I Einleitung
Die Confessio Augustana ist ein grundlegendes Dokument für die lutherische Kirche. Am 25.06.1530 wurde sie dem Kaiser auf dem Reichstag zu Augsburg 1 , der angesichts der türkischen Bedrohung und der Religionsstreitigkeiten einberufen worden war, vorgelesen. In 21 Artikeln stellt Philipp Melanchthon ihre Glaubensinhalte und Lehren vor, in sieben weiteren die Missstände der katholischen Kirche. Die unmittelbare Reaktion auf katholischer Seite war die Confutatio Pontificia, in der sie sich sukzessive mit der CA auseinander setzte und zu den Artikeln Stellung nahm. Melanchthons Reaktion auf die Confutatio war wiederum eine Apoligie der Confessio, die sich jedoch der Kaiser gar nicht mehr anhörte. Eine langfristige Reaktion auf die Reformation war das Trienter Konzil, wo eine durchaus genauere Reflexion der Geschehnisse und somit auch des eigenen katholischen Glaubens erfolgte. Um das Wesen der lutherischen Theologie an manchen Aspekten, besonders in den Artikeln I-XXI, stärker zu betonen, werde ich die entsprechende Katholische Lehre darlegen und dabei u.a. auf die Confutatio oder auf Aussagen des Tridentinums zurückgreifen. Die Absicht der CA war, die Nähe der Reformatoren zur katholischen Kirche aufzuzeigen und somit den Religionsstreit beizulegen. Dieses Ziel scheiterte: Die Confessio wurde im Verlauf der nächsten Jahrzehnte zu einem signifikanten Merkmal der Anhänger Luthers und somit zu einem Symbol für die Kirchenspaltung, was darin gipfelte, dass das Konzil von Trient 1564 die Confessio Fidei Tridentina als „katholisches Gegenstück“ formulierte.
II. Die CA in den einzelnen Artikeln
i) Von Gott
Gott existiert in drei Personen, er ist ewig, mächtig und gewaltig. Die drei göttlichen Personen bilden eine Dreiheit auf der Relationsebene und eine Einheit auf der Substanzebene. („Bond of love, in Godhead one“ 2 ) Hierin gibt es keinen Unterschied zur katholischen Auffassung.
ii) Von der Erbsünde
Alle Menschen werden in Sünde, d.h. voll „böser Lust“ und ohne „wahren Gottesglauben“, geboren. Wird der Mensch nicht in der Taufe und im heiligen Geist neu geboren, so ist er
1 Martin Luther konnte aufgrund der Reichsacht, die 1521 gegen ihn verhängt worden war, nicht teilnehmen
2 Aus einer engl. Übertragung des Tantum ergo (URL: http://www.oremus.org/liturgy/ccp/15after.html).
verdammt. Im Lateinischen Text steht für „Lust“ „concupiscentia“ was die menschliche Suche nach „fleischlichen“ Dingen meint, also neben dem Sinnlichen auch das Streben nach Weisheit und Gerechtigkeit außerhalb der göttlichen Offenbarung. 3 Die Lehre der Pelagianer wird verworfen. (Pelagius war ein Theologe aus Britannien (+418), der behauptete, die Erbsünde sei nur ein schlechtes Beispiel des Adam, und keine wahre Sünde. 4 )
Die Katholische Kirche stimmt dem Artikel in der Confutatio Pontificia im Großen und Ganzen zu, lehnt jedoch ab, dass die Erbsünde „concupiscentia“ ist, die selbst nach der Taufe noch im Menschen als Sünde verweilt. Außerdem wird die fehlende Gottesfurcht als eine Sünde der Erwachsenen angesehen, die die Kinder ausschließt. Hierbei beruft sie sich auf Deut 1,39 („Eure Söhne, die heute nicht den Unterschied zwischen Gut und Böse kennen, werden hineingehen...“). Maria wird von der Erbsünde ausgeschlossen. 5
iii) Vom Sohne Gottes
Gott Sohn ist Mensch geworden aus Maria der Jungfrau, er ist wahrer Gott und wahrer Mensch, in ihm sind die beiden Naturen untrennbar vereint. Die Formulierungen sind eng angelegt an die Glaubenformel von Chalcedon und an die christologischen Artikel des Apostolicums. Dies entspricht der katholischen Lehre.
