

Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Robert D. Putnam und das Konzept des Sozialkapitals 7
3. Interne Kritik 12
4. Externe Kritik 19
4.1 „TV Kills Social Capital?“
19
4.2 „Internet Paradox Revisited“
22
4.3 „The Benefit of Facebook Friends“
24
4.4 “Bowling Online
27
5. Der Sozialkapitalbegriff in klassischer Definition und empirischer 30
Anwendung
5.1 Klassiker der Sozialkapitaltheorie 30
5.1.1 James S. Coleman. 30
5.1.2 Pierre Bourdieu 34
5.1.3 Alejandro Portes 39
5.2 Der Sozialkapitalbegriff in empirischen Studien zur Mediennutzung 43
6. Die virtuelle Perspektive des Sozialkapitals 48
7. Methodenbeschreibung 53
7.1 Der Forschungsprozess 53
7.2 Circle Map Methode 58
8. Idealtypen 60
8.1 Der Sesshafte 60
8.2 Der nationale Wanderer 71
8.3 Der Auslandsstudent 81
8.4 Der Grenzgänger 89
9. Netzwerkstrukturen 98
10. Erhebungsfazit 105
11. Die Bipolarität des transformierten Sozialkapitals 108
11.1 Die globale Perspektive 108
11.2 Die lokale Perspektive. 113
12. Digital Divide 119
12.1 Die Internet-Generation. 119
12.2 Virtuelle politische Partizipation 125
1
13. Qualität vs. Quantität in der Virtualität 130
14. Resümee 133
15. Literaturverzeichnis 138
16. Anhang 143
16.1 Frageleitfaden 143
16.2 Interviewteiltranskripte 146
16.2.1 Interviewteiltranskript: Sample 1 - Marco Schumacher 146
16.2.2 Interviewteiltranskript: Sample 1 - Maik Schulze 154
16.2.3 Interviewteiltranskript: Sample 1 - René Klausen 160
16.2.4 Interviewteiltranskript: Sample 2 - Adrian Schmidt 166
16.2.5 Interviewteiltranskript: Sample 2 - Alexandra Meier 172
16.2.6 Interviewteiltranskript: Sample 2 - Carola Bauer 176
16.2.7 Interviewteiltranskript: Sample 3 - Irina Irismetov 186
16.2.8 Interviewteiltranskript: Sample 3 - Tanja Iwanow 193
16.2.9 Interviewteiltranskript: Sample 4 - Burhan Abid 198
16.2.10 Interviewteiltranskript: Sample 4 - Andres Gonzalez 206
16.3 Circle Maps 212
16.3.1 Circle Map Marco Schumacher 212
16.3.2 Circle Map Maik Schulze 213
16.3.3 Circle Map René Klausen 214
16.3.4 Circle Map Adrian Schmidt 215
16.3.5 Circle Map Alexandra Meier 216
16.3.6 Circle Map Carola Bauer 217
16.3.7 Circle Map Irina Irismetov 218
16.3.8 Circle Map Tanja Iwanow 219
16.3.9 Circle Map Burhan Abid 220
16.3.10 Circle Map Andres Gonzalez 221
2
1. Einleitung
In unserer Abschlussarbeit mit dem Titel „Die Tragfähigkeit virtuellen Sozialkapitals. Eine konzeptionelle und empirische Analyse“ im Rahmen unseres Masterstudiums in Soziologie an der Universität Kassel, möchten wir die potentielle Erweiterungsoption der Sozialkapitalkonzeption nach Robert D. Putnam um den Aspekt der Virtualität hinsichtlich der Bewahrung und Generierung sozialen Kapitals überprüfen. Ausgangspunkt dieser theoretischen und empirischen Untersuchung ist die, von uns zu Grunde liegende These einer Transformation, anstelle einer Erosion sozialen Kapitals auf Grundlage eines, von Robert D. Putnam, antizipierten Zusammenbruchs bürgerschaftlichen Gemeinsinns und gemeinschaftsstiftender Aktivitäten in der amerikanischen Gesellschaft.
Verursacher solch erosiver Entwicklungen sei, unter Berücksichtigung des Putnam‟schen Erkenntnisstands bezüglich seiner Untersuchungen im Rahmen der Veröffentlichung „Bowling Alone“ aus dem Jahr 2000, der fortschreitende gesamtgesellschaftliche Rückzug auf das Home-Entertainment hinsichtlich einer zunehmenden Omnipräsenz des TV und Internet in individuellen Alltagsabläufen.
Das, unserer These zu Grunde liegende, Argument der Transformation statt einer Erosion zielt dabei, unter Anwendung der Putnam‟schen Grundannahmen des Sozialkapitalbegriffs, auf eine Verlagerung von Netzwerkbildungen aus der reinen Körperlichkeit menschlicher Kontakte, hin zu einer parallelen Funktionsfähigkeit des Sozialkapitals sowohl in realer, wie auch auf virtueller Ebene. Der Fokus liegt demnach auf einer distinktiven Interpretationsweise der Rolle der Virtualität für das individuelle und gemeinschaftliche Netzwerkkapital. Individuell insofern, als das die Entwicklung persönlicher Beziehungsnetzwerke durch die Räume der Virtualität in Augenschein genommen werden soll und gemeinschaftlich aufgrund der gesamtgesellschaftlichen Konsequenzen einer möglichen Erosion bzw. Transformation der Sozialkapital Formation. Während Robert D. Putnam im Zuge eines potenziellen Zusammenbruchs der Gemeinschaftlichkeit die Grundzüge der Demokratie in Gefahr sieht, möchten wir, in gegenläufiger Tendenz, die möglichen qualitativen Folgen politischer Partizipation in den Fokus rücken.
3
Im Rahmen unseres theoretischen und empirischen Untersuchungsvorhabens dieser kritischen Betrachtung der Putnam‟schen Ergebnismatrix wird die vorliegende Arbeit in der Hauptsache durch folgende Fragen geleitet. Einerseits geht es ganz konzeptionell um die Konstruktion einer potenziellen Perspektive sozialen Kapitals und somit um den Versuch eines Umkehrschlusses der Putnam‟schen Argumentationslogik vor dem Hintergrund einer perspektivischen Erweiterung definitorischer Konzeptionen. Basis dieser Überlegungen sei infolgedessen die distinkte Interpretation der Virtualität als Destruktor raumgreifender Momente des Sozialkapitals oder als Kompensator erosiven Gemeinschaftsverfalles vor dem Hintergrund differenter Kausalitätsketten eines potentiellen Verfalls.
Im Anschluss an diese konzeptionelle Konstruktion stellen sich dabei einerseits Fragen der qualitativen, sowie der quantitativen Veränderung sozialer Netzwerke im Rahmen potenziell neuer, konditioneller Merkmale der Wahrung und Generierung sozialen Kapitals. Qualitativ sei dabei bezogen auf die Folgen für das Vermögen an den differenzierten Formen des Bonding, sowie des Bridging Sozialkapital für das Individuum, sowie auf die Tiefe und Beständigkeit solcherlei Bindungen. In quantitativer Perspektive soll hingegen untersucht werden, inwiefern Räume der Virtualität hinsichtlich des Sozialkapitals einen Einfluss auf die Netzwerkgröße besitzen und inwiefern dies wiederum in interdependenter Abhängigkeit zu den qualitativen Merkmalen des potenziell transformierten Sozialkapitals steht.
In ihrer Ganzheitlichkeit soll diese Arbeit somit primär die Konsequenzen virtueller Kommunikationsmöglichkeiten diskutieren und weniger spielerische Interaktivitäten in virtuellen Räume thematisieren, so dass die Virtualität mehr als Instrument und Möglichkeitsraum, denn als spielerische Komponente im Rahmen fiktiver Identitäten thematisiert werden soll. Inhaltlicher Tenor dieser Abschlussarbeit soll demzufolge eine sehr enge inhaltliche Konzeptarbeit darstellen, welche, vielmehr als in der Breite, in der Tiefe ihres Gehaltes erfasst werden soll. Die Entscheidung zur Auslassung etwaiger Themen, welche in der Öffentlichkeit durchgängig im Zusammenhang mit virtueller Interaktion thematisiert werden, wie Datenschutz, Öffentlichkeit versus Privatheit oder die Gefahren der Vereinnahmung durch die Virtualität ist
4
somit, zugunsten der Tiefe der eigentlichen Thematik, bewusst getroffen worden.
In einem ersten Schritt dieser konzeptionellen Arbeit möchten wir, nach einer kurzen Einführung in das Putnam‟sche Sozialkapitalkonzept, versuchen, dessen Argumentationslogik, welche einer virtuellen Perspektive des Sozialkapitals äußerst skeptisch entgegensteht, zu durchbrechen und dabei sowohl interne, wie auch externe Faktoren des Zwiespalts und der Widersprüchlichkeiten aufzeigen, um anhand solcher Anknüpfungspunkte das Potential einer virtuellen Perspektive sozialen Kapitals prüfen zu können. In der externen Analyse dieses Potentials werden dabei vier unterschiedliche Studien zur Mediennutzung herangezogen, welche auf empirischer Ebene die Putnam‟schen Befunde zu wiederlegen versuchen. Nach Abschluss dieser kritischen Auseinandersetzung, sowohl mit der inhaltlichen Argumentation, wie auch den empirischen Befunden des Werkes „Bowling Alone“, folgt eine Hinführung zu einer Neubesetzung des Sozialkapitalbegriffes vor dem Hintergrund einer Auswertung und Darlegung unterschiedlicher Konzeptionen sozialen Kapitals klassischer Theoretiker und etwaiger Versuche der Erweiterung des Konzeptes in den Raum der Virtualität. Da diese Erweiterung noch keiner ganzheitlich gedachten Konzeption unterzogen wurde, versuchen wir abschließend die virtuelle Perspektive des Sozialkapitals unter den konzeptionellen Prämissen Robert D. Putnams zu formulieren, um sie einer Anwendbarkeit zugänglich machen zu können und um somit die These der Transformation sozialen Kapitals in einer empirischen und theoretischen Abhandlung belegen zu können.
In der Konzeption der nachfolgenden empirischen Abhandlung der Thematik, sollen nach Einführung in die methodischen Rahmenbedingungen des Forschungsprozesses, wie unter anderem die Anwendung der Circle Map Methode, vier Idealtypen lokaler und mobiler Lebensformen als Grundlage der Überprüfung der Existenz virtuellen Sozialkapitals dienen. Nach theoretischer Justierung der unterschiedlichen Prototypen mit Hilfe der Grounded Theory soll somit ein differenziertes Bild einer möglichen transformativen Matrix der Sozialkapitalverknüpfungen zwischen Virtualität und Realität entstehen, welche anschließend durch die in der Circle Map Methode ersichtlichen Netzwerkstrukturen verdeutlicht werden soll.
5
Das abschließende Erhebungsfazit dient einer resümierenden Verschmelzung der theoretisch konzeptionellen Erarbeitung der Perspektive virtuellen Sozialkapitals mit den Erkenntnissen der empirischen Erhebung im Rahmen qualitativer Einzelinterviews zur illustrativen Einbettung der theoretischen Annahmen.
Unabdingbar sei hierbei die Anmerkung des fehlenden repräsentativen Charakters der qualitativen Erhebung aufgrund einer relativ geringen Fallzahl der Probanden und einer dementsprechend engen Perspektive der Untersuchung. Methodisch kann die Erhebung somit zu rein illustrativen, denn zu repräsentativen Zwecken Verwendung finden.
Im Anschluss an den empirischen Exkurs unserer Arbeit sollen die gewonnen Ergebnisse aller zuvor getätigten Ausarbeitungen in einem letzten theoretischen Rahmen diskutiert und vertieft werden. Dabei gilt es einerseits die These der Transformation unter zu Hilfe nahme allen Erkenntnisgewinns zu verankern und auszudifferenzieren. Diese Spezifikation erfährt in einer Formulierung der Bipolarität des transformierten Sozialkapitals in eine globale und eine lokale Perspektive seine Kulmination.
