Mass Customization Logistik und Controlling -
Kurzreferat
Um den Lesefluss dieser Bachelor-Arbeit nicht zu beeinträchtigen, gelten grammatikalisch maskuline Bezeichnungen für beide Geschlechter. Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit den Herausforderungen, die an Logistik und Controlling durch kundenindividuelle Massenproduktion gestellt werden. Diese Arbeit ist in drei, auf Theorie basierende Abschnitte gegliedert, welche sich mit den Grundlagen der Mass Customization, der Beschaffungslogistik und dem Controlling beschäftigen. Auf diese theoretische Ausarbeitung folgt ein Praxisbezug anhand eines eigens entwickelten Planspieles sowie einer Unternehmensumfrage. Zu Beginn eines jeden Kapitels werden grundlegende Begriffe und Rahmenbedingungen erörtert. So werden die Entstehung, verschiedene Konzeptionen und Prinzipien, Ziele und Herausforderungen und die notwendigen Voraussetzungen der Mass Customization aufgezeigt. In diesem Zusammenhang wird die Beschaffungslogistik bezüglich ihrer Einordnung, den notwendigen Aspekten des Marketings, der Lieferantenstrukturen, ihrer Aufgaben, Ziele, Prinzipien, sowie bezüglich möglicher Strukturen und Konzepte hinterleuchtet. Der Controllingabschnitt setzt sich mit den Formen des Controllings und vertieft mit Aufgaben und Funktionen des operativen Controllings, sowie mit Zentral- und Bereichscontrolling auseinander, welches Beschaffungs-, Produktions-, Vertriebs-, Marketing-, Logistik- und Supply Chain Controlling beinhaltet. Die aus der Mass Customization resultierenden Herausforderungen für die Bereiche Logistik und Controlling werden in den jeweiligen Abschnitten erläutert.
Kurzreferat
Mass Customization Logistik und Controlling -Herausforderungen der kundenindividuellen Massenproduktion
Abstract
To not affect the flow of reading of this bachelor-thesis, grammatically masculine terms hold true for both sexes.
The following work deals with logistical and controlling challenges resulting from Mass Customization. This paper is structured into three theoretically based segments, which address to fundamentals of Mass Customization, procurement logistics and controlling. Based on this theoretical elaboration, a practical relationship is established in the form of a business game and a companies’ survey. At the beginning of each chapter, basic terms and framework conditions are reconsidered. Consequently, the evolution of different conceptions and principles, goals and challenges, as well as necessary requirements of Mass Customization are illustrated. In this context, procurement logistics is discussed concerning its classification, the required aspects of marketing, the structure of vendors, its functions, goals, and principles, as well as possible structures and concepts. The section of controlling deals with different types of controlling and, more detailed, with tasks and functions of operations management, as well as with center and department controlling, which contains procurement, production, distribution, marketing, logistics, and supply chain controlling. The challenges for logistics and controlling, resulting from Mass Customization, are discussed in each particular section of this thesis.
Abstract
Mass Customization Logistik und Controlling -Herausforderungen der kundenindividuellen Massenproduktion
Vorwort
Das Thema der Mass Customization war bis dato komplettes Neuland für uns. Jedoch wurden wir während unseres studienbedingten Auslandaufenthalts in den Vereinigten Staaten von Amerika durch namhafte Unternehmen auf die Konzeption der kundenindividuellen Massenproduktion aufmerksam. Desweiteren wurde unser Interesse nach unverbindlicher erster Rücksprache mit dem späteren Betreuer dieser Bachelor-Arbeit intensiviert. Nachdem uns dieses Konzept bewusst vor Augen war, konnten wir vermehrt eine starke Präsenz dieser Unternehmensstrategie am US-amerikanischen Markt, aber auch in Europa, feststellen.
Unter Berücksichtigung unserer persönlichen Präferenzen in der Betriebswirtschaftslehre entschlossen wir uns das Thema der Mass Customization bezüglich der logistischen Aspekte und der Gesichtspunkte des Controllings im Rahmen einer Gemeinschaftsarbeit genauer zu analysieren. So möchten wir eine ganzheitliche und dennoch detaillierte Betrachtungsweise des Gesamtthemas der kundenindividuellen Massenproduktion ermöglichen und die Interaktionen und Verbindungen zwischen den Teilbereichen der Logistik und des Controllings darstellen. Danksagung
Diese Bachelor-Arbeit wurde im sechsten Semester über den Zeitraum von Anfang Februar bis Mitte Juli 2010 im Rahmen des Studiums der Betriebswirtschaftslehre verfasst. Wir möchten uns in diesem Rahmen recht herzlich bei der Fachhochschule Vorarlberg und der Studiengangsleitung, die eine Bachelor-Arbeit in dieser Form erst ermöglichte, bedanken. Ein besonderer Dank gilt vor allem unserem Betreuer Prof. (FH) Dipl. Wirt. Ing. (FH) Bernhard Blessing für dessen unkomplizierte und hilfreiche Unterstützung. Ferner möchten wir uns bei den Probanden des Planspiels bedanken, ohne die eine Auswertung und Analyse des Planspiels nicht möglich gewesen wäre. Ein letzter Dank gebührt den Unternehmen, welche sich die Zeit nahmen, um an der Umfrage teilzunehmen.