iv) Von der Rechtfertigung
Der Vergebung der Sünden kann nur erlangt werden aus der Gnade Gottes und dem Glauben, dass Christus für uns gelitten hat, und nicht durch „Verdienst, Werk und Genugtun“ . Diese Aussage hängt eng mit Artikel ii) zusammen, denn wenn der Mensch immer noch durch die Erbsünde belastet ist, kann er auch nichts als Sünde bewirken. 6 So ist die Gerechtwerdung vor Gott kein stetiger Prozess, der das Zutun des Menschen erforderlich macht, sondern eine Handlung Gottes, die sich auf den Tod Jesu Christi für alle Menschen gründet, und die wie die Erbsünde eine „Totalbestimmung“ (Grane) des Menschen ist. Die Katholische Kirche sagt zu dieser Thematik: „Die Rechtfertigung begründet ein Zusammenwirken zwischen der Gnade Gottes und der Freiheit des Menschen. Sie äußert sich dadurch, dass der Mensch dem Wort Gottes,(...), zustimmt... .“, „Der Mensch hat nur deshalb im christlichen Leben bei Gott
3 Grane, 35.
4 The Catholic Encyclopedia on CD-Rom (http://www.newadvent.org/cathen/11604a.htm).
5 K.v. Trient De Peccato Originali, VI (http://theol.uibk.ac.at/leseraum/texte/250-41.html).
6 Grane, 48.
ein Verdienst, weil Gott in Freiheit verfügt hat, den Menschen mit seiner Gnade mitwirken zu lassen“ 7 .
v) Vom Predigtamt
Gott hat, um den oben genannten Glauben zu erlangen, das Predigtamt und die Sakramente eingesetzt, durch die er uns den Heiligen Geist gibt, der den Glauben bewirken soll. Bemerkenswert ist hier, dass Sakramente und Verkündigung des Wortes hier beide Gleichermaßen als „Gnadenmittel“ angesehen werden 8 Die Lehre der Wiedertäufer wird verworfen, nämlich dass man ohne das Wort des Evangeliums den Heiligen Geist erlangen könne. (Die Wiedertäufer waren religiöse Gruppen, meist aus der Schweiz, denen die bewusste Glaubensentscheidung so wichtig war, dass sie sich als Erwachsene wieder-taufen ließen. 9 ) Der Bezugspunkt zur Katholischen Praxis des Mittelalters und der frühen Neuzeit besteht hier darin, dass die Verkündigung stärker betont wird, die zunächst ein Hilfsmittel darstellte, die allein in den Sakramenten empfangene Gnade zu verdeutlichen. 10
vi) Vom neuen Gehorsam
Eine Konsequenz des rechten Glaubens sind gute Werke, durch die man jedoch keine Gnade erhoffen darf. Gute Werke sind also Folge der Rechtfertigung, nicht ein Glied in ihr. 11 Bei diesem Artikel kommt ein kleiner Unterschied zwischen Luther und Melanchthon zum Vorschein: Melanchthon schreibt, der Glaube solle (debeat) gute Früchte hervorbringen, wobei für Luther beide Aspekte per se miteinander verbunden sind. Zitat Luther: „ So wie drei und sieben nicht zehn sein dürfen, es aber trotzdem sind, so darf auch der Gerechte nicht gut leben und Gutes tun, lebt aber gut und tut Gutes“ 12 Das Tridentinum antwortet auf diesen Artikel, gute Werke dienten der Wahrung der empfangenen Gnade und seien nicht bloß ihre Früchte. 13
7 KKK, 2008.
8 Grane, 56.
9 "Täufer." Microsoft® Encarta® 2006 [CD]. Microsoft Corporation, 2005.
10 Grane, 59.
11 Grane, 66.
12 WA 57, Gal, 105,24ff (Grane, 65, Anm.1).
13 Sessio VI, can.24 URL: http://theol.uibk.ac.at/leseraum/texte/250-43.html.
vii) Von der Kirche
Es ist wichtig, dass es eine heilige christliche Kirche gibt, welche die Versammlung der Gläubigen darstellt. Dabei kommt es nur darauf an, in Eintracht das Evangelium zu verkünden und die Sakramente gemäß dem göttlichen Willen zu spenden, nicht aber, gemeinsame Zeremonien einzusetzen. Die Confutatio nimmt Anstoß an der Formulierung „congregatio sanctorum“, worin sie die Sünder ausgeschlossen sieht, sowie an der These, gemeinsame Zeremonien seien unwichtig, wobei jedoch spezielle Riten nicht verworfen werden.
