Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 1
1.1. Untersuchungsgegenstand. 1
1.2. persönlicher Zugang. 1
2. Die Jugendkultur der Ultras 3
2.1. Entstehung der Ultras. 3
2.2. Ultras in Deutschland 4
2.3. Wettbewerb und Rivalität. 6
3. Ultras und ihre mediale Selbstdarstellung 7
3.1. Internet 7
3.1.1. Webseiten 7
3.1.2. Internetforen. 8
3.1.3. Youtube 9
3.2. Printmedien 10
3.2.1. Infozines 10
3.2.2. Fanzines 11
3.2.3. Fan-Magazine 12
3.3. DVD. 12
4. Zusammenfassung 14
5. Empirische Untersuchung 15
5.1. Erstellung des Fragebogens. 15
5.2. Durchführung der Befragung 15
5.3. Ergebnisse 15
6. Fazit. 17
7. Literaturverzeichnis. 18
8. Anhang 1: Abbildungen. 20
9. Anhang 2: empirische Untersuchung 20
9. 20
9. 20
1. Einleitung
1.1. Untersuchungsgegenstand
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Ultras in Deutschland und ihrer Mediennutzung. Im Vordergrund steht hierbei die Selbstdarstellung der Ultras über die Medien. Ultras sind (Fußball-)Fans, die durch ihr Auftreten und ihren extremes Engagement auffallen. Dies macht sich im Stadion in Form von Gesängen, Choreographien 1 und anderen kollektiven Ritualen bemerkbar. Diese Inszenierungen spielen auch für die mediale Selbstdarstellung eine Rolle. Denn zumeist werden Berichte und Dokumentationen inklusive Bildern und Videos des eigenen Auftretens im Nachgang zu den Spielen verbreitet. Grund hierfür ist der Wettkampf der Gruppierungen um den Status der besten Fans. Nach dem Spieltag geht es für die Ultras weniger darum, welche Mannschaft gewonnen oder verloren hat, sondern vielmehr darum, welche Gruppe die beste Aktion gezeigt hat und wer durch eine besonders lautstarke Unterstützung aufgefallen ist.
Mit dieser Ausarbeitung soll aufgezeigt werden, inwiefern Ultras Medien gezielt einsetzen, um sich öffentlich zu präsentieren. Es wird zunächst grundlegend die Ultrabewegung dargestellt. Im Anschluss werden die eingesetzten Medien untersucht. Danach wird die empirische Untersuchung erläutert und des werden Ergebnisse dargestellt. Im letzten Teilkapitel werden die zusammengetragenen Ergebnisse aufgezeigt und präsentiert. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen dabei die nachfolgenden zwei Thesen:
a. Der Wettkampf um den Status der besten Fans ist der Hauptgrund der Selbstdarstellung der Ultras.
b. Ultras nutzen Medien gezielt zur Selbstdarstellung.
1.2. Persönlicher Zugang
Ich habe mich für dieses Thema unter anderem wegen meines persönlichen Interesses daran entschieden. Für mich ist es eine neue Herangehensweise an eine Thematik, mit der ich mich als langjähriges Mitglied einer Ultragruppierung fast täglich konfrontiert
1 Durch verschiedene optische Elemente wird auf der Tribüne ein Gesamtbild erschaffen (siehe
Anhang1, Abb.1 und Abb.2).
‐ 1 ‐
sehe. Nachdem ich in der Vergangenheit an diversen Info- und Fanzines 2 sowie der inhaltlichen Gestaltung der Internetseite meiner Gruppe mitgearbeitet habe, möchte ich mich nun aus anderer Perspektive mit der Handlungsweise der Ultras auseinander setzen. Durch meinen persönlichen Einblick in die Ultrabewegung und meine Gruppenzugehörigkeit ist es mir zudem möglich, eigene Erfahrungen direkt in diese Arbeit einfließen zu lassen. Da mir bei meiner Untersuchung, als Teil der Szene, weniger Misstrauen entgegengebracht wird als einem Außenstehenden, ist es mir zudem möglich Informationen aus erster Hand darzustellen und die ehrliche Meinung und Auffassung der Ultras zu reproduzieren. Ich sehe die Herausforderung dieser Arbeit darin, die Jugendkultur, der ich mich selber zuzähle, kritisch zu betrachten und dabei die Neutralität zu wahren.