Vorwort
Mass Customization Logistik und Controlling -
Herausforderungen der kundenindividuellen Massenproduktion
Inhaltsverzeichnis
Kurzreferat 2
Abstract 3
Vorwort 4
Inhaltsverzeichnis 5
Darstellungsverzeichnis. 9
1. Einleitung 11
2. Grundlegendes zur Mass Customization 14
2.1. Entstehung der Mass Customization 14
2.2. Mass Customization und Variantenmanagement 15
2.3. Konzeptionen der Mass Customization. 17
2.3.1. Soft Customization (offene Individualisierung) 17
2.3.2. Hard Customization (geschlossene Individualisierung) 18
2.4. Prinzipien der Mass Customization 19
2.5. Ziele der Mass Customization 21
2.6. Herausforderungen der Mass Customization 22
2.6.1. Externe Komplexität 22
2.6.2. Interne Komplexität 23
2.7. Notwendige Voraussetzungen für das produzierende Unternehmen 23
2.8. Die Rolle des Marketing 24
2.9. Relevanz für Logistik und Controlling 24
3. Beschaffungslogistik 26
3.1. Begriff und Aufbau der Logistik 26
3.2. Einschränkungen und Grundlegendes 28
3.3. Aspekte des Marketing - Beschaffungsmarktforschung 29
Inhaltsverzeichnis
Mass Customization Logistik und Controlling -
Herausforderungen der kundenindividuellen Massenproduktion
3.3.1. Arten der Marktforschung 30
3.3.2. Informationsquellen 31
3.3.3. Objekte 32
3.4. Beschaffungslogistische Aspekte 34
3.5. Der Prozess der Beschaffung 35
3.6. Aufgaben und Ziele der Beschaffung 35
3.7. Lieferantenbewertung und -auswahl 37
3.8. Beschaffungsstruktur und Sourcing Konzepte 39
3.8.1. Local Sourcing 40
3.8.2. Global Sourcing 41
3.8.3. Single Sourcing 42
3.8.4. Multiple Sourcing 43
3.8.5. Modular Sourcing 44
3.9. Konzepte der Materialbeschaffung/ Beschaffungsprinzipien 48
3.9.1. Einzelbeschaffung 49
3.9.2. Vorratsbeschaffung 50
3.9.3. Produktionssynchrone Beschaffung - Just-In-Time 51
3.9.4. Vendor Managed Inventory 52
3.9.5. Optimale Differenzierung der Bereitstellung 52
3.10. E-Procurement 56
3.10.1. Plattformen 57
3.10.2. Instrumente 58
3.10.3. Erfolgspotentiale 60
3.11. Wareneingang 61
3.12. Beschaffung bei Mass Customization 61
Inhaltsverzeichnis
Mass Customization Logistik und Controlling -
Herausforderungen der kundenindividuellen Massenproduktion
4. Controlling 63
4.1. Formen des Controllings 64
4.1.1. Strategisches Controlling 64
4.1.2. Operatives Controlling 65
4.2. Funktionen und Aufgaben des operativen Controllings 68
4.2.1. Planungsfunktion 68
4.2.2. Kontrollfunktion 69
4.2.3. Informationsfunktion 71
4.2.4. Steuerungsfunktion 72
4.3. Zentralcontrolling 73
4.4. Bereichscontrolling 74
4.4.1. Beschaffungs-/ Einkaufscontrolling 75
4.4.2. Produktionscontrolling 79
4.4.3. Vertriebs-/ Absatzcontrolling 82
4.4.4. Marketingcontrolling 85
4.4.5. Logistikcontrolling 87
4.4.6. Supply Chain Controlling 90
5. Praktischer Ansatz 93
5.1. Planspiel 93
5.1.1. Entwicklung des Planspiels. 93
5.1.2. Aufbau und Ausgangssituation 94
5.1.3. Vergleich der Testlaufergebnisse 100
5.1.4. Planspielqualität 101
5.1.5. Grenzen und Erweiterungsmöglichkeiten 103
5.2. Firmenumfrage zur Mass Customization 103
Inhaltsverzeichnis
Mass Customization Logistik und Controlling -
Herausforderungen der kundenindividuellen Massenproduktion
5.2.1. Mass Customization 104
5.2.2. Logistik 105
5.2.3. Controlling 107
6. Exkurs: Open Innovation 108
7. Resümee 112
Literaturverzeichnis 115
Anhang 121
Inhaltsverzeichnis
Mass Customization Logistik und Controlling -
Herausforderungen der kundenindividuellen Massenproduktion
Darstellungsverzeichnis
Darstellung 1: Entwicklung der Mass Customization 15
Darstellung 2: Konzeptionen der Mass Customization 18
Darstellung 3: Prinzipien für Mass Customization 21
Darstellung 4: Logistische Kette 28
Darstellung 5: Abgrenzung Einkauf und Beschaffung 29
Darstellung 6: Beziehung zwischen Beschaffung und Marketing 30
Darstellung 7: Zielobjekte der Beschaffungsmarktforschung 32
Darstellung 8: Der operative Prozess der Beschaffung 35
Darstellung 9: Zielkonflikte der Beschaffung 36
Darstellung 10: Aufbau der Lieferantenbewertung 38
Darstellung 11: Verfahren der Lieferantenauswahl (qualitativ) 39
Darstellung 12: Sourcing Konzepte 40
Darstellung 13: Vor- und Nachteile des Local Sourcing 41
Darstellung 14: Vor- und Nachteile des Global Sourcing 42
Darstellung 15: Vor- und Nachteile des Single Sourcing 43
Darstellung 16: Vor- und Nachteile des Multiple Sourcing. 44
Darstellung 17: Herkömmliche Beschaffung im Vergleich zu Modular Sourcing 46
Darstellung 18: Lieferantenhirarchie des Modular Sourcings 47
Darstellung 19: Vor- und Nachteile des Modular Sourcing 48
Darstellung 20: Beschaffungsprinzipien 49
Darstellung 21: ABC-Analyse 54
Darstellung 22: XYZ-Analyse 55
Darstellung 23: ABZ-XYZ-Analyse 56
Darstellung 24: B2B Beziehungen beim E-Business 57
Darstellung 25: Potentiale des E-Procurement 60
Darstellung 26: Controlling Regelkreis 66
Darstellung 27: Strategisches und operatives Controlling 67
Darstellung 28: Zusammenwirken der verschiedenen Controlling-Funktionen 73
Darstellung 29: Ausbaustufen des Bereichscontrollings 74
Darstellungsverzeichnis
Mass Customization Logistik und Controlling -
Herausforderungen der kundenindividuellen Massenproduktion
Darstellung 30: Ziele und Unterziele des Beschaffungscontrollings. 77
Darstellung 31: Würfelergebnisse und resultierende Absatzmengen - Planspiel 95
Darstellung 32: Würfelergebnisse und resultierende Liefermengen - Planspiel 96
Darstellung 33: Produkte - Planspiel 98
Darstellung 34: Produktschlüsse - Planspiel 99
Darstellung 35: Ort der Individualisierung - Umfrage 105
Darstellung 36: Beschaffungsstruktur - Umfrage 106
Darstellung 37: Phasen eines idealtypischen Innovationprozesses 110
Darstellungsverzeichnis
Mass Customization Logistik und Controlling - Herausforderungen der kundenindividuellen Massenproduktion
1. Einleitung
Die ersten ausführlichen Untersuchungen des Konzeptes der Mass Customization wurden in Deutschland erst Mitte der neunziger Jahre durchgeführt, wohingegen 1 Dieses Bild andere Nationen dieses Konzept schon deutlich früher betrachteten. hat sich in der Zwischenzeit jedoch stark gewandelt. So gilt Deutschland mittlerweile als führend auf diesem Gebiet. Studien belegen, dass dieses Konzept vor allem in Bereichen der Textilindustrie und der Lebensmittelindustrie Anhänger findet. Aktuelle Untersuchungen diesbezüglich werden momentan von der Fachhochschule Salzburg und der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen durchgeführt und gegenwärtig noch ausgewertet. Ergänzende Erkenntnisse 2,3 werden im Laufe dieses Jahres erwartet.