Dem Bedarf der theoretischen Schließung der anfangs aufgeworfenen Fragen der qualitativ, sowie quantitativ modifikatorischen Momente der Sozialkapital Formation in der Virtualität, sowie dessen Einfluss auf das Politische sollen abschließend diskutiert werden.
Die Ergebnisse dieser Diskussion, sowie die generell gewonnenen Erkenntnisse der auf theoretisch und empirisch konzeptionell geführten Arbeit, sollen im Resümee fazitär festgehalten werden. Das Ziel, die zu Beginn aufgeworfenen Fragen an die Inhalte der Arbeit beantworten zu können, ist ein primäres und findet demzufolge im Resümee seinen zusammenfassenden, erkenntnisbasierten Abschluss.
6
2. Robert D. Putnam und das Konzept des Sozialkapitals
Der Soziologe und Politikwissenschaftler Robert D. Putnam ist neben den Theoretikern James S. Coleman und Pierre Bourdieu (Vgl. Kapitel 5.1.1 und 5.1.2) Protagonist der Konzeption und Anwendung des Sozialkapitalbegriffes im US-amerikanischen Kontext. Mit seiner Veröffentlichung „Bowling Alone“ im Jahr 2000 hat die Sozialkapitaltheorie an Popularität gewonnen und verstärkt Einzug in den öffentlichen Politdiskurs gehalten. Besonders Putnam„s These zum Verfall sozialen Kapitals, abgebildet durch die starke Erosion bürgerschaftlichen Engagements in der amerikanischen Gesellschaft, hat öffentliche Aufmerksamkeit erregt und die Debatte um soziale Teilhabe und Vernetzung neu entfacht.
Ausgehend von einer Studie 1993 in Italien, die Robert Putnam unter dem Titel „Making Democracy Work: Civic Traditions in modern Italy“ veröffentlicht hat, definiert und beschreibt Putnam Soziales Kapital als auf drei Hauptsäulen basierend. Nach einer Untersuchung zur Hinterfragung der Effizienzdifferenzen nord- und süditalienischer Provinzregierungen 20 Jahre nach der italienischen Verfassungsreform hat sich in der Studie herausgestellt, dass, entgegen der allgemeinen Mutmaßungen, weniger das herrschende Wohlstandsgefälle in den unterschiedlichen Regionen Italiens als vielmehr die Höhe des vorhandenen Vermögens an sozialem Kapital innerhalb der einzelnen Provinzregierungen für effektivere, effizientere und bürgernähere Arbeit verantwortlich sei. Die Grundpfeiler, welche dabei die Basis zur Herausbildung von sozialem Kapital bilden, seien die drei angesprochenen Hauptsäulen des Vertrauens, der Netzwerke, sowie gemeinschaftsbezogener Werte und Normen: ”…the features of organization, such as trust, norms and networks, that can improve the efficency of society by facilitating coordinated actions.” (Putnam 1993, S.167) In der Putnam‟schen Argumentation ermöglichen Netzwerke primär den Zugang zu Ressourcen, das Vertrauen hingegen fördere die Kooperation und Normen seien unabdinglich zur Kontrolle individuellen Handelns. Dem Konzept des Sozialkapitals stellt Putnam zudem zwei weitere Kapitalarten gegenüber, einerseits das physische und andererseits das Humankapital.
7
„Whereas physical capital refers to physical objects and human capital refers to properties of individuals, social capital refers to connections among individuals.” (Putnam 2000, S. 19)
Allgemein deklariert Putnam Sozialkapital als ein öffentliches Gut, welches durch bürgerschaftliche Kooperation verkörpert werde. Er beschreibt dabei das Vorhandensein einer Wechselseitigkeit zwischen diesem Gemeingut und der sozialen Inklusion von Individuen.
Auffällig sei die Korrelation zwischen dem Bestand an Sozialkapital und dem Grad der Bildung - je höher die Bildung, desto stärker seien Attribute wie Gruppenbewusstsein und Toleranz ausgebildet. Zudem seien dem Sozialkapital sowohl externe wie auch interne Effekte inhärent. Ein gut vernetztes Individuum in einer schlecht vernetzten Gruppe befinde sich in einer schlechteren Position als ein gut vernetztes Individuum in einer gut vernetzten Gruppe. (Putnam 2000, S.20) Diese Effekte müssen dabei nicht zwingend positive sein. Einfache Beispiele wie Terrorismusvereinigungen verdeutlichen bereits, dass die stark kohäsive Netzwerkstruktur nicht nur nach außen exklusiv arbeitet, sondern auch negative Zielsetzungen nach innen besser verfolgen kann.
Robert Putnam spezifiziert das Konzept des Sozialkapitals in die beiden Unterbereiche Bonding Capital und Bridging Capital, wobei er sich der Distinktion jedoch nicht durchgehend bedient. Das Bonding Capital sei dabei exklusiv und das Bridging Capital inklusiv, was bedeutet, Bonding ziele auf die Verstärkung exklusiver Identitäten und basiere auf Homogenität, Bridging hingegen vereine Individuen unterschiedlicher Art und Herkunft und habe somit einen eher heterogenen Charakter. Putnam beschreibt diese Unterscheidung jedoch als ineinander verwoben und in wechselseitiger Abhängigkeit, so dass im Laufe seiner Arbeit hauptsächlich von dem Konzept des Sozialkapitals in seiner Ganzheitlichkeit die Rede ist. (Putnam 2000, S.22) Insgesamt verfolgt Putnam in seinem Werk „Bowling Alone“ das Ziel, die starke Erosion des Sozialkapitals seit Mitte des 20. Jahrhunderts aufzuzeigen, wobei sich sein Hauptanliegen auf den Verbleib des demokratischen Staates und der amerikanischen Gemeinschaft konzentriert.
Der Auswertung des National Survey Data u.a. zufolge, zeigt Putnam seit ca. 1960 in diversen Gebieten der amerikanischen Gesellschaft einen
8
eklatanten Rückgang des Sozialkapitals auf. Einerseits sei die politische Partizipation insgesamt gesunken, was sich durch rückläufige Wählerzahlen, sowie sinkendem Engagement hinsichtlich politischer Organisationen aufzeigen lasse. Zudem bekundet Putnam einen Rückgang der allgemeinen Bürgerbeteiligung, der religiösen Partizipation, sowie arbeitsbezogener Netzwerke. Allein hinsichtlich etwaiger Kirchenmitgliedschaften in Amerika lasse sich zwischen 1960 und 1990 ein steter Rückgang an Mitgliedschaften von etwa 10 Prozent konstatieren. Putnam stellt überdies fest: „Between 1973 and 1994 the number of men and women who took any leadership role in any local organization (…) was sliced by more than 50 percent.” (Putnam 2000, S. 60) Besondere Aufmerksamkeit widmet Robert Putnam der Erosion informeller sozialer Netzwerke. So stellt er fest, dass die amerikanische Gesellschaft nur noch zwei Drittel der Zeit mit informeller Vergesellschaftung verbringt, wie noch drei Dekaden zuvor. Ebenso stellt er fest, dass die Attribute der Nächstenliebe, der Menschlichkeit, des Vertrauens, der Ehrlichkeit, des Miteinanders und die Bereitschaft zu ehrenamtlichen Tätigkeiten deutlich abgenommen hätte und nur unzureichend kompensiert würde. (Putnam 2000, S. 31-180) Besonders anhand der Mitgliedschaft in Bowling-Clubs liest Robert Putnam den von ihm beschriebenen Rückgang sozialen Kapitals ab. Während zwar einerseits zwischen den Jahren 1980 und 1993 die Gesamtzahl an Bowlern in Amerika um zehn Prozent angestiegen ist, sei gleichzeitig die Zahl an Bowlingvereinen um 40 Prozent gesunken, eine Entwicklung, welche deutlich das Schwinden des Miteinanders aufzeige und dessen Konsequenz durch den Titel der Putnam‟schen Studie aufgegriffen und als Symbol des allgemeinen Rückgangs sozialen Kapitals stilisiert wird. (Vgl. Putnam 2000, S. 112) Immer wieder betont Robert Putnam, dass die neuen Medien, welche die Unterhaltung in den eigenen vier Wänden fördern und die keiner kameradschaftlichen Zusammenkunft mehr bedürfen, wie die Unterhaltung durch das Fernsehen, in besonderem Maße für den Rückgang des Sozialkapitals verantwortlich seien. Die Feststellung Putnams „We spend more time watching and less time doing” (Putnam 2000, S.115) pointiert somit den Ausgangspunkt der Putnam‟schen Problemstellung, folglich den Rückgang gemeinschaftlicher Aktivitäten und die Zunahme individueller, isolierter Unterhaltungsstrukturen.
9
Für die genannte Erosion des Sozialkapitals in den einzelnen Teilgebieten macht Putnam generell vier Ursachen verantwortlich. Er betont dabei gezielt, dass die zu beobachtende Erosion keiner Monokausalität folgt, sondern vielmehr Ursachen und Wirkmechanismen multipler Entwicklungen und Strukturen unterliegt. Nichtsdestotrotz setzt Putnam seinen Fokus auf vier unterschiedliche Gebiete, welche primär das Vermögen an sozialem Kapital beeinflussen. Einerseits benennt er dabei den Faktor Zeitdruck, welcher beispielsweise durch modernisierte familiäre Strukturen, wie dem Modell des Doppelverdiener Haushaltes, hervorgerufen würden. Den Platz der Hausfrau und Mutter, die sich um nachbarschaftliche Bande, schulische Aktivitäten der Kinder und gemeinnützige Nebentätigkeiten kümmert, nehme die Rolle der Zweitverdienerin ein, welcher neben der Arbeitstätigkeit und dem potentiellen Nachwuchs die Zeit für freizeitlich gemeinschaftliche Aktivitäten größtenteils fehlt. (Vgl. Putnam 2000, S.189-203)
Andererseits trage die Urbanisierung zum Verlust an Partizipation bei. Die Bewegung in dichten, urbanen Strukturen erfordere ein höheres Maß an Zeit, die Arbeitswege strecken sich aus und Pendlerzeiten steigen an. „(…) each additional ten minutes in daily commuting time cuts involvement in community affairs by 10 percent - fewer public meetings attended, fewer committees chaired, fewer petitions signed, fewer church services attended, less volunteering, and so on.” (Putnam 2000, S. 213) Darüber hinaus benennt Putnam den Punkt der generationalen Veränderung. Jüngere Generationen seien weniger gesellschaftlich und/oder bürgerschaftlich engagiert und orientiert als ältere Generationen; dies äußere sich beispielsweise in geringerem politischen Interesse oder bereits in der unregelmäßigen bzw. nicht-existenten Zeitungslektüre. Als vierten Punkt zieht Putnam den bereits erwähnten Aspekt des TVs, beziehungsweise allgemein der elektronischen Unterhaltungsmedien heran. Putnam argumentiert, dass das gesellschaftliche Engagement und die gemeinschaftliche Unterhaltung dem Rückzug in private Räume weichen müsse. Die Verlagerung der Unterhaltung sei nun primär individuell und isoliert. „(…) just as television privatizes our leisure time, it also privatizes our civic activity, dampening our interactions with one another even more than it dampens individual political activities.“ (Putnam 2000, S. 229)
10
Das gesellschaftliche Bild Robert Putnam‟s unterliegt somit, in seiner Ganzheitlichkeit betrachtet, durchaus einer kulturpessimistischen Perspektive. Dabei stellt sich jedoch die Frage, inwieweit Robert Putnam damit der Realität Genüge tut, oder sich vielmehr vor einem potentiellen Paradigmenwechsel der Gegenwartsgesellschaft verschließt. Besonders dem Aspekt der starken Erosion informeller Netzwerke kann vor dem Hintergrund sich ausbreitender virtueller Netzwerke in der sozialen Vergemeinschaftung nur zögernd gefolgt werden.
