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Mein Dank gilt Herrn Prof. Dr. Peter Nickl und Herrn Dr. Thorsten Paprotny für ihre
Bereitschaft, diese Arbeit zu betreuen, sowie für ihr Engagement für den neueingeführten
Bachelorstudiengang.
Gedankt sei ferner Katharina Meier, Wolfram Schäfer, Timm Wiese, Michael Forster, Natalya
Yarmak, Domenik von Dernburg und all jenen, die mich auf dem Weg des Verfassens der
Arbeit ermutigt haben und sonst auch immer für mich da waren.
Wolfram Schäfer möchte ich ausdrücklich für das Korrekturlesen und geduldige Besprechen
danken.
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1. Einleitung 4 2. Hauptteil 7 I. Sein und Bewusstsein 7
A. Ontologische Vorüberlegung 7 a. Bewusstsein 9 B. Seinsbezüge 12 C. Das Glauben 13
D. Phänomenologische Ursprünge 14 II. Das Nichts 15 A. Die Lüge 15 B. Die Reflexion 16 C. Anerkennungsdialektik 18
D. Hegel und der Widerspruch der moralischen Haltung 20
E. Die Dialektik der Unaufrichtigkeit 22 Zusammenfassung 24
III. Die Unaufrichtigkeit als Sünde? 26
IV. Die Authentizität (authenticité) 28 A. Santonis Argument 29 B. Konversion 32 a. Heidegger 33 b. Biografischer Kontext 33 Schluss 34 Literaturverzeichnis 35
1. Einleitung
Diese Worte stammen von Hans- Georg Gadamer, welcher, wie immer pointiert, die Sache auf den Punkt gebracht hat. Sartre ist im Wesentlichen ein praktischer Philosoph. Seine theoretischen Schriften stehen im Dienste um die Bemühung einer praktischen Philosophie der Freiheit.
Natürlich hat jede Ethik den Bezug zum Anderen, sei es auch ein negativer Bezug, aufzuzeigen. Doch dieses ist ein theoretisches Unterfangen, denn der Andere ist in der Philosophie durchaus nicht selbstverständlich.
Für Sartre bedeutet die Existenz des Anderen in erster Linie einen Konflikt, einen Skandal, ja, sogar die „Hölle“ 2 .
Ziel dieser Arbeit ist zu zeigen, dass Sartre bereits in seinem Hauptwerk „Das Sein und das Nichts“, besonders aber an der Stelle, wo das Sein des Bewusstseins in seinen unmittelbaren Strukturen untersucht wird, die Weichen für eine spätere Moralphilosophie gestellt hat, welche er freilich niemals ausführte. Es wird ersichtlich werden, dass Sartre im Aufwerfen ethischer Fragen moralphilosophische Begriffe wie „Ehrlichkeit“, „Aufrichtigkeit“, etc. bereits verwendet, nicht so sehr mit Ziel, eine Moralphilosophie zu begründen, sondern um seine Theorie des Bewusstseins darzustellen. Ferner wird die Terminologie auffallen, welche bei Sartre stark metaphorisch ausfällt und vielerlei Metaphern aus der Theologie beinhaltet (das Glauben, der Beitrag des Teufels, Konversion, s.u.).
Es wird weiterhin zu zeigen sein, inwieweit Sartres Begrifflichkeit auf Hegel rekurriert, ohne ihn in jedem Punkt direkt anzuführen.
1 Hans-Georg Gadamer. Das Sein und das Nichts. In: König (Hg.), Sartre: Ein Kongreß, Hamburg: 1988, S.48f.
2 Sartre, J.P. Bei geschlossenen Türen. Gesammelte Dramen. Hamburg: 1984. S. 95.
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Zentral für die Untersuchung wird vor allem der Begriff der Unaufrichtigkeit (mauvaise fois) sein. Ich werde zu zeigen versuchen, dass die Unaufrichtigkeit kein bloß anthropologisches Phänomen darstellt, sondern auch aussagelogisches Problem darstellt. Insbesondere wird ein Beispiel für eine Verhaltensweise der Unaufrichtigkeit diskutiert werden. Außerdem will die Untersuchung einen moralphilosophischen, aber nicht näher ausgeführten und oft vagen Begriff, nämlich den der Authentizität, in seinem philosophiehistorischen und biographischen Zusammenhang näher erläutern.
Wir sind mit mehreren Schwierigkeiten konfrontiert. Erstens ist die Verhaltensweise der Unaufrichtigkeit ein vielfältiges und vielschichtiges Unterfangen. Es stellt eine Art dar, wie Sartre verschiedene Denker mit ihren eigenen Mitteln bereits an einer recht frühen Stelle seines Hauptwerks „zuende dachte“. So kommen namhafte Personen wie André Gide, Marcel Proust, Fjodor M. Dostojewskij, Sigmund Freud, Alfred Adler vor seine Feder und werden einer schonungslosen Kritik unterzogen, aber auch mit einer impliziten Anerkennung bedacht. Doch die Leitfiguren seiner Philosophie bilden ein „deutsches Triumvirat“ der französischen Philosophie: Hegel, Husserl und Heidegger. Sie bilden, nach der Art der Bewusstseinsgestalten Hegels wichtige, ja unentbehrliche Entwicklungsschritte in der Philosophie Sartres, folgen aber der von Husserl entwickelten Phänomenologie und ihrer Nebenlinie: der Fundamenalontologie Heideggers. Nicht zu vergessen ist aber, dass Sartre ein Kantianer bleibt, trotz seiner scheinbar primären Affininität zu den Denkern der Synthese und Phänomenologie. Sein Konzept der Freiheit folgt der apriorischen Ausrichtung Kants und der phänomenologischen Ausrichtung Husserls, von den Phänomenen auf ihre Bedingung oder auf ihren Sinn hin zu fragen, sowie seine kritische, obgleich bei weitem keine ablehnende Haltung gegenüber der Metaphysik (Vgl. „Metaphysische Apercus“, SN, 1009ff. ) offensichtlich von Kant geprägt sind. Zu fragen ist aber nicht nur, wie der Mensch in seinem Sein beschaffen sein muss, damit ein ethisches Miteinander möglich ist, sondern wie ist eine konkrete Erfahrung der Authentizität denkbar? Welche Konkreten geschichtlichen und sozialen Aspekte spielen hinein und ermöglichen ein authentisches Erlebnis? Zur Methode
Wir haben einen philosophiegeschichtlichen Zugang, indem wir aber diesen Zugang mit dem literaturhistorischen Komplement versehen mussten. Dies war der Tatsache geschuldet, dass Sartre ein „homme de lettres“ in demselben, ja, vielleicht gar in einem höheren Maße war,
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denn ein Philosoph. Wir werden sehen, dass Sartres Termini bei verschiedenen Denkern Anleihen machen, ohne sie direkt zu zitieren.
