4.3 Propaganda via das Stadion 24
4.4 Architektur im Nationalsozialismus. 25
4.5 National Stadion Peking 26
4.5.1 Der Entwurf 26
4.6 Der Einfluss des Staates 27
4.7 Die Olympiastadien heute 28
4.8 Persönliches Fazit 29
4.9 Detailliertes Quellenverzeichnis 29
5.0 Berlin - Peking: Die Olympiaden im Vergleich 30
2
1.1 Vorwort
Die Wahl des Themas gestaltete sich bei unserer Gruppe relativ schwierig. Wir konnten uns lange nicht auf ein gemeinsames Thema festlegen. Anfangs wollten wir uns mit dem Thema Architektur befassen. Wir gaben uns jedoch nicht ganz zufrieden damit und somit einigten wir uns auf die interdisziplinäre Kombination von Geschichte und Architektur. Sogar den Sport, der unser gemeinsames Interesse bildet, konnten wir in unsere Arbeit einbinden. Im Zusammenhang mit Berlin kamen wir auf die Olympischen Spiele 1936 und da wir uns viele Parallelen zu den Spielen 2008 in Peking vorstellen konnten, schlossen wir diesen Teil auch in unsere Arbeit mit ein.
Selber gingen wir mit relativ wenigen Vorkenntnissen auf die Arbeit zu. Am Anfang hiess das für uns, viele Bücher lesen und recherchieren im Internet. Nach einigen Startschwierigkeiten mangels fehlender Motivation kam schliesslich jeder in seinem Thema in Schwung. Zuerst arbeitete jeder alleine für sich und am Schluss setzten wir uns einige Male zusammen, um der Arbeit den letzten Schliff zu verleihen.
Der Besuch im Olympiastadion Berlin während der Projektwoche brachte nicht jedem neue Quellen, doch trotzdem war es für alle drei eine wertvolle Erfahrung und auch eine Bestätigung dafür, das richtige Thema gewählt zu haben. Die Führung beeindruckte uns sehr und führte uns an interessante Orte im und ums Stadion herum.
1.2 Aufteilung der Arbeit und Fragestellungen Kevin Herter: Olympische Spiele 1936 Berlin
Berliner Olympiade 1936: Sportereignis oder Propagandaveranstaltung?
Jann Keller: Olympische Spiele 2008 Peking
Kann man einen möglichen Grund für die Zensuren erkennen? Wie will die Regierung, dass wir sie sehen?
Philipp Schlatter: Die Olympiastadien
Welche Bedeutungen hatten die Olympiastadien für die Propaganda der Länder? Welchen Einfluss hatte der Staat auf die Architektur der Stadien?
3
Jann Keller & Kevin Herter: Berlin - Peking: Die Olympiaden im Vergleich Welche Gemeinsamkeiten können festgestellt werden zwischen Berlin 1936 und Peking 2008?
1.3 These
Der Sport wird sowohl in Berlin 1936 wie auch in Peking 2008 missbraucht für politische Propaganda. Das eigene Volk und die ganze Welt wird von der Regierung bewusst hinters Licht geführt, um diese von ihrer Macht zu überzeugen.
4
2.0 Olympische Spiele Berlin 1936
Sportereignis oder Propagandaveranstaltung?
2.1 Einleitung
Mit der Vergabe der XI. Olympischen Sommerspiele 1936 an Berlin wurde dieser Weltanlass das erste Mal an ein diktatorisch regiertes Land vergeben. 1 Berlin aber erhielt die Zusage für die Spiele noch zur Zeit der Weimarer Republik. Durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 änderten sich die politischen Verhältnisse Deutschlands allerdings grundlegend. Die Nationalsozialisten (NS) merkten bald, dass ihnen mit den Olympischen Spielen eine einmalige Gelegenheit zur Selbstdarstellung des Regimes in die Hände gelegt wurde.
Das Ziel war schon bald definiert: Die ganze Welt sollte sich noch lange an dieses Ereignis erinnern und es sollte das nationalsozialistische Regime in ein gutes Licht rücken.
Im Nachhinein kann man sagen: Das Ziel wurde erreicht! Das beeindruckende Spektakel, die Atmosphäre im Stadion, die sportlichen Höchstleistungen blieben vielen Zuschauern, Teilnehmern und Journalisten in Erinnerung. Die NS-Propaganda brachte es fertig, die ganze Welt über die wahren Hintergründe des Regimes hinwegzutäuschen, zumindest solange bis die Spiele fertig waren. Nun rund 85 Jahre danach weiss man, dass die Spiele zur “Rekrutierung“ der Bevölkerung im Hinblick auf den 2. Weltkrieg missbraucht wurden.
