Der Begriff des sozialen Handelns von Weber und Luhmanns Kommunikationsbegriff im Vergleich
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Die Ego-Alter-Konstellation 3
3 Luhmann 4
3.1 Kommunikationssysteme 4
3.2 Autopoietisches System 5
3.3 Doppelte Kontingenz 6
4 Weber 8
4.1 Soziales Handeln 8
4.2 Subjektiver Sinn 9
4.3 Soziale Beziehung 10
5 Vergleich 11
6 Schlussbemerkung 13
7 Literaturverzeichnis 14
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Der Begriff des sozialen Handelns von Weber und Luhmanns Kommunikationsbegriff im Vergleich
1 Einleitung
Die Beantwortung der Frage nach den konstitutiven Eigenschaften von Sozialität gehört zu den grundlegendsten Aufgaben der Soziologie. Weber und Luhmann erheben beide den Anspruch, mit ihren Theorien „alles Soziale“ behandeln zu können, sich also auf alle historischen Ausgestaltungen von Sozialem zu beziehen (Luhmann 1984: 9). Dabei steht Luhmanns Vorschlag in seiner allgemeinen Theorie sozialer Systeme und Webers Gedanke in seiner Schrift der soziologischen Kategorienlehre bzw. seinem Werk zu den soziologischen Grundbegriffen niedergeschrieben.
Dass beide Theoretiker mit ihren Werken Grundlagen für die Soziologie schaffen wollen, kann als Indikator für einen gleichen Problembezug der beiden Wissenschaftler gewertet werden. Nicht gesichert ist hierin jedoch, ob beide Theoretiker in ihren Annahmen auch den Gegenstand des Sozialen in ähnlicher Weise betrachten. Es ist bekannt, dass für Weber Sozialität mit sozialem Handeln gegeben ist, während für Luhmann kommunikatives Geschehen die Voraussetzung von sozialer Wirklichkeit darstellt (vgl. Greshoff 1999: 33). Das Ziel dieser Arbeit ist es daher, die beiden Gegenstandskonzepte miteinander zu vergleichen und so herauszufinden, „ob man von einem Grundbegriff der Kommunikation … oder von einem Grundbegriff der Handlung als letzter emergenter, für soziale Systeme nicht weiter auflösbaren Einheit ausgehen“ muss (Luhmann 1990a: 283). Lösen sich nämlich diese letzten Einheiten auf, dann verschwindet alles Soziale. Bevor wir uns mit den Begriffen soziale Handlung und Kommunikation als soziale Sachverhalte auseinandersetzen, soll geklärt werden, was im Sinne soziologischer Theorie als sozialer Sachverhalt zu verstehen ist. Danach lassen sich die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Begriffe klären.
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Der Begriff des sozialen Handelns von Weber und Luhmanns Kommunikationsbegriff im Vergleich
2 Die Ego-Alter-Konstellation
Die Voraussetzung für das Vorliegen eines sozialen Sachverhaltes bilden wenigstens zwei Akteure, die als Ego und Alter miteinander in einer Beziehung stehen und die in dieser ihr Verhalten aneinander ausrichten. Durch die wechselseitige Verhaltensabstimmung der beiden Handelnden entsteht eine neue soziale Ordnung, deren Merkmal es ist, dass sie nur von dem Ego-Alter-Verhältnis her begriffen werden kann.
Ego und Alter beziehen sich in ihrer Verbindung aufeinander, aber auch auf eine Umwelt. Zur Umwelt gehört in dem Fall alles, was einen Akteur umgibt, also Gegenstände, Tiere und andere Menschen. Die Umweltbeziehungen von Ego und Alter lassen sich in drei Arten unterscheiden: Auf der ersten Ebene erfährt ein Individuum den eigenen Zustand und nimmt gleichzeitig physische Dinge der äußeren Umwelt wahr. Dementsprechend kann es dann sein Verhalten entsprechend der Umwelt ausrichten. Eine weitere Form ist die, dass Ego Alter als ebenfalls wahrnehmendes Selbst einstuft, welches zwischen seiner Umwelt und sich selbst unterscheidet und auf dieser Basis seine Eigenaktivitäten steuert. Auf der letzten Stufe beobachten beide Akteure, dass der jeweils andere ebenfalls ein Selbst mit einer Umwelt ist, „in der das wahrnehmende Selbst ebenfalls als ein Selbst vor- kommt“(Lindemann 2006: 68).