Vielmehr eröffnet diese neue Perspektive der Netzwerkbildung die Vermutung einer Transformation sozialen Kapitals hinsichtlich der Öffnung in virtuelle Sphären, statt einer Erosion desselben. Zwar beruhen Putnam‟s Annahmen auf der Tatsache der Destruktion sozialen Kapitals durch neue
Unterhaltungsmedien, wie dem Internet, jedoch zeigen sich an etwaigen Stellen seines Werkes „Bowling Alone“ unzählige Zweifel, Ambivalenzen und Widersprüchlichkeiten hinsichtlich der Bewertung von Auswirkungen virtueller Netzwerkbildungen auf die Qualität und den Umfang sozialen Kapitals. Inwiefern man in der Folge dieser Widersprüchlichkeiten tatsächlich, entgegen Putnam‟s These, von einer Transformation sozialen Kapitals um die Erweiterung einer virtuellen Perspektive ausgehen kann, soll im Folgenden analytisch, anhand der Putnam‟schen Argumentationslogik geprüft werden. Die Grundannahmen zur Konzeption und Konstitution sozialen Kapitals sollen dabei vorerst mit den Vorstellungen Putnam‟s konform gehen.
11
3. Interne Kritik
„The Internet may be part of the solution to our civic problem, or it may exacerbate it.” (Putnam 2000, S. 170) Robert D. Putnam zeigt in seinem Werk „Bowling Alone“ (2000) eine kontinuierlich ambivalente Einstellung gegenüber dem Internet als Unterhaltungs- und Kommunikationsmedium. Grundsätzlich betrachtet er den Rückzug auf das so genannte „Home-Entertainment“ als Verursacher der Erosion sozialen Kapitals vor dem Hintergrund des individuellen Rückzugs aus der Welt der realen Geselligkeit in die Welt der Unterhaltungsmedien und in den illusorischen Schein der Allinklusion trotz körperlicher Isolation. Ungeachtet dessen, ist er sich jedoch des Unterschiedes der Unterhaltungsqualität zwischen dem Fernsehen, als eher passivem und dem Internet, als teilweise aktivem Medium, bewusst. Dieses Bewusstsein führt dazu, dass Robert Putnam zwar grundsätzlich seiner Ansicht bezüglich des negativen Einflusses von Medien, wie dem Fernsehen und dem Internet, als Destruktor partizipatorischen Engagements und somit des Sozialkapitals treu bleibt, er jedoch die Nutzung des Internet hinsichtlich freundschaftlicher Kontakte o.ä. zur Kenntnis nimmt, diese jedoch durch verschiedene Elemente in seiner Argumentation abzuschwächen versucht. Generell kann, in Folge der Putnam‟schen Argumentationslinie, davon ausgegangen werden, dass trotz jeglicher Form des Kontaktpotentials, welches sich durch das Internet ergibt, er eine Konnotation des Internet mit den Attributen des Sozialkapitals ablehnt und assoziativ als nicht nachvollziehbar erscheinen lässt. Allgemein betrachtet Robert Putnam das Internet als Medium zur Kommunikation über Distanzen hinweg, in welchem sich „groups of shared interests rather than shared place“ (Putnam 2000, S. 172) austauschen können. Das Internet fungiere dabei als ort- und zeitloses Medium, was eine höhere Beteiligung durch geringere Partizipationsbeschränkungen mit sich bringe. Allerdings werfe das Charakteristikum der entfallenden Gestik und Mimik während virtueller Konversationen das Problem auf, dass Unehrlichkeit und Betrug schlechter erkennbar seien. Somit erhöhe sich in starkem Maße der Bedarf an Vertrauen zur Reduktion von Komplexität. Sowohl die räumliche Unsichtbarkeit virtueller Räume und somit auch der Grenzen und Eintrittsbeschränkungen in virtuelle Räume, wie auch die vorwiegend
12
dominierende Gesichtslosigkeit des kommunizierenden Gegenüber sind dabei Faktoren, die ohne ein gewisses Maß an Vertrauen die potenziellen Handlungsmöglichkeiten in der Virtualität unterlaufen und stark einschränken würden. Diese Tatsache der Unklarheit des Äußeren und somit der Situation äußerer Unsicherheit hinsichtlich virtuellen Bodens müsse demnach durch die Generierung einer inneren Sicherheit, also einem Vorschuss an Vertrauen zur Erweiterung des Handlungs- und Möglichkeitsraumes, ersetzt werden. (Vgl. Luhmann 1989) Diese Möglichkeit des Vertrauensgewinns durch das Internet auf der Grundlage unpersönlicher, entfremdeter Kommunikation stellt Robert Putnam jedoch in Abrede, so dass an dieser Stelle bereits einer aus drei Grundpfeilern zur Herausbildung sozialen Kapitals, in Verknüpfung mit dem Internet, durch Putnam (vgl. Kapitel 2) negiert wird. (Putnam 2000) Einen der grundlegenden Faktoren zur Aberkennung der Bildung sozialen Kapitals durch das Internet stellt für Robert Putnam, neben der fehlenden Komponente des Vertrauens, das Fehlen einer real eingebetteten face-to-face Unterhaltung dar. Die Körperlichkeit von Kontakten scheint für Putnam einen der zentralsten Aspekte zur Generierung und Aufrechterhaltung sozialen Kapitals zu sein, wenngleich er sich persönlich unsicher scheint, wie eigene Kontakte über das Internet zu bewerten sind: "I think strong social capital has to have a physical reality - a purely virtual tie is a pretty thin reed on which to build anything; it's highly vulnerable to anonymity and spoofing and very difficult to build trust. But I'm a member of Facebook, the social networking site, and it enables me to keep up with old students; it has the potential to be both positive and meaningless - I get notices from people all over the world asking me to be my friend on Facebook but what does that mean?” (Interview Robert Putnam/ The Guardian vom 18.Juli 2007)
Diese Aussage reflektiert nicht nur die Zwiespältigkeit Putnams hinsichtlich internetbasierter Kommunikation, sondern beinhaltet zugleich eine wertende Komponente gegenüber einer potentiell existenten Form des Sozialkapitals über das Internet. Hinsichtlich der Tatsache, dass Robert Putnam selbst Mitglied von Facebook, einem virtuellen sozialen Netzwerk ist und in diesem Rahmen Kontakt zu seinen Studenten hält, bewahrt er sich die Möglichkeit soziales Kapital im Internet zwar nicht gänzlich zu negieren, jedoch zu betonen, dass solcherlei Sozialkapital nur von schwachem Charakter gekennzeichnet
13
sein könne, da „strong social capital“ den Rückbezug auf eine körperliche, reale Basis benötige. Mit dem französischen Philosophen Jean Baudrillard wäre an dieser Stelle jedoch zu hinterfragen, inwiefern die Argumentation Robert Putnam‟s bezüglich der Dringlichkeit realer Rückbezüge für ein qualitativ starkes soziales Kapital noch anwendbar scheint. Baudrillard verfolgt hinsichtlich dieser Argumentation die Logik einer als Simulakrum dritter Ordnung beschriebenen Virtualität, womit eine Simulation des Realen ohne reale Referenzbezüge dargestellt wird, welche demzufolge als Phänomen einer creatio ex nihilo angesehen werden könne. Damit spricht Baudrillard Putnam die Möglichkeit ab, interpretative, wertende Rückschlüsse des Phänomens der Virtualität im Kontext der Realität zu ziehen, da das Phänomen der Simulation, also der Virtualität, die Realität überziehe und weniger eine Kopie des Originals als vielmehr ein Phänomen der referenzlosen Hyperrealität darstelle. (Vgl. Baudrillard 1998)
In der Rolle des hyperrealen seien der Virtualität und somit auch dem Sozialkapital in der Virtualität keine Funktionen abzusprechen, welche man aus einem anderen perspektivischen Blickwinkel lediglich den Eigenschaften der Realität angerechnet hätte. Innerhalb dieser philosophischen Bewertung der virtuellen Perspektive kann somit dem Argument gefolgt werden, welches so genanntes „strong social capital“ als virtuelles soziales Kapital verteidigt. In der Putnam‟schen Darstellung scheint sich jedoch entgegen der Ansichten des französischen Philosophen die Ansicht der Virtualität als Kopie der originalen Realität durchgesetzt zu haben, so dass er in seiner Argumentation eine qualitative Wertung sozialen Kapitals zugunsten realer Netzwerke vertritt. Wenn man also dieser eher konfusen Einordung sozialen Kapitals in real und virtuell bestehende Netzwerke als starke und schwache Sozialkapitalarten Folge leisten möchte, so stellt sich die Frage, wie oft eine physische Rückbindung erfolgen müsste, um noch von starkem, statt schwachem Sozialkapital reden zu können. Als These wäre dabei zu hinterfragen, ob nicht eventuell eine interpersonelle Verbindung über das Internet die Frequenz der physischen Rückbindung strecken könnte, so dass auch mit weniger Körperlichkeit noch von „starkem Sozialkapital“ gesprochen werden kann. (Vgl. Kapitel 6)
14
In seiner definitorischen Abgrenzung des Sozialkapitalbegriffs greift Putnam in „Bowling Alone“ die Komponente der Bewertung von Netzwerkbeziehungen wieder auf: „Face-to-face networks tend to be dense and bounded, whereas computer-mediated communication networks tend to be sparse and unbounded.” (Putnam 2000, S. 177)
Putnam bezeichnet somit strong social capital als physisches und weak social capital als tendenziell auf Virtualität basierendem Sozialkapital, wobei er sich an die Definition Mark Granovetters anlehnt, welcher aussagt, dass „strong ties“ Verbindungen zu Familie, Freunden und signifikanten anderen darstellen, die durch starke emotionale Verbindungen gekennzeichnet seien. Granovetters „weak ties“ hingegen bezeichnen Verbindungen unterschiedlicher
Beziehungsarten, welche eher durch schwächere emotionale Bindungen gekennzeichnet seien. (Granovetter 1973)
Auffällig ist jedoch, dass sich Putnam in seiner definitorischen Abgrenzung des Sozialkapitalbegriffes an einen weiteren Theoretiker, Xavier de Souza Briggs, anlehnt, welcher konstatiert, dass strong ties „good for getting by“ und weak ties „good for getting ahead“ seien. (Putnam 2000, S.23) Folgt man dieser Genealogie der Putnam‟schen Definiton mit den unterschiedlichen Charakteristika verschiedenster Formen sozialen Kapitals durch die beiden zu Grunde liegenden theoretischen Annahmen, so ergibt sich, streng genommen, die folgende Aussage, welche der Putnam‟schen Argumentationslinie gänzlich widerstrebt:
Virtual social capital is good for getting ahead.