2.2 Die Vergabe der Spiele an Berlin
Als die XI. Spiele vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) am 13. Mai 1931 an Berlin vergeben wurden, bedeutete dies einen besonderen Vertrauensbeweis für Deutschland. Denn 1920 und 1924 war Deutschland von der Teilnahme noch ausgeschlossen auf Grund seiner Rolle im 1. Weltkrieg. Mit der Machtergreifung des NS-Regimes 1933 sah es anfangs nicht gut aus für die Spiele. Denn die olympische Idee der Völkerverständigung und vor allem des Weltfriedens 2 liess sich nicht mit der NS-Ideologie vereinbaren. Hitler selbst bezeichnete die Spiele 1932 als „Erfindung von
1 Günther: Berliner Olympiade 1936 und Aussenwirkung S.3.
2 http://www.dhm.de/~jarmer/olympiaheft/olympia4.htm (28.03.10).
5
Juden und Freimauern“ 3 , wobei sich eine Teilnahme und erst recht die Ausrichtung selbstredend verbot. Gleich nachdem Hitler an die Macht gekommen war, ersuchte Lewald bei ihm um Audienz. Zu seiner Überraschung präsentierte sich ihm am 16. März ein gut aufgestellter Führer, der wider Erwarten "lebhaftes Interesse" an den Spielen zeigte, wie ein offizielles Kommuniqué vermerkte. So perplex war Lewald, dass er sein bestechendstes Argument, welches er sich zur Überredung zurechtgelegt hatte, glatt vergass und nur schriftlich nachreichte: Mindestens tausend aus aller Welt entsandte Journalisten versprächen doch eine "ungeheure Propagandawirkung für Deutschland", versicherte er Hitler. 4 Bald sahen die Nationalsozialisten die einmalige Chance zur Selbstverherrlichung. Seine endgültige Genehmigung brachte Hitler mit der Besichtigung des Olympia-Geländes und des Entscheides, dass anstatt des Umbaus des Grunewald-Stadions ein komplett neues Stadion gebaut werden sollte. 5
Durch die Verwirklichung der neuen Pläne Hitlers stiegen die Kosten von geplanten 5.5 Millionen Reichsmark auf ganze 42 Millionen Reichsmark. 6 Diese gewaltigen Mehrausgaben wurden damit begründet, dass es für Deutschland mit den vielen Arbeitsstellen, die geschaffen werden, einen grossen Mehrwert geben würde und somit die Arbeitslosenzahlen gesenkt werden. „Wenn man vier Millionen Arbeitslose hat, muss man für Arbeit sorgen“ 7
Das Organisationskomitee der Spiele war sowohl dem Propaganda- wie auch dem Innenministerium unterstellt. Dies stellte einen Verstoss der IOC-Statuten dar, in denen die Unabhängigkeit dieser Gremien gefordert wird. 8 Das Ganze wurde jedoch gegen aussen perfekt verschleiert.
2.3 Propaganda im Vorfeld
Klares Ziel des Regimes war es mit der Propaganda sowohl im Ausland als auch im Inland um Akzeptanz zu werben und allfällige Befürchtungen um zukünftige Ambitionen des Regimes zu zerstreuen. 9 Die Propaganda im Vorfeld der Spiele diente in erster Linie dazu, die Welt von perfekt durchorganisierten Spielen zu überzeugen
3 http://sposerver.sportdekanat.ruhr-uni-bochum.de/spogeschichte/Beispiel%20A.pdf (28.03.10).
4 Kluge: Olympiastadion S.61.
5 Günther: Berliner Olympiade 1936 und Aussenwirkung S.6.
6 http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41309596.html (18.03.10).
7 http://www.dhm.de/~jarmer/olympiaheft/olympia4.htm (19.03.10).
8 Günther: Berliner Olympiade 1936 und Aussenwirkung S.7.
9 Günther: Berliner Olympiade 1936 und Aussenwirkung S.8.
6
und allfällige Boykottbewegungen zu entkräften und stoppen. Der eigentliche Höhepunkt sollten dann die Spiele selbst darstellen. Damit die Ambitionen des Regimes überhaupt umgesetzt werden konnten, musste die Teilnahme der ausländischen Mannschaften gesichert werden.
Durch die Anregung des Volkes zu sportlicher Betätigung sollte der Wehrwillen der Bevölkerung geweckt sowie gesteigert werden und damit der Kriegseinsatz vorbereitet werden. Die eingesetzten Mittel zur Erreichung der propagandistischen Ziele waren vielfältig und es wurden dabei keine Kosten und Mühen gescheut. Unter der Führung des Propagandaministeriums wurde 1934 eine gross angelegte Werbeaktion gestartet. So reisten zum Beispiel der Reichssportführer, sowie der Vorsitzende des Organisationskomitees nach Oslo, Kopenhagen, Stockholm, Athen, Belgrad, Paris und London und warben dort für die bevorstehende Berliner Olympiade. Auch Sportler wie der damals prominente Boxer Max Schmelling reisten zu solchen Zwecken unter anderem auch in die USA. 10 Ausserdem wurden Plakate und Briefmarken entworfen, Broschüren gedruckt, sowie Vorträge und Empfänge organisiert.
