehrdeutig zu sehen: Auf der einen Seite
kommt die Produktion nur einer relativ geringen Zahl von Menschen Journalisten und
Redakteure zu, die über ein bestimmtes journalistisches Textproduktionswissen verfügen.
Auf der anderen Seite hat der Leser in der Regel medien-strukturell und professionsbedingt
nicht die Möglichkeit selbst Pressetexte zu verfassen. Allerdings ist eine Einordnung in das
Experten-Laien-Schema
24
nicht ohne Schwierigkeiten möglich. In Bezug auf die
Textproduktion kann der Journalist als Experte gegenüber dem Leser gelten, auch wenn
natürlich Journalisten die Texte anderer Journalisten lesen und bewerten können. In Bezug
auf die sprachlich-thematische Aufbereitung eines Textes ist die Experten-Laien-Einteilung
schwieriger, denn der Journalist ist kein Experte in seinem Thema, vielmehr vermittelt er
zwischen Experten und Laien.
Diese Beobachtung lässt sich allerdings auch nicht generalisieren, denn zum einen kann ein
Journalist durchaus ein Experte in seinem Ressort sein, zum anderen können auch Experten
als Gastautoren eingesetzt werden. Hinzu kommt, dass auch unter den Lesern Experten sein
können, die mit dem Thema vertrauter sind als der Journalist selbst.
Da es sich bei Online-Teasern generell um Schrifttexte handelt, liegt bei der raum-zeitlichen
Dimension zwischen Textproduktion und rezeption eine schrifttextimmanente
Asynchronizität vor (Vgl.
BURGER
, 2000: S. 618). Das heißt, ein Text entsteht vor seiner
Wahrnehmung, eine in Echtzeit unmittelbar zu verfolgende Produktion-Rezeptions-Kette
kann es nicht geben. Im Fall des Online-Teasers schreibt der Redakteur oder Autor den Text
mit einer computerbasierten Software, lässt ihn eventuell orthografisch sowie inhaltlich von
einem weiteren Redakteur kontrollieren und veröffentlicht ihn zu einem definierten Zeitpunkt
24
Damit ist die Interaktion zwischen Experten, die aus z. B. professionellen Gründen über ein höheres Wissen
in einem bestimmten Feld verfügen, und Laien, die nicht über dieses Wissen verfügen, aber von diesem
Wissen profitieren wollen, gemeint. Beim Wissenstransfer kann es zu Konflikten kommen.
67
auf der definierten Webseite auf der Startseite. Erst ab diesem Zeitpunkt und speziell an
diesem Ort der Webseite kann der Text dann rezipiert werden. Die Online-Teaser dieses
Korpus' konnten von den Rezipienten an jeweils zwei Orten der Website gefunden werden:
einmal auf der Startseite und außerdem auf der Seite des entsprechenden Haupttextes ganz
oben, typografisch gefettet hervorgehoben.
6.3
Thematisch-strukturelle Aspekte
In diesem Unterkapitel geht es um die Einzelpunkte der thematischen Geprägtheit, der Text-
Thema-Entfaltungen sowie Aspekte der Textstrukturierung.
Zuvor soll jedoch eine Einordnung des Thema-Begriffs skizziert werden. Unter Thema ist
nach BRINKER der Kern des Textinhalts zu verstehen. Als Textinhalt gilt der auf ,,einen oder
mehrere Gegenstände [...] bezogene Gedankengang eines Textes" (
BRINKER
, 1985: S. 51).
Das heißt, das Textthema ist die ,,größtmögliche Zusammenfassung des Textinhalts" (Vgl.
Ebenda, 1985: S. 51). Auf das Thema kann anhand bestimmter Textteile, wie Überschriften
oder einzelne Sätze, oder anhand einer abstrakten Herleitung geschlossen werden. Es kann
zwischen Hauptthema und Nebenthemen innerhalb eines Textes unterschieden werden (Vgl.
Ebenda, 1985: S. 51 f). In den für diese Arbeit ausgewählten Mehrebenenmodellen wird
zudem die thematische Geprägtheit als Kriterium zur Textsortenbeschreibung angesetzt.
Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, inwieweit eine Textsorte von einem feststehenden
Thema mit geprägt wird. Beispielsweise kann bei Todesanzeigen, Kochrezepten oder
Wetterberichten von einer thematischen Fixierung gesprochen werden (Vgl.
DIMTER
, 1981:
S. 94 f). Allerdings lässt sich nicht zu jeder Textsorte ein spezifisches Thema ausmachen.
DIMTER
nennt als Beispiele den Brief und die Fernsehsendung. Prinzipiell gilt diese fehlende
thematische Geprägtheit daher auch für Pressetexte. Das Thema ergibt sich aus
journalistischen Ansprüchen, d. h. was berichtenswert ist, hängt von Faktoren wie Aktualität
und Relevanz der Information ab. Zwar lassen sich für Pressetexte durchaus gewisse Rahmen
in der Themenauswahl ziehen, allerdings kann dies nicht als eine thematische Geprägtheit
gesehen werden. Rahmen können beispielsweise die Ressorts Politik, Wirtschaft, Kultur oder
Sport eines Mediums sein (Vgl. Ebenda, 1981: S. 95).
ADAMZIK
gibt jedoch zu bedenken,
dass ,,die konkreten Ereignistypen, die in Nachrichtentexten zur Sprache kommen, sehr stark
vorhersehbar" sind (
ADAMZIK
, 2004: S. 128). Dennoch kann nicht von einer konkreten
thematischen Fixierung von Pressetexten gesprochen werden.
68
Der Online-Teaser ist daher ebenfalls nicht thematisch geprägt in einem
textsortenkonstituierenden Sinne. Allerdings ergibt sich durch seine Funktion des
Ankündigens und Zusammenfassens eine andere Geprägtheit, und zwar in Form der
thematischen Abhängigkeit bzw. Bezugnahme auf den verlinkten Haupttext. Dessen Thema
wiederum ergibt sich aus der entsprechenden Information. Das heißt, das Thema eines
Online-Teasers ergibt sich aus dem Thema des Haupttextes, es gibt keine autarke
Thematizität. Dieser Aspekt rückt den Begriff der Intertextualität in den Fokus, der sich mit
den Verweisen von Texten auf andere Texte beschäftigt. Und es stellt sich die Frage,
inwieweit Teiltexte, wie Fußnoten oder Zusammenfassungen, die in der Regel wegen ihrer
Gebundenheit an den Gesamttext nicht selbstständig vorkommen, als eigenständige
Textsorten behandelt werden können (Vgl. Ebenda, 2004: S. 103).
In seiner Unterscheidung von spezieller und allgemeiner Intertextualität beschäftigt sich
KRAUSE
mit diesem Aspekt und spricht von inkorporierender Intertextualität als Subklasse
der speziellen Intertextualität. Dabei geht es um jene Autonomie von Texten und
dazugehöriger Textteile. Dass sich Intertextualität grundsätzlich auf verschiedene, autarke
Texte bezieht, scheint dem entgegen zu stehen. Allerdings sieht
KRAUSE
auch bei der
inkorporierenden Intertextualität Unterschiede in den Textformen mit intra- und
intertextuellen Bezügen. Zusammenfassungen beispielsweise können in Form von Abstracts
durchaus für sich allein stehen, ihre intratextuelle Bindung ist demnach weniger stark als bei
Fußnoten (Vgl.
KRAUSE
, 2000: S. 65). Online-Teaser, die den Zusammenfassungen durchaus
nahe sind, stehen auf der Startseite einer Website ebenfalls für sich. Noch weiter gehen
technische Möglichkeiten des
WWW
, wie den ,,Feeds"
25
, die eine Art Newsticker-
Abonnement darstellen, bei dem der Nutzer von Online-Medien in Form einer Auflistung von
Überschriften und meist auch der entsprechenden Vorspanntexte über neue Artikel des
Mediums informiert wird, so sticht die Eigenständigkeit des Teasers noch deutlicher hervor.
Ein weiteres Beispiel für die Nutzung von Teilen des Teasers, Dachzeile und Überschrift,
abseits der Startseite, lässt sich bei Spiegel Online finden. Dort wird die Möglichkeit
angeboten, mit der Software ,,Twitter"
26
informiert zu werden darüber, ob ein neuer Artikel
veröffentlicht wurde. Als ankündigender Text werden dabei Dachzeile und Überschrift
genutzt (Vgl.
SPIEGEL ONLINE
, http://twitter.com/SPIEGEL_Top).
25
,,Feeds werden meist von den Betreibern von Nachrichtenseiten, Weblogs und Foren angeboten, um über
neue Artikel und Beiträge auf dieser Website zu informieren. So kann der Besucher, auch ohne die Website
explizit aufzusuchen, erkennen, ob für ihn interessante Beiträge vorliegen." (
SPIEGEL WISSEN
, Feedreader)
26
Twittern, engl. zwitschern, schnattern. Kurze Textnachrichten (max. 140 Zeichen) die als eine Art Blog
veröffentlicht werden. Mit einem Feed-Reader lassen sich diese Nachrichten abonnieren und verfolgen
(
SPIEGEL WISSEN
, Twittern)
69
Obwohl der Online-Teaser ein Text-in-Relation ist, setzt er sich nicht mit dem Haupttext
auseinander, wie es Paratexte bei literarischen Texten und Abstracts im wissenschaftlichen
Kontext tun, sondern er greift den thematischen Kern des Textes auf. Er ist also über das
Thema des Haupttextes an denselben gebunden. Die asymmetrische Abhängigkeit wie bei
Abstracts ist jedoch gegeben. Der Online-Teaser entsteht zeitlich erst im Anschluss des
Haupttextes, als dessen Kurzfassung mit einem mehr oder weniger deutlich anreißenden
Charakter. Die intertextuellen Bezüge zwischen Teaser und Haupttext kommen dabei in allen
drei Ebenen Dachzeile, Überschrift und Vorspanntext zum Ausdruck, wobei in der
Überschrift der Inhaltskern des Haupttextes besonders komprimiert wird. Im Vorspanntext
wird der intertextuelle Bezug noch einmal verstärkt, durch den mit Worten wie ,,mehr"
gesetzten Hyperlink zum Haupttext. Teilweise ist auch der Name des Autors des Haupttextes
erwähnt.
In den gewählten Mehrebenenmodellen werden ebenfalls die thematische Entfaltung und
Textstrukturierung als Kriterien genannt. Beide Punkte stehen in einem
Wechselwirkungsverhältnis.
Die Textstrukturierung des Online-Teasers unterscheidet sich je nach Darstellungstyp, wie in
der Klassifikation von
HOOFFACKER
zu sehen ist. Bezogen auf die Exemplare des Korpus'
dieser Arbeit lassen sich jedoch folgende Strukturmerkmale bei allen drei Online-Medien
erkennen
27
:
Dachzeile
Überschrift
[Bild]
Vorspanntext
[Themenergänzende Überschriften-Teaser]
Insbesondere der Vorspanntext lässt sich in seiner Textstrukturierung weiter untergliedern in:
Text
[Autorname]
[Angabe des gegenwärtigen Orts des Autors]
[Kennzeichnung einer meinungsbetonten Textsorte, z. B. Kommentar, Interview]
Hyperlink zum Haupttext
[Hyperlink zu Partizipationsangeboten für Rezipienten, z. B. Kommentare,
Forum]
27
Die Ansicht ist angelehnt an
BURGER
(Vgl. 1990: S. 332). Die Angaben in eckigen Klammern zeigen
optionale Strukturelemente.
70
Bei der Textstruktur-Typisierung von
HEINEMANN/VIEHWEGER
steht der Textkern im
Mittelpunkt. Je nach Textsorte kann der Textkern um Initial- und Terminalteil erweitert
werden. Darunter sind konventionalisierte Eröffnungs- oder Schlussformeln zu verstehen.
Wenn die einzelnen Elemente des Online-Teasers als Teiltexte einer Einheit aufgefasst
werden, so lässt sich kein Initialteil ausmachen. Vielmehr bilden Dachzeile, Überschrift und
Vorspanntext den Textkern, der durch die genannten Elemente in seiner thematischen
Entfaltung dreigeteilt ist. Allerdings können Dachzeile und Überschrift alternativ als Initialteil
interpretiert werden, da sie den Inhalt des Textkerns noch komprimierter als der Vorspanntext
zusammenfassen und dabei typografisch sowie gestalterisch hervorgehoben sind. Sie
erreichen damit eine andere Aufmerksamkeit als die Vorspanntexte. Der Textkern wäre dann
nur der Vorspanntext. Gegen diese alternative Betrachtung spricht jedoch, dass die drei
Elemente thematisch aufeinander aufbauen
28
.
Als Terminalteil könnten in jedem Fall der Hyperlink zu dem Haupttext, die optionalen
themenergänzenden Hyperlinks unterhalb des Vorspanntextes sowie die oben genannten
optionalen Elemente des Vorspanntextes gesehen werden, da sie funktional und thematisch
nicht direkt mit dem Textkern verbunden sind und bei den untersuchten Medien alle
typografisch hervorgehoben sind.
Die Textstrukturierung des Online-Teasers unterscheidet sich denn auch deutlich von den
ähnlichen Ankündigungskurztexten in Print-Medien. In einer kurzen, vergleichenden
Auswertung der Titelseiten von Frankfurter Rundschau und Süddeutsche Zeitung
29
ist die
Struktur der Teaser, abgesehen von Schlagzeilenteasern in den Kopfzeilen, wie folgt:
[Dachzeile]
Überschrift
Vorspanntext
[Autorname]
Seitenanzahl
Insbesondere beim Vorspanntext gibt es quantitative Unterschiede. Während die Online-
Teaser der drei ausgewählten Online-Medien im Durchschnitt 179 Zeichen und 2,6 Sätze
umfassten, sind es bei der gedruckten Süddeutschen Zeitung durchschnittlich 72 Zeichen und
ein Satz.
