Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S.1
2. Forschungsgeschichte S.2
3. Beschreibung
1. Definition S.4
2. Verbreitung S.6
3. Lage S.7
4. Innenbebauung S.8
5. Fundgut S.11
4. Deutung der Anlagen im 20. Jahrhundert S.13
5. Fazit S.50
6. Literaturverzeichnis S 56
1. Einleitung
Als Viereckschanze bezeichnet man in Deutschland, Nordfrankreich, Tschechien und Österreich anzutreffenden Reste eines quadratischen, manchmal auch rechteckigen Areals mit umlaufendem Wall und Graben aus dem 2. und 1. Jahrhundert vor Christus.
Reinecke zurück, welcher diese 1910 prägte. 1
Für die meisten Viereckschanzen liegen keine oder nur spärliche Untersuchungen vor, so dass allgemeine Aussagen über ihren Zweck nur erschwert möglich sind. Mit dieser Arbeit möchte ich einen Überblick über die vielfältigen Deutungsversuche in der deutschen Forschungslandschaft bezüglich des Zwecks der sogenannten süddeutschen undert geben.
Den Schwerpunkt der Arbeit sollen hierbei die Grundlagen und Entwicklungen der verschiedenen Forschungsmeinungen in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, welche durch die Entdeckungen von Klaus Schwarz in der Viereckschanze Holzhausen 2 im Jahre 1959-1963 angestoßen wurden, bilden.
1 Wieland 1999, 1.
1
2. Forschungsgeschichte
Die Viereckschanzen waren vielfach Schauplatz diverser Volkssagen und wurden mit den Bauernkriegen oder dem Dreißigjährigen Krieg in Verbindung gebracht. 2 Seit 1830 wurden in etwa fünf Dutzend Viereckschanzen Untersuchungen durchgeführt, die meisten hatten allerdings nur den Charakter von Probesondagen, 3 vollständig ergraben wurden jedoch bis heute nur 12 Anlagen.
Die wissenschaftliche Beschäftigung begann mit ihrer Kartographierung im 19. Jahrhundert für militärische Zwecke in Baden-Württemberg. 4 In vielen Fällen sind diese historischen Karten die einzigen Belege für die Existenz vieler Anlagen, da sie teilweise vollständig eingeebnet wurden. 5 1830/31 erfasste Johann Nepomuk
Oberdonaukreis des Königreichs Bayern unter den Römern" die Ihm bekannten interpretierte sie als römische Befestigungen oder Gutshöfe. 6
Erste archäologische Untersuchungen fanden in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts und nach einer Unterbrechung wieder Ende des 19. Jahrhunderts statt. Folgende Ausgrabungen aus dieser Zeit sollen kurz Erwähnung finden: 1830 Türkheim, 1835 Pieverling , 1836 Sauldorf-Boll, 1892 Manching, 1893 Donnersberg, 1894 Heidenheim-Schnaitheim, 1896 Hardheim-Gerichtstetten, 1897 Westerheim und 1901 Leinfelden-Echterdingen. 7 Man ging zunächst von römischen Bauten aus, kam aber durch die Ausgrabung 1896 in Hardheim-Gerichstetten 8 , welche Pfostenstellungen hölzerner Gebäude zutage brachte, 9 zu dem Schluss, dass die Bauten keltischen Ursprungs seien. 10
Auf Anregung von Peter Goessler fanden vor und nach dem 1. Weltkrieg mehrere Grabungen statt; 11 in Auswahl zu nennen seien hier die bayerischen Anlagen Kelheim im Jahre 1909, Radldorf im Jahre 1921, Raderthausen im Jahre 1938 und Schönfeld im Jahre 1941 sowie die