Der stetig wachsende wirtschaftliche Druck und der Trend hin zu Individualisierung zwingt Unternehmen sich dem Strukturwandel zu beugen und zu reagieren. In diesem Zusammenhang greifen Unternehmen immer häufiger und erfolgreich zum Konzept der Mass Customization, da Unternehmen nur durch Erfüllung der 4 Kundenerwartungen am Markt überleben können.
Um dieses Konzept in einem Unternehmen erfolgreich umsetzen zu können, ist es wegen möglicher Produktindividualisierungen insbesondere in den Bereichen Logistik und Controlling erforderlich, die resultierenden Herausforderungen der Mass Customization zu erkennen und diese zu überwinden.
Ziel dieser Gemeinschaftsarbeit ist es, die Planungsschwierigkeiten für Logistik und Controlling zu veranschaulichen und die an diese Bereiche gestellten Herausforderungen hervorzuheben und zu verdeutlichen. Zudem soll eine ganzheitliche Betrachtung geschaffen werden, welche sich nicht nur auf einen
1 Vgl. Piller, Frank T.: Mass Customization. Ein wettbewerbsstrategisches Konzept im
Informationszeitalter. 4. Auflage. Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag, 2006, S. 158.
2 Vgl. Weigert, Martin: Mass Customization. Deutschland als internationaler Trendsetter.
netzwertig.com, 2010.
3 Produktkategorien und deren Verteilung siehe Anhang.
4 Vgl. Robert Freund Weblog: Mass Customization. Warum sollte man sich mit Mass Customization
(Kundenindividuelle Massenproduktion) befassen?. Einleitung 11
Mass Customization Logistik und Controlling - Herausforderungen der kundenindividuellen Massenproduktion
Teilbereich der Betriebswirtschaftslehre beschränkt. Die Hauptaugenmerke liegen in den Bereichen der Beschaffungslogistik und den verschiedenen Bereichen des Controllings.
Die Arbeit ist in fünf Abschnitte gegliedert. Der erste dieser Abschnitte befasst sich mit Grundlagen der Mass Customization, genauer mit deren Entstehung, einer Gegenüberstellung zum Variantenmanagement, den zwei Konzeptionen der Soft-und Hard Customization, Prinzipien und Zielen, Herausforderungen durch externe und interne Komplexität, notwendigen Voraussetzungen für produzierende Unternehmen, der Rolle des Marketings, sowie abschließend mit der Relevanz für Logistik und Controlling. Der gesamte Abschnitt wurde von beiden Autoren gemeinsam bearbeitet.
Der zweite Abschnitt der Arbeit wurde komplett von Gunther Bürk erarbeitet und befasst sich mit der Thematik der Beschaffungslogistik. So werden hier im Vorfeld Begrifflichkeiten und der Aufbau der Logistik selbst, Einschränkungen und Grundlagen, sowie Aspekte des Marketings erörtert. Anschließend werden beschaffungslogistische Aspekte, Prozesse, Aufgaben und Ziele der Beschaffung sowie die Lieferantenbewertung und -auswahl dargestellt. Tiefer wird auf die verschiedene Beschaffungsstrukturen und Sourcing Konzepte mit Local, Global, Single, Multiple und Modular Sourcing eingegangen. Ebenso werden Beschaffungsprinzipien wie Einzelbeschaffung, Vorratsbeschaffung, produktionssynchrone Beschaffung, Vendor Managed Inventory und die optimale Differenzierung der Bereitstellung detaillierter abgehandelt. Abschließend folgen Betrachtungen der elektronischen Beschaffungsmöglichkeiten, des Wareneingangs und zuletzt die Bedeutung der Mass Customization für die Beschaffung. Im dritten Abschnitt der Arbeit, welcher ausschließlich von Alexander Lehmann verfasst wurde, werden zunächst strategisches und operatives Controlling unterschieden. Daraufhin wird vertieft auf die Aufgaben und Funktionen der Planung, Kontrolle, Informationsbereitstellung und Steuerung eingegangen. Um eine weitere Abgrenzung aufzeigen zu können, wird das Zentralcontrolling und das Bereichscontrolling einander gegenübergestellt und das Bereichscontrolling
Einleitung 12
Mass Customization Logistik und Controlling - Herausforderungen der kundenindividuellen Massenproduktion
bezüglich Beschaffungs- beziehungsweise Einkaufs-, Produktions-, Vertriebsbeziehungsweise Absatz-, Marketing-, Logistik- und Supply Chain Controlling genauer hinterfragt.
Von beiden Autoren gemeinsam verfasst, folgt der praktische Ansatz dieser Arbeit im vierten Abschnitt. Dieser soll die praktische Relevanz der theoretischen Erkenntnisse genauer aufzeigen. Um Erkenntnisse gewinnen zu können, wurde von den Autoren ein Planspiel entwickelt, dokumentiert, durch Probanden getestet und die resultierenden Ergebnisse ausgewertet. So wurden auch Grenzen und mögliche Erweiterungspotentiale aufgezeigt und verdeutlicht. Um Aussagen bezüglich der realen Wirtschaft treffen zu können, ist die Auswertung einer Firmenumfrage mit über 200 kontaktierten Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen in diesem Abschnitt dokumentiert.
Der letzte Abschnitt, welcher von Alexander Lehmann erarbeitet wurde, beinhaltet einen Exkurs bezüglich des Konzeptes der Open Innovation. Dieses Konzept ist im Rahmen der Mass Customization relevant, da es sich hierbei um eine Weiterentwicklung der Kundenintegrationsmöglichkeit für Unternehmen handelt. Mit dem gemeinsam verfassten Resümee wird die Arbeit abgeschlossen.