Natürlich haben wir die Auswahl der Texte rapide reduzieren müssen, um den philosophieimmanenten Akzent dennoch nicht preiszugeben.
Die Unaufrichtigkeit wird zunächst auf die ontologischen Bedingungen des Bewusstseins zurückgeführt, wo sie unmittelbar einen Zugang zum Anderen impliziert. Ein Einstieg wäre zunächst Sartres Seinsbegriff anzuschauen. Zur verwendeten Sekundärliteratur:
Unsere Arbeitshypothesen verdanken sich im Wesentlichen zwei Denkern: Klaus Hartmann 3 und Ronald E. Santoni 4 . Die literaturhistorische Thematik ist Katharina Hüttmann 5 zu verdanken. 6
3 Hartmann, Klaus. Grundzüge der Ontologie Sartres in ihrem Verhältnis zu Hegels Logik. In: Die Philosophie
J.P.Sartres. Zwei Untersuchungen zu „L’Être et le Néant“ und zur „Critique de la Raison Dialectique.“ Berlin:
DeGruyter, 1983. Im Folgenden abgekürzt mit: „ Hartmann, Seitenzahl“.
4 Santoni, Ronald E. Bad faith, good faith and authenticity in Sartres early philosophy. Philadelphia: Temple
University Press, 1995. Im Folgenden abgekürzt mit: „Santoni, Seitenzahl”.
5 Hüttmann, Katharina. Der Einfluß André Gides im Werk Jean-Paul Sartres von 1939 bis 1949. Frankfurt: Lang,
2000. Im Folgenden abgekürzt mit: „Hüttmann, Seitenzahl“.
6 Zur Zitierweise: Die Werktitel werden abzugekürzt und nach dem ersten Zitat das Werk in Fußnote
angegeben. Der Abkürzung folgt, von einem Komma getrennt, die Seitenzahl. Alle verwendeten Werke werden
abschließend im Literaturverzeichnis erwähnt.
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2. Hauptteil
I. Sein und Bewusstsein
Das Bewusstsein ist nach Sartre notwendig zirkulär (Zirkel der Selbstheit) oder wie Hartmann schreibt: „Das Bewusstsein existiert als Zirkel: ich muss schon transzendieren, damit ich mir des transzendierenden Aktes bewusst sein kann; (…)“ (Hartmann, 28). Diese Zirkularität ist nur ein anderer Ausdruck für die Seinsweise des Bewusstseins als „Vorwegnahme“ (Hartmann, 30) der „Gegenwart“, das „Nichts“ oder Existenz, bar jeder Dualität, z. B. von „Ding“ und „Erscheinung“, wie auch von „Potenz“ und „Akt“ (Hartmann, S. 29). Als solches ist das Bewusstsein keine Substanz, sondern fortwährende Nichtung (Vgl. Hartmann, 58). Diese Behauptung soll in der Analyse der Unaufrichtigkeit erhärtet werden. Schauen wir uns zunächst Sartres Seinsbegriff an.
Der ontologische Status des Phänomens ist, nach Hartmann „suspekt“(Hartmann, S. 30), da die „Erfahrung (…) zunächst auf die Subjektivität eidetisch reduziert (…), um dann wieder aufgebaut, als „verstanden“ betrachtet zu werden. (Hartmann, S. 32) Sartre hingegen beginnt damit, das Fürsich einer „radikaleren Deskription der natürlichen Einstellung“ zu unterwerfen (Hartmann, S. 31).
Sartres Bemühen geht dahin, das Phänomen durch Sein zu stützen, was uns zur Diskussion seines Seinsbegriffs bringt. Beginnen wir mit der ontologischen Vorüberlegung.
A. Ontologische Vorüberlegung
Wenn Sartre vom „Sein“ 7 spricht, so ist das „parmenideische“ Sein gemeint (Hartmann, S. 35). Dieses ist zu bezeichnen als reine Positivität, aber auch als ein Diskretes, und doch durch keine ihm äußere Negation behaftetes Sein. Es ist weder seiend noch nicht seiend. Von ihm kann weiter nichts gesagt werden, es ist absolut unbestimmt und doch Ursache aller Bestimmtheit. Damit erinnert es an das „Ding an sich“ bei Kant (Vgl. Hartmann, S. 40).
7 Die metaphysische Frage nach dem Grund von Sein, warum es das Sein gibt, impliziert einen Zirkel, welcher
das Sein bereits voraussetzt (Vgl. SN, 1059).
Arbeit zitieren:
Ewgenij Naschpitz, 2008, Die Unaufrichtigkeit (mauvaise fois) als Zugang zu Sartres Ethik, München, GRIN Verlag GmbH
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