28
Siehe Tab. 3
29
Die Teaser wurden abgetippt und in einem MS-Word-Dokument und sind im Anhang zu finden. Erfasst
wurden die Ankündigungen in der Kopfzeile, in den Seitenspalten sowie die Vorspanntexte der
Aufmacherartikel. Ausgewählt wurden jene beiden Medien, um jeweils ein Medium in traditioneller
(Süddeutsche Zeitung) und moderner Titelseitengestaltung (Frankfurter Rundschau) zu berücksichtigen
71
Die Position und Gewichtung der Teaser variiert zwischen den Print-Medien. Während die
Teaser in der traditionelleren Titelseitengestaltung eine untergeordnete Rolle neben
Aufmacher, Leitartikel und Meldungen spielen, bestehen die Titelseiten mit moderner
Gestaltung ausschließlich aus Teasern von unterschiedlicher Länge. Selbst das Thema des
Tages, das in traditioneller Weise wie bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung oder
Süddeutschen Zeitung als Aufmacherartikel im Lead-Stil gestaltet wird, beschränkt sich bei
der modernen Gestaltung vgl. Frankfurter Rundschau oder Die Tageszeitung auf mehrere
thematisch zusammenhängende Schlagzeilen-Teaser. Festhalten lässt sich jedoch, dass die
Teaser in ihrer Form zwischen verschiedenen Print-Medien stärker variieren als bei
vergleichbaren Online-Medien.
Neben der thematischen Geprägtheit kann auch die thematische Entfaltung
textsortenkonstituierend sein. Ausgehend von den drei Verfahrensmustern narrativ,
deskriptiv und argumentativ die das Mehrebenenmodell von
HEINEMANN/VIEHWEGER
unterscheidet, soll sich nun diesem Aspekt genähert werden.
Im Journalismus sind die Vertextungsmuster abhängig von der jeweiligen Textsorte. Während
Reportagen sowohl narrative als auch deskriptive und argumentative Muster aufweisen,
konzentriert sich die Nachricht oder der Bericht weitgehend auf deskriptive Muster. Im
Kommentar können auch argumentative Muster vorkommen (Vgl.
BRINKER
, 1985: S. 64).
Diese thematische Abhängigkeit trifft prinzipiell auch auf den Online-Teaser zu. Allerdings
nennt
HEINEMANN
in Bezug auf dominant deskriptive Texte einen interessanten Aspekt:
,,Einen Sonderfall deskriptiver Texte stellen Textbeschreibungen dar. Als
materialisierte Resultate kognitiver und kommunikativer Prozesse bilden Texte
gleichfalls Beschreibungsobjekte." (
HEINEMANN
, 2000-3, S. 364,
Hervorhebung im Original)
Als Beispiele werden Abstracts, Inhaltsangaben und Klappentexte von Büchern genannt.
Damit stellt sich die Frage, ob der Online-Teaser ebenfalls in diese Reihe der dominant
deskriptiven Texte zu stellen ist. Als Text-in-Relation, der nicht für sich allein steht, sondern
immer in Bezug auf seinen Haupttext, ließe sich tatsächlich sagen, dass der Online-Teaser den
Haupttext mit seinem Thema in verkürzter Weise beschreibt. Zugleich beschreibt er jedoch
auch den Kern der Informationen, aus denen sich die Nachricht oder der Bericht aufbaut, und
das durchaus so ausreichend, dass der Leser den thematischen Textkern erfahren kann, ohne
auf den Haupttext zurückgreifen zu müssen. Immerhin ließen sich die Kerninformationen der
verlinkten Texte auch anhand der Online-Teaser erkennen. Dies hängt mit dem
journalistischen ,,Prinzip der umgekehrten Pyramide" zusammen, wie es weiter oben bereits
erwähnt wurde (Vgl. auch
MEIER
, 2002: S. 43).
In der Regel trifft dieser Aufbau, dass die
wichtigsten Informationen zuerst genannt werden sollen, auch für den thematischen Aufbau
72
eines Online-Teasers zu. Dies lässt sich noch genauer anhand der drei obligatorischen
Elemente des Teasers Dachzeile, Überschrift und Vorspanntext ausmachen. In der
Dachzeile wird mit einem Stichwort oder einer Wortgruppe der grobe Kontextrahmen des
Themas genannt. In der Überschrift findet sich zumeist der thematische Kern in sprachlich
sehr komprimierter Form.
Beispiele
30
:
1. Wegen fahrlässiger Tötung: Althaus zu Geldstrafe verurteilt
(Vgl. im Korpus: NZ_030309_1)
2. Börsentief: Dow Jones fällt unter 7000 Punkte
(Vgl. im Korpus: SO_020309_2)
3. Menschenrechte in Tibet: Peking bezichtigt Dalai Lama der Lüge
(Vgl. im Korpus: SZ_100309_2)
Ausnahmen sind Artikel zu Themen, die in der Vergangenheit bereits häufiger Teil der
medialen Berichterstattung waren oder Teaser zu Textsorten wie Kommentar, Interview oder
Reportage. Dann können die Überschriften weniger objektiv informationsbetont und
kontextbezogener ausfallen oder Zitate enthalten. In diesem Fall kommt dem Vorspanntext
die Rolle zu, die wesentlichen Informationen des Textthemas zu nennen. Beispiele dafür
sind:
31
1. Drogenkrieg in Mexiko: ,,So viele Leichen, dass wir nicht nachkommen"
(Vgl. im Korpus: NZ_090309_1, Bericht mit Reportage-Elementen)
2. Kurzarbeit bei VW: ,,Das ist wie Urlaub"
(Vgl. im Korpus: NZ_230309_3, Reportage über VW-Arbeiter)
3. Kriminalität: Im Magnetfeld des Meisters
(Vgl. im Korpus: SO_050309_3, Bericht mit Reportage-Elementen)
4. US-Moderator Limbaugh - Provokateur aus Leidenschaft
(Vgl. im Korpus: SZ_050309_3, Porträt)
5. Nach dem Amoklauf in Winnenden - Der Tag danach
(Vgl. im Korpus: SZ_120309_2, Reportage)
Um die Häufigkeit von mehr oder weniger informationsbetonten Überschriften aus
quantitativer Sicht zu untersuchen, wurden die Überschriften der ausgewählten Teaser des
Korpus' hinsichtlich ihrer Informationalität betrachtet. Da sich nicht immer alle Überschriften
30
Vor dem Doppelpunkt ist jeweils die Dachzeile, nach dem Doppelpunkt die Überschrift notiert.
31
Vor dem Doppelpunkt ist jeweils die Dachzeile, nach dem Doppelpunkt die Überschrift notiert.
73
eindeutig zuordnen lassen, vermittelt die Auswertung lediglich eine Tendenz. Es ergibt sich
folgendes Bild:
Tab. 2:
Übersicht zu Überschriftarten
Überschrift vermittelt
thematischen Kern (in
Prozent)
Überschrift besteht aus Zitat
oder nicht an W-Fragen
orientiert (in Prozent)
Netzeitung
81,4
18,6
32
sueddeutsche.de
41,9
58,1
33
Spiegel Online
83,4
16,2
34
Während das Verhältnis der beiden Überschriftenarten bei Spiegel Online und Netzeitung
sehr ähnlich ausfällt, findet sich bei sueddeutsche.de das entgegengesetzte Bild. Knapp zwei
Drittel der Überschriften geben nicht den thematischen Kern wieder. Bei einer genaueren
Betrachtung fällt auf, dass knapp die Hälfte jener Artikel von der tagesaktuellen Print-
Ausgabe der Süddeutschen Zeitung übernommen wurde. Zwar lassen sich durchaus
Unterschiede im Umgang mit Überschriften zwischen Online- und Print-Medien ausmachen,
aber ob dies für eine Erklärung der hohen Zahl an nicht-informationsbetonten Überschriften
ausreicht, ist fraglich. Immerhin sind auch rund ein Drittel der Artikel mit
informationsbetonten Überschriften aus der Printausgabe entnommen. Generell lässt sich bei
sueddeutsche.de sagen, dass entweder die Dachzeile oder die Dachzeile in Kombination mit
der Überschrift den thematischen Kern abdecken. Hingegen sind bei Spiegel Online und
Netzeitung die Überschriften als Informationsträger stärker betont.
In Bezug auf die thematische Entfaltung lohnt auch ein präziserer Blick auf die
Vorspanntexte, da die Entfaltung dort abhängig vom Funktionstyp des Teasers erscheint.
Entsprechend der Klassifikation
HOOFFACKER
s bieten die zusammenfassenden Teaser in der
Regel mit ihrer informationellen Geschlossenheit einen deskriptiven Zugang, d. h., ein
Ereignis wird in seinen wichtigsten Fakten beschrieben. Auch
BRINKER
sieht Nachrichten
und Berichte als charakteristische Textsorten mit deskriptivem Vertextungsmuster an (Vgl.
BRINKER
, 1985: S. 60).
32
Hinzugezählt wurden: NZ_050309_1, NZ_090309_1, NZ_110309_1, NZ_120309_1, NZ_130309_3,
NZ_230309_3, NZ_250209_3, NZ_270209_1
33
Hinzugezählt wurden: SZ_020309_1, SZ_030309_2, SZ_040409_1, SZ_040409_2, SZ_040409_3,
SZ_050309_1, SZ_050309_2, SZ_050309_3, SZ_090309_1, SZ_090309_2, SZ_090309_3, SZ_100309_1,
SZ_110309_1, SZ_120309_2, SZ_130309_2, SZ_230209_1, SZ_230209_3, SZ_240209_1, SZ_240209_2,
SZ_240209_4, SZ_250209_1, SZ_250209_2, SZ_260209_1, SZ_260209_3, SZ_270209_1,
34
Hinzugezählt wurden: SO_030309_2, SO_050309_3, SO_100309_1, SO_110309_1, SO_120309_1,
SO_130309_1, SO_250209_2
74
Demgegenüber sind Offene Frage-/Cliffhanger-Teaser zwar auch deskriptiv, allerdings lassen
sie am Ende des Vorspanntextes direkt oder indirekt Fragen offen.
In einer quantitativen Auswertung der insgesamt 129 Online-Teaser des Korpus' nach den
Funktionstypen ergibt sich folgendes Bild:
Tab. 3:
Quantitative Auswertung der funktionalen Teaser-Typen (Einzelne Zuordnungen
siehe Anhang)
Zusammenfassend
Indirekt offene Frage
Offene Frage
In absoluten Zahlen
27
97
5
In Prozent
20,9
75,2
3,9
Diese Auswertung zeigt zwar ein deutliches Bild dahingehend, dass die meisten Teaser ihrer
Funktion nach als indirekte Cliffhanger-Teaser einzuordnen sind. Allerdings ist das Ergebnis
auch nur als Tendenz zu sehen, da sich die Zuordnung nur schwer objektivieren lässt. Sie ist
abhängig vom Wissensstand und den Interessenpunkten eines jeden Rezipienten. Wie die
Zuordnung der einzelnen Teaser des Korpus' zustande kam, ist im Anhang in den
Einzelauswertungen nachzuvollziehen.
Aufbauend auf diesem Ergebnis stellt sich nun die Frage, wie das Phänomen der indirekt
offenen Frage linguistisch einzuordnen ist. Beim indirekten Cliffhanger-Teaser wird keine
direkte Frage gestellt, vielmehr wird ein implizites Fragen beim Rezipienten herausgefordert,
indem bestimmte Informationen des Haupttextes im letzten Teaser-Satz nur unvollständig
thematisiert werden bzw. mit anderen Informationen in Beziehung gesetzt werden, ohne die
möglichen Hintergründe zu nennen. Da im Haupttext die indirekt aufgeworfenen Fragen in
der Regel beantwortet werden, könnte man sagen, dass das deskriptive Vertextungsmuster der
Online-Teaser bewusst unvollständig bleibt, um mit dem Haupttext jene Informationslücken
zu schließen. Dies würde sich auch mit dem Cliffhanger-Prinzip decken, wie es
HEIJNK
beschreibt, wonach ,,eine interessant erscheinende Information nur angedeutet und für den
Haupttext in Aussicht gestellt wird" (Vgl.
HEIJNK
, 2002: S. 56). Entscheidend wäre in diesem
Zusammenhang, dass der Online-Teaser keine Informationen in Aussicht stellt, die der
Haupttext anschließend gar nicht bietet.
Zum Beispiel:
Erklärungsbrief zu Piusbrüdern
Papst übt Selbstkritik
Papst Benedikt XVI. hat Fehler beim Umgang mit Holocaust-Leugner Williamson
75
eingeräumt und Verstimmungen im Verhältnis zu den Juden zutiefst bedauert. Das
Internet hat er in der Causa Williamson unterschätzt.
(Vgl. im Korpus: SZ_110309_2)
Als indirekt offene Frage stellt sich bei diesem Teaser: Warum hat der Papst das Internet
unterschätzt? Im Haupttext werden folgende Informationen nachgereicht, um das deskriptive
Vertextungsmuster zu vervollständigen:
In diesem Zusammenhang räumte der Papst auch ein, im Fall Williamson die
Bedeutung des Internets unterschätzt zu haben. Ein ,,aufmerksames Verfolgen der im
Internet zugänglichen Nachrichten" hätte es ermöglicht, ,,rechtzeitig von dem Problem
Kenntnis zu erhalten. Ich lerne daraus, dass wir beim Heiligen Stuhl auf diese
Nachrichtenquelle in Zukunft aufmerksamer achten müssen", so Benedikt XVI.
(Vgl. im Korpus: SZ_110309_2)
Obwohl bei der quantitativen Auswertung des Korpus hinsichtlich der Teaser-Typen aus
funktionaler Sicht die Variante der indirekten Cliffhanger dominierte, lohnt trotzdem ein
kurzer Blick auf die immerhin zu knapp einem Fünftel vertretenen zusammenfassenden
Teaser. Hier zeigt sich, dass sie für Nachrichten eingesetzt werden, die allein durch ihre
Brisanz bzw. ihren hohen Aufmerksamkeitsgrad eine hohe Lesemotivation erzeugen.
Zum Beispiel:
Unglück in der Steiermark
Staatsanwalt klagt Althaus wegen fahrlässiger Tötung an
Der Skiunfall von Dieter Althaus kommt in Österreich vor Gericht. Die
Staatsanwaltschaft Leoben hat Anklage gegen den Thüringer Ministerpräsidenten
wegen fahrlässiger Tötung erhoben - er selbst übernimmt den Ermittlern zufolge
inzwischen die Verantwortung für den Tod von Beata C.
(Vgl. im Korpus: SO_020309_3)
Allerdings lässt sich dies auch nicht verallgemeinern, da ebenfalls Teaser mit brisanten
Themen im indirekten Cliffhanger-Prinzip aufbereitet werden.