Einleitung 13
Mass Customization Logistik und Controlling - Herausforderungen der kundenindividuellen Massenproduktion
2. Grundlegendes zur Mass Customization
Dieser Abschnitt der Arbeit dient dazu Begrifflichkeiten zu erläutern, Ab- und Eingrenzungen darzulegen und den Zugang zu der Thematik der Mass Customization zu schaffen.
2.1. Entstehung der Mass Customization
Bei der Bezeichnung der Mass Customization handelt es sich um eine Kombination der Begrifflichkeiten der Mass Production und der Customization - im Deutschen entspricht dies den Begriffen der Massenproduktion beziehungsweise der kundenspezifischen Anpassung. Basierend auf diesen zwei, sich grundsätzlich widersprechenden Produktionsansätzen, steht die Mass Customization für Massenprodukte, die von den Kunden/Abnehmern individualisiert und somit den persönlichen Vorstellungen der Kunden/Abnehmern entsprechend modifiziert werden, weswegen die Literatur die Mass Customization auch als Oxymoron 5 betitelt.
Das Konzept der Mass Customization entwickelte sich seit Mitte der sechziger Jahre kontinuierlich aus der Massenproduktion heraus und stellt in der heutigen Zeit ein, in vielen Branchen unumgängliches Konzept dar. Durch steigendende Anforderungen der weltweiten Märkte und durch höhere Leistungsvermögen auf Seiten der Produzenten, wurde dieser Trend im Laufe der Zeit vorangetrieben. So verlangten Konsumenten nach gerechtfertigten Preisen, erhöhter Produktqualität, mehr Variantenvielfalt sowie nach möglicher Personifizierung der Produkte. Um diesen Erwartungen gerecht werden zu können, wurde zunächst die Effektivität gesteigert, anschließend höhere Qualitätsstandards eingeführt und die Flexibilisierung forciert, um somit mehr Innovationsvermögen zu schaffen. Aus der reinen Massenproduktion entstand die sogenannte Qualitätsbewegung, daraufhin 6 das Variantenmanagement und schließlich die Mass Customization. Diese Tendenz
5 Vgl. Piller, Frank T.: Mass Customization. Ein wettbewerbsstrategisches Konzept im
Informationszeitalter. 4. Auflage. Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag, 2006, S. 154.
6 Vgl. Wunsch, Matthias: Wissensbasierte Konstruktion kundenindividueller Produkte am Beispiel
von Schuhen. Aachen: Shaker Verlag GmbH, 2005, S. 1f. Grundlegendes zur Mass Customization 14
Mass Customization Logistik und Controlling - Herausforderungen der kundenindividuellen Massenproduktion
unterliegt einer stetigen Weiterentwicklung, da durch immer steigende Kundenansprüche auch deren Einfluss immer weiter anwächst und dieser grundsätzlich berücksichtigt werden sollte.
Individualität Varianten-Qualität Preis Effektivität Qualitäts--Flexibilisierung Innovations-
Darstellung
Quelle: Eigene Ausarbeitung in Anlehnung an: Wunsch, Matthias: Wissensbasierte Konstruktion
kundenindividueller Produkte am Beispiel von Schuhen, Aachen: Shaker Verlag GmbH, 2005, S. 1.
2.2. Mass Customization und Variantenmanagement
Wie schon zuvor beschrieben, entstammt das Konzept der Mass Customization aus der Weiterentwicklung des Variantenmanagements, wodurch sich einige Parallelen ergeben und eine exakte Abgrenzung nicht vollständig möglich ist. Gerade deshalb gilt es die beiden Ansätze zu differenzieren. Während sich sowohl
Grundlegendes zur Mass Customization 15
Mass Customization Logistik und Controlling - Herausforderungen der kundenindividuellen Massenproduktion
Variantenmanagement als auch Mass Customization an der Erfüllung der Kundenwünsche orientieren, beschränkt sich das Variantenmanagement auf vorgegebene Baugruppen, sogenannte Varianten, die durch unterschiedliche Zusammensetzung je nach Kundenbedürfnis zu einem variierenden Endprodukt zusammengestellt werden. Somit besteht für den Kunden lediglich die Möglichkeit, auf Basis eines bestimmten Baugruppenkorbs, das seinen Wünschen am ehesten entsprechende Produkt zu wählen. Im Gegensatz dazu ermöglicht die Mass Customization dem Kunden ein Produkt genau passend zu den jeweiligen Wünschen zu erstellen. Aber auch hierbei sind dem Kunden Grenzen gesetzt. Die Grundbausteine eines Produkts werden nicht kundenindividuell neu entwickelt, sondern es wird auf bestehende Entwicklungsgrade zugegriffen, welche nach 7 Demnach wird eine Kundenanspruch personifiziert und modifiziert werden. Variante wie folgt definiert:
Das Variantenmanagement kann somit als Handling von verschiedenen Varianten verstanden werden. Demgegenüber wurde der Begriff der Mass Customization schon im Jahre 1987 im Zusammenhang mit der Textilbranche von Stan Davis kreiert. Frank T. Piller jedoch definiert das Mass Customization branchenunabhängig wie folgt:
7 Vgl. Piller, Frank T.: Kundenindividuelle Massenproduktion. Die Wettbewerbsstrategie der Zukunft.
München; Wien: Carl Hanser Verlag, 1998, S. 67.
8 „Variante“. Gabler Wirtschaftslexikon. Das Wissen der Experten. Wiesbaden: Gabler Verlag.
Grundlegendes zur Mass Customization 16
Mass Customization Logistik und Controlling -Herausforderungen der kundenindividuellen Massenproduktion
2.3. Konzeptionen der Mass Customization
In der Literatur existieren auf Grund der zuvor dargestellten Entstehungsgeschichte der Mass Customization zahlreiche verschiedene Konzeptionsansätze, welche sich im Wesentlichen bezüglich Standardisierungsgrad und Individualisierungsvermögen 10 Eine der geläufigsten Unterteilungen gliedert die Mass unterscheiden. 11 Customization in Soft und Hard Customization.