In der Beziehung von Ego und Alter stimmen beide ihr Verhalten aufeinander ab. Die Basis dafür bildet nicht nur das sichtbare Verhalten des Anderen, sondern auch dessen vermeintliche Intentionen und Wahrnehmungen. Ego erwartet von Alter bestimmte, auf sich selbst gerichtete Verhaltenserwartungen. Er richtet sein Verhalten daraufhin nach diesen erwarteten Erwartungen aus. Die aufeinander bezogenen Erwartungen, also Erwartungs-Erwartungen, beschreiben einen sozialen Sachverhalt. Beide Akteure erwarten Erwartungen des Gegenübers und richten ihr Verhalten danach aus. Auf der Basis dessen können Ego und Alter eine soziale Ordnung etablieren (vgl. Lindemann, 2006: 68).
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Der Begriff des sozialen Handelns von Weber und Luhmanns Kommunikationsbegriff im Vergleich
3 Luhmann
3.1 Kommunikationssysteme
Im Zentrum von Luhmanns Systemtheorie stehen soziale Systeme. Sie operieren in Form von Kommunikationen und sind demnach Kommunikationssysteme. Kommunikationen sind für Luhmann emergente Realitäten, die zwar eine Mehrheit von mitwirkenden Bewusstseinssystemen voraussetzen, aber als Einheit keinem Einzelbewusstsein zugerechnet werden können (vgl. Luhmann 1998: 81).Den Begriff der Operation verwendet Luhmann im Sinne einer Aktivitätsart, die für das jeweilige System konstitutiv ist, mit der sich das System also selbst produziert und reproduziert (vgl. Berghaus 2003: 39 ff.). Im Operieren erzeugen Systeme „eine Differenz von System und Umwelt. Sie erzeugen eine Form, die zwei Seiten hat, nämlich eine Innenseite - das ist das System - und eine Außenseite, die Umwelt“ (Luhmann 1995a: 27). Das System operiert also nicht nur, sondern unterscheidet auch zwischen sich selbst und allem anderen. Dadurch, dass das System die Differenz zwischen sich und der Umwelt in sich hinein kopiert, ergeben sich weitreichende Folgen. Aus der Differenz ergibt sich eine ganze Fülle an Unterscheidungen, Beobachtungen und Erkenntnismöglichkeiten und sie ist die logische Erklärung dafür, dass jede Realität eine Konstruktion ist. Die Welt bietet dem Beobachter eine Fülle an Potenzial für unendlich viele Möglichkeiten, sie zu beobachten und über sie zu kommunizieren. Durch die Systemgründung werden die vorher beinahe unendlichen Kommunikationsmöglichkeiten eingeschränkt (vgl. Schneider 2005: 379). Es gibt innerhalb eines sozialen Systems keine Offenheit für Willkürliches mehr. An ihre Stelle tritt vielmehr eine Sensibilität für Bestimmtes. Diese drückt sich in den Unterscheidungskategorien aus, die jeder Beobachter seinem Beobachtungsgegenstand hinzufügt und mit denen er selbst Teil des Beobach-tungsgegenstandes ist. Weil jeder Beobachter in dem ist, was er beobachtet, kann er sich nicht selbst beobachten und produziert so einen „blinden Fleck“ (vgl. Luh- mann2002b: 146). Das System grenzt Relevantes von Irrelevantem ab und unterscheidet zwischen sich selbst und der Umwelt. Damit wird die Offenheit für Willkürliches durch das Herausbilden eines Kommunikationssystems reduziert und Unbedeutendes aus der Umwelt ausgeblendet.
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Arbeit zitieren:
2008, Soziales Handeln bei Weber und Luhmann , München, GRIN Verlag GmbH
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