Zum Beispiel:
Kurssturz
Dax fällt unter 4000 Punkte
Absturz an der Börse in Frankfurt: Der Dax ist erstmals seit Herbst 2004 unter die
Marke von 4000 Punkten gerutscht. Schlechte Nachrichten kamen auch von den US-
Börsen.
(Vgl. im Korpus: SO_230209_2, Die indirekt offene Frage könnte lauten: Welche
schlechten Nachrichten kamen von den US-Börsen?)
Diese Verknappung der Information am Ende des Teasers mit dem Verweis auf den Haupttext
kann nach dem Modell von
HEINEMANN/VIEHWEGER
als taktisches Einzelverfahren, als
Teil eines strategischen Konzepts zur Textherstellung angesehen werden. Die Verknappung
dient der zusätzlichen Spezifikation der Entfaltung des Text-Themas und des
Vertextungsmusters (Vgl.
HEINEMANN/VIEHWEGER
, 1991: S. 159).
76
Das Beschreiben des thematischen Kerns bei einem gleichzeitigen Auslassen relevanter
Hintergrundinformationen erhöht demnach die Aufmerksamkeit und soll zur Gesamtlektüre
motivieren. Die Verknappung korreliert zugleich wieder mit der Textstrukturierung. Da auf
den Startseiten der Websites ein Überblick über das gesamte Informationsangebot geleistet
werden soll und dies mit langen Haupttexten nicht optimal möglich wäre, müssen die Teaser-
Texte dementsprechend kurz ausfallen. Der besondere Aufbau des Vorspanntextes mit einem
lückenhaften Beschreibungsmuster ist zudem aus dem Zusammenspiel aus informierender
und steuernder Funktion heraus zu schließen.
Wie bereits mehrfach erwähnt, erfüllen die drei obligatorischen Teaser-Elemente Dachzeile,
Überschrift und Vorspanntext unterschiedliche Funktionen. Interessant ist zudem, wie die
einzelnen Teile als kohärente Einheit in das Thema des Haupttextes einführen. Am folgenden
Beispiel sollen abschließend für dieses Kapitel die impliziten und expliziten
Wiederaufnahmen zwischen den einzelnen Elementen aufgezeigt werden:
Eil-Urteil in Österreich
Althaus muss 33.300 Euro Strafe für tödlichen Skiunfall bezahlen
Alles ging ganz schnell: Ein Gericht in Österreich hat den Thüringer
Ministerpräsidenten Dieter Althaus wegen fahrlässiger Tötung von Beata C.
schuldig gesprochen. Er muss eine Geldstrafe bezahlen - das Urteil fiel nur einen
Tag nach Anklageerhebung und eine Stunde nach Prozessbeginn.
(Vgl. im Korpus: SO_030309_1)
Tab. 4:
Übersicht über explizite und implizite Wiederaufnahmen bei Teaser-Elementen
Element-
Verbindung
Explizite
Wiederaufnahme
Implizite
Wiederaufnahme
Dachzeile Überschrift
Eil-Urteil > Strafe bezahlen
Österreich > tödlicher
Skiunfall
Dachzeile Vorspanntext
Österreich > Österreich
Eil-Urteil > Gericht in
Österreich
Eil-Urteil > Schuldig
gesprochen
Eil-Urteil > Geldstrafe zahlen
Eil-Urteil > Alles ging schnell
Eil-Urteil > Urteil einen Tag
nach Anklageerhebung und
eine Stunde nach
Prozessbeginn
77
Überschrift Vorspanntext
Althaus > Thüringer
Ministerpräsident > Dieter
Althaus
33.000 Euro Strafe >
Geldstrafe
Strafe > Gericht
Tödlicher Skiunfall >
Fahrlässige Tötung von Beata
C.
6.4
Formulierungsadäquate Aspekte
In diesem letzten Kapitel der Mehrebenenanalyse geht es um syntaktische und lexikalische
Spezifika, die stilistische Besonderheiten hervorbringen und somit auch
textsortenkonstituierend sein können.
Zuvor soll jedoch untersucht werden, inwieweit bestimmte Kommunikationsmaximen gelten,
die Einfluss auf die formulierungsadäquaten Aspekte haben können. Nach
HEINEMANN/VIEHWEGER
,,grenzen [derartige Kommunikationsmaximen] den Spielraum
potentieller Formulierungsalternativen entsprechend den Besonderheiten einer bestimmten
Textklasse ein und bilden so den Rahmen für charakteristische Textformulierungen" (Vgl.
HEINEMANN/VIEHWEGER
, 1991: S. 166). Schaut man auf die oben genannten
Empfehlungen der journalistischen Ausbildung muss der Online-Teaser gemäß seiner
Platzierung auf den Startseiten der Online-Medien kurz, sachlich und trotzdem sprachlich
prägnant sein, um seiner Funktion dem Ankündigen und Anreizschaffen zur Lektüre des
verlinkten Haupttextes gerecht zu werden. Vergleicht man die drei untersuchten Online-
Medien hinsichtlich des Umfangs der Online-Teaser, so lassen sich leicht variierende Zahlen
feststellen.
Tab. 5:
Durchschnittlicher Umfang der Überschriften
Netzeitung
Spiegel Online
Sueddeutsche.de
Gesamt
Anzahl der Wörter
5,3
5,5
4,4
5,1
Zeichen
(ohne Leerzeichen)
35
40
28
34,3
Aus durchschnittlich fünf Wörtern bestehen die Überschriften der untersuchten Online-
Teaser, wobei Netzeitung und Spiegel Online ein ähnliches Niveau aufweisen. Bei
sueddeutsche.de liegt der jeweilige Umfang dagegen unter dem Durchschnitt allerdings
nicht so weit, als dass sich zwei konträre Tendenzen ausmachen ließen.
78
Beim Umfang der Vorspanntexte gibt es jedoch größere Differenzen zwischen den Online-
Medien.
Tab. 6:
Durchschnittlicher Umfang der Vorspanntexte
Netzeitung
Spiegel Online
Sueddeutsche.de
Gesamt
Anzahl der Wörter
(ohne Zusatzangaben
zu Autoren, Orten,
Textsorten)
28,3
37,0
26,1
30,5
Zeichen
(ohne Leerzeichen)
179
196
161
178,7
Anzahl der Sätze
2,4
3,3
2,2
2,6
Sowohl bei den Überschriften als auch bei den Vorspanntexten gibt es zwischen den drei
Online-Medien mehr oder weniger deutliche Unterschiede, wobei Spiegel Online in allen
Punkten die umfangreichsten Online-Teaser produziert. Im Durchschnitt lassen sich allerdings
durchaus Vorgaben für das Verfassen und Erkennen von Online-Teasern erkennen: Demnach
handelt es sich bei den Vorspanntexten um Kurztexte von zwei bis drei Sätzen mit insgesamt
30 Wörtern. Diese Knappheit lässt sich als eine entscheidende Kommunikationsmaxime
formulieren. Hinzu kommt die Funktion einen Anreiz zu schaffen für die Lektüre des
Haupttextes. Neben dem unvollständigen, deskriptiven Vertextungsmuster ist dabei die Frage,
wie die nötige Prägnanz auch lexikalisch und syntaktisch erreicht wird. Diese Ergebnisse
decken sich mit den Empfehlungen der journalistischen Ratgeber (Vgl.
LACKERBAUER
,
2003/Vgl.
HOOFFACKER
, 2004).
Für die syntaktische und lexikalische Analyse wurden bestimmte Aspekte quantitativ aus dem
Korpus erfasst, um sie anschließend zu interpretieren. Diese Ergebnisse lassen jedoch keine
generalisierenden Aussagen zur Lexik und Syntax des Online-Teasers zu, da sich bei einigen
untersuchten Parametern deutliche Unterschiede zwischen den drei Online-Medien gezeigt
haben. Allerdings sind auch hier gewisse Tendenzen abzulesen, die textsortenkonstituierend
gedeutet werden können. In den nächsten beiden Unterkapiteln werden die
zusammengefassten Daten aller drei untersuchten Online-Medien vorgestellt. Die Ergebnisse
der einzelnen Textexemplare sowie die Zusammenfassungen der einzelnen Medien finden
sich im Anhang.
79
6.4.1
Syntaktische Aspekte
Bei der syntaktischen Betrachtung wurden die beiden Hauptelemente des Online-Teasers,
Überschrift und Vorspanntext, getrennt voneinander untersucht. Im Mittelpunkt stehen die
Fragen, welche Satztypen vorwiegend zu finden sind, welchen Komplexitätsgrad sie
aufweisen und ob sich besondere Gliederungsformen etabliert haben, die
textsortenkonstituierend sein könnten. Die einzelnen untersuchten Parameter lauten:
Überschrift hinsichtlich:
Umfang (Zeichen/Wörter)
Satzbau:
Einfacher Hauptsatz
Setzung ohne Verbelement
Setzung mit Verbelement (zumeist Partizip)
(Angelehnt an: SIMON, 2004: S. 165)
Vorspanntext hinsichtlich:
Umfang (Zeichen/Wörter)
Dominierender Satztyp
Verhältnis Hauptsätze, Nebensätze
Komplexitätsgrad
(Angelehnt an: HEINEMANN/HEINEMANN, 2002: S.
148)
Beginnend mit den Überschriften ergibt sich folgendes Bild beim Satzbau:
Tab. 7:
Satzbau der Teaser-Überschriften
Netzeitung
Spiegel Online
Sueddeutsche.de
Gesamt
Einfacher Hauptsatz
29
38
21
88
Setzung ohne
Verbelement
9
5
17
31
Setzung mit
Verbelement
5
0
5
10
Zwei Drittel aller untersuchten Überschriften sind als einfache Hauptsätze zu klassifizieren.
Dies deckt sich ebenfalls mit den Beobachtungen von
SIMON
(Vgl. 2004: S. 166), die
ihrerseits von Barbara Sandigs Überschriftenanalyse sowie den Empfehlungen von Lese- und
Verständlichkeitserkenntnissen bestätigt wurden, wonach mit einfachen Hauptsätzen die
80
Informationen sehr deutlich und klar dargestellt werden können. Auch in diesem Korpus
finden sich trotz der Kürze der einfachen Hauptsätze weitere Reduzierungen im Satzbau. So
werden Artikel häufig weggelassen. Allerdings kann die Dominanz der einfachen Hauptsätze
dahin gehend erklärt werden, dass Überschriften die prägnantesten Punkte beim
überfliegenden Lesen am Bildschirm darstellen. Sie müssen die Kernaussage des Haupttextes
deutlich formulieren. Die journalistischen Ratgeber raten daher von uneindeutig formulierten
Überschriften ab, da sich beim Überfliegen der thematische Kontext eines Textes sonst nur
schwer nachvollziehen lässt (Vgl.
LACKERBAUER
, 2003: S. 102 f).
Zum Beispiel:
SPD-Innenminister schalten V-Leute ab (Vgl. im Korpus: SO_240209_2)
Lehrerin verhinderte in Winnenden Schlimmeres (Vgl. im Korpus:
NZ_110309_3)
Eine weitere Reduktion findet bei den Setzungen statt
35
, die entweder mit oder ohne
Verbelement versehen sind. In der Regel wird ein Partizip als Verbelement eingesetzt, um ein
vergangenes Ereignis zu beschreiben. Allerdings ist die Form ohne Verbelement (1) bei den
untersuchten Online-Teasern dreimal häufiger angewandt als mit Verbelement (2). Als
Beispiele seien genannt:
(1)
Provokateur aus Leidenschaft (Vgl. im Korpus SZ_050309_3)
(2)
Mutmaßlicher Mafia-Killer gefasst (Vgl. im Korpus: SZ_130309_1)
Dass es sich bei den Überschriften um kurze Sätze handelt, zeigt auch ein Blick auf den
Umfang in Bezug auf die Zeichen- und Wortzahl, wie in Tabelle 4 bereits zusammenfasst:
Dies wird auch in der Anzahl der Sätze im Vorspanntext deutlich, wie es in Tabelle 5
nachzuvollziehen ist. Im Durchschnitt betrachtet, bestehen die untersuchten Online-Teaser
aus zwei bis drei Sätzen und insgesamt 30 Wörtern.
Dass der Online-Teaser trotz seiner Kürze nicht zwingend aus reduzierten Sätzen besteht,
zeigt ein Blick auf die folgenden beiden Tabellen. Ausgangspunkt war eine Analyse der
Satztypen und der Komplexität der Sätze.
35
,,S e t z u n g e n sind grammatisch unvollständige Äußerungen, denen ein konstitutives Element fehlt" (Vgl.
LÜGER
, 1995: S. 24, Hervorhebung im Original)
81
Tab. 8:
Satztypen der Teaser-Vorspanntexte
Netzeitung
Spiegel Online
Sueddeutsche.de
Gesamt
Einfacher Satz
75
83
47
205
Satzverbindung
(Parataxe)
15
18
23
56
Satzgefüge
(Hypotaxe)
9
19
12
40
Satzverbindung +
Satzgefüge
0
3
1
4
Ellipsen
3
17
10
30
Tab. 9:
Komplexitätsgrad der Sätze
36
Netzeitung
Spiegel Online
Sueddeutsche.de
Gesamt
Kurze Sätze
(3-5 Wörter)
8
20
13
41
Sätze mittlerer Länge
(6-9 Wörter)
22
45
21
88
Sätze mittlerer Länge
(10-20 Wörter)
69
65
50
184
Lange Sätze
(> 20 Wörter)
3
10
9
22
Zwar dominiert in allen drei Online-Medien der einfache vor dem zusammengesetzten Satz,
doch dies sagt noch nichts über die Komplexität des Aufbaus aus. Denn ca. 80 Prozent aller
Sätze der untersuchten Online-Teaser sind mittlerer Länge, wobei hier auch nochmals
unterteilt wurde in zwei Komplexitätsstufen. Hier zeigt sich, dass ein Großteil aller Sätze
zwischen zehn und zwanzig Wörtern umfasst.
SOWINSKI
betont, dass Sätze mittlerer Länge
u.a. für das Schreiben von Pressetexten bevorzugt werden (Vgl.
SOWINSKI
, 1999: S. 90).
Nach
LÜGER
s Untersuchungen von Mitte der 1990er Jahre war die Zahl an einfachen und
zusammengesetzten Sätzen in den überregionalen und regionalen Abonnement-Printzeitungen
Deutschlands gleichmäßiger verteilt. Obwohl LÜGER eine Tendenz zu einfachen und
kürzeren Sätzen ausmachte, erstaunt die analysierte hohe Zahl an langen Sätzen mit mehr als
36
Die Einteilung ist angelehnt an
SOWINSKI
(Vgl.
