Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S.3
2. Zur Konstruktion von Geschlechtlichkeit in den Medien S.4
2.1 Die geschlechtspezifische Wirkung der Medien auf Politikerinnen. S.6
3. Der Status quo - Der Anteil von Politikerinnen auf Bundes- und Landesebene. S.7
3.1 Die Unterrepräsentanz von Politikerinnen in den Medien S.8
4. Schlussbemerkung S.10
2
1. Einleitung
Medien bilden aufgrund ihrer Funktion als Vermittlungsinstanz zwischen den Wählern und den Gewählten der Politik, eine wesentliche Grundlage des demokratischen Staates. Politiker und Politikerinnen die sich zur Wahl stellen, können sich über die Medien präsentieren und ihre politischen Inhalte vermitteln, während die Wählenden wiederum medial über die Politik der Machtinhabenden informiert werden und ihre Anliegen an die Politik weitergeben können. Eine werturteilsfreie Vermittlung und Darstellung der Politiker und Politikerinnen wäre demnach notwendig, um ein ausgewogenes Bild ihrer Kompetenzen, Leistungen und Ziele für das Wählervolk zu zeichnen. Die Präsenz der PolitikerInnen in den Medien ist generell ein wichtiges Kriterium, damit sie von der Wählerschaft wahrgenommen werden können, was sich entsprechend auf ihre Wahlchancen sowie die damit verbundene politische Laufbahn auswirkt. 1
Allerdings präsentierten sich sowohl die Politik als auch die Medien über einen langen Zeitraum als vorwiegend männlich besetzte und beherrschte Institutionen und weisen dementsprechend androzentrische Strukturen und männliche Spielregeln auf. 2 Auch die werturteilsfreie Vermittlung von Inhalten funktioniert nur bedingt, da Medien nicht nur zum Transport von Informationen dienen, sondern diese auch selektieren und mit Wertungen verknüpfen. 3
Aufgrund der androzentrischen Strukturen und der Medienwirkung, erscheint es daher notwendig zu überprüfen, ob Politikerinnen dieselbe Berücksichtigung in den Medien finden wie ihre männlichen Kollegen und ob sich ihre prozentuale Repräsentanz im Politikgeschäft im richtigen Verhältnis in den Medien wiederspiegelt oder ob eine geschlechtsspezifische Benachteiligung vorliegt. Dieser Frage werde ich nachgehen, indem ich die Konstruktion von Geschlechtlichkeit in den Medien vorstelle und anschließend, die prozentualen Anteile von Politikerinnen in den Medien und der Politik analysiere.
1 Vgl. Holtz-Bacha, Christina: Ist die Macht nun weiblich? In: Holtz-Bacha, Christina (Hrsg.): Frauen, Politik und Medien. Wiesbaden 2008, S.13
2 Vgl. Huhnke, Brigitta: MACHT, MEDIEN UND GESCHLECHT. EINE FALLSTUDIE ZUR BERICHTERSTATTUNGSPRAXIS DER DPA, DER TAZ SOWIE DER WOCHENZEITUNGEN DIE ZEIT UND DER SPIEGEL VON 1980-1995. Opladen 1996, S.37
und Vgl. Bauer, Christina: Merkel, Roth… und sonst keine. In: Holtz-Bacha, Christina (Hrsg.): Frauen, Politik und Medien. Wiesbaden 2008, S.9ff
3 Kötzing, Andreas: Politikinszenierung in der Medienwissenschaft. (Veranstaltungsdokumentation März 2006)
URL: http://www.bpb.de/veranstaltungen/PFCEV6,1,0,Sektion_1%3A_Politikinszenierung_in_der_ Mediengesellschaft.html#art1 (letzter Zugriff: 13.02.2009)
3
2. Zur Konstruktion von Geschlechtlichkeit in den Medien