In seiner Ambivalenz bezüglich des Verhältnisses zwischen verschiedenen Formen des Sozialkapitals und der Existenz sozialer Netzwerke auf virtueller Ebene begibt sich Putnam somit ungewollt in die Situation, dem Internet eine äußerst positive Rolle zur Bewahrung und Herausbildung von Sozialkapital zuzuschreiben, obwohl er sich einer solchen Behauptung in seiner Argumentation womöglich völlig entziehen würde. Um der Verwirrung der Verbindung aus sozialen Netzwerkbeziehungen auf virtueller Basis und der Zuschreibung des sozialen Kapitals entgehen zu können, bedient sich Robert D. Putnam einer Distinktion verschiedener
15
Nutzungsarten des Internet, welche sich jeweils positiv oder negativ zum Sozialkapital verhalten würden. Positiv sei für ihn die Nutzung des Internet als eine Art Telefon, einem „nifty phone“ und negativ die Nutzung als „nifty TV“, basierend auf einer bloßen Unterhaltungsfunktion des Internet. (Quelle: E-Mail von Thomas Sander (Harvard University) in Stellvertretung für Robert D. Putnam)
Trotz der positiven Zuschreibung des Internet als eine Art Telefon im Rahmen kommunikativer Interaktionen, ist sich Robert Putnam dem Nutzen dieser Kommunikationsmöglichkeit unsicher: „The telephone appears to reduce both - lonelinessand face-to-face socializing.” (Putnam 2000, S. 168) Einerseits gesteht er dabei dem Internet als nifty phone die Funktion der Aufrechterhaltung alter Freundschaftsbande durch mannigfaltige
Kommunikationsmöglichkeiten zu, wobei Putnam positiv bemerkt, dass dem Schwinden alter Kontakte virtuell entgegengewirkt werden könne. Andererseits jedoch sei ein Knüpfen neuer Kontakte und somit eine Generierung sozialen Kapitals über das Internet in seiner Funktion als Telefon nicht möglich. Die generelle These zur Erosion sozialen Kapitals in „Bowling Alone“ fußt auf der Putnam‟schen Behauptung des Rückgangs bürgerlichen, sowie politischen Engagements in der amerikanischen Gesellschaft. (Vgl. Kapitel 2) Robert Putnam verfolgt dabei in stringenter Form die Behauptung, dass soziales Kapital allgemein den Grundpfeiler eines solchen Engagements darstelle, das Bewegen in der Virtualität, selbst in einem ausschließlichen Rahmen des „nifty phone“, durch die Entkopplung aus der Körperlichkeit und Gemeinschaft in die Zone der Isolation und Virtualität, jedoch einem solchen Engagement gänzlich entgegen wirke.
Folgt man dieser Behauptung, so stellt sich jedoch die Frage, wie man gesellschaftliche Ereignisse zu bewerten habe, welche sich dieser Argumentation entziehen. Die iranischen Präsidentschaftswahlen am 12. Juni 2009 haben nach dem Vorwurf des Wahlbetruges durch den Sieger Mahmud Ahmadinedschad eine Welle des Protests hervorgerufen, welche in der internationalen Öffentlichkeit durch Nachrichtenzensuren, sowohl im Auswie auch im Inland unterdrückt werden sollte. Durch die Beschneidung der Kommunikationswege über Zeitungen und TV haben sich die Stimmen der iranischen Opposition aus der Bevölkerung über das Internet organisiert.
16
Soziale Netzwerke, wie Facebook oder Twitter, dienten dabei einerseits als Informationsmedium für die internationale Öffentlichkeit, wie auch als Instrument zur Organisation von öffentlichen Demonstrationen und Protesten im Iran. Im Raum der Virtualität wurde in diesem Rahmen verstärkt solidarischer Rückhalt geboten, sowie Massenmechanismen zu Demonstrationen katalysiert. (Stern 15. Juni 2009: Twittern für den Umbruch) In der Putnam‟schen Argumentation könnte ein solches bürgerliches und politisches Engagement über das Internet in der Theorie nicht existieren, die Realität ist jedoch offenbar eine andere. Auch die Aktivitäten der Piratenpartei in Deutschland scheinen der Argumentation Putnam‟s entgegen zu laufen. Basierend auf den Entwicklungen der Digital Revolution stützt sich die Piratenpartei, die sich selbst als eine Partei der Informationsgesellschaft bezeichnet, auf die Zielgruppe der Digital Natives (Vgl. Kapitel 12.2) mit einer verstärkten politischen Partizipationsform über virtuelle Welten. Die Piratenpartei folgt dabei mit Vorliebe dem Primat der Echtzeitinformation, wobei sie sich virtueller Werkzeuge, wie Parteiforen, Twitter oder virtueller Tagungen und Konferenzen zur Zusammenkunft und zum Austausch parteibezogener Informationen bedient. (Vgl. www.piratenpartei.de) Insgesamt gesteht Robert Putnam der Rolle des Internet zwar zu, über die Eröffnung neuer Kommunikationswege und virtueller Netzwerke, Barrieren der Kommunikation zu überwinden, allerdings bleibt er den Möglichkeiten des Internet hinsichtlich der Herausbildung sozialen Kapitals sehr skeptisch. Dabei geht es ihm einerseits um das antizipierte Charakteristikum der Exklusivität virtueller Netzwerke, da Putnam davon ausgeht, dass im Internet kommunizierende Individuen lediglich Netzwerke sehr kleiner Gruppenverbände mit homogenen Interessen und Ansichten erschaffen, wodurch sich eine Intoleranz anders Denkender ausdrücke und sich somit starke Sphären von In-, sowie Exklusion herausbilden. (Putnam 2000)
Skepsis gegenüber der Rolle des Internet bezüglich sozialen Kapitals zeigt Putnam darüber hinaus in seiner Kritik hinsichtlich der fehlenden Wechselseitigkeit kommunikativer Online-Konversationen. Putnam‟s Argument, welches die Kommunikation im Internet kritisiert, bezieht sich auf die fehlenden sofortigen Reaktionsmöglichkeiten, welche in realen Gesprächen stattfinden. Neben Gestik und Mimik sei es wichtig, auf das Gesprochene unvermittelt
17
reagieren zu können, um eine lebhafte Konversation führen zu können. Das Internet als zeitloses Medium verzögere die Möglichkeit der Reaktionen um ein Vielfaches und sei deshalb nicht imstande wahre Kommunikation abzubilden. (Putnam 2000)
Der französische Philosoph Jaques Derrida hingegen stellt die Sachlage der Kommunikation in einem umgekehrten Verhältnis dar. Das gesprochene Wort sei Resultat einer Konstruktion, welche durch direkte Reaktionen des Kommunikationspartners aufrecht erhalten werde. In der direkten Konversation über das gesprochene Wort sei der historisch/ gesellschaftlich geformte Interpretationsrahmen bereits vorgegeben und in der Schnelligkeit der Abhandlung nicht zu hinterfragen. (Derrida 1983)
Bringe man die Konversation allerdings auf ein niedergeschriebenes Niveau, so kann eine Körperlichkeit des Denkens geschaffen werden. Diese Körperlichkeit über die Schrift vermag zweierlei zu leisten: Einerseits enthalte das Niedergeschriebene den vom Autor intendierten Text und anderseits sei mithilfe der Worte, die diesen Text tragen, eine Sinnaushöhlung und Neuordnung des Inhaltes möglich. Die geschriebene Konversation schaffe somit die Möglichkeit der Dekonstruktion gerade durch den, von Putnam kritisierten, Zeitraum der verzögerten Antwort innerhalb internetbasierter Unterhaltungen. Gerade der Aufschub bzw. die Umleitung der Reaktionen sei der Schlüssel zur Dekonstruktion des Sinns und zur Greifbarkeit des Kerns des herrschenden Interpretationsrahmens. (Derrida 1983)
Jaques Derrida folgt somit einer Argumentationslogik, die der Putnam‟schen Genealogie gänzlich widerspricht und dessen Argumente zur Negierung der Herausbildung sozialen Kapitals über virtuelle Netzwerke grundsätzlich in Frage stellt. Neben diesem Ansatz der internen Kritik der Putnam‟schen
Argumentationslogik hinsichtlich dessen Aberkennung einer potentiellen virtuellen Perspektive sozialen Kapitals, soll im folgenden zusätzlich auf externer Ebene, basierend auf vier unterschiedlichen Studien zur Mediennutzung, eine empirische Widerlegung seiner Thesen zu den Ursachen der Erosion sozialen Kapitals folgen.
18
4. Externe Kritik
4.1 “TV Kills Social Capital?”
In ihrer Studie „TV Kills Social Capital? Eine kritische Auseinandersetzung mit der Sozialkapitalforschung von Robert Putnam“ unternehmen Anne-Katrin Arnold und Beate Schneider (2004) den Versuch, die von Robert D. Putnam in Bezug auf die amerikanische Gesellschaft getätigten Aussagen, bezüglich der Verbindung von medialer Nutzung und sozialem Kapital, anhand einer Untersuchung in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt zu überprüfen. Diesbezüglich wurden sechs Hypothesen aufgestellt, welche sich jeweils mit den möglichen Auswirkungen der Medien- bzw. der Internetnutzung auf die, von Robert Putnam genannten, Bausteine sozialen Kapitals beschäftigen. (Vgl. Kapitel 2)
Die erste dieser sechs Hypothesen behandelt dementsprechend den Zusammenhang der Nutzung unterhaltender Medieninhalte mit dem vorhandenen Vertrauen der Individuen. Diesbezüglich wird vermutet, dass, je mehr eine Person unterhaltende Medieninhalte nutze, sie umso weniger Vertrauen besitzen könne. Im Zentrum der zweiten zu untersuchenden Hypothese steht das partizipatorische Kapital und die potentielle Veränderung dieses Kapitals unter der Bedingung einer Nutzung unterhaltender Medien. So wird davon ausgegangen, dass diese Verwendung eine verringerte politische Kompetenz, sowie ein geringer ausgeprägtes politisches Wissen zur Folge habe. Innerhalb der dritten aufgestellten Hypothese wird die Vermutung geäußert, dass die Zeit, welche ein Individuum in unterhaltende Medieninhalte investiere, zu Lasten von sozialen Beziehungen gehe. Zwischen der medialen Nutzung und dem entsprechenden Netzwerkkapital werde somit ein negativer Zusammenhang vermutet. Im Laufe dieser ersten drei Hypothesen wird insgesamt eine allgemein gültige negative Auswirkung von unterhaltenden Medieninhalten auf die Sozialkapital-Bausteine nach Robert D. Putnam erwartet. (Arnold, Schneider 2004, S.427)
Konträr hierzu implizieren die von Anne-Katrin Arnold und Beate Schneider aufgestellten Hypothesen H4, H5 und H6 die Annahme eines positiven Zusammenhangs zwischen Vertrauen, partizipatorischem Kapital, sowie
19
Netzwerkkapital und der allgemeinen Nutzung des Internet. Dabei steht die Vermutung im Vordergrund, dass eine intensive Internetnutzung mit vermehrtem Vertrauen, einem erhöhten bürgerlichen Engagement und einem vergrößerten sozialen Netzwerk einher gehe. (Arnold, Scheider 2004, S. 430) Zur Überprüfung dieser sechs Hypothesen wurde die Methode der bevölkerungsrepräsentativen Telefonbefragung gewählt, welche im Auftrag der Landesregierungen von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt innerhalb dieser beiden Bundesländer im Jahr 2003 durchgeführt wurde. Die Untersuchung umfasst insgesamt einen Datensatz von N = 6002 Personen, welche einen umfassenden Fragenkatalog zu den Bereichen „Mediennutzung“, „Vertrauen“, „partizipatorisches Kapital“, sowie „Netzwerkkapital“ zu beantworten hatten. Weitere Angaben hinsichtlich soziodemographischer Daten der Probanden werden von den Autorinnen nicht genannt, wodurch keinerlei Aussagen diesbezüglich getätigt werden können.