1999: S. 90 f). Die Unterteilung der Sätze mittlerer Länge
wurde von mir gewählt, um einen genaueren Überblick zu bekommen.
82
zwanzig Wörtern, die bei den hier untersuchten Online-Teasern hingegen nur eine marginale
Rolle einnehmen (Vgl.
LÜGER
, 1995: S. 22 f).
Insofern ist der Online-Teaser in Bezug auf die Komplexität der Sätze keine Ausnahme, da er
auch die für Pressetexte typischen Erweiterungen mit adverbialen Angaben und Attributen
aufweist (Vgl. Ebenda, 1995: S. 25). Allerdings ist eine Dominanz der einfachen Sätze
festzustellen, während zusammengesetzte Sätze nur etwa halb so oft zu finden sind.
Bei den Satztypen besteht auch keine komplette Übereinstimmung zwischen den Medien.
Während bei Spiegel Online und Netzeitung die einfachen Sätze klar dominieren, zeigt sich
bei sueddeutsche.de eine nicht ganz so starke Dominanz. Hier sind Satzverbindungen und
Satzgefüge nur zu ca. einem Drittel weniger vertreten, während sie im Gesamtvergleich aller
drei Online-Medien nur weniger als ein Drittel aller Sätze in den Online-Teasern ausmachen.
Einfache Sätze sind leichter zu rezipieren, insofern sind sie besonders für das Lesen am
Bildschirm geeignet. Allerdings heißt dies nicht, dass sie nicht erweitert werden, um mehrere
Informationen zu konzentrieren. Daher lässt sich die Häufung der relativ komplexen Sätze
möglicherweise erklären. Allerdings ist dies nicht zu pauschalisieren, da zwischen
verschiedenen Medien teilweise enorme stilistische Unterschiede festzustellen sind.
37
Zwar
nicht empirisch untersucht, aber als Tendenz feststellbar ist, dass die Teaser kaum von dem
für die Pressesprache typischen Substantivierungen des Nominalstils geprägt sind. Somit
scheint die mittlere Komplexität in erster Linie auf attributiven und adverbialen
Erweiterungen, wie weiter oben bereits als Blockbildung erwähnt, zu beruhen.
In der Betrachtung der Sätze der Vorspanntexte wurden auch die Besonderheiten der
zusammengesetzten Sätze beachtet.
Tab. 10:
Verhältnis Hauptsatz Nebensatz bei Satzgefügen
(Satzbezeichnungen nach Duden Grammatik, 2006)
Netzeitung
Spiegel Online
Sueddeutsche.de
Gesamt
Relativsatz
3
5
3
11
Inhaltssatz
5
9
4
18
Verhältnissatz
1
5
5
11
Bei den Satzgefügen ging es um die Erfassung der Nebensatzarten. Zwar lässt sich keine
einheitliche Dominanz einer Art bei den drei untersuchten Online-Medien feststellen,
37
Vgl.
LÜGER
(Vgl. 1995, S. 32 f), der gegen eine Pauschalisierung der Pressesprache die stilistischen
Unterschiede zwischen
BILD
und Frankfurter Allgemeine Zeitung nennt.
83
quantitativ hebt sich jedoch der Inhaltssatz hervor. Dies könnte damit zusammenhängen, dass
in der Pressesprache allgemein die Wiedergabe von direkter und indirekter Rede ein wichtiges
Element darstellt, das in Inhaltssätzen realisiert wird. Dies gilt insofern auch für den Online-
Teaser, der in verkürzter Form ebenfalls Zitate von relevanten Personen integriert. Eine
zusätzliche Differenz zwischen Relativ- und Verhältnissätzen hat sich allerdings nicht
gezeigt.
Bei der Betrachtung der Satzverbindungen ging es um die Frage nach der Verknüpfung der
einzelnen Satzteile. Hier wird gemeinhin zwischen syndetischer und asyndetischer
Verknüpfung mit oder ohne Konjunktionen unterschieden.
Tab. 11:
Arten der Satzverbindungen
Netzeitung
Spiegel Online
Sueddeutsche.de
Gesamt
Syndetisch
9
10
13
32
Asyndetisch
6
8
10
24
Etwas mehr als die Hälfte der untersuchten Satzverbindungen in den Online-Teasern des
Korpus sind syndetisch mit einander verbunden. Insofern lässt sich hier eine gewisse
Dominanz von Satzverbindungen mit Konjunktionen feststellen, obwohl gerade die
asyndetische Verknüpfung durch das Fehlen von Konjunktionen Vorteile im Sinne einer
reduzierten und prägnanten Verbindung verschiedener Satzteile aufweist.
Während sich aus der groben Satzanalyse relativ wenige Merkmale herauskristallisieren
lassen, die textsortenkonstituierend sein könnten, fallen zwei Formen der Satz- und
Textgliederung durch ihr gehäuftes Vorkommen auf: der Doppelpunkt und der
Gedankenstrich. In konkreten Zahlen ergibt sich folgendes Bild:
Tab. 12:
Spezifische Interpunktion
Netzeitung
Spiegel Online
Sueddeutsche.de
Gesamt
Doppelpunkt
9
36
14
59
Gedankenstrich
6
22
14
42
(Anzahl der Teaser mit Doppelpunkt/Gedankenstrich)
Die Häufigkeit ist erneut bei allen drei untersuchten Online-Medien keineswegs gleichmäßig
verteilt. Auf das gesamte Korpus bezogen, weisen lediglich 17 Prozent aller Online-Teaser
84
den Einsatz eines Doppelpunkts auf. Mit 12,5 Prozent ist das Verhältnis beim Gedankenstrich
gar noch geringer. Das Gefälle zwischen den Medien ist enorm: Während bei Netzeitung und
sueddeutsche.de nur rund ein Fünftel bzw. ein Drittel aller Teaser einen Doppelpunkt haben,
sind es bei Spiegel Online mehr vier Fünftel. Auch beim Gedankenstrich ist die Häufigkeit
innerhalb der untersuchten Online-Medien verschieden. Bei ca. der Hälfte aller Teaser von
Spiegel Online ist er zu finden. Netzeitung geht generell sehr sparsam mit dem Einsatz beider
Interpunktionszeichen in seinen Online-Teasern um. Dass jene Zeichen durchaus relevant für
die Bestimmung des Online-Teasers sein können, lässt sich aus den Definitionen beider
Zeichen schließen:
,,Der Doppelpunkt signalisiert, dass etwas folgt. Er schafft ohne Konnektoren eine
enge sinngemäße Verbindung zwischen einzelnen Sätzen oder Satzteilen, die
inhaltlich z. B. einer Schlussfolgerung entsprechen kann. Das Prädikat wird vor
dem Doppelpunkt manchmal eingespart. Selbstständige Sätze werden nach dem
Doppelpunkt großgeschrieben." (
DUDEN
, Grammatik, 2006: S. 1074)
,,Der Gedankenstrich dient als Anknüpfungszeichen, das vorzugsweise zur
Signalisierung von stärkeren Einschnitten im Satz- und Textverlauf verwendet
wird. Solche Einschnitte ergeben sich z. B. durch Einschübe im Satz, bei denen
zwischen lockeren Appositionen und Paranthesen unterschieden wird. [...] Im
Übrigen kann der Gedankenstrich Redeunterbrechungen, Pausen oder
Auslassungen signalisieren. Die angeknüpfte Einheit wird dann meist besonders
hervorgehoben." (
DUDEN
, Grammatik, 2006: S. 1074)
Bezogen auf den Doppelpunkt lässt sich für die Betrachtung der untersuchten Online-Teaser
feststellen, dass er tatsächlich als Markierung für etwas relevantes Neues fungiert, das direkt
im nächsten Satz folgt. Entscheidend ist aber auch der Teil vor dem Doppelpunkt, der zumeist
eine Information zuspitzt bzw. zusammenfasst. Nach dem Doppelpunkt wird der
Zusammenhang zwischen beiden Teilen hergestellt.
Beispiele:
1. Mehr als sechs Milliarden Euro: So viel Gewinn hat Volkswagen im
vergangenen Jahr eingefahren [...] (Vgl. im Korpus: SO_020309_1)
2. So tief stand der US-Leitindex seit elfeinhalb Jahren nicht mehr: Kurz nach
Handelsbeginn fiel der Dow Jones am New Yorker Aktienmarkt unter die
Marke von 7000 Zählern. [...] (Vgl. im Korpus: SO_020309_2)
Der Doppelpunkt kann auf reduzierte Weise, durch den Verzicht auf Konjunktionen,
zusammenhängende Informationen verbinden. Er stellt somit ein besonderes Mittel zur
Kohäsionsstiftung dar. Diese Reduktion begünstigt zum einen ein schnelles, überfliegendes
Lesen, wie es bei Online-Medien bevorzugt wird, zum anderen lassen sich Informationen
sprachlich und inhaltlich zuspitzen, um die Aufmerksamkeit zu erhöhen. An dieser Stelle
lohnt auch ein Blick auf die Satzformen vor dem Doppelpunkt, die jene Funktion
85
übernehmen.
Tab. 13:
Satztypen im Vorfeld einer Doppelpunkt-Konstruktion
Netzeitung
Spiegel Online
Sueddeutsche.de
Gesamt
Einfacher Satz
7
21
7
35
Satzverbindung/
Satzgefüge
0
2
1
3
Ellipse
2
13
6
21
Neben dem einfachen Satz sind es in nur geringerem Maße Ellipsen, die im Vorfeld zu finden
sind und durch das Weglassen bestimmter Satzteile auch sehr geeignet scheinen. Diese
Konstruktion aus einfachem Satz oder Ellipse mit einem anschließenden Doppelpunkt ist in
erster Linie beim ersten Satz der Online-Teaser zu finden.
Neu ist der Doppelpunkt im Einsatz des Online-Teasers allerdings nicht, wie SIMON betont.
Sie verweist auf die lange journalistische Tradition der Ausgliederung von Satzteilen oder
einzelnen Wörtern durch den Doppelpunkt, um die Textrhythmik zu akzentuieren (Vgl.
SIMON
, 2004: 187 f).
Eine ähnliche Aufgliederung von Satzverbindungen oder Satzgefügen bzw. ein
Zusammenführen von einfachen Sätzen im Sinne einer stärker pointierten und
leserfreundlichen Textgestaltung ist auch beim Gedankenstrich festzustellen, der, bezogen auf
die drei untersuchten Online-Medien, etwas gleichmäßiger auftritt. Dabei finden sich weniger
Einschübe innerhalb einzelner Sätze wie Paranthesen, sondern Anknüpfungen am Ende eines
Satzes.
Beispiele:
Der einst weltgrößte Versicherer AIG meldet den größten Verlust der
Wirtschaftsgeschichte und drückt den Dow Jones auf unter 7000 Zähler. Alle
Finanztitel verlieren - nur AIG gewinnt.
(Vgl. im Korpus: SZ_020309_1)
Die Szenerie gleicht einem Trümmerfeld: Nach dem dramatischen Einsturz des
Historischen Stadtarchivs werden neun Menschen vermisst. Ein Ex-
Abteilungsleiter erhebt schwere Vorwürfe gegen die Stadt, spricht von einer
"absehbaren Katastrophe" - und beklagt den Verlust wertvoller Dokumente.
(Vgl. im Korpus: SO_030309_2)
In beiden Fällen handelt es sich Satzverbindungen, die syndetisch mit einander verbunden
sind. Allerdings wird zusätzlich zu den vorhandenen Konnektoren noch der Gedankenstrich
zwischen beide Satzteile gesetzt. Damit erhält der letzte Satzteil eine Aufwertung hinsichtlich
86
seiner Stellung im Satz. Hinzu kommt, dass in beiden Beispielen diese letzten Teile auch
dafür verantwortlich sind, dass sich am Ende des Teasers indirekt offene Fragen ergeben, die
erst mit der Lektüre des Haupttextes beantwortet werden können. Häufig ist der Teil nach
dem Gedankenstrich elliptisch, so dass seine Prägnanz weiter erhöht wird.
Ein festes Merkmal für den syntaktischen Aufbau des Online-Teasers ist der Gedankenstrich
ebenso wenig wie der Doppelpunkt. Allerdings erhöht sich deren Prägnanz aufgrund der
Kürze der Online-Teaser beträchtlich, so dass ihnen hier nochmals eine besondere Relevanz
zukommen könnte. Dies ist auch im Sinne der oben formulierten Kommunikationsmaxime für
Online-Teaser.
Da sich das Vorkommen von Doppelpunkt und Gedankenstrich nicht in gleichem Maße für
alle drei untersuchten Online-Medien ausmachen lässt, ist diese Beobachtung für den Online-
Teaser vorerst nicht zu generalisieren. Allerdings lässt die Häufigkeit beider
Interpunktionszeichen bei Spiegel Online darauf schließen, dass sie bei jenem Medium beim
Verfassen von Online-Teasern als textsortenspezifisch gelten.
Nicht empirisch untersucht wurde die mögliche Dominanz bestimmter Satzarten
38
Da es sich
bei den untersuchten Texten um vorwiegend als Nachrichten ausgelegte Texte mit
deskriptiven Vertextungsmustern handelt, wird davon ausgegangen, dass Aussagesätze
häufiger auftreten als die anderen Satzarten.
6.4.2
Lexikalische Aspekte
In diesem letzten Analysepunkt stehen lexikalische Aspekte der untersuchten Online-Teaser
im Mittelpunkt. Auch hier wurden Überschrift und Vorspanntext differenziert betrachtet.
Soweit nicht explizit differenziert, beziehen sich die Aussagen auf beide Elemente. Die
Ergebnisse sind in unten stehenden Tabellen zusammengefasst. Die konkreten Parameter
lauten:
Indikatoren der Textfunktion
Mehrfachkomposita/Ad-hoc-Komposita
Textsortenspezifischer Wortschatz
Fremdwörter/Fachwörter/Kurzwörter
Kollokationen
Stereotype Satzkonstitutive
38
Unterschieden werden die Satzarten: Aussage-, Frage-, Ausrufe-, Aufforderungs- und Wunschsatz (Vgl.
DUDEN
, 2006: S. 902 f)
87
(Angelehnt an:
HEINEMANN
/
HEINEMANN
, 2002: S. 149)
Online-Teaser sind informierend und steuernd. Für die Informationsfunktion lassen sich kaum
explizit performative Formeln wie die Verben ,,informieren", ,,melden", ,,mitteilen" oder
,,berichten" (Vgl.