Geschlechterrollen sind weder „natürlich“ noch „gottgegeben“. Sie sind vielmehr sozial konstruiert und Produkte ihrer gesellschaftlichen Verhältnisse. Im Rahmen sozialer Interaktionen wird Geschlecht ausgehandelt, zugewiesen und verkörpert. Da Medien in unserer heutigen Gesellschaft Sozialisierungsinstanzen sind, tragen sie ebenfalls zur Konstruktion von Geschlechtsbildern und damit zur Identitätsentwicklung bei. 4 Durch die medial vermittelten Geschlechtsstereotype sorgen sie für Vorstellungen von der eigenen wie der anderen Geschlechtsidentität und sind daran beteiligt, Geschlechtsstereotype zu verfestigen. Darüber hinaus normieren die medial weitergegebenen Geschlechterrollen, welche Verhaltensweisen bei welchem Geschlecht akzeptiert werden. 5 Um die Darstellung und Wirkung der Geschlechter in der deutschen Medienlandschaft zu untersuchen, wurde deshalb die Medienwirkung, seit der Entwicklung der Frauen- und Geschlechterforschung in den 70er Jahren, zum Gegenstand mehrerer Studien. Dabei zeigte sich in den unterschiedlichen Studien, die im Abstand von mehreren Jahren erfolgten ein relativ einheitliches Bild 6 :
Frauen sind in den Medien quantitativ unterrepräsentiert und ihre Darstellung steht oft im Widerspruch zu ihrer gesellschaftlichen und sozialen Realität. 7 Bestätigt werden konnte dieses Ergebnis auch durch die vierte Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking: „In den meisten Ländern zeigen die Print- und elektronischen Medien kein ausgewogenes Bild der vielfältigen Lebensformen und Beiträge von Frauen zur Gesellschaft in einer sich wandelnden Welt.“ 8
Weiterhin belegen mehrere Studien, dass mit zunehmender Seriosität des Medienbeitrages, die Zahl der Frauen als gesellschaftliche Akteure abnimmt. 9 Gründe hierfür lassen sich
4 Vgl. o. V. Trierer Medienblog. Medienblog des Faches Medienwissenschaften der Universität Trier. URL: http://weblog.medienwissenschaft.de/archives/1101 (Artikel vom 25. Februar 2007) letzter Zugriff: 13.02.09
und Vgl. Lüneborg, Margreth: Journalismus als kultureller Prozess: Zur Bedeutung von Journalismus in der Mediengesellschaft, Wiesbaden 2005, S.64
5 Vgl. Holtz-Bacha, Christina: Zur Einführung: Politikerinnen in den Medien. In: Holtz-Bacha, Christina; König- Reiling, Nina (Hrsg.): Warum nicht gleich? Wie die Medien mit Frauen in der Politik umgehen. Wiesbaden 2007, S.11
6 Vgl. Holtz-Bacha, Christina: Ist die Macht nun weiblich? In: Holtz-Bacha, Christina (Hrsg.): Frauen, Politik und Medien. Wiesbaden 2008, S.17
7 Velte, Jutta: Die Darstellung von Frauen in den Medien. In: Holtz-Bacha, Christina; Fröhlich, Romy: Frauen und Medien. Eine Synopse der deutschen Forschung. Opladen 1995, S.2
8 Bericht der Vierten Weltfrauenkonferenz. Kapitel IV: STRATEGISCHE ZIELE UND MASSNAHMEN. URL: http://www.un.org/Depts/german/conf/beijing/anh_2_10.html#iv-j (letzter Zugriff: 13.02.2009)
9 Vgl. Cornelißen, Waltraud; Gebel, Christa: Gleichberechtigung on air? Zur Präsentation von Männern und Frauen im niedersächsischen Hörfunk; eine empirische Untersuchung. Berlin 1999, S.23
4
Arbeit zitieren:
Agnes Tkotz, 2009, Der Faktor Geschlecht in der medialen Politikvermittlung, München, GRIN Verlag GmbH
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