7.1 Soziale Gliederung der ländlichen Bevölkerung. 24
7.2 Soziale Institutionen im ländlichen Raum. 25
7.2.1 Familie als soziale Institution. 25
7.2.2. Religion als soziale Institution. 25
7.2.3 Lokalpolitik als soziale Institution. 26
8 Infrastruktur. 26
8.1 Technische Infrastruktur 27
8.1.1 Wasser- und Abwasserversorgung. 27
8.1.2 Energieversorgung 27
8.1.3 Verkehrsinfrastruktur 28
8.1.4 Kommunikationsinfrastruktur 29
8.2 Versorgungsinfrastruktur. 30
8.2.1 Lebensmitteleinzelhandel 30
8.2.2 Sonstige Einzelhandelsgeschäfte. 30
8.3.3 Gasthöfe 31
8.3.4 Ärztliche Versorgung 31
8.3.5 Post. 32
8.3.6 Schule 33
8.3.7 Sport- und Freizeiteinrichtungen. 34
8.4 Resümee 34
9 Problemräume. 35
9.1 Problemraum Nordsee 35
9.2 Problemraum Süditalien (Mezzogiorno) 37
9.3 Problemraum Alpen 38
10 Fazit. 41
Quellen. 42
II
Abbildungsverzeichnis
Seite
Abb. 1 Funktionen des ländlichen Raumes
Abb. 2 Natur- und Großschutzgebiete in Deutschland.
Abb. 3 Allgemeine Stadt-Land-Beziehungen
Abb. 4 Ländliche Räume in der EU nach OECD- Klassifikation.
Abb. 5 Raumstrukturen in Deutschland
Abb. 6 Raumstrukturen in Europa
Abb. 7 Windenergie in Deutschland
Abb. 8 Solarenergie in Deutschland
Abb. 9 Energieerzeugung in Europa.
Abb. 10 Demographischer Wandel in Deutschland
Abb. 11 Bevölkerungspyramiden in Europa.
Abb. 12 Der Regionaler Teufelskreis.
Abb. 13 Erreichbarkeit von Autobahnen
Abb. 14 Hausarztversorgung.
Abb. 15 Größe der Grundschulen
Abb. 16 Problemräume Europas
Abb. 17 Emissionen in die Nordesee.
Abb. 18 Übersichtskarte Italien.
Abb. 19 Grad der Erschwernis
Abb. 20 Geschichte der Alpen.
Abb. 21 Drahtseilakt der Alpen.
Abb. 22 Beispiel für Siedlungsplanung in den Alpen
III
Tabellenverzeichnis Seite
Tab. 1 Grenze der Einwohnerzahl für die Kategorie "ländlich" fallende Siedlung....................8
IV
1 Einleitung
Der Ländliche Raum ist, besonders durch den aktuellen demographischen Wandel in Deutschland und Europa, ein in den Medien oft angesprochenes und deshalb hochbrisantes Thema. Zunächst gilt es daher zu klären, was der ländliche Raum im Allgemeinen, aber auch in seiner detaillierten Vielfalt darstellt. Ohne Zweifel ist er kein Stück Vergangenheit, das vorbei und museal zu behandeln ist. Vielmehr ist er ein wesentlicher Teil unserer gegenwärtigen Situation. Einfach zu fassen beziehungsweise zu definieren ist der ländliche Raum nicht. Er beinhaltet komplexe Strukturen, Siedlungen und Typen, die geographisch und statistisch nicht einheitlich auftreten und somit mehrere Begriffsbestimmungen benötigen.
Insbesondere für die Raumordnungspolitik ist der ländliche Raum ein ständiges Sorgenkind. Tatsächlich belasten hohe Arbeitslosigkeit, Abwanderungen und infrastrukturelle Defizite die ländlichen Gebiete und Dörfer. Andererseits ziehen viele Industriebetriebe in ländliche Regionen, um die in der Land- und Forstwirtschaft freiwerdenden Arbeitskräfte aufzufangen und um die Freiflächen zu nutzen. Ziel dieser Hausarbeit ist es, den ländlichen Raum in seiner Komplexität zu erfassen und darzustellen. Die Analyse und Recherche wird zeitlich vorwiegend auf die Gegenwart bezogen. Darüber hinaus wird ansatzweise auf die Entwicklung seit dem 19. Jahrhundert eingegangen, um den facettenreichen Prozess von der Agrargesellschaft hin zur Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft im Wesentlichen zu begreifen.