BRINKER
; 1985: S. 98) finden. Lediglich im Zusammenhang mit
Augenzeugenberichten oder der Angabe von Korrespondenten wird das Verb ,,berichten"
genannt. Im Korpus betrifft dies allerdings nur die folgenden zwei Teaser:
Beim Landeanflug auf den Flughafen Schiphol ist eine Turkish-Airlines-Maschine
abgestürzt. Mindestens neun Menschen kamen ums Leben, mehr als 50 wurden
verletzt. Augenzeugen berichten von dem Unglück.
(Vgl. im Korpus: SZ_250209_1)
Aus Winnenden berichten Julia Jüttner und Anne Seith
Harmlos, sympathisch, schüchtern - so beschreiben Bekannte Tim K., der 15
Menschen tötete. Bei der Mordserie in Winnenden und Wendlingen zeigte der 17-
Jährige seine andere Seite: Selbstsicher habe er gewirkt, sagte eine Augenzeugin
SPIEGEL ONLINE
. "Als denke er, er tue genau das Richtige."
(Vgl. im Korpus: SO_120309_1)
Bei dem ersten Beispiel muss einschränkend erwähnt werden, dass sich das ,,berichten" in
erster Linie auf die Augenzeugen bezieht. Dass das Medium diese Berichte in seine
Berichterstattung integriert, lässt sich nur implizit erschließen.
Meinungsbetonte Texte, wie Kommentare, die nach
BRINKER
in der Regel eine steuernde
Funktion ausüben, werden explizit mit dem Textsortennamen gekennzeichnet.
Die Steuer-Funktion im Sinne der Orientierungshilfe des Teasers innerhalb des
Gesamtangebots eines Online-Mediums wird hingegen durchaus deutlich, und zwar mit dem
farblich und/oder typografisch hervorgehobenen Wort ,,mehr" am Ende des Vorspanntextes.
Da bei einem Großteil der Online-Teaser ein unvollständiges deskriptives Vertextungsmuster
zu finden ist, kann dieses ,,mehr" zur Aufforderung bzw. Empfehlung oder Einladung einer
weiterführenden Lektüre als explizit steuernd gewertet werden.
Hinsichtlich des Wortschatzes lassen sich teilweise nur vage Aussagen treffen. Als typisch für
die Pressesprache im Allgemeinen gelten die so genannten Ad-hoc-Komposita jene
Komposita, die nicht im Wörterbuch aufgeführt sind und nur kontextabhängig zu verstehen
sind, weil sie sich auf einen vorher genannten Begriff oder Sachverhalt als Synonym beziehen
(Vgl.
LÜGER
, 1995: S. 29 f). In den hier untersuchten Online-Teasern nehmen sie jedoch eine
marginale Rolle ein. Wie aus Tab. 13 hervorgeht, gilt dies noch mehr für Mehrfachkomposita
sowie Fremd- und Fachwörter.
88
Tab. 14:
Lexikalische Aspekte
Netzeitung
Spiegel Online
Sueddeutsche.de
Ad-hoc-Komposita
2,4
2,2
2,1
Mehrfachkomposita
0,48
0,6
0,46
Fremd-/Fachwort
0,35
0,55
0,23
(Angaben in Prozent, bezogen auf jeweilige Gesamtwortzahl aller 43 Teaser der einzelnen Meiden
Mehrfachkomposita finden sich in den untersuchten Online-Teasern kaum. Die meisten
Komposita sind aus zwei Lexemen gebildet. Zwar gibt es zwischen den drei untersuchten
Online-Medien erneut gewisse Differenzen bei der Häufigkeit der Parameter, aber
prinzipiell bewegen sich alle Drei auf ähnlich niedrigem Niveau.
Dies könnte als Annahme der Empfehlungen für das Schreiben für Online-Medien zu werten
sein, wonach sich Texte im WWW einer klaren Sprache bedienen sollen. Vor diesem
Hintergrund wäre ein starker Gebrauch von Mehrfach- und Ad-hoc-Komposita sowie Fach-
und Fremdwörtern eher kontraproduktiv (Vgl.
LACKERBAUER
, 2003: S. 82 f).
Spezifische, immer wiederkehrende Einzellexeme, Kollokationen und stereotype
Satzkonstitutive lassen sich für die untersuchten Online-Teaser nicht ausmachen. Lediglich in
Bezug auf die Berichterstattung zu bestimmten Ereignissen können mehr oder weniger feste
Wortverknüpfungen im Sinne von Kollokationen vorkommen.
Beispiele
Trauer nach Katastrophe: (gedachten der Opfer)
,,Am Abend gedachten in Winnenden Tausende der Opfer"
Druck auf bestimmte Personen/Institutionen: (Unter Druck/Druck ausüben)
,,Vor allem die am Conti-Deal beteiligten Banken üben massiven Druck
aus."
,,Damit gerät die Schweiz im Streit um internationale Zusammenarbeit
bei Steuerbetrug unter Druck."
,,General Motors setzt die Regierungen unter Druck"
Katastrophen: (Kamen xx Menschen ums Leben)
,,Mindestens neun Menschen kamen ums Leben, mehr als 50 wurden
verletzt."
Person / Institution in Krisensituation: (Der angeschlagene ...)
,,Der angeschlagene Autozulieferer [...],"
,,Der angeschlagene US-Autohersteller [...]"
89
Eine gewisse Auffälligkeit kann auch steigernden Attributen zugesprochen werden. Als
Beispiele seien hier genannt:
,,harte Einschnitte", ,,strenge Auflagen", ,,magere Bilanz", ,,drastische
Zinssenkung", ,,milliardenschwere Hilfsprogramme", ,,immense Summen",
,,heftige Kritik", ,,harsche Kritik", ,,unfassbare Tat", ,,massive Staatsausgaben"
Allerdings ist auch hier einzuschränken, dass solche Übersteigerungen hauptsächlich bei
Spiegel Online zu finden sind. Zudem bleiben sie in ihrer Häufigkeit ebenso marginal und in
ihrer Struktur zu uneinheitlich.
Das Fehlen von stereotypen Satzkonstitutiven dürfte damit zusammenhängen, dass mit dem
Online-Teaser in der Regel die Rezipienten nicht direkt angesprochen werden, wie es
HEINEMANN/VIEHWEGER
anbringen. Sie betonen, dass derartige Stereotype an bestimmte
Zeitpunkte einer Kommunikationseinheit geknüpft sind: ,,Guten Tag" zur Begrüßung, ,,Wir
verhandeln heute in [...]" als Beginn einer Gerichtsverhandlung oder ,,Ich danke für Ihre
Aufmerksamkeit" als Schluss eines Vortrags (Vgl. 1991: S. 167).
Dass sich zusammenfassend für die untersuchten Online-Teaser kaum lexikalische Spezifika
herausfiltern lassen, kann aus der mangelnden thematischen Geprägtheit resultieren. In
DIMTER
s Worten:
,,Für Texte einer Textklasse, in der das Thema fixiert ist, gilt generell eine relativ
starke Beschränkung des verwendeten lexikalischen Materials, d. h. im Vergleich
zu anderen Textklassen ist bei gleich vielen ,tokens' eine geringere Anzahl von
,types' zu erwarten." (
DIMTER
, 1981: S. 95)
Wie oben bereits erwähnt, kann den Online-Teasern keine übergreifende Thematizität
zugesprochen werden. Vielmehr sind die Themen geprägt von den Ereignissen und
Sachverhalten, die der journalistische Haupttext beschreibend oder kommentierend aufgreift.
90
7
Zusammenfassung und Schlussbemerkung
In dieser Arbeit stand die Frage im Mittelpunkt, ob es sich beim Online-Teaser um eine
eigenständige Textsorte handelt. Dafür wurden einführend die wesentlichen textlinguistischen
und medienwissenschaftlichen Begriffe erläutert, ebenso mögliche begriffliche und praktische
Schwierigkeiten bei der Beschreibung von Textsorten. Die Beschränkung auf Online-Teaser
machte zudem eine genauere Beschäftigung mit den Spezifika des Online-Journalismus nötig,
zu der auch eine grobe Abgrenzung des Online-Teasers von anderen Textsorten mit ähnlichen
Funktionen gehörte. Schließlich wurde mit den Mehrebenenmodellen nach
HEINEMANN/VIEHWEGER
und
HEINEMANN
/
HEINEMANN
ein Kriterienkatalog gefunden
und vorgestellt, der die anfangs erläuterten Probleme der Textsortenbeschreibung
berücksichtigt und als Vorlage für die Analyse eines Text-Korpus', bestehend aus 129
Online-Teasern von drei verschiedenen deutschen Online-Medien, dienen sollte. Die Analyse
geschah in vier Schritten, die ihrerseits nochmals vertieft wurden. Die Online-Teaser wurden
demnach nach funktionalen, situativen, thematisch-strukturellen und formulierungsadäquaten
Aspekten untersucht.
Viele Texte lassen sich im Alltag zwar relativ leicht bestimmten Textsorten zuordnen, aber
die spezifischen Merkmale lassen sich oft nur schwer konkretisieren, da jedes Textexemplar
variieren kann.
ADAMZIK
spricht bei der Klassifikation von einer Skala der Eindeutigkeit der
Zuordnung von Einzeltexten. Demnach gibt es Textsorten mit geringen Abweichungen der
Einzeltexte untereinander wie Formulare oder Verträge. Als nächste Stufe kämen die so
genannten ,,traditionellen" Textsorten, wie Kochrezepte oder Lebensläufe, die sich im Laufe
der Zeit immer stärker konventionalisiert und angeglichen haben. Schließlich gibt es Texte,
die große Varianzen aufweisen und trotzdem aus verschiedenen Gründen zur gleichen
Textsorte gezählt werden können. Dazu werden beispielsweise Presseartikel und Briefe
hinzugezählt (Vgl.
ADAMZIK
, 2004: S. 102). Geht man von solch einer Skala der mehr oder
weniger eindeutigen Zuordnung von Texten zu entsprechenden Textsorten aus, so kann der
Online-Teaser relativ deutlich zugeordnet werden, allerdings weniger durch klar erkennbare
sprachliche Besonderheiten in der Lexik und Syntax, wie dies bei Kochrezepten,
Todesanzeigen oder Wetterberichten beispielsweise der Fall ist. Gerade die essentielle
Verbindung zu einem langen Haupttext macht den Online-Teaser thematisch abhängig, aber
nicht uneigenständig. Denn er muss unter anderen Gesichtspunkten produziert werden als der
Haupttext.
91
In einer Übersicht der untersuchten Parameter werden die wesentlichen Merkmale
zusammengefasst und mögliche textsortenspezifische Punkte herauskristallisiert.
Tab. 15:
Zusammenfassung der ermittelten Merkmale des Online-Teasers
Ebenen
Kriterium
konkrete Analysepunkte
Funktionale
Aspekte
Sich ausdrücken, Kontaktieren,
Informieren, Steuern,
Ästhetisch Wirken
Informationsvermittelnd,
Sachverhalte der Wirklichkeit
Steuernd:
Ankündigen des Haupttextes mit
dem Ziel der Gesamtlektüre,
inklusive der Link-Funktion.
Orientierungshilfe im Angebot des
gesamten Medium
Tätigkeitssituation
Im Dienste übergeordneter
nicht-kommunikativer Tätigkeit
(Journalistisches Schreiben,
Ankündigen eines journalistischen
Textes)
Soziale Organisation der
Tätigkeiten
Institution (Journalismus/
Massenmedien)
Kanal/Medium
Schriftlicher Text, Homepage
(Startseite) eines Online-Mediums
im WWW, lesbar und nutzbar nur
an elektronischen Geräten mit
Software zur Abbildung von
Websites.
Anzahl der Partner
Massenkommunikation, wenige
Produzenten (Journalisten/
Redakteure) richten sich an
unbekannt hohe Zahl an
Rezipienten.
Soziale Rollen der
Interagierenden
Asymmetrisch, Rezpient hat
keinen Einfluss auf
Textproduktion und nur bedingt
Reaktionsmöglichkeiten. Kein
Wechsel der Kommunikations-
rollen möglich. Wer den Text
produziert, ist nicht
nachvollziehbar.
Situative
Aspekte
Umgebungssituation bei
Entstehung und Wahrnehmung
Ort (LOC) und Zeit (TEMP) von
Entstehung und Rezeption sind
nicht synchron
92
Thematische Geprägtheit
Thema abhängig von zu
vermittelnder Information des
Haupttextes
Text-Thema-Entfaltungen
Deskriptives Vertextungsmuster,
im Teaser allerdings bewusst
unvollständig. Erst zusammen mit
Haupttext wird es vollständig
Thematisch-
strukturelle
Aspekte
Textstrukturierung
Feste Bestandteile: Dachzeile,
Überschrift und Vorspanntext.
Interpretationsansätze:
1. Dachzeile/Überschrift sind
Initialteil, Vorspanntext ist
Textkern und Hyperlinks sind
Terminalteil
2. Dachzeile/Überschrift und
Vorspanntext sind Teil-
Texteinheiten, Hyperlinks sind
Terminalteil.
Vorspanntext besteht
durchschnittlich aus 2,6 Sätzen
und ca. 31 Wörtern.
Keine thematische Fixierung des
Textkerns, da keine thematische
Geprägtheit.
Kommunikationsmaximen
Kürze und sprachliche Prägnanz,
aufgrund der Position auf
Startseite.
Formulierungs-
adäquate
Aspekte
Textsortenspezifische
Formulierungsmuster
Syntaktische Spezifika,
bezogen auf Vorspanntext:
2/3 einfache Sätze mit 10 20
Wörtern, 1/3 zusammengesetzte
Sätze mit leichter Dominanz der
Satzverbindungen.
Bezogen auf Überschriften:
Ellipsen und einfache Sätze
Besonderheiten bei Vorspanntext:
Uneinheitliche Häufung von
Doppelpunkt- und
Gedankenstrichkonstruktionen
Lexikalische Spezifika:
Wenige Indikatoren für
Textfunktion. Vorwiegend
zweiteilige Komposita. Marginaler
Einsatz von Fremd- und
Fachwörtern. Keine
konventionalisierten Kollokationen
und stereotype Satzkonstitutive.