Hinsichtlich der Ergebnisse bezüglich der Variable des Vertrauens ist festzuhalten, dass „der negative Einfluss des Fernsehens und der positive Einfluss der Internetnutzung“ (Arnold, Schneider 2004, S.432) innerhalb dieser Untersuchung nachgewiesen werden konnte. Die Hypothesen H1 und H4 konnten dementsprechend von den Autorinnen bestätigt werden. Darüber hinaus kann als Resultat der Erhebung hinsichtlich der Entwicklung partizipatorischen Kapitals Folgendes festgehalten werden: „Je regelmäßiger die Befragten im Internet surfen, desto höher ist ihr partizipatorisches Kapital“. (Arnold, Schneider 2004, S.433) Hingegen wirke sich die Nutzung unterhaltender Medien in negativer Art und Weise auf die politische Kompetenz aus. Während 83 Prozent der befragten Internetnutzer die richtige Antwort auf die Frage nach den aktuellen Regierungsparteien gaben, waren lediglich 65 Prozent der Nutzer unterhaltender Medien in der Lage, eine korrekte Antwort zu geben. Dieser Effekt werde durch eine erhöhte Nutzungsdauer der entsprechenden Medien zusätzlich verstärkt, wodurch die Hypothesen H2 und H5 als bestätigt angesehen werden können. Etwaige Auswirkungen von Internet- bzw. unterhaltender Mediennutzung auf die entsprechende Netzwerkgröße der Individuen und damit einhergehend auf das bestehende Netzwerkkapital zeigen sich innerhalb dieser Untersuchung als ambivalent. Für die Internetnutzung könne resümiert werden, dass keine signifikante
20
Veränderung mit einer vermehrten Nutzung einher gehe, woraus folge, dass H6 verworfen werden müsse. Im Unterschied dazu, kann in Bezug auf die Nutzung unterhaltender Medien festgehalten werden, dass die Zahl der gefühlten Gemeinschaften mit zunehmender Nutzungsdauer sinke. Der zuvor vermutete einseitige Zusammenhang „je länger die Zeit, die vor dem Fernseher verbracht wird, desto weniger Zeit bleibt für die Unterstützung anderer Menschen“ (Arnold, Schneider 2004, S.434) konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Die Hypothese H3 könne insofern nur teilweise bestätigt werden. Zusammenfassend kann also festgehalten werden, dass die Untersuchung „TV Kills Social Capital?“ von Anne-Katrin Arnold und Beate Schneider, die von Robert D. Putnam aufgestellte These, nach welcher die vermehrte Fernsehnutzung mit einer Erosion sozialen Kapitals einher gehe, größtenteils bestätigen kann. Im Hinblick auf die Verbindung von Sozialkapital und der Nutzung des Internet erscheinen die Resultate jedoch als divergent zu den Aussagen Robert Putnams. Während Putnam der Rolle des Internet und dessen Auswirkung auf Sozialkapital eher skeptisch gegenüber steht und es dementsprechend im besten Fall als „nifty phone“ bezeichnet (vgl. Kapitel 3), können auf Grundlage der Ergebnisse dieser Studie positive Auswirkungen auf das individuelle Vertrauen, sowie auf das partizipatorische Kapital der Individuen nachgewiesen werden.
21
4.2 „Internet Paradox Revisited“
Die Studie „Internet Paradox Revisited“ (2002) von Robert Kraut et al. behandelt eine potentielle Verbindung zwischen internetbasierter
Onlinekommunikation und dem individuell wahrgenommenen Wohlbefinden, sowie der sozialen Einbeziehung von Individuen. Die Untersuchung stellt diesbezüglich einen zweiten Anlauf dar, da dieser vermeintliche Zusammenhang bereits Gegenstand einer im Jahr 1995/96 von Kraut et al. durchgeführten Befragung war. Das Ergebnis dieser ersten Untersuchung wurde von den Autoren als paradox bezeichnet, da von positiven Effekten der Kommunikation im Internet ausgegangen worden war, jedoch negative Auswirkungen resümiert werden mussten. Insofern bestand das Ziel dieser ersten Erhebung in dem Nachweis einer positiven Auswirkung von Onlinekommunikation auf die soziale Teilhabe und interpersonale Interaktionen der Individuen auch in realen Sphären. Diese Verbindung, welche den ambivalenten Annahmen Robert Putnams entgegen steht (vgl. Kapitel 3), musste jedoch auf Grundlage der ersten Untersuchung verworfen werden. Die Paradoxie dieser Resultate wurde primär durch etwaige Fehler in dem methodischen Vorgehen erklärt, da zum Einen eine zu kleine, nicht repräsentative Stichprobe von 93 Haushalten erhoben wurde und darüber hinaus keine Kontrollgruppe von Individuen ohne Internetzugang untersucht worden sei. (Kraut et al. 2002)
Vor diesem Hintergrund haben sich die Autoren dazu entschlossen, eine neue, separate Panelstudie durchzuführen, in welcher der beschriebene Zusammenhang, auf Grundlage eines differenzierteren methodischen Vorgehens, anhand einer erneuten Analyse überprüft werden sollte. (Kraut et al. 2002) Neben dieser allgemeinen Hinterfragung der Auswirkungen von internetbasierter Kommunikation auf das individuelle Wohlbefinden und die soziale Einbeziehung der Individuen, wurden zwei verschiedene Modellannahmen geäußert, welche ebenfalls anhand dieser neuen Panelbefragung überprüft werden sollten. Diesbezüglich wurde ein „rich get richer-Modell“ postuliert, nach welchem sozial besser gestellte Individuen zusätzlich, durch die virtuelle Form der Kommunikation, profitieren würden. Demgegenüber bestehe jedoch auch die Möglichkeit eines Modells der „social
22
compensation“, welches ein Profitieren von weniger privilegierten Individuen gleichermaßen impliziere. (Kraut et al. 2002, S.50) Zur Überprüfung dieser genannten Annahmen und Zusammenhänge haben Kraut et al. die Methode der standardisierten Fragebogenuntersuchung gewählt. Diese wurde anhand eines Samples in drei aufeinander folgenden Wellen durchgeführt, welche im Februar 1998, im August 1998, sowie im Februar 1999 vollzogen wurden. Die entsprechende Zielgruppe dieser Untersuchung wird repräsentiert durch Familienmitglieder eines Haushaltes, in welchem zum Zeitpunkt der Erhebung die Anschaffung eines neuen Computers oder Fernsehers nicht länger als sechs Monate zurück lag. Darüber hinaus musste von den Probanden das zehnte Lebensjahr erreicht worden sein, um an der Panelbefragung teilnehmen zu können. Aus diesen Vorgaben folgt ein Datensatz, bestehend aus N = 406 Personen, über dessen weitere soziodemographische Daten keine weiteren Aussagen getätigt worden sind. Als Ergebnis hinsichtlich der sozialen Einbeziehung der Individuen konnte von den Autoren Folgendes festgehalten werden: „participants who used the internet more had larger increases in the size of their local social circle and their face-to-face interaction with friends and family increased” (Kraut et al. 2002, S.61) Dieses Resultat sei insofern zu differenzieren, als dass die beschriebenen positiven Auswirkungen des Internet primär für extravertierte Individuen zu gelten scheinen. Während unter dieser Gruppe die Onlinekommunikation durchgehend zu vermehrt vorkommendem Kontakten in realen Sphären führe, sei bezüglich introvertierter Individuen ein uneinheitliches Bild zu beobachten. Dementsprechend unterstütze eine vermehrte Internetnutzung insbesondere diejenigen Individuen, welche ohnehin ein ausgeprägtes soziales Netzwerk aufweisen können. Insofern müsse die zuvor getätigte Vermutung eines „rich get richer-Modells“ als bestätigt angesehen werden. (Kraut et al. 2002, S.64) In Bezug auf den Zusammenhang von Internetkommunikation und dem individuell wahrgenommenen Wohlbefinden, resümieren Kraut et al. sowohl eine Zunahme von positiven Effekten, als auch ein vermehrtes Vorkommen von Stress. Diesbezüglich stelle auch dieses Resultat eine Bestätigung der „rich get richer-These“ dar, da die beschriebenen positiven Effekte auf die Gruppe der extravertierten Probanden begrenzt seien, während die Komponente des
23
Stresses vermehrt in dem Sample der introvertierten Teilnehmer zu finden sei. (Kraut et al. 2002, S.64)
Abschließend kann festgehalten werden, dass die Ergebnisse der Studie „Internet Paradox Revisited“ von Kraut et al. hinsichtlich der Verbindung von Sozialkapital und der internetbasierten Kommunikation Aussagen zulassen, welche der beschriebenen zwiespältigen Ansicht Robert Putnams gegenüber stehen. Während dieser der Kommunikation im Internet einen Charakter zuschreibt, durch welchen kein Einfluss auf die Qualität und Größe des individuellen Sozialkapitals möglich erscheint (vgl. Kapitel 3), impliziert die vorliegende Studie spezifische Resultate, nach welchen, in Bezug auf die Gruppe der extravertierten Probanden, eindeutig positive Auswirkungen auf diese Faktoren festgehalten werden können.
4.3. „The Benefits of Facebook Friends“
Die empirische Analyse “The Benefits of Facebook Friends: Social Capital and College Students' Use of Online Social Network Sites” (2007) von Nicole B. Ellison, Cliff Lampe und Charles Steinfield beschäftigt sich mit einer Betrachtung des Zusammenhanges von Facebook, als einem Beispiel sozialer Onlinenetzwerke und dem entsprechenden Sozialkapital der Nutzer. Diesbezüglich strebt die Studie an, auf Grundlage der Theorie Robert Putnams und seiner getätigten Distinktion von „bridging“ und „bonding“ Sozialkapital, Aussagen bezüglich möglicher Auswirkungen von Onlinenetzwerken auf das Konzept des Sozialkapitals zu tätigen. Dementsprechend behandeln die ersten beiden Hypothesen dieser Untersuchung eine Verbindung von der Facebooknutzung und dem entsprechenden „bridging“ bzw. „bonding“ Sozialkapital: „H1: Intensity of Facebook use will be positively associated with individuals' perceived bridging social capital.” (Ellison, Lampe, Steinfield 2007, S.4) Innerhalb der zweiten Hypothese steht somit die mögliche Beeinflussung einer Nutzung des Onlinenetzwerkes Facebook auf das „bonding“ Sozialkapital im Fokus. Diesbezüglich sei zu überprüfen, inwieweit eine intensive Nutzung dieses Netzwerkes das „bonding“ Sozialkapital steigere. Die Hypothesen H3 und H4
24
beschäftigen sich mit einer möglichen Korrelation zwischen dem Gebrauch von Facebook und dem Grad des Selbstwertgefühls bzw. der Zufriedenheit eines Individuums. Es sei zu vermuten, dass geringe Zufriedenheit und ein geringeres Selbstwertgefühl einhergehen mit einer erhöhten Nutzung des Onlinedienstes Facebook. (Ellison, Lampe, Steinfield 2007, S.5) Die abschließende fünfte Hypothese von Ellison, Lampe und Steinfield behandelt das von ihnen eingeführte Konzept des “maintained social capital”, welches zu der Vermutung eines positiven Zusammenhanges mit einer intensiveren Facebooknutzung führt.
Um die dargestellten Hypothesen überprüfen zu können, wurde im Rahmen der Untersuchung eine E-Mail-Einladung an 800 zufällig ausgewählte Studenten der Michigan State University gesendet, in welcher ein Link zu dem dazugehörigen Online Fragebogen impliziert war. Dementsprechend ist das Sample dieser Analyse begrenzt auf höher gebildete Probanden, welche zu dem Zeitpunkt der Erhebung als Student an der Universität Michigan immatrikuliert sein mussten. Das Ergebnis dieser Sampleauswahl stellt einen Datensatz dar, welcher aus N = 286 Probanden besteht, unter denen sich n1 = 188 weibliche Teilnehmer und n2 = 98 Männer befinden. Das Durchschnittsalter der teilnehmenden Individuen betrug zum Zeitpunkt der Erhebung 20,1 Jahre, von welchen 94 Prozent Mitglied von Facebook waren und das Internet am Tag durchschnittlich für zwei Stunden und 56 Minuten nutzten.
Bezüglich der Hypothese H1 zeigen die Ergebnisse, dass eine generelle Nutzung des Internet nicht zwangsläufig mit einer Veränderung des „bridging“ Sozialkapitals einher geht. Bezüglich der expliziten Nutzung von Facebook konnten die Autoren jedoch resümieren: “The results suggest that Facebook is indeed implicated in students' efforts to develop and maintain bridging social capital at college, although we cannot assess causal direction.” (Ellison, Lampe, Steinfield 2007, S.15) Folglich könne festgehalten werden, dass nur bestimmte Arten der Internetnutzung, wie beispielsweise eine Teilnahme an Facebook, zu einem erhöhten „bridging“ Sozialkapital führe. Hinsichtlich der zweiten Hypothese könne das Fazit gezogen werden, dass eine Facebooknutzung nur marginal dazu diene, „bonding“ Sozialkapital zu entwickeln bzw. bewahren zu können. Der Gebrauch des Onlinedienstes Facebook übe dementsprechend
25
weniger Einfluss auf das wahrgenommene „bonding“, als auf das entsprechende „bridging“ Sozialkapital aus.