2.3.1. Soft Customization (offene Individualisierung)
Die Soft Customization beschränkt sich auf die Vollendung einer Kundenindividualisierung, die im Vertrieb, vom Einzelhändler oder gar vom Kunden selbst vollendet wird, und somit nicht innerhalb des produzierenden Unternehmens von statten geht. Eine Kommunikation zwischen Endabnehmer und Produzenten ist nicht notwendig, da bereits während der Entwicklung und Konstruktion des Endprodukts dem Kunden Spielräume geschaffen werden, und so eine Individualisierung nach der eigentlichen Fertigstellung des Produkts erst ermöglicht. Hierbei steht der Massenproduktion nicht viel im Wege, da die Kundenwünsche den Produktionsablauf nicht beeinflussen. Somit gelingt es dem produzierenden
9 Piller, Frank T.: Mass Customization. Ein wettbewerbsstrategisches Konzept im
Informationszeitalter. 4. Auflage. Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag, 2006, S. 161.
10 Siehe Anhang.
11 Vgl. Piller, Frank T.: Mass Customization. Ein wettbewerbsstrategisches Konzept im
Informationszeitalter. 1. Auflage. Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag, 2000, S. 247ff. Grundlegendes zur Mass Customization 17
Mass Customization Logistik und Controlling -Herausforderungen der kundenindividuellen Massenproduktion Unternehmen die Variantenvielfalt zu beschränken, und trotzdem dem Kunde ein 12 breites Spektrum an Möglichkeiten zur Individualisierung zu vermitteln.
2.3.2. Hard Customization (geschlossene Individualisierung)
Im Gegensatz zur Soft Customization findet die Individualisierung bei der Hard Customization während der Fertigung und in der Produktion statt. Grundvoraussetzung hierfür ist, eine Kommunikation zwischen Produzenten und Konsumenten vor der Endmontage bezüglich deren Wünsche. Demzufolge unterliegt der Fertigungsprozess gegenüber der Soft Customization einer viel 13 höheren Komplexität und ist geprägt durch eine größere Variantenvielfalt.
Darstellung 2: Konzeptionen der Mass Customization
Quelle: Eigene Ausarbeitung in Anlehnung an: Piller, Frank T.: Mass Customization. Ein
wettbewerbsstrategisches Konzept im Informationszeitalter. 1. Auflage. Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag, 2000, S. 251.
12 Vgl. Piller, Frank T.: Mass Customization. Ein wettbewerbsstrategisches Konzept im
Informationszeitalter. 4. Auflage. Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag, 2006, S. 219.
13 Vgl. Piller, Frank T.: Mass Customization. Ein wettbewerbsstrategisches Konzept im
Informationszeitalter. 4. Auflage. Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag, 2006, S. 219. Grundlegendes zur Mass Customization 18
Mass Customization Logistik und Controlling -Herausforderungen der kundenindividuellen Massenproduktion
2.4. Prinzipien der Mass Customization
Durch Anwendung einer Mass Customization Strategie im Unternehmen ergeben sich diverse Prinzipien, die für das nach diesem Ansatz wirtschaftende Unternehmen zu beachten sind: Prinzip des Differenzierungsvorteils, der Kostenposition, der Kundenintegration und des stabilen Lösungsraums. Der Differenzierungsvorteil besagt, dass persönliche Kundenpräferenzen erfüllt werden können. Hierdurch entsteht ein Nutzenzuwachs beim Kunden, welcher sich, aus strategischer Perspektive des Unternehmens, positiv gegenüber den Mitbewerbern äußern kann. Dies kann erzielt werden, da nicht nur das produzierende Unternehmen Differenzierungsvorteile gegenüber dem Markt erreicht, sondern auch weil jeder einzelne Kunde für sich selbst Differenzierungspotentiale gegenüber dem Standard- beziehungsweise Massenprodukt zur Erfüllung seiner Bedürfnisse wahrnimmt. Dabei kann zwischen individuellen Maßen, individueller Funktionalität oder persönlicher visueller 14 Wahrnehmung unterschieden werden.
Die Kostenposition eines mit Mass Customization Strategie produzierenden Unternehmens ähnelt dem der in Masse produzierenden Unternehmen. Der auf Kundenseite entstandene Nutzenzuwachs kann und darf auch zu einer etwas höheren Preispolitik im Absatz führen. Somit können höhere Kosten bei Produktion und Vertrieb aufgefangen werden.
Dennoch spielt gerade die Massenproduktionseffizienz eine tragende Rolle bei der Anwendung dieser Strategie. Durch sie wird dem Kunden und dem Unternehmen ermöglicht, den degressiven Fixkostenanteil in der Massenproduktion auszunutzen.
14 Vgl. Müller, Melanie: Integrationskompetenz von Kunden bei individuellen Leistungen.
Konzeptualisierung, Operationalisierung und Erfolgswirkung. Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag, 2007, S. 27; Vgl. Reichwald, Ralf; Frank T. Piller: Interaktive Wertschöpfung. Open Innovation,
Individualisierung und neue Formen der Arbeitsteilung. 2. Auflage. Wiesbaden: GWV Fachverlage
GmbH, 2009, S. 226ff. Grundlegendes zur Mass Customization 19
Mass Customization Logistik und Controlling -Herausforderungen der kundenindividuellen Massenproduktion Dadurch kann ein Preis erzielt werden, der unter jenem liegt, welcher bei 15 gewöhnlicher Einzelanfertigung anfallen würde.
Die Kundenintegration stellt das wichtigste Element für die Mass Customization dar. Durch die, vom späteren Käufer geäußerten Wünsche, die eine Konkretisierung der Kundenerwartungen darstellen, wird dieser zum Co-Designer. Mit Hilfe einer, vom Hersteller zur Verfügung gestellte Interaktionsplattform, werden die durch den Kunden gegebenen, für sein Produkt relevanten, Informationen direkt in den Leistungserstellungsprozess des Produzenten integriert. Diese, durch Produzenten und Konsumenten genutzte Interaktionsplattform beruht auf den Konzepten der Informations- und Kommunikationstechnologien, welche kurz als IKT 16 Um einen optimalen und möglichst beziehungsweise IuK-Technik bezeichnet wird.
effizienten Umgang mit den erhaltenen Informationen sicherstellen zu können, sollten diese Auskünfte über ein eingegliedertes Informationsmanagementsystem möglichst direkt, fehler- und verlustfrei bis zum Zulieferer weiterkommuniziert werden. Dies bildet die Grundlage für eine qualitativ hochwertige, informationsgestützte Lieferkette.