93
Stilistische Besonderheiten
Vorwiegend einfache Sätze mit
attributiver Blockbildung. Kaum
Nominalstil, wie für Pressesprache
bisher typisch, Verbalstil ist
vorherrschend.
Verdichtet man die Ergebnisse der vier untersuchten Aspekte noch weiter auf die Punkte, die
als Besonderheiten des Online-Teasers gelten dürften so, ergibt sich folgende Übersicht:
Tab. 16:
Übersicht zu spezifischen Merkmalen des Online-Teasers
Funktional
Situativ
Thematisch-strukturell Formulierungsadäquat
informations-
vermittelnd, implizit
steuernd durch
Orientierungshilfe,
Textankündigung und
Link-Funktion.
Erscheinungsort:
Startseite eines
Online-Mediums
im WWW. Unklare
Autorschaft.
Keine thematische
Geprägtheit.
Unvollständiges
deskriptives
Vertextungsmuster
Feste Struktur:
Dachzeile, Überschrift
und Vorspanntext
Max. 2-3 Sätze.
Einfache Sätze
mittlerer Komplexität.
Uneinheitliche aber
auffällige Häufung
von Doppelpunkt-
und Gedanken-
strichkonstruktionen
Der multifunktionale Charakter, das Auftreten an einem festen Ort im
WWW
, ein besondere
Praxis beim Vertextungsmuster sowie die genannten lexikalischen und syntaktischen
Spezifika lassen sich als textsortenspezifische Merkmale des Online-Teasers herausfiltern.
Allerdings sind selbst diese Merkmale nicht als absolut zu sehen. Denn auch innerhalb dieser
genannten Merkmale sind Variationsmöglichkeiten des Online-Teasers im Allgemeinen und
für jedes Online-Medium im Speziellen zu beobachten. Dies hängt mit den verschiedenen
Teaser-Typen zusammen, wie sie ausführlich vorgestellt wurden. Und es hängt auch mit der
redaktionellen Praxis und dem journalistischen Stil eines jeden Online-Mediums zusammen.
Während Spiegel Online bei einem Großteil seiner Online-Teaser mit Doppelpunkt- und
Gedankenstrichkonstruktionen arbeitet, um die Textrhythmik zu beeinflussen, spielen diese
Interpunktionen bei Netzeitung und sueddeutsche.de nur eine marginale Rolle. In seinem
Umfang von maximal zwei bis drei Sätzen aus insgesamt ca. 30 Wörtern ist der Online-
Teaser zudem als Kurztext festgelegt, ebenso in den essentiellen Elementen Dachzeile,
Überschrift und Vorspanntext. Diese Festlegung auf die Textstruktur sowie auf die Position
an einem bestimmten Ort dürfte für die erfahrenen Nutzer eines Online-Mediums den Online-
Teaser als eigene Textsorte erkennbar machen.
94
Die Frage, inwieweit der Online-Teaser als Text-in-Relation als von einem Haupttext
abhängiger Text eine eigene Textsorte bilden kann, lässt sich mit der Tatsache bejahen, dass
der Online-Teaser an einem anderen Ort der Startseite eines Online-Mediums und mit
einer anderen Funktion informierend und steuernd als der ihm entsprechende Haupttext
auftritt. Hinzu kommt, dass er eigens unter Berücksichtigung der eben genannten
Besonderheiten produziert werden muss, und zwar erst nachdem der Haupttext verfasst
wurde. Die Frage der Autorschaft ist dabei für Außenstehende nicht nachvollziehbar, da der
Online-Teaser nicht zwingend von den jeweiligen Autoren des Haupttextes verfasst sein
muss, noch dazu, wenn man bedenkt, dass zahlreiche Nachrichtentexte von
Nachrichtenagenturen stammen, die von den Online-Medien mehr oder weniger geändert und
um eigene Recherchen ergänzt werden.
Zu vermuten ist, dass die Online-Redakteure das Verfassen der Online-Teaser übernehmen,
sobald sie entweder die Agenturtexte dem Medium entsprechend aufbereitet oder den von
einem eigenen Autoren des Mediums verfassten Text redigiert haben. Erst dann wird
entschieden, an welcher Stelle der Startseite und mit welchem Teaser-Typ der Haupttext
angekündigt wird. Dass der Online-Teaser auf der Webseite mit dem Haupttext bei allen
untersuchten Online-Medien nochmals in inhaltlich identischer aber typografisch
hervorgehobener Form ganz oben erscheint, mag widersprüchlich wirken. Immerhin wurde
der Rezipient durch den Teaser von der Startseite bereits auf jene Webseite gelockt.
Strukturell erfüllt der Teaser dann die Rolle des klassischen Vorspanns wie er in
Printzeitungen zu finden ist. Zwar sind auch im Print-Bereich die Grenzen zwischen
zusammenfassendem und anreißendem Vorspann fließend, so dass die Doppelung bei den
Online-Medien nicht per se widersinnig ist. Der Grund für die Doppelung ist aber ein anderer:
Der bereits bekannte Teaser soll auf der Seite des Haupttextes zeigen, dass sich der Rezipient
auf der richtigen Seite befindet (Vgl.
LACKERBAUER
, 2003: S. 104).
In erster Linie gehört der Online-Teaser jedoch auf die Startseite einer Website. Und damit ist
er wichtiger Teil eines Hypertextes. Als Link mit relativ vielen Informationen über die
folgende verlinkte Seite ist er ein so genannter Knoten in dem gesamten Netz. Diese
hypertextuelle Integrität unterscheidet den Online-Teaser strukturell auch von seinem Pendant
in den Print-Zeitungen, bei denen auf den Titelseiten neben Aufmacher, Leitartikel und
einigen Meldungen auch Kurztexte zu finden sind, die auf ausführliche Texte im Innenteil
hinweisen. Allerdings übernimmt der Teaser hier nur eine Verweisfunktion, während er im
WWW selbst als Link und damit als essentieller Teil der Mediennutzung zu sehen ist.
Einschränkend muss jedoch gesagt werden, dass der Online-Teaser nicht den einzigen Knoten
zu den Haupttexten darstellt. Die einzelnen Websites der Online-Medien sind komplex und
95
anhand thematischer Kongruenzen mit einander verbunden bzw. über Suchfunktionen oder
Sitemaps zu finden.
Die Bedeutung des Online-Teasers ist für ein Online-Medium mit großem inhaltlichen
Angebot und permanenter Aktualisierung also nicht zu unterschätzen. Die Relevanz zeigt sich
auch in der Prominenz, mit der der Online-Teaser in seiner Funktions- und Wirkungsweise in
journalistischen Ratgebern vorgestellt wird. Dass er auch eigenständig genug ist, um als
eigene Textsorte gelten zu können, sollte in den Tendenzen der Ergebnisse dieser Arbeit
deutlich geworden sein.
Was die intensive Beschäftigung mit dem Online-Teaser resümierend zudem deutlich machte,
ist das Ineinandergreifen der verschiedenen Beschreibungsebenen, wie sie in den
angewandten Mehrebenenmodellen entwickelt wurden. Aus der Multifunktionalität des
Teasers und seinem situativen Kontext in Bezug auf die besondere Stellung in den Online-
Medien ergeben sich verschiedene Anforderungen an thematische Vertextungsmuster sowie
lexikalische und syntaktische Aspekte. Dass nicht in allen Ebenen deutlich abgrenzbare
Merkmale zu finden sind, dürfte dabei im Sinne von
HEINEMANN/VIEHWEGER
nicht als
Mangel empfunden werden. Vielmehr zeigt sich die Variabilität des Online-Teasers,
wenngleich bestimmte Parameter durchaus festgelegt sind.
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SUEDDEUTSCHE.DE
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Anhang I
Ergebnisse der Einzelauswertung Netzeitung
Informationen zu Angaben:
Der Punkt ,,Teaser-Typ" beschreibt den analysierten Teaser-Typ, nach der oben genannten
Klassifikation.
Der Punkt ,,Überschrift" gibt an, welcher syntaktischer Aufbau der Überschrift ermittelt
wurde.
Der Punkt ,,Vorspann" fasst syntaktische und lexikalische Aspekte des Vorspanntextes
zusammen.
Nach Skiunfall in Österreich:
Althaus wegen fahrlässiger Tötung angeklagt
Zwei Monate ist es her, dass Thüringens Ministerpräsident in Österreich an einem Skiunfall beteiligt war, bei
dem eine Frau starb. Seine Rolle dabei wird nun vor Gericht geklärt.
Teaser-Typ:
> Zusammenfassend
Überschrift:
> Setzung mit Verbelement
Vorspann:
> Einfacher Satz (8)
> Satzgefüge (Verhältnissatz, 20)
Sanierung von Opel:
Experte nennt hohen Stellenabbau unvermeidlich
Ohne radikale Einschnitte wird Opel nicht zu sanieren sein, urteilt Autoexperte Bratzel. Er kritisiert, dass weder
Mitarbeitern noch Öffentlichkeit «reiner Wein» eingeschenkt werde. Verärgert ist er auch über die Politik.
Teaser-Typ:
> Indirekte offene Frage: Warum ist er über Politik verärgert?
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Einfacher Satz (7)
> Satzgefüge (Inhaltssatz, 12 / Inhaltssatz, 11)
> Ad-hoc-Komposita
Aufruhr vor der Bischofskonferenz :
Kritik an Bischof Mixa wegen Holocaust-Äußerungen
Gerade erst hatte die katholische Kirche das durch den Holocaust-Leugner Williamson belastetete Verhältnis zu
den Juden wieder ins Lot gebracht, da sorgt der Augsburger Bischof Mixa für weiteren Zündstoff.
Teaser-Typ:
> Indirekte offene Frage: Warum sorgt der Bischof für Zündstoff?
Überschrift:
> Setzung ohne Verbelement
Vorspann:
> Satzverbindung (Syndetisch, 29)
> Ad-hoc-Komposita
Wegen fahrlässiger Tötung:
Althaus zu Geldstrafe verurteilt
Dieter Althaus hatte die «Verantwortung für sein Handeln» während des Skiunfalls übernommen. Der
thüringische Ministerpräsident wurde nun in Abwesenheit von der österreichischen Justiz zu einer Geldstrafe
von 180 Tagessätzen verurteilt worden.
Teaser-Typ:
> Zusammenfassend
Überschrift:
> Setzung mit Verbelement
Vorspann:
> Einfache Sätze (12, 19)
> Fremd/Fachwort
Über Baustelle der U-Bahn:
Historisches Stadtarchiv in Köln eingestürzt
Großalarm in Köln. Nach dem Einsturz des historischen Stadtarchivs könnten noch immer mehrere Leute unter
den Trümmern verschüttet sein. Umliegende Häuser wurden evakuiert.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Warum könnten noch Leute verschüttet sein?
Überschrift:
> Setzung mit Verbelement
Vorspann:
> Ellipse (3)
> Einfache Sätze (16, 4)
Neue Umfrage:
Schwarz-Gelb büßt Mehrheit ein
Die SPD kommt langsam aus ihrem Stimmungstief: In der jüngsten Emnid-Umfrage bekommen die
Sozialdemokraten zwei Prozentpunkte mehr als in der Vorwoche. FDP und Union müssen dagegen Federn
lassen.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Warum und wie viel Prozent büßen FDP und Union ein?
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Doppelpunkt (Einfacher Satz)
> Einfacher Satz (7, 14, 7)
Streit um Stiftungsrat für Gedenkzentrum:
Bund der Vertriebenen zieht Steinbach zurück
Nach langem Streit verzichtet der Bund der Vertriebenen auf die Nominierung seiner Präsidentin Steinbach für
den Stiftungsrat des geplanten Vertriebenenzentrums. Der Posten bleibt unbesetzt.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Warum verzicht der Bund auf die Nominierung? Warum bleibt der Posten unbesetzt?
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Einfache Sätze (20, 4)
> Ad-hoc-Komposita
Ex-Landeschef würde nicht in die Lücke springen:
Vogel stellt sich hinter verurteilten Althaus
Thüringens früherer Ministerpräsident Vogel hat seinem Nachfolger den Rücken gestärkt: Auch nach der
Verurteilung wegen des Skiunfalls bestehe kein Grund, Althaus' Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl in
Frage zu stellen.
Teaser-Typ:
> Zusammenfassend
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Doppelpunkt (Einfacher Satz)
> Einfacher Satz (10, 19)
Moskaus Außenministerium sieht baldiges Ende:
«USA werden vor 2011 in sechs Teile zerfallen»
Der Vortrag muss auf westliche Zuhörer wie Satire gewirkt haben: Bald würden die USA auseinanderbrechen,
sagte ein Mitarbeiter des russischen Außenministeriums voraus - und sieht das eigene Land natürlich als Sieger.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Warum würden die USA bald zerfallen? Und in welche sechs Teile?
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Doppelpunkt (Einfacher Satz)
> Gedankenstrich
> Einfacher Satz (10)
> Satzverbindung (Asyndetisch, 21 ; letzter Teil elliptisch)
Acht Prozent Wachstum im Blick:
China wagt Rekordschulden gegen die Krise
Die Volksrepublik China steht vor dem höchsten Haushaltsdefizit ihrer Geschichte: Mit massiven
Staatsausgaben will Peking trotz der Weltwirtschaftskrise acht Prozent Wachstum schaffen.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Wie hoch sind die Ausgaben genau?
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Doppelpunkt (Einfacher Satz)
> Einfacher Satz (10, 12)
> Ad-hoc-Komposita
> Mehrfachkomposita
«Ende wirft seine Schatten voraus»:
Große Koalition findet kaum Gemeinsamkeiten
Sechs Stunden tagte der Koalitionsausschuss doch einigen konnte man sich nur auf das Allernötigste. Der
Minimalkonsens: strengere Regeln für Managergehälter. Ungelöst blieb unter anderem der Mindestlohn in der
Zeitarbeit.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Was blieb außer dem Mindestlohn noch ungelöst? Warum konnte man sich nicht besser
einigen?
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Doppelpunkt (Ellipse)
> Gedankenstrich
> Ellipsen (6)
> Einfacher Satz (9)
> Satzverbindung (Syndetisch, 14)
> Ad-hoc-Komposita
Regierung will Konzept mitentwickeln:
Opel-Plan soll Wegfall von 7600 Jobs vorsehen
Die Konfusion um Opel wird größer: Die Zahl der notwendigen Stellenstreichungen ändere sich täglich, beklagt
sich die Regierung. In einem Zeitungsbericht ist jetzt von 7600 die Rede. Die Koalition will am Rettungsplan
mitbasteln.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Warum will sich Regierung an Plan beteiligen?