Ellison, Lampe und Steinfield konnten darüber hinaus, innerhalb ihrer Untersuchung, die zuvor in H4 und H5 getätigten Annahmen bezüglich der Verbindung von Facebook und dem Grad des Selbstwertgefühls bzw. der Zufriedenheit bestätigen: „Students reporting low satisfaction and low self- esteemappeared to gain in (…) social capital if they used Facebook more intensely, suggesting that the affordances of the SNS might be especially helpful for these students.” (Ellison, Lampe, Steinfield 2007, S. 15) Im Hinblick auf das von den Autoren eingeführte Konzept des „maintained social capital“ und den, in Hypothese fünf, erwarteten Auswirkungen von einer Facebooknutzung auf dieses Kapital, kann im Zuge der Analyseergebnisse behauptet werden, dass bereits durch die generelle Nutzung des Internet positive Auswirkungen auf die Dimension des „maintained“ Sozialkapital zu beobachten sind. Dementsprechend sei diese Facette des Sozialkapitals durch verschiedene Internetanwendungen, wie beispielsweise die Facebooknutzung, positiv zu beeinflussen.
Zusammenfassend kann mit Bezug auf die Studie „The Benefits of Facebook Friends“ von Nicole B. Ellison, Cliff Lampe und Charles Steinfield resümiert werden, dass erhebliche Auswirkungen bezüglich der Nutzung von Onlinenetzwerken auf das Sozialkapital festgestellt werden konnten. Insbesondere lassen sich Effekte im Hinblick auf das „bridging“, sowie auf das von den Autoren entwickelte „maintained“ Sozialkapital konstatieren. Diese nachgewiesenen Einflüsse internetbasierter Netzwerke auf das Konzept des Sozialkapitals implizieren eine Existenz von virtuellem Sozialkapital, welches den Thesen Robert Putnams entgegen zu stehen scheint. Aufbauend auf diesen dargelegten Resultaten soll im Folgenden in eine weitere Studie von Nicole Ellison, Cliff Lampe und Charles Steinfield eingeführt werden, in welcher sich die Autoren gemeinsam mit Joan DiMicco in besonderem Maße mit zugangsbeschränkten Netzwerken und den jeweiligen Auswirkungen auf individuell empfundenes Sozialkapital beschäftigen.
26
4.4 „Bowling Online“
Die Studie “Bowling Online: Social Networking and Social Capital within the Organization” (2009) von Nicole Ellison, Joan DiMicco, Cliff Lampe und Charles Steinfield umfasst eine Untersuchung, mit Hilfe derer die Autoren mögliche Schnittstellen zwischen dem Konzept des Sozialkapitals einerseits und firmeninterner sozialer Online-Netzwerke andererseits untersuchen wollen. Aufbauend auf den Ergebnissen der Studie „The Benefits of Facebook Friends“ ist dieser Analyse somit ein berufsbezogener Aspekt inhärent, durch welchen etwaige Auswirkungen der Nutzung sozialer Netzwerke auf die Firma als ganzheitliche Institution, sowie auf das individuell wahrgenommene „bridging“ und „bonding“ Sozialkapital der Arbeitnehmer in den Mittelpunkt gerückt werden. Folglich implizieren bereits die Grundannahmen dieser Studie, welche auf den Resultaten einer zuvor absolvierten Untersuchung fußen, das Mitdenken einer virtuellen Perspektive sozialen Kapitals, welche der Putnam‟schen Genealogie als solches entgegen geht. Den zentralen Untersuchungsmittelpunkt dieser Analyse stellt das soziale Netzwerk „Beehive“ dar, welches ein 2007 von der Firma „International Business Machines Corporation“ (IBM) eingeführtes betriebsinternes, jedoch Nationen übergreifendes Onlinenetzwerk beschreibt. Dieses Netzwerk sei strukturell vergleichbar mit externen Plattformen wie Facebook oder MySpace und ermögliche den Mitarbeitern somit einen grenzübergreifenden Kontakt miteinander. „User profile pages can be customized with a wide range of content, enabling users to present a comprehensive version of self, both professionally and personally.” (DiMicco, Ellison, Lampe, Steinfield 2009, S. 2) Seit der Einführung dieses Onlinedienstes seien bereits ca. 50.000 IBM-Mitarbeiter in das Netzwerk eingetreten, woraus sich wiederum ein Umfang von 400.000 Netzwerkverbindungen ergeben habe.
Vor diesem Hintergrund haben die Autoren die Hypothese aufgestellt, dass Individuen, welche vermehrt das Netzwerk „Beehive“ nutzen, um mit Kollegen in Kontakt zu bleiben, ein vergrößertes individuell wahrgenommenes „bonding“, sowie „bridging“ Sozialkapital besäßen. Darüber hinaus sei zu vermuten, dass eine Nutzung dieses Onlinenetzwerkes zur Akquise neuer Verbindungen mit einem Zuwachs an vorhandenem Interesse an der Firma, sowie an den
27
entsprechenden Mitarbeitern, einher gehe. „Overall, we hypothesize that the more someone uses a SNS, the greater the amount of social capital they will have.” (DiMicco, Ellison, Lampe, Steinfield 2009, S. 3) Als Methode zur Überprüfung dieser Annahmen und Zusammenhänge wurde von den Autoren die standardisierte Fragebogenuntersuchung gewählt, in welcher jeweils verschiedene Aspekte bezüglich der Nutzung von Onlinenetzwerken, des vorhandenen Sozialkapitals, sowie der entsprechenden demographischen Daten impliziert sind. Der dazugehörige Fragebogen wurde als Onlineversion an die Hälfte der IBM-Mitarbeiter versendet, welche zum Zeitpunkt der Erhebung seit mindestens sechs Wochen in dem Netzwerk „Beehive“ registriert waren. Diese Restriktionen haben dazu geführt, dass 20.508 Mitarbeiter von IBM eine Fragebogeneinladung erhalten haben, welcher wiederum elf Prozent der Mitglieder gefolgt sind. Der entsprechende Datensatz dieser Untersuchung umfasst N = 2435 Probanden, bei denen es sich um n1 = 755 weibliche, sowie n2 = 1680 männliche Teilnehmer handelt. Das Durchschnittsalter der im Datensatz beinhalteten Probanden betrug zum Erhebungszeitpunkt 34,5 Jahre, welche darüber hinaus im Schnitt seit 7,1 Jahren bei IBM beschäftigt waren. Zusätzlich wurde der entsprechende Datensatz in drei verschiedene Kategorien hinsichtlich des
Anstellungsverhältnisses bei IBM kategorisiert. Diese Einteilung ergab, dass 1607 teilnehmende Probanden zum Zeitpunkt der Erhebung in dem Bereich der Produktion tätig waren, 463 Mitglieder des Arbeitsgebietes „Verkauf“, sowie 365 Projektmanager in dem Sample impliziert sind. (DiMicco, Ellison, Lampe, Steinfield 2009, S. 3-5)
Anzumerken ist, dass die Autoren im Vergleich zu ihrer zuvor veröffentlichten Studie „The Benefits of Facebook Friends“ zwar einerseits mit einer kongruenten Definition des Konstrukts Sozialkapital arbeiten, der virtuellen Perspektive desselben jedoch eine erweiterte Option einräumen. So impliziert die Untersuchung „Bowling Online“ neben der möglichen Aufrechterhaltung von Sozialkapital über virtuelle Sphären auch eine potentiell vorhandene Generierung neuen Kapitals über das Netzwerk „Beehive“. Folglich werden von DiMicco, Ellison, Lampe und Steinfield differenzierte Ergebnisse zu den beiden geäußerten Opportunitäten des firmeninternen Onlinenetzwerkes geäußert: “When someone is using the SNS for meeting new contacts, they report a
28
greater interest in making new contacts at the company in general.” (DiMicco, Ellison, Lampe, Steinfield 2009, S. 8) Eine primäre Nutzung von “Beehive” zur Aufrechterhaltung von sozialen Bindungen mit Freunden und Kollegen führe hingegen zu einer engeren Bindung der Probanden mit ihrem unmittelbaren sozialen Umkreis, sowie zu einem erhöhten „bonding“ Sozialkapital. Zudem sei bei diesen Probanden ein größerer Sinn für Kameradschaft und damit einhergehend, eine vermehrte Hilfsbereitschaft zu beobachten. Im Hinblick auf die eingangs geäußerte Hypothese des Zusammenhanges von Sozialkapital und der Nutzung von dem sozialen Onlinenetzwerk „Beehive“ können die Autoren folglich konstatieren: „(…) the more intensely someone uses the SNS (…) the higher their social capital scores are, across all measures. They have closer bonds to their network, a greater willingness to contribute to the company, a greater interest in connecting globally, greater access to new people, and a greater ability to access expertise.” (DiMicco, Ellison, Lampe, Steinfield 2009, S.8) Diese Ergebnisse der Studie “Bowling Online: Social Networking and Social Capital within the Organization” implizieren ein Potential virtuellen Sozialkapitals, welches mit den Ausführungen Putnams in keinster Weise vereinbar scheint. Während dieser der Kommunikation im Internet skeptisch gegenüber steht und folglich, wie bereits beschrieben, dem Internet im besten Falle die Rolle eines „nifty phone“ zuschreibt, deuten die Ergebnisse der Untersuchung des firmeninternen Netzwerkes „Beehive“ eine enge Verbindung von virtuellem und realem Sozialkapital an, durch welche sowohl eine Intensivierung von „bonding“ und „bridging“ Sozialkapital, als auch eine Generierung neuen Kapitals möglich erscheint.
29
5. Der Sozialkapitalbegriff in klassischer Definition und empirischer Anwendung
5.1 Klassiker der Sozialkapitaltheorie
5.1.1 James S. Coleman
Allgemein formuliert wird mit dem Modell des Sozialkapitals jene Ressource beschrieben, welche in und durch Beziehungsarbeit in sozialen Netzwerken entsteht und welche demzufolge von Individuen angesammelt werden oder verloren gehen kann. Dementsprechend bezeichnet das Sozialkapital eine Kapitalform, in die investiert werden muss, da sie dem Individuum ohne jegliche Investition in soziale Beziehungen und Netzwerke verwehrt bleiben würde. Das Konzept zielt zum Einen auf die Untersuchung der Art und Weise, in der Individuen miteinander kooperieren, sich verbinden und somit soziale Netzwerke generieren, sowie den innerhalb dieser Netzwerke geteilten Werte und Normen.
Somit kann bezüglich der verschiedenen Theorien über das Sozialkapital festgehalten werden, dass folgender Leitsatz die Gemeinsamkeiten der Ansätze am passendsten charakterisiert: „ (…) the more people you know, and the more you share a common outlook with them, the richer you are in social capital.“ (Field 2003, S.1)
Neben der bereits zu Grunde liegenden Definition des Sozialkapitalbegriffes nach Robert D. Putnam zu Beginn der Arbeit (vgl. Kapitel 2), soll die Abgrenzung des Begriffes im Folgenden anhand der Definitionen von James S. Coleman und Pierre Bourdieu ergänzt werden. Der amerikanische Soziologe James Samuel Coleman gilt als einer der Hauptvertreter der Rational Choice Theorie, welche er vor dem Hintergrund des methodologischen Individualismus vertritt. (Treibel 2006) Aus diesem Sachverhalt resultiert, dass Colemans soziologischer Ansatz den einzelnen Individuen ein nutzenmaximierendes Handeln zuschreibt, welches aus einem zuvor absolvierten Kosten-Nutzen-Kalkül entsteht. Folglich unterliege jede vollzogene Handlung einer im Voraus getätigten Abwägung von erwarteten subjektiven Kosten und Nutzen einer jeden Handlungsalternative.