2 Wieland 1999, 16.
3 Reichenberger/Schaich 1996, 83.
4 Reichenberger 2001, 109ff.
5 Reichenberger 2001, 110.
6 Schwarz 1960, 8.
7 Reichenberger 2001, 114.
8 Wieland 1999, 17.
9 Schwarz 1967, 51.
10 Reichenberger 2001, 115, Wieland 1995a, 86.
11 Planck 1986, 341.
2
baden-württembergischen Anlagen Altheim-Heiligkreuztal im Jahre 1921 sowie Esslingen-Oberesslingen im Jahre 1922/24. 12
Durch die Ausgrabungen von Gerhard Bersu in der Anlage von Leinfelden-Echterdingen im Jahre 1901 gelang es erstmals eine der charakteristischen hölzernen Toranlagen freizulegen, die Grabung in Oberesslingen führte zum Beleg für Gebäude in den Ecken der Schanze. 13 1959 kam es zur Vermessung sämtlicher in Bayern gelegener Schanzen sowie erstmalig zur Freilegung einer Schanze im oberbayerischen Holzhausen durch Klaus Schwarz 14 , durch dessen Publikationen basierend auf den dort gemachten Funden und Befunden die kultische Deutung der Schanze lange Zeit als gesichert galt.
Hierauf folgten die Untersuchungen der Anlagen vom Tomerdingen 1959 unter Leitung von Hartwig Zürn und Fellbach-Schmiden 1977-1980 unter Leitung von Dieter Planck. 15 Weitere wichtige Funde wurden 1984 in Ehningen 1984/1985 in Arnstorf-Wiedmais, 1991 in Bopfingen, 1994 in Plattling-Pankofen, 1996 in Pocking-Hartkirchen, 1991-1997 in Riedlingen und 1995/96 und 1999/2000 bei Nordheim gemacht. 16
Seit den 80er und 90er Jahren konnten vermehrt Schanzen, die nur teilweise obererdig erhalten waren, durch Luftbildarchäologie entdeckt werden. 17 Besonders intensiv verdichtet sich das Bild in ausgiebig agrarisch genutzten Regionen wie etwa dem Raum zwischen Regensburg und Straubing, dem Maindreieck oder der Münchener Schotterebene. 18
12 Reichenberger 2001, 115, Planck 1986, 341.
13 Planck 1982, 107.
14 Reichenberger 2001, 117.
15 Reichenberger 2001, 117.
16 Neth oJ, 73.
17 Reichenberger 2001, 117 / Schwarz 2008, 13.
18 Schwarz 2008, 13.
3
3. Beschreibung 3.1. Definition
Die Grundform einer Viereckschanze ist viereckig mit mindestens einem rechten Winkel, welcher als Hinweis auf einen Absteckungsvorgang bei der Bauplanung zu deuten ist. 19 Die Viereckschanzen bestehen aus einem geradlinigen, oben abgerundeten Wall mit überhöhten Ecken und vorgelagertem Graben. In der Mitte einer Seite wird der Wall durch ein Tor unterbrochen, während der Graben davor mittels einer Brücke aus Holz oder Aushub überquert werden konnte. 20 Das Tor befindet sich meist im Osten, seltener im Westen oder Süden, aber nie im Norden.
Ebenso charakteristisch ist eine Erhöhung der Innenfläche der Anlagen zwischen 0,1-1,0 Meter 21 , die in der jüngsten Forschung auf natürliche Vorgänge wie durch landwirtschaftliche Nutzung begünstigte Erosion zurückgeführt wird. 22 Die Größe der Viereckschanzen bewegt sich zwischen 0,4 und 1,8 ha 23 mit einem Durchschnittswert von etwa 0,8ha. 24
Durch das Fundgut werden die Anlagen in die späte Latènezeit D1/2 (2/1. Jh.v.Chr.) datiert 25
Dendrochronologische Untersuchungen in der Schanze von Fellbach-Schmieden und Riedlingen weisen in die gleiche Zeit.
26
Die Mehrheit der Einfriedungen wurde in der Stufe Latenè D1 gegründet und spätestens in der 1. Hälfte des 1. Jahrhunderts vor Christus im Zuge des Zerfalls der Oppidakultur in Süddeutschland 27 aufgegeben 28 und nachweislich vielfach durch ein großes Schadfeuer zerstört. 29 Auffallend sind hierauf umgehend folgende Einebnungen, die nicht zur Vorbereitung einer erneuten Bebauung dienten, sondern das Ende der Siedlung