2 Siehe 3.2.1.
‐ 2 ‐
2. Die Jugendkultur der Ultras
Aufgrund der verschiedenen Definitionen in Bezug auf Jugendkulturen fällt es schwer, eine allgemein gültige Einordnung für bestimmte Gruppen und Szenen vorzunehmen. Ein Definitionsansatz stammt von Dieter Baacke, einem Erziehungswissenschaftler: „Jugendkulturen sind diejenigen Teile einer nationalen oder übernationalen jugendlichen Population, die für das Jugend-Selbstverständnis einer bestimmten Epoche oder eines ungefähr angebbaren Zeitraums Leitbilder setzen und auch von den Erwachsenen […] als diejenige wahrgenommen werden, die aufgrund ihrer scharf konturierten Eigenarten mit oft herausforderndem Charakter für die ältere Generation in besonderer Weise Irritationen darstellen.“ 3 Dies soll bedeuten, dass eine Jugendkultur dann gegeben ist, wenn in einer bestehenden Kultur der Erwachsenen die Jugendlichen eine eigene neue Ausdrucksmöglichkeit finden, die ihr empfundenes Lebensgefühl widerspiegeln. Wilfried Ferchhoff ordnet beispielsweise in seiner Arbeit die Ultras als Jugendkultur ein. 4 Betrachtet man die Entstehungsgeschichte der Ultras, macht eine derartige Einordnung, in Bezug auf die Definitionsansätze, durchaus Sinn.
2.1. Entstehung der Ultras
Die Ursprünge der Ultra-Bewegung liegen in Italien. Dort begleiteten bereits in den 50er-Jahren Gruppen regelmäßig ihr Team zu Auswärtsspielen, die als „fedelissimi“ („Treuesten“) bezeichnet wurden. 5 Geprägt durch die Protestbewegung Ende der 60er-Jahre wurden viele Elemente des Straßenprotestes von den jungen fedelissimi ins Stadion transferiert. Entsprechende Komponenten waren Spruchbänder 6 , Transparente, die Verwendung von Trommeln und des Megafons. 7 Neben diesen ästhetischen und akustischen Elementen wurde aber auch der rebellische Geist jener Jahre ins Stadion mitgenommen und zum Ausdruck gebracht: „Jugendliche, die sich von der Elterngeneration distanzieren wollten und Inspiration in Protestbewegungen suchten, begannen landauf landab die Stadien zu okkupieren. Sie wollten wahrgenommen werden, aktiv und kreativ mitbestimmen, um so allen anderen Besuchern zu beweisen, dass die eigene Leidenschaft und Aufopferung gegenüber der Mannschaft von niemandem übertroffen werden konnte.“ 8
3 Vgl. Baacke, 2007, Seite 227.
4 Vgl. Ferchoff, 2007, Seite 187ff.
5 Vgl. Tesar, Leonhardsberder, 2004, Seite 10.
6 Siehe Anhang 1, Abb.4.
7 Vgl. Egerer, 2004, Seite 16.
8 Vgl. Tesar, Leonhardsberder, 2004, Seite 10. ‐ 3 ‐
Es entstanden also neuartige Fangruppen, welche sich in ihrem Erscheinungsbild und ihrer Einstellung zur älteren Generation abgrenzten. Durch ihre Lebendigkeit verwandelten sie die Fankurve in ein Spektakel. Die Bezeichnung „Ultras“ ist auf ein Ereignis 1969 zurückzuführen, als wütende Anhänger einen Schiedsrichter bis zum Flughafen verfolgten, weshalb ein Journalist das Verhalten als extrem, also „ultrà“ bezeichnete. Diese Bezeichnung etablierte sich in der Szene, so dass letztendlich die fedelissimi sich selbst so nannten. In den Folgejahren gründeten sich allerorts eine oder mehrere Ultra-Gruppierungen innerhalb der Fanszenen italienischer Klubs. Sie übernahmen schnell das Kommando in den Kurven und sorgten für strenge hierarchische Strukturen. So hängt zum Beispiel die Zaunfahne der dominierenden Gruppe zentral vor der Kurve. Sind noch weitere Gruppierungen in der Kurve präsent, so symbolisiert der Ab-stand ihres Transparents zu dem der dominierenden Gruppierung die Machtverteilung der Kurve. Die tonangebende Gruppe stellt zudem auch den Vorsänger, der per Megafon die Fangesänge koordiniert. 9
In den folgenden Jahrzehnten hatten die Ultras einen enormen Zulauf, so dass einige Gruppen zeitweise über mehrere Tausend Mitglieder verfügten. 10 Der Grund hierfür liegt nach Tesar und Leonhardsberger darin, dass den Jugendlichen kaum außerschulische Freizeitangebote zur Verfügung standen und „Identifikationsangebote, Zusammenhalt und Sicherheit nun die Ultrà-Gruppen boten“ 11 . Die Verbreitung in Europa hat zum Ende der 80er-Jahre begonnen, begünstigt durch das dauerhafte Auftreten der italienischen Vereine im Europapokal und der intensiveren medialen Aufbereitung des Fußballs.