viii) Was die Kirche sei
Für die Gültigkeit des empfangenen Sakramentes ist die Würde des Spenders völlig irrelevant. Die Lehren der Donatisten werden verworfen, welche das Gegenteil beinhalten. Dieser Artikel wurde von katholischer Seite akzeptiert.
ix) Von der Taufe
Die Taufe ist nötig, durch sie wird Gnade ausgesprochen. Man soll auch Kinder taufen, was gegen die Auffassung der Anabaptisten spricht. Auch hier gibt es keinen Unterschied zur Römischen Lehre. Blickt man jedoch über die CA hinaus, so wird durchaus ein gravierender Unterschied zur katholischen Auffassung erkennbar, wenn Luther z.B. in „De captivitate babylonica“ behauptet, die Taufe nütze nichts ohne den Glauben. 14
x) Vom Heiligen Abendmahl
Es wird an der Realpräsenz festgehalten, welche von anderen reformatorischen Strömungen bestritten wurde. Wirft man einen Blick auf die lateinische Übersetzung, so fällt auf, dass die Worte „Brot und Wein“ unübersetzt bleiben, was eine leichte Annäherung an den Calvinismus bedeutet. Zur heiklen Thematik der Transsubstantiationslehre wird hier nicht Stellung bezogen, sodaß der Artikel nicht verworfen werden konnte. Transsubstantiation: In ihrer äußeren Erscheinungsweise bleiben Brot und Wein bestehen,
aber ihrem inneren Wesen nach werden sie im Geschehen der heiligen Eucharistie in den Leib und das Blut Christi verwandelt
14 Luther, “De captivitate Babylonica ecclesiae praeludium” Editio Melchior Lotter, Wittenberg 1520
(http://www.fh-augsburg.de/~harsch/Chronologia/Lspost16/Luther/lut_cap3.html).
Konsubstantiation (Luthers Erklärungsversuch): Wie sich in Christus Gott und Mensch zu
einer Einheit verbinden, so verbinden sich Brot und Wein mit Leib und Blut Christi zu einer sakramentalen Einheit. 15
xi) Von Der Beichte
Die private Lossprechung soll beibehalten werden, jedoch ist es nicht notwendig, alle Sünden aufzuzählen, ein Widerspruch zum 4. Laterankonzil („Omnis...fidelis...omnia sua solus peccata...confiteatur propio sacerdoti 16 “), wobei „alle“ im Sinne von „alle, die einem einfallen“ gemeint ist.
xii) Von der Buße (bezogen auf lat. Text)
Die Buße ist zu jeder Zeit möglich, wenn der Gefallene bereit ist, sich zu bekehren, Sie besteht aus zwei Teilen; Reue und Glauben. (Nach katholischem Verständnis besteht sie aus drei Teilen: Reue, Bekenntnis und Genugtuung 17 .) Reue bedeutet das Annehmen des Gerichts über die Sünden 18 und Glaube in dem Fall den festen Glauben daran, dass die Sünden auch wirklich vergeben sind. Ist die Bereitschaft der Umkehr gegeben, muss die Lossprechung erteilt werden. Somit wird der Geistliche zu einem Diener, durch den Gott seine Gnade wirken lässt, während er bisher die Rolle eines Richters innehatte, der darüber zu entscheiden hatte, ob die Sünde vergeben sei oder nicht. 19 Gute Werke sind eine notwendige Konsequenz aus der Buße. Auch wenn es nicht deutlich genannt wird, so nimmt die Buße hier den Charakter eines Sakramentes an.
Nach Grane ist dies ein sehr entscheidender Punkt der lutherschen Theologie, der Luther im Zusammenhang des Ablasshandels überhaupt erst zum Thesenanschlag veranlasst hat.
15 Evangelischer Erwachsenenkatechismus, hrsg. W. Jensch, H. Jetter, M. Kießig, H. Reller Gütersloher
Verlagshaus, 1. Aufl., Gütersloh 1975, 1008f.
16 Conc. LATERAN.IV (oec. XII) 1215, Cap. 21 (Denzinger, 437).
17 Conc. FLOR. (oec. XVII), Decretum pro Armenis (Denzinger 699).
18 Grane, 107.
19 vgl. 15.
xiii) Vom Gebrauch der Sakramente
Die Sakramente sind nicht bloß äußere Erkennungsmerkmale der Christen, sondern ein Zeichen des Willen Gottes gegenüber den Menschen, die im Glauben empfangen werden müssen, um den Glauben zu fördern und zu stärken.