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Doppelpunkt (Einfacher Satz)
> Einfacher Satz (6, 9, 6)
> Satzgefüge (Inhaltssatz, 12)
> Ad-hoc-Komposita
Retter arbeiten sich durch die Trümmer:
Suche nach Vermissten soll am Abend starten
Die Rettungskräfte in Köln arbeiten sich mühsam zur Stelle vor, wo womöglich noch Verschüttete liegen. Am
Krater sagte NRW-Ministerpräsident Rüttgers Landeshilfe zu, OB Schramma will die U-Bahn langfristig
fertigbauen.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Fragen: Wie viel Landeshilfe ist genau geplant? Gibt es Kontroversen um den U-Bahn-
Weiterbau?
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Satzverbindung (Asyndetisch, 14)
> Satzgefüge (Relativsatz, 15)
> Ad-hoc-Komposita
> Mehrfachkomposita
Drogenkrieg in Mexiko:
«So viele Leichen, dass wir nicht nachkommen»
Die Anzahl der Opfer des eskalierenden Drogenkriegs in Mexiko überlastet die Rechtsmedizin des Landes. In
den überfüllten Leichenschauhäusern der Grenzstädte liegen hunderte Polizisten und Banditen Seite an Seite.
Teaser-Typ:
> Zusammenfassend
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Einfacher Satz (14, 14)
> Mehrfachkomposita
Haftbefehl gegen 18-Jährigen aus Leipzig:
Nachbar gesteht Mord an Michelle
Ein Mann aus Leipzig hat das Rätsel um den Mord an der achtjährigen Michelle aufgelöst. Er gestand, das
Mädchen am Tag ihres Verschwindens im August getötet zu haben. Mit einer abenteuerlichen Ausrede kam er
nicht durch.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Wie lautete die Ausrede?
Überschrift:
> Setzung mit Verbelement
Vorspann:
> Einfacher Satz (15, 8)
> Satzgefüge (Inhaltssatz, 13)
Wende in der US-Forschungspolitik:
Obama setzt auf Stammzellenforschung
US-Präsident Barack Obama hat alle von seinem Vorgänger George W. Bush verfügten Einschränkungen zur
Stammzellenforschung aufgehoben. Damit wird nach Jahren wieder eine umfassende staatlich unterstützte
Forschung möglich.
Teaser-Typ:
> Zusammenfassend
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
Einfacher Satz (16, 11)
> Mehrfachkomposita
Hohe Zinseinnahmen:
Bundesbank macht im Krisenjahr satte Gewinne
Trotz der Reserven für die Folgen der Finanzkrise konnte die Bundesbank den Gewinn im vergangenen Jahr
kräftig steigern. Für das Abfedern der aktuellen Finanzkrise sieht Bundensbank-Chef Weber noch Spielraum.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Wo sieht Weber noch Spielraum?
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Einfacher Satz (18, 11)
> Ad-hoc-Komposita
> Mehrfachkomposita
«Unglaubliche Zensur»:
Türkische Wissenschaftler verleugnen Darwin
Nicht nur christlich motivierte Kreationisten haben so ihr Problem mit der Evolutionstheorie. Auch in der Türkei
wollen renommierte Wissenschaftler lieber nicht an Darwin erinnert werden.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Warum wollen die türkischen Wissenschaftler nicht an Darwin erinnert werden?
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Einfacher Satz: (12, 13)
> Fremd/Fachwort
Polizist in Armagh erschossen:
Weiterer Mord in Nordirland
Nur zwei Tage nach der Ermordung zweier Soldaten in Nordirland wurde am Montagabend ein Polizist nahe
Belfast erschossen. Wieder steht eine Splittergruppe der IRA unter Verdacht.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Warum steht wieder IRA-Splittergruppe unter Verdacht?
Überschrift:
> Setzung ohne Verbelement
Vorspann:
> Einfacher Satz (18, 8)
> Ad-hoc-Komposita
Kinderporno-Bilder auf dem Handy:
«Ich wollte den Schweinestall ausmisten»
Interessante Rechtfertigung für ein anrüchiges Hobby: Der SPD-Abgeordnete Tauss hat sich der Kinderporno-
Szene genähert, um zu beweisen, «dass das Internet out ist». Er sei jedoch kein Pädophiler.
Teaser-Typ:
> Zusammenfassend
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Doppelpunkt (Ellipse)
> Ellipse (6)
> Einfacher Satz (5)
> Satzgefüge (Inhaltssatz, 16)
> Ad-hoc-Komposita
> Mehrfachkomposita
> Fremd/Fachwort
Freie Wähler sind entscheidend:
Für Köhlers Wiederwahl wird es eng
Geheime Abstimmungen im sächsischen Landtag sind immer spannend, denn schon oft wechselten einige
Stimmen das Lager. Auch die Bestimmung der sächsischen Wahlmänner zur Bundespräsidentenwahl lief
überraschend.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Warum verlief die Bestimmung überraschend?
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Einfacher Satz (10)
> Satzverbindung (Syndetisch, 16)
> Fremd/Fachwort
Amoklauf mit 16 Toten nahe Stuttgart:
Lehrerin verhinderte in Winnenden Schlimmeres
Im schwäbischen Winnenden stehen die Menschen nach dem Amoklauf eines 17-Jährigen unter Schock.
Kanzlerin Merkel spricht von einem «Tag der Trauer für Deutschland». Trost gibt es nicht - aber die Nachricht
von einer mutigen Frau.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Warum war die Frau/Lehrerin so mutig?
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Gedankenstrich
> Einfacher Satz (13, 10)
> Satzverbindung (Syndetisch, 10)
Dazu «Nachlässigkeiten» im Elternhaus?:
«Counter-Strike», Waffen und Schul-Frust
Warum rastete Tim K. aus? Die Polizei hat Anzeichen für ein Motiv, und bereits teilweise den Computer des 17-
Jährigen ausgewertet. Dazu kommen Vorwürfe gegen den Vater des Todesschützes - gegen ihn wird ermittelt.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Was für Vorwürfe werden gegen den Vater erhoben/Warum wird gegen ihn ermittelt?
Überschrift:
> Setzung ohne Verbelement
Vorspann:
> Gedankenstrich
> Einfacher Satz (5)
> Satzverbindung (Syndetisch, 15 / Asyndetisch, 13)
> Ad-hoc-Komposita
Kritik in der Union geht weiter:
Die Kanzlerin kommt aus der Deckung
Tagelang hatte Angela Merkel geschwiegen. Nach den zunehmenden Attacken aus der Union meldete sich die
Kanzlerin am Mittwoch erstmals per Interview zu Wort: Es war Verteidigung, Appell und Erklärung
gleichermaßen.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Was sagte Merkel genau?
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Doppelpunkt (Einfacher Satz)
> Einfacher Satz (5, 18, 7)
Liechtenstein lockert sein Bankgeheimnis:
Vaduz will keine unkooperative Steueroase sein
Liechtenstein will seinen Ruf als unkooperative Steueroase loswerden und sein Bankgeheimnis teilweise
aufheben. Damit gerät die Schweiz im Streit um internationale Zusammenarbeit bei Steuerbetrug unter Druck.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Warum genau gerät die Schweiz unter Druck?
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Einfacher Satz (13)
> Satzverbindung (Asyndetisch, 13)
> Ad-hoc-Komposita
Zugriff in Amsterdam:
Duisburger Mafia-Morde vor Aufklärung
Sechs Menschen starben in einem Mafia-Krieg in Duisburg vor zwei Jahren. In den Niederlanden hat die Polizei
nun den Hauptverdächtigen gestellt.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Wer ist der Hauptverdächtige?
Überschrift:
> Setzung ohne Verbelement
Vorspann:
> Einfacher Satz (11, 10)
> Ad-hoc-Komposita
Razzia wegen Telekom-Affäre:
Ermittler in der Zumwinkel-Burg am Gardasee
Auch in Italien wird Ex-Postchef Zumwinkel die deutschen Ermittler nicht los. Dieses Mal geht es allerdings
nicht um Steuerhinterziehung, sondern um die Spitzel-Affäre bei der Telekom.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Warum wird gegen Zumwinkel in Zusammenhang mit der Telekom-Affäre ermittelt?
Bzw. Was hat Zumwinkel mit der Telekom-Affäre zu tun?
Überschrift:
> Setzung ohne Verbelement
Vorspann:
> Einfacher Satz (11)
> Satzverbindung (Syndetisch, 15)
> Ad-hoc-Komposita (3x)
Ermittlungspanne nach Amoklauf in Winnenden:
Falsche Spur im Internet
Bei den Ermittlungen um die Gründe des Amoklaufes in Winnenden stehen Polizei und Staatsanwaltschaft
wieder nahezu am Anfang. Baden-Württembergs Innenminster Rech wies Kritik an den Behörden zurück.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Welche Kritik wurde gegen Behörden erhoben?
Überschrift:
> Setzung ohne Verbelement
Vorspann:
> Einfacher Satz (18, 9)
Börse auf Tauchstation:
Dax schließt unter 4000 Punkten
Der Stand des wichtigsten deutschen Aktienindexes beginnt erstmals seit Herbst 2004 mit der Ziffer 3. Bei
dünnen Umsätzen sorgten schwache Kurse aus den USA in Frankfurt für die Kehrtwende.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Warum sorgten US-Umsätze für Kehrtwende in Frankfurt?
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Einfacher Satz (15, 14)
Foltervorwurf gegen britische Agenten bekräftigt:
Obama lässt ersten Guantánamo-Häftling frei
Für Binyam Mohamed endete am Montag ein jahrelanger Alptraum: Er ist der erste Guantánamo-Gefangene, der
seit der Wahl Obamas freigelassen wurde. Der Fall beschäftigt aber weiter die Justiz seiner Wahlheimat
Großbritannien.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Warum beschäftigt der Fall die britische Justiz weiter?
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Doppelpunkt (Einfacher Satz)
> Einfacher Satz (9, 10)
> Satzgefüge (Relativsatz, 12)
> Ad-hoc-Komposita (2x)
Kurzarbeit bei VW:
«Das ist wie Urlaub»
Egal ob innerhalb oder außerhalb des Werksgeländes, die Wolfsburger haben trotz der Kurzarbeit bei VW noch
viel Vertrauen in den Konzern. Nur der Bürgermeister ist ein wenig besorgt.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Warum ist der Bürgermeister besorgt?
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann: > Einfacher Satz (21 + Apposition, 7)
Last, aber keine Staatspleite:
HSH wird Nord-Ländern zur Bürde
Schleswig-holsteinische Politiker haben angesichts der milliardenschweren Rettung der HSH Nordbank vor
einem Bankrott ihres Bundeslandes gewarnt. Doch wie realistisch ist diese Sorge wirklich?
Teaser-Typ:
> Offene Frage
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Einfacher Satz (16, 7)
> Ad-hoc-Komposita (2x)
Deutschlandkritiker melden sich zu Wort:
Polens Opposition fordert «härtere» Politik
Die oppositionellen Kaczynski-Brüder werfen der polnischen Regierung Fehler in der Deutschlandpolitik vor.
Vor allem der Umgang mit Erika Steinbach, der Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, stößt auf großen
Unmut.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Warum stößt der Umgang mit Steinbach auf Unmut in Polen?
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Einfacher Satz (12, 17 + Apposition)
> Ad-hoc-Komposita (2x)
Nach Ausweisung aus Argentinien:
Willamson auf dem Weg nach London
Mit dunkler Sonnenbrille und schwarzen Baseballkappe wollte der Traditionalistenbischof und Holocaustleugner
Wiliamson unerkannt ein Flugzeug besteigen, wurde aber enttarnt.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Warum wurde er enttarnt? Von wem wurde er enttarnt?
Überschrift:
> Setzung ohne Verbelement
Vorspann:
> Satzverbindung (Asyndetisch, 19)
> Ad-hoc-Komposita (2x)
«16 Länder sind zu viel»:
Bundespolitiker stellen Länderzahl in Frage
Braucht Deutschland wirklich 16 Bundesländer? Die teure Nordbank-Rettung hat nicht nur die Angst vor einem
Bankrott Schleswig-Holsteins ausgelöst. Doch der Vorstoß aus der Bundespolitik könnte - mal wieder - vor Ort
scheitern.
Teaser-Typ:
> Indirekte offene Frage: Warum könnte der Vorstoß scheitern? Gab es schon mehrere Vorstöße in diese
Richtung davor?
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Einfacher Satz (5, 13, 14 inkl. Paranthese)
> Ad-hoc-Komposita
Neun Tote bei Notlandung auf Acker:
Flugzeug kurz vor Amsterdam abgestürzt
Beim Anflug auf den Flughafen Schiphol ist eine türkische Passagiermaschine verunglückt. Zunächst sah es so
aus, als hätten alle Menschen an Bord überlebt. Doch dann meldeten die Behörden die Zahl der Toten.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Wie ist die Zahl der Toten? (Dachzeile verrät es bereits) Warum wurden zunächst keine
Toten vermutet?
Überschrift:
> Setzung mit Verbelement
Vorspann:
> Einfacher Satz (11, 9)
> Satzgefüge (Verhältnissatz, 12)
Politischer Aschermittwoch:
Kalauern im Zeichen der Krise
Politischer Aschermittwoch ist wie eine Kissenschlacht in der Jugendherberge jeder darf gegen jeden, übel
genommen wird nicht. Im Jahr der Krise gab es allerdings nur eine Kissenschlacht light.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Warum gab es nur eine Kissenschlacht light?
Überschrift:
> Setzung ohne Verbelement
Vorspann:
> Gedankenstrich
> Einfacher Satz (9, 12)
> Satzverbindung (Asyndetisch, 8)
> Fremd/Fachwort
Weitere Informationen gefordert:
EU traut sich in Guantánamo-Frage noch nicht vor
Die 60 freizulassenden Insassen des US-Lagers Guantánamo müssen noch auf ihre Ausreise warten. In ihre
Herkunftsländer können sie nicht und die EU-Länder will sie nicht so recht.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Fragen: Warum können die Häftlinge nicht in ihre Herkunftsländer? Warum will sie die EU
nicht?