Basis für die Erzielung eines Differenzierungsvorteils, einer vorteilhaften Kostenposition und einer Kundenintegration ist der sogenannte stabile Lösungsraum. Dieser ist innerhalb des produzierenden Unternehmens durch beständige Prozesse und den Produktaufbau zu gestalten, damit trotz der bestehenden Stabilität eine kundenbezogene und flexible Individualisierung vorgenommen werden kann. Der Handlungsspielraum des Kunden ist vom
15 Vgl. Müller, Melanie: Integrationskompetenz von Kunden bei individuellen Leistungen.
Konzeptualisierung, Operationalisierung und Erfolgswirkung. Wiesbaden: Deutsche Universitäts-Verlag, 2007, S. 27; Vgl. Reichwald, Ralf; Frank T. Piller: Interaktive Wertschöpfung. Open Innovation,
Individualisierung und neue Formen der Arbeitsteilung. 2. Auflage. Wiesbaden: GWV Fachverlage
GmbH, 2009, S.229.
16 Vgl. Piller, Frank T.: Mass Customization. Ein wettbewerbsstrategisches Konzept im
Informationszeitalter. 1. Auflage. Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag, 2000, S. 14; Vgl.
Reichwald, Ralf; Frank T. Piller: Interaktive Wertschöpfung. Open Innovation, Individualisierung und
neue Formen der Arbeitsteilung. 2. Auflage. Wiesbaden: GWV Fachverlage GmbH, 2009, S. 226ff. Grundlegendes zur Mass Customization 20
Mass Customization Logistik und Controlling -Herausforderungen der kundenindividuellen Massenproduktion Produzenten durch die Vorproduktion so einzuschränken, dass weiter die Vorteile 17 der Massenproduktionseffizienz ausgenutzt werden können.
Darstellung 3: Prinzipien für Mass Customization
Quelle: Eigene Ausarbeitung in Anlehnung an: Reichwald, Ralf; Frank T. Piller: Interaktive Wertschöpfung. Open
Innovation, Individualisierung und neue Formen der Arbeitsteilung. 2. Auflage. Wiesbaden: GWV Fachverlage
GmbH, 2009, S. 227.
2.5. Ziele der Mass Customization
Wie bei anderen Strategien auch ist natürlich bei der Mass Customization das Unternehmenshauptziel eine Erlössteigerung und einen Vorteil durch 18 Differenzierung am Markt zu erzielen. Durch das Individualisierungs- und
Personalisierungspotential, welches durch die speziell veränderten Produkte in der Mass Customization besteht, kann die Zielerfüllung einer verstärkten Kundenbindung gegenüber den Wettbewerbern erzielt werden. Zudem kann bei
17 Vgl. Reichwald, Ralf; Frank T. Piller: Interaktive Wertschöpfung. Open Innovation,
Individualisierung und neue Formen der Arbeitsteilung. 2. Auflage. Wiesbaden: GWV Fachverlage
GmbH, 2009, S. 229f.
18 Vgl. Tietz, Bruno; Richard Köhler; Joachim Zentes: Handwörterbuch des Marketing. 2. Auflage.
Stuttgart: Schäffer-Poeschel Verlag, 1995, S. 2354. Grundlegendes zur Mass Customization 21
Mass Customization Logistik und Controlling -Herausforderungen der kundenindividuellen Massenproduktion einer gut organisierten Produktion durch den weiterhin bestehenden Grundgedanken der Massenproduktion eine Effizienz erzielt werden, welche nahezu 19 konvergent zur reinen Massenproduktion ist.
2.6. Herausforderungen der Mass Customization
Trotz der offensichtlichen Chancen und Möglichkeiten, welche die Mass Customization bietet und offenlegt, sind mit deren Anwendung auch einige Herausforderungen verbunden und zu beachten. Diese werden als interne und 20 externe Komplexität bezeichnet werden.
2.6.1. Externe Komplexität
Die externe Komplexität beschreibt eine Unsicherheit auf Kundenseite, welche durch die Möglichkeit der individuellen Gestaltung der Produkte ausgelöst werden kann. Generell können die externen Komplexitäten in begrenzte Informationsverarbeitungsfähigkeit der Kunden, zu geringes Produktwissen der Kunden und der Ignorierung der persönlich bestehenden Produktwünsche unterteilt werden. Die eingeschränkte Fähigkeit der Kunden, Informationen bezüglich der Individualisierungsmöglichkeiten aufzunehmen und zu verarbeiten, kann häufig durch zu viele und unstrukturierte Informationen und Möglichkeiten hervorgerufen werden. Demgegenüber steht die Voraussetzung, dass sich der Kunde bereits im Vorfeld mit dem Produkt auseinander gesetzt haben muss. Somit stellt der Spagat zwischen ausreichend notwendiger Informationsmenge und Über- beziehungsweise Unterinformation eine der Hauptherausforderungen der Mass Customization dar. Die Ignorierung der eigenen Wünsche auf Kundenseite kann ausschließlich durch eine Verdeutlichung des Nutzenzuwachses des zu individualisierenden Produktes verringert werden.
Desweiteren besteht die Gefahr, dass der Kunde durch ein Überangebot an Individualisierungsmöglichkeiten sich überfordert und abgeschreckt fühlt. Hinzukommt, dass Kunden, denen es nicht gelingt, die Produkte ihren Vorstellungen
19 Vgl. Weiber, Rolf: Handbuch Electronic Business. 2. Auflage. Wiesbaden: Gabler Verlag, 2002,
S. 481.
20 Vgl. Blecker, Thorsten; Gerhard Friedrich: Mass Customization. Challenges and Solutions. New
York: Springer-Verlag, 2006, S. 14. Grundlegendes zur Mass Customization 22
Mass Customization Logistik und Controlling -Herausforderungen der kundenindividuellen Massenproduktion entsprechend anzupassen, das Vertrauen gegenüber der Möglichkeit zur Individualisierung verloren geht. Um diese Risiken zu minimieren, sollte den Kunden ein leicht zu handhabendes sowie ein leicht verständliches Konfigurations- und Informationssystem zur Individualisierung und zum Kennenlernen des Produkts zur 21 Verfügung gestellt werden.