Die Aussage, die Sakramente „nicht bloß äußere Erkennungsmerkmale der Christen“ richtet sich in erster Linie gegen Zwingli, welcher das Gegenteil behauptete („…sacramenta dari in Testimonium…gratiae“ 20 ) Nachdem der Artikel von der Katholischen Kirche in der Cofutatio zunächst akzeptiert worden war, bekräftigt das Tridentinum noch einmal das Prinzip „ex opere operatum“ und verurteilt damit die Auffassung, der Glaube sei Vorraussetzung für die Wirkung des Sakramentes. 21
xiv) Vom kirchlichen Regiment
Niemand ohne ordentlichen Beruf soll in der Kirche öffentlich lehren, predigen oder Sakramente spenden. Die Nennung des Wortes „öffentlich“ besagt hier, dass es im privaten Bereich durchaus erlaubt ist, christliche Wahrheiten weiterzugeben, wie es sogar im Rahmen einer religiösen Erziehung verlangt wird. Unter ordentlichem Beruf ist eine Berufung zu verstehen, angelehnt an alttestamentliche Berufungsberichte. Die Confutatio akzeptiert den Artikel unter der Vorraussetzung, dass unter „ordentlich“ eine Berufung im Einklang mit dem kanonischen Recht zu verstehen ist.
xv) Von den Kirchenordnungen (De ritibus ecclesiasticis)
Bräuche innerhalb der Kirche sollen beibehalten werden, insofern sie ohne Sünde sind, d.h., dem Evangelium entsprechen, und der Ordnung der Kirche dienen, was soviel heißt wie den Gläubigen eine Struktur ihres religiösen Lebens zu verleihen. Es wird abgelehnt, die Teilnahme an den Riten als für das Heil notwendig darzustellen, da die Rechtfertigung ja allein durch Christus erfolgt.
Mit Bräuchen, die „wider das Evangelium“ sind, hat Melanchthon hier besonders Klostergelübde und Fastenpraktiken im Blick.
20 Grane, 117.
21 K.v. Trient CANONES de sacramentis in genere (Denzinger 851).
Anhand dieses und des vorangehenden Artikels wird ganz deutlich, dass es den Protestanten im Grunde nicht auf eine Kritik an der gesamten kirchlichen Ordnung ankam, sondern nur an der „falschen“ Interpretation des Evangeliums 22 .
xvi) Von Polizei und weltlichem Regiment
In diesem Artikel wird klargestellt, dass die Reformatoren nicht an einem Aufwiegeln der gesellschaftlichen Ordnung interessiert sind, sondern dass sie die vorhandenen sozialen Strukturen, d.h. die Ständeordnung, als von Gott gegeben akzeptieren. Meiner Meinung nach beziehen sich die Äußerungen u. a. auf die aufständischen Bauern, die sich Anfang der Zwanzigerjahre auf die Reformatoren berufen hatten.
xvii) Von der Wiederkunft Christi zum Gericht
Am Jüngsten Tag wird Christus kommen, den Gläubigen das ewige Leben zu schenken und die Gottlosen in die Hölle zu schicken, was voll und ganz der katholischen Auffassung entspricht. Entgegengesetzte Meinungen, wie z.B. die der Anabaptisten, werden verworfen.
xviii) Vom Freien Willen
Der Mensch hat einen freien Willen, was alles Irdische belangt, jedoch bei seinem Verhältnis zu Gott ist er auf das Wirken des Heiligen Geistes angewiesen und hat keinen freien Willen. Die Confutatio akzeptiert den Artikel und betont, wie aufrichtig katholisch es sei, den gesunden Mittelweg zwischen den Pelagianern , die dem freien Willen eine zu große Bedeutung beimessen, und den Manichäern, die ihn gänzlich leugnen, zu beschreiten. Laut Grane waren dies aber gar nicht die Gegner, die Melanchthon hier im Blick hatte: Er dachte viel mehr an den Ockhamisten Gabriel Briel, der behauptete, der Mensch könne durchaus, obgleich es sehr schwer sei, sein Verhältnis zu Gott durch den freien Willen bestimmen, und an Erasmus von Rotterdam, der zwar Gott in diesem Punkt den größeren Einfluss beisprach, aber dem freien Willen des Menschen eine zumindest sekundäre Rolle zukommen ließ.