Einleitend wird darauf eingegangen, was unter einem ländlichen Raum zu verstehen ist, damit der Leser Vorabwissen vermittelt bekommt und die später folgenden Inhalte nachvollziehen kann. Es wird darum gehen, Definitionen zu ermitteln und gemeinsame Merkmale unterschiedlicher Arten von ländlichen Räumen zusammenzufassen. Ebenso wird der Unterschied zwischen dem ländlichen Raum und dessen ländlichen Siedlungen erläutert. Der Hauptteil beschäftigt sich mit den verschiedenen Typen, die die Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD) und das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) alle paar Jahre veröffentlichen. Weiterhin werden die verschiedensten Strukturen, wie etwa die sozialen Verhältnisse, kulturelle Aspekte und die Infrastruktur genauer analysiert und ergebnisorientiert präsentiert. Ebenso wird auf die zahlreichen Probleme und Problemräume in Deutschland und Europa, die im ländlichen Raum zwangsläufig entstehen eingegangen und durch ausgewählte Beispiele veranschaulicht. Ein anschließendes, das Thema abrundendes Fazit wird die einzelnen Ausführungen zusammenfassen und dem Leser einen Überblick über das behandelte Sachgebiet verschaffen.
1
2 Ländlicher Raum - Was ist das?
Der Begriff „ländlicher Raum“ ist bis heute ein sehr komplexer und äußerst vielschichtiger Begriff geblieben. An Versuchen der Begriffsbestimmung mangelt es keineswegs. Etliche Formulierungen aus Lexika, Sachbüchern oder der Raumordnungspolitik tragen Verantwortung darüber, dass es keine allgemeingültige Definition des ländlichen Raumes gibt.
Eine Vielzahl der Merkmale, die den ländlichen Raum beschreiben stehen im ständigen Wandel. Sie sind überregional meist sehr unterschiedlich und müssen einzeln bewertet und definiert werden. Auch der Wandlungsprozess weg von der Agrargesellschaft hin zur Industriegesellschaft spiegelt sich im ländlichen Raum wieder. So ist die Bezeichnung des ländlichen Raumes selbst zwar dieselbe geblieben, jedoch sind deren Inhalte inzwischen so sehr vom Wechsel gekennzeichnet, dass eine genaue Beschreibung kaum noch möglich erscheint (vgl. Henkel 2004, S. 30f.).
Vereinfacht ist zu sagen, dass der ländliche Raum das Gegenstück zum urbanen Raum darstellt. Allerdings hat der Trend zur Verstädterung auch in den ländlichen Gebieten Einzug gehalten und verursacht somit eine starke Abhängigkeit des ländlichen Raumes von seiner am nächsten gelegenen Stadt. Um den ländlichen Raum dennoch zu definieren werden landschaftliche, wirtschaftliche, demographische, soziologische, administrative und baulichphysiognomische Kriterien zur Bestimmung herangezogen. Im Allgemeinen werden unter anderem folgenden Merkmale dabei genannt:
• Das Landschaftsbild ist von natürlichen und naturnahen Elementen geprägt (z.B. Wiesen, Weiden, Wälder usw.)
• Als wichtigster Wirtschaftsbereich gilt immer noch die Land- und Forstwirtschaft
• Die Ortsgröße, sowie Bebauungs- und Bevölkerungsdichte ist im Vergleich zur Stadt wesentlich geringer
• Zwischenmenschliche Beziehungen sind im ländlichen Raum enger und überschaubarer
• Hinsichtlich des Bruttoinlandsproduktes (Gesamtwert aller Güter, die innerhalb eines Jahres und innerhalb der Landesgrenzen hergestellt werden und dem Endverbrauch dienen) ist die Wirtschaftskraft geringer als in Verdichtungsgebieten
• Starke Abhängigkeit zum städtischen Raum hinsichtlich der Zentralität und Infrastruktur (vgl. Henkel 2004, S. 32f.).
Zusammengefasst ist der Ländliche Raum also ein naturnaher, von der Land- und Forstwirtschaft geprägter Siedlungsraum mit geringer Bebauungs- und Bevölkerungsdichte,
2
sowie einer geringen Wirtschaftskraft und Zentralität, in dem zwischenmenschliche Beziehungen eine größere Rolle spielen als in der Stadt. Bemerkenswert ist auch, dass trotz aller Wandlungsprozesse überwiegend traditionelle Kriterien zur Erforschung des Begriffes dienen. Sicherlich beschreiben diese sechs Punkte nur bedingt die Komplexität des Gegenstandes und es ist zu bedenken, dass es sich bei dieser Definition um eine verkürzte Fassung handelt (vgl. Henkel 2004, S. 33).
