1. Einleitung S. 3
2. Die drei von der Tankstelle im Kino
2.1 Allgemeine Informationen zum Film S. 4
2.2 Inhaltsangabe des Films S. 6
2.3 Die Kinolandschaft zu Beginn der dreißiger Jahre S. 7
3. Der Film aus Sicht des Publikums
3.1 Die Lebensumstände der beginnenden dreißiger Jahre und das S. 9
3.2 Die drei von der Tankstelle als Fluchtpunkt aus dem Alltag? S. 12
4. Der Film aus der Perspektive des NS-Regimes
4.1 Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Störung S. 15
nationalsozialistischen Empfindens? Ausbruch aus dem Alltag in Die drei von der Tankstelle 4.2 S. 17
5. Schluss: Die drei von der Tankstelle. (Zuviel) Ablenkung vom NS-Alltag? S. 19
6. Literaturverzeichnis S. 24
7. Quellen S. 25
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1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt bis zum 01.10.1937 in deutschen
Tonfilmtheatern lief. Aus dieser langen Laufzeit, die aus verschiedenen Quellen hervorgeht, ergibt sich auch die Fragestellung der Arbeit. Einerseits gilt es herauszufinden, aus welchem Grund der Film sich derartiger Beliebtheit erfreute und das Publikum über mehrere Jahre fesseln konnte und andererseits, warum der Film 1937 durch eine erneuerte Entscheidung der Filmprüfstelle verboten wurde. Hierzu wird die Analyse des Filminhalts sowie der Darstellung und der mitwirkenden Personen vordergründig sein. Zum Einstieg in die Untersuchung bedarf es allgemeiner Informationen zum Film, sowie einer knappen Einführung in die Kinolandschaft und Filmproduktion der dreißiger Jahre, die zu Beginn der Arbeit dargelegt werden. Auf dieser Grundlage wird die genaue Untersuchung des Films
im Hauptteil der Arbeit stehen. Die Erarbeitung wird in zwei Schritte aufgegliedert. Zunächst wird eine Betrachtung des Films aus der Perspektive des Publikums erfolgen, die der Frage nachgehen soll, warum sich der Film so erfolgreich über Jahre hinweg zeigte. Dazu ist eine Verbindung des Filminhalts und der ihn umgebenden Lebensumstände notwendig. Hierbei wird auch das Selbstverständnis der Zeit in Beziehung zum dargestellten Leben der Protagonisten gesetzt werden, um dadurch einen Einblick in den Alltag der Menschen dieser Zeit zu erhalten.
Nachdem die Analyse im ersten Teil der Arbeit aus der Perspektive des Kinozuschauers erfolgt wird der Film anschließend aus der Sicht der nationalsozialistischen Filmpolitik untersucht. Hierzu wird die bereits zu Beginn aufgeworfene Frage, warum der Film 1937 verboten wurde analysiert. Dabei ist die jüdische Herkunft des Regisseurs möglicherweise eine zu einfache Antwort auf die Frage, sodass eine genauere Betrachtung des Filminhalts, der Darsteller und der Gesamtaussage des Films in Bezug zu aktuellen Ergebnissen der Forschung zu nationalsozialistischen Unterhaltungsfilmen und der Filmpolitik des Dritten Reiches gesetzt werden müssen. In diesem Schritt lässt sich dann eine Verbindung zwischen allen drei Kapiteln herstellen und zusammen auf die Fragestellung der Arbeit beziehen. So soll sich ein Bild des Alltags der Menschen im Bereich der Unterhaltung ergeben, das sich aufgrund eines Films analysieren lässt, der vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten entstand und somit ein übergreifendes Element der 20er und 30er Jahre ist. Dadurch kann sich eine besondere Einsicht in die Gedankenwelt und Sorgen der Menschen ergeben, die in den ersten Jahren des Nationalsozialismus lebten. War dies Ablenkung vom Alltag, von
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Widrigkeiten der Wirtschaftskrise, von Arbeitslosigkeit und Zahlungsunfähigkeit? In Bezug zum Verbot des Films 1937 war es vielleicht zu viel Ablenkung vom NS-Alltag? Stand das Leben, das im Film dargestellt wurde, dem gegenüber, was ein nationalsozialistischer Film vermitteln sollte? Daraus lassen sich einige Thesen ableiten. Die Menschen wollten von ihrem Alltag durch einen Film abgelenkt werden, indem alles so ist, wie sie es nicht hatten und haben konnten? Gleichzeitig war dieser Ausbruch aus der wirklichen Welt in eine produzierte Welt der Komödie, möglicherweise etwas, was den Nationalsozialisten missfiel, und die Anweisung zum Verbot des Films durch die Kontrollorgane hervorrief? Zur Funktion des Films im Nationalsozialismus gibt es verschiedenste Forschungen, besonders zu den Themen Propaganda und Starkult in der zunehmenden staatlichen Filmindustrie der späten dreißiger Jahre. Und auch zu den Filmen und der Kinolandschaft des Nationalsozialismus und auch der Weimarer Republik gibt es ein breites Spektrum an Forschungsliteratur. Bei den Filmen des Nationalsozialismus stehen allerdings häufig die instrumentalisierten Filme im Vordergrund, die nach der Etablierung des Filmapparats, oder zumindest nach 1933 entstanden sind. Hinsichtlich der genaueren Erforschung der Wirkung eines Films über die Zeit zwischen Weimarer Republik und Nationalsozialismus hinweg ist allerdings Weniger zu finden. Im Speziellen mit der in dieser Arbeit behandelten Filmoperette hinsichtlich ihrer Wirkung und des späteren Verbots bisher
keine Untersuchung vorgenommen worden. Somit lässt sich an diesem Punkt gut ansetzen um diesen Film und seine Auswirkung auf das Alltagsleben der Menschen näher zu betrachten.