22 Grane, 129.
xix) Von der Ursache der Sünde
Die Ursache der Sünde ist das Böse in der Welt, d.h., „des Teufels und aller Gottlosen“, also auf keinen Fall Gottes Werk. Ziel des Artikels ist es, den Vorwurf des Determinismus abzuweisen, welcher impliziert, Gott sei Ursache der Sünde. 23
xx) Vom Glauben und guten Werken (siehe Arbeitsblatt)
xxi) Vom Dienst der Heiligen
Heilige sollen geehrt werden, indem man ihr Andenken in Ehren hält. Sie dienen als gutes Beispiel dafür, wie man ein gerechtes Leben aus dem Glauben führen kann. Aber man darf sie nicht anrufen, sondern nur Jesus. Wie zu erwarten, wird diese Meinung von der Katholischen Kirche nicht geteilt, das Tridentinum antwortet 1563: „Wer sagt, die Heiligen,…, müssten nicht angerufen werden,…, denkt unfromm“ 24
Nun beginnt der zweite Teil der CA, nachdem zunächst die Lehre dargelegt wurde, geht es nun um sog. Missbräuche in der katholischen Kirche, d.h., Traditionen, die sich ohne jede Begründung in den kirchlichen Alltag eingebürgert haben. Im „Schluss des ersten Teils“ wird noch einmal betont, dass keine der Lehren der heiligen Schrift oder den Überlieferungen der alten Kirche widerspricht.
xxii) Von den beiderlei Gestalten des Sakraments
Auch die Laien sollen das Abendmahl unter beiderlei Gestalten empfangen. Melanchthon beruft sich hierbei auf die Worte Jesu „Nehmet und trinket alle daraus!“ (Mt 26,27), sowie auf einige Väterzitate.
Das Konzil von Konstanz hatte 1415 im Zusammenhang mit Jan Hus festgestellt, das Sakrament müsse an Laien nur unter der Gestalt des Brotes ausgeteilt werden 25
23 Grane, 152.
24 K.v. Trient: De invocatione, veneratione et reliquis Sanctorum et sacris imaginibus (Denzinger 984).
25 K.v. Konstanz: Definitio de communione sub una specie (Denzinger 626).
xxiii) Vom Ehestand der Priester
Auch Priester sollen heiraten dürfen, da die Schrift und altkirchliche Zeugnisse es belegen und die Ehelosigkeit auch Grund für Unzucht sein kann.
Als Gegenargument nennt die Confutatio die kirchliche Tradition und die Tatsache, dass man für die Opferhandlung keusch sein muss. 26
xxiv) Von der Messe
Die Messe ist kein gutes Werg, geschweige ein Opfer. In der Vergangenheit wurde die Messe oft unwürdig gefeiert und als Geldeinnahmequelle missbraucht. Christus ist schon zur Vergebung der Sünden gestorben daher ist es unnütz, Messen zur Vermehrung der Gnade zu zelebrieren. Die Messe ist dazu da, Glauben zu erwecken und die Gewissen zu trösten. Ohne den Glauben hat sie keine Wirkung.
Das Tridentinum sagt, die Messe sei ein Opfer insofern, als die den einmaligen Kreuzestod Jesu wieder präsent werden lässt.
xxv) Von der Beichte
Die Beichte soll „zum Trost der erschrockenen Gewissen, dazu um etlicher anderer Ursachen willen“ erhalten werden. Die Aussage aus Art. 11, dass es nicht nötig sei, alle Sünden zu nennen, wird noch einem bekräftigt, da es eine quälende Ungewissheit mit sich bringt, wenn alle Sünden zu nennen seien. Das Wichtigste bei der Beichte soll auch die Absolution sein und nicht die auferlegten Werke.
xxvi) Vom Unterscheid der Speise
Vom Fasten zu festgelegten Zeiten wird Abstand genommen: Erstens widerspricht es dem göttlichen Gebot und verdunkelt das Verdienst Christi um der Menschen willen. Zweitens wurde es zuweilen sogar höher als das göttliche Gebot gehalten. Drittens tragen sie zur unnötigen Beschwerung der Gewissen bei. Generell wird das Fasten nicht abgelehnt, aber die Vorstellung, man könne dadurch Buße tun und seine Sünden tilgen, da das ganze Leben, und zwar nicht nur punktuell, von einer solchen Auffassung durchdrungen sein soll.