30
Die getätigte Handlung sei also diejenige Handlungsalternative mit dem maximalen subjektiven Kosten-Nutzen Wert. (Lüdemann 2000) Wie kann nun aber, vor dem Hintergrund dieser individualistischen Handlungstheorie, eine Kooperation zwischen Individuen erklärt werden? Für James S. Coleman nimmt in diesem Zusammenhang das Konzept des Sozialkapitals eine zentrale Stellung ein, da mit dessen Hilfe eine Kooperation zwischen zwei oder mehreren rational handelnden Individuen erklärt werden könne. (Field 2003)
Coleman„s Interesse an diesem Konzept wurde in besonderem Maße durch seine Untersuchungen hinsichtlich des Zusammenhanges zwischen sozialer Ungleichheit und schulischem Erfolg von Jugendlichen geprägt. Diesbezüglich stellte James Coleman fest, dass das familiäre, sowie das gemeinschaftliche Umfeld eines Jugendlichen einen größeren Einfluss auf die entsprechenden Bildungschancen haben kann als die Schule per se. Darüber hinaus seien Schüler, welche religiös geprägte Schulen besuchen, eher in der Lage herausragende schulische Leistungen zu erbringen, als eine vergleichbare Schülergruppe von nicht-religiösen Institutionen. Dieser Leistungsunterschied sei weder auf eine bestimmte soziale Schicht, noch auf etwaige ethnische Zugehörigkeitsgruppen beschränkt und impliziere somit einen
Auffangmechanismus von sozialer Ungleichheit. Dieses begründet Coleman mit dem Einfluss von Gemeinschaftsnormen auf Eltern und Schüler und bezeichnet somit die Gemeinschaft als eine Quelle des Sozialkapitals, welche in der Lage sei, den Einfluss von sozialer Ungleichheit abfangen zu können. (Coleman, Hoffer 1987)
Vor diesem Hintergrund definiert James S. Coleman Sozialkapital wie folgt: “(…) the set of resources that inhere in family relationships and in community social organization and that are useful for the cognitive or social development of a child or young person. These resources differ for different persons and can constitute an important advantage for children and adolescents in the development of their human capital.” (Coleman 1994, S.300) Nach Coleman stellen somit soziale Netzwerke und Beziehungen den Zugang zu der Ressource des Sozialkapitals dar, auf die theoretisch jedes Individuum zurückgreifen könne. Aus diesem Grunde kooperieren seiner Ansicht nach rationale Individuen, um so den Zugang zu dieser Ressource zu erhalten und
31
individuelle Ziele erreichen zu können. Sozialkapital kann somit, wie auch andere Kapitalformen, als produktiv beschrieben werden, da es von dem Individuum zur Verwirklichung von Zielvorstellungen eingesetzt werden kann. In Abgrenzung zu diesen divergenten Kapitalformen sei das Sozialkapital allerdings keinem Individuum eigen, sondern stelle vielmehr ein öffentliches Gut dar, von welchem nicht nur das Individuum selbst, sondern auch das Kollektiv per se profitiere. (Coleman 1994)
James S. Coleman unterscheidet im Wesentlichen zwischen drei verschiedenen Aspekten von Sozialkapital, auf die im Folgenden näher eingegangen werden soll. Zunächst impliziere das Sozialkapital verschiedene Erwartungs- und Verpflichtungsgrade zwischen den Individuen, welche aufgrund des Zugangs zu der Ressource des Sozialkapitals über eine interpersonale Kooperation entstünden. Wenn eine Person A ihr Vertrauen in Person B setzt, dann entsteht hieraus eine Verpflichtung für Person B, dieses Vertrauen nicht zu missbrauchen und dieses zu rechtfertigen. Person A besitzt also eine Gutschrift, die bei Person B eingelöst werden kann. Nach Coleman helfen sich Individuen dementsprechend vor dem Hintergrund einer sicher geglaubten späteren Revanche, durch welche ihr Vertrauensdarlehen zurück erstattet wird. Je mehr Individuen sich somit einander verpflichtet fühlen, desto mehr Sozialkapital ist vorhanden. (Coleman 1994) Diesbezüglich ist es wichtig anzumerken, dass die Partizipation an interpersonalen Netzwerken und der damit verbundene Zugang zu der Ressource Sozialkapital für Coleman keineswegs auf dem bewussten Streben nach dieser Kapitalform beruht. Individuen kooperieren dementsprechend nicht aufgrund der bewussten Akquise von Sozialkapital. Vielmehr stellt diese Ressource eine nicht intendierte Folge von rationalen Handlungen dar, mit welchen in soziale Beziehungen investiert wird, um somit zukünftige Unterstützung als Retour für ihre Hilfe zu erhalten. (Field 2003)
Einen weiteren wichtigen Aspekt von Sozialkapital stellt für Coleman das Informationspotential dar, welches soziale Netzwerke und Beziehungen in sich bürgen. Das Wissen, welches durch diese sozialen Verbindungen generiert werden könne, ermögliche es den Menschen, sich ihrer individuellen rationalen Entscheidung zu vergewissern. Coleman betont jedoch, dass dieser Erwerb von
32
Informationen und Wissen kostenaufwendig sei, da von den Individuen entsprechend Zeit in die Beziehungen investiert werden müsse, um somit an etwaige Informationen gelangen zu können. (Coleman 1994) Gesellschaftliche Normen und die entsprechend wirksamen Sanktionen stellen für James S. Coleman den dritten wichtigen Aspekt von Sozialkapital dar, da diese ein bestimmtes, innerhalb der Gemeinschaft als „richtig“ anerkanntes, Verhalten von Individuen implizieren. Dementsprechend seien soziale Verbindungen in einer Gemeinschaft eine Form sozialer Kontrolle, in welcher das als angemessen etikettierte Verhalten toleriert werde, etwaige Abweichungen der Verhaltensnormen aber gewisse Sanktionen zur Folge hätten. Für Coleman stellt die gesellschaftliche Geschlossenheit einen
zentralen Aspekt in Bezug auf die Funktion von Sozialkapital dar. So seien geschlossene Gemeinschaften besonders reich an der Ressource Sozialkapital, da in diesen eine weitgehende Einigung über die geltenden Werte und Normen bestehe und somit das als „richtig“ oder „falsch“ deklarierte Verhalten weit verbreitet sei. Dieses habe zur Folge, dass ein vermehrtes Vertrauen in die Handlungen der Mitmenschen bestehe, wodurch wiederum eine Kooperation in Form des bereits erläuterten Vertrauensdarlehens wahrscheinlicher werde. Sowohl die Individuen, als auch die Institutionen innerhalb dieser geschlossenen Gemeinschaften bestärken sich so fortwährend in ihren Verhaltensweisen. (Coleman 1994)
Wirksame Normen können in Bezug auf das Coleman„sche Sozialkapital aber nicht nur bestimmte Handlungen fördern, sondern implizieren darüber hinaus die Möglichkeit von anderen Handlungsalternativen abzulenken. Coleman argumentiert dies anhand Jugendlicher, dessen Lebensweise durch das geltende Normensystem in gewisser Weise festgelegt ist, wodurch wiederum andere Betätigungsbereiche von vorneherein ausgeblendet bleiben. (Coleman 1994)
33
5.1.2 Pierre Bourdieu
Im Gegensatz zu Coleman und Putnam, die sich bezüglich der Erforschung sozialen Kapitals auf den US-amerikanischen Kontext bezogen haben, konzentriert sich Pierre Bourdieu auf die Reproduktion sozialer Ungleichheit und den Fortbestand sozialer Klassen im europäischen Forschungsfeld der Soziologie.
In seinem Werk „The Forms of Capital” (1986) unterscheidet Pierre Bourdieu zwischen drei verschiedenen Kapitalarten, dem ökonomischen, kulturellen und sozialen Kapital, welche jeweils in einer gegenseitigen Wechselbeziehung miteinander verbunden seien. Darüber hinaus beschreibt er als vierte Kapitalart das symbolische Kapital, welches der Sichtbarkeit der zuvor genannten Kapitalarten diene und letztendlich den Umfang aller, einem Individuum inhärenten, Kapitalerträge symbolisch nach außen abbilde. Ausgangspunkt der Bourdieu‟schen Überlegungen zum Sozialkapital ist eine Studie, die er 1960 in Algerien über Stammesgesellschaften durchführte und dabei vorerst das Konzept des kulturellen Kapitals erfasste und charakterisierte. Bourdieu hat sich dabei mit der Verbindung der subjektiv menschlichen Handlungsweise vor dem Hintergrund objektiver Handlungsrahmen beschäftigt. Für ihn steht diese Verbindung für die Entwicklung bestimmter Werte und Denkweisen zwischen unterschiedlichen sozialen Gruppen. Bourdieu führte für diese Verbindung den Begriff des Habitus ein, welcher zusammenfassend das System verinnerlichter Regeln zur Denk-, Handlungs-und
Wahrnehmungsweise charakterisiert. Innerhalb des Habitus verwenden, Bourdieu zufolge, die jeweiligen Gruppen bestimmte kulturelle Symbole, welche ihre Position in der sozialen Struktur konstituieren und signalisieren. Da manche Symbole einen höheren Status besitzen als andere und bestimmte Gruppen der Gesellschaft ein Interesse daran hegen, ihren höheren sozialen Status innerhalb gesellschaftlicher Strukturen durch diese Symbole beizubehalten, spricht Pierre Bourdieu innerhalb solcher Prozesse von kulturellem Kapital. (Field 2003)
Dabei sei kulturelles Kapital nicht nur die Reflektion ökonomischen Kapitals, wenngleich das ökonomische Kapital den Ursprung kulturellen Kapitals darstelle. Vielmehr werde das kulturelle Kapital durch den Status der Familie, in
34
welche man hineingeboren werde, die Schule, die man besucht usw. geformt und bestimmt. Bourdieu unterscheidet dabei zwischen drei verschiedenen Formen des kulturellen Kapitals. Einerseits spricht er von einem inkorporierten kulturellen Kapital, welches sich auf die Verinnerlichung bestimmter individueller Denk- und Handlungsschemata, sowie auf Wertorientierungen bezieht und somit ein sozialisatorisches Moment in sich trägt. Damit sei diese Art des kulturellen Kapitals dem Individuum inhärent und nicht übertragbar. Als zweite Dimension beschreibt Bourdieu das objektivierte kulturelle Kapital, welches durch kulturelle Güter, wie Gemälde, Bücher oder Instrumente repräsentiert wird und somit auch übertragbar ist, jedoch als Voraussetzung zur Aneignung und Nutzung dieser Güter wiederum ein Vermögen an inkorporiertem kulturellen Kapital voraussetzt. Die dritte Kategorie des Bourdieu‟schen Ansatzes zum kulturellen Kapital beschreibt das institutionalisierte kulturelle Kapital. Dieses wird primär durch Bildungsabschlüsse- und Zertifikate ausgedrückt, unterliegt also allgemein dem Besitz an bestimmten Bildungstiteln, welche wiederum in einer hohen Interdependenz mit dem Vermögen an ökonomischem Kapital in Verbindung stehen. (Vgl. Bourdieu 1992) Die stete Rückführung des Bourdieu‟schen Ansatzes zum ökonomischen Kapital in wechselseitigen Abhängigkeiten zeugt dabei von der Wichtigkeit, die Bourdieu der Rolle solcherlei materieller Ressourcen zuschreibt, welche Bourdieu allesamt, auf finanziellen Ressourcen und materiellen Besitztümern beruhend, dem ökonomischen Kapital zuschreibt.