19 Wieland 1999, 11.
20 Schwarz 1960, 15.
21 Bittel et.al. 1990, 51.
22 Wieland 1999, 39.
23 Wieland 1999, 11.
24 Bitttel et.al. 1990, 28. 25 Von Nicolai 2006, 7.
26 Von Nicolai 2006, 7.
27 Meixner 2009, 357.
28 Von Nicolai 2006, 7.
29 Meixner 2009, 347.
4
darstellten. 30 Diese Einebnungen fanden besonders im Bereich ehemaliger wichtiger Bauten statt wie dem Eingangsbereich und dem Hauptgebäude. 31
Nach wie vor lebhaft diskutiert wird die Nutzung der Anlagen in römischer Zeit. 32 Die Befunde scheinen im Allgemeinen dafür zu sprechen, dass zwischen der Aufgabe durch die keltische Bevölkerung und der Nutzung durch die Römer ein Hiatus lag. 33 Funde römischer Keramik in Viereckschanzen lassen sich erst auf das Ende des 1. Respektive des 2. Jahrhunderts nach Christus datieren, Funde aus dem frühen 1. Jahrhundert nach Christus sind sehr selten . 34
30 Meixner 2009, 347.
31 Meixner 2009, 356f.
32 Wieland 1999, 113.
33 Wieland 1999, 113f.
34 Wieland 1999, 114.
5
Verbreitung 3.2.
Das Hauptverbreitungsgebiet der Viereckschanzen in Deutschland liegt in Bayern und Baden-Württemberg. 35 Im Norden reichen sie bis zum Main, im Süden bis zum Fuß der Alpen, im Westen scheint der Rhein eine Grenze zu bilden, während der Inn die Verbreitung nach
Osten begrenzt.
36
Des Weiteren gibt es Anlagen in Nordfrankreich zwischen der Seine und der Dordogne sowie in der Schweiz, in Österreich, in Böhmen. In Bayern sind 236 Anlagen bekannt,
37
in Baden-Württemberg 110, wovon 74 noch oberirdisch sichtbar sind
38
, in der Tschechischen Republik 9, in der Schweiz 2, in Österreich 1 und in Frankreich 30.
Ob die französischen Schanzen mit den Süddeutschen direkt gleichgesetzt werden können ist in der Forschung umstritten, da dort aufgrund von Funden und Befunden eine kultische Nutzung belegt ist, für die im süddeutschen Raum die Belege fehlen. 39 Andererseits gibt es in Frankreich sogenannte ferme indigène, Baustrukturen innerhalb von Palisaden- und Grabeneinfriedungen, die von der jüngsten französischen Forschung dem ländlichen Siedelwesen zugerechnet werden und die den süddeutschen Schanzen recht nahe stehen. 40
35 Wieland 1999, 12.
36 Wieland 1999, 12.
37 Schaich 2002, 333.
38 Planck 1985, 344.
39 Wieland 1999 12.
40 Wieland 1999, 12.
6
Lage 3.3.
Früh wurde erkannt, dass die Viereckschanzen sich häufig an flachen Hängen, auf flachen Rücken und Kuppen und im Flachland vorkommen ohne exponierte Positionen und ohne Berücksichtigung fortifikatorischer Vorteile, das heißt Geländevorteile wurden ignoriert und Geländenachteile in Kauf genommen. 41 Ebenso erwähnenswert sind die häufige Nähe zu feuchtem Gelände und Gewässern sowie die ebenso oft auftretende Gewässerferne. 42 Des Weiteren liegen fast alle Anlagen in steinfreiem Gebiet, felsige und steinige Böden wurden gemieden, Böden aus Lehm, Lößlehm, Sand, Kiese und ihre Durchmischungen bevorzugt. 43 Bezüglich der Lage zeitgenössischer Latènesiedlungen - flache Hänge, Höhenrücken, flache Bergkuppen - und späterer römische Gutshöfe - flache Hänge mit Süd oder Ost-Ausrichtung, Wassernähe, guter Überblick über den Wirtschaftsraum- lassen sich viele Übereinstimmungen finden. 44
41 Wieland 1999, 23.
42 Wieland 1999, 23.
43 Wieland 1999, 31.
44 Wieland 1999, 32.
7
3.4. Innenbebauung
Innerhalb der Umfriedung ist eine Bebauung mit einem festen Bestand an Gebäuden zu erkennen. An der Wallinnenseite gegenüber dem Eingang liegen meist relativ große, rechteckige Zentralbauten mit bis zu 20 Metern Seitenlänge und starken und tief eingegrabenen Pfosten im Innenraum.