2.2. Ultras in Deutschland
Die deutsche Fanszene wurde über viele Generationen hinweg hauptsächlich durch Einflüsse aus Großbritannien geprägt. Verschiedenste Formen des Fan-Daseins wie die Hooligans, Fanzine-Macher, kritische Fans und Groundhoppern 12 fanden so ihren Weg nach Deutschland. Mit Beginn der 90er-Jahre wurde die deutsche Fanszene dann dauerhaft auf die Fankultur in Südeuropa aufmerksam. Groundhopper kommunizierten ihre Impressionen in den heimischen Fanszenen und sorgten somit für neue Eindrü-
9 Vgl. Tesar, Leonhardsberder, 2004, Seite 10f.
10 Auch heute noch sind bei den größten italienischen Gruppen Mitgliederzahlen um die Zehn-
tausend üblich.
11 Vgl. Tesar, Leonhardsberder, 2004, Seite 10f.
12 Groundhopping bezeichnet die Absicht, möglichst viele Stadien, Arenen oder Hallen einer
bestimmten Sportart zu besuchen.
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cke. Verstärkt wurde dies durch die zunehmende Berichterstattung über die südeuropäischen Ligen im deutschen Fernsehen, sowie Berichte und Fotostrecken in deutschen Fanzines. Hinzu kam noch der Ausschluss der englischen Teams aus dem Europapokal, nach der Katastrophe im Heysel Stadion 1985 13 . Zu guter Letzt spielen auch die Veränderungen im britischen Fußball eine nicht unwesentliche Rolle. Hier seien die „Amerikanisierung“ des Sports, die reinen Sitzplatzstadien, Vereinsübernahmen durch Millionäre und die hohen Eintrittspreise beispielhaft genannt. 14 Es kam daraus folgend zu einer Vermischung der Elemente aus dem Süden und dem bislang herrschenden britischen Stils. Es entstanden die Vorboten der Ultras in Deutschland, sogenannte Supporter. Sie übernahmen optische Darstellungsformen wie Choreographien, Doppelhalter und pyrotechnische Gegenstände. Außerdem orientierte man sich am Vorbild der Vorsänger in Italien und setzte teilweise Megaphone zur Ko-ordination der Gesänge ein. Viele weitere Aspekte der Ultra-Bewegung erhielten hingegen vorerst keinen Einzug in die deutschen Fankurven und der britische Einfluss blieb weitestgehend bestehen. Erst die neue Generation, die zu jener Zeit begann ins Stadion zu gehen, orientierte sich fast ausschließlich nur noch am italienischen Vorbild. Die dortige Fankultur entsprach offensichtlich zunehmend mehr den Vorstellungen der nachwachsenden Fangeneration. In den 90er-Jahren gründeten sich schließlich die ersten deutschen ultraorientierten Gruppen, die die entsprechenden Elemente und Eigenschaften der Ultras in Italien nach Deutschland transferierten. Entscheidender Unterschied zu Italien und anderen südeuropäischen Ländern ist jedoch, dass die Ultra-Gruppierungen nicht die entsprechende Akzeptanz haben. Dies liegt daran, dass in Deutschland bereits eine ausgeprägte und facettenreiche Fankultur vorhanden war und auch weiter Bestand hat. In Italien sind die Ultras hingegen praktisch gleichzusetzen mit der Fankultur. Die Ultra-Bewegung in Deutschland verbreitet sich daher wesentlich langsamer als ihr italienisches Vorbild. Es wird den jungen Ultras viel Skepsis entgegengebracht und die aktive Fanszene, bestehend aus Kuttenträgern und Supportern, tut sich schwer damit, den Jüngeren das Kommando zu überlassen. Letztendlich haben es die Ultras aber nach gut einem Jahrzehnt geschafft, sich in ihren Fankurven zu behaupten und das Ruder zu übernehmen. Dies liegt vor allem am Rückzug der älteren Supporter aus der aktiven Fanszene. Die Ultras hingegen erlebten einen enormen Zuspruch gerade durch die nachwachsende Fangeneration. Die Mitgliederzahlen bewegen sich allerdings in wesentlich kleineren Dimensionen als in Italien. So verbuchen die größten deutschen Gruppen circa 700-1000 Mitglieder, wobei
13 Nach Ausschreitungen durch Fans des FC Liverpool wurden durch eine Massenpanik 39
Menschen getötet und über 400 weitere verletzt.
14 Vgl. Bazell, 2010, Seite 85ff. ‐ 5 ‐
Arbeit zitieren:
Philipp Piepiorka, 2010, Jugendliche Fußballfans organisiert als Ultras, München, GRIN Verlag GmbH
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