Infolge dieser ineinander verwobenen Interdependenzen verschiedener Kapitalarten, beschreibt Bourdieu im Falle des oben genannten kulturellen Kapitals den Drang der Aufrechterhaltung kultureller Ressourcen, sowohl hinsichtlich materieller, wie auch symbolischer Natur. Diese Statussicherung durch das Vermögen an kulturellem Kapital findet sich in der Analyse des Bourdieu‟schen Ansatzes ebenfalls in dem Verständnis des Sozialkapitalansatzes.
Bourdieus Analyse zum Sozialkapital konzentriert sich dabei auf den potenziellen Nutzen für Individuen, die sich in bestimmten Gruppenverbänden befinden und ein gewisses Partizipationsvermögen inne haben. Bourdieu zufolge impliziert diese Partizipation in sozialen Gruppen soziale Beziehungen, welche das Potenzial besitzen, Ressourcen zugänglich zu
35
machen. Er betont jedoch auch, dass der Besitz von Sozialkapital ebenfalls nicht automatisch zu einem Vermögen an ökonomischem Kapital führe. Nichtsdestotrotz sei das soziale Kapital ein Attribut von Eliten, da diese einen erleichterten Zugang zu Sozialkapital, basierend auf einem höheren Grad an vorhandenem ökonomischem Kapital, besäßen. (Bourdieu 1986) Sozialkapital wird nach Bourdieu folgendermaßen definiert: “… the sum of resources, actual or virtual, that accrue to an individual or a group by virtue of possessing a durable network of more or less institutionalized relationships of mutual acquaintance and recognition.” (Bourdieu and Wacquant 1992, S. 119)
Die Dichte und Dauer sozialer Bindungen, sowie die Quantität verfügbarer Verbindungen einer Person und das Volumen ökonomischen, kulturellen und sozialen Kapitals, welches durch solcherlei Verbindungen getragen würden, sind für Bourdieu wesentlich und von besonderem Interesse. Er bezeichnet Sozialkapital als ein soziales Vermögen, angegliedert an Zugehörigkeiten zu bestimmten Gruppen, wie Familien, Netzwerke elitärer Vereinigungen, Berufsverbände etc. Solidarität und emotionale Bindungen innerhalb von Netzwerken würden dadurch verursacht, dass die Mitgliedschaft in sozialen Gruppen den Teilnehmern materielle und symbolische Erträge einbringe. (Bourdieu 1986)
Bourdieu verdeutlicht darüber hinaus, dass nicht nur die eigene Netzwerkgröße für das Vermögen an sozialem Kapital entscheidend ist, sondern gleichfalls die Netzwerkgrößen aller partizipierenden Individuen des eigenen Netzwerkes eine Rolle spielen.
Bezüglich der von Bourdieu angesprochenen symbolischen Erträge aus solcherlei Netzwerken gehe es um Fragen des Prestiges netzwerkinterner Individuen. Ein tendenziell elitäres Prestige der eigenen Netzwerkmitglieder färbe auf den Personenzirkel des sich überschneidenden Netzwerkes ab, so dass zwischen den verschiedenen Netzwerken ähnlicher Personenkreise unintendierte Folgen von Interdependenzwirkungen stattfänden. (Vgl. Bourdieu 1992)
Auch wenn Individuen demnach gleiche Vermögen an ökonomischem oder kulturellem Kapital besitzen, könne es dazu kommen, dass sie sehr unterschiedliche Erträge daraus ziehen können und zwar in dem Fall, dass
36
einige von ihnen in der Lage seien Sozialkapital zu nutzen und andere nicht. Mit Hilfe dieser Feststellung begründet Pierre Bourdieu die Reproduktion sozialer Ungleichheit, welche durch soziales Kapital verursacht werde. Besonders der Aspekt symbolischer Erträge sozialen Kapitals könne im Sinne einer Negativspirale dazu führen, dass bestimmten Personengruppen die Zugangschancen auf die Partizipation an elitären, prestigeträchtigen Netzwerkzirkeln durch bestimmte sozialisatorische Prozesse verwehrt bleibe und sich somit ein circulus vitiosus der Ungleichheitsrhetorik ergebe. (Bourdieu 1992)
Insgesamt sei die Reduktion von Sozialkapital auf ökonomisches Kapital per se zwar nicht vollziehbar, jedoch sei somit eine eindeutige Verbindung und Wechselbeziehung dieser beiden Kapitalarten vorhanden. Die Investitionen in soziale Netzwerke basieren Bourdieu zufolge auf Zeit, Bemühungen und Zuneigung, um solcherlei Beziehungen in soziales Kapital zu transformieren, welche in absehbarer oder ferner Zukunft nutzbar gemacht werden können. Individuen müssten sich kontinuierlich bemühen, um den Wert ihres Sozialkapitals anzuhäufen und beizubehalten, indem sie beispielsweise kontaktfreudig sind und gewillt, Kontakte mit kleineren Geschenken aufrecht zu erhalten. Für den Aufbau, sowie für die Erhaltung solcherlei Beziehungsnetzwerke, im Rahmen des Sozialkapitals, sei somit „unaufhörliche Beziehungsarbeit in Form von ständigen Austauschakten erforderlich, durch die sich die gegenseitige Anerkennung immer wieder neu bestätigt“. (Bourdieu 1983, S. 193)
Zusammengefasst betrachtet Pierre Bourdieu soziales Kapital demzufolge als eine Kapitalart, welche ein wertvolles Gut elitärer Gruppen innerhalb der sozialen Hierarchie darstellt und welches dazu dient und investiert werden kann, um bestehende Privilegien und Überlegenheiten beibehalten zu können und somit den Charakter der Reproduktion von sozialer Ungleichheit in sich trägt. (Bourdieu 1986)
Die weitgehend unterschiedlichen Ansätze der drei maßgeblichen Sozialkapitaltheoretiker lassen sich abschließend unter folgenden Gesichtspunkten subsumieren.
Robert Putnam arbeitet primär mit der Idee von Vereinen und bürgerlichem Engagement als Grundpfeiler der sozialen Integration und des Gemeinwohls.
37
Dabei betrachtet er Soziales Kapital viel mehr als eine Ressource der Gesellschaft denn als Ressource einzelner Individuen oder sozialer Gruppenverbände. Im Fokus der Coleman‟schen Betrachtung steht die Grundannahme rational handelnder Individuen zur Verfolgung eigener Interessen. Er betrachtet Sozialkapital als eine Ressource, welche besonders Angehörige sozial benachteiligter Schichten für sich nutzbar machen können. Bourdieu‟s Anliegen hingegen konzentriert sich auf Fragen des ungleich verteilten Zugangs zu Ressourcen und die Aufrechterhaltung von Machtstrukturen durch soziales Kapital als ein Vermögen zur Bewahrung sozialer Hierarchien und Statuspositionen.
In der Folge werden zwei grundlegend divergierende Betrachtungsweisen auf das Sozialkapital erkennbar. Zum einen, die Auffassungen Putnam‟s und Coleman„s, welche stellvertretend sind für einen Sozialkapitalbegriff, der sich von Machtstrukturen loslöst und als Bereicherung für Individuum und Gesellschaft gesehen wird und zum anderen die Ebene Bourdieu‟s, welche sich primär Machtstrukturen zum Gegenstand macht und Sozialkapital als Bereicherung der Privilegierten und somit gleichzeitig als Benachteiligung der Unterprivilegierten sieht.
Hinsichtlich der Thematisierung einer virtuellen Perspektive sozialen Kapitals ist festzuhalten, dass sowohl James S. Coleman, als auch Pierre Bourdieu nicht zuletzt aufgrund des frühen Zeitpunktes der Formulierung ihrer Theorien, den Aspekt virtuell basierter Netzwerke unbeachtet lassen und die vorliegenden Konzeptionen zum Sozialkapitalbegriff gegenüber der Virtualität somit nicht angreifbar sind. Nichtsdestotrotz dienen die Konzeptionen beider Theoretiker Robert D. Putnam als Grundlage seiner Theorie (Putnam 2000), in welcher er in der Virtualität weniger ein Potential, als mehr eine Gefahr hinsichtlich der Herausbildung sozialen Kapitals sieht.
Im Folgenden soll nun mit Alejandro Portes ein weiterer Sozialkapital-Theoretiker eingeführt werden, welcher sich innerhalb seiner Ausführungen auf die konzeptionelle Arbeit von Robert D. Putnam, James S. Coleman und Pierre Bourdieu stützt, jedoch als Ergänzung zu diesen eine weiterführende Dimension in Form von etwaigen Quellen, sowie Auswirkungen des Konzeptes Sozialkapital in das Zentrum rückt.
38
5.1.3 Alejandro Portes
Auf der Grundlage der drei dargestellten theoretischen Ansätze des Sozialkapitals, mit besonderem Augenmerk auf die Ausführungen von James S. Coleman und Pierre Bourdieu, basiert auch das Werk „Social Capital: Its Origins and Applications in Modern Sociology“ (1998) von Alejandro Portes. Dieses ist, neben den klassischen Theorien sozialen Kapitals, in besonderem Maße hervorzuheben, da sich der Autor nur marginal an der Diskussion einer definitorischen Klärung dieser Kapitalform beteiligt, sich jedoch vermehrt mit den Aspekten der Sozialkapital-Quelle, sowie mit etwaigen negativen und positiven Wirkungen dieses Konstrukts beschäftigt.
Vor diesem Hintergrund definiert Alejandro Portes Sozialkapital im Allgemeinen als: „(…) the capacity of individuals to command scarce resources by virtue of their membership in networks, or broader social structures.” (Portes 1995, S.12) Die Akquise und Generierung von Sozialkapital sei darüber hinaus nicht als individuelle Leistung anzusehen, sondern stelle vielmehr ein strukturelles Produkt interpersoneller Netzwerke dar: “Social capital is a product of embeddedness.“ (Portes 1995, S.13) Dieser Aspekt deutet bereits auf die Fokussierung hin, mit welcher Alejandro Portes in seinem Werk möglichen Quellen der Sozialkapitalgewinnung nachgeht.
Diesbezüglich unterscheidet Portes zwischen zwei differenzierten Ebenen, welche für ihn bezüglich potentieller Ursachen im Hinblick auf die Entstehung von Sozialkapital von Wichtigkeit sind und folglich einer getrennten Analyse bedürfen. Einerseits sei hier die Bedeutung egozentrierter Netzwerke per se und dessen individueller Nutzen zu analysieren, andererseits seien jedoch auch externe Beziehungen zu Individuen oder Gruppen, welche keinen strukturellen Bestandteil dieser egozentrischen Netzwerke darstellen, in den Fokus zu rücken. Hinsichtlich der Generierung von sozialem Kapital auf diesen beiden Ebenen, unterscheidet Alejandro Portes im Weiteren zwischen vier verschiedenen Quellen: „value introjection“, „bounded solidarity“, „relational embeddedness“, „structurally embeddedness“. (Portes 1998) Aus diesen resultiere die Ressource des Sozialkapitals, da die individuelle Motivation etwaiger Investitionen in soziale Beziehungen oder in externe Netzwerkstrukturen durch eine Analyse dieser Aspekte erklärbar gemacht
39
Arbeit zitieren:
Jonas Lohmann, Melina Thomas , 2010, Die Tragfähigkeit virtuellen Sozialkapitals, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen: neuer Titel erschienen: Die Tragfähigkeit virtuellen Sozialkapitals
Jonas Lohmann hat einen neuen Text hochgeladen
Social Networks (DIGITAL lifeguide)
So funktionieren Facebook, XIN...
Ron Faber, Manfred Schwarz
The Visual Worlds of Social Network Sites
Images and image-based communi...
Klaus Neumann-Braun, Ulla P. Autenrieth
Social Capital: Critical Perspectives on Community and "Bowling Alone"
Scott McLean, David Schultz, Manfred B. Steger
Social Capital: Critical Perspectives on Community and "Bowling Alone"
Scott McLean, David Schultz, Michael Brown
0 Kommentare