26 Grane, 171.
xxvii) Von Klostergelübden
Klostergelübde sind gegen Gottes Wort und sogar gegen die Überlieferung der alten Kirche, zu Augustinus’ Zeiten war das Klosterleben nämlich frei. Die Institution Kloster wurde oft dazu verwandt, um Kinder vor dem Hungertod zu wahren, also eine echte Überzeugung, hat nicht immer eine Rolle gespielt. Das Klosterleben wurde als das ideale Christenleben dargestellt, wodurch man die Rechtfertigung erlangt, und so wurden die Gelübde noch höher als die Taufe angesehen. Dabei soll das göttliche Gebot doch stets über jedem irdischen stehen. Die Gelübde können auch nicht immer ernstgemeint sein, da viele schon als unmündige Kinder ins Kloster kamen. Einige verließen sogar Frau und Kind, um in Kloster zu gehen. Zusammenfassend lässt sich sagen: Klostergelübde geben vor, die Rechtfertigung zu erlangen, in den stand der Vollkommenheit zu erheben, ein Leben nach dem Evangelium zu führen und ein Übermaß an guten werken zu verrichten. „ Dieweil denn solches alles falsch, eitel und erdichtet ist, so macht es auch die Klostergelübde nichtig und unbündig“
xxviii) Von der Bischöfe Gewalt
Die Aufgabe der Bischöfe ist es, das Evangelium zu verkünden, Sünden zu vergeben und Sakramente zu spenden, und nicht sich in weltliche belange einzumischen, d.h., Könige ernennen, die Obrigkeit aufheben, weltliche Gesetze einführen oder gar kriege zu führen. Einige Bibelzitate werden zur Bekräftigung genannt. 27 Darüber hinaus sollen Bischöfe keine neuen Gebote schaffen die wider das Evangelium sind und nur die Gewissen beschweren, wie. Z.B. Fastengebote. 28
Im Schlusswort wird noch einmal darauf hingewiesen, dass keiner der Artikel der Schrift oder der gemeinen christlichen Kirche widerspricht und dass hier nur die wichtigsten Punkte genannt wurden und einiges unerwähnt bleibt, wie z.B. Ablasshandel und Kirchenbann.
27 Joh 18, 36: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt.“.
Luk 12,14 : „Er erwiderte ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Schlichter bei euch gemacht?“.
2Kor 10,4: „Die Waffen, die wir bei unserem Feldzug einsetzen, sind nicht irdisch, aber sie haben durch Gott die
Macht, Festungen zu schleifen;“.
28 Kol 2, 16: Darum soll euch niemand verurteilen wegen Speise und Trank oder wegen eines Festes, ob
Neumond oder Sabbat.
Verwendete Literatur
Deutscher Text der CA:
The Confession of Faith : Which Was submitted to His Imperial Majesty Charles V at the
Diet of Augsburg in the Year 1530_. by Philp Melanchthon, 1497-1560, German Text, Edited by F. Bente and W. H. T. Dau, Published in: Triglot concordia: The Symbolical Books of the Ev. Lutheran Church (St. Louis: Concordia Publishing House, 1921) URL: http://www.ctsfw.edu/etext/boc/ac/german/gac26.asc
Lateinischer Text der CA:
Connfessio Augustana, Textus: in: Corpus Reformatorum XXVI, Philippi Melanchthonis
Opera, quae supersunt omnia, 28 voluminibus. ed. C. G. Bretschneider, Brunsvigae, 1858, p. 263 - 336 URL:
http://www.fh-augsburg.de/~harsch/Chronologia/Lspost16/Melanchthon/mel_ca00.html
Grane, Leif, Die Confessio Augustana, Göttingen 1980 (2. Aufl.)
Denzinger, Henricus, Enchiridion symbolorum defintionum et declaratorum, editum a Ioanne
Bapt. Umberg S.J., editio 21-23, Friburgi Brisgoviae 1937
The Confutatio Pontificia, Edited by J. M. Reu, March, 1997 [Etext #853]
URL: http://www.gutenberg.org/catalog/world/readfile?pageno=1&fk_files=37127
Arbeit zitieren:
Michael Roßler, 2007, Die Confessio Augustana, München, GRIN Verlag GmbH
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