2.1 Funktionen des ländlichen Raumes
Die klassischen Funktionen, welche dem ländlichen Raum in den Industrie- und Dienstleistungsgesellschaften zugewiesen werden, sind vor allem die land- und forstwirtschaftliche Produktion, die Gewinnung von Rohstoffen und Mineralvorkommen, Freizeit und Erholung, die langfristige Sicherung der Wasserversorgung und der ökologische Ausgleich. Hinzu kommt die für den Ländlichen Raum quasi „eigene“ Funktion als Wohn-, Wirtschafts- und Freizeitraum (vgl. Henkel 2004, S. 39).
Abb. 1 Funktionen des ländlichen Raumes
Quelle: Henkel 2004, S. 39
3
2.1.1 Agrarproduktionsfunktion
Früher war die Landwirtschaft mit dem Ländlichen Raum gleichzusetzen. Aktuell ist diese Form der Agrarproduktion aber nur noch eine von mehreren Funktionen, die der ländliche Raum beinhaltet. Allgemein dient diese Art der Funktion, wie der Abbildung zu entnehmen ist, der Erzeugung land- und forstwirtschaftlicher Produkte sowie der Erhaltung und Pflege der ländlichen Kulturlandschaft.
Die Landwirtschaft hat sich, sei es auf dem Gebiet des Ackerbaus, der Tierhaltung oder der Forstwirtschaft stetig modernisiert. Große, schnelle Maschinen sind in der Lage mehrere Menschen zu ersetzen und das zu einem erheblich geringeren Zeit- und Arbeitsaufwand. Dadurch bleibt die Agrarproduktionsfunktion und ihre Tätigkeiten zwar immer noch primärer Wirtschaftsfaktor, jedoch ist zu sagen, dass weit weniger Menschen Land- oder Forstwirtschaft betreiben, als das vor 50 oder 100 Jahren der Fall war. Kulturlandschaft bezeichnet die durch den Menschen geprägte Landschaft. Wichtige Faktoren für die Entstehung und Entwicklung der Kulturlandschaft sind sowohl Beschaffenheit (Standortbedingungen) des Naturraums, die ursprüngliche Flora und Fauna, die menschlichen Einflüsse, als auch die daraus resultierenden Wechselwirkungen. Die Notwendigkeit der Erhaltung und Pflege solcher Landschaften zeigt sich anhand folgender Besonderheiten:
• Sie dienen der Erhaltung kultureller Werte
• Sie bilden wichtige Grundlage für Biotope und Artenschutz
• Sie verbessern die Chancen für einen umwelt-, sozial- und kulturverträglichen Tourismus (vgl. Bröckling 2004, S. 25).
2.1.2 Ökologische Funktion
Die Erhaltung und Schaffung eines ökologischen Gleichgewichts und gesunder Umweltbedingungen ist aus heutiger Sicht und im Hinblick auf den aktuellen Klimawandel die wichtigste Funktion überhaupt. Sauberes Trinkwasser, saubere Luft, unbelastetes Klima, Lärmfreiheit und die Möglichkeit landschaftsbezogener Erholung sind von wesentlicher Bedeutung für den Menschen. Der Ländliche Raum bietet aufgrund seiner vielen naturnahen und ländlichen Freiflächen enormes Potenzial, um diese Funktion in sinnvoller und erfolgreicher Weise umzusetzen (vgl. LEP IV 2008, S 187ff.). Eine umweltverträgliche Bodenbewirtschaftung durch sparsamen und schonenden Umgang mit dem Boden kann nur dann erfolgen, wenn die Flächeninanspruchnahme und die
4
Bodenversiegelungen auf ein gewisses Maß begrenzt werden. Dadurch wird gegen das Entstehen schadstoffbedingter Bodenveränderungen, Erosionen und Verdichtungen vorgesorgt. Die Ausweisung von Natur-, Landschafts- und Wasserschutzgebieten tragen dabei ebenso zur Sicherung der ökonomischen Leistungsfähigkeit und dem Erhalt natürlicher Lebensgrundlagen bei. Die Festsetzung von Wasserschutzgebieten dient vor allem der öffentlichen Wasserversorgung, also der nicht nur vorübergehenden Versorgung der Bevölkerung mit Trink- und Brauchwasser. Insbesondere für den ländlichen Raum ist diese Eigenschaft lebensnotwendig für die dort lebende Bevölkerung. Die Festlegung von Naturschutzgebieten erfolgt für jedes Land auf Grundlage von Gesetzen immer etwas anders. Gemeinsame Merkmale aber bilden die Pflege der Tier- und Pflanzenwelt sowie der Erhalt von einzigartigen und von wissenschaftlich besonders schön geltenden Naturflächen. In diesem Fall wird versucht, den natürlichen Lebensraum des ländlichen Raumes beizubehalten. Gleichzeitig bietet sich dem Menschen die Gelegenheit, die Vielfalt und Besonderheit des ländlichen Raumes dauerhaft zu bewundern (vgl. BfN 2009, online).