Für die deutsche Bevölkerung wurde extra der “Olympia-Zug“ ins Leben gerufen. Dabei handelte es sich um eine auf einem Lkw durch das Land tourende Ausstellung, damit die Bevölkerung über die Olympischen Spiele aufgeklärt wurde. Der Zug zählte in fast 100 deutschen Städten über 600‘000 Besucher. 11 Um zögernde Länder vollends von den Spielen zu überzeugen, gab es unter anderem im Dezember 1935 in London ein organisiertes Fussball-Länderspiel bei dem England gegen Deutschland spielte. Zu diesem Spiel schickte das NS-Regime ausgewählte Zuschauer, darunter eine grosse Anzahl Frauen, die dort durch ihr diszipliniertes Auftreten die Engländer von der gefahrlosen Teilnahme an den Berliner Spielen überzeugen sollten. 12 Die Niederlage der deutschen Mannschaft steuerte zusätzlich einen kleinen Teil dazu bei.
Im Februar 1936 fand der grosse Probelauf für die Sommerspiele statt. Vom 6. bis am 16. Februar fanden in Garmisch-Patenkirchen bereits die Olympischen Winterspiele statt. Der reibungslose Verlauf und die gute Organisation überzeugten viele Nationen zusätzlich.
10 Günther: Berliner Olympiade 1936 und Aussenwirkung S.9.
11 Blatt: Propaganda & Berichterstattung S. 6.
12 Günther: Berliner Olympiade 1936 und Aussenwirkung S.10.
7
2.4 Presse
Nachdem die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter Partei (NSDAP) 1933 an die Macht kam, übernahm sie auch schnell die Kontrolle über den gesamten Presse-Apparat Deutschlands. Vor und während den Spielen wurden alle Medien vom Staat gelenkt. 13 Den Medien wurde vorgeschrieben, was sie zu berichten hätten und wie bestimmte Ereignisse dargestellt werden sollten. Allerdings wurde darauf verzichtet, den genauen Wortlaut in den Texten zu bestimmen, denn es sollte ja immer noch der Schein bestehen, dass Pressefreiheit herrsche. Leistete ein Redakteur oder Journalist den Anweisungen nicht folge, wurde er entlassen oder vielleicht sogar in Schutzhaft genommen. So wurde auch ein Verbot verhängt über Judenverhetzung oder die Konfession der jüdischen Athleten zu berichten. 14
Für die Verbreitung von unpolitischen Nachrichten in Deutschland wurde explizit der Olympia-Pressedienst ins Leben gerufen. Dieser publizierte ab April 1935 in rund 14 Sprachen. Ebenfalls in 14 Sprachen wurde die Monatszeitschrift “Olympiaheft“ 1936 verbreitet. 15 Zusätzlich gab es auch Rundfunk und Filmveranstaltungen die über die Vorbereitungen berichteten. Ab August wurde das Format “Pax Olympica“ in französischer, englischer und deutscher Sprache ausgestrahlt.
In den Sportstätten selbst durften nur ausgewählte, deutsche Fotografen arbeiten. Dies erscheint zwar auffällig merkwürdig, wurde aber schon an Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam so gehandhabt. Begründet wurde die Bestimmung damit, dass die Fotorechte beim Organisationskomitee liegen. 16 Dies kam den Nazis natürlich sehr entgegen da sie somit unvorteilhafte Bilder, z. B. im Sinne der Rassenideologie, aussortieren konnten. Während den Spielen wurde sogar ein Preis für die beste Berichterstattung im Sinne des Regimes verliehen. 17
Doch warum waren die Propaganda und Berichterstattung während und im Vorfeld der Spiele so erfolgreich? Der Grund liegt darin, dass die Spiele 1936 die ersten wirklich “modernen“ Spiele waren, anfangs der 30er Jahre nahm die Sportberichterstattung rapide zu und somit gewann der Sport bei der Bevölkerung immer mehr an Be-
13 Blatt: Propaganda& Berichterstattung S.10.
14 Blatt: Propaganda & Berichterstattung S.10.
15 Krüger: Olympischen Spiele S. 71.
16 http://www.dhm.de/~jarmer/olympiaheft/olympia6.htm (17.03.10).
17 Krüger: Olympische Spiele S.25.
8
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Kevin Herter, 2009, Olympiade Berlin 1936/Olympiade Peking 2008, München, GRIN Verlag GmbH
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