2. Die drei von der Tankstelle
2.1 Allgemeine Informationen zum Film
Der Fil der 1930 von der Ufa produziert wurde, gehört zu den Filmoperetten in der damals relativ jungen Tonfilmsparte. Er wurde am 15.09.1930 uraufgeführt. Der Regisseur des Films, Wilhelm Thiele, war jüdischer Herkunft, was ihn später dazu zwang, nach Amerika zu emigrieren und dort weiterhin erfolgreiche Filmwerke zu produzieren. Unter Anderem drehte er einige Tarzan Filme. 1 In den Hauptrollen spielten die damals bereits sehr bekannten Darsteller Willy Fritsch, Oskar Karlweis und Lilian Harvey
1 Vgl. Albrecht, Gerd: Die grossen Film Erfolge, Vom Blauen Engel bis Amadeus, Frankfurt a.M. 1958, S. 17.
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2 , der ihn zu dem bekannten
Schauspieler machte, als der er noch heute gilt. Er erhielt dadurch viele weitere Hauptrollen in vielen weiteren Filmen, auch besonders in der Zeit des Nationalsozialismus. 3 Ebenso spielt die russische Darstellerin Olga Tschechowa mit, die als eine der Lieblingsschauspielerinnen Hitlers gilt und laut einigen Berichten und den Nachforschungen des Militärhistorikers Antony Beevor als KGB Agentin im Dritten Reich fungiert haben soll. 4 In wie weit dies zutrifft, soll an dieser Stelle nicht untersucht werden. Bedeutend für diese Arbeit ist allerdings die Tatsache, dass eine angebliche Lieblingsschauspielerin Hitlers im Film mitwirkte, ebenso wie der später von Hitler gern gesehene Heinz Rühmann. Der Film wurde innerhalb von sechs Wochen sowohl in der deutschen wie auch der französischen Fassung abgedreht. Die Synchronisation, wie sie heute bekannt ist, war damals noch nicht üblich. 5 So zeigt sich jedoch in der Produktion der mehrsprachigen Fassung ein gesteigertes Interesse am Film, das einen ersten Hinweis auf seinen Erfolg andeutet. Ebenso zeigt eine Neuauflage aus der Bundesrepublik von 1950, wie erfolgversprechend das Material auch noch zwanzig Jahre nach seiner Uraufführung war. Zudem wurde im Jahr 2005 ein gleichnamiges Musical in Berlin uraufgeführt. 6 Die Lieder des Films, die ihn zu der - chten, waren ebenso erfolgreich wie der Film selbst. 7 Sie wurden von Werner Richard Heymann komponiert, der sich auch für viele weitere
D, das sich als Hauptthema durch
den ganzen Film zieht. Auf die Bedeutung dieses Themas wird im Verlauf dieser Arbeit noch näher eingegangen. Zunächst lässt sich ganz einfach eine wechselseitige Verbindung vom Erfolg des Films und dem Erfolg der darin verwendeten Lieder nicht von der Hand weisen. Der Film wird als einer der erfolgreichsten Filme der Spielzeit 1930 und 1931 gehandelt und scheint darüber hinaus auch in den folgenden Jahren weiterhin großen Anklang beim Publikum gefunden zu haben. 8 Im Lexikon des internationalen Films wird er als der
2 Vgl. Winkler-Mayernhöfer, Andrea: Starkult als Propagandamittel? Studien zum Unterhaltungsfilm im Dritten
Reich, München 1992, S. 133.