2.6.2. Interne Komplexität
Auch auf Unternehmensseite ergeben sich Herausforderungen, welche demgegenüber als interne Komplexität bezeichnet werden. Basierend auf der Variantenvielfallt können ein Verlust der Effizienz, eine Verlangsamung der produktbezogenen Supply Chain und/oder eine Erhöhung variabler sowie fixer Kosten resultieren. Diese drei Konsequenzen sind stark voneinander abhängig und besitzen eine negative Korrelation untereinander. Folglich muss sich das mit Mass Customization agierende Unternehmen mit einer Art Dilemma auseinandersetzten. Durch die Erhöhung der Varianten, können sich somit gegenüber der reinen Massenproduktion Effizienzverluste ergeben. Auch eine Verlangsamung der Supply Chain sowie eine Erhöhung der produktbezogenen Einzel- und Gemeinkosten 22 können durch die Mass Customization resultieren.
2.7. Notwendige Voraussetzungen für das
produzierende Unternehmen
Das Konzept der Mass Customization ist nicht für Unternehmen aller Art und Größe möglich und/oder sinnvoll. Um dieses Konzept erfolgreich in einem bestehenden Unternehmen umzusetzen und anzuwenden, ist es notwendig, dass das jeweilige Unternehmen seine Produkte bereits erfolgreich durch Massenproduktion fertigt, da die erforderlichen Rahmenbedingungen auf dem Konzept der Massenproduktion basieren. Ein weiterer wichtiger Aspekt besteht darin, dass das jeweilige Produkt die Voraussetzung mitbringen muss, eine Individualisierung überhaupt zu ermöglichen
21 Vgl. Blecker, Thorsten; Gerhard Friedrich: Mass Customization. Challenges and Solutions. New
York: Springer-Verlag, 2006, S. 14ff.
22 Vgl. Blecker, Thorsten; Gerhard Friedrich: Mass Customization. Challenges and Solutions. New
York: Springer-Verlag, 2006, S. 16f. Grundlegendes zur Mass Customization 23
Mass Customization Logistik und Controlling -Herausforderungen der kundenindividuellen Massenproduktion ohne dabei gravierenden Änderungen im Massenproduktionsprozess hervorzurufen. Im Optimalfall kann man die bereits bestehende Variantenvielfalt, welche den eigentlichen Produktionsprozess komplexer gestaltet, auf die Produktion der kundenindividualisierten Massenprodukte übertragen, da die eben geschilderten Implementierungsschwierigkeiten auch bei der Mass Customization auftreten können.
2.8. Die Rolle des Marketing
Eine enorm wichtige Rolle für die praktische Umsetzung der Mass Customization spielt das Marketing. So kann dieses eine Win-Win-Situation für Unternehmen und Kunden ermöglichen. Der Kunde profitiert durch ein, auf seine Bedürfnisse zugeschnittenes Produkt zu einem angemessenen Preis. Das Unternehmen kann wichtige Kundeninformationen ohne Erhebungen durch Marktforschungen gewinnen, Kundenloyalität aufbauen und durch die Zusammenarbeit noch besser 23 auf Kundenbedürfnisse eingehen.
Unerlässlich ist das Marketing schon im Vorfeld, um durch Marktanalysen festzustellen, ob die Individualisierung des vorgesehenen Produktes überhaupt vom Markt verlangt wird und/oder erwünscht ist. Weiter müssen Marktpotentiale abgeschätzt werden und über die geeigneten Informationsaustauschwege und Kommunikationswege Erhebungen durchgeführt werden, um sicherstellen zu können, dass die Mass Customization für das jeweilige Produkt geeignet ist und damit offene Kundenbedürfnisse gesättigt werden können. Somit lässt sich sagen, dass die Implementierung und Markteinführung eines kundenindividualisierten Produkts maßgeblich von den gewonnenen Informationen von Seiten des Marketings abhängt.
2.9. Relevanz für Logistik und Controlling
Die in den vorherigen Punkten beschriebenen und erläuterten Ansätze zur Mass Customization stellen Unternehmen vor neue Herausforderungen. Gerade bei der Einführung von Produkten, welche dem Kunden zur Individualisierung angeboten
23 Recklies Management Project GmbH: Marketing - Mass Customization. 2007.
Grundlegendes zur Mass Customization 24
Mass Customization Logistik und Controlling -Herausforderungen der kundenindividuellen Massenproduktion werden, stehen Unternehmen vor neuen, ungewohnten Hindernissen, die es zu überwinden gilt. Während die Veränderungen unternehmensweit wirken, ist die Intensität der dadurch entstehenden Herausforderungen jedoch je nach Unternehmensbereich verschieden. Vor allem hat es drastische Auswirkungen auf die Lieferketten und den Beschaffungsvorgang und fordert so die logistischen Bereiche der Unternehmen. In diesem Zuge werden auch die Bereiche des Controllings durch den Ansatz der Mass Customization vor Problematiken gestelltgerade bezüglich Planung, Steuerung und Kontrolle der Produkte.
Grundlegendes zur Mass Customization 25
Mass Customization Logistik und Controlling -Herausforderungen der kundenindividuellen Massenproduktion
3. Beschaffungslogistik
Der Fokus des gesamten zweiten Abschnittes dieser Arbeit liegt auf dem Teilbereich der Beschaffungslogistik. Um diese in die Gesamtlogistik einordnen zu können, ist es sinnvoll zuerst die Begrifflichkeit der Logistik und deren Aufbau genauer zu betrachten. Anschließend werden Aspekte des Marketings für die Beschaffung, Aspekte der Beschaffungslogistik selbst, der Beschaffungsprozess, die Aufgaben und Ziele der Beschaffung, die Auswahl und Bewertung geeigneter Lieferanten, gängige Beschaffungsstrukturen und -konzepte, elektronische Beschaffungswege sowie Wareneingänge genauer untersucht. Zuletzt wird dargelegt, wie sich das Konzept der Mass Customization auf die Beschaffungslogistik eines Unternehmens auswirken kann.