In oder nahe den Ecken befinden sich umzäunte Vierpfostenbauten, Umgangsbauten mit einem oder zwei Zugängen und weitere Kleinbauten, welche als Speicher gedeutet werden können, während der Innenteil weitestgehend unbebaut war. 45 Die Tore der Anlagen sind bei obertägig erhaltenen Anlagen noch als breite Walllücken erkennbar, meist in der Mitte der Ostseite, selten im Süden im Westen, jedoch doch nie in der Nordseite. Teilweise handelte es sich vermutlich um eindrucksvolle Toranlagen. 46 Als charakteristische Form der Wallanlage bei den Viereckschanzen gilt der aufgeschüttete Erdwall von 2-3 Metern Höhe mit abgerundeter Krone 47 und einer Fußbreite von bis zu 7
45 Donat 2008, 165.
46 Wieland 1999, 39.
47 Bittel et.al. 1990, 33.
48 Wieland 1999, 42.
49 Schaich 2002, 341.
50 Bittel 1982, 108, Schwarz 1960, 31.
51 Schaich 2002, 341.
8
Vorformen dieser Erdwälle bildeten in vielen Fällen Zaunumfriedungen 52 wie zum Beispiel in
Holzhausen,
53
welche später durch einen aufgeschütteten Erdwall mit vorliegendem Graben ersetzt wurden.
54
Noch rätselhaft ist das Phänomen der Mehrfachschanzen oder Schanzen mit Erweiterungen und Anbauten, das heißt die Schanzen wurden teilweise umgestaltet, verkleinert oder vergrößert,
ggf. wurden auch angrenzende
Siedlungsareale in die Umwallung mit einbezogen. 55
52 Bittel 1982, 106.
53 Wieland 1999, 44.
54 Bittel 1982, 106f.
55 Wieland 1999, 44.
9
3.5. Fundgut
Bezüglich der Fundmenge in Viereckschanzen kann nicht von Fundarmut oder Fundreichtum gesprochen werden, es liegen teilweise sehr unterschiedliche Verhältnisse vor, so scheint in Bayer sowie in Baden-Württemberg ein
Fundreichtum. 56 Verglichen mit den Funden aus Oppida und offenen Siedlungen macht sich jedoch ein niedriger Anteil an Metall-Kleinfunden und Schmuck wie Fibeln, Münzen, Beschlägen, und ähnlichem bemerkbar. 57
Der überwiegende Teil der Funde besteht aus Keramik. Die Keramik ist handgeformt und stammt vornehmlich aus lokaler Fertigung, der Anteil an Drehscheibenware und bemalter Feinkeramik ist allgemein gering. 58 In seltenen Fällen fanden sich auch Bernsteinfragmente und Keramik mediterraner Herkunft wie frührömische Weinamphoren. 59 Vereinzelt sind aus den Anlagen in Plattling-Pankofen, Königheim-Brehmen und Schierling-Unterlaiching Depotfunde eiserner Arbeitsgeräte bekannt. 60 Aus Nordheim, Bopfingen und Riedlingen sind Metallschlackenfunde und Gußformfragmente aus Ton bekannt 61
Für die zahlreichen Waffenfragmente aus den keltischen Heiligtümern Gournay-sur-Aronde und Ribemont-sur-Ancre gibt es in Süddeutschland keine Entsprechung.
62
Tierknochenfunde konnten ebenso nur vereinzelt gemacht werden. Die häufigsten Tierarten sind Schwein und Rind, seltener Schaf und Ziege, Hund und Pferd kaum. Vereinzelt finden sich auch Menschenknochen, denen aber nicht eindeutig die Verwendung zu kultischen Handlungen zugewiesen werden können.
56 Schaich 2002, 344.
57 Wieland 1999, 54.
58 Wieland 1999, 55.
59 Rieckhoff 2001, 229f.
60 Wieland 1999, 56.
61 Wieland 1999, 88.
62 Wieland 1999, 60.
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Arbeit zitieren:
Michael Jan Riepe, 2010, Die sogenannten Viereckschanzen in Süddeutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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