3 Vgl. Lowry, Stephen / Korte, Helmut: Der Filmstar, Brigitte Bardot, James Dean, Götz George, Heinz
Rühmann, Romy Schneider, Hanna Schygulla und neuere Stars, Stuttgart [u.A] 2000, S. 32.
4 Vgl. Beevor, Antony: Die Akte Olga Tschechowa, München 2004.
5 Vgl. Borgelt, Hans: Die UFA ein Traum, Hundert Jahre deutscher Film Ereignisse und Erlebnisse, Berlin
1993, S. 182.
6 Vgl. Albrecht, Gerd, S. 17.
7 Vgl. Borgelt, Hans, S. 182.
8 Vgl. Lowry, Stephen / Korte, Helmut, S. 32.
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- 9 dargestellt. Dafür sprechen außerdem
einerseits der bereits erwähnte Durchbruch des Darstellers Heinz Rühmann, andererseits aber auch der Umgang mit dem Film durch die Filmprüfstellen, die ihn 1935 zunächst unter der Prüfnummer 30 869 zuließen, ihn aber 1937 durch Außerkraftsetzen der Anordnung von 1935 komplett verboten. 10 Somit scheint der Film zumindest an öffentlichen Orten vielfach weiter gezeigt worden zu sein, da sich ein Verbot ansonsten erübrigt hätte. mit Rühmann-Filmen wurde das Reich flächendeckend versorgt. Selbst das ab gelegenste Kino in der Provinz hatte sie im Programm und konnte sicher sein, daß [sic!] sie 11 Wenn
diese Aussage auch eher auf spätere Rühmann-Filme gemünzt isti von der , so zeigt es doch die gängige Praxis auf, dass
erfolgreiche Filme lange Zeit noch im Kino gezeigt wurden. Hierdurch lässt sich ein langjähriger Erfolg über die Spielzeit 1930/31 bis in die zweite Hälfte der dreißiger Jahre begründen. Daraus ergibt sich auch der eindeutige Bezug zwischen dem Film und dem Alltagsleben im NS.
Der Film hat eine Länge von 90 Minuten und ist auch in dieser Form erhalten geblieben, sodass sich der Originalschnitt aus dem Jahr 1930 nachvollziehen lässt. Der Analyse des Films liegt die 2004 veröffentlichte DVD Version zugrunde, die in der UFA Klassiker Edition erschien. Der Inhalt des Films wird im Folgenden kurz dargestellt um die Grundlage für die Auseinandersetzung mit der Fragestellung der Arbeit zu schaffen.
2.2 Inhaltsangabe des Films
Die drei guten Freunde, Willy, gespielt von Willy Fritsch, Kurt, gespielt von Oskar Karlweis und Hans, dargestellt durch Heinz Rühmann, kehren nach einer Reise in ihr Haus zurück und finden an jedem Möbelstück einen Kuckuck des Gerichtsvollziehers. Durch ein Telefonat mit ihrem Bankier erfahren sie, dass sie völlig pleite sind. Der Gerichtsvollzieher nimmt sodann alles mit, was die drei Herren nicht am Körper tragen, und sie bleiben mittellos zurück. Das einzige, was sie durch Flucht behalten können, ist ihr Wagen, mit dem sie auf der Reise waren. In dieser Fluchtsituation bleibt ihr Wagen allerdings aufgrund eines leeren Benzintanks auf einer unbewohnten Straße stehen. Da sie weit und breit keine Tankstelle finden können, kommt den Dreien die Idee, ihren Wagen zu verkaufen und dafür an eben
9 Brüne, Klaus (Hrsg): Die Drei von der Tankstelle, in: Lexikon des internationalen Films, das komplette
Angebot in Kino, Fernsehen, auf Video und DVD Band D-F, 1995, Sp. 1198.
10 Vgl. Deutsches Filminstitut DIF e.V. vertreten durch den Vorstand Frau Claudia Dillmann, Schaumainkai
41, D-60596 Frankfurt am Main, (Zugriffsdatum: 14.10.2010).
11 Kleinhans, Bernd: Ein Volk, ein Reich, ein Kino. Lichtspiel in der braunen Provinz, Köln 2003, S. 138.
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Arbeit zitieren:
Jörg Meurer, 2010, Die Drei von der Tankstelle: (Zuviel) Ablenkung vom NS-Alltag?, München, GRIN Verlag GmbH
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