Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Begriffsklärungen. 4
2.1. Definition Ästhetizismus 4
2.2. Definition Dandyismus/Dandy. 4
2.3. Das neue Dandytum 4
3. Das Bildnis des Oscar Wilde 5
3.1. Erste Berührungen mit dem Ästhetizismus 5
3.1.1. John Ruskin 5
3.1.2. Walter Pater 5
3.1.3. Wildes früher Ästhetizismus 6
3.2. Gesellschaftlicher Aufstieg 7
3.3. Homme de lettres 8
3.4. Bourgeois wider Willen. 8
4. Das Bildnis des Dorian Gray. 9
4.1. Kritik am Ästhetizismus 10
4.2. Das ästhetische Kredo 11
4.3. Schnittstelle von Kritik und Kredo. 11
5. Conclusio. 14
6. Bibliographie 15
2
1. Einleitung
Sich die Frage zu stellen, wer Oscar Wilde wirklich war, wäre ein zu weites Feld - nicht nur für den sehr eingeschränkten Rahmen dieser Arbeit. Um einiges realistischer ist die Fragestellung: Wer wollte Oscar Wilde sein bzw. wie inszenierte er seine Person ständig von Neuem, einmal als reformierender Ästhet, dann wieder in der Maske des lässigen Dandys? An seinen Roman The Picture of Dorian Gray anlehnend, werde ich den ersten Teil dieser Arbeit, der sich mit der Selbstdarstellung Wildes beschäftigt, Das Bildnis des Oscar Wilde nennen. Seiner Maxime, dass man entweder ein Kunstwerk sein oder ein Kunstwerk tragen sollte 1 , kam er sowohl als auch nach und erarbeitete sich durch sein artifizielles Auftreten in der Öffentlichkeit ein Image, das anzog.
Die Zäsur, die den zweiten Teil meiner Arbeit einleitet, bildet der Roman The Picture of Dorian Gray - optimistisch betrachtet ein klarer Karrierehöhepunkt Oscar Wildes, etwas kritischer beleuchtet und sehr pathetisch wie übertrieben ausgedrückt: der Anfang vom Ende. Es kreuzen sich darin einerseits ästhetisches Kredo des Autors, andererseits die Kritik an eben demselben - eine paradoxe Situation, die zu entschlüsseln ich einen Versuch unternommen habe. Oscar Wilde selbst sah seine Beziehung zu The Picture of Dorian Gray als etwas Besonderes an, wie er 1894 in einem Brief an einen Bekannten offenbarte:
Dieses mein seltsames farbiges Buch enthält vieles von mir. Basil Hallward ist das, was ich zu sein glaube; Lord Henry das, wofür die Welt mich hält; Dorian das, was ich gerne sein würdein fernen Tagen vielleicht. 2
Durchaus eine Aussage, die dem Publikum einen bestimmten Blick auf den Autor nahelegen will. Was für einer das ist und worauf er sich bezieht, möchte ich versuchen im Laufe dieser Arbeit aufzudecken.
1 Vgl. Günter Erbe: Oscar Wilde. Ästhet, Dandy und Selbstdarsteller. In: Dandys. Virtuosen der Lebenskunst. Wien: Böhlau 2002. S. 216.
2 Norbert Kohl: Oscar Wilde. Leben und Werk. Frankfurt/M.: Insel 2000. S. 123.
3
2. Begriffsklärungen
2.1. Definition Ästhetizismus
Der Ästhetizismus gilt als eine Lebens- und Kunstanschauung, die dem Ästhetischen einen absoluten Vorrang vor anderen Werten einräumt. 3 Eine einheitliche Definition von Ästhetizismus gibt es nicht, unterschiedliche Strömungen vertraten teilweise gegensätzliche Ansichten. Feste Bestandteile aller Theorien waren allerdings Schönheit und Kunst.
2.2. Definition Dandyismus/Dandy
Als Dandyismus wird der in der Mitte des 18.Jh.s. in England aufgekommene Lebensstil bezeichnet, für den Exklusivität in Kleidung und Lebensführung sowie ein geistreich-zynischer Konversationston und eine gleichgültig-arrogante Haltung typisch waren. Es werden aber nicht nur Vertreter des Dandytums als Dandys bezeichnet, sondern auch generell Männer, die sich übertrieben modisch kleiden. 4
2.3. Das neue Dandytum
Der englische Geschmack kehrte in den letzen Jahrzehnten der Regierungszeit von Königin Viktoria 5 wieder zur Periode der Romantik zurück. Die neuen Dandys, zu denen oft auch Oscar Wilde gezählt wird, übernahmen einige der alten Regency 6 -Attitüden, standen aber nicht direkt in deren Tradition. Impulse lieferte weiterhin der Ästhetizismus mit seinem übertriebenen Schönheitskult und die Dekadenzbewegung, v.a. französische Schriftsteller wie Théophile Gautier oder Joris Karl Huysmans. Viele Vertreter dieses Dandytums, darunter auch Oscar Wilde mit seinen wechselnden Attitüden, thematisierten die Verwischung der Geschlechtergrenzen, eine Verschmelzung männlicher und weiblicher Eigenschaften. Die Dandys kamen nun zudem nicht mehr nur aus Adelskreisen und dem neureichen bürgerlichen Milieu, sondern waren oft Theaterleute und Künstler. 7
3 Duden. Das Fremdwörterbuch. Hrsg. von der Dudenredaktion. 7. neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Wien: Dudenverlag 2001. S. 99.