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Einfacher Satz (13, 14)
> Ad-hoc-Komposita (2x)
Gespart werden soll später:
Obama vervierfacht Bushs Rekordefizit
US.Präsident muss in seinem ambitionierten Etat astronomisch hohe Schulden machen, aber mit
«Ausgabendisziplin, Transparenz und Verantwortlichkeit». Er will so mit der Praxis seines Vorgängers George
W. Bush brechen.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Fragen: Was versteht er unter den drei genannten Voraussetzungen konkret? Wie verlief die
Praxis unter Bush?
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Einfacher Satz (12)
> Satzverbindung (Syndetisch, 16)
> Ad-hoc-Komposita
Reue oder Kalkül?:
Williamson verbreitet Entschuldigung
Ein Widerruf war das nicht. Der nach Großbritannien zurückgekehrte Bischof Williamson hat per Internet um
Vergebung für seine gemachten Aussagen gebeten. Für den Zentralrat der Juden in Deutschland ist das «völlig
unzureichend».
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Fragen: Mit welcher Begründung hat der Bischof um Vergebung gebeten? Warum ist diese für
Zentralrat unzureichend?
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Einfacher Satz (5, 16, 11)
EU-Sondergipfel zur Wirtschaftskrise:
Milliardenschwere Hilfsprogramme
Die 27 EU-Staaten wollen auf dem Gipfel ihre Konjunkturprogramme koordinieren. Währenddessen warnen
kleinere EU-Länder vor einer Cliquenwirtschaft in Europa und der EU-Ratsvorsitzende vor einer Spaltung des
Staatenbündnisses.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Warum konkret haben kleine EU-Staaten Bedenken vor Cliquenwirtschaft?
Überschrift:
> Setzung ohne Verbelement
Vorspann:
> Einfacher Satz (10)
> Satzverbindung (Syndetisch, 17)
> Ad-hoc-Komposita (2x)
> Mehrfachkomposita
SPD-Vorschläge zur Neuordnung:
Minister überraschen mit Plan für Finanzmärkte
Finanzminister Steinbrück und Außenminister Steinmeier haben die Bundesregierung mit einem Papier in
Erstaunen versetzt. Unter anderem sollen «Vergütungs- und Abfindungsexzesse» unterbunden werden. Auch die
nachträgliche Kürzung von Vorstandsgehältern soll möglich werden.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Warum haben die genannten Vorschläge konkret für Erstaunen gesorgt?
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Einfacher Satz (14, 8, 9)
> Ad-hoc-Komposita (2x)
Auf Distanz, doch nicht völlig losgelöst:
Opel will sich von GM lösen - ein Stück weit
Der schwer angeschlagene Autobauer Opel will in Europa künftig deutlich eigenständiger agieren können. Ganz
abkoppeln wollen sich die Rüsselsheimer von ihrer US-Mutter aber nicht - was womöglich auch mit Patenten zu
tun hat.
Teaser-Typ:
> Indirekte offene Frage: Warum kann dies mit Patenten zu tun haben?
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Gedankenstrich
> Einfacher Satz (13)
> Satzverbindung (Syndetisch, 20)
> Ad-hoc-Komposita
Einzelauswertung
Tab. 1: Quantitative Auswertung der funktionalen Teasertypen
Zusammenfassend
Indirekt offene Frage
Offene Frage
Absolute Zahlen
6
36
1
In Prozent
14,0
83,7
2,3
Tab. 2: Durchschnittliche Zeichenzahlen
Tab. 2.1 Teaser-Überschriften
Gesamt:
1.491 Zeichen (ohne Leerzeichen)
Durchschnitt:
35 Zeichen (ohne Leerzeichen)
Gesamt:
228 Wörter
Durchschnitt:
5,3 Wörter
Tab. 2.2 Teaser-Vorspanntexte:
Gesamt:
7.688 Zeichen (ohne Leerzeichen)
Durchschnitt:
179 Zeichen (ohne Leerzeichen)
Gesamt:
1217 Wörter
Durchschnitt:
28,3 Wörter
Sätze gesamt:
102
Sätze pro Teaser
(Durchschnitt)
2,4
Tab 3. Satztypen
Tab. 3.1 Teaser-Überschriften
Einfacher Hauptsatz
Setzung ohne
Verbelement
Setzung mit Verbelement
Absolute Zahlen
29
9
5
In Prozent
67,4
20,3
11,6
3.2. Teaser-Vorspanntexte
Satztypen
Einfacher Satz
Satzverbindung
(Parataxe)
Satzgefüge
(Hypotaxe)
Satzverbindung
+ Satzgefüge
Ellipsen
Absolute Zahlen
75
15
9
0
3
In Prozent
(bezogen auf 102
Sätze insgesamt)
73,5
14,7
8,8
0
2,9
3.2.1 Komplexitätsgrad der Sätze
Kurze Sätze
(3-5 W.)
Sätze mittlerer
Länge
(6-9 W.)
Sätze mittlerer
Länge
(10-20 W.)
Lange Sätze
(> 20 W.)
Absolute Zahlen
8
22
69
3
In Prozent
(bezogen auf 102
Sätze insgesamt)
7,8
21,6
67,6
2,9
3.2.2 Verhältnis Hauptsatz : Nebensatz bei Satzgefügen
Relativsatz
Inhaltssatz
Verhältnissatz
Absolute Zahlen
3
5
1
In Prozent
(Bezogen auf insgesamt 9)
33,3
55,6
11,1
3.2.3 Arten der Satzverbindungen
Syndetisch
Asyndetisch
Absolute Zahlen
9
6
In Prozent
(Bezogen auf insgesamt
15)
60
30
3.2.4 Spezifische Interpunktion:
Doppelpunkt
Gedankenstrich
Absolute Zahlen
9
6
In Prozent
(Bezogen auf insgesamt
43 Teaser)
20,9
14,0
3.2.5 Sonderform Doppelpunkt nach:
Einfacher Satz
Satzverbindung/Satzgefüge
Ellipse
Absolute Zahlen
7
0
2
In Prozent
(Bezogen auf insgesamt 9
Doppelpunkte)
77,8
0
22,2
3.2.6 Lexikalische Aspekte
Ad-hoc-Komposita
Mehrfachkomposita
Fremd-/Fachwort
Absolute Zahlen
34
7
5
In Prozent
(Bezogen auf insgesamt
1445 Wörter)
2,4
0,48
0,35
Anhang II
Ergebnisse der Einzelauswertung Spiegel Online
Informationen zu Angaben:
Der Punkt ,,Teaser-Typ" beschreibt den analysierten Teaser-Typ, nach der oben genannten
Klassifikation.
Der Punkt ,,Überschrift" gibt an, welcher syntaktischer Aufbau der Überschrift ermittelt
wurde.
Der Punkt ,,Vorspann" fasst syntaktische und lexikalische Aspekte des Vorspanntextes
zusammen.
AUTOBRANCHE
VW steigert Gewinn trotz Wirtschaftskrise
Mehr als sechs Milliarden Euro: So viel Gewinn hat Volkswagen im vergangenen Jahr eingefahren - ein Plus
von drei Prozent. Damit trotzt der Autokonzern der allgemeinen Krise. Auch für 2009 gibt sich das Unternehmen
vorsichtig optimistisch.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Warum gibt sich das Unternehmen optimistisch
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Doppelpunkt (zw. 1. und 2. Satz, Ellipse)
> Gedankenstrich
> Ellipse (5)
> Einfache Sätze (15 + Apposition, 7, 9)
BÖRSENTIEF
Dow Jones fällt unter 7000 Punkte
So tief stand der US-Leitindex seit elfeinhalb Jahren nicht mehr: Kurz nach Handelsbeginn fiel der Dow Jones
am New Yorker Aktienmarkt unter die Marke von 7000 Zählern. Der Niedergang von AIG und Angst vor neuen
Katastrophenmeldungen aus der Finanzbranche beunruhigen die Anleger.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Was hat es mit dem Niedergang der AIG auf sich und wie beeinflusst er das
Börsengeschehen?
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Doppelpunkt (Einfacher Hauptsatz)
> Einfache Sätze (10, 17, 15)
> Ad-hoc-Komposita
> Fremd/Fachwort
UNGLÜCK IN DER STEIERMARK
Staatsanwalt klagt Althaus wegen fahrlässiger Tötung an
Der Skiunfall von Dieter Althaus kommt in Österreich vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft Leoben hat Anklage
gegen den Thüringer Ministerpräsidenten wegen fahrlässiger Tötung erhoben - er selbst übernimmt den
Ermittlern zufolge inzwischen die Verantwortung für den Tod von Beata C.
Teaser-Typ:
> Zusammenfassend
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Gedankenstrich
> Einfache Sätze (10, 13, 15)
EIL-URTEIL IN ÖSTERREICH
Althaus muss 33.300 Euro Strafe für tödlichen Skiunfall bezahlen
Alles ging ganz schnell: Ein Gericht in Österreich hat den Thüringer Ministerpräsidenten Dieter Althaus wegen
fahrlässiger Tötung von Beata C. schuldig gesprochen. Er muss eine Geldstrafe bezahlen - das Urteil fiel nur
einen Tag nach Anklageerhebung und eine Stunde nach Prozessbeginn.
Teaser-Typ:
> Zusammenfassend
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Doppelpunkt (Einfacher Hauptsatz)
> Gedankenstrich
> Einfache Sätze (4, 18, 5)
> Satzverbindung (Syndetische, 13)
EINSTURZ DES KÖLNER STADTARCHIVS
"Alle weg, alle raus!"
Die Szenerie gleicht einem Trümmerfeld: Nach dem dramatischen Einsturz des Historischen Stadtarchivs
werden neun Menschen vermisst. Ein Ex-Abteilungsleiter erhebt schwere Vorwürfe gegen die Stadt, spricht von
einer "absehbaren Katastrophe" - und beklagt den Verlust wertvoller Dokumente.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Fragen: Welche Vorwürfe beklagt Ex-Abteilungsleiter. Welche Dokumente sind verloren?
Überschrift:
> Setzung ohne Verbelement
Vorspann:
> Doppelpunkt (Einfacher Hauptsatz)
> Gedankenstriche
> Einfache Sätze (5, 11)
> Satzverbindung (Asyndetisch, 20) (teilweise elliptisch)
> Ad-hoc-Komposita
> Mehrfachkomposita
FESTNAHME-AKTION VOR SOMALIA
Deutscher Expertenstab entscheidet über Schicksal von neun Piraten
Erstmals haben Bundeswehrsoldaten eine Gruppe von Piraten gefasst. Bei dem dramatischen Einsatz am Horn
von Afrika brachten sie neun Seeräuber an Bord der Fregatte.
Teaser-Typ:
> Zusammenfassend
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Einfache Sätze (8, 16)
> Fremd/Fachwort
SANIERUNGSPLAN
GM-Europachef Forster will 3500 Jobs bei Opel streichen
GM plant zur Rettung des Autobauers Opel harte Einschnitte: Europachef Forster nennt erstmals konkrete
Zahlen - "hoffentlich nicht mehr als 3500 Stellen" sollen gestrichen werden, über ein Zehntel der Belegschaft.
Den deutschen Staat bittet er um zwei bis drei Milliarden Euro an Hilfen.
Teaser-Typ:
> Zusammenfassend
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Doppelpunkt (Einfacher Hauptsatz)
> Gedankenstrich
> Einfache Sätze (9, 6, 13)
> Satzverbindung (Asyndetisch, 14) (Nachsatz ist elliptisch)
> Ad-hoc-Komposita
> Mehrfachkomposita
SKIUNGLÜCK-PROZESS
Österreichs Strafverteidiger kritisieren Turbo-Urteil gegen Althaus
Eine Stunde dauerte die Hauptverhandlung, das Urteil fiel nur einen Tag nach Bekanntwerden der Anklage -
jetzt kritisieren Strafverteidiger den Eilprozess gegen Thüringens Ministerpräsident Althaus: Dieses Tempo sei
"keineswegs üblich" und kratze am Ruf der Justiz. Auch Politiker reagieren verwundert.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Welche Politiker reagieren irritiert?
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Doppelpunkt (Einfacher Hauptsatz, mittig positioniert)
> Gedankenstrich
> Einfache Sätze (9, 11, 4)
> Satzverbindung (Asyndetisch, 15)
> Ad-hoc-Komposita (2x)
TREFFEN DER KOALITIONSSPITZEN
CSU will Staatsgeld nur gegen strenge Auflagen geben
Gehaltsobergrenze von 500.000 Euro, die Offenlegung aller Bezüge: Die Koalition debattiert am Abend über
den staatlichen Rettungsfonds - vorab fordert die CSU strengere Regeln für Firmen, die Geld aus dem
Milliardentopf bekommen. Im Ernstfall müssen
ihre Chefs auch auf Abfindungen verzichten.
Teaser-Typ:
> Zusammenfassend
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Doppelpunkt (Ellipse)
> Gedankenstrich
> Ellipse (8)
> Einfache Sätze (19)
> Satzverbindung + Satzgefüge (Asyndetisch, Relativsatz, 24)
> Ad-hoc-Komposita
DRUCK AUF KONZERNSPITZE
Regierung will Opel-Rettungsplan umkrempeln
Jetzt reicht es der Bundesregierung: Aus Unzufriedenheit mit dem GM-Sanierungsplan für Opel kündigt
Unionsfraktionschef Kauder an, die Koalition werde sich in die Entwicklung des Konzepts einschalten.
Finanzminister Steinbrück kritisiert das vorgelegte Papier als "völlig unzureichende Basis".
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Warum gilt das Papier als völlig unzureichende Basis?
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Doppelpunkt (Einfacher Hauptsatz)
> Einfache Sätze (5, 10)
> Satzgefüge (Inhaltssatz, 21)
> Ad-hoc-Komposita (2x)
> Mehrfachkomposita (2x)
GIPFEL IM KANZLERAMT
Koalition redet sich Minimal-Kompromiss schön
Optimismus trotz magerer Bilanz: SPD-Fraktionschef Struck hat nach dem ernüchternden Spitzentreffen im
Kanzleramt Einigkeit beschworen. Auch Finanzminister Steinbrück wies Äußerungen über ein Ende der
Koalition demonstrativ zurück - und zeigte sich mit den "erfreulichen Ergebnissen" zufrieden.
Teaser-Typ:
> Indirekt offene Frage: Warum spricht Steinbrück von erfreulichen Ergebnissen?
Überschrift:
> Einfacher Hauptsatz
Vorspann:
> Doppelpunkt (Ellipse)
> Gedankenstrich
> Ellipse (4)
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