3.1. Begriff und Aufbau der Logistik
Der Ursprung der Logistik, beziehungsweise des Logistikbegriffes, liegt im militärischen Bereich. Der Begriff der Logistik wurde in diesem Zusammenhang für die Thematiken der Truppenbewegungen und der Nachschubgestaltung verwendet. Der Übertrag in die wirtschaftliche Welt erfolgte in den USA bereits Mitte der sechziger Jahre, in Deutschland hingegen geschah dies erst Anfang der siebziger Jahre. Auch in den Betrachtungsweisen dieser beiden Nationen gab es zunächst große Unterschiede. In den Vereinigten Staaten lag der Fokus über einen relativ langen Zeitraum ausschließlich auf der Distribution, wohingegen sich die deutschen Industrien eher mit Beschaffung und Produktion auseinandersetzten. Aus diesen verschiedenen Ansatzweisen entwickelten sich auch diverse Definitionen bezüglich der Logistik. Trotz dieser existierenden Vielzahl an Definitionen lassen sich Gemeinsamkeiten herausarbeiten. Diese liegen meist in Planung, Abwicklung sowie Kontrolle von Materialien und Informationen. Auch Schulte beschreibt mit diesen 24 Charakteristika seine Definition der Logistik wie folgt:
24 Vgl. Pfohl, Hans-Christian: Logistikmanagement. Konzeptionen und Funktionen. 2. Auflage.
Heidelberg: Springer-Verlag, 2004, S. 3f; Vgl. Schulte, Christof: Logistik. Wege zur Optimierung der
Supply Chain. 4. Auflage. München: Verlag Franz Vahlen GmbH, 2005, S. 1. Beschaffungslogistik 26
Mass Customization Logistik und Controlling -Herausforderungen der kundenindividuellen Massenproduktion
Aufbauend auf dieser Definition lassen sich die allgemeinen Ziele der Logistik beschreiben. Diese Ziele werden auch als die „sechs R“ der Logistik bezeichnet und fordern ein Bereitstellen der richtigen Menge, der richtigen Objekte, am richtigen 26 Ort, zum richtigen Zeitpunkt, in der richtigen Qualität und zu den richtigen Kosten. Um Ziele und Aufgaben der Logistik besser zu verstehen, werden diese in dispositive Logistik und physische Logistik unterteilt. Während sich die dispositive Logistik mit Informationsflüssen zwischen Kunden und Lieferanten befasst, ist die physische Logistik auf Materialflüsse ausgehend von der Lieferantenseite bis hin zum Kunden beschränkt. Neben dieser Unterteilung, welche über alle weiteren Logistikbereiche hinweg gilt, wird die Logistik zudem in vier Hauptgruppen untergliedert. Demnach ergeben sich Beschaffungslogistik, Produktionslogistik, Distributionslogistik und Entsorgungslogistik. Diese Teilbereiche haben die unterschiedlichsten Aufgaben und Teilziele, welche aber strategisch mit den anderen Bereichen verbunden sein müssen. Diese logistische Kette und ihre Zusammenhänge werden in folgendem 27 Schaubild veranschaulicht und visualisiert.
25 Schulte, Christof: Logistik. Wege zur Optimierung der Supply Chain. 4. Auflage. München: Verlag
Franz Vahlen GmbH, 2005, S. 1.
26 Vgl. Koether, Reinhard: Taschenbuch der Logistik. Leipzig: Carl Hanser Verlag, 2004, S. 21.
27 Vgl. Koether, Reinhard: Taschenbuch der Logistik. Leipzig: Carl Hanser Verlag, 2004, S. 37.
Beschaffungslogistik 27
Mass Customization Logistik und Controlling -Herausforderungen der kundenindividuellen Massenproduktion
Darstellung 4: Logistische Kette
Quelle: Eigene Ausarbeitung in Anlehnung an: Koether, Reinhard: Taschenbuch der Logistik. Leipzig: Carl Hanser
Verlag, 2004, S. 37.
3.2. Einschränkungen und Grundlegendes
Entwickelt hat sich die Disziplin der Beschaffungslogistik aus verschiedenen Stufen von Einkaufskonzeptionen der Unternehmen im Laufe der letzten Jahrzehnte. Bei dieser Betrachtung spielte das steigende Niveau der Einkaufskonzeptionen im Zeitverlauf eine entscheidende Rolle. Ausgehend von einer Güterknappheit, welche zu einer „Versorgung um jeden Preis“ führte, entwickelte sich der Trend, nicht zuletzt wegen einer ständig akuter werdenden Güterknappheit einiger Bau- und Rohstoffe, über ein immer preisbewussteres Einkaufsverhalten und 28 Materialmanagement hin zur Beschaffungslogistik.
Die Beschaffungslogistik wird als Teil des Beschaffungsmanagements gesehen, jedoch getrennt vom Einkauf betrachtet. Aufgrund der starken Interaktion der beiden Bereiche ist eine vollständige Separation jedoch nicht möglich. Während der Einkauf hauptsächlich administrativen Funktionen nachkommt, ist die Beschaffungslogistik vor allem für Informations- und Materialfluss zuständig und
28 Vgl. Schulte, Christof: Logistik. Wege zur Optimierung der Supply Chain. 4. Auflage. München:
Verlag Franz Vahlen GmbH, 2005, S. 264. Beschaffungslogistik 28
Mass Customization Logistik und Controlling -Herausforderungen der kundenindividuellen Massenproduktion 29 Folglich kann man den Teilbereich der Beschaffungslogistik auch verantwortlich. wie folgt definieren:
Darstellung 5: Abgrenzung Einkauf und Beschaffung
Quelle: Eigene Ausarbeitung in Anlehnung an: Schulte, Christof: Logistik. Wege zur Optimierung der Supply
Chain. 4. Auflage. München: Verlag Franz Vahlen GmbH, 2005, S. 263.
3.3. Aspekte des Marketing - Beschaffungsmarktforschung
Im Zuge der Beschaffung spielt auch das Marketing eine entscheidende Rolle. Das Marketing betreibt Forschungen über den zur Verfügung stehenden Beschaffungsmarkt, um Bestimmungen und Entscheidungen für ein Unternehmen 29 Vgl. Kluck, Dieter: Materialwirtschaft und Logistik. Lehrbuch mit Beispielen und Kontrollfragen. 2.
Auflage. Stuttgart: Schäffer-Poeschel Verlag, 2002, S. 129f; Vgl. Schulte, Christof: Logistik. Wege zur
Optimierung der Supply Chain. 4. Auflage. München: Verlag Franz Vahlen GmbH, 2005, S. 263.
30 Kluck, Dieter: Materialwirtschaft und Logistik. Lehrbuch mit Beispielen und Kontrollfragen. 2.
Auflage. Stuttgart: Schäffer-Poeschel Verlag, 2002, S. 129. Beschaffungslogistik 29
Arbeit zitieren:
Gunther Bürk, Alexander Lehmann, 2010, Mass Customization - Logistik und Controlling, München, GRIN Verlag GmbH
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