4 Ebd. S. 202.
5 Viktoria war von 1837 bis 1901 Königin des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Ir-land.
6 Epoche in der Geschichte Großbritanniens. In der Kunstgeschichte wird der Begriff als Stilrichtung verstanden und von 1783 bis 1834 angesetzt.
7 Vgl. Günter Erbe: Das neue Dandytum. In: Dandys. Virtuosen der Lebenskunst. Wien: Böhlau 2002. S. 214.
4
3. Das Bildnis des Oscar Wilde
3.1. Erste Berührungen mit dem Ästhetizismus
Wilde kam zwar sicher schon in Portora 8 mit ästhetischem Gedankengut, vor allem in Zusammenhang mit der hellenischen Kultur der alten Griechen, in Berührung, doch in Oxford saß er erstmals praktisch an der Quelle zeitgenössischer Ästhetizismusdebatten. Seine wichtigsten Lehrer diesbezüglich waren John Ruskin und Walter Horatio Pater, die in ihm die Liebe zur Schönheit, zur Kunst der Renaissance und der Antike entfachten.
3.1.1. John Ruskin
Für Ruskin mussten Ästhetik und Ethik Hand in Hand gehen. Da das Kunstwerk sehr viel von seinem Schöpfer enthält, diesen gewissermaßen preisgibt, sind beide Teile nicht als selbständig, sondern als eine feste Einheit anzusehen. Der Künstler hat somit die Möglichkeit mit seiner Kunst etwas auszusagen. Von schöner Kunst kann dann gesprochen werden, wenn die Aussage eine moralische Funktion hat. 9
Diese Position begegnet einem im Dorian Gray in der Person des Basil Hallward wieder, der betont, wie viel von sich selbst er im Porträt Dorians offenbart hat und dies dann später als unangenehm empfindet, vielleicht eben weil es kein moralisches Ziel war, das er mit diesem Werk verfolgte, sondern die Zügellosigkeit seiner Anbetung Dorians mit ihm durchging.
3.1.2. Walter Pater
Für Pater wäre dieses Sich-gehen-lassen während der Kunsterzeugung nicht nur kein Problem gewesen, sondern geradezu das, was er in seiner Kunsttheorie Studien zu Kunst und Dichtung der Renaissance propagierte: „art for art’s sake“. Er pries die Kunst um ihrer selbst willen, sie sollte nicht für andere Zwecke als den des Sinnengenusses missbraucht werden. Die Erfahrungen des Augenblicks und der Vergnügungen wurden von ihm zum Ziel der menschlichen Existenz erklärt, ganz egal was oder ob man überhaupt etwas aus den eigenen Handlungen lerne, Hauptsache sie würden durchlebt. Die Kunst biete allen, die sich auf ihre Gefühle bei deren Betrachtung einlassen, eine Fluchtmöglichkeit, die immun gegen die negativen Einflüsse der Realität mache. Erst durch die Kunst ergäbe das Leben Sinn. 10
8 Portora Royal School in Enniskillen - dort wurden Schüler für das Trinity College in Dublin vorbereitet. Oscar besuchte diese Schule sieben Jahre lang. Vgl. hierzu: Richard Ellmann: Oscar Wilde. München: Piper 2000. S. 17.
9 Richard Ellmann: Oscar Wilde. S. 79-86.
10 Vgl. Ebd. S. 79-86.
5
Arbeit zitieren:
Sandra Folie, 2010, Oscar Wilde als Ästhet, Dandy und Selbstdarsteller, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen: Oscar Wilde als Ästhet, Dandy und Selbstdarsteller ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen: neuer Titel erschienen: Oscar Wilde als Ästhet, Dandy und Selbstdarsteller
Sandra Folie hat einen neuen Text hochgeladen
The Picture of Dorian Gray. Lektüre mit 2 CDs
Elementary Level 1.100 Wörter ...
Oscar Wilde, Annabel Large
0 Kommentare