Abb. 2 Natur- und Großschutzgebiete in Deutschland
Quelle: Henkel 2004, S. 220
5
2.1.3 Erholungsfunktion
Die Bereitstellung von Freizeit- und Erholungseinrichtungen kann für viele Ländliche Räume eine wichtige Einkommensquelle in einer wirtschaftlich schwachen Region darstellen. Ebenso wichtig erscheint dabei die Pflege und Gestaltung der Erholungslandschaft, als Voraussetzung, um Touristen jeglicher Art anzulocken. Dabei gibt die Ausstattung eines Ländlichen Raumes in Form von Hotels, Gaststätten, Wanderwegen, seiner verkehrlichen Anbindung usw. Aufschluss darüber, ob sich ein Ländlicher Raum als Erholungs- und Tourismusstandort anbietet. Diese zählen zu den abgeleiteten oder standortfüllenden Voraussetzungen des Tourismus im ländlichen Raum. (vgl. Henkel 2004, S. 208ff.). Als besonders wichtige fremdenverkehrsspezifische Infrastruktureinrichtungen gelten die Bereiche Sport (z.B. Skilift, Bäder, Loipen), Kultur (Museen, Festivals, geführte Touren) sowie Medizin und „Wellness“ (z.B. Kurangebote, Spezialkliniken, Kneippeinrichtungen). Darüber hinaus ist die landschaftliche Attraktivität eines ländlichen Raumes, also die ursprüngliche und standortgründende Voraussetzung für Tourismus (vgl. Henkel 2004, S. 210), keineswegs zu vernachlässigen. Attraktive Kulturlandschaften zeichnen sich durch ein harmonisches Verhältnis von land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen aus. Eine reine Waldlandschaft gilt als ebenso unattraktiv wie ein zu niedriger Waldanteil. Sind in harmonisch bewaldeten Kulturlandschaften zusätzlich größere Seen und Flüsse anzutreffen oder verläuft hier sogar eine Küstenlinie, dann steigert dies sehr wesentlich ihre Attraktivität (vgl. ROB 2005, S. 209f.).
Die Auswirkungen des Fremdenverkehrs auf seine ländlichen Zielgebiete sind vielfältig und reichen vom ökonomischen, über den sozialen bis hin zum ökologischen Bereich. Ökonomisch gesehen führt die entsprechende touristische Nachfrage zu einer Umsatzsteigerung und Erhöhung der Einnahmen in den Fremdenverkehrsorten und wirkt indirekt auch auf die Finanzkraft der dortigen Kommunen. Der Fremdenverkehr kann durch seine ökonomische Wirkung unter anderem Bevölkerungsabwanderungen bremsen, Arbeitsplätze schaffen, Einkommen erhöhen, Infrastruktur sichern und aufbauen und damit lokale und regionale Entwicklungsdefizite abtragen und beseitigen. Demnach gestaltet sich das Fazit der ökonomischen Wirkungen des Tourismus im ländlichen Raum durchweg positiv (vgl. Henkel 2004, S. 214).
Sozial gesehen führt der Fremdenverkehr zu einer beruflichen Umschichtung der ländlichen Bevölkerung. Die Anteile der Erwerbspersonen in Landwirtschaft und Handwerk sinken, gleichzeitig aber steigen die Anteile der touristischen Dienstleistungen. Der damit verbundene Massenandrang von Touristen kann die sozialen Lebensverhältnisse der Einheimischen nachteilig beeinflussen. Die herkömmliche Volkskultur gerät somit in Gefahr,
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Felix Zobel, 2009, Ländliche Räume in Deutschland und Europa, München, GRIN